Energiewende - Wie, wenn nicht nur wir?

In Deutschland ist die Energiewende in vollem Gange. Die Trends im Rest der Welt aber sind oftmals gegenläufig, insbesondere in Asien. Die Transformation der globalen Energieversorgung droht zu scheitern – auch weil Deutschland sich Technologien verweigert

Sachsen-Anhalt, Egeln: Die Sonne geht hinter Windkraftanlagen unter, während ein Wolkenband aufzieht.
Wie stehen unsere europäischen Nachbarn zur Energiewende? / picture alliance

Autoreninfo

Hans-Wilhelm Schiffer ist Mitglied im Studies Committee des World Energy Council, London.

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Hans-Wilhelm Schiffer

Seit dem Jahr 2000 hat sich der weltweite Energieverbrauch um 43 Prozent erhöht. Entscheidende Treiber waren der Anstieg der Weltbevölkerung um ein Viertel und die Verdopplung der globalen Wirtschaftsleistung. Der Anteil der fossilen Energien, also von Erdöl, Erdgas und Kohle, an der Deckung des Energieverbrauchs belief sich 2018 auf 81 Prozent. Im Jahr 2000 waren es 80 Prozent. Der Beitrag der erneuerbaren Energien ist von 13 Prozent im Jahr 2000 auf 14 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Kernenergie hat mangels weiteren Ausbaus 2 Prozentpunkte eingebüßt und kam 2018 auf 5 Prozent. Die globalen energiebedingten CO2-Emissionen haben 2018 mit einem neuen Rekordwert von 33,2 Milliarden Tonnen den Stand des Jahres 2000 um 44 Prozent übertroffen. Eine einschneidende Transformation der globalen Energieversorgung lassen diese Zahlen also nicht erkennen.

Ganz anders die Situation in Deutschland. Dort war der Energieverbrauch 2018 um 9 Prozent niedriger als im Jahr 2000, obwohl das Bruttoinlands­produkt seitdem um 26 Prozent zugenommen hat. Der Anteil erneuerbarer Energien ist von 3 auf 14 Prozent gestiegen. Der Beitrag der Kernenergie hat sich im Zuge des 2011 beschlossenen Ausstiegs aus dieser Technologie von 13 auf 6 Prozent halbiert. Fossile Energien machen noch 80 Prozent aus – gegenüber 84 Prozent im Jahr 2000. Die CO2-Emissionen konnten seit 2000 um 16 Prozent und im Vergleich zum Jahr 1990 sogar um 28 Prozent gesenkt werden. Die Emissionen aller Treibhausgase werden 2019 sogar um mindestens ein Drittel niedriger sein als 1990. Für Deutschland gibt es somit eindeutige Signale, dass die Energiewende bereits Realität geworden ist.

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Michaela Diederichs | Do, 5. Dezember 2019 - 08:56

Ich habe den Artikel heute morgen im Magazin gelesen und komme zu dem Schluss, dass nicht nur die Migrationspolitik in DE gescheitert ist und weiter scheitern wird, sondern auch die Transformation der Energieversorgung gleich mit dazu. Erfolge lesen sich anders.

Bei der Höhe unseres Gesamtenergieverbrauches für Strom, Wärme, Transport und Verkehr geht es auch nicht wenn wir Deutschland komplett zu einem Windkraft- und Solarpark umrüsten. Ganz abgesehen davon wer will dann hier noch wohnen, wenn man nur noch auf diese Dinger schaut.
Vielleicht ginge es wenn wir uns auf das Verbrauchsniveau der 60er Jahre reduzierten, indem wir die Effizienz der Energienutzung und des Ressourcenverbrauchs in allen Bereichen steigerten. Ansätze dazu wurden schon in den 80/90ern aufgezeigt. Bisherige Anstrengungen haben aber allenfalls zu einem Verbrauchsstillstand auf hohem Niveau beim Strom geführt. Im letzten Jahrzehnt liegen wir immer so um 600TWh pro Jahr Stromverbrauch.

helmut armbruster | Do, 5. Dezember 2019 - 10:05

Preußen/Deutschland hatte im Alleingang das französische Kaiserreich besiegt.
Alle seither unternommenen deutschen Alleingänge sind schief gegangen, z.T. sogar katastrophal schief.
Aber wir lernen nichts daraus.
Im Alleingang will D die Energiewende, den Planeten und das Klima retten, die Flüchtlinge aufnehmen, die schwarze Null durchziehen u.s.w...
Wieso immer diese Alleingänge? Warum nur können wir es nie so machen wie die Anderen es machen?
Es ist wie eine deutsche Sucht. Offenbar unheilbar.

