Demokratie in der EU - Zeitumstellung? Wir brauchen eine Zeitenwende!

Europa muss seine Uhren nicht nur umstellen, sondern sie ganz neu ausrichten. Es braucht ein neues Zeitalter, in der Demokratie und das Votum der Wähler wirklich etwas bedeuten. Von Matthias Heitmann

Beim deutschen Aufreger-Thema Zeitumstellung stimmten 84 Prozent aller Umfrageteilnehmer für eine Abschaffung / picture alliance

Autoreninfo

Matthias Heitmann ist freier Publizist und Autor des Buches „Zeitgeisterjagd. Auf Safari durch das Dickicht des modernen politischen Denkens“ (TvR Medienverlag Jena 2015). Im Januar 2017 ist sein neues E-Book „Zeitgeisterjagd SPEZIAL: Essays gegen enges Denken“ erschienen. Infos zum Download unter www.zeitgeisterjagd.de.

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Matthias Heitmann

Bis Ende August 2018 konnten die wahlberechtigten Bürger in allen Ländern der Europäischen Union darüber abstimmen, ob künftig an der zweimal im Jahr stattfindenden Zeitumstellung festgehalten werden soll oder nicht. Das Ergebnis dieser Online-Befragung fiel eindeutig aus: 84 Prozent der Teilnehmer sprachen sich für die Abschaffung der Zeitumstellung aus. „Die Menschen wollen das, wir machen das“, sagte der Präsident der EU-Kommission Jean-Claude Juncker kurz nach Beendigung der Umfrage.

Brüsseler Demokratie-Simulation

Das klingt mega-demokratisch, wie man es sich wünscht: Der Souverän tut seine Meinung kund, und die gewählten Repräsentanten setzen dies um. Nur leider gibt es hier ein paar kleine Schönheitsfehler: Zum einen ist Jean-Claude Juncker kein von den EU-Bürgern gewählter Repräsentant, und das Volk ist daher auch nicht wirklich der „Souverän“. Ob Juncker das Ergebnis irgendeiner Umfrage zur Basis seines Handelns macht oder nicht, ist allein seine Sache.

Zum anderen muss der Fairness halber darauf hingewiesen werden, dass an der Umfrage zur Zeitumstellung gerade einmal 4,6 Millionen Menschen in der gesamten EU teilgenommen haben. Bedenkt man, dass in der Union rund 400 Millionen Menschen wahlberechtigt sind, ist dies eine unfassbar geringe Beteiligung: sie liegt bei etwa 1,15 Prozent. Jeder tatsächliche Volksentscheid oder jede Volksbefragung würde sofort wegen dieser extrem schwachen Beteiligung für krachend gescheitert erklärt, und niemand würde sich für das Ergebnis interessieren. Nicht so bei dieser Online-Befragung. Der Verdacht liegt nahe: Es war das vermeintlich klare Ergebnis, das Juncker aktiv werden ließ, und nicht dessen Zustandekommen.

Wie Mehrheiten herbeigewollt werden

Als ob die europaweite Beteiligung von rund 1 Prozent nicht schon niederschmetternd genug wäre – es kommt noch schlimmer, wenn man sich die genauere Verteilung ansieht: Von den 4,6 Millionen Teilnehmern der Befragung kamen mehr als drei Millionen aus Deutschland, also etwa zwei Drittel. Das macht bei den knapp 64 Millionen in Deutschland lebenden EU-Wahlbürgern eine Beteiligung von mageren 4,7 Prozent – und dies, obwohl das Thema Zeitumstellung als ein typisch deutsches Aufreger-Thema gilt. Noch minimaler war das Interesse aber außerhalb Deutschlands: Von den rund 336 Millionen außerhalb Deutschlands lebenden EU-Wahlbürgern haben 1,5 Millionen oder 0,45 Prozent an der Befragung teilgenommen. Und von diesen 0,45 Prozent haben 84 Prozent für die Abschaffung der Zeitumstellung gestimmt, also 0,36 Prozent.

