Bernd Ulrich - Neues vom Klima-Goethe

Der stellvertretende Chefredakteur der „Zeit“, Bernd Ulrich, hat ein Buch über Ökologie geschrieben. Es ist ein fesselndes Klima-Drama geworden. Wie die Welt allerdings ihre Umweltprobleme in den Griff bekommen soll, diese Frage beantwortet er nicht. Aber das ist nicht sein größtes Problem

11.10.2019, Berlin: Der Demonstrationszug von Fridays for Future zieht durch die Berliner Innenstadt. Ziel der Bewegung ist es auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen.
Sätze aus dem Klima-Kindergarten: Die Zeit gilt als Zentralorgan der Bewegung „Fridays for Future“ / picture alliance

Autoreninfo

Nils Heisterhagen ist Sozialdemokrat und Publizist. Zuletzt sind von ihm im Dietz-Verlag erschienen: „Das Streben nach Freiheit“ und  „Die liberale Illusion“.

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Nils Heisterhagen

Bernd Ulrich, stellvertretender Chefredakteur der Wochenzeitung Die Zeit, hat ein neues Buch geschrieben. „Alles wird anders. Das Zeitalter der Ökologie“ heißt das Buch. Ich darf Bernd Ulrich erst einmal ein Kompliment machen, bevor ich zur Kritik übergehen muss. Ich las sein Buch nahezu in einem Rutsch – bis tief in die Nacht hinein. Er hat ein Klimadrama geschrieben. Es packt und fesselt. Es ist wie ein Klimathriller. Es saugt dich ein. 

Aber genau das Drama ist auch das Problem. Deutschland braucht keine Klima-Goethes. Keine Öko-Prosa. Es braucht kluge Antworten auf eine der Existenzfragen der Zukunft. Und eigentlich dachte man, dass Ulrich diese Antworten vielleicht geben kann. Nachdem man seiner aufrüttelnd geschriebenen Öko-Prosa nämlich bis Seite 197 gefolgt war, kam nun das Kapitel „Auswege“. Nun dachte man: Ulrich liefert jetzt eine Agenda, detailliert, präzise und zum Kopieren für die Bundesregierung empfohlen. Aber nichts von dem liefert er da. Das Kapitel „Auswege“ ist auch nur ein weiterer Klima-Essay, den er in den letzten Jahren in der Zeit schon zu Hauf geschrieben hat.

Dinner versprochen, Schnittchen geliefert

Ulrich kann sich von seiner kryptischen Sprache, von der philosophischen Rede über das Klima einfach nicht trennen. Stattdessen hört man selbst im Kapitel über die Auswege eher nur diffuses Gerede über nötigen „Verzicht“. Von allem bösen Konsum einfach ein bisschen weniger. 

Man könnte Ulrich vielleicht zu Gute halten, dass individueller Verzicht nur ein Sinnbild dafür sein soll, dass man nicht glauben soll, dass alles so weiter läuft wie bisher und weiter laufen kann wie bisher. Aber man weiß das auch nicht, weil Ulrich einfach so kryptisch ist, dass man nie weiß, was er wirklich will. Er hat die Kunst, im Diffusen und Ungefähren Botschaften zu setzen, von denen am Ende aber neue Orientierungslosigkeit entsteht. Ulrich schafft gerne Bewusstsein und sensibilisiert Menschen, aber er lässt sie, nach dem er sie angetriggert hat, hungernd zurück. Er verspricht ein großes Dinner und liefert dann doch nur Schnittchen. 

So ist auch sein neues Buch geworden. Beginnen wir von vorn. Bevor ich das Buch gelesen habe, habe ich mir zwei Fragen unter den Titel „Alles wird anders“ notiert: Warum und Wie? Das „Warum?“ beantwortet Ulrich – und das „Wie?“ nicht. 

