Sorgen trotz Wohlstand - Die Zukunft ist auch nicht mehr das, was sie mal war

Kolumne Grauzone: Wirtschaftlich geht es den Deutschen gut wie lange nicht, dennoch haben die meisten Angst vor der Zukunft. Wer das belächelt, hat die menschliche Psyche nicht verstanden. Die Politik verstärkt die Sorgen noch

Die Wahrsagerin Sonja Catarina Benandanti blickt am 03.10.2014 auf der Esoterik-Messe in Stuttgart (Baden-Württemberg) in eine Kristallkugel.
Die Menschen glauben nicht einmal an die Zukunft der Zukunft / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Oktober erscheint sein Essay „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer“ bei zu Klampen.

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Alexander Grau

Zukunft, die noch nicht vergangen ist, beunruhigt mitunter. Und je mehr Zukunft die Zukunft zu bringen droht, desto unbehaglicher fühlt sich an.
Das erklärt, weshalb in Phasen großer ökonomischer Prosperität viele Menschen ein gewisses Unbehagen überkommt. Denn großer Wohlstand basiert nicht auf Stagnation, sondern auf Dynamik. Je größer also der objektiv gegebene wirtschaftliche Aufschwung, desto größer die Veränderungen und desto pessimistischer blicken viele in die Zukunft.

Und so verwundert es nicht, dass nach einer Umfrage, die der Zukunftsforscher Horst Opaschowski und das Ipsos-Institut zum Jahresende vorgelegt haben, 46 Prozent der Deutschen skeptisch und mit gemischten Gefühlen in die Zukunft schauen. Wer angesichts der guten Wirtschaftsdaten und niedriger Arbeitslosenzahlen darüber lächelt, hat die menschliche Psyche nicht verstanden.

Innere Sicherheit macht Freiheit erst möglich

Doch Zukunftssorgen sind nicht nur diffuse Produkte ökonomischer und sozialer Wandlungsprozesse. Sie haben mitunter auch konkrete und gut begründete Anlässe. So äußersten sich etwa 85 Prozent der in der besagten Studie Befragten skeptisch, dass „unsere Gesellschaft in der Lage sein wird, ein gutes Zusammenleben von Deutschen und Flüchtlingen zu ermöglichen“. 61 Prozent erwarten eine steigende Kriminalität, 49 Prozent mehr Hass und Gewaltbereitschaft.
 
Integration, Kriminalität, Gewaltbereitschaft – der gemeinsame Nenner dieser drei Begriffe ist die innere Sicherheit. Innere Sicherheit bedeutet Freiheit, also Lebensqualität. Denn nichts schränkt das Leben mehr ein als die Furcht vor Gewalt, die Sorge um Eigentum und Gesundheit oder das Gefühl, ganze Straßenzüge, U-Bahnstationen oder Parks besser zu meiden. Doch die innere Sicherheit ist Aufgabe der Politik. Und so sind die pessimistischen Einschätzungen der Menschen auch eine Misstrauenserklärung an die politisch Verantwortlichen.

Und die kommt nicht von ungefähr. Denn in den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein verhängnisvoller Trend zur Politisierung des Trivialen durchgesetzt – und damit zur Trivialisierung der Politik. Mit Hingabe verwickelt sich die politische Klasse im Namen so genannter „Gesellschaftspolitik“ in Nebensächliches und erweckt so den Eindruck, den Kerngebieten politischen Handelns auszuweichen.

Hinzu kommt, dass die politischen Akteure sich in den vergangenen Jahrzehnten Institutionen, Regeln und Einrichtungen geschaffen haben, die ihr Handeln erschweren. Sie hinterlassen bei den Bürgern den Eindruck, Politik werde woanders gemacht und die gewählten Verantwortlichen seien mehr oder minder machtlos. 

Das Fin-de-Siècle-Gefühl

Dass daher immer mehr Deutsche mit einer gewissen Skepsis in die Zukunft schauen, wie auch eine soeben erschienene BAT-Studie belegt, kann da kaum verwundern. Besonders auffallend: Die Menschen glauben nicht einmal an die Zukunft der Zukunft. Nur ein gutes Drittel geht laut BAT davon aus, dass im Jahr 2030 die Menschen mit Optimismus in die Zukunft schauen werden.