Zum Vergleich: Die 17,4 Millionen Briten, die im Juni 2016 für den Brexit gestimmt haben, machen in der gesamten EU-Wählerschaft einen Anteil von 4,3 Prozent aus. Man stelle sich vor, Juncker hätte vergleichbare Maßstäbe in der Verallgemeinerung und Interpretation des Wählerwillens bei der Brexit-Abstimmung und bei der Befragung zur Zeitumstellung angelegt – er hätte quasi die sofortige Selbstauflösung der EU ausrufen müssen! Natürlich ist aber das britische Referendum mit einer EU-weiten Online-Befragung nicht zu vergleichen. Denn in Wirklichkeit ist die britische Entscheidung demokratisch höchst relevant. Auffällig ist nur, dass dies in Brüssel wie auch in Berlin offenbar anders gesehen wird.

Aufbegehren allenthalben

Es sind ja nicht nur die verschrobenen Briten, die mit den Brüsseler Eurokraten über Kreuz liegen. So wehren sich die Italiener dagegen, dass ihnen Brüssel in ihr Recht, den eigenen Staatshaushalt festzulegen, hineinredet. Man muss nicht Anhänger der offenkundig merkwürdigen italienischen Regierungskoalition aus Fünf-Sterne-Bewegung und der rechten Lega sein, um derlei Eingriffe in die Befugnisse einer legitimen Regierung zu kritisieren. Zur Erinnerung: Ein Staat, dessen gewählte Regierung über dieses Recht nicht verfügt, ist kein souveräner und damit auch kein demokratischer Staat. Dass die italienische Bevölkerung dies nicht gutheißen und sich weiter gegen die EU wenden wird, sollte nicht überraschen.

Die Ungarn wehren sich dagegen, dass ihnen die EU vorzuschreiben versucht, wie sie mit an ihren Landesgrenzen ankommenden Menschen umgehen sollen. Auch hier gilt: Man muss die Politik des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbàn nicht gutheißen, um anzuerkennen, dass die Ungarn selbst darüber zu entscheiden haben, ob sie die eigene Grenzpolitik verändern möchte oder eben nicht. Ein Staat, der das nicht kann, ist kein souveräner und damit auch kein demokratischer Staat. Nur weil einem die Politik der gewählten Regierung Orbàn nicht gefällt, kann man nicht einfach das Recht auf Grenzsouveränität infrage stellen. Tut man es dennoch, können sich selbst die größten Despoten als Freiheitskämpfer darstellen.

Die politischen Beben werden zum chronischen Tremor

Während also Italiener für ihr Recht eintreten, einen eigenen Staatshaushalt aufzustellen, und die Ungarn ihre eigene Grenz- und Einwanderungspolitik durchsetzen, so sind die Polen derzeit damit beschäftigt, das Recht auf eine eigene Rechtsprechung gegen Übergriffe aus Brüssel zu verteidigen. Erneut gilt: Ein Staat, der nicht über seine eigene Rechtsprechung verfügen kann, ist weder souverän, noch kann er demokratisch sein. Es gibt gute Gründe, die in Warschau regierende nationalkonservative Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) für ihren Umbau des polnischen Rechtssystems zu kritisieren. Wenn man aber demokratische Veränderungen in Polen erhofft, dann ist die Souveränität Polens eine politische Voraussetzung dafür.

Auch in den anderen EU-Staaten wirken ähnliche politische Fliehkräfte. Es scheint, als würden sich die früher vereinzelt auftretenden politischen Beben zu einer Art politischem Tremor verdichten: In Frankreich konnte der Wahlsieg des rechtsextremen Front National bei den jüngsten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen nur dadurch verhindert werden, dass sich das traditionelle Parteiensystem der Fünften Republik gewissermaßen selbst auflöste und einem „politisch unbelasteten“ Kandidaten vor die Füße warf. Auch in den Niederlanden und in den skandinavischen Ländern sind politische Kräfte auf dem Vormarsch, die einen Großteil ihrer Energie aus der Ablehnung der EU-Politik ziehen. Und selbst im EU-Musterland Deutschland werden die im nächsten Jahr stattfindenden Wahlen zum Europaparlament von der etablierten Politik mit großer Sorge betrachtet – weil man sich nicht sicher ist, wer dann im Kanzleramt sitzt.

Kolonialmacht Europäische Union 

Es gehört zu den zentralen Missverständnissen der Europäischen Union, dass sie dazu legitimiert und berufen fühlt, demokratische Werte gegen den Willen der Menschen durchzusetzen. An dieser Fehleinschätzung krankt das gesamte Konstrukt seit Jahrzehnten. Und womöglich wird es eines Tages genau daran scheitern, weil sich die Bürger immer weiter von diesem sich wie eine Kolonialmacht aufspielenden Apparat abwenden werden. Dass Brüssel darauf mit immer schrillerer Rhetorik reagiert, offenbart eine viel größere Ablehnung von Freiheit und Demokratie, als sie den als „rechtspopulistisch“ gebrandmarkten Regierungen in Rom, Warschau und Budapest unterstellt werden kann.