Sätze aus dem Klima-Kindergarten

Das „Warum?“ ist auch einfach erzählt. Der Klimawandel ist halt real. Die physikalische Wirklichkeit, die Ulrich auch immer wieder betont, sie ist nicht zu leugnen. Und natürlich kann die Menschheit nicht einfach weitermachen wie bisher. Insofern stimmt die Intuition, auf diese physikalische Wirklichkeit mit einem neuen radikalen Realismus zu antworten. Aber man hätte halt gerne gewusst: WIE?

Immer wieder fordert er eine „radikale ökologische Wende“, um ein „ökologisches Desaster“ zu verhindern. Er will ständig „radikale Maßnahmen“. Aber wie denn genau? Wenn er Öko-Tacheles reden will, dann kann man nichts dagegen haben. Aber die Frage muss eben auch beantwortet werden: WIE? Der Leser will doch nicht nur auf 200 Seiten soziologisiert und psychologisiert werden. Er will doch eine Idee bekommen, wie dieser Weg in das „Zeitalter der Ökologie“ nun zu „realisieren“ ist. Warum Ulrich zum WIE nicht kommt, mögen solche Sätze wie dieser illustrieren: „Der Klimawandel ist eine Herausforderung nicht nur des Problem-Lösens, sondern des Problem-Fühlens.“ Das sind wirklich Sätze aus dem Klima-Kindergarten. 

Moderner Öko-Rousseau

Ein paar Seiten weiter darf man dann lesen: „Insgesamt werden die Veränderungen so umfassend, dass sich die ökonomische und soziale Struktur Deutschlands verändern wird, und das immerhin so drastisch, dass die Deutschen einander und ihrer Heimat fremder werden. Es sei denn, sie wählen doch noch die andere Alternative, indem sie es sich zur gemeinsamen Aufgabe machen, den Klimawandel zu bremsen und die Naturzerstörung insgesamt zu beenden.“ Auf der nächsten Seite heißt es, was kommen muss: „der völlige Ausstieg aus der fossilen Wirtschaft, das Ende des anthropogenen Kohlendioxidausstoßes binnen weniger Jahrzehnte.“ Beide Male habe ich mir dabei „Wie denn?“ an den Rand geschrieben. So ging es mir das ganze Buch hindurch. Immer wieder holt Ulrich die großen Worte und auch Behauptungen raus,  und dann liefert er nichts, was dem Leser einen Weg gibt. 

Zuweilen erinnert Ulrich an ein romantisches „Zurück zur Natur“, wie man es von dem Philosophen Jean-Jacques Rousseau etwa hören durfte. Ulrich kommt mir vor wie ein moderner Öko-Rousseau. Er leidet auch an dem gleichen Pessimismus, an dem Rousseau schon litt. Der folgende Satz über den Klimawandel untermauert das schön: „In diesen letzten 30 bis 40 Jahren der ständig wachsenden Bewusstwerdung haben die Menschen mehr Emissionen verursacht als in der gesamten Menschheitsgeschichte zuvor, als sie noch nicht wussten, was sie taten. Das wirft nicht zuletzt einen beunruhigenden Zweifel am Wert der Aufklärung auf.“

Das Politische ist intim

Bernd Ulrich ist ein Pessimist, der seinen Mitmenschen nicht vollends traut. Er ist wie der Händler, der erst das Geld sehen will, bevor er die Ware rausgibt. Deswegen drängt es ihn so sehr zur Öko-Pädagogik, auch wenn er immer wieder versucht, sich vom Öko-Moralismus zu distanzieren. Aber ihm fehlt selbst die Distanz zu seiner Ökologie, weil er nun mal selbst ein Ökologe ist – und zuweilen dadurch auch ein Ideologe, aber hier durchaus auch in einem positiven Sinne. 

