Aktuelle Pisa-Studie 2019 - Kartell der Mittelmäßigkeit

Laut der aktuellen Pisa-Studie kann jeder fünfte Schüler Texte nicht richtig verstehen. Diese Lesekompetenz ist aber unabdingbar, um sich in der digitalen Welt zurechtzufinden. Ausgerechnet Estland zeigt, dass digitalisierter Unterricht auch das Verständnis von Texten fördert

07.03.2019, Niedersachsen, Gehrden: Schüler einer 7. Klasse lernen mit iPads im Matheunterricht an der Oberschule Gehrden in der Region Hannover. Die Oberschule Gehrden gehört bei digitalen Lernen zu den führenden Schulen in Deutschland. Seit sieben Jahren - und damit schon lange vor dem Digitalpakt der Bundesregierung - findet der Unterricht hier auf eigene Initiative fast komplett in digitaler Form statt.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil – auch im Internet / picture alliance

Autoreninfo

Dr. Florian Hartleb ist Politikwissenschaftler. Er lebt seit fünf Jahren in Tallinn, Estland, und ist als Politikberater und -experte zu den Themen Flüchtlinge und Digitalisierung tätig. Im Oktober 2018 erschien sein Buch „Einsame Wölfe. Der neue Terrorismus rechter Einzeltäter“.

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Florian Hartleb

Wie lässt sich ein Kartell der Mittelmäßigkeit wachrütteln? Eine farblose Bildungsministerin fordert nun einen Aufbruch. Ein Ruck soll also durch Deutschland gehen, wie es der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog einst formulierte. Pisa zählt. Immerhin, möchte man meinen. Denn Schule verdichtet brennglasartig Zustände in der Gesellschaft.

Der Wohlstand einer Gesellschaft hängt maßgeblich davon ab, wie sie das Wissen und die Kompetenzen ihrer Bevölkerung nutzt und zur Entfaltung bringt. Auch wenn sich über Methodik und Evaluierung trefflich streiten lässt, schlagen Pisa-Veröffentlichungen hohe Wellen. Hier wirkt das Jahr 2000 nach, als der so genannte „Pisa-Schock“, ausgelöst durch schlechte Ergebnisse bei den Schülerleistungen, eine bildungspolitische Debatte über Monate entfachte.

Sinkende Lesekompetenz 

Der Schwerpunkt der aktuellen Erhebung lag auf der Lesekompetenz. Es ging um das das Verständnis von Texten, das Erfassen von Kontexten, die Fähigkeit, Quellen zu erkennen und einzuordnen. In einer digitalen Welt liegt hier eine Schlüsselqualifikation, zumal junge Menschen das Smartphone, nicht die gedruckte Tageszeitung nutzen. Die Erfahrungen mit Texten, die Jugendliche außerhalb von Schule machen, sind zu einem großen Teil digital. Die Ergebnisse der Pisastudie zeigen, dass die Länder, die auf digitale Bildung im Unterricht setzen, gezielt die Lesekompetenzen verbessern.  

Lesekompetenz ist die Schlüsselkompetenz für Bildungserfolg, sie zu fördern ist deshalb eine zentrale Aufgabe der Schule, ob digital oder analog. Nun zeigen die Ergebnisse, dass wir unteres Mittelfeld sind. Aus dem Fußball wissen wir, dass liebgewonnene graue Mäuse auch einmal absteigen können. Der VfL Bochum spielt nicht mehr in der ersten Liga, der SV Meppen nicht mehr in der zweiten. Nun drängt sich die Frage auf, was falsch läuft. Die Alarmglocken klingeln, wenn ein Fünftel der 15-Jährigen in Deutschland den Sinn von Texten kaum richtig erfassen kann. 

Wo bleibt die Digitalisierung? 

