Alternative Fakten - Abweichendes klärt den Blick

Kolumne: Schöne Aussicht: Der Begriff „Alternative Fakten“ ist das „Unwort des Jahres“ 2017. Klar: Lügen müssen entlarvt werden. Doch oft wird der Begriff als Totschlagargument gegen unliebsame Darstellungen der Realität genutzt

Alternative Fakten
Schwer zu bestimmen: Alternative Fakten / picture alliance

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Matthias Heitmann ist freier Publizist und Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (TvR Medienverlag Jena 2015). Im Januar 2017 ist sein neues E-Book „Zeitgeisterjagd SPEZIAL: Essays gegen enges Denken“ erschienen. Infos zum Download unter www.zeitgeisterjagd.de.

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Matthias Heitmann

Wie häufig ist auch die diesjährige Wahl zum „Unwort des Jahres“ als politisch-moralischer Fingerzeig zu werten. Der Ausdruck „Alternative Fakten“ stehe für den Versuch, „Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung salonfähig zu machen“, steht in der Begründung und die Sprecherin, die Linguistik-Professorin Nina Janich, ergänzt: Sie seien ein „Sinnbild für eine der besorgniserregendsten Tendenzen im öffentlichen Sprachgebrauch“.

Ursprünglich ist der Begriff als eher peinliches Bonmot im Streit um die Interpretation von Fotos der Amtseinführung von Donald Trump bekannt geworden. Doch mittlerweile werden mit „alternativen Fakten“ nicht mehr nur glatte Lügen bezeichnet. Der Begriff findet überall dort Verwendung, wo man sich gegenseitig beschuldigt, Fakten falsch darzustellen, um den eigenen Standpunkt zu untermauern. Er bezieht sich inzwischen also auch auf umstrittene Sichtweisen und unliebsame Darstellungen der Realität. Der Vorwurf, jemand verwende „alternative Fakten“, ist zumeist nicht der Auftakt zu einer faktenbasierten Demontage der kritisierten Sichtweise, sondern dient der Diskreditierung des Gegenübers und erklärt jede weitere ernsthafte Debatte für zwecklos.

Sind Kontroverse und Konflikt demokratieschädigend?

Es ist bedauerlich, dass die Jury sich von der euphemistischen Verwendung des Begriffes durch Trumps-Wahlkampfleiterin Kellyanne Conway einnehmen ließ. Nun gelten „Alternative Fakten“ neben Unworten wie „Volksverräter“ oder „Lügenpresse“ als Synonym für eine polarisierte, emotionalisierte und aufgepeitschte öffentliche Debatte. Der so hergestellte innere Zusammenhang dieser Begriffe ist eindeutig: Sie symbolisieren die Verrohung der Sitten, was als fundamentale Gefahr für die demokratische Öffentlichkeit gilt.

Doch warum eigentlich? Gehören die rauen Winde nicht gerade zu eben jenem Sturm, nach dem man sich nach Jahren der inhaltlichen Windstille so gesehnt hat? Wurde nicht schon in den Studentenprotesten der sechziger und siebziger Jahre gegen die Springer-Presse und die deutsche Nachkriegsgesellschaft gefordert, man solle endlich die „alternativen Fakten“ zur Kenntnis nehmen?

In einer Meldung vom 25. Oktober 1977 meldete die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit Sorge, dass die „sogenannte Alternativpresse, zu der sich zum Beispiel die Frankfurter Spontizeitschrift ‚Pflasterstrand‘ und der ‚Informations-Dienst zur Verbreitung unterbliebener Nachrichten‘ … zählen“ die Gründung einer überregionalen Tageszeitung plane – gemeint war die spätere taz. Die schreit heute mit am lautesten gegen alternative Fakten“. Es ist bemerkenswert, dass die heutige Jagd gerade von solchen Kräften angeführt wird, die damals selbst die Einseitig- und Einäugigkeit der offiziellen Sichtweise anprangerten. Dass es neben der heute dominierenden Faktenwahrnehmung und -interpretation tatsächlich noch andere, mitunter sogar ernstzunehmende geben könne, schmettern diese Kräfte mit derselben politischen Leidenschaft ab, mit der sie einst gegen die damals herrschende Meinung agitierten.