Ulrich kann nicht  zwischen seinem eigenen privaten Engagement und Aktivismus und seiner Rolle als Journalist trennen. Das hängt auch theoretisch damit zusammen, dass er den Wahlspruch des Feminismus auf die Öko-Frage überträgt: Das Private ist politisch. Ja, das Politische sei sogar intim. Ulrich erzählt viel Persönliches im Buch. Von seiner Jugend im Ruhrpott, wie er zu den Grünen kam, wie er dann Journalist wurde, und wie er das Thema seines Lebens, die Ökologie, entdeckte. 

Er macht deutlich, wie er mit seinem eigenen ökologischen Verhalten hadert und eine lange fehlende eigene Radikalität heute bedauert. Er will sich vom „schlechten Gewissen“ befreien. Aber er tut dann so, als gelte das „schlechte Gewissen“ notwendig für alle – und als müsse er nun die Gesellschaft vom „schlechten Gewissen“ freischreiben, indem er aufzeigt, wo die Gesellschaft sich vielleicht doch selbst belügt. Ihm fehlt die Distanz. Denn es gibt auch noch andere Wege, sogar ökologische. Zum Beispiel ökologische Wege, die Technik ins Zentrum rücken. Doch die macht er zuweilen sogar lächerlich. Behauptet aber zugleich vollmundig, dass wir den „Kontakt zu weiten Teilen der Wirklichkeit da draußen verloren“ hätten – und meint natürlich erstmal Journalisten und Politiker. 

Anzeichen für Realitätsverlust

Aber dieser Realitätsverlust gilt für Ulrich selbstredend eher nur für die Ökologie. Bei der inneren Sicherheit, Migration, Integration, und Wirtschaftspolitik könnte man den Realitätsverlust der Elite genauso beklagen. Das tut Bernd Ulrich selbstverständlich nicht. Besonders dreist wird es da, wo er meint, dass Klima und Ökologie in den Medien kaum Aufmerksamkeit bekämen. Es würde immer wieder gelingen die „Größe der Gefahr an die Peripherie der Aufmerksamkeit zu drängen.“ Man fragt sich, ob er das wirklich ernst meint. 

Hat Herr Ulrich in letzter Zeit mal seine eigene Zeitung gelesen? Die Zeit hatte seit der Europawahl zweimal die Grünen auf dem Cover, dreimal ein Klimapolitikcover und dann noch Alexander von Humboldt als Naturschützer. Zwischendurch durfte auch Luisa Neubauer von „Fridays for Future“ in einem langen Text dramatisch vor dem Klimawandel warnen. Und wenn Klima mal nicht das Cover ist, dann findet sich meist auch irgendein Ökologie-Text im Politik-Ressort prominent platziert. Also meint Ulrich das eigentlich alles noch wirklich ernst?

Irgendwie Verzicht

Ulrich ist so meinungsstark, dass er darüber vergisst, auch mal Dinge von der anderen Seite zu sehen. Er hält sich nicht an die als journalistische Ethik bekannte Formel: „Audiatur et altera pars“ (Man höre auch die andere Seite). Nirgends zeigt sich das deutlicher als bei seiner Herabschätzung, die Klimafrage technologisch zu adressieren. So schreibt er: „Wer also auffällig oft Technologie sagt, der will in Wahrheit die zentralen Forderungen des Pariser Abkommens außer Kraft setzen“. Das ist eine schlimme Polemik. Ja, das ist unverschämt so etwas zu sagen. Auch Grüne wie Ralf Fücks glauben an einen ökonomischen und technischen Ansatz. Sie werden so alle heruntergeputzt auf das Niveau von Schuljungen.

Die konkreten Antworten darauf, wie der Klimawandel denn nun zu stoppen sei, bleibt Ulrich aber selbst schuldig. Außer irgendwie Verzicht und raus aus der Kohlenstoffökonomie fällt ihm nichts ein. Es sind wohlklingende Allgemeinplätze, mit denen er mittlerweile Mainstream ist. Man hätte jedoch eine Agenda von ihm erwarten dürfen. Sich herauszureden, und zu sagen, ich bin doch nur ein Journalist, die Politiker sollen machen, ist etwa das Niveau von „Fridays of Future“. Und selbst die sind konkreter als Ulrich. 

