Arbeitszeit - Menschen sollen arbeiten, wann sie wollen

Wer Arbeitszeit flexibel gestalten will, wird oft reflexhaft kritisiert. Statt hinter jedem Vorschlag puren Neoliberalismus zu wittern, sollten wir neue Ideen endlich ausprobieren. Sie können nicht nur unseren Wohlstand sichern, sondern uns auch zufriedener machen

Die Stechuhr am Ausgang der hessischen Staatskanzlei in Wiesbaden zeigt am Dienstag (25.05.2010) das Wort "Gehen".
Die Stechuhr braucht ein Update / picture alliance

Autoreninfo

Bastian Brauns ist Ressortleiter „Kapital“ beim Magazin Cicero und Cicero Online. Davor arbeitete er im Wirtschaftsressort von Zeit Online und bei der Stiftung Warentest. Er baute als Chefredakteur das Meinungs-Startup Pressekompass.net mit auf, das 2014 mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Seine Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Endlich hat die FDP ein konkretes Thema gefunden, das den Alltag fast aller Menschen betrifft: die Arbeitszeit. Das Thema aufgebracht haben die sogenannten Wirtschaftsweisen. Die Experten des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung fordern in ihrem turnusgemäßen Jahresgutachten, die Arbeitszeit zu flexibilisieren. Der Vorsitzende des wissenschaftlichen Gremiums Christian Schmidt, hatte dazu in der Welt am Sonntag unter anderem gesagt: „Firmen, die in unserer neuen digitalisierten Welt bestehen wollen, müssen agil sein und schnell ihre Teams zusammenrufen können. Die Vorstellung, dass man morgens im Büro den Arbeitstag beginnt und mit dem Verlassen der Firma beendet, ist veraltet.“

So wenig überraschend wie die Luftsprünge der FDP folgten dieser Äußerung sofort die Reflexe von Seiten der Gewerkschaften und Linken-Politikern. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann etwa warf Schmidt umgehend vor, dieser sei „ein Realitätsverweigerer, wenn er wirklich glaubt, dass in Deutschland starr das Modell nine-to-five vorherrscht“.

Populismus ist nicht konstruktiv

Wer den (übrigens ohnehin nicht neuen und zudem sehr unkonkreten) Vorstoß von Schmidt unbedingt so auffassen will, kann ihm freilich auch vorhalten, die Realität nicht zu kennen. Der wissenschaftlichen Arbeitsweise der Wirtschaftsweisen, die für ihren Bericht auch zahlreiche Gespräche (übrigens auch mit Arbeitnehmervertretern) führen, wird solcher Populismus aber nicht gerecht.

Die Experten wissen natürlich, dass Arbeitgeber schon jetzt viele Möglichkeiten haben, je nach Branche flexible Arbeitszeiten anzubieten. Viele Arbeitnehmer kennen seit Jahrzehnten etwa das Modell der Gleitzeit. In vielen Unternehmen gibt eine sogenannte Vertrauensarbeitszeit oder Stundenkonten, nach denen Überstunden „abgefeiert“ werden können. Für viele Berufe gibt es Ausnahmeregelungen. Tatsächlich arbeiten immer weniger Menschen schon jetzt im klassischen Nine-to-five-Modus.

Aber weshalb schaffen die Diskutanten es nicht, einmal ohne Polemik und einstudierte Reflexe zu streiten? Sicher haben etwa linke Parteien oder Gewerkschaften ihre wichtige Rolle. Aber warum mit Unterstellungen argumentieren, wenn diese selbst wiederum total verkürzt sind?

Jeder Arbeitsplatz braucht eigene Modelle

Die Menschen sind nicht zu zu blöde, zu erkennen, dass der Arbeitsmarkt samt seiner Beschäftigungsarten ein extrem komplexes Gebilde ist und deshalb viele verschiedene Antworten auf die Fragen zur Zukunft der Arbeit benötigt. Nicht zuletzt die Digitalisierung mit all ihrer Datenerfassung ermöglicht es künftig, die Arbeitszeiten viel individueller zu gestalten. Dies als Fortschritt zu sehen dringt bei all dem anti-neoliberalen Gepolter kaum noch durch. Sofort die Ausbeutung ins Zentrum der Debatte zu stellen, mag vielleicht kurzen Klientel-Beifall bringen, verhindert aber, Chancen zu ergreifen.

