Deutsche Nationalmannschaft - Die politische Vorzeigetruppe

Kolumne Grauzone: Spätestens seit 2006 vermarktet die DFB-Auswahl sich als zeitgeistiges Hochglanzprodukt. Die Spieler, so soll deutlich werden, sind nicht nur ein Haufen hoch bezahlter Entertainer, sondern die Repräsentanten eines besseren Deutschland

Begeisterung für das neue Label: „Die Mannschaft“ / picture alliance
Begeisterung für das neue Label: „Die Mannschaft“ / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Oktober erscheint sein Essay „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer“ bei zu Klampen.

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Alexander Grau

„Der Mensch spielt nur“, schrieb einst der gute Schiller, „wo er in voller Bedeutung Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch wo er spielt“. Das war eingängig formuliert und überaus human gedacht, weil es das Menschensein befreit von Sachzwängen, Nützlichkeitserwägungen und puritanischer Lustfeindlichkeit. Gerade das scheinbar Sinnlose ist sinnvoll und menschlich, eben weil es sinnlos ist.

Klingt prima. Hat aber (mindestens) einen Haken: Eben weil Spiel und Sport sinnfrei sind, lässt sich ihnen umso leichter ein Sinn überstülpen. Deshalb sind sie so leicht ideologisierbar. Die Fußball-EM demonstriert das mal wieder auf das Peinlichste – der Deutschen Fußballbund vornweg.

Tattoos statt Schnauzer

Spätestens seit dem „Sommermärchen“ 2006 präsentiert sich die DFB-Auswahl als zeitgeistschnittiges Hochglanzprodukt. Und das bedeutet nicht nur, dass der Designeranzug die Ballonseide abgelöst hat und Tattoos den feschen Schnauzer. Der sterilen Außendarstellung der Mannschaft entspricht der antiseptische Überbau, den man ihr verpasst hat: Man ist weltoffen, multikulturell und tolerant, man engagiert sich gegen Drogen, gegen Rassismus und gegen Diskriminierungen aller Art. Gegen Gewalt ist man ohnehin. Die DFB-Kicker, so soll deutlich werden, sind nicht nur ein Haufen hoch bezahlter Entertainer, sondern die Repräsentanten des modernen, des besseren Deutschland.

Kein Wunder, dass sich die Kanzlerin höchstselbst zum obersten Fan der politischen Vorzeigetruppe gemacht hat. Die DFB-Elf, so darf man vermuten, ist das schwarzweiße Symbol für das Traumland, in das Merkel Deutschland so gerne verwandeln würde. Und so wird sie sich, sollte Löws Truppe das Halbfinale oder gar mehr erreichen, sicher wieder im Kreise ihrer Schützlinge ablichten lassen, auf dass auch der letzte Wähler kapiert: Seht her, so erfolgreich wird das bunte Deutschland sein. Dass an diesen Bildern dann so ziemlich alles schief, falsch und verlogen ist, scheint dabei niemanden zu interessieren. Hauptsache das Marketing stimmt.

„Die Mannschaft“ als Marke

Denn die DFB-Auswahl ist ein wunderbares Instrument politischer PR. Und nicht nur das. Auch zur gesellschaftskonformen Erziehung eignet sie sich hervorragend. Entlarvend schon der neue Markenname, unter dem Deutschlands Kicker seit letztem Sommer auftreten: „Die Mannschaft“. Damit soll nicht nur der „Markenkern“ stärker herausgearbeitet werden, um so bisherige Vermarktungsdefizite auszugleichen, wie das dann im Oliver-Bierhoff-Deutsch heißt. Ganz nebenbei fällt auch der schrecklich gestrige und so gar nicht smarte Begriff der „Nation“ weg, unter dem die Nationalmannschaft einst auftrat.

Vor allem aber macht das Label „die Mannschaft“ deutlich, worum es hier eigentlich geht: um die Propagierung von Teamgeist, um Unterordnung, um das Kollektiv. Den Ethos, den die „Mannschaft“ und die für sie Verantwortlichen verbreiten, ist ein Lehrstück in jener repressiven Lockerheit, die man aus der modernen Unternehmensführung nur zu gut kennt: flache Hierarchien, Team-Ideologie, informeller Habitus, Flexibilisierung.