Journalist oder Aktivist? 

Bernd Ulrich wird sich entscheiden müssen. Will er weiter Journalist sein oder nun vollends zum Aktivisten werden? Doch, und das ist gewiss, er ist in Wirklichkeit kein Radikaler. Bernd Ulrich wird nie als Mikrofoneinpeitscher bei „Extinction Rebellion“ auflaufen. Es könnte darauf hinauslaufen, dass er erst Pressesprecher von Robert Habeck und später eventuell stellvertretender Regierungssprecher wird. Denn die Grünen an der Macht zu sehen, ist doch sein eindeutiges Ziel. 

Es ist keine Schande, als Journalist Parteipolitik zu machen oder ein Aktivist zu sein. Aber man muss es dann offenlegen. Kryptische Essays und diffuse Botschaften sind einfach nicht sehr konsequent. Sie machen nur deutlich, dass man sich selbst nicht ganz traut, offenzulegen, was man wirklich denkt. Für Bernd Ulrich gilt diese Kryptik insbesondere. Aus dem Jargon des Ungefähren muss er nun raus und zugleich zu einem neuen Pluralismus kommen, wenn er denn überhaupt Journalist bleiben will. 

Tomas Poth | Mo, 21. Oktober 2019 - 12:07

mehr will dieses Buch nicht. Aber dazu wird die CO2-Hysterie ja auch geschürt, eben um neues Business antreiben. Wie soll CO2-Neutrales Leben auf diesem Planeten möglich sein, wo CO2 doch Voraussetzung zum Leben ist?

Das auch Kohlendioxid - EINE - Grundlage allen Lebens ist, sollte im Biologie-Unterricht behandelt wird. In der DDR war das so. Vermutlich wird Biologie in der Bundesrepublik vorzugsweise am Freitag unterrichtet, wenn Schüler, Studenten und Besser-Menschen streiken. In meiner Stadt streiken die diversen Protagonisten jetzt umschichtig. Freitag streikt man gegen den Klimawandel. Samstag protestiert man, weil (angeblich) die Ausgaben für (sogenannte ?) 'Bildung' viel zu niedrig sind. Deutschland wird immer mehr zum Irrenhaus. Vielen 'Aktivisten' ist das 'dafür' und 'dagegen' doch völlig egal. Hauptsache lärmen, die Gegend vermüllen, ein Tänzchen mit der Polizei (bekanntlich gilt in der gutmenschlichen 'Demo'-Szene: acab) und ganz viel SpaSS. Das der normal arbeitende Bürger die Schnauze restlos voll hat und sich angeblich 'radikalisiert', ist das Ergebnis genau dieser sogenannten 'Politik'!

Keine Sorge, auch heute noch lernt man in der Schule, dass es Photosynthese gibt. Man lernt aber auch, dass Photosynthese bereits bei 300ppm CO2 in der Luft gut funktioniert, und dass die aktuellen 400ppm einfach schädlich sind. Wie man so schön sagt, "die Menge macht, dass es Gift ist".

Ein Mensch produziert durch seine Atmung natürlich kleine Mengen CO2, die aber samt- und sonders aus der Nahrung stammen, also vorher der Luft entzogen wurden. Deshalb ist Leben tatsächlich CO2-neutral.

Was nicht CO2-neutral ist, ist das Verbrennen fossiler Brennstoffe. Und ja, das schadet. Das ist wissenschaftlich bewiesen, dazu können Sie sich gerne in Nature, Science und co informieren.

