Dieter Nuhr - Die Kastration des Humors

Der Humor ist akut in Gefahr. In einem Interview mit der „Neuen Zürcher Zeitung” beklagt der Kabarettist Dieter Nuhr, dass er jetzt präziser formulieren müsse, um seinen Kritikern keine Angriffsfläche mehr zu bieten. Aber läuft diese „Kastration“ nicht ins Leere?

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Rächer der Pointe: Dieter Nuhr / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

Von Loriot – Gott, hab ihn selig – stammt der schöne Spruch: „Beim Humor hört der Spaß auf.“ Es war das Eingeständnis, dass die Pointen nicht einfach so vom Himmel fielen, sondern das Ergebnis harter Arbeit und eine Frage des richtigen Timings sind.  Das Publikum spielte in dieser Rechnung keine Rolle. Humor war, wenn man trotzdem lachte.

Und wer musste nicht schmunzeln, wenn der übergriffige Abteilungsleiter seine Sekretärin zum Italiener schleppt, um ihr dort einen Heiratsantrag zu machen – und wenn ihm dabei ausgerechnet eine Nudel in die Quere kam („Hildegard, sagen Sie jetzt nichts“) Voraussetzung dafür war ein unausgesprochener Konsens. Wo hört die Schadenfreude auf? Wo fängt die Beleidigung an. 

Humor heißt jetzt Moral 

Ist dieser Konsens zerbröckelt? Wurde der Humor durch etwas ersetzt, was man Moral oder political correctness nennt? Diese Frage hat ein Interview aufgeworfen, das Dieter Nuhr der Neuen Zürcher Zeitung gegeben hat. Nuhr gilt derzeit als der wohl am meisten gehasste Kabarettist in Deutschland. Wann immer er Kübel voller Spott über Muslime auskippt oder sich über Greta Thunberg mokiert („was macht sie eigentlich, wenn es kalt wird?”), schlägt ihm in den sozialen Netzwerken der geballte Hass entgegen. 

Der Rechtfertigungsdruck sei in Zeiten des Klimawandels inzwischen so groß, dass er sich selber dabei ertappe, wie er seine Texte präziser formuliere, hat er der NZZ gesagt, „weil da auf der einen Seite die politisch Korrekten darauf warten, dass sie einem irgendwelche Vorwürfe machen können, und auf der einen Seiten die Populisten sind, die einen auf ihre Seite ziehen wollen.“ Ein Akt der Notwehr gegen Vereinnahmungsversuche von beiden Seiten? Nein, viel schlimmer, sagt Nuhr. Er spricht von der „Kastration des Humors.“ 

Reisen als Übung in Toleranz 

Beim Humor hört der Spaß offenbar tatsächlich auf. Aber Nuhr hieße nicht Nuhr, wenn ihn dieser Gegenwind nicht noch beflügeln würde. Er reise viel in der Welt herum, um Abstand zu Deutschland und zu sich selbst zu bekommen, verriet er der NZZ. Das empfiehlt er auch seinen härtesten Kritikern. Ein Survival-Kurs in der Wüste, um wieder zu lernen, was Toleranz ursprünglich bedeutet: „Ertragen, dass jemand anders denkt und in Betracht ziehen, er könnte irgendwo recht haben.“ Notfalls, ätzt er, müssten die Leute irgendwo abgeworfen werden, und man würde sagen, hier bleibst du jetzt sechs Wochen und versuchst mal durchzukommen, dann würden sie sehen, auf welchem Level bei uns eigentlich diskutiert wird.“  

Heidemarie Heim | Di, 11. Februar 2020 - 16:32

Autsch! Klingt schmerzhaft, ist aber heute noch die einzige Methode um sogar als Satiriker, früher Humorist mit beschränkter Kunstfreiheit arbeiten zu können. Dem medialen und (a)social-Pranger mit seinen aufmerksamen PC-Wächtern entkommt man auch als langjähriger Mitarbeiter in Sachen "heitere Unterhaltung" nicht mehr. Der Deutsche wird zum unbotmäßigen Lachen demnächst geschlossen in den Keller geschickt!
Kunstschaffende aus der Ex-DDR und anderen
ähnlich gestrickten Staaten wurden wenigstens nur von der obersten Führung zensiert. Aber wir hier machen da wie immer keine halben Sachen!
Shitstorm über alles und Jeden ist das primäre Mittel und Symptom des gesellschaftlichen Klimawandels. So! Jetzt geh` ich in den Keller und ziehe mir meine gesamte Loriot-Collection, danach alle Camillo und Peppone in s/w und zum Schluss den Großen, kleinen CC als "Der große Diktator" rein!
PS: Hildegard ist mein zweiter Vornamen! MfG