Uneinigkeit wird nicht mehr wertgeschätzt

Die Erregung über das vermeintlich plötzliche Hervorbrechen alternativer Wahrnehmungen sagt mehr über den Zustand unserer Diskussions- und Denkkultur aus als über die Beschaffenheit dieser neuen Sichtweisen. Offenbar haben westliche Gesellschaften samt ihrer selbsternannten politischen und intellektuellen Eliten vergessen, dass Konflikt und Widerspruch Gesellschaften voranbringen. Daher haben sie wohl auch verlernt, mit inneren Widersprüchen und Zerwürfnissen offen umzugehen. Nach der jahrzehntelangen inhaltlichen Entleerung der politischen Kultur wäre dies kein Wunder: Die Ära der Alternativlosigkeit hat den politischen Horizont drastisch verengt auf all jene „Fakten“ und „Interpretationen“, die in das Korsett der politischen Korrektheit hineingezwängt werden können.

Es ist ein Markenzeichen unserer Zeit, dass Menschen die Erfahrung heute nur noch sehr selten machen, dass jemand die Wirklichkeit gänzlich anders wahrnimmt und dennoch ernstzunehmend interpretiert. Diese Eindimensionalität ist so tief verankert, dass es als absonderlich und potenziell gefährlich gilt, eine tatsächlich andere Sichtweise zu grundlegenden Fragen der gesellschaftlichen Ordnung und des Lebens zu vertreten.

Dabei zeigt ein Blick in die Geschichte, dass gerade auf dieser Ebene bisweilen zutiefst kontrovers, dabei aber auch zugleich faktenreich und leidenschaftlich um Interpretationshoheiten gerungen wurde. In demokratisch lebendigen, von unterschiedlichen politischen Entwürfen politisierten und auch im positiven Sinne polarisierten Gesellschaften ist es tatsächlich normal und notwendig, dass Medien nicht nur völlig unterschiedliche Interpretationen liefern, sondern auch über völlig unterschiedliche Fakten berichten. Demokratie braucht insofern alternative Fakten, Interpretationen, Ziele und Visionen, wenn sie mehr sein will als eine Wohlfühloase für selbstverliebte Dampf-Talker und Ewig-Regierende.

Faktenvielfalt stärkt das politische Bewusstsein

Es ist kaum vorstellbar: Aber vor einem knappen Jahrhundert gab es in nahezu jeder großen Stadt eine Vielzahl verschiedenster und politisch konträre Teilbereiche der Wirklichkeit abbildende Zeitungen und Postillen, die in bis zu vier unterschiedlichen Ausgaben täglich erschienen. Sie alle trugen in ihrem hektischen Werben um Aufmerksamkeit zur öffentlichen Meinungsbildung bei, gerade weil sie so verschieden waren. Wollte man damals wirklich verstehen, wie die Gesellschaft oder auch nur eine Stadt „tickt“, empfahl es sich, dieses Medienspektrum möglichst großflächig zur Kenntnis zu nehmen.

Diese unübersichtliche Vielstimmigkeit galt damals nicht als gefährliche Zersplitterung der öffentlichen Meinung, sondern als Grundvoraussetzung für die politische Freiheit und die Entwicklung des politischen Bewusstseins jedes einzelnen Bürgers. Angesichts dieser enormen und auch wertgeschätzten Vielfalt erscheint das heute verbreitete Jammern ob der „überbordenden Informationsflut“ als geradezu grotesk: Die Gesellschaften im 21. Jahrhundert leiden nicht unter einer Flut von Informationen, sondern an einem Mangel an abweichenden Sichtweisen.