Wilfried Düring | Di, 22. Oktober 2019 - 15:02

In reply to by Andy Kunz

In meiner Jugendzeit wurde propagiert, daß 'díe Wissenschaft' (angeblich) 'bewiesen' habe, daß es keinen Gott gibt. Seitdem habe ich ein gestörtes Verhältnis zu ideologisch motivierten Totschlag-Argumenten. 'DIE' Wissenschaft gibt es nicht! Aus den Erfahrungen der letzten 100 Jahre kann man lernen, daß sich wissenschaftliche Erkenntnisse mißbrauchen lassen. Auch Hochstapler wie Herr Lyssenko und sogenannte 'Rasseforscher' wurden zu angeblichen 'Wissenschaftlern' mit Unfehlbarkeitsanspruch hochgejubelt. ...
Es kann sein, daß CO2-Emissionen EINE von mehreren Ursachen der Klimaerwärmung sind (ein anderes Treibhausgas ist Methan ...). Da nur ca. 2% der weltweiten CO2-Emissionen in Deutschland erfolgen, können wir (allein) zur Reduzierung dieser Emissionen kaum beitragen.
Weltweit sind ca. 1.400 neue Kohlekraftwerke (Gesamtleistung über 400 GWatt) in über 50 Ländern im Bau oder In Planung. In Deutschland haben wir ca. 150 (entspricht ca. 45 GWatt), die wir abschalten können! Und nun?

Werner Peters | Mo, 21. Oktober 2019 - 12:34

Ein Zeit-Schreiber in einem Atemzug mit Goethe und Rousseau ? Geht's noch ? Wo ist Schiller ? "Der Leser will doch nicht nur auf 200 Seiten soziologisiert und psychologisiert werden." Doch, doch, der ZEIT-Leser ist das seit Jahrzehnten gewöhnt, der will das so! Ansonsten schade um die Bäume, die wegen der Buchherstellung gefällt wurden. Sie wären besser stehen geblieben. Dem Klima zuliebe.

Bettina Jung | Mo, 21. Oktober 2019 - 15:12

In reply to by Werner Peters

wahrscheinlich handelt es sich um die unzähligen Bäume, die den Wind- und Solarparks weichen mussten. Es ist erschreckend wie unsere Natur und das Ökosystem von diesen Ökosozialisten zerstört werden und es ist das Ergebnis, wenn Dummheit zur Staatsräson wird.

Hans van Berend | Mi, 23. Oktober 2019 - 14:59

In reply to by Werner Peters

" Klima - Goethe " hätte die
Gesamtproblematik in Kürze
Reime ausgedrückt
( wie zum Beispiel ) :

Erdbezogene Sorgen ,

erwürgen positive Gedanken an ein Morgen .

Jeder verfolgt nur noch den
kurzen Gewinn.

Auf der Strecke bleibt für alle und alles , der wahre Sinn.

Viele Lebewesen sind schon verschwunden,

Jahrmillionenlange Entwicklung
wird vernichtet in Stunden.

Zerstört wird dabei immer schneller die für alles Leben
schützende Hülle.

Wir verdrängen die Gefahr , als wäre Gesamtvernichtung unser
letzter Wille.

Der blaue Planet verändert sich
zur Wüste und zum toten Meer,

Diesen Wahnsinn zu stoppen ,
das ist auch für die Natur zu
schwer.

Hans van Berend

Phil Schwarz | Mo, 21. Oktober 2019 - 12:40

Bernd Ulrich weiß es nicht, so scheint es und er nährt sich einem wissenschaftlich-technologischem Thema mit dem literarischem Besteck postmoderner Assoziation. Ich habe mir übrigens auch bei der beinharten Lektüre von Hermann Scheer „Der energetische Imperativ“ und Ralf Fücks „Intelligent Wachsen“ den gespitzten Bleistift neben das Buch gelegt und war enttäuscht. Vielleicht waren sie einfach die Protagonisten des ökologischen Bewusstseins und nun müssen andere ran. Ich glaube auch, dass der Klimaschutz noch zu haben ist, als politisches Thema. Allgemeine grüne Ökologie ist viel zu naturnah gedacht. Klimaschutz ist doch auch ein industriell-technisch-schmieriges Thema. Ich habe mir nun das Buch von Axel Berg bestellt. „Energiewende einfach durchsetzen - Roadmap für die nächsten zehn Jahre“ Klingt mehr nach Machen und Zukunft. Ich bin gespannt, voller Tatendrang und lege den Bleistift bereit.