Gefragt ist der angepasste Karrierist

Natürlich sind alle wahnsinnig entspannt, lustig und unkonventionell. Wer aber aus der Reihe tanzt, wird gnadenlos aussortiert, wie schon einige Profis erfahren mussten. Gefragt ist der mannschaftsdienliche Streber, der angepasste Karrierist, der nach außen stets unverbindlich freundlich ist, niemals das Betriebsklima stört und es versteht, sein Ego zurückzunehmen. Denn merke: Jeder ist ersetzbar. Du bist nichts, die „Mannschaft“ ist alles.

So macht sich die DFB-Auswahl in ihrer Selbstdarstellung zu einem Idealbild gesellschaftsdienlicher und marktkonformer Wohlangepasstheit. Ein Kunstprodukt, clean und weltanschaulich auf der Höhe der Zeit, ohne Ecken und Kanten, politisch überkorrekt und werbefilmtauglich.

Die Instrumentalisierung der Nationalmannschaft

Sport wurde von den Mächtigen und Einflussreichen schon immer ideologisch aufgeladen, das war in der Antike so, das ist in der Moderne nicht anders. Was die Instrumentalisierung der Nationalmannschaft in Sinne eines politisch genehmen und wirtschaftlich erwünschten Zeitgeistes so unangenehm macht, ist die Penetranz, mit der ein semipolitischer Verband den Lieblingssport der Deutschen benutzt, um wohlfeile Botschaften unter das Volk zu streuen. Das ist nicht nur oberlehrerhaft, sondern missbraucht auch die Idee des Spiels.

Christa Wallau | Sa, 18. Juni 2016 - 11:56

Ihren Widerwillen gegen die "politische Vorzeigetruppe" teile ich, lieber Herr Grau.
Die Ideologie, die hinter allem steht, was Sie zu recht beim Fußball aufspießen (was sich aber auch in vielen anderen Bereichen zeigt), ist die Propagierung eines neuen, idealen Weltbürgers: Es ist der erfolgreiche, smarte, teamfähige Mensch der hoch entwickelten Industrieländer, absolut wirtschaftskonform, angepaßt, austauschbar und tolerant bis zum Erbrechen.
Ganz im Gegensatz zu dem, was frühere Freiheitskämpfer unter diesem Begriff subsummierten, nämlich Individualität sowie
äußere und innere Unabhängigkeit, besteht heute die große Freiheit anscheinend darin, sich im Rahmen dessen zu bewegen, was der ZEITGEIST allen vorschreibt.
Ein Paradebeispiel für das perfide Zusammenspiel von Politik, Medien und Fußball stellt für mich übrigens der Fall Gauland dar. Der Name Boateng wurde hier absichtlich ins Spiel gebracht,um die AfD vorführen (schädigen) zu können. Der DFB muß vorher bereits eingeweiht gewesen sein, sonst hätte er nicht schon wenige Stunden nach dem Interview formvollendet empört mit Widersprüchen und Filmchen reagieren können.

PERSÖNLICHKEITEN können auf dem Mist dieser political correctness natürlich nicht heranwachsen. Aber das sollen sie ja auch gar nicht. Eine geistige Elite (unkontrollierbar!) soll es nicht mehr geben. Was zählt, ist der Mammon, der wirtschaftliche Erfolg - wie auch immer er zustande kommt. Zur heutigen ELITE zählt derjenige, der sich Luxus leisten kann und zur Gemeinschaft der politisch KORREKTEN gehört.