Das Ergebnis ist ein umfassendes Fin-de-Siècle-Gefühl, das sich, allem Wohlstand zum Trotz, seit einigen Jahren in Deutschland breitmacht. Die Ursachen dafür liegen selbstverständlich nicht nur in der Politik. In Phasen starker gesellschaftlicher Veränderungen ist früher oder später die Veränderungstoleranz bei den meisten Menschen aufgebraucht. Man sehnt sich nach Kontinuität und dem Althergebrachten. Doch das Althergebrachte ist unwiderruflich verloren und Kontinuität unter den Bedingungen der Moderne nicht herstellbar. Das verunsichert.

Die Politik verstärkt die Ängste noch

Aufgabe der Politik in solchen Zeiten wäre es, Sicherheit herzustellen und zu vermitteln und ansonsten auf die Selbstkorrekturkräfte der Gesellschaft zu vertrauen. Doch genau das Gegenteil geschieht. In der kindischen Annahme, in einer sich rasant verändernden Welt sei es ihre Aufgabe, die Gesellschaft zu modernisieren (was immer das heißen soll), erhöht die Politik den Veränderungsdruck auf die Menschen noch zusätzlich, indem sie sie mittels Gesellschafts-Engineering zwangsbeglückt. Das ist nicht nur paternalistisch, sondern erzeugt zudem den Eindruck, die Politik sei ihren eigentlichen Aufgaben nicht mehr gewachsen oder – schlimmer noch – an ihnen nicht interessiert.

Es ist kann nicht das Ziel von Politik sein, für gute Stimmung zu sorgen. Ein Land ist kein Ferienclub und Politiker nicht seine Animateure. Politik hat vielmehr die Rahmenbedingungen für eine funktionierende Gesellschaft zu schaffen. Ist das gegeben und fühlen die Menschen sich frei und sicher, stellt Optimismus sich von selbst ein. Umgekehrt bedeutet das: Die düsteren Zukunftsprognosen vieler Deutscher zu Beginn des Jahres 2018 sind ein Armutszeugnis für die politisch Verantwortlichen.

Nur Hamanda | Sa, 30. Dezember 2017 - 09:08

"In der kindischen Annahme, in einer sich rasant verändernden Welt sei es ihre Aufgabe, die Gesellschaft zu modernisieren (was immer das heißen soll), erhöht die Politik den Veränderungsdruck auf die Menschen noch zusätzlich, indem sie sie mittels Gesellschafts-Engineering zwangsbeglückt."
Diesem Satz ist nicht viel hinzuzufügen außer vielleicht: Was erlauben sich diese Politiker eigentlich? Was oder wer glauben sie zu sein? Welchen Respekt haben Sie vor den Bürgern?
Lügen folgen Lügen um Lügen zu verbergen, das ist das Dilemma. Und wir stehen vor einem großen Berg von Lügen. Das bedingt das Unbehagen.

Christa Wallau | Sa, 30. Dezember 2017 - 10:07

Es sind nicht einfach nur Gefühle, also die psychische Verfaßtheit des Menschen, welche die Skepsis im Hinblick auf die Zukunft bei vielen Deutschen hervorrufen.
Nein, es sind auch schlichte Tatsachen, d. h.
Menschheits-Erfahrungen, die jeder geschichtlich Interessierte abrufen kann.
Das römische Reich (beispielsweise)mit seiner großartigen Rechtskultur und seiner
vorbildlichen militärischen Organisation ist an
z u viel Wohlstand u. Selbstüberschätzung zugrunde gegangen! Die Übersatten und Reichen (= die Schicht der Verantwortlichen im Staate) verloren ihre Wachsamkeit und Vernunft.
Genau dies geschieht auch jetzt.
"Wir schaffen das!" bedeutet nichts anderes als: "Wir sind doch so tolle Menschen u. Deutschland ist ein reiches Land!"

Ja, Sie haben recht, lieber Herr Grau:
"Die düsteren Zukunftsprognosen sind ein
Armutszeugnis für die politisch Verantwortlichen".