Natürlich dürfen Unternehmen Menschen, die für sie arbeiten, nicht ausnutzen oder ihnen versteckt immer mehr Arbeit zumuten. Wer aber nur die Gefahren sieht, wird selbst zur Gefahr für die Zufriedenheit und den Wohlstand aller.

Ein wenig fehlt es mitunter an konkreter Vorstellungskraft: Natürlich wäre es beispielsweise möglich, auch außerhalb der Büroräume zu erfassen, wann, ob, wie lange und wie viel wir arbeiten. Ja, dabei entsteht sofort die nächste wichtige Diskussion: Überwachung. Auch darüber müssen wir offen diskutieren. Denn wer will schon Zustände, wie sie etwa in manchem Callcenter leider längst üblich sind. Nicht nur dort registrieren Arbeitgeber inzwischen automatisiert, wie lange sich etwa der Mauszeiger nicht bewegt, welche Internetseiten die Mitarbeiter aufrufen oder wie lange sie zum Bearbeiten eines Vorgangs benötigen.

Wer aber etwa die Vorteile eines Homeoffices nutzen will, muss Arbeitgebern auch entgegenkommen. Immerhin konnten diese in ihren Räumlichkeiten bislang zu einem gewissem Maß überprüfen, ob und wie wir arbeiten und das ist prinzipiell auch deren Recht. Sie bezahlen fürs Arbeiten, und nicht fürs Kaffeekochen, Zimmer-Aufräumen oder Facebook-Surfen. Solche Tätigkeiten dann zu erledigen, wann es den Beschäftigten am besten passt, würden aber tatsächlich allen Beteiligten nutzen. Mehr Selbstbestimmtheit, mehr Zufriedenheit, vielleicht dadurch mehr Produktivität wären die Folge.

Falsche Ängste verhindern Chancen

Keiner hat hingegen etwas davon, sofort jeden halbwegs innovativen Vorschlag zu verteufeln. Es geht bei einer Reform der Arbeitszeitregelungen nicht um den Mechaniker, der plötzlich zwölf Tage am Stück durchschuften soll. Aber wir müssen Dinge ausprobieren können mit der Möglichkeit, sie gegebenenfalls zu korrigieren.

Ähnlich wie etwa im Supermarkt sollte auch auf dem Arbeitsmarkt ein Prinzip von Angebot und Nachfrage möglich sein. Nicht nur Freischaffende, auch Angestellte und sogar Beamte sollten in der Lage sein, aus verschiedenen Arbeitszeitmodellen individuell wählen zu können. Menschen sind zwar in besonderer Weise von ihrer Arbeitsstelle abhängig und deshalb auch bereit, bestimmte Kröten zu schlucken, schlicht aus Angst, ihren Job zu verlieren. Genau darum aber braucht es ja auch nach wie vor klare Regeln und auch Flexibilität auf Seiten der Arbeitgeber. Niemand etwa sollte zu bestimmten Arbeitszeitmodelle gezwungen werden, wenn sie ihm gesundheitlich nicht gut tun oder sie nicht zum eigenen Lebensmodell passen.

Der Trend zur Selbstbestimmtheit, nicht nur in kreativen und digitalen Berufen, ist aber für die Arbeitnehmerseite längst Realität, meist gewünscht, nur leider oft ungeregelt und schlicht nicht möglich, weil auch Unternehmen oft zu unflexibel sind. Hier könnten Gewerkschafts- und Arbeitnehmerinteressen ja sogar zusammenkommen.

Die Angst vor der ständigen Erreichbarkeit ist berechtigt. Es mag Folgen haben, wenn Partner sich etwa entscheiden, statt abends nebeneinander ein Buch zu lesen oder eine Serie zu schauen lieber noch ein paar Emails zu beantworten. Aber so verschieben sich eben Prioritäten. Dafür kann vielleicht das Kind gemeinsam aus der Kita abgeholt werden und die familiäre Quality-Time findet statt abends eben nachmittags statt, was früher unmöglich war.