Nach dem Krieg hatten wir die beste Demokratie u. das beste Wirtschaftssystem der Welt u. auch nicht im Alleingang sondern mit anderen europäischen Ländern zusammen plus Amerika, nach 89 hat der Neoliberalismus die Macht übernommen u. hat einen Großteil zerstört, um des schnöden Mammons Willen wurden Millionen Arbeitsplätze outgesourced, dann kam die EU u. damit ging es mit Deutschland u. Europa bergab die Globalisierung macht den Rest kaputt von dem was noch steht.

gabriele bondzio | Do, 5. Dezember 2019 - 10:10

Was ja nun nichts Neues ist. Gerade unsere Nachbarn in der EU zeigen eher, dass Vernunft noch nicht ganz ausgestorben ist. Frau von der Leyen und Frau Lagarde sind auf dem Weg, dass Klima mit der Notenpresse zu retten. Erster Schritt war die Ausrufung des Klimanotstandes. Das Hauptrisiko für diese Politik liegt eindeutig nicht bei den Machern (wie gehabt), sondern beim deutschen Steuerzahler. Siehe: https: //www.focus.de/finanzen/boerse/experten/gastbeitrag-von-gabor-steingart-e…
Dem kann man immer noch was oben drauf packen, er ist ja so einsichtig und brav.

Romuald Veselic | Do, 5. Dezember 2019 - 10:32

Deutschen/Politiker für bekloppt, um milde ausgedruckt. Keiner wird da mitmachen, mit dem Klima "Vorreiter", den man schon anderswo (außerhalb D) zum Teufel schickte, samt Greta T.
Ein Zitat aus dem Wiener Hauptbahnhof, an mich gerichtet: "Man wollte euch (Deutschland), nach dem 2WK zum Kartoffelfeld verwandelnd. Dass werdet ihr auch, ohne Krieg. Apropos, keinen stört das oder wird's stören."

Wenn's soweit kommt, werden die Deutschen Anti-Klimaschutz-Flüchtlinge in Visegrad- Ländern oder in Baltikum Asyl suchen.
Ironie aus.

Lieber Herr Veselic, dass Deutschland zum Agrarland umgewandelt wird stört aber doch noch viele äußerst kluge Leute. Diese aber trauen sich nicht in die Öffentlichkeit, weil ihnen sofort eine uninformierte grüne Anti-Atom-Wand entgegensteht, die sie verteufelt, im Extremfall sogar ihrer Existenz beraubt.
Unser Untergang ist - leider - politisch so gewollt und die Leute folgen ja sehnen ihn förmlich mit Hurra herbei!
So etwas gab es schon einmal vor 80 Jahren, nur wurde damals nicht nur Deutschland allein in den Abgrund geschickt.
An modernen Kernkraftwerken geht kein Weg vorbei.
Noch bleibt etwas Zeit zur rigorosen Umkehr unserer Energiepolitik.

Johan Odeson | Do, 5. Dezember 2019 - 14:37

So, so. Hiernach beträgt die Stromerzeugung aus alternativen Energien bald 40%.... Wirklich? Das habe ich hier auch schon anders gelesen. Danach liegt der effektive Anteil der Sonnen- und Windenergie, d.h. der tatsächlich abgenommene Strom durchschnittlich bei ca.4%. Was stimmt denn nun? Wenn die 40% stimmen würden, warum dann nicht nur noch ein paar Windräder aufstellen und schwupps, schon haben wir die Energiewende geschafft. Warum dann die Erkenntnis, dass wenn man ganz Deutschland mit Windrädern auf jeden Feld und jedem Naturschutzgebiet zubaut, es immer noch nicht reichen würde? Atomkraft, die andere nutzen, ist uns aus Glaubensgründen als Teufelszeug verboten.

Heinrich Wolter | Mo, 9. Dezember 2019 - 22:23

Wer scheitert, kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.