"Deutschland schafft sich ab" (Thilo Sarrazin)

@Frau Wallau
"die Übersatten und Reichen verloren ihre Wachsamkeit und Vernunft". Ich würde Ihren Satz ergänzen um die Aussage, dass, nicht nur Reiche, sondern Menschen überhaupt, leicht ihren Verstand und ihre Widerstandskraft verlieren, wenn sie nicht mehr täglich für ihre Existenz arbeiten, kämpfen und schwitzen müssen.

Sie und Herr Grau haben ja so Recht. Während unsere Politiker immer neue, höhere Erwerbstätigenzahlen verkünden, hört und liest man nur von Entlassungen tausender Mitarbeiter. Diese werden dann schnell zu „abgehängten Bürgern“. Das trifft besonders auf den Osten unseres Landes zu.
Die Unsicherheit kommt jedoch auch durch die zunehmenden Konflikte in dieser Welt. Während die UNO uns „zur Hilfe“ auffordert, wird die Religion als Ursache nicht thematisiert. Religiöse Fanatiker sind für viele unmenschliche Taten verantwortlich. Mit der Öffnung unserer Grenzen besteht die Angst der hier schon länger Lebenden, dass diese religiösen Konflikte verstärkt zu uns kommen. Gleichzeitig sehen wir alle, wie z. B. die Christen in den „Fluchtländern“ aus religiösen Gründen verfolgt werden. Wer außer unseren Politikern kann die Zukunftsängste nicht nachvollziehen?

Holger Stockinger | Sa, 30. Dezember 2017 - 10:46

von nowadays ist ein Matriarchatsstifter. Er schafft einen "Wohlfahrtsstaat" mit mütterlicher Fürsorge bei wachsender Bevormundung mittels Durchsuchungsgesetzen und beklagt sich über steigende soziale Ungerechtigkeit, obgleich er finanziell bereits durch seinen politischen Einsatz Millionär geworden ist ...

"eingeordnet und zensiert darf doch jeder machen was er will" ... umso mehr Sicherheit, umso größer ist doch unsere Freiheit. Die geniessen wir Tag für Tag, indem wir wir uns unsere Selbstbestimmung nehmen lassen. Ob im Sessel vor der "Tagesschau" oder im Wartezimmer beim Onkel Doktor. Hauptsache jemand sagt wo´s lang geht. Sonst hätten wir vermutlich eine eigene Verantwortung; und dann ist´s nicht so einfach einen Schuldigen zu finden.

Wünsche Ihnen ein frohes neues Jahr, und möglichst heiter bleiben. Denn Humor ist schließlich ein kostenfreies Mittel um Gesund zu bleiben.

Sepp Kneip | Sa, 30. Dezember 2017 - 10:57

"Es ist kann nicht das Ziel von Politik sein, für gute Stimmung zu sorgen. Ein Land ist kein Ferienclub und Politiker nicht seine Animateure." Es ist die altrömische Maxime "Brot und Spiele", die hier zelebriert wird. Zu lange haben sich die Bürger davon einlullen lassen. Die andauernde Wiederholung, dass es uns noch sie so gut gegangen sei, wie derzeit, ist Ausdruck dieser Wohlfühl-Politik. Aber immer mehr erkennen die Menschen, dass sie in einer sich immer stärker aufblähenden Wohlfühlblase stecken, die keine Zukunftsfähigkeit hat und bald platzen könnte.

Es geht dabei nicht um den vermeintlichen Wohlstand, der ohnehin ungleich verteilt ist. Es geht um die Zukunftsfägikeit dieser Gesellschaft, dieses Landes, die durch falsche politische Weichenstellungen aufs Spiel gesetzt wird. Sei dies durch unterlassene Zukunftsinvestitionen, sei dies durch eine zerstörerische "Flüchtlings"-Politk, von der man annehmen muss, dass sie tatsächlich von außen diktiert wird. Das muss aufhören.

Marie Werner | Sa, 30. Dezember 2017 - 11:21

vielen Dank Herr Grau für Ihren ausgezeichneten Artikel.
Genau so ist es.
Die Politik erzeugt nicht nur Eindruck, sie sei ihren eigentlichen Aufgaben nicht mehr gewachsen, sondern sie ist restlos überfordert. Deshalb werden die Probleme schon längst tabuisiert. Unterstützung kommt vom "maaslosen" Netzwerkdurchsuchungsgesetz, wo kritische Stimmen regelmäßig mundtot gemacht werden.