Die Sorge um den Fortbestand der dirigistischen Europäischen Union setzt den Ton in den zahlreichen Konflikten, die Brüssel derzeit auszufechten hat. Das erklärt auch, warum gerade im Umgang mit London das Interesse an einem geschmeidigen Scheidungsprozess zwischen der Union und dem Vereinten Königreich nicht groß ist. Da es an allen Ecken und Enden und sogar auch in den noch einigermaßen stabilen Regionen des gesamteuropäischen Gebäudes bedenklich im Gebälk knirscht und kracht, hat keiner der Insassen ein Interesse daran, einen für alle Seiten glimpflichen Austritt als reale politische Option zu erreichen.

Es ist Zeit für Demokratie!

Angesichts der flächendeckenden Dauerkrise sucht die Pro-EU-Elite nach positiven Nachrichten und gemeinschaftlichen Projekten. Der Versuch Junckers, das ihm gefallene Ergebnis einer kaum beachteten Online-Befragung zur Zeitumstellung zu einem solchen Projekt zu stilisieren, ist weder ein Indiz für dessen demokratische Erdung noch für den dringlichen Wunsch der Europäer nach Abschaffung der Zeitumstellung. Tatsächlich ist Junckers „Wir machen das“ Ausdruck der Ratlosigkeit und der Verzweiflung, da es offenbar nichts anderes zu geben scheint, von dem man sich Pluspunkte verspricht.

Ja, Europa braucht eine Zeitumstellung. Aber die, die wir wirklich brauchen, ist nicht damit zu erreichen, dass wir alle halbe Jahre im Wechsel den Stundenzeiger um eine Ziffer nach vorne und zurückdrehen. Was die politische Kultur in Europa braucht, ist eine demokratische Zeitenwende. Die gute Nachricht ist: Die ersten Wehen haben bereits eingesetzt. Die schlechte Nachricht ist: Da die Demokratie auf erbitterte Widerstände trifft, verhärten sich die Fronten, und es wird ungemütlicher. Das Ende der politischen Bequemlichkeit und der Aufbruch in die rauere See der Demokratie wird uns in Zukunft einiges abverlangen – dagegen ist das Verkraften der Zeitumstellung um eine Stunde wirklich nur Kinderkram! Egal wie spät es ist: Es ist höchste Zeit.

Hans Herzberger | So, 28. Oktober 2018 - 11:28

Mit dieser Umfrage will man suggerieren, das dass Volk gefragt und ernst genommen wird. Für wichtigere Entscheidungen, wird das Volk nicht benötigt, da wünscht man keine Volksbefragung. Also alles nur eine Alibiveranstaltung ! Die Institution EU ist schon lange überabeitungsbedürftig und in der jetzigen Konstellation bei den Europäern unbeliebt. Die EU ist alleine ein politisches Gebilde und keine Gemeinschaft der Völker und Menschen, dies wurde von Anfang an versäumt und auch nicht gewollt. Wie so etwas endet , kann man an vielen Beispielen der Vergangenheit sehen. Es endet in der Auflösung !

Christa Wallau | So, 28. Oktober 2018 - 11:31

Sie haben den Kern des Problems der EU erkannt:
Sie ist zutiefst undemokratisch!
Sie widerspricht permanent dem Prinzip der
Selbstbestimmung!

Dies sage ich seit langem.
Und ich füge hinzu:
Funktionierende Demokratie kann es nur in relativ kleinen Einheiten geben(Nationalstaaten sind da die äußerste Grenze!),und sie setzt gemeinsame
Kultur (gewisses geistiges Verständnis) voraus.

Alles andere ist (Selbst-)Betrug.
Den merken die Menschen halt - in einem Lande
früher, in einem anderen später, und in Deutschland offenbar zuletzt.

Jürgen Sauer | So, 28. Oktober 2018 - 11:57

Moin,
meiner bescheidenen Meinung nach:

Es wird ein ad hoc Bürgervotum benötigt.