Es ist wie beim Schwimmen

Deren Zugänglichkeit ist eine Grundbedingung für die Wiederbelebung der demokratischen Kultur. Insofern gibt es viele gute Gründe für Optimismus, denn nie zuvor waren die Möglichkeiten der Informationsbeschaffung so groß wie heute. Selbstverständlich geht mit dieser Offenheit auch die Möglichkeit einher, dass sie zur Verbreitung offensichtlicher Falschmeldungen genutzt wird.

Was in der sorgenvollen Debatte jedoch zumeist nicht gesehen wird, ist der Effekt der Informationsfreiheit, der zur Entwicklung der politischen Selbständigkeit und Interpretationsfähigkeit der Menschen beiträgt. Dass es viele, die in Zeiten gleichförmiger und konsensorientiert-alternativloser Informationsvermittlung sozialisiert wurden, schwierig finden, in plötzlich kontroverser ausgerichteten Informationswelten zwischen Fakten und Fakes sowie zwischen Relevantem und Irrelevantem zu unterscheiden, ist verständlich. Doch von dieser Fähigkeit lebt die Demokratie. Es ist wie beim Schwimmen: Man lernt es nicht auf dem Trockenen, sondern nur im Kontakt mit der Materie.

Die Selbstreinigungskräfte des Ideenmarktplatzes funktionieren

Die Vorstellung, man müsse die Bevölkerung durch eine Form staatlicher Qualitätskontrolle vor Lügen und alternativen Fakten schützen, ist deshalb kontraproduktiv. Ähnlich dem Wissenschaftsbetrieb, muss auch die Gesellschaft auf inhaltlicher Qualität beruhende Mechanismen entwickeln, um Fälschungen und offensichtliche Lügen verlässlich zu entlarven, ohne dabei die Freiheit der Rede zu beschränken. Die Gesellschaft kann Falschmeldungen und „fake news“ vertragen und verdauen – und zwar viel besser, als sie zum Teil selbst glaubt. Die Selbstreinigungskräfte auf dem Marktplatz der Ideen entfalten dann ihre volle Wirkung, wenn der Wettbewerb um die besten und tragfähigsten Konzepte nicht begrenzt und beschränkt wird. Hierzu muss die Gesellschaft jedoch selbstbewusst daran glauben, dass sie in der Lage ist, selbst Wahrheit von Lüge zu unterscheiden. 

Jeder, der sich eine lebendige politische Kultur wünscht, sollte der Existenz von alternativen Wahrnehmungen nicht gleich mit Totschlagargumenten begegnen, sondern sich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass die Realität von verschiedenen Standpunkten aus zuweilen sehr unterschiedlich aussieht. Daher ist es hilfreich, möglichst viele verschiedene Wahrnehmungen zur Kenntnis zu nehmen. Eine vorschnelle Wertung als „fake news“ kann auch Ausdruck eines ängstlichen zensorischen Impulses sein, der gerade in Zeiten politischer Alternativlosigkeit sogar problematischer sein kann als frei erfundene Geschichten. Es ist die Aufgabe der offenen gesellschaftlichen Auseinandersetzung, die Spreu vom Weizen zu trennen.

Romuald Veselic | So, 21. Januar 2018 - 09:06

in seiner Selbstgefälligkeit fortgeschritten, dass sie ihre Ansichten für Weltmeinung betrachtet.
Für mich sind Aussagen wie "Alternativlosigkeit" oder "Wir schaffen das" Unworte des Jahrhunderts. Aus Sicht eines Nordkoreaners ist die Herrschaft der Kim-Despoten alternativlos.
Aus der Sicht eines bigotten Mullahs/Hodjas, ist Islam alternativlos. Um als Beispiel aus der Scharia zu nennen; ist das "unkeusche Verhalten", was hier (in Europa) Lachanfälle verursacht, wobei in den Islamstaaten wie der Iran, Katar, Saudi Arabien, werden dafür Leute gefoltert und eingekerkert.
Mein persönliches Unwort des Jahres ist "GroKo". Ich assoziiere dies mit dem "sich Großauskotzen".