Stellt sich die Frage nach den Rahmenbedingungen: Seit Jahren wird viel über digitale Schulbildung diskutiert, aber immer noch im Pro-Contra-Duktus. Es hapert aber bereits an der Infrastruktur. In der Fläche ist Deutschland immer noch eine digitale Bleiwüste, jede dritte Schule hat kein W-Lan. Die Schulen in Deutschland haben sich bei der digitalen Bildung zwar auf den Weg gemacht, Schulleitungen und Lehrkräfte schätzen das Thema als bedeutsam  ein.Doch das wirkt sich kaum aus: Lehrer und Schulleiter nehmen Digitalisierung vor allem als eine zusätzliche Herausforderung wahr. Nur 15 Prozent der Lehrer sind versierte Nutzer digitaler Medien. Die meisten Schulen haben bislang weder ein Konzept für den Einsatz digitaler Lernmittel entwickelt, noch reflektieren sie den digitalen Wandel als Bestandteil ihrer systematischen Schul- und Unterrichtsentwicklung. In der Regel entscheiden die Lehrer selbst, ob und wenn ja welche digitalen Medien sie einsetzen.

Auch ihre entsprechende Weiterbildung müssen sie sich zumeist selbst organisieren. Viele verbeamtetet Lehrer sind aber auch selbst zu sehr fixiert darauf, dass eine Vorgabe aus dem Ministerium kommt – oder ein neues Lehrbuch. Jeder Lehrer sollte selbst so viel wie möglich darüber nachdenken, was der richtige Unterricht ist, um die Kinder auf die Welt von morgen vorzubereiten. Die Bertelsmann-Stiftung konstatiert ernüchtert: Kaum eine Schule behandelt Digitalisierung als strategisches Thema. Nur 8 Prozent der Schulleiter messen ihr eine strategische Bedeutung bei. Die meisten Schulen haben weder ein Konzept für den Einsatz digitaler Lernmittel, noch reflektieren sie den digitalen Wandel als Bestandteil ihrer systematischen Schul- und Unterrichtsentwicklung. 

Trendsetter Estland

Europas Spitze hat Estland inne: Der nordostmitteleuropäische Staat mit der Einwohnerzahl von München, 1,3 Millionen, und der Fläche von Niedersachsen hat den Ruf, digitaler Trendsetter Europas zu sein. Eine Wirtschafts- und Industriemacht, der oft gepriesene „Standort Deutschland“ soll von einem ehemaligen sowjetischen Ostblockteilstaat lernen – wie passt das zusammen? Wie viel Geld ein Land für Bildung ausgibt, ist offenbar  nicht ausschlaggebend für den Erfolg.

Estland hat pro Schüler viel weniger Geld als, wie OECD-Statistiken belegen. Digitalisierung fängt dort aber buchstäblich mit den Kindesbeinen an: Programmieren lernen Schüler schon im Grundschulalter; von staatlicher Seite ist ein Computer bereitgestellt. Seit 1999 sind alle estnischen Schulen ans Internet angeschlossen, demnächst soll es alle Schulbücher auch digital geben. Entscheidend für die Entwicklung des estnischen Schulsystems waren die 1990er Jahre.

Digitales Klassenbuch

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion setzten Länder wie Ungarn oder Tschechien auf Schulsysteme, die den Wünschen der Eliten entsprachen. Anders Estland: Hier setzte man auf Gleichheit und Fairness, pflegt bis heute einen inklusiv-egalitären Ansatz. Seit 2002 nutzen fast alle Schulen in Estland das digitale Klassenbuch „E-kool“. Die Lehrer tragen dort ein, was sie in einer Unterrichtsstunde behandelt haben, welche Hausaufgaben es gibt, wer gefehlt hat. Die Eltern können die Daten ihrer Kinder einsehen und dem Lehrer Nachrichten schicken oder Entschuldigungen hochladen. E-Kool ist eine Informationsplattform, die von der estnischen Regierung entwickelt wurde.