beruhigt, liebe Frau Heim, dass sie einen 3. Vornamen inne haben. Denn heute wird ja aus jedem noch so banalen Duktus ein Zusammenhang gestrickt oder kontruiert. Denn nur HH könnte ja auch für Heil H...stehen? Oder als Zahl gesehen: 88.
Oder nehmen sie den Troll: Steht eigentlich für ein Feinabelwesen der nordischen Mythologie. Im Netz steht er aber als Person, die sich auf Beiträge beschränkt, die auf emotionale Provokation anderer Forenteilnehmer zielen. Dies erfolgt mit der Absicht, eine Reaktion der anderen Teilnehmer zu erreichen. Kenne ich auch hier beim Cicero-leider!
Oder die brit. Marke "Lonsdale" Nehmen sie die mittleren Buchstaben: nsda-na klingelts? Ist schon irre, was heute alles aneckt oder dazu gemacht wird.
Als geistreicher Kabarettist bewegt man sich heute auf einen Minenfeld und wehe sie treten drauf! Da kocht es dann in den (A-) sozialen Netzwerken.
Man haut einfach etwas raus und stellt es ins Netz. Und niemand prüft es vorher oder kann es verhindern!
Salute

In der Tat noch mal davongekommen lieber Herr Völkel! Vielleicht sollte ich sämtliche Vornamen, zusammen ja nur 19 Buchstaben in Zukunft ausschreiben um keine Fantasien zu bedienen. Ich könnte mich aber auch des GSD um so kürzeren Familiennamen nach nunmehr 40 Jahren entledigen;-)? In unserem fossilen Ehe-Zeitalter waren Doppelnamensschöpfungen nicht en vogue. Denn dann hätte ich jedes scrabble spielend gewonnen! Wie auch Frau Diederichs mit ihrer Live-Lösung oder Dr.Steger mit seiner Frage ob man sich an der Art geistigem Tieffliegertum auf solchen Plattformen überhaupt beteiligen sollte, habe ich persönlich für mich beschlossen den Wächtern und Fabelwesen so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, was diese zu ihrem Tun scheinbar brauchen wie die Luft zu atmen. Ich habe es schon mehrfach geschrieben, das mir das hier gebotene Format des geistigen Austauschs mit Ihnen allen vollends genügt und meine "selbstdarstellerischen Ansprüche";) befriedigt! Alles Gute! MfG HHH

Dietrich Bomm | Di, 11. Februar 2020 - 16:55

das Leitmotiv überhaupt. Übertragen auf alle Politiker, würde ich denen zurufen, ihr habt hier nichts zu suchen, wenn ihr nicht vorher 10 Jahre in der freien Wirtschaft gearbeitet habt.
Ein Traum, ich weiß, wenn die Genderprofessuren bald die der Wirtschafts- und Naturwissenschaften übersteigen.

Petra Führmann | Di, 11. Februar 2020 - 18:00

Ich liebe seine scharfe Zunge und seine rhetorischen Fähigkeiten wie überhaupt die Art seines Vortrages. Gleichwohl, so mein Eindruck, meint auch er in besonders einem Punkt die Wahrheit für sich gepachtet zu haben und zieht nicht in Betracht, dass andere anders denken könnten. Für ihn sind das "Populisten", und sein Urteil über sie ist vernichtend.
Wenn früher jemand eine andere Ansicht hatte, ganz allgemein und nicht auf Nuhr bezogen, dann sagte man eben seine andere Meinung oder behielt sie für sich, kübelte aber nicht über den anderen (Shitstorm) und erhob sich selbstgerecht zum Maß aller Dinge oder, noch schlimmer, nahm die Dinge in die Hand....