Sehr geehrte Frau Wallau,
in Ihren Wortbeiträgen kommt immer so der Duktus der AFD durch. Wer ist in Ihren Augen die Korrekten? Außerdem die politcal correctness so hervor zu heben ist schon sehr bezeichnend. Und was ist das Eigentlich?
Ich gebe Ihnen Recht wenn Großereignisse wie Olympische Spiele, internationale Fußballereignisse ihre Schatten werfen, bemüht sich die Politik besonders stark, um die Sportler. Auch die Wirtschaft versucht, dann Kapital aus den Veranstaltungen zu schlagen.
Aber mal ganz ehrlich, das war schon so weit ich denken, immer so. Da machte in den 70er Jahren Beckenbauer für eine Suppe Werbung usw.
Was mir eher Sorgen macht, wenn solche Veranstaltungen laufen, werden Deutsche Flaggen oder Wimpel ans Auto gehängt, um darzustellen das man die Deutsche Mannschaft unterstützt. Dieses gibt es erst seit ein Paar Jahrzehnten.
Und da fängt es bei mir an komisch zu werden. In dieser Übertreibung liegt die Brisanz. Nicht wegen der Bewimpelungsmanie, sondern wegen dem überdrehten Nationalstolz, beim erreichen von Viertel-, Halbfinal oder Finalspielen.
Das deutsche Volk pendelt von einem Extrem ins Andere. Die Einen reden nur noch vom Staat Europa, die Anderen Wollen am Liebsten die Grenzen von 1939 zurück
haben. Geht es denn auch eine Nummer kleiner?
Ich denke Mal wir sollten ein gesundes Verhältnis zu unserem eigenen Land und der Geschichte entwickeln. In anderen Nationalstaaten hat es doch auch geklappt. Und dann werden auch Niederlagen erträglicher.

Sehr geehrter Herr Oldemeier,
wenn sie in meinen Beiträgen einen "AfD-Duktus" (Was ist das?) zu erkennen glauben, so nehme ich dies staunend zur Kenntnis.
Sicher, ich habe die AfD mit der Gauland-Episode als Beispiel für das ungute Zusammenwirken von politischen Medien und Sport im Rahmen der political correctness genannt.
Im Gegensatz zu Ihnen kann ich aber nicht erkennen, was meine grundsätzliche Kritik an der auch von Herrn Grau beklagten "gesellschaftsdienlichen, marktkonformen Wohlangepasstheit" erfolgreicher Menschen (also auch der Fußball-Helden) in unserer bundesdeutschen Gesellschaft speziell mit der AfD zu tun haben soll.
Was mir nicht gefällt, möchte ich nochmals klarstellen: Es ist der mangelnde
freie Geist, der fehlende kantige Charakter von Individuen, die den Mut besitzen, ernsthafte Diskussionen zu führen über durchaus gegensätzliche Auffassungen von dem, was sie mögen oder für richtig halten - ohne dabei sofort Angst vor Angriffen und gesellschaftlicher Ächtung haben zu müssen. Dies ist in England und Frankreich m. E. durchaus noch etwas anders.

Was Sie an Extremen im Hinblick auf das Nationalgefühl der Deutschen meinen
beobachten zu können, sehe ich gar nicht so. Im Gegenteil: Endlich verhalten sich die deutschen Fans wie alle anderen in Europa: ganz n o r m a l mit
Fähnchen, Gesang und allem Pi-Pa-Po.
Und wer, bitte, will die Grenzen von 1939 zurück? Ich vermute fast, daß Sie
solche Gedanken bei der AfD verorten, weil ja auch immer mal wieder derartiger Unsinn kolportiert wird. Dem ist natürlich nicht so, wie Ihnen ein kurzer Blick ins Programm beweisen kann.

Im übrigen bin ich - ganz wie Sie - für ein gesundes ( = unverkrampftes und
dem anderer Länder ähnelndes) Verhältnis zu unserem Land und seiner Geschichte, in der die NS-Zeit und der letzte Krieg endlich den ihrem Umfang angemessenen, "nomalen" Platz einnehmen sollten, so wie dies auch in anderen Ländern (z. B. Rußland, Frankreich, USA mit ähnlich traumatischen Vorgängen) der Fall ist.

Hallo, sehe ich auch so.
"Das deutsche Volk pendelt von einem Extrem ins Andere. Die Einen reden nur noch vom Staat Europa, die Anderen Wollen am Liebsten die Grenzen von 1939 zurück."