Freiheiten müssen von beiden Seiten gelernt werden

Solche neuen Freiheiten und Flexibilitäten müssen freilich auch gelernt werden. Sie haben auch Schattenseiten wie etwa die Vermischung von Privatem und Beruflichem. Engstirnig auf bloße Effizienz und Optimierung abzielende Vorschläge sollten deshalb zurecht kritisiert werden. Aber krampfhaft an engen Arbeitszeitkorsetten festzuhalten, verhindert im globalen Wettbewerb nicht nur Wohlstand, sondern auch privates Glück.

Die sogenannten Wirtschaftsweisen (die übrigens durchaus unterschiedliche Positionen vertreten) gehen zurecht davon aus, dass Arbeitnehmer im Zuge des Fachkräftemangels eine zunehmend gute Verhandlungsposition im Rahmen von Tarifverhandlungen haben werden. Diese könnten sie „verstärkt für nicht monetäre Forderungen nutzen”, heißt es im Bericht. Etwa durch „flexiblere Arbeitszeiten und Maßnahmen zur Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf”.

Gestalten statt bremsen

Tatsächlich ist es richtig, das Arbeitszeitgesetz zu reformieren, weil es für Unternehmen künftig darum geht, diese Fachkräfte auch für die Zukunft zu sichern. Man kann hinter einer Formulierung wie „um den persönlichen Bedürfnissen von Arbeitnehmern besser gerecht zu werden, sollte zudem das Arbeitszeitgesetz gelockert werden”, einen neoliberalen Geist vermuten, der Arbeitnehmerrechte am liebsten abschaffen will. Der Beweis dafür muss dann aber auch geführt werden.

Eine Tageshöchstzeit auf eine Wochenhöchstzeit anzupassen, kann Arbeitnehmern sehr entgegenkommen, wenn zugleich etwa für bessere Ganztagsbetreuung gesorgt würde. Wer gerade konzentriert an einem Projekt arbeiten möchte, hält wahrscheinlich schon jetzt die sogenannte Mindestruhezeit von elf Stunden zwischen den Arbeitstagen nicht ein. Und sei es nur, weil der Kopf einfach nicht abschalten will. Wäre es rechtlich möglich, auch legal früher wieder an die Arbeit zu gehen, würde auch legal geregelter Raum etwa für Ausgleichstage entstehen.

Sollte nun im nächsten Schritt ein Reformvorschlag konkretisiert werden, der die physische oder psychische Gesundheit von Arbeitenden gefährden sollte, darf dieser abgelehnt und sollte auch verhindert werden. Die Zukunft der Arbeit aber wird kommen, beziehungsweise sie ist längst da, mit oder ohne reflexhaftes Verdammen. Wir sollten sie konkret und individuell gestalten und nicht jeden zaghaften Versuch, „out of the box” zu denken, von vornherein ablehnen. Aber das ist natürlich die weniger leichte Übung.

Dr. Roland Mock | Di, 14. November 2017 - 21:19

Volle Zustimmung. Ich habe in der Flexibilierung der Arbeitszeit übrigens auch nie eine Divergenz zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberinteressen gesehen. Sie nutzt beiden Seiten. Einzig irritierend finde ich die Formulierung im Artikel, man könne hinter dem Widerstand gegen die Arbeitszeit auch „einen neoliberalen Geist, der Arbeitnehmerrechte am liebsten abschaffen will“ vermuten. Ökonomen, welche ihre Disziplin nicht als Klassenkampf verstehen, wissen, daß keiner der Vorreiter der Denkschule des (neuen) ökonomischen Liberalismus (Friedmann, Gilder, Hayek und andere) wirklich Arbeitnehmerrechte abschaffen wollte. Solches behaupten nur Linke, bevorzugt Linksaußen. Aber für die ist das Wort „neoliberal“ ohnehin nur ein Kampfbegriff; Synonym für Aubeuter, Kapitalisten und sonstige Gordon Gekkos (Bösewicht aus „ Wallstreet“) aller Art. Insofern nicht relevant.