Es umfasst das digitale Klassenbuch, ist Kommunikationskanal zwischen Schülern, Eltern, Lehrern und Schulleitung. Darüber hinaus ist E-Kool ein soziales Netzwerk, beinhaltet die Notengebung und gibt einen Leitfaden für die Bewertung der Schülerinnen und Schüler. Somit sind Schüler und Eltern immer auf dem neusten Stand. Die Schule verfügt über einen sogenannten Bildungstechnologen. Dieser unterstützt die Lehrkräfte im Umgang mit der neuen Informations- und Kommunikationstechnologie. Er gibt Fortbildungen und Workshops und ist Ansprechpartner für alle Fragen rund um die IT. Und Schülerinnen und Schüler werden in Klassen gezielt zu Vordenkern gemacht. Bereits jetzt pilgern unzählige deutsche Delegationen nach Estland, um Digitalisierung zu lernen. Die Zahlen dürften nun nach den Ergebnissen der neuen Pisa-Studie weiter zunehmen. 

Digitalisierung als Schlüssel 

Deutschlands Digitalisierung sollte bereits in den Klassenzimmern anfangen. Dort fällt die nach wie vor die klare Dominanz der traditionellen „Office“-Welt auf. Heute sprechen wir aber von einer sicheren und verlässlichen WLAN-Anbindung sowie von Cloud-Diensten, ebenso von geschützten didaktischen Materialien. Wer in Zukunft Arbeit oder gar gute Jobs will, braucht IT-Kompetenz.

Dazu gehört aber weiter das Lesen. Wenn wir da zurückfallen, verlieren wir den Anschluss, nicht nur gegenüber China und Singapur, sondern auch innerhalb Europas. Viel Zeit haben wir nicht für notwendige Reformen: Niemand kann schließlich vorhersehen, welche technologischen Möglichkeiten es in fünf Jahren geben wird. Schon jetzt diskutieren wir über Künstliche Intelligenz und Blockchain. Machen wir nicht mit, sind wir bald mit unserem Latein am Ende, zumal sich ohnehin bereits Nivellierungstendenzen breitgemacht haben. Einer grauen Maus droht der Abstieg. 

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 4. Dezember 2019 - 12:58

Hilft uns ein digitales Klassenbuch als Kommunikationskanal wirklich bei der Lesekompetenz unserer Schüler? Liegen die Ursachen nicht viel mehr in der Gesellschaft? Während in unserem Land die Selbstverwirklichung der Kinder bis zum Erwachsenenalter oberstes Ziel von Politik und Eltern zu sein scheint, haben die Esten noch „Nachholbedarf“ beim wirtschaftlichen Aufstieg. Der gelingt nur in einer Leistungsgesellschaft mit Lernwillen. Warum sind bei uns die „MINT-Fächer“, mit denen wir zur Wirtschaftsmacht wurden, so unbeliebt bei Schülern (und Eltern)? Warum geraten wir in der Kompetenz bei diesen Fächern gegenüber den ehemaligen Ostblock- und noch mehr den asiatischen Ländern so sehr in Rückstand? Hilft uns der Computer oder das Smartphone mathematische Formeln zu verstehen oder wird uns deren Anwendung nur leicht gemacht. Wie wollen unsere Schüler komplexe Strukturen verstehen oder sich in der digitalen Welt zurechtfinden, wenn Grundtechniken der analogen Welt fehlen?

Romuald Veselic | Mi, 4. Dezember 2019 - 13:28

was in Estland gibt. Tue aber nicht.
Was die D-Pädagogen und sonstigen Klimaschutz-Über-Alles Fuzzis nicht verstehen und nie verstehen werden, ist die mentale Einstellung der Esten, die inkompatibel ist mit den D-tschen. Ein homogenes Völkchen, das aus Erfahrung gut/besser/am besten wurde; denn sie aus der Sowjetnot das beste machen wussten. Die materielle, realsozialistische Leere, ersetzten sie durch Wissen und geistige Fähigkeiten.
Wenn man nach soziologischen/sozialisierenden Gründen nachforscht, erkennt auch in D-Schulsystem, dass ein Ostasiate (Vietnam, China, Korea) ganz andere Wissensresultate liefert, als ein Nachkommen in 4. Generation der Nachfahren der 1. anatolischen Gastarbeiter.