Sie könnten Graeme Maxton, Change, dazunehmen, der will alles noch radikaler. Es gibt kaum " grünen Pragmatismus " weil dies mit konkreter, zielorientierter Arbeit verbunden wäre, nicht nur mit Lyrik. Leider könnte es sein, dass die Welt vorher an Plastikmüll erstickt als den Weltuntergang wegen des Klimawandels erleiden zu müssen.

Danke für den Tipp. Das werde ich tun. Ich erlebe in der Debatte mit den Grünen, dass es fast unmöglich ist, mit ihnen neu zu denken und alte Positionen hinter sich zu lassen. Mir begegnet eine Form von konservativem Umweltschutz, der sich lieber am lebenden, sinnlich erfahrbarem Objekt fest macht als an einem abstrakten, industriellem Diskurs z.B.. Das Industrielle ist sehr negativ besetzt. Die Schutzgüter kommen schnell in Konflikt zu einander und in der Regel sind es eher die positiv-sinnlich besetzten Schutzgüter, die nicht für den Klimaschutz „geopfert“ werden dürfen. Der Raum wird sehr schnell sehr eng. Und dann? Dann geht es um grüne Macht- und Symbolpolitik. Anti SUV, Tempolimit, gegen die Straße, für den Baum, gegen das Projekt, etc.. Mir fehlen aber ganz konkrete integrative Programme, die aktiv und investiv, zeitlich klar umrissen Maßnahmen benennen. Mal sehen was Maxton so zu bieten hat, ansonsten schreibe ich den Green Deal einfach mal auf. Natürlich aufm Bierdeckel.

Gisela Fimiani | Mo, 21. Oktober 2019 - 13:26

Bernd Ulrichs unsäglicher, hochmoralischer,selbstverliebter „Haltungsjournalismus“, dem sich etliche seiner Kollegen angeschlossen haben, veranlassten mich bereits vor Langem, mein jahrelanges Abonnement der „Zeit“ zu kündigen. Eine ehemals interessante Zeitung wurde von arrogant belehrenden, kritiklosen Besserwissern usurpiert. Her Ulrich will die Bürger nach seinem Bild erziehen, traut sich aber nicht Politiker zu werden. Dazu müsste er freilich seinen hohen Richterthron verlassen und gelegentlich argumentieren anstatt zu dozieren. Außerdem würden ihm womöglich die Fragen gestellt, auf welche er und seine Kollegen keine vernünftige Antwort zu liefern im Stande ist. Ihnen geht es um destruktive, nicht um konstruktive, rationale Kritik.

Manfred Sonntag | Mo, 21. Oktober 2019 - 15:21

Ein sehr guter Artikel, Gänsehaut und Zähneklappern sind garantiert! 30 Jahre nach der friedlichen Revolution wird eine Rollback Politik durch Medienmacher Ulrich & Co. beschrieben Das Geschwätz im Namen irgendeines ideologischen Götzen ist doch auch wieder das GLEICHE: Verzicht, Verzicht , Stellung beziehen, usw. PC hatten wir auch schon, es nannte sich nur anders. Damals sollte uns Weihnachten ausgetrieben werden. Die Bezeichnung "Jahresendflügelpuppen" für Engel war ein Ergebnis davon. Als Ersatz stand das russische Jolkafest mit Väterchen Frost bereit. Orwell lässt bei diesem Drama mit der "Farm der Tiere" und "1984" grüßen.