Negatives Votum: sofortiger Stop eines Erlasses, Gesetzes o.a.

Negatives Votum gegen einen Amtsinhaber:
Sofortige Amtsenthebung, sofortiger Verlust der Pensionsansprüche aus diesem Amt. Verlust des passiven Wahlrechts für 3 Wahlperioden.

(Entspricht einer "Fristlosen" Entlassung aus wichtigem Grund - das Wirtschaftsanalogon)

Gisela Fimiani | So, 28. Oktober 2018 - 12:06

Eine treffliche Beschreibung der derzeitigen Zustände. Man muss INSTÄNDIG hoffen, dass dem Bürger die Verteidigung seiner res publica jede Anstrengung wert sein möge, um dem derzeitigen Despotismus des imperium paternale zu trotzen.

Sepp Kneip | So, 28. Oktober 2018 - 12:08

Eine sehr gute Beschreibung des Demokratieverständnisses der EU. Die EU ist ein undemokratischer Beamten-Koloss, der sich aus einer anfänglichen Interessenvertretung freier Staaten in ein Monstrum verwandelt hat, das die Staaten, denen es dienen soll, auffrisst. Über die Köpfe der Bürger hinweg werden Tatsachen geschaffen, die oft den Interessen der Bürger diametral entgegen laufen.

Die EU ist der verlängerte Arm der Globalisten, die ebenfalls an demokratischen Strukturen nicht interessiert sind. Im Gegenteil. Die demokratisch nicht legitimierten transatlantischen Strippenzieher bestimmen in Europa die Politik. Man kann in Europa wählen was man will, die globalistische Gleichschaltung der Parteien wird immer Politiker in die Regierungen heben, die der EU und den Globalisten zu Füßen liegen. Die Ausnahmen bilden einige osteuropäische Länder und einige Parteien, die sich nicht gleichschalten lassen wollen. Sie werden Zulauf erhalten, da man die Politik der Globalisten durchschaut hat.

Harald Pflüger | So, 28. Oktober 2018 - 12:10

Wie sagte doch J.C. Juncker:
"Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter - Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt." - in Die Brüsseler Republik, Der Spiegel, 27. Dezember 1999.

Soviel zu seinem Demokratieverständnis, schon 1999! So zu handeln hatten die EUrokraten allein seither nahezu 20 (verlorene) Jahre Zeit. Statt dessen bläst man den Ballon im immer schnelleren Rhythmus neu eintretender Staaten immer größer auf. Aber wohin entschwebt der Ballon, bis er paltzt? Gewiss nicht Richtung Demokratie. Trauerspiel!!

Gerdi Franke | So, 28. Oktober 2018 - 13:19

Dafür ist es wohl zu spät für die EU. Die Politiker der Gründerzeit sind fast alle ausgestorben. Die Welt heute hat andere Ansichten. Und die EU hat sich nicht darauf eingestellt. Jetzt ist sie inzwischen unfähig sich noch zu regenerieren und zu verändern. Es ist keine Einigkeit mehr zustandezubringen. Also wird weiterhin nur noch Geld verteilt solange eben welches vorhanden ist. Dann wird das Licht ausgemacht!

Christoph Kuhlmann | So, 28. Oktober 2018 - 13:40

Eine Verfassung, die nicht nur innerhalb der EU - Nomenklatura, sondern auch bei den Wählern in den Mitgliedsstaaten Zustimmung findet. Dieser müssten dann die Wähler von Beitrittskandidaten in freien Wahlen auch für ihr Land Gültigkeit verleihen. Alles andere ist im Grunde eine Entmündigung des Bürgers. Ich hoffe deshalb auf die Europa kritischen Parteien, die offenbar allein in der Lage sind das Ausmaß der Abtretung an Kompetenzen auf der europäischen am Willen der Wähler auszurichten. Denn dieser ist das einzig "heilige" in der Demokratie.

Ralph Lewenhardt | So, 28. Oktober 2018 - 13:56

Eine völlig neue Partei der Mitte mit Mehrheitschancen, bei gleichzeitigem endgültigen Niedergang von CDU und SPD. Kernpunkte des Programms:
1. Demokratiegesetze reformieren (Artikel 20 (2) GG!
2. EU-Reform:
Demokratie souveräner Staaten und Völker, sowie deren Verfassungen, notwendige EU-Kerngemeinsamkeiten definieren(Außenpol. und Natozugehörigkeit, Grenzen,Bildung, Struktur-Investprojekte), Euroaustritt schwacher Länder ermöglichen, weg von verdeckter Gemeinschaftshaftung und verdecktem Schuldenerlass.
Rechts davon AFD, links davon Grüne und Linke. FDP..... wird man sehen.
Dann sähe der Wähler wieder klarer.