Alice Friedrich | Mi, 4. Dezember 2019 - 13:44

weil es kaum noch altsprachliche Gymnasien gibt.
Lesekompetenz erwirbt ein Kind unabhängig davon, ob es mit Büchern lernt oder digital.
Es kommt natürlich darauf an, wie ihm diese Fähigkeit vermittelt wird. Und dann heißt es:übenübenüben, am besten tagtäglich. Schulen können bei heutigen Klassengrößen nicht mehr so üben, dass jedes Kind an die Reihe kommt. Denn nur wenn es laut liest, ist es sicher aktiv bei der Sache. Und nur dann kann die Lehrperson sehen, wo es steht. Lässt sie dann einmal einen Text rückwärts lesen, kommt sie auch den angehenden Analphabeten auf die Schliche. Schon die Grundschule ist heute mit viel Sachunterricht überfrachtet, aufkosten der Stundendeputate für die Grundfertigkeiten. Und es kommen gemeinsame Frühstücke, Projektwochen etc in einem weitaus höheren Maße als früher dazu. Das heißt : ein großer Anteil des Übens ist den Eltern überlassen. Da hinwiederum kann es sein, dass ehrgeiziger Druck aufgebaut wird und das Kind die Freude am Lesen verliert.

Manfred Bühring | Mi, 4. Dezember 2019 - 13:49

Ein Land mit 1,3 Mio Einwohnern und einer Zentralregierung als Maßstab für die deutsche Bildungspolitik zu nehmen, ist - gelinde gesagt - kühn.
Allerdings müssen wir uns sehr kritisch mit dem Problem Lesekompetenz auseinandersetzen. Gerade die hochgelobte Digitalisierung führt doch dazu, dass Jugendliche kein Buch mehr in die Hand nehmen, sondern ALEXA oder SIRI fragen, wenn es ein Problem gibt. Und da muss man eben nicht mehr lesen können.

Wolfgang Tröbner | Mi, 4. Dezember 2019 - 14:07

Herr Hartleb, Sie mögen ja in vielem recht haben. Leider benennen Sie in Ihrem Artikel aber nicht die Hauptgründe für die jetzige Situation. Die mangelhafte Lesekompetenz deutscher Schüler hat nichts oder nur sehr wenig mit der fehlenden Infrastruktur für einen digitalisierten Unterricht zu tun. Zum Lesen braucht es hauptsächlich das gedruckte Wort, Kinder müssen daher primär an Bücher herangeführt werden. Digitale Medien können allenfalls unterstützend wirken. Wenn das Schulsystem zu solch verheerenden Ergebnissen führt, dann muss man auch die Hauptverantwortlichen benennen. Und das sind die Bildungsminister der (vor allem rot-grün regierten) Bundesländer, die an den ursprünglich guten Systemen so lange herumexperimentiert haben, bis fast nichts mehr übriggeblieben ist. Wichtig wäre vor allem eine Wiederbelebung des Leistungsgedankens, der in einigen Schulsystemen nahezu vollständig ausradiert wurde. Frau Karliczek ist jedenfalls die falsche Ansprechpartnerin.

helmut armbruster | Mi, 4. Dezember 2019 - 14:08

für das schlechte Abschneiden der deutschen Schüler.
Die Klassen sind voller Schüler, die kaum oder gar nicht deutsch sprechen.
Die Lehrer werden allein gelassen mit diesem Problem. Das demotiviert selbst die Besten.
Da Bildung Ländersache ist, haben jahrzehntelange 16 verschiedene Ministerien in alle Richtungen herum experimentiert. Ziel war sich zu profilieren, nicht Schulen und Bildung zu fördern.
Disziplin, Ordnung, Strafen, wurden diskriminiert.
Anforderungen an die Schüler gelten als Zumutung.
Gute Noten für alle ohne Leistung sind erwünscht.
Alles in allem ein perfektes Verblödungsprogramm.
Wer in diese Bildungsmühle als Schüler hinein gerät kann nur als Blödmann wieder heraus kommen.