Hans-Hasso Stamer | So, 21. Januar 2018 - 09:41

Wolfgang Leonhard zitiert einen Ausspruch von Walter Ulbricht aus der Zeit, als 1945 in Berlin die Bezirksverwaltungen auch mit Sozialdemokraten und Bürgerlichen bestückt werden sollten: „Es ist doch ganz klar: es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand behalten.“

Genau so sieht es heute mit Meinungen aus, die nicht dem Mainstream entsprechen. Die dienen nur zur Zierde und als demokratisches Feigenblatt, wenn überhaupt. In den Leserforen der Online-Portale von Spiegel bis Welt werden sie jeweils vorzugsweise blockiert, v. a. gerade dann, wenn sachlich und überzeugend argumentiert wird. Gegenkommentare, die dem gewünschten Klischee (emotional, unbegründet, überzogen) entsprechen, werden dagegen als Alibi veröffentlicht.

Auf diese Weise wird die eigene Deutungshoheit vermeintlich gefestigt, auch auf die Gefahr hin, dass sich der intelligentere Teil der Leserschaft abwendet. „Alternative Fakten“ mutierte, genau wie „Haß“ und „Hetze“, längst zum Kampfbegriff.

Reinhard Benditte | So, 21. Januar 2018 - 09:46

Herr Heitmann hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Einen Punkt würde ich allerdings gerne ergänzen: Einen großen Beitrag zu der beschriebenen Nicht-Akzeptanz unterschiedlicher Meinungen gebührt auch den Medien, die zu oft Wolf schreien, anstatt sich mit anderen Meinung intensiv auseinander zusetzen. Verloren hat in diesen Jahren auch das „Staatsfernsehen“ (ARD & ZDF), die Ihre Glaubwürdigkeit durch selektive Berichterstattung in den letzten drei Jahren verloren haben. Und last but not least sollte man auch die Universitäten nicht vergessen. Universitäten sollten normalerweise ein Ort einer offenen Diskussionskultur sein, haben sich aber über Jahre zu einem Ort entwickelt, an dem Andersdenkende ausgegrenzt und teilweise tätlich angegriffen werden oder über das Internet diskreditiert werden. Diese Entwicklung in unserem Land ist vielleicht gefährlicher als die Entwicklung zum Parteienstaat, der den Bürgern die einzig richtige Meinung diktieren will!

Klaus Dittrich | So, 21. Januar 2018 - 11:19

„Es ist bemerkenswert, dass die heutige Jagd gerade von solchen Kräften angeführt wird, die damals selbst die Einseitig- und Einäugigkeit der offiziellen Sichtweise anprangerten.“
Offensichtlich hat man sich in den damals freigewordenen Pöstchen so gut eingerichtet, dass jetzt erbarmungslos potentielle Nachfolger ideologisch niedergeknüppelt werden.

„Die Ära der Alternativlosigkeit hat den politischen Horizont drastisch verengt auf all jene „Fakten“ und „Interpretationen“, die in das Korsett der politischen Korrektheit hineingezwängt werden können.“
Wie hieß es doch in der DDR? „Die Partei, die Partei hat immer recht (gemeint war natürlich die Parteiführung)“ – wir sind heute wieder dort angelangt; nur dass statt SED die Sammlungsbewegung der „Gutmenschen herrscht.

Edgar Timm | So, 21. Januar 2018 - 11:30

In deutschsprachiger Übersetzung ist ein bisher unbekannter nur gut 35 Seiten Essay von Hannah Arendt erschienen - "Die Freiheit, frei zu sein".

"Wer mit den Grundzügen ihres Werks – etwa mit den "Elementen und Ursprüngen totaler Herrschaft" (1951) – bekannt ist, wird hier vieles vorfinden, was bereits vertraut erscheint.