Statt erst einmal zu lernen, ein ganz normals Volk zu sein mit einem gesunden Nationalstolz, das war so der Anfang mit den Fahnen und Wimpeln, die deutsche Bevölkerung traute sich mal wieder stolz auf das eigene Land zu sein, und schon rutscht es wieder ab in einen Nationalismus, der uns und den anderen Ländern nicht gut tut.
Dabei darf man das Politische nicht vergessen. Wenn in Brüssel ein Herr Schäuble sagt: "In Europa wird Deutsch gesprochen" dann ist DAS so ein Stichwort, auf das besonders sensible Menschen "anspringen." Ebenso auch Merkels Verhalten mit ihrer "deutschen" Dominanz und Arroganz anderen EU-Ländern gegenüber ist ein gutes Vorbild für einen Nationalismus der falschen Art.

Sehr geehrter Herr Fischer,
Man hängt das nicht an die grosse Glocke, aber latent ist das schon zu hören.
Außerdem wollte ich damit deutlich machen, in welchem weitem Spektrum politischer Anschauungen man sich bewegt.
Meine Überspitzung sollte ja auch ein wenig den Geist anregen. Weil gerade beim Thema Sport es doch, wie Herr Grau richtig in seiner Kolumne anmerkt, eine Instrumentalisierung der Politik und Wirtschaft gibt. Aber auch die sogenannten Fans ergehen sich oft in Instrumentalisierungen. Siehe Weltmeister-Feier in Berlin. Und das wollte ich damit deutlich machen.
Eine schöne Sache, wie den Sport zu kommerzialisieren finde ich persönlich nicht so gut . Darunter leiden gerade kleine Vereine, die nur schlecht finanziert werden. Z.B. "Der DFB kassiert, die Amateurvereine leiden". Bericht in T-online.de. Sie sollten den Bericht mal lesen.
Sie sehen ich versuche mir so meine Gedanken zu machen und nehme auch Ihre Anregungen gerne auf. Diese gilt auch für Frau Wallau. Dafür herzlichen Dank.

Bernd Fischer | Mo, 20. Juni 2016 - 19:48

In reply to by Karola Schramm

Welche Zeitungen meinen Sie denn?

Meinen Sie etwa die Zeitschriften...Wochenblätter... die noch in der heutigen Zeit die Fraktur Schrift für ihr Titelblatt verwenden, und damit ( automatisch ) anfällig für Revanchismus sind?

Denn schließlich sind ja auch fast alle Bücher, die von den Nazis verbrannt wurden, komplett in Fraktur gesetzt worden.

Bennen Sie die doch bitte mal konkret , abseits von rosaroter Parteiromantik, was Sie meinen.

Zur Nachbarschaft sage ich Ihn folgendes, das es wahrscheinlich daran liegt das Sie ( wahrscheinlich ) in einem Landesteil leben, wo Nazirichter nie einen Gerichtssaal von innen ( als Angeklagter ) gesehen haben und genug Zeit hatten "Legenden" zu bilden.

Man brauchte sie ja , um gegen den alten bzw. neuen "Feind" bereit zu sein.

Ich empfehle Ihnen das Hörbuch von Timur Vermes "Er ist wieder da" gelesen von Christoph Maria Herbst sich anzuhören. Dann reden wir weiter.

Markus Werner | Sa, 18. Juni 2016 - 13:18

Ich habe seit Kindheit immer gerne die Spiele der Fußball-Nationalmannschaft verfolgt.
Seit einigen Jahren allerdings gab es eine ungute Entwicklung, die viele von uns sicher zuerst nur diffus wahrgenommen haben und deren Essenz Herr Grau hier so treffend beschreibt.
Fußball als Propagandawerkzeug der politisch-korrekten Meinungselite?
Bei mir jedenfalls hat die "Instrumentalisierung der Nationalmannschaft in Sinne eines politisch genehmen...Zeitgeistes","die Penetranz", mit der " wohlfeile Botschaften" unter das Volk gestreut werden sollen, schon lange dazu geführt, dass der Fernseher konsequent aus bleibt.
Nicht zuletzt spielt - ohne das "schrecklich gestrige" "National-" da eben nur noch ... irgendeine Mannschaft.