Wie soll sich etwas ändern, wenn Wahrheiten nicht offen diskutiert werden?
Auch wenn es vielen in Deutschland gut geht, das Geld kann man auch nicht mit ins Grab nehmen.
Die absolute Aufgabe des Staates ist und bleibt, für die Sicherheit der Bürger zu sorgen. Tut er dies nicht, hat er auch keine Daseinsberechtigung.

Gudrun Philipp | Sa, 30. Dezember 2017 - 11:35

Herr Grau, was uns die Politiker weismachen wollen. Übervolle Kassen auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene, das widerspricht doch den Berichten über die katastrophalen Verhältnisse des öffentlichen Verkehrsnetzes, über den erschreckenden Notstand im Krankenhaus- und Pflegedienstbereich, über die Zunahme von Tafel-abhängigen Menschen, über die Unterversorgung der gesetzlichen Krankenkassen durch den Bund - und das sind nur einige Tatbestände, die viele Bürger an der gesicherten Zukunft zweifeln lassen. Ganz zu schweigen von dem Dauerthema "Integration kulturfremder Flüchtlinge". Wenn ich auf dieses Tableau schaue, verliere ich die Zuversicht, daß die Zukunft für unsere Kinder und Kindeskinder die sein wird, die uns die Politiker einreden wollen: sicher, stabil und friedlich.

Karin Zeitz | Sa, 30. Dezember 2017 - 11:59

führt nicht per se zu Zukunftsängsten, sondern dafür müssen konkrete Anhaltspunkte vorhanden sein. Den Beweis dafür liefern die neuen Bundesländer, in denen die Menschen 1990 einem gewaltigen gesellschaftlichen Wandel unterworfen waren. Die Zukunftsängste traten erst auf, als die Bundesregierung die Deindustrialisierung Ostdeutschlands durch die unheilvolle Politik der “Rückgabe vor Entschädigung“ und die Treuhandanstalt unter Birgit Breuel zugelassen hatte. Heutzutage werden die Zukunftsängste durch die desaströse Migrationspolitik verursacht. Intelligente junge Frauen in meinem Bekanntenkreis verzichten aus diesem Grunde darauf, Kinder in die Welt zu setzen und vergrößern damit ungewollt das Problem. Lange habe ich nicht geglaubt, dass Tilo Sarrazin Recht haben könnte, wenn es so weitergeht aber schon.

Ralf Altmeister | Sa, 30. Dezember 2017 - 12:01

Wo führt ein "Weiter so", sowohl im globalen als auch im europäischen und nationalen Maßstab hin, wenn sich Regierungsparteien einer Lagebeschreibung und den sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen verweigern ? Genau zu der beschriebenen Verunsicherung.
Wer sich damit beschäftigt weiß, dass global betrachtet, das exponentielle Bevölkerungswachstum die Ursache Nr. 1 für kriegerische Konflikte, Migrationsdruck und Umweltbelastung sind. Ein jährlicher Zuwachs an Erdbewohnern in der Größe Deutschlands, die alle gern ebenso wie in Deutschland leben würden, sind für den Planeten und die bestehenden Gesellschaftsstrukturen nicht verkraftbar. Es sollte deshalb auch nicht die Illusion geweckt werden, Europa könnte solidarisch, in spürbarer Größe, zu einer Entlastung des Problems beitragen, ohne seine (ohnehin fragile) wirtschaftliche und soziale Stabilität aufzugeben. Es wird darüber nicht diskutiert, weil es ideologische und religiöse Tabus berührt aber die Problemlösung muss kommen.

Karin Zeitz | Sa, 30. Dezember 2017 - 12:01

dass auch wirtschaftlich erfolgreiche Länder ihre Zukunft vergeigen können - ich lese gerade die Geschichte des Untergangs des römischen Reichs.