Welche Freiheit ist genau gemeint? Elementar ist die Unterscheidung zwischen einem negativen Verständnis von Freiheit – also der Abwesenheit von Knechtschaft, Bevormundung und anderen Einschränkungen menschlicher Entfaltungsmöglichkeiten – und der Freiheit zu politischer Teilhabe.

Man weiß schon aus Arendts früheren Schriften, dass sie – inspiriert von der freien Rede freier Bürger im klassischen Griechenland – die Freiheit des Individuums erst im freien politischen Handeln ganz verwirklicht sah." (Hamburger Abendblatt)

Sind wir im Deutschland des Jahres 2018 frei - was würde Hannah Arendt sagen?

Jochen Röschmann | So, 21. Januar 2018 - 11:35

Passend zum Thema und lesenswert (in Mußestunden) der Roman 'Baudolino' von Großmeister Umberto Eco!

Reinhold Fricke | So, 21. Januar 2018 - 11:36

Interview von Vorstandskandidatin von DIE GRÜNEN Annalena Baerbock in den öffentlich-rechtlichen Medien gehört. Sie konnte dort 10 Minuten lang unwidersprochen Dinge sagen, die ich als alternative Fakten bezeichnen würde. Erstens ging es um die "Landesführung", aber das von einer Randpartei mit 8,9%! Zweitens ging es um "soziale Fragen", als hätten die Grünen in den letzten Jahrzehnten auch nur einmal auf ein fachliche korrektes Ökonomiebuch bezogen. Drittens ging es um "grüne Energie", als gäbe es so etwas und als sei der menschengemachte Klimawandel bereits bewiesen. Viertens ging es um "Braunkohleausstieg", als sei französischer Atomstrom, saudisches Öl oder russisches Gas eine sicherere Angelegenheit. Fünftens ging es um "Familiennachzug", als hätten illegale Einwanderer ein Recht darauf und als wollte dies eine Mehrheit der Deutschen.

Willy Ehrlich | Di, 23. Januar 2018 - 15:22

In reply to by Reinhold Fricke

Linke und Grüne werden in den Medien grundsätzlich nicht unterbrochen oder kritisch hinterfragt. Das wäre ja auch noch schöner!
Und die Moderator(inn)en lächeln und nicken zustimmend.

Willi Mathes | So, 21. Januar 2018 - 11:51

Top Herr Heitmann !

Auch " Unwörter ", gibt es die ? Sind alternative Fakten !
Es gibt auch keine " Unkräuter ".

Mit alternativen Grüssen

Peter Müller | So, 21. Januar 2018 - 15:50

Ich finde es schön, dass das Gremium, welches das Unwort des Jahres gewählt hat, eine innovative Erfindung aus den USA gewählt hat.

Wenn man ehrlich ist, dann sind doch die allermeisten "Neuerungen", die wir in Kultur und Medienlandschaft erfahren in den USA entwickelte und von dort übernommene Konzepte.

Dies ist ja auch nur logisch, wenn man bedenkt, dass wir zu 99% Amerikanische Dienste nutzen, wenn wir uns im Internet bewegen. Daher passt das Wort.

"Ähnlich dem Wissenschaftsbetrieb, muss auch die Gesellschaft auf inhaltlicher Qualität beruhende Mechanismen entwickeln, um Fälschungen und offensichtliche Lügen verlässlich zu entlarven, ohne dabei die Freiheit der Rede zu beschränken"

Haha, ja klar und die Proletarier vereinigen sich dann noch kurz und stürzen das Kapital. David hat bewiesen, dass man zum Goliattöten nur eine Zwille benötigt, also weiss ich nicht, warum sich die Gesellschaft so anstellt.