Bei Ihrem Kommentar frage ich mich, ob Sie Nuhr verstanden haben. Andere Meinungen muss man aushalten können,das ist der Kern. Man kann nicht 100%mit einem anderen Menschen überein stimmen. Das wäre Faschismus, Kommunismus, Sozialismus alles Ideologien, die andere Meinung nicht aushalten. Die meisten Leute, die heute von Demokratie und Wahrheit faseln hängen diesen Ideologien an. Ein besonderes Charakzeristikum: die merken das oft nicht einmal.

Petra Führmann | Mi, 12. Februar 2020 - 11:39

In reply to by Gast

müssen Sie nicht zweifeln. "Andere Meinungen muss man aushalten können." Ja, tut Herr Nur das und alle anderen? Nein, es tut inzwischen niemand mehr.
Was ich sagen wollte und wohl nicht hinbekommen habe, ist: Wenn sich jemand im Besitz der alleinigen Wahrheit wähnt - nun, das tue ich irgendwo auch, bzw. ich habe meine Prioritäten, aber ich beleidige und beschimpfe nicht die, die etwas nicht so betrachten wie ich. Das aber tut Herr Nuhr. Andere zwar auch, aber hier geht es um Dieter Nuhr. Ich sage nur Trump und AfD. Ich mag einfach den Ton nicht, den die Moralapostel an den Tag legen gegenüber allen anderen. Das ist schon alles.

Dr. Georg Steger | Di, 11. Februar 2020 - 19:07

Immer und überall wird von "shitstorm" geredet. Was heisst das überhaupt und wie wird man davon betroffen? Muss man dazu populär sein und erfreut man sich deshalb des Sturms, weil man ja "wer" ist und das weitererzählen kann?
Dabei könnte man sich doch wohl ganz ausklinken aus diesem Irrsinn (oder manövriert man sich damit auf das Abstellgleis?).
Für mich war dieses "Twittern" oder was es sonst noch so gibt, immer ein Zeichen von geistigem Tieffliegertum.
Ich möchte so gerne Trump bewundern, aber solange der twittert hat er bei mir keine Chance!

Und Herr Nuhr, seien Sie unbesorgt: nicht nur die sich gerne incognito Bewegenden der sozialen Medien sind ein Abbild unserer Gesellschaft, sondern auch wir, die wir nicht in der Lage sind massenweise "Mitläufer" (oder wie das in den sozialen Medien heißt) zu suchen/finden/aktivieren und damit "Shitstorms" auszulösen. Aber wir sind ja langweilig!
Folgen Sie meinem Wahlspruch: "Was kümmert es eine Eiche, wenn ein Schwein sich an ihr kratzt!

MatthiasDeutschmann | Di, 11. Februar 2020 - 19:54

Ein Kabarettist mahnt zu mehr Humor. Das ist Realsatire.

Bernhard Weber | Di, 11. Februar 2020 - 20:38

Wenn Nur im Fernsehen auftaucht schalte ich auf einen anderen Sender. Nuhr ist von sich dermaßen überzeugt und eingebildet, es jammert den Hund.
Über seine Pointen im voraus lachen, kann er gut. Da lob ich mir Kabarettisten vergangener Zeiten (Schramm, Pispers) . Auch heute gibt es sie noch, die Tiefgang mit ihren Texten aufweisen und nicht nur alltäglichen Blabla erzählen (u.a. Magdeburger Zwickmühle, Lothar Bölck).

Michaela Diederichs | Mi, 12. Februar 2020 - 11:09

In reply to by Gast

Herr Nuhr jammert wirklich auf sehr hohem Niveau. Die guten Künstler haben sich längst aus dem TV verabschiedet. Der finanzielle Verlust ist sehr hoch, dafür haben sie volle künstlerische Freiheit. Aber ist das nicht mehr wert als ein selbst verpasster Maulkorb?

