Kultur in der Corona-Krise - „Die Kulturnation Deutschland könnte beschädigt werden“

Julian Nida-Rümelin macht sich Sorgen um die kulturelle Substanz Deutschlands in der Corona-Krise. Zusammen mit anderen Intellektuellen und Künstlern wird der Philosoph am Samstag auf der Demonstration „Aufstehen für Kultur“ sprechen. Im Interview erklärt er, wo die größten Probleme liegen.

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Julian Nida-Rümelin, Professor für Philosophie an der LMU München und Staatsminister a.D / dpd

Autoreninfo

Ralf Hanselle leitet das Kulturresort von Cicero.

So erreichen Sie Ralf Hanselle:

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Julian Nida-Rümelin lehrt Philosophie und politische Theorie an der Universität München. Er war Kulturreferent der Landeshauptstadt München und von Januar 2001 bis Oktober 2002 Kulturstaatsminister im ersten Kabinett Schröder.

Herr Nida-Rümelin, man bekommt dieser Tage das Gefühl, dass Kultur und Krise nicht gut zusammenpassen. Täuscht dieser Eindruck?

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Rainer Mrochen | Fr, 23. Oktober 2020 - 17:20

es geht dem Interviewten primär ums Geld für den Kunstbetrieb. Dazu hat er zu sehr Stellung zu den persönlichen Situationen von Künstlern bezogen. Ist allerdings auch nicht schlimm. Das durch Kredit aufgeblasene Füllhorn ist ja weit offen. Was mich dann doch wundert ist die am Schluss relative Offenheit Regierungshandeln zu hinterfragen. Ist ja absolut richtig. Bin gespannt welche Reaktionen erfolgen. Leider wird nicht begründet wie der Faktor 1000 zustande kommt und ab welchem Alter dieser erreicht ist. Kunst und Kultur sind wichtig aber eben nicht überlebenswichtig. Die normative Kraft des Faktischen ist, daß das Virus nicht verschwinden wird. Wir müssen also nicht lernen damit zu leben, es reicht das zu akzeptieren. Die Lernkurve der Politik für einen vernünftigen Umgang mit der Corona Situation dürfte allerdings deutlich steiler sein.

Christa Wallau | Fr, 23. Oktober 2020 - 19:44

In ganz Europa fehlt eine klare Vorstellung davon,
wie man langfristig mit dieser Corona-Pandemie
umgehen soll bzw. muß, um die Kollateralschäden
der ergriffenen Maßnahmen in einem gewissen Rahmen zu halten.
Anscheinend macht sich darüber k e i n verantwortlicher Politiker Gedanken bzw. wagt sie zu äußern. Es herrscht ein Handeln vor, das ich nur als äußerst kurzsichtig u. unvernünftig bezeichnen
kann.
Dabei wird mit jedem Tag, der ohne PLAN und
Fixierung eines Endzeitpunkts vergeht, die Lage
dramatischer: Ganze Bereiche des Lebens werden
sich verändern oder ganz verschwinden! Millionen von Menschen werden ihre Arbeit verlieren!
Gewöhnung an staatliche Bevormundung wird
sich ausbreiten und Freiheitsbewußtsein u.
die Möglichkeiten der persönlichen Gestaltung des Lebens werden massiv abnehmen!
Das bedeutet: Enorme Rückschritte!
Wer kann daran ein Interesse haben?
Ist die Verhinderung der Erkrankung o. des Todes relativ weniger Menschen wichtiger als das Wohl ganzer Völker?

Sebastian Bauer | Sa, 24. Oktober 2020 - 06:40

Die Kulturarbeiter müssen eben einsehen. Sie sind nicht systemrelevant.
Weder kn der Coronakrise noch in der Klimaänderungsmassnahmenkrise.
Vielleicht wird es ein bisschen Geld für Kultur zur Unterhaltung der Klimakömpfer geben (so wie im zweiten Wltkrieg auch).

Systemrelevant sind sie schon, aber es ist nicht einfach Steuerzahlergelder über sie auszuschütten. Das selbe Problem gibt es beim sogenannten Unternehmerlohn: Bin mal gespannt wie sie das machen werden. Ist immerhin erstaunlich wie kreativ Politiker sein können, wenn es darum geht kurz vor der nächsten Wahl Geld zu verteilen. Wie man kürzlich erfahren konnte, sind die Pläne der Politik so umfangreich und vielfältig, dass nur ein geringer Teil dann tatsächlich abfließt. Vermutlich ein Informationsdefizit bei den möglichen Empfängern von Staatsgeldern. Ein echtes Problem für die Politik, vermute ich.

Simone Buechl | Sa, 24. Oktober 2020 - 10:53

"Wir müssen vermutlich lernen, mit einem gewissen Niveau der Gesundheitsbedrohung zu leben."

Das musste jeder vernunftbegabte Mensch vor SARS-CoV-2 auch schon.
Viele Menschen sterben an Krebs, haben einen Schlaganfall oder Herzinfarkt.
Diese Gefahren sind allgegenwärtig.
Trotzdem wird geraucht, gesoffen, gefressen und sich zu wenig bewegt.
Jedes Individuum könnte sich auf seinen eigenen Gesundheitszustand konzentrieren und sein individuelles Sterberisiko verringern.
Hier greift der Staat kaum bis gar nicht ein. Und das ist auch vollkommen in Ordnung.

Yvonne Stange | Sa, 24. Oktober 2020 - 13:39

.. deutsche Kultur ist doch eh nicht auszumachen. Sagte doch Frau Özuguz. Also, worum sorgen wir uns? *zynismus*