Deutsches Historisches Museum

Gedenkkultur - Geschichte darf sich nicht kannibalisieren 

Der Bundestag muss verhindern, dass seine wohlmeinenden Beschlüsse zum Aufbau eines „Ortes des Erinnerns und der Begegnung mit Polen“ sowie eines „Dokumentationszentrums Zweiter Weltkrieg und deutsche Besatzungsherrschaft in Europa“ hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben. 

Autoreninfo

Julien Reitzenstein befasst sich als Historiker in Forschung und Lehre mit NS-Verbrechen und Ideologiegeschichte. Als Autor betrachtet er aktuelle politische und gesellschaftliche Entwicklungen.

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Geschichtsvergessenheit ist ein Vorwurf, den viele Politiker fürchten. Denn viele politische Entscheidungen unserer Zeit beruhen auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Ein differenzierter Umgang mit ihnen bedarf aber eines Common Sense, wie Geschichte verstanden wird. Die Geschichte offenbart die Licht- und Schattenseiten der Vergangenheit. Deshalb sind Art, Umfang und Präsentationsweise von Gedenkkultur essentiell für heutige politische Prozesse. Dabei geht es nicht allein um Erinnern in Deutschland – sondern auch um internationale Beziehungen.

Die deutschen Beziehungen zu Polen sind seit einigen Jahren angespannt. Die Gründe sind vielschichtig, wurzeln jedoch häufig in historischen Ereignissen, darunter dem mörderischen deutschen Besatzungsregime in Polen zwischen 1939 und 1945, aber auch in nationalsozialistischen Verbrechen in jenen Teilen des Deutschen Reichs, die heute zu Polen gehören. Nach dem Krieg wurde der vormalige Kampf gegen die Besatzer, der Kampf gegen deutsche – und russische – Dominanz zu einem Teil polnischen Selbstverständnisses. Auf diesem Geschichtsverständnis beruhen auch heute viele politische Entscheidungen in Polen.

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Jens Böhme | Sa, 30. Juli 2022 - 23:48

Geschichte ist immer hilfreich. Da kommt mir das Papiergewedel von Chamberlain 1938 in den Sinn, als er auf einem Flugplatz ausrief:"Das ist der Frieden." Neuzeitlich fällt mir das Minsker Abkommen II im Jahr 2015 ein, welches drei Tage später von den Separatisten und ihren russischen Unterstützern gebrochen wurde.

Sabine Lobenstein | So, 31. Juli 2022 - 00:45

Die Geschichte wiederholt sich bereits seit mindestens 2 Jahren und ein Ende ist nicht in Sicht. Grundrechte aussetzen, Notstandsgesetze mit purer Willkür, Recht auf körperliche und seelische Unversehrtheit wurde mit G2 und G3 am Arbeitsplatz und letztlich Impfpflicht komplett ausgehebelt. Das Bundesverfassungsgericht beschützt nicht mehr die Bürger vor dem Staat, sonder die Politik vor dem Bürger. Die Medien (inkl. ÖFR) manipulieren mit einseitiger Berichterstattung, ständiger Panikmache und Vorankündigung der Hiobsbotschaften der Politik etc. sowie ständige Diffamierung und Existenzvernichtungen von abseits des mainstreamDenkenden. Russlandfernsehen wird abgeschaltet, in sozialen Medien werden unliebsame Nachrichten und deren Verbreiter willkürlich gesperrt. Demonstrationen gegen den Mainstream werden verboten oder mit irrwitzigen Auflagen belegt, medial ignoriert oder wenn nur als gewaltbereite Rechte diffamiert. Worte wie "Covididiot", "Russentroll" ersticken jeden Diskurs.

Urban Will | So, 31. Juli 2022 - 09:08

Ich finde, ist er komplett falsch. Im links – grün dominierten Deutschland gehört Geschichtsvergessenheit zum Markenkern sämtlicher Politik.
Das äußert sich darin, dass man eben alles konservative und klassisch Rechte als „Rechtsradikal“ stigmatisiert und ausschließt.
Es mag Politiker geben, die den Vorwurf der Geschichtsvergessenheit fürchten, aber die stehen in der xten Reihe und haben nichts zu melden.
Der Umgang der Obrigkeit mit unserer Geschichte ist unerträglich. Man stelle sich vor, in den 80ern hätte ein dt. Außenminister davon gesprochen, Russland „zu ruinieren“.
Angriffs- und Vernichtungskrieg, also vernichtende,brutale militärische Schlagkraft wurde ja gerade von Teilen der Links – Grünen „neu“ entdeckt in ihrem moralischen, von anderen ausgefochtenen großen Gegenschlag gg den bösen Russen. Anstatt die Ursachen zu hinterfragen und darauf basierend auf Frieden hinzuwirken, bläst man zum Kampf und schürt diesen kräftig an.
Das passt jetzt halt nicht in ein „Schuldmuseum“.

Wirwarr, werter Kolleg Will, ist das jetzt wieder?

Klagen Sie und Ihre Kollegen im Geiste - z.B. die "Pädagogin" W - nicht ständig über einen beispiellosen Schuldkult in DE? Natürlich um das "deutsche Volk", das Sie ja meistens hinter sich glauben, kleinzuhalten und den Michel - Ihre Lieblingsbezeichnung für den AfD-fernen demokratisch Gesinnten - am Nachdenken zu hindern! Derartiges ist doch fast täglich von Ihnen zu entnehmen.

Gut, der heimliche Boss der blauverkleideten Braunen, Herr Bernd Björn Höcke möchte Geschichte ja wieder in unserem Denken verankern. Nur eben ein wenig modifiziert: Erinnungspolitisch "aufpoliert", damit wir endlich auch auf unsere Wehrmacht ganz öffentlich stolz sein dürfen (siehe Gauland..)

Dazu passt, dass Ihnen mal wieder einiges zum "Opfer" Russland einfällt, aber Unterstützung für die überfallene Ukraine mit wüstesten Worten ablehnen, mit dem üblichen Hinweis auf irgendwelche Hintergründe: Um Putins Schuld zu relativieren.

Schöne Erinnerungskultur!

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