Kritik am Neoliberalismus (nicht Kapitalismus) muss wohl auch erlaubt sein,
ob man ihn nun links ortet oder nicht, die Kritik sozusagen als Schwachsinn
abzuwerten scheint mir doch ein wenig zu kurz gegriffen.
Privatisierung - auf ALLEN Gebieten - um jeden Preis, Schwächung/Ausschaltung der Gewerkschaften, Nichtratifizierung von internat. Arbeitnehmerrechten (siehe USA), all das ist weit entfernt von einer sozialen Marktwirtschaft, wie sie Ludwig Erhard gedacht und eingeführt hat. Vielleicht haben Sie einmal ein paar Stunden
Zeit um sich Interviews, Vorträge von Noam Chomsky auf YouTube anzuhören.
Selbstverständlich muss man dafür bereit sein, eigene Standpunkte nicht als
Dogma zu begreifen.

Ich bin immer gern bereit, dazuzulernen, liebe Frau Brunner. Aber Ihr Kommentar bestätigt aufs Schönste meine Auffassung, daß einer breiten Öffentlichkeit der Neoliberalismus nur als Kampfbegriff für linke Interessen bekannt ist. Ich kenne keine/n Noam Chomsky, sehr wohl aber die Auffassungen jener, welche die Neoliberale Wirtschaftspolitik begründet haben. Lesen Sie doch bitte z.B. Milton Friedmans „Kapitalismus und Freiheit“. Das ist eins der Originale, und da steht weder etwas von Privatisierung „auf allen Gebieten“ noch von „Ausschaltung“ von Gewerkschaften. Was beides in einer Marktwirtschaft auch gar nicht möglich ist. Allerdings müßten Sie dafür etwas mehr Zeit aufwenden als sich Interviews auf YouTube anzuhören.

Frau Brunner, ich habe Ihnen geantwortet. Sachlich und unter Bezug auf eines der Hauptwerke des wirtschaftlichen Liberalismus. Milton Friedmanns „ Kapitalismus und Freiheit“. Leider ist diese Entgegnung - einmal mehr- der Zensur zum Opfer gefallen. Warum sich die online-Redaktion nun auch noch in wirtschaftswissenschaftliche Texte einmischt ist mir unerklärlich. An überbordender wissenschaftlicher Expertise in diesem Bereich kann es ganz bestimmt nicht liegen. Hier werden teils antisemitische Kommentare veröffentlicht. Und erst, nachdem Kommentatoren (nicht die online-Redakteure) dies bemerken und entsprechend darauf reagieren, wieder gelöscht. Ich wollte, die Qualifikation der online-Redakteure würde auch nur annähernd an das (hohe) Niveau des Heftes „Cicero“ heranreichen.

Der Kommentar ist ja doch zu lesen. Ich bitte die online-Redaktion um Entschuldigung. Meine Kritik an ihr war weit überzogen, im Zustand der Verärgerung formuliert.

Patricia Meyer | Di, 14. November 2017 - 22:31

Wir haben ja auch allen Grund den Arbeitgebern zu vertrauen,die ja seit Jahren Interesse daran haben dem Arbeitnehmer familienfreundliche Arbeitszeiten und Bedingungen zu schaffen! Misstrauen ist mehr als angebracht! Ich arbeite als OP Schwester und ich mag mir gar nicht vorstellen,was bei einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes auf mich zukommt. Das gilt auch für Bauarbeiter, Verkäufer usw. Stellenabbau ist das einzige Ziel!!

Torsten Knecht | Di, 14. November 2017 - 23:47

In der Praxis ist die Nichteinhaltung vom ArbZG kaum von Seiten der AN zu verhindern. Vor allem da, wo der AN nicht durch Betriebsrat oder Gewerkschaft unterstützt wird.

Für ein Klinikum arbeitete ich an einer Auswertung der Einsatzzeiten der Ärzte, die die Arbeits-,Ruhe-wie Bereitschaftszeiten erfasste. Alles im gesetzlichen Rahmen.

Trotzdem, man kann nur hoffen das die negativen Auswirkungen eines voluminösen Arbeits-Bereitschaftsdienstes sich nicht als Ärztefehler während einer OP niederschlagen.

Claudia Martin | Mi, 15. November 2017 - 04:32

Es ist nur die Frage wer wie arbeitet und wer was wie will. Dieses Thema hat sooooooooo einen Bart! Reine Zeitverschwendung. Haben wir schon wieder das Sommerloch? Also Cicero. Bitte nicht jede Sau durch das abgehängte Dorf treiben.