haben sie deutlich in ihrem 1. Satz untergebracht, Herr Armbruster. Sie nennen damit Ross & Reiter oder wie sagt man auch: Butter bei den Fischen.
Wenn man die Sprache nicht beherrscht ist es mit dem Lesen und verstehen (des Text) nicht weit.
Da wird wieder mal herumgeduckst anstatt das Dilemma klar zu benennen!
Ich habe selber 2 Kinder und auch Enkelkinder. Die sagten oder sagen offen (genau wie Betrunkene) wo der Pfeffer im Hase ist.
Wenn dort zuhause nur Türkisch oder Arabisch (neben Fernseher den ganzen Tag) gesprochen wird und die Eltern keinerlei Anspruch an die Kinder stellen (Schulbildung) oder gar Hilfreich unterstützen können (bei Hausaufgaben etc.) sinkt das allg. Klassen-Niveau. Und die die wollen, werden damit auch runtergezogen und Resignieren dann. Eine unvollheile Spirale wird damit im Gang gesetzt.
Deutschlands einziges Kapital (Bildung,Wissen) wird damit verschleudert.
Besserung: Weit & Breit nicht in Sicht!
Salute

Tomas Poth | Mi, 4. Dezember 2019 - 14:59

erwirbt man beim Lesen von Texten, vorzugsweise in Büchern und anderen Printmedien.
Analoges Lesen ist auch gesünder für die Augen als digitales und schont außerdem die Ressourcen und verbraucht weniger Energiebereitstellung, sprich CO2-Minderung wenn man das will.
Vorlesen der Schüler im Unterricht gehört auch zum Erwerb der Lesekompetenz, Besprechung der Texte, ebenso schriftliche Diktate.
Eine Geisteshaltung der Schulleitung und Lehrerschaft keine Leistung einzufordern und alles nach unten zu nivellieren, damit sich keiner als Low Performer fühlen muß, ist äußerst Kontraproduktiv!

Steffen Loos | Mi, 4. Dezember 2019 - 15:47

Immer wird die Digitalisierung an den Schulen als das Allheilmittel propagiert. Gerade die allzu große Affinität zum Digitalen, haben zu dieser Pisa-Misere geführt. Die jungen Menschen lernen die digitale Welt ganz ohne Schule kennen und die Lehrkräfte hinken ihnen da immer hinterher. Die Schulen immer auf dem neusten Stand zu halten, bedeutet neben der ständigen Weiterbildung der Pädagogen, auch die Pflege und Wartung der Hardware und das Aufspielen von Updates. Das bedeutet auch mehr Personal und immense Kosten. Wenn das Netz zusammenbricht, das W-Lan ausfällt, dann fällt auch der Unterricht aus. Schon jetzt verbringen Lehrer viel Zeit damit um Geräte zum Laufen zu bringen. Aber auch wenn alles funktioniert glaube ich nicht, dass die Pisa-Studie besser ausfallen würde. Durch die Digitalisierung werden die Fähigkeiten des Schreibens verlernt und auch richtig gelesen wird seltener. Es braucht mehr Lehrer und weniger Unterrichtsausfall. Alles mit iPads zuzuschmeißen bringt nichts.

Marianne Bernstein | Mi, 4. Dezember 2019 - 19:06

Das Problem besteht darin, dass "üben" etwas ist, was in Deutschland verpönt ist. Üben bedeutet Anstrengung, Ausdauer und Durchhaltevermögen. Zum Lernen gehört auch immer üben. Allerdings kann die Schule das heute nicht leisten, nicht weil die Klassen zu groß wären, sondern weil es an der Disziplin und ihrer Durchsetzung mangelt.
Es liegt aber auch daran, dass die Lehrpläne überlaufen und eine sinnvolle, systematische und anhaltende Wissensvermittlung einfach nicht mehr stattfindet.