Wolfgang Tröbner | Sa, 30. Dezember 2017 - 12:13

"Aufgabe der Politik in solchen Zeiten wäre es, Sicherheit herzustellen". Das stimmt, Herr Grau. Doch es passiert genau das Gegenteil. Die deutsche Politik unter Federführung Merkels macht seit Jahren das genaue Gegenteil. Mit ihrer Flüchtlingspolitik nimmt sie uns und vor allem unseren Kindern die innere Sicherheit und auch die Zukunft. Milliarden Euro werden für sogen. Schutzsuchende ausgegeben, obwohl es mittlerweile die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass diese Menschen niemals auch nur einen Bruchteil dieses Geldes zurückzahlen werden. Geld, dass eigentlich dazu dienen müsste, die Infrastruktur und das Bildungssystem des Landes zu verbessern. Und das Paradoxe ist, dass die deutsche Bevölkerung nun selbst Schutz vor diesen Schutzsuchenden benötigt. Weihnachtsmärkte werden mit Betonteilen geschützt, für Frauen gibt es zu Silvester "Schutz"-Zelte. Soll so das Land aussehen, in dem wir gut und gerne leben? Glaubt noch jemand daran, dass sich die Lage jemals bessert? Mit Merkel?

Torsten Knecht | Sa, 30. Dezember 2017 - 12:28

... Merkels Zuwanderungspolitik zielt darauf ab, die Löhne niedrig zu halten.

Die SPD hatte die Dumpinglohnstrategie Agenda 2010 per Gesetz eingeführt. Die CDU nennt ihre AK-Einwanderung irreführend "Humanistischer Imperativ".

Interkulturelle Konflikte, muslimischer Antisemitismus, F-Gewaltopfer und Terror gibt es GRATIS (trotz 50 Mrd. Euro Aufwendungen) zur AK-Integration dazu.

Statt Wandel u. direkte Demokratie gibt es "Weiter so". ÖR-Medien = Regierungssender. Die Judikative ist nicht so souverän wie in den USA, wo juristisch gegen Staatsoberhaupt-Erlasse vorgegangen wird.

2-höchste Steuerlast u. Abgaben, größter Niedriglohnsektor, Kinderarmut, Leiharbeit als Dauerzustand, ungleiches Wachstum der Produktivität zu den Löhnen ... alles Merkel-Land.

Wie kann es sein, das D. ca. 300 000 Obdachlose hat u. zig tsd. Menschen nicht mal ihren Strom bezahlen können?

Wieso lese ich von diesen realen Problemen nix bei Herrn Grau?

Weil der studierte Philosoph Dr. Grau sich in unserem derzeitigen System BRD offensichtlich wohl fühlt. Würde er auch zu dem unteren Drittel der Bewohner Deutschlands gehören, die vom "Wirtschaftswunder" Schröders und Merkels nichts abbekommen haben, würde er wohl andere Meinungen vertreten.
Leider - und das ist das eigentlich bedauerliche - bekommt er auch noch von den meisten Cicero-Lesern Recht.
Ach ja, Herr Knecht: Sie haben vergessen, die Tafeln zu erwähnen.
Vielen Dank für Ihre Ausführungen. Und Alles Gute im Neuen Jahr.

alles richtig was Sie schreiben.
Aber bei der AFD kann ich auch nichts lesen zu den Problemen vor allem kann ich da keine Lösungsansätze erkennen.
Das die etablierten Parteien die auch nicht haben macht die Sache für uns alle auch nicht besser.

Herr Knecht,
wenn Sie mit dieser Aussage Recht hätten, dann wären wir ja die Schlausten von allen.
Und alle anderen, voran die Osteuropäer, die nicht so viel Zuwanderung wollen, hätten nicht begriffen wie einfach es ist die Löhne niedrig zu halten.
Die Löhne niedrig halten kann also nicht der wahre Grund für Zuwanderung sein.
Aber was ist dann der wahre Grund?