André Oldenburg | Mi, 15. November 2017 - 06:43

Der größte Teil der Arbeitnehmer muss dann bei der Arbeit sein, wenn es Arbeit gibt, also wenn Kunden im Geschäft oder am Telefon sind, wenn die Fabrik produziert. Dort können nicht 10 Leute an der gleichen Stelle das gleiche Teil einbauen wollen und 4 Stunden später ist dann keiner mehr da.
Flexibilität betrifft nur einen kleinen Teil der Arbeitnehmer und die können diese schon jetzt zum großen Teil nutzen.
Hier auch wieder die Ganztagsbetreuung, ein in einigen Ländern, wo dieses schon lange existiert, umstrittenes Thema bei den Müttern, die sich von den eigenen Kindern entfremdet fühlen. Natürlich wird das in Deutschland nicht passieren, hier wollen Mütter ein iPhone haben und haben kein Interesse die eigenen Kinder aufwachsen zu sehen.
Die Zukunft der Arbeit gibt es seit 20 Jahren und wurde schon der verwirklicht, wo er verwirklicht werden könnte. Der Autor sollte mal um 8 Uhr morgens in einem Callcenter anrufen und einfach mal nach der Fexibilisierung fragen.

Stefan Jess | Mi, 15. November 2017 - 06:51

"Jeder Arbeitsplatz braucht eigene Modelle"

So ist es.

Diese Aussage würde u.a. jeder Landwirt unterschreiben. Die kennen keine 9-5 Jobs, da wird gearbeitet wenn und solange es nötig ist. Mal mehr, mal weniger.

Natürlich gibt es auch Branchen in denen es nötig ist, dass möglichst viele Mitarbeiter gleichzeitig anwesend und zu Geschäftszeiten erreichbar sind.

Oder es gibt Branchen in denen völlig flexibel gearbeitet wird (Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser, Transport & Verkehr).

Insofern muss man wirklich neue Modelle andenken. Arbeitszeitmodelle in denen die maximale Arbeitszeit festgelegt wird und die dem Arbeitnehmer Planung für sein Privatleben ermöglichen. Die aber auch gleichzeitig den Anforderungen der Branche gerecht werden.

Aus meiner Sicht kann das nur die Politik liefern, die Tarifparteien & Co. sind damit überfordert.

Jürgen Althoff | Mi, 15. November 2017 - 18:44

In reply to by Stefan Jess

Wie kann man aus einem richtigen Grundgedanken zu der Schlussfolgerung kommen, dass die Politik Lösungen liefern soll?
Ausgangspunkt muss immer die konkret zu bewältigende Aufgabe sein: wer sich für eine Aufgabe in einer eng getakteten Linie oder im Schichtbetrieb entscheidet, hat mit Rücksicht auf die Kollegen und im Sinne eines guten Arbeitsergebnisses (mit dem nämlich die Löhne und Gehälter verdient werden) weniger Freiheiten als jemand, dem weder Kunden noch Patienten noch Chefs Arbeitstempo und Zeit vorgeben. Wer z.B. im Einzelhandel glaubt, seine persönlichen Freizeitvorstellungen seien wichtiger als Bedienung und Beratung von Kunden, der wird nicht lange in seinem Job bleiben, ebenso die Beschäftigten in der Pflege, in der Energieversorgung, im Personen- oder Gütertransport etc.
Hier können Arbeitszeitfragen nur ganz konkret vor Ort geregelt werden, und nach meinen langjährigen Erfahrungen ist das mit Betriebsräten gut möglich.

Jürgen Lehmann | Do, 16. November 2017 - 11:04

In reply to by Stefan Jess

Herr Jess in Ihrem Beitrag bestätigen Sie, dass Jeder Arbeitsplatz eigene Modelle benötigt.
Wie dieses jedoch ausgerechnet die Politik schaffen soll, ist mir ein totales Rätsel !

Beate Rother | Mi, 15. November 2017 - 07:51

Klingt in der Theorie nicht schlecht, scheitert in der Praxis an den realen Machtverhältnissen: Es wird der seine Vorstellungen durchsetzen, der am längeren Hebel sitzt.