Klaus Peitzmeier | Mi, 4. Dezember 2019 - 19:56

"Die Lesekompetenz ist unabdingbar, um sich in der digitalen Welt zurechtzufinden", schreibt der Autor. Was ist das denn für eine Analyse? Weil kein WLAN vorhanden u Tablets fehlen, schneiden wir in der Pisa-Studie bei den Lesefähigkeiten so schlecht ab? Darauf muß man erst mal kommen.
Ich kenne nur Leute um mich herum, die perfekt lesen können. Und die in der Schule niemals WLAN hatten o sonstwie digital beleckt wurden. Muß also noch etwas anderes wichtig sein.
Vielleicht sind einfach zu viele Schüler in der Klasse, die gar kein Deutsch sprechen u alle darauf warten müssen, bis die aufgeholt haben? Die gutgemeinte, aber schlecht gemachte Inklusion steuert auch noch ihren Teil dazu bei, daß es in den Klassen nicht voran geht. Einfach mal die Lehrer fragen. Und mal checken, wer wohl seine Kinder auf die stetig expandiere Anzahl von Privatschulen schickt, um Inklusion u Migranten im Unterricht zu meiden. Da sind sie wieder die Heuchler.

Lars Freudenberg | Do, 5. Dezember 2019 - 07:55

Also die Digitalisierung ist der herausragende Faktor bei der Lesekompetenz, wie kommt man den auf so eine These. Das Kinder in Zeiten des digitalen Wandels diese neuen Werkzeuge nutzen lernen müssen da stimme ich ihnen zu. Aber, das das der ausschlaggebende Punkt ist, für die Bildungsmisere in Deutschland ein soll, glauben sie doch nicht im Ernst.

Paul Baumann | Do, 5. Dezember 2019 - 08:05

Die PISA Studien gibt es schon so lange und immer schneidet Deutschland recht schlecht ab.
Unsere Kinder und viele Kinder meiner Freunde sind mittlerweile über 20 und haben bei schulischen Auslandsaufenthalten im Vergleich mit den Schülern anderer, bei PISA besser bewerteter Länder gut abgeschnitten und sind sogar in höhere Klassen eingruppiert worden.
Ich lese die Arbeiten, die eine 22 jährige im Studium schreibt, und ich bin immer wieder erstaunt, welche Fehler sich bei dieser jungen Frau einschleichen, die ihr Deutsch Abi mit 1 abgeschlossen hat.
(Email)Texte und Berichte junger Kollegen sind teilweise inhaltlich nicht zu verstehen und bedürfen immer wieder der Nachfrage. Darauf angesprochen reagieren sie mit Unverständnis. Es scheint ihnen einfach nicht wichtig sich schriftlich unmissverständlich auszudrücken, wie sei es sonst verbal gut können, wenn sie es wollen.
Und ich schreibe hier nicht von "Bildungsfernen".
Gutes und richtiges Schreiben scheint nicht in Mode zu sein.

Lars Freudenberg | Do, 5. Dezember 2019 - 08:26

Man sollte sich einfach fragen, warum an der spitze nur Asiaten stehen. Die haben noch das, was man Flicht Gefühl nannte Gegenüber den Eltern und der Gemeinschaft. Das liegt an ihrer Konfuzianischen Prägung, wie hatten, dass auch mal man nannte das die protestantische Arbeits-Ethik. (Max Weber) dazu kommen noch Faktoren, die allerdings schon in den Kommentaren hier ausgeführt sind. Wir Haben unsere Flicht und den Respekt gegenüber unseren vorfahren vergessen das, was sie uns hinterlassen haben und worauf unser Wohlstand fußt.

Man sollte bei den „Neuen Medien“ immer auch versuchen zu analysieren, ob etwas fördert oder behindert. „Ich will nichts wissen, es gibt doch Google“, ist natürlich fatal. Was macht das mit Kindern und Heranwachsenden?

Bildung und Wissen zu erarbeiten, kann harte Arbeit sein. Und der Gang in die Bibliothek sollte eine Pflicht sein.

Wäre ich Lehrer, gäbe es ein „Twitter“-Verbot im Unterricht, ein Verbot des schnellen Urteils. Mit diesen gegenwärtigen Urteils- und Meinungsautomaten wird auf lange Sicht Gesellschaft und Bildung zersetzt. Da hilft nur Askese.

dieter schimanek | Do, 5. Dezember 2019 - 13:56

......zu gebrauchen?
Nach dem jahrzehnte langen Herumgewurstel an der neuen deutschen Rechtschreibung und der ganz neuen gendergerechten Sprache, weiß niemand mehr so genau, wie er schreiben oder lesen soll. Die Schulbücher sind direkt nach dem Druck schon wieder veraltet. Am Besten, man kehrt zum Dialekt zurück, daran wurde wenigstens nicht herumgepfuscht.
Gell!