Birgit Jacob | Sa, 30. Dezember 2017 - 12:51

Vielleicht liegt es ja an der Intelligenz der Deutschen, dass sie so pessimistisch sind.
Jeder kann sich bei der derzeitigen Zinspolitik ausrechnen, wann seine Reserven aufgebraucht sind. Während junge Menschen heute schon sehr häufig von ihrer Arbeit nicht mehr leben können, werden jetzt auch die Rücklagen der Alten geplündert. Das Leben gerade für Frauen wird immer unsicherer und damit die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Für uns alle explodieren die Kosten und im Hinterkopf wissen wir, dass auch nur der kleinste wirtschaftliche Einbruch in Anbetracht unserer Sozialkosten Dynamit für unser Land bedeutet. So manch einer aus den geburtenstarken Jahrgängen mag in Anbetracht des Pflegenotstands sich wohl lieber ein schnell wirkendes Gift besorgen, als in einem dieser Pflegeheime zu landen. Nicht leicht auch die Situation für junge Eltern mit Kindern. Wer nicht privilegiert genug ist, eine Privatschule zu wählen, der muss sich immer mehr Sorge um die Bildung der eigenen Kinder machen

ist nur noch bei denen vorhanden, die mangels ausreichender Schulbildung nicht in der Lage sind, sich auszurechnen, dass die deutschen Sozialsysteme in Zeiten einer schwächelnden Konjunktur oder gar in einer Depression nicht mehr zu halten sind. Außerdem zeigen die internationalen Vergleiche über die Vermögens- und Einkommenslage der Normalbürger, dass die Deutschen trotz ihrer boomenden Volkswirtschaft keinesfalls die Spitzenpositionen einnehmen, sondern nur im Mittelfeld liegen. Ein großes finanzielles Polster können sich die Wenigsten aufbauen, um ruhig in die Zukunft blicken zu können.

Markus Michaelis | Sa, 30. Dezember 2017 - 14:56

Die Diskrepanz kommt zum großen Teil daher, dass es den Menschen wirtschaftlich (offiziell) so gut geht wie nie und es daher für viele unverständlich ist, wieso man pessimistisch sein könnte. Diese Reduzierung auf das Wirtschaftliche nach absoluten Zahlen ist aber Unsinn, was man daran sieht, wenn man es konsequent auf andere Felder anwendet:

Wie können sich Migranten mit Diskriminierungserfahrungen beschweren, wo es ihnen doch wirtschaftlich in Deutschland heute besser geht denn je und besser als jemals in ihren Herkunftsländern? Wie können sich Frauen über Sexismus und Patriarchat beschweren, wo es ihnen doch wirtschaftlich besser geht als jemals in Deutschland und der Geschichte?

Axel Kreissl | Sa, 30. Dezember 2017 - 15:05

Elektroautos, Windräder, Digitalisierung, Aktiengewinne, macht alles nicht glücklich. Das wissen Sie doch von jedem neuen Auto, an das Sie sich nach 14 Tagen gewöhnt haben. Das glaubt auch niemand auf der Welt, nur die kindischen zweidimensionalen Deutschen von heute glauben das. Sogar Menschen untereinander können sich nicht bedingungslos glücklich machen. Es fehlt immer was. Was macht also glücklich? Sie werden es nicht glauben, von wem der folgende Satz stammt: GOTT IST UNSERE ZUKUNFT! Er stammt vom Kölner Erzbischof Rainer Kardinal Woelki, als er noch in Berlin war. Und es stimmt. Nur der lebendige unendliche Gott, den es wirklich gibt, macht glücklich und ist unsere Zukunft. Sie können es ruhig veröffentlichen. Habe ja nicht ich gesagt, sondern der Kardinal. Nochmal zum Mitschreiben: GOTT IST UNSERE ZUKUNFT!!!

Dimitri Gales | Sa, 30. Dezember 2017 - 15:59

Kontinuität bevorzugen und meistens Politiker wählen, die dies versprechen; aber gerade das inkludieren gesellschaftliche und auch ökonomische Strömungen nicht. Seit dem "Mauerfall" hat sich die Welt nahzu radikal verändert und damit einen dynamischen Prozess ausgelöst. Das Problem ist, dass die Politklasse vor den grossen Problemen unserer Zeit - eine sich dramatisch verändernde Arbeitswelt, die neue Macht der Finanzinstitutionen und des Kapitals, das Verblassen von Gewissheiten und Projekten der Vergangenenheit......kapitutliert hat und ihre politischen Aktionen auf Nebenschauplätze verlegt, wie etwa die Homoehe oder andere, oft nur von Minoritäten vertretene Interessen.

... die Politik-Erwartung m. E. zu gutgläubig.