Thorsten W. | Sa, 18. Juni 2016 - 17:29

Wenn man sich die Worte mal auf der Zunge zergehen läßt, die der Autor, ein sicher gescheiter und gebildeter Mann da von sich gibt, kann einem Angst und Bange werden. "Man ist weltoffen, multikulturell und tolerant, man engagiert sich gegen Drogen, gegen Rassismus und gegen Diskriminierungen aller Art. Gegen Gewalt ist man ohnehin. Die DFB-Kicker, so soll deutlich werden, sind nicht nur ein Haufen hoch bezahlter Entertainer, sondern die Repräsentanten des modernen, des besseren Deutschland.
Kein Wunder, dass sich die Kanzlerin höchstselbst zum obersten Fan der politischen Vorzeigetruppe gemacht hat. Die DFB-Elf, so darf man vermuten, ist das schwarzweiße Symbol für das Traumland, in das Merkel Deutschland so gerne verwandeln würde."
Was, das ist die erste Frage dabei, ist so schlecht an der Vorstellung von einem weltoffenen,multikulturellen und toleranten Land, in dem weder (illegale) Drogen noch Rassismus oder Gewalt einen bedeutenden Platz einnehmen und Gewalt und Diskriminierung von Minderheiten nicht mehr zur Tagesordnung gehören? Die Formulierung im Artikel legt ja fast nahe, dies wären verwerfliche Ziele und Vorstellungen? Und waren es nicht immer schon Vorbilder, die Veränderungen in der Gesellschaft bewirkt haben? Fußballer können Vorbilder sein. Und in der Tat, das Selbstverständnis "der Mannschafft" scheint sich gewandelt zu haben. "Das WIR entscheidet" war der Wahlspruch einer großen Partei. Nicht der Egomane, nicht der selbstverliebte Jongleuer sind am Ende spielentscheidend, sondern das gemeinsame, zielgerichtete Wirken von 11 Spielern auf dem Platz, vom Team insgesamt. Damit kann "die Mannschaft" Vorbild sein. Das scheint einigen auch beim "Cicero", dem neuen Rechtsausleger der bildungsbürgerlichen Mittelschichtenpresse, ein Dorn im Auge. Dieser Artikel sagt sehr wenig aus über den Fußball oder die offizielle Politik, Aber er sagt sehr viel aus über den Zustand dieses Landes, der ein in Teilen erbärmlicher Zustand ist, wenn gutes, positives Verhalten diskreditiert wird.

Thomas Lück | Sa, 18. Juni 2016 - 18:37

So kennt man CIcero. Anstatt mal den Arsch hoch zu kriegen und Probleme vor der eigenen Tür zu beseitigen, macht der liebe Herr Grau lieber Stimmung gegen Sportler. Um es mit Liebermann auszudrücken: "Ich kann nicht so viel fressen wie ich kotzen möchte" angesichts solch dummer Polemik und Unwissenheit.
Es ist immer leicht sich gegen Leute zu wenden, die keinen Einfluss auf die Geschicke des Landes haben. An diejenigen, die die Spaltung der Gesellschaft betreiben - namentlich sind das Björn Höcke, Beatrix von Storch , André Poggenburg usw. - vergreift sich Herr Grau aber nicht. Dazu hat er nicht den Schneid. So viel zu sogenannten preußischen Tugenden. Sich gegen Ungerechtigkeit zu wenden und Hetzer und Menschenfeinde ins Feld zu ziehen ist ihm anscheinend zu gefährlich.

Allen, die diesem Artikel zustimmen, ihn verfasst oder ihn freigegeben haben, sage ich eines: IHR SEID DIE WAHREN VOLKSVERRÄTER.

1.) Sie haben entweder nicht zu Ende gelesen oder nichts verstanden. Grau wendet sich gegen eine Instrumentalisierung der Nationalmannschaft, die das Ziel hat, politische Botschaften unters Volk zu streuen, nicht gegen die Sportler selbst.
2.) Zu Ihrem flammenden, drohenden letzten Satz: Hamses nicht 'ne Nummer kleiner?
3.) Hallo!!, ist doch bloß Fußball!