Dorothee Sehrt-Irrek | So, 21. Januar 2018 - 16:22

Gut geschriebener Artikel, aber irgendwie ist es beängstigend, dass darüber überhaupt gesprochen werden muss.

helmut armbruster | So, 21. Januar 2018 - 17:17

schon immer wurden Tatsachen verdreht, entstellt, uminterpretiert, umbenannt oder so ähnlich.
Das alte Rom gebrauchte das Verb "pacificare" (befrieden) um damit auszudrücken, dass der Gegner total besiegt und wehrlos am Boden liegt.
Kreuzritter und Konquistadoren "christianisierten und tauften" ihre besiegten Gegner und glaubten außerdem noch ein gutes Werk vollbracht zu haben.
Es ist also nichts Neues mit den alternativen
Fakten. Wer die Macht hatte (vor allem über Besiegte und Unterworfene) hat die Dinge immer so dargestellt wie es ihm in den Kram passte.
Selbst unsere Bundeswehr sprach in den 60-igern von "Vorwärtsverteidung" wenn sie Angriff meinte, weil es für deutsche Soldaten verpönt war das Wort Angriff zu gebrauchen

....über die Geschichte des Besiegten: wie wahr. So ist ein großer Teil des Frustes der Ostdeutschen entstanden: ihre Geschichte wurde einseitig interpretiert und so eingeengt, dass ihre Lebensleistungen unter den Tisch fielen.

Genau so dürfte es während der Nazizeit gewesen sein: auch dort haben Menschen Lebensleistungen vollbracht, bei denen es unredlich wäre, sie nur auf das Regime einzuengen. Aber wenn das mal jemand thematisiert, und sei es mit dem Satz „Es war nicht alles schlecht unter Hitler“(Eva Herrmann), was eigentlich nur eine Binsenweisheit ist, wird er nach kollektivem Aufschrei medial entsorgt.

Diese Heuchelei bringt mich manchmal zur Weißglut. Denn auch der Westen handelt im Interesse seiner führenden Schicht, wie man es nach der Wiedervereinigung sehr eindrucksvoll im Osten erleben mußte (Monika Maron: “Wem gehört der Osten?“)

Karin Zeitz | So, 21. Januar 2018 - 18:11

und Falschnachrichten (neudeutsch "fake news") gedeihen dort in besonderem Maße, wo die Herrschenden versuchen, der Öffentlichkeit bestimmte Nachrichten in beschönigender Form zu präsentieren oder schlimmstenfalls ganz vorzuenthalten. In einer digitalisierten Welt führt dieses Bestreben dazu, dass die Menschen eben nicht bevormundet werden wollen und immer öfter vielfältige Informationskanäle nutzen. Leider kann es da nicht ausbleiben, dass man auch einmal auf eine Falschnachricht hereinfällt.

Mathias Trostdorf | So, 21. Januar 2018 - 19:15

Danke für den guten Artikel.
Ich habe ein schönes Beispiel für "alternative Fakten" beim heute journal. Nach dem das Brexit- Ergebnis stand, hatte jemand im UK eine online Petition gegen den Brexit gestartet. Das war am nächsten Tag freudiger Aufmacher beim ZDF. BBC und auch die Welt hatten bereits relativ zeitnah berichtet, daß es da Auffälligkeiten gab und die schnellen Stimmenzuwächse zt. von bots aus- ich glaube- Afrika und China generiert wurden (so daß sich der Initiator selbst von seiner Petition distanzierte). Trotzdem bejubelte das ZDF noch am nächsten und übernächsten Tag die täglichen Stimmenzuwächse, und erweckte den Eindruck, als könne die ProBrexit-Entscheidung dadurch wieder gekippt werden.
Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten:
Entweder hatte das ZDF keinen Zugang zu den Informationen, die auch BBC und Welt hatten, oder es wollte einen falschen Eindruck erwecken. Beides spräche nicht für unseren Staatsfunk, dem alternative Fakten ja immer so ein Dorn im Auge sind.