Achim Scharelmann | Mi, 15. November 2017 - 08:58

War noch nie ein Freund von Gewerkschaften, aber der Gedanke an flexiblere Arbeitszeiten ist für die Arbeitnehmerschaft nicht ganz ungefährlich und das sagt ein ehemaliger Workaholic, der bis zu seinem siebzigsten Lebensjahr mit Freude tagaus tagein gearbeitet hat und nach diesem Prinzip schon immer seine selbsständige Tätigkeit danach ausgerichtet hat. Der qualitative Unterschied ist nur der, daß man eben als Arbeitnehmer nach fremden Kriterien arbeiten muß und dann als Verfügungsmasse auf Abruf bereitstehen muß, ohne persönliche Vorteile, und das dann 24 Std. rund um die Uhr im schlimmsten Fall. Da wird dann jede persönliche Planung zur Farce und der Ruhepol wird zerstört durch abwechselnde Verfügbarkeiten und das ist schlecht für das Gemüt und die eigene Lebensstruktur. Hier scheint die Einsparung Vater des Gedanken zu sein, zu Lasten des Mitarbeiters und das sollte man nicht zulassen, denn es gibt auch noch ein Recht auf planbare Freizeit.

Stefan Zotnik | Mi, 15. November 2017 - 09:14

als ökonomischer Faktor betrachtet werden.

Dieses Zitat
„Firmen, die in unserer neuen digitalisierten Welt bestehen wollen, müssen agil sein und schnell ihre Teams zusammenrufen können. Die Vorstellung, dass man morgens im Büro den Arbeitstag beginnt und mit dem Verlassen der Firma beendet, ist veraltet.“

repräsentiert den ganzen verschwurbelten Artikel.

Sie, lieber Autor, schreiben (allen Ernstes), dass Menschen dann arbeiten sollten, wann sie wollen.
Darum geht es aber gar nicht. (siehe Zitat)

"Veraltet"? Aus wessen Sicht denn? Aus der der Menschen?
Rüchtiiich.

Sie sagen, es würde unseren Wohlstand mehren und anderes substanzfreie Dinge.
Wir haben genug Wohlstand!
Er muss nur besser organisiert und gerechter verteilt werden, ohne dabei Leistung zu bestrafen und Faulheit zu belohnen.

Ich will endlich eine Politik, die den deutschen Bürger wieder in den Mittelpunkt stellt und diesem ein Leben mit weniger Hamsterrad ermöglicht, dass ihn atmen und leben lässt!

Holger Pruss | Mi, 15. November 2017 - 10:17

Es ist schön, dass in diesem Land überhaupt noch jemand arbeiten will. Über die Hälfte hängt bereits voll oder halb vom Sozialstaat ab. Jeder 7. ist Beamter. Und wer nicht wirtschaften kann, wird gerettet.
Die FDP soll keine "Themen finden". Sie soll die Themen angehen, die nicht mehr gefunden werden müssen, sondern die uns seit Jahren anschreien. Wie das krisenfördernde Geldsystem, zu hohe Steuern, eine sinnlose Energiewende und die Invasion.
Je mehr der Staat in die Wirtschafte eingreift, desto mehr Verschwendung gibt es. Das ist ein ökonomisches Gesetz! Der Staat soll uns endlich in Ruhe lassen!

Torsten Knecht | Mi, 15. November 2017 - 13:25

In reply to by Holger Pruss

... bräuchten wir nicht, wenn es
a) ein Grundeinkommen gäbe bzw. die Löhne so hoch wären, das niemand aufstocken gehen müsste
b) die Alleinerziehenden u. Armutsrentner mehr finanzielle Anerkennung bekämen u. c) es ein gemeinnütziger Sektor für nicht vermittelbare AK gäbe.

Sozialstaat mit Sozialstaatsbürokratie ist ein staatliches Konstrukt das nicht auf Potentialentfaltung ausgerichtet ist sondern die Menschen durch Sanktionen in unattraktive Jobs gefügig macht. Leiharbeitsfirmen arbeiten mit dieser Masche, wenn die Leute vom JC/AfA zu Ihnen vermittelt werden.