Paul J. Meier | So, 28. Oktober 2018 - 13:56

Die Seismographen der politischen Beben werden immer höher ausschlagen. Man darf auf die Europawahlen nächstes Jahr gespannt sein. Bisher eher durch Desinteresse (43% Wahlbeteilung) gekennzeichnet, könnte sich das auf Grund individueller Unzufriedenheit ändern. Die Angst vor einem europakritischen Rechtsruck steht den "Brüsseler Spitzen" ins Gesicht geschrieben. Natürlich ist es schwierig so viele, teils sehr kontradiktorische Völkergemeinschaften unter einen Hut zu bringen. Umso unerlässlicher ist doch ein empathischer Umgang. Dass ein mit solcher Rücksichtslosigkeit geschwungenes Pendel irgendwann zurück schwingt, dürfte nur von völlig apathischen Artgenossen nicht erwartet worden sein. Dieser Tremor allerdings deutet nicht auf solches hin. Wie schwach die EU gegenüber ihrer Mitgliedsstaaten eigentlich ist, sieht man augenblicklich am Beispiel Italiens. Die Brüsseler werden sich dieser Hierachie bewusst werden müssen und eher Richtung Dienstleister, denn als Souverän entwickeln.

Jürgen Lehmann | So, 28. Oktober 2018 - 14:06

Ein sehr einleuchtender Artikel von Matthias Heitmann.

Es wurde leider nicht genügend herausgestellt, dass die EU keine politische Union ist – und daher versucht wird mit dirigistischen Maßnahmen „ERFOLGE“ zu erzielen, was natürlicherweise in einigen EU-Ländern zum Scheitern verurteilt ist.

Das EU-Musterland Deutschland gibt es doch auch nur auf dem Papier. Die Mehrheit dürfte schon länger das Thema EU satt haben. Dieses würde sich bei einer Volksabstimmung deutlich zeigen.

Wie ein Aufbruch in die rauere See der Demokratie für die 28 Mitgliedsländer aussehen soll steht in den Sternen.

Volkmar du Puits | So, 28. Oktober 2018 - 15:15

"Es gehört zu den zentralen Missverständnissen der Europäischen Union, dass sie dazu legitimiert und berufen fühlt, demokratische Werte gegen den Willen der Menschen durchzusetzen." Hier irren Sie: genau das ist Aufgabe der EU!

Bernhard K. Kopp | So, 28. Oktober 2018 - 15:30

Die haarstreubende Unprofessionalität der Juncker'schen Umfrage verbietet jedem Europäer, der noch halbwegs bei Trost ist, mit Juncker und seiner EU-Kommission das Thema überhaupt zu diskutieren. Ende der Debatte bis zur neuen Kommission.

Konrad Perfeud | So, 28. Oktober 2018 - 15:37

Das Problem der EU ist ja gerade, dass sie die nationale Basis der Demokratie überall (mit-)zerstört. Der EU geht es eben nicht um den Erhalt von funktionierenden Gesellschaften=Sozialgemeinschaften=Konsensverbünden. Sie will diese durch eine Utopie ersetzen, durch ein weiteres sozialistische Experiment. Deshalb sind ja gerade die linken Ränder in fast jedem Land so wild auf die EU.

Yvonne Walden | So, 28. Oktober 2018 - 15:40

Matthias Heitmann hat Recht. Von wirklich demokratischen Zuständen sind wir auch innerhalb der EU meilenweit entfernt. Denn das Sagen hat die Herrschende Klasse, die die sogenannten staatstragenden Parteien lenkt und steuert. Dies sind hier bei uns CDU, CSU, SPD, FDP und teilweise inzwischen auch DIE GRÜNEN, die nicht zuletzt deshalb vom Großkapital finanziell gesponsert werden, weil dadurch mit Macht verhindert wird, daß sich "eine linke Politik" durchsetzen kann. Nur: Kapitalistische Kräfte werden einer Zeitenwende, verbunden mit einer Wirtschaftsdemokratie, die einem Demokratischen Sozialismus gleichkommen würde, niemals zustimmen, weil ja dann ihre Machtposition (Eigentum an den Produktionsmitteln in den Hand der Herrschenden Klasse) entfallen müßte.
Dann schon eher eine Militärdiktatur mit Exekution des Parlamentarismus, der in der Tat nur eine Schein-Demokratie darstellt.
Zur Uhrzeit-Umstellung: Wählerinnen und Wähler könnten im Zuge der Neuwahl des EU-Parlaments abstimmen.