Denn seit Schröder/Clement u. ihr Umverteilungswerk A2010 wissen wir, das die (meisten) Politiker von Seiten der Wirtschaft enorm beeinflussbar sind. Siehe W. Clements Lobbyarbeit zu A2010. Verkehrsministerium vs. VW-Dieselskandal dito wie Umweltministerium z. Z. Merkel u. der Deal mit der Atomindustrie dito auch Finanzministerium u. die "ausgeliehenen Mitarbeiter" aus der privaten Finanzwirtschaft zur Mitarbeit an den Gesetzen (zur Steuervermeidung) usw.

Geld regiert die Welt. Ein Ex-Präsident der USA sagte mal über den Zweck einer Regierung: "Die Regierung habe die Aufgabe, die Reichen vor den Armen zu schützen!"

Seehofer äußerte sich sinngemäß ähnlich: "Die die gewählt wurden haben nix zu sagen und die die bestimmen wurden nicht gewählt."

Damit das so bleibt, will Merkel & Co. keine Amtszeitbegrenzung u. keine direkte Demokratie.

Sam Walther | Sa, 30. Dezember 2017 - 16:23

dann lebe ich in einer verkehrten Welt. Freiheit ist auch Risiko. Freiheit ist das Gegenteil von Sicherheit. Sicherheit ist AUCH der schleichende Tod.
Innere Sicherheit ist wertvoll. Wer möchte sie nicht?! Aber mit Freiheit hat das nichts zu tun.
"Werden Sie sich der Enttäuschung bewusst, die Sie erleben, wenn die Dinge sich nicht so entwickeln, wie Sie wollen. Das ist Freiheit!" A. de Mello
Wünsche Ihnen einen guten Rutsch ...

Willi Mathes | Sa, 30. Dezember 2017 - 18:11

Politik schafft sich dauerhaft in diesem unfähigen politischen Handeln selbst ab !

" Back to the roots " mehr Mitsprache für den gesunden Menschenverstand im " Normalbürger " !

Danke und frohes neues Jahr Herr Dr. Grau !

Rainer Schreiner | So, 31. Dezember 2017 - 00:18

Bitte mal um eine genaue Defintion welchen Deutschen es denn wirtschaftlich besser geht als je zuvor ?
Den 50 % aller Vollzeitbeschäftigten die gerade mal bis zu 1500 € netto in der Lohntüte haben für ihren Vollzeitjob ?
Jedem zweiten Arbeitnehmer , der auf eine Rente zusteuert , die gerade mal H 4 Niveau erreichen wird ?
" Wirtschaftlich geht es den Deutschen gut wie lange nicht " , das ist ungefähr so wahr wie wenn man behauptet , wir hätten " nur " 2,5 Millionen Arbeitslose !
Alles nur eine Frage der Sichtweise .

Claudia Martin | So, 31. Dezember 2017 - 00:47

bringt uns Schutzzonen für Frauen und auch bald für Männer. Unglaublich!

Ralf Ehrhardt | So, 31. Dezember 2017 - 01:15

Sehr geehrter Herr Grau. Vielen Dank für den sehr aussagekräftigen Artikel.
Die Überschrift über Ihren Artikel hätte ich inhaltlich nur leicht modifiziert mit den Worten: "Noch" geht es "den meisten" Deutschen gut [...]
Was ist und was passiert,
- wenn es der deutschen Wirtschaft, egal warum, mal schlechter geht
- wenn die deutschen Sparer ihren letzten Spargroschen (Draghi und der EZB sei Dank) auf den Kopf gehauen haben
- wenn deutsche Gering- und Mittelverdiener in einigen Jahren ihren Rentenbescheid unter Sozialhilfeniveau erhalten
- wenn die Zinsen in nächster Zeit (...nach Draghi) mal wieder ansteigen und der Staat wieder Mrd. Euro für Zinsen von Staatsschulden bezahlen muss
- wenn jedes Jahr mind. 70 bis 80 Mrd. (!) Euro für Alimentierung und Hartz-4-Kosten von sog. Flüchtlingen aufgebracht werden muss

Grundsätzlich ist jeder Euro nur 1x zu verteilen. Dass es uns z. Zt. relativ gut geht und die Steuereinnahmen sprudeln ist z. T. nur externen Einflüssen geschuldet.

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