Wer Abhängigkeit (von Sozialtransfers) schafft, der hat ein Interesse das Abhängigkeit (weiter) besteht. Kein JC MA will sein Job verlieren, der Arbeitsminister auch nicht u. Unternehmen brauchen AN + AL als Manövriermasse, damit die Löhne u. Forderungen niedrig bleiben.

Die Entwicklung geht vom AG zum AN-Markt. Darum will Merkel u. IHK Zuwanderung hoch 2 haben.

Holger Pruss | Mi, 15. November 2017 - 14:10

In reply to by Torsten Knecht

Wie hoch soll denn das Grundeinkommen sein?
100 € ?
oder 10.000 € ?
Einfach Geld fordern ohne Reformen zu nennen
können auch TAZ-Leser und sogar ARD-Zuschauer.

Michael Seip | Mi, 15. November 2017 - 11:09

...und es steht eine Konjunktion, wo ein Relativpronomen hingehört. Liest das niemand bevor es veröffentlich wird? Die Rezeption des Inhalts wird durch schlechte äußere Form - und dazu gehört die Rechtschreibung - verleidet.

Ulrich L. Zischewski | Mi, 15. November 2017 - 12:02

Die Gleitzeit wurde so gegen 1980 mal eingeführt um die z.B. Verkehrslage zu entspannen. Ergebnis: in vielen Betrieben haben die MA in den Angestelltenbereichen ihre persönlichen Arbeitszeiten gelebt (statt 0800 um 0745). Sonst nichts geändert. habe als HRMgr hierzu viele Auswertungen gemacht. Hat sich über die Jahre nicht verändert. So weit so gut, meist war das auch unproblematisch, da keine Prozessabhängigkeiten bestanden.
DIe MA in den Produktionsbereichen konnten diese leider nicht oder nur begrenzt leben und werden dies auch weiter weniger leben können.
man muss auch bedenken das Lt dt. Gesetzen immer eine Aufsicht bestehen muss es gibt vile Regel die beachtet werden müssen
wie immer Schießen und hierher gucken was man getroffen hat statt sich mal die rechtliche Lage gesamthaft anzuschauen und zu gucken was man deregulieren kann denn passiert denn meist nicht und es wird immer unübersichtlicher

Ulrich L. Zischewski | Mi, 15. November 2017 - 12:06

hatte eben ein Gespräch mit meinem Physiotherapeuten den bezüglich häufiger Terminänderungen anmeckerte. Klare Ansage: seine MAInnen alle TZ nehmen sich Rechte raus bezüglich ihrer Arbeitszeit ohne Rücksicht auf die Kunden sprich Patienten

Torsten Knecht | Mi, 15. November 2017 - 14:01

In reply to by Ulrich L. Zischewski

... Lösung: 1 VZ - Kraft einstellen und alle Termine sind abgedeckt.

Nachteil: Die Kosten der Sozialversicherung kann sich der Physio-Unternehmer nicht sparen.

Vorteil für die VZ-Kraft: sozialversichert! Wie versichern sich die TZ - Kräfte?

Ulrich L. Zischewski | Mi, 15. November 2017 - 12:10

den Siegeszug von Amazon u.a.?

würde gerne mehr bei anderen vor allem lokal kaufen aber wenn keine MA vorhanden sind?

habe gestern anbei einem lokalen Baumarkt um die Mittagszeit einen Berater benötigt, war schwierig denn der welcher rum rannte war für eine andere Abteilung zuständig der Auskunftsmögliche wurde in einer Stunde erwartet
wird lustig wenn diese weiteren

Edgar Thormeyer | Mi, 15. November 2017 - 13:03

Das halte ich für eine sehr steile These! Die Realität ist: der Arbeitnehmer hat zu arbeiten, wenn die Arbeitgeber es für nötig halten, zu jeder Tages- und Nachtzeit! Schuld daran ist auch nicht die Digitalisierung der Arbeitswelt, sondern die GLOBALISIERUNG! Denn irgendwo auf der Welt ist immer Tag und global agierende Firmen arbeiten eben rund um die Uhr!

Ich sehe es an meiner Frau. Seit ein US-Konzern ihre Firma übernommen hat, bekommt sie noch um Mitternacht Anrufe oder Emails, manchmal mit der Aufforderung, innerhalb der nächsten Stunde noch Arbeitsergebnisse abzuliefern. Der Zeitunterschied zwischen Chicago und Dortmund (7 Std) interessiert die überhaupt nicht!