Monique Nilsen | So, 28. Oktober 2018 - 15:44

Es kommt also sehr auf die Sichtweise an. Es kommt auf den Zugang zur Demokratie an. Es kommt auf die Kontrolle zum Zugang zur Demokratie an. Es kommt auf eine Zeitumstellung in regelmäßigen Zeitabständen an.

Heidemarie Heim | So, 28. Oktober 2018 - 15:58

Da kann man Autor Heitmann nur zustimmen. Einerseits was die Lethargie und das scheinbare Desinteresse oder ist es schon Resignation der EU-Bürger?, was die EU betrifft. Andererseits hat man sich bei dieser Umfrage von vornherein auch nichts anderes erwartet. Und man frägt sich mittlerweile über Gurkenkrümmungsgrade oder Staubsaugerwattzahlbegrenzung hinaus, was oder wie Brüssel wirklich drängende Probleme gelöst bekommt, wenn`s noch nicht mal zu einer "Einig`Zeit" reicht. Deshalb für mich, (ich habe fleißig für die ewige Sommerzeit gestimmt;), ein Gradmesser für die Wahlbeteiligung nächstes Jahr und für die Funktionstüchtigkeit der Wertegemeinschaft. MfG

Heinrich Niklaus | So, 28. Oktober 2018 - 16:38

Gratulation, Herr Heitmann, der Artikel spricht einem aus der Seele!

Karla Vetter | So, 28. Oktober 2018 - 19:43

Der Artikel bringt es auf den Punkt. Diese EU ist stark, wenn es um randständige Probleme wie die seit 38 Jahren gültige Zeitumstellung geht. Da werden peisgünstige, unrepräsentative Ergebnisse hochgejubelt, statt eines Quorums von 20 oder 25%,wie das bei einer wirklich demokratischen nötig wäre ,dominiert deutsche Nörgelei. Dass man in manchen Ländern deren Königsrecht ,die des Haushalts, zwangsweise außer Kraft setzen möchte rundet das verheerende Bild nur ab.

Horst Weber | Mo, 29. Oktober 2018 - 09:20

Die Zeitumstellung war von vornherein ein Versuch, politisch für die sogenannte "Wirtschaft" vorteilhafte Zeitfenster im Konsumverhalten der Bevölkerung zu schaffen.
Das hat so nicht funktioniert. Stattdessen gab und gibt es bis heute bei vielen Menschen völlig unnätige Störungen ihres Zeitgefühls, des Schlafverhaltens, der nervlichen Ausgeglichenheit - allein durch die 2x jährlichen Zeitumstellungen.
Auch wenn "nur" 1,7% der EU-Bevölkerung sich an den Umfragen zu Pro und Kontra Zeitumstellung
beteiligt haben, so ist der an dieser Thematik interessierte Anteil durchaus repräsentativ. Immerhin werden auch Wahl-Hochrechnungen mit relativ wenigen Befragten erzeugt.
Zudem würde Merkel sich auch mit einer Wahlbeteiligung von 1,7% und deren 87% ìger Zustimmung gewählt fühlen. Nach unten gibt es keine Grenzen !

Robert Flag | Mo, 29. Oktober 2018 - 10:51

In erster Linie war die Beteiligung an besagter Umfrage wohl deshalb so gering, weil kaum jemand von ihr wusste. Ist aber eigentlich auch egal.
Denn das Bild welches sich jetzt ergibt, wenn es um die Umsetzung geht, ist mal wieder typisch und symptomatisch. Es beschreibt in Kürze und Prägnanz den Zustand des Bürokratiemonsters EU: Sie können sich dort nämlich mal wieder nicht einigen. Wie will eine Organisation, die es nichtmal schafft die Uhren nicht mehr umzustellen, mit all den wirklichen Herausforderungen der Zukunft fertig werden ?