Manfred Bühring | Mo, 21. Oktober 2019 - 15:22

Umsetzbare Lösungsansätze zu formulieren, setzt voraus, dass die Problemanalyes von richtigen und unstrittigen Prämissen ausgeht. Wenn allerdings die menschengemachte CO2-Belastung und deren klimawandelnder Einfluss als Axiom gesetzt und alle anderen Einflüsse aus dem politisch-wissenschaftlichen Diskurs qua Mehrheitsentscheidung ceteris paribus ausgeklammert werden, kann es auch keine Lösungen innerhalb eines demokratischen Systems geben. Was daraus folgen kann, werden wir in den nächsten Jahren bis 2030 wohl erleben müssen.

Bernd Muhlack | Mo, 21. Oktober 2019 - 16:39

Bei der Lektüre des Artikels fiel mir mein Schwager x ein und ich musste gar laut lachen.
Er veröffentlichte kürzlich in der regionalen Zeitung einen Leserbrief und kündigte an, dass seine Familie künftig Fleisch und Plastik vermeiden will. Außerdem werde man nie wieder fliegen und er werde zukünftig mit der Bahn zur Arbeit fahren.

Wahrscheinlich hat er bei Abfassung seines Pamphlets ständig bedeutungsschwer mit dem Kopf genickt.
Ich werde ihm dieses Buch von Herrn Ulrich empfehlen.
Er war schon immer etwas verpeilt!

Laszlo Trankovits | Mo, 21. Oktober 2019 - 18:28

Sie schreiben: "Es ist keine Schande, als Journalist Parteipolitik zu machen oder ein Aktivist zu sein. Aber man muss es dann offenlegen." Widerspruch. Wer Parteipolitik betreibt oder Aktivist ist, hat in einem seriösen, nicht offen partei-gebundenen Medium nichts verloren. Es ist eine Schande, dass diese Überzeugung heute bei unseren Medien nicht mehr professionelle Selbstverständlichkeit ist.

Bernhard Derks | Mo, 21. Oktober 2019 - 20:34

"Die physikalische Wirklichkeit, die Ulrich auch immer wieder betont, sie ist nicht zu leugnen."
Stimmt.
Entweder er hat eine andere Physik als die, die gelehrt wurde, als alles noch gut war, oder er hat die bestürzende Fähigkeit, trotzdem ein komplettes Heulsusenbuch voll zu tinteln...

Henner Maijer | Mo, 21. Oktober 2019 - 22:30

Der Autor zerrupft das im typischen "Zeit"-Stil verfasste teigig-tranige Buch als insuffizient in vielerlei Hinsicht, aber er schreibt vorweg: "Ich las sein Buch nahezu in einem Rutsch – bis tief in die Nacht hinein. Er hat ein Klimadrama geschrieben. Es packt und fesselt. Es ist wie ein Klimathriller. Es saugt dich ein".

Offenbar sind Buchautor und Rezensent gleichermaßen von der Rolle.

Carina Mathis | Di, 22. Oktober 2019 - 09:40

"Nirgends zeigt sich das deutlicher als bei seiner Herabschätzung, die Klimafrage technologisch zu adressieren. So schreibt er: „Wer also auffällig oft Technologie sagt, der will in Wahrheit die zentralen Forderungen des Pariser Abkommens außer Kraft setzen“."
Das ist blamabel und zeigt den Geist eines ewig Verbohrten. Das ist unter Anderem auch ein Schlag ins Gesicht derjenigen Wissenschaftler*innen die sich ihre Finger wund tippen beim Anträge schreibenm, um an eine Handvoll Fördergelder zu gelangen, damit dieser Wandel und die Klimaziele durch innovative Technologien erreicht werden können.
Auf jeden Fall ist jede Forschungsarbeit dazu wertvoller als solch krude, weltfremde Betroffenheitspamphlete eines Herrn Ulrich.
Nicht reden - sondern einfach machen. PUNKT!