Wenn sie nicht reagiert, gibt es Druck! Da spielt dann Digitalisierung schon eine Rolle. Die Firma hat nämlich ein elektronisches Pinboard, auf dem die Mitarbeiter sich gegenseitig loben und auch tadeln, was jeder per Internet einsehen kann! Wer da zu häufig negativ auffällt, kriegt Kontakt zur Personalabteilung!

... der Arbeitnehmer unter sich als Sensor für normative Abweichungen. Was will man als Personalchef mehr?

Hm, möglicherweise noch digitale Totalüberwachung nebst Infos über gesundheitliche Risiken respektive Auskünfte über den Lebensstil um einen Rückschluss auf die Arbeitsproduktivität zu haben ...

Zu DDR-Zeiten gab es das "Arbeitskollektiv" und in Ihnen IMs und die Parteileute ... kann es sein, das wir uns in bestimmten Bereichen einer Diktatur nähern?

Olliver Land | Mi, 15. November 2017 - 14:30

Schoen, dann bringe ich nun meiner Familie bei, dass sie nun eben noch mehr flexible sein muss. Das gilt dann auch fuer Kindergarten und Schule. Und klar, anstelle gemeinsames Fruehstueck und Abendessen mit den Kindern, habe ich natuerlich gem. den Wirtschafsweisen dann die Moeglichkeit auch schon beim Fruehstueck meine Emails auf dem Smartphone zu bearbeiten. Wie nobel. Und dann Spaetabens noch ein paar Skype Telkos. Super, und am Wochenende einen Conference Call mit UAE, da dort am Freitag Feiertag ist und nicht Sonntag. Hui, wie ich mich auf den Luxus der Flexibilitaet freue. Manchmal wuerde ich gerne einen der Witschaftsweisen aus seinem Elfenbeinturm mal eine Woche mit in die heutige Arbeitswelt nehmen.
Ernsthaft, fuer jemand ohne Kinder oder jemandem, dem das Thema Familie so oder so nicht so wichtig ist, mag das alles voellig egal sein. Und klar, wir sind in Deutschland die einzigen mit einem 8 Stunden Tag. Der Rest der Welt rennt uns foermlich davon.

Arne Bruhn | Mi, 15. November 2017 - 16:24

was sind Sie (pardon) für ein Traumtänzer! "Menschen sollen arbeiten wann sie wollen" - Richtiger hätten Sie schreiben müssen "....wann der Arbeitgeber will."
Ich war einer - allerdings von der altmodischen Sorte - da wurden Vorstellungen des AN im Gespräch abgestimmt. Heute? Ein langjähriger Redakteur, gut vernetzt, wird vor die Alternative gestellt: 20 % minus und weiter Festangestellter - oder "Freier Mitarbeiter" mit Zeilenhonorar und Selbstbehalt aller Arbeits- und Sozialkosten. Eine schöne Freiheit!
Klinikärzte mit Dienstzeit und nachfolgender "Bereitschaft" hängen erst am Kaffee, dann am Alk - alles zu ihrem Wohl? NEIN, 9,8 % Rendite sind noch nicht genug! Ein deutscher Konzern verlangte in einem südamerik. Werk: Pauschal 5 % weniger Personal, als ein Abteilungsleiter nur sagte "Aber ich bitte zu bedenken..." bekam zur Antwort "Sehen Sie sich dazu nicht in der Lage? Dann sind sie am falschen Platz!" 14 Tage später saß er in einem kleinen Zulieferbetrieb in Polen. Forts. folgt.

Arne Bruhn | Mi, 15. November 2017 - 16:30

"Natürlich dürfen Unternehmen Menschen, die für sie arbeiten, nicht ausnutzen" - Ach, das ist natürlich, also gottgegeben? Wo hat Gott - oder die Natur - denn die Beschwerdestelle eingerichtet, wo sich AN beschweren können, wenn ein AG unbotmäßiger Weise doch eventuell möglicherweise ei nmal seine Mitarbeiter ausnutzen sollte? Ich - als ehemaliger AG - empfinde Ihren Artikel weltfremd - ja geradezu peinlich! Guten Tag!

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