Mit dem Begriff VOLKSVERRÄTER kann ich nichts anfangen, ich brauche auch keine Nationalhymne und hänge keine Deutschlandfahne während der EM raus. Aber - Falls Sie es nicht mitbekommen haben: Die Spaltung der Gesellschaft hat längst begonnen und wird vor allem durch hirnrissige Multi-Kulti-Experimente betrieben. Pegida und die AFD sind nur die Antwort auf weltfremdes Gutmenschentum, das eine unbegrenzte Einwanderung in den deutschen Sozialstaat zulässt. Davon profitiert der Normalbürger im Gegensatz zu den gemachten Versprechungen nicht. In der Tat wird die Nationalmannschaft zum Symbol für funktionierendes MultiKulti hochstilisiert, was sie aber nicht ist. Von den Nationalspielern mit Migrationshintergrund erwarte ich nicht mehr und nicht weniger als von jedem anderen Migranten auch: guten Fußball und die Identifikation mit unserem Land, seiner Geschichte und dem westlich orientierten liberalen Wertesystem.

Günter Schaumburg | Sa, 18. Juni 2016 - 21:08

Sehr geehrter Herr Lück,
Ihren Einlassungen entnehme ich, dass Sie mit dem
Begriff "Demokratie" so Ihre Probleme haben. Wenn Sie sich tiefgründiger damit beschäftigten, würden
Sie merken, dass wir in keiner Demokratie mehr leben und Sie kein Demokrat sind. Voltaire: Ich mag
verdammen, was Du sagst (schreibst), aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass Du es sagen
(schreiben) darfst.
Als ehemaliger nützlicher Idiot der Sportpolitik (Olympiateilnehmer): Punktlandung, Herr Grau.

Peter Bigalk | Sa, 18. Juni 2016 - 23:16

Korrekt wiedergegeben. Nur dafür kann die Mannschaft nichts. Man sollte bitte die Politik aus dem Fußball raushalten und die Nationalmannschaft weder für Nationalismus, noch als Beweis für funktionierenden MultiKulti verwenden und auch mal krumme Typen zulassen.

Karola Schramm | So, 19. Juni 2016 - 18:12

In reply to by Peter Bigalk

Dann sagen Sie Frau Merkel, dass sie in den Kabinen der Fussballer nichts verloren hat und auf Fotos mit diesen auch verzichten soll.
Ich finde es schon schlimm für mich, zu wünschen, dass unserere Nationalmannschaft das Endspiel verpazt und kein EM-Meister wird. Weil mir graust vor dem Größenwahn. Auch will ich nicht mehr etwas singen hören wie: "So gehn die Gauchos...." denn so verhalten sich keine Sportler, sondern Funktionäre.

Willi Mathes | So, 19. Juni 2016 - 04:55

Wieder sehr erhellend Herr Grau ! Danke.
Sport wurde schon immer politisch instrumentalisiert . Das derzeitige Wischi-Waschi des
Multi-Kultitrends , befördert durch die sozialen
Netzwerke, betreiben zunehmend einen gewollten Identitätsverlust des Menschen. Identiät nutzt dem Ego. Wir Deutschen bedürfen hier etwas mehr davon.
Danke Herr Grau.

Gruss Willi

Peter Voit | So, 19. Juni 2016 - 13:05

Selten so einen guten Artikel gelesen wie den von Alexander Grau mit dem Titel "Die politische Vorzeigetruppe": Den Ethos, den die "Mannschaft" und die für sie Verantwortlichen verbreiten als ein Lehrstück in jener repressiven Lockerheit, die man aus der modernen Unternehmensführung nur zu gut kennt: flache Hierarchien, Team-Ideologie, informeller Habitus, Flexibilisierung, wie der Verfasser des Artikels schreibt.
So gesehen dürfte auch ein neues Licht auf "Jogis Fehlgriffe" fallen. Was der seinen Kaugummi genüßlich oder wie auch immer bearbeitende Bundestrainer im mausgrauen T-Shirt und weiteren Eigentümlichkeiten der zuschauenden Welt sehen ließ, sind gar keine "Fehlgriffe", sondern eine Demonstration jener "repressiven Lockerheit", von der Herr Grau in seinem Artikel spricht.
Zu dieser Lockerheit dürfte auch gehören, daß Löw schon vor dem letzten Gruppenspiel verkündigte, Gruppen-Erster zu werden. Der Merkelschen Lockerheit entsprechend: "Wir schaffen das."