Albert Schultheis | Di, 11. Februar 2020 - 21:41

Sie sollte tunlichst verantwortungsvoller formulieren, es ist m.E. nicht in Ordnung, wenn Sie Herrn Nuhr unterstellen: "Wann immer er Kübel voller Spott über Muslime auskippt ..." - Das tut Herr Nuhr nicht dafür ist sein Dprachwitz zu feinsinnig. Sie sollten bitte bedenken, dass es inmitten unserer Gesellschaft genug bekloppte muslimische Fanatiker gibt, die auf solche Pauschalmarkierungen reagieren. Dafür wollen Sie die Verantwortung ganz bestimmt nicht übernehmen.
Herr Nuhr hat sicherlich bewusst die NZZ als Gesprächspartmer ausgewählt, weil deutsche Zeitungen für ihn keine ernstzunehmende Gesprächspartner sind, ich kann das gut nachvollziehen. Der skrupellose Terror der AntiFa gegen jegliche oppositionellen Gedankenträger hat sich gerade noch mal in Thüringen nach der Wahl des FDP-Mannes Kemmerich gezeigt, diese Schlägertrupps schrecken nicht davor zurück, selbst Kinder von Politikern anzugreifen. Wenn es soweit gekommen ist, dann hört nicht nur Humor auf sondern auch Politik.

Albert Schultheis | Di, 11. Februar 2020 - 21:47

das erleben wir demnächst in den großen Fastnachtssitzungen der ARD. Hofschranzentheater für die Polit-Neo-Aristokratie mit deppertem Schenkelklopfen und Humba Täteräää!

Auch bei den Aachenern ("Orden wider den tierischen Ernst") konnte man das
"Hofschranzentheater mit deppertem Schenkelklopfen", bravem Klatschen und vorbestellten Tuschen wieder beobachten. Allerdings muß ich zugeben,daß ich nur mal kurz in die Sendung reingesehen habe. Das hat mir schon gereicht.
Politisch korrekter Humor ist zum Weglaufen!
Gut ist der dran, der zu Hause mit seinen Lieben über Vieles, besonders auch über sich selber, oft und herzlich lachen kann. Der braucht weder langweilige, zensierte und perfekt inszenierte Fernsehsitzungen noch Kabarettisten, die ihr politisch korrektes Programm abspulen.
Ich gehöre zu diesen Glücklichen.

Reinhard Getzinger | Di, 11. Februar 2020 - 22:52

Humor wird es immer geben, aber es gibt Zeiten, in denen es nicht ratsam ist, Spott außerhalb des privaten Bereiches zu äußern und Personen des öffentlichen Lebens der Lächerlichkeit preiszugeben.
Das Deutschland der 20er Jahre des 21.Jahrhunnderts ist wieder so eine Zeit...

Klaus Funke | Mi, 12. Februar 2020 - 07:39

Der Titel muss heißen: "DIe Kastration des politischen Kabaretts!" Denn das politische Kabarett ist es, welches in Deutschland "zurückgeschnitten" worden ist. Man erkennt es daran, dass wichtighe Akteure dieses Fachs im TV nicht mehr zu erleben sind. "Humor" gibt es zwar immer noch. Freilich die Qualität befindet sich im Sinkflug. Die Blödelbarden/innen haben übernommen. Dazu zähle ich die Kebekus und ein paar bayrische Madeln. Auch Herr Nuhr ist eher ein Comedian als ein politischer Kabarettist. Er ist ein Grenzgänger des Fachs. Fau H. geht zu wenig (oder gar nicht) auf diese Krise des politischen Kabaretts ein. Krise ist das falsche Wort. Es muss heißen: Das Abwürgen. Es fängt oben an. DDR-sozialisierte Politiker wie Merkel lieben das politische Kabarett nicht. Man erinnere sich an den Fall des O.F. Weidling... oder heute an die "Rufmord"-artige Kampagne gegen Uwe Steimle, den man gerichtsnotorisch beschimpfen darf. Darüber hätte Frau H. schreiben sollen. Aber, na ja...