Siegfried Marquardt | Fr, 6. Dezember 2019 - 13:38

Nach wie vor bildet das Fach Mathematik einen starken Problemschwerpunkt. Es ist absolut unverständlich, dass die Deutschen Politiker nichts aus empirischen Erfahrungen und aus der Vergangenheit lernten: Finnland liegt in Serie beim OCED-Pisa-Verbleich seit Jahren ganz weit vorne. Und Finnland hat sich das Bildungssystem der DDR zu Eigen gemacht. Übrigens: Ende der Siebziger/ Anfang der Achtziger Jahre wurde durch ein internationales Team von Psychologen Kinder und Jugendliche u.a. auch aus der Bundesrepublik und der DDR einer Untersuchung zur Intelligenzentwicklung unterzogen (Anwendung des Leistungsprüfsystem von Horn, Progressive Matrizen,) . Dabei zeigte sich, dass die Kinder und Jugendlichen der DDR 10-IQ- Punkte besser abschnitten. Dies hing natürlich nicht mit einer besseren Entwicklung der Intelligenz zusammen, sondern mit dem Polytechnischen Bildungssystem der DDR! (das übrigens ursprünglich aus der Schweiz bzw. aus Frankreich stammte).
Siegfried Marquardt, Königs Wusterhause

Siegfried Marquardt | Fr, 6. Dezember 2019 - 13:40

Dies hat eindeutig etwas mit dem Deutschen Bildungssystem (in den Grundschulen) zu tun (methodisch-didaktische Defizite, Schreiben nach dem Gehör, synthetische Methode des Lesen-Lernens, Übungsdefizite,…) und kann nicht mit dem funktionellen Analphabetismus erklärt werden, wie die Bildungsministerin Karliczek am 03.12.2019 in den Nachrichten von welt.de sinngemäß erklärte, weil die Quote hier bei ungefähr 7,5 Prozent liegt (Rest 12,5 Prozent)! Das Bildungsniveau einzelner Schüler hängt eindeutig mit sozioökonomischen Faktoren zusammen – hier liegen die Differenzen bei bis zu 113 Punkten (fördernde sozioökonomische Bedingungen vs. beeinträchtigende sozioökonomische Verhältnisse). Und dies ist einfach erschreckend und hängt absolut nicht mit der Intelligenz der Jugendlichen zusammen, sondern mit den fördernden, positiven Angeboten und Anreizen im Elternhaus zusammen! (Angebote an Büchern, Lernmaterial, Computer, psychosozialen Bedingungen,…).

Siegfried Marquardt | Fr, 6. Dezember 2019 - 13:42

Neben Estland (525 Durchschnittspunkte), Finnland (516 Punkt) liegt China mit 579 Punkte im Durchschnitt beim PISA-Vergleich 2018 der OECD von 600.000 Neuntklässler aus 79 Ländern weit vorn in der Lese- und Rechtschreibkompetenz, in Mathe und in den Naturwissenschaftlichen Fächern! China überholt die Welt nicht nur ökonomisch, sondern nunmehr auch in Bildungsfragen beeindruckend! Die deutschen 14- bis 15-jährigen Mädchen und Jungen liegen leicht über dem Durchschnitt in den drei Kategorien Lese-Rechtschreib-Kompetenz (498 Punkte- Mittelwert 487 für Deutschland, 500 Punkte OECD-Mittel), Mathe (500 Punkte – Mittelwert 489 Punkte) und Naturwissenschaften (503 Punkte- Mittelwert 489) – sie haben sich aber im Vergleich zu den zurückliegenden Jahren von der kognitiven Leistungsfähigkeit her insgesamt vergleichsweise leicht verschlechtert (die Differenz beträgt immerhin 11 bzw. 14 Punkte). Bemerkenswert und gleichzeitig sehr traurig ist die Tatsache, dass ca. 20 Prozent der Neuntklässler n