Karola Schramm | So, 19. Juni 2016 - 16:56

Besten Dank, lieber Herr Grau für diese hervorragende Analyse über die "Die Mannschaft."
Ja, es wird alles vermarket und marktkonform geschliffen, was man so schleifen kann. Dass Merkel schnell dabei ist und das ganze Theater auch unterstützt, zeigt schon ihre enge Verbundenheit zu Bayern München, denn auch Uli Hoeness ist das, was man - in der Ökonomie - einen Neoliberalen nennt. Der Erfolg ob ideell oder finanziell, steht an erster Stelle,(oft auf Kosten von anderen) Verlierer hat es nicht zu geben, und wenn, dann sind sie selber Schuld, können sich ja anpassen an das System, das die Duckmäuser und Speichellecker liebt und die, die zwar begabt und leistungsfähig, doch mit eigener Meinung ausgestattet sind, gnadenlos in den Abgrund stößt.

Mich wundert, dass die Nationalmannschaft diese Verkürzung auf "Die Mannschaft" so einfach mitgemacht hat und dass man so gar nichts davon in der Öffentlichkeit mitbekommen hat. Zumindest habe ich nirgendwo davon gelesen oder Proteste von Sportjournalisten gehört. Denn "Die Mannschaft" ist genauso krank wie "Du bist Deutschland." Und dann wundern sich Politiker über Rassismus und Nationalismus und tun so, als wären diese Verhaltensweisen einfach so vom Himmel gefallen. Wobei genau diese nichtssagende und paradoxe Anonymität der Wortwahl dafür verantwortlich ist.

Jürgen Lehmann | So, 19. Juni 2016 - 19:13

Herr Lück,

ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie zum „Fußball“ der deutschen Nationalmannschaft eine Beziehung haben.
Dort handelt es sich um eine Gruppe von Millionären, die – auch von unserer Kanzlerin – dazu benützt wird die Bundesrepublik als Vorzeigeland verschiedener integrierter Nationalitäten darzustellen.

Der Beitrag von Herrn Grau ist in Ordnung und entspricht der Wirklichkeit.
Ihre Polemik der „WAHREN VOLKSVERRÄTER“ ist albern und hält mich nicht davon ab dem Beitrag zuzustimmen.

Markus Müller | Mo, 20. Juni 2016 - 11:44

Dem Kommentar würde ich zu 100% zustimmen. Es ist schade, daß sich der Fußball für Politik mißbrauchen lässt. Ich glaube aber, daß Viele dieses Spiel durchschaut haben. So erklärt sich auch, daß dieses mal zur EM die allgemeine Auto- und Hausbeflaggung relativ mau ist, die Fanmeilen teilweise verwaist sind, und sich das Trikot, wohlweislich ohne Schwarz-Rot-Goldene Farben, als Ladenhüter erweist. Persönlich habe ich mich auch abgewendet, denn ich war Fan der Deutschen Nationalmannschaft, nicht von "La Mannschaft". Meine Fahne bleibt deshalb dieses Jahr im Keller.

Der Sport im allgemeinen unterwirft sich gerne der Politik, um an die notwendigen Gelder zu kommen.
Während sich aber auch die Politk sehr gerne im Glanze der Erfolge der Sportler ablichten lässt, um sich feiern zu lassen weil er so gut ist. ( der Politiker )

Im übrigen, gab es nicht mal einen Sportminister der es mal gewagt hatte ( den unpolitischen Sportler ) zu sagen, was die Bundesrepublik an Medallien erwartet, um zu glänzen?

Will sagen, das ein Sportler erst einmal als Individium als Welt...Europa...oder deutscher Meister in den Ring tritt,und gewinnen will.

Und auch heute im Jahr 2016 ist es genau so wie in der damaligen Ostzone, was kein Ruhm für das Land( und für die Politiker ) einbringt , wird negiert und nicht gefördert.

Aber der normale "Karl Krause" der während der EM mit einer deutschen Fahne rumwedelt, ist einer (in gewissen Kreisen ) von gestern?