Gregor Kühn | So, 21. Januar 2018 - 20:07

Ihre Kolumne kann man nur unterschreiben. Bei vielen Themen, z.B. Klimaschutz und unkontrollierte Grenzöffnung, gibt es seit Jahren eine unerträgliche Engführung des öffentlichen Diskurses. Diese Engführung kommt von der links-grünen selbsternannten politischen, intellektuellen und kulturellen Elite. Die Jury, die das jeweilige Unwort des Jahres bestimmt, ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern eines der Werkzeuge der "Eliten", mit denen man die Eindimensionalität des öffentlichen Diskurses bewusst formt und damit gezielt die Entdemokratisierung der Gesellschaft betreibt. Vor diesem Hintergrund war es so entlarvend und alarmierend, als Altmeier vor der Wahl dazu aufrief, nicht AFD und Linke, sondern die "staatstragenden" Parteien zu wählen. Er wurde nicht entlassen, großes Schweigen bei den MSM und er wird wohl auch in der neuen GroKo ein Ministeramt bekommen. Allein aus diesem Grund war der Einzug der AFD in den Bundestag so wichtig und wird bezeichnenderweise so bekämpft.

Harald Pflüger | Mo, 22. Januar 2018 - 10:31

Die "Meinungsherrschenden", wie ich sie mal bezeichnen möchte, in Politik, Wirtschaft, Verwaltungen, Verbänden verbitten es sich aus Arroganz der Macht gern, dass man ihre Tatsachenmeldungen hinterfragt, bezweifelt und sie öffentlich in eine Diskussion hineinzwingt, deren Ergebnis ihren strategischen Zielen u.U.zuwiderläuft. Dass alternative Fakten im negativ verstandenen Sinne von den Meinungsmachern, häufig in der Politik, selbst verwendet werden, um die Bevölkerung zu täuschen, einzuschläfern oder die Interpretation in gewünschte Bahnen zu lenken ist bekannt. Man nennt es auch Propaganda. Natürlich bedienen sich auch Demokratien solcher Mittel, nicht zuletzt,um allem Handeln den unauslöschlichen Stempel der Alternativlosigkeit aufzudrücken. Schon Nietzsche spitzte das zu in seinem sinngemäßen Satz "Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen". Und die möchte ich mir nicht gerne vom Wirken einer gedankenpolizeilich tätigen Linguistik-Professorin vorschreiben lassen.

Juliana Keppelen | Mo, 22. Januar 2018 - 13:13

gegen unliebsame Darstellungen der Realität genutzt".
Dem ist nichts hinzu zufügen.
Man denke nur an die Kriege die durch "Alternative Fakten" angezettelt wurden und diejenigen die mit den wahren Fakten dagegen hielten schnell als Vaterlandsverräter oder Lügner mundtot gemacht wurden.

Willy Ehrlich | Di, 23. Januar 2018 - 15:28

Donnerwetter! Da sind Sie ja - ausgehend von den "alternativen Fakten" - unmittelbar bei der "Lügenpresse" gelandet. Da gibt es deutliche Zusammenhänge.

"Selbsternannte politische und intellektuelle Elite", damit meinen Sie sich selbst, oder?

Richtig! Eindimensionalität = Mainstream.

Gegen "Selbstreinigungskräfte auf dem Marktplatz der Ideen" gibt es bei Ihnen doch die bewährten Totschlagargumente.

Haben Sie bemerkt, dass Sie über sich selbst schreiben? Manipulation und Propaganda?

Sehen Sie sich einfach nur - kurz nach dem Scheitern von Jamaika - die Sendung "Was nun, Frau Merkel?" und die Tagesthemen vom gleichen Abend kritisch im Hinblick auf Manipulation und Propaganda an. Ich habe selten so hasserfülltes FDP-Bashing gesehen.

Rudolf Bosse | Di, 23. Januar 2018 - 16:30

stehen dem Ziel der Eliten, der Schaffung der "Neuen Weltordnung" im Wege, deswegen werden die alternativen Medien von Eliten und ihren Claqueuren bekämpft.

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