Romuald Veselic | Mi, 12. Februar 2020 - 08:33

ist Dieter Nuhr einer der besten Satiriker/Humoristen in D und EU. Bei mir kommt nicht nur das Lachen an, sondern auch die Botschaft o. Info darin, die weniger lachhaft ist. Wenn's möglich, sehe mir alle seine Auftritte an o. in der Mediathek. Er ist unbequem; ich würde sagen; der Gegenströmler in der aktuellen medialen Hysterie, wo es nur Pro & Kontra-Pole gibt. In einer sog. "Bunter Gesellschaft", ein Antagonismus, indem das eine, durch das andere ausgeschlossen wird. Da stehen mir die Haare zu berge, und mach ich nicht mit. Die Sendungen m. Dieter N., sind eine Art Therapie für mich.

helmut armbruster | Mi, 12. Februar 2020 - 09:56

sie haben eine gewisse Narrenfreiheit, müssen aber ständig auf der Hut sein, dass sie es mit dieser Narrenfreiheit nicht so weit treiben, dass die Brötchengeber nicht mehr mitmachen.
Dass Nuhr trotzdem Politik und Gesellschaft ins Visier nimmt und dabei in Kauf nimmt, dass das dem Rundfunk- und Presserat nicht immer gefällt, ist eine beachtliche Leistung, die Anerkennung finden sollte.
Nuhr könnte ja auch einfach auf Situationskomik umstellen und wäre damit heraus aus der Schusslinie sämtlicher Shitstormer und Anhänger von political correctness.
Dass er es nicht tut, finde ich großartig.

Armin Latell | Mi, 12. Februar 2020 - 10:07

es nur dann noch, wenn er die Richtigen trifft. Und wer die Richtigen sind, bestimmen aggressive, radikale Minderheiten, vorzugsweise die sinistre Seite dieser in die Dekadenz rutschende Gesellschaft. Ein eindeutiges Symptom dafür ist der Gendersprech und die political correctness. Die wirklich guten Hofnarren und Kasper dürfen nicht mehr auf intelligente, intellektuelle Art und weise auf Missstände in Staat, Gesellschaft und Politik hinweisen. Die wirkliche „Narrenfreiheit“ ist tot.

Markus_Michaelis@gmx.de | Mi, 12. Februar 2020 - 11:07

Das mit dem "mit Leuten in der Welt reden" ist keine schlechte Übung. Einerseits kann einen das in der "Erasmus-Enklave" dazu verleiten zu glauben "Berlin-Mitte" stünde kurz davor zur universellen Einheitsmeinung zu werden, weil man in NY-Mitte, Kapstadt-Mitte, Nairobi-Mitte etc. ganz ähnliche Leute trifft, wenn man nach nichts anderem sucht.

Meiner Erfahrung nach läuft man aber bei ernsthafteren Gesprächen mit der Flexibilität, die die "neue bürgerliche Mitte" in D gerade noch toleriert, in der Welt fast überall und recht schnell frontal gegen die Wand.

Für mich würde ich daraus nicht den Schluss ziehen alles gut zu heißen - bei all den Widersrpüchen geht das auch nicht. Ich ziehe aber erstmal den Schluss, dass ich eine Meinung von ziemlich vielen anderen in der Welt habe.

"Darüber Lachen" ist aber schwierig geworden. Auch das Lager, dass "Wir und Die" überwunden hat, zählt inzwischen "seine Toten". Das ist zu ernst geworden, um frei zu lachen.

Klaus-Peter Götze | Mi, 12. Februar 2020 - 11:13

Dieter Nuhr ist auch mein Lieblingskabarretist.Zur Lage des politischen Kabaretts: Ich wünsche mir mal die Münchner Lach-und Schiessgesellschaft mit Dieter Hildebrandt, Hans-J. Dietrich, Havenstein,Noack oder Ursula Herking in der heutigen Zeit zurück.Ich glaube,da ginge was ab...

Manfred Sonntag | Mi, 12. Februar 2020 - 15:11

In reply to by Gast

Herr Nuhr ist auch mein Lieblingskabarettist. Aber Ihren Vorschlag, Herr Götze, die "Alten" zu aktivieren, da wäre ich bis auf Dieter Hildebrandt sehr skeptisch. Unsere heutigen Kabarettisten, auch die meisten "Alten", verstehen sich doch als Verantwortliche im rotgrünem Parteilehrjahr. Ich war letztens in der Herkuleskeule, einer einstmals berühmten Spielstätte. Unterirdisch, nicht die Spielstätte unterm Saal, sondern die Texte! Unter Kabarett verstehe ich ein Programm und Texte von der Ebene der Bürger gegen die Macken der Eliten sowie Selbstreflexion. Aber heute wird von den meisten Kabarettisten auf den nichtkonformen Bürger mental eingedroschen und für linke Ideen ein rosaroter Himmel entworfen. Es gibt nur noch sehr wenige Satiriker, die ausgewogen, mit Anstand und Witz ihr Programm darbieten. Einer davon ist Dieter Nuhr! Das Interview mit ihm in der NZZ ist Spitze!