Nach dem Spiel in Paris unter entsetzlichen Bedingungen, in Bezug auf unsere Nationalmannschaft der der Ungewissheit, Gott sei Dank nicht in Bezug auf Leib und Leben, ein Abend, an dem ich erst ins Bett ging, als klar war, dass unserer Nationalmannschaft nichts passieren wird und die allgemeine Lage sich nicht noch mehr verschärfte und auch die Franzosen blieben bei der deutschen Nationalmannschaft, Völkersolidarität, nach diesem Grauen kam Frau Merkel - wir erinnern uns, an besagtem Spiel in Paris sass Steinmeier neben Hollande - auf die Idee, ein neuerliches Spiel in Hannover gemeinsam mit einer ausländischen Politikerin zu einem Fanal des Kampfes gegen den Terror zu machen.
Mir ist schlecht geworden und ich kann mich entsinnen, dass Bierhof die Worte sprach, in etwa, man möge bitte den Fussball nicht instrumentalisieren.
Wieviel Kraft hat es de Maiziere gekostet, angesichts einer zwar kleineren Terrorwarnung, die Kanzlerin dann zum Rückflug zu bewegen?
Getippt: Übermenschliche?

Bernhard Jasper | Mo, 20. Juni 2016 - 12:56

Ich war nie ein guter Spieler, mein Sohn sehr wohl, B- und A-Jugend obere Liga (Leistungsbereich). Später hat er dann als Student und Spielertrainer die Uni-Mannschaft gecoacht. In der angemeldeten Herren-Freizeitliga der Stadt sind diese hochmotivierten Jungs während der Studienzeit dreimal aufgestiegen. Es war diese Mischung aus Körperlichkeit und Intellektualität. Und dann noch den Blick zu haben, die Totalität zu erfassen. Das Gehirn beschäftigt sich ja auch sehr stark mit der Verarbeitung von visuell-haptischen Eindrücken. Und dann zu ahnen wo der Ball hingeht (antizipieren), um ihn in die Tiefe des Raumes weiterzuspielen. Dieser „tödliche Pass“ in die Schnittstelle gespielt- eine Höchstleistung! Und übriges, im 16 er wird immer mit Tempo gespielt, möglichst beidfüßig- um zum Abschluss zu kommen. Iniesta, Iniesta, Tor!

In der Masseninzenierung sind die Spiel-Kommentatoren der Medien höchst motiviert und lautstark dabei. Auch suggeriert die Kameraperspektive (Totale) in diesen Stadien/Theatern eine inszenierte Massenhysterie. Vor Ort ist es gleichzeitig das Bad des Einzelnen in der Menge.

Seit den Griechen ist genau das immer wieder instrumentiert und instrumentalisiert worden, im Gegensatz zu dem spielerischen Freiraum dieses schönen Spiels.

Kröger, Barbara | Di, 21. Juni 2016 - 07:55

Was mich ehrlich gesagt erstaunt ist, dass ein Kampfsport wie Fußball überhaupt noch von den Politisch Korrekten in unserem Land zugelassen wird! Mannschaft hin, Fähnchen her. Fußball ist ein Kampfsport und ist das noch politisch korrekt zu begründen? Die Mannschaften müssten doch eigentlich alle gemeinsam, als quasi eine vereinigte Mannschaft dem Ball hinterher laufen und jeder Spieler dürfte einmal den Ball kicken. Ach, wäre das schön und so politisch korrekt….

Dorothee Sehrt-Irrek | Sa, 10. September 2016 - 18:53

Beckenbauer?
Ich stelle mich vor ihn, nicht weil ich glaube, dass er alles richtig gemacht hat, unvergessen sein Satz über Katar, in dem er keine Arbeitssklaven zu entdecken vermochte.
Aber Beckenbauer und seine Mannen standen für uns in einer Zeit als West-Deutschland verzweifelt nach einem Sinn suchte und ihn fand in der europäischen Einigung. Von hier aus tasteten wir uns in die Welt.
Beckenbauer ist evtl. zu bayrisch, um den Fallstricken dieser Welt zur Gänze entgehen zu können.
Ein Mensch, der einfach alle annimmt.
Wenn denen keine Schutzengel zur Seite steht, dann passieren Unglücke.
Ob Bach, ob Beckenbauer, VW oder Porsche, ich stehe gegen die Angriffe auf unsere kulturellen Höchstleistungen auf.

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