Tomas Poth | Mi, 12. Februar 2020 - 11:53

Wir erleben eine Zeit, einen Zeitgeist, der von neuer Religiosität erfüllt ist.
Dazu gehört das Verhalten sich selbst für das generative Verhalten anderer Völker verantwortlich zu machen und auch der Glaube vom der menschengemachten Erderwärmung.
Diese Religiosität verträgt keinen Humor, sie bewegt sich auf einem Niveau dass wir von der Zeit vor der Aufklärung kennen.

Jürgen Keil | Mi, 12. Februar 2020 - 14:44

Frau Hildebrandt, das Sie meinen Kommentar zum politischen Kabarett zum einen und meine Meinung zu Uwe Steimle und seinen provokanten Sprüchen nicht zulassen, zeigt mir, dass auch Sie den versteckten Sinn seiner Satire nicht erkennen. Da geht es Ihnen offensichtlich wie Frau Wille vom MDR. Mein Kommentar war sachlich formuliert. Schade!

Bernd Muhlack | Mi, 12. Februar 2020 - 20:10

Mit Herrn Nuhr konnte ich selten etwas anfangen.
Dieses Genuschel, oft Geflüsterte und dieses Grinsen, like "der war gut, oder?

Der wahre Künstler lacht nicht mit!

Loriot war (fast) nie Kritiker der Politiker; allein seine Sketche bildeten die Realität perfekt ab, waren somit ein Spiegelbild der Gesellschaft und damit der Politik.

Er hatte einen absolut genialen Humor; diese trefflichen Formulierungen des Alltags!
"Spielen Sie Skat?" - "Im Moment nicht." - !!!+++
"Das ist die Losung des Hasen!" - ACH?"

Niemand konnte das schlichte Wort "Ach?" so perfekt aussprechen wie Evelyn Hamann!

Ich möchte noch Diether Krebs erwähnen.
Auch er meist unpolitisch, jedoch Weltklasse, eine eigene Liga!
Krebs liest am Küchentisch die Zeitung und Iris Berben (hässlich geschminkt) schaut aus dem Fenster. "Schatz, es graut der Morgen." - "Liebes, es heißt DEM Morgen!"

Zu den aktuellen Kabarettisten, "Comedians" fehlt mir jeder Bezug.
Ab und an auf BR3 einige gute Zeitgenossen.

(Jäger im Reisrand)

Albert Schultheis | Do, 13. Februar 2020 - 13:15

Wir sollten Bedenken, dass das uns von früheren Jahren gewohnte Kabarett, also das der 70er, 80er und 90er Jahre, ein grundsätzlich anti-konservatives, anti-kirchliches, anti-bürgerliches war, das sich tatsächlich gegen die Auswüchse der damals herrschenden Kaste richtete. Kabarett war mehr oder weniger aufgeklärt sozialdemokratisch bis links. Es war wunderbar über die"Birne" herzuziehen und allein bei dem Namen Franz-Josef Strauß wurden reflexartig Schenkel geklopft. Das Links-Rechts- bzw Anti-Herrschenden-Schema passte perfekt. Nun ist aber in der Merkelära die politische Plattentektonik insgesamt nach links ins rutschen gerate, so dass selbst die konservativste CSU heute dasteht, wo früher einmal super fortgeschrittene Sozialdemokraten standen und die SPD bildet längst mit der SED einen marxistischen Einheitsbrei. Genau dort stehen heute die gängigen Kleinkunstkabarettisten und es bleibt ihnen nur noch "Rächts" für anti-demokratische, moralisierende und bürgerliche Rufmordkampagnen

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