Sozialdemokratie - Warum der linke Kampf gegen Rechts in eine Sackgasse führt

Links zu sein, bedeutet oft nur, gegen Rechts zu sein. Das ist das Selbstverständnis der Kreise, in denen sich unter Autor bewegt. Als Sozialdemokrat weist er seiner Partei eine Mitschuld am Aufstieg der AfD zu. Statt Rechts zu bekämpfen, müsse sie wieder Stimme der Ungehörten werden

Menschen zeigen bei der Demonstration unter dem Motto «#WIRSINDMEHR - Aufstehen gegen rechte Hetze» ein Plakat mit «Rote Karte gegen Rechts». Zur Teilnahme aufgerufen hat das linke Bündnis «Essen stellt sich quer». Anlass sind die fremdenfeindlichen Aufmärsche in Chemnitz.
In der Sackgasse: Der Kampf gegen die AfD nutzt vor allem der AfD / picture alliance

Autoreninfo

Clemens Traub ist Politik-Student an der Johannes-Gutenberg-Universität zu Mainz und SPD-Mitglied. Momentan ist er Werkstudent beim ZDF in der "heute"-Redaktion.

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Dieser Tage wird der „Kampf gegen rechts“ von Seiten der Linken ausgerufen. In ihrer Vorstellung muss das rechte Gedankengut mit aller Vehemenz im Kern erstickt werden. Ob in der U-Bahn, auf Facebook oder am Stammtisch. Widerstand leisten, als Akt der Demokratieverteidigung. Nur so lässt sich das Rechte in ihren Augen bekämpfen.

Ganz klar, auch mir bereitet der Rechtsruck der vergangenen Jahre große Sorge. Jedoch habe ich in den letzten Monaten den Eindruck, dass der linke Kampf gegen rechts in eine Sackgasse führt. Vor allem: Die linken Parteien tragen mit ihrem eigenen politischen Versagen einen ganz erheblichen Mitanteil am Aufstieg rechter Parteien. Des einen Abstieg, ist des anderen Aufstieg. Selbstkritik sollte das linke Gebot der Stunde sein.

„Kein Bock auf Nazis“

Aufkleber auf urbanen Straßenlaternen taugen nicht als Spiegel der Gesellschaft, jedoch als messerscharfer Einblick in das politische Seelenleben meines linken Bekanntenkreises. Auf ihnen sind Slogans wie „FCKAfD“, „Nazis raus“ oder „Kein Bock auf Nazis“ zu lesen. Meine Freunde halten es für einen pointierten Protest gegen rechts. Ich begreife es als das, was es ist. Eine inhaltsleere Plattitüde. Viel davor, wenig dahinter. Viele meiner Bekannten haben das Bild einer moralischen Zweiklassengesellschaft.

Es gibt „Hell- und Dunkeldeutschland“. Vegane Kochabende in Freiburg ringen gefühlsmäßig im Kampf um die Zukunft Deutschlands gegen Pegida-Aufmärsche in Dresden. Das Total-Gute gegen das Total-Böse. Dabei kopieren sie in ungewollter Weise oftmals das Schwarz-Weiß-Denken des politischen Feindes. Das kritisierte Stilmittel der persönlichen Verachtung des politischen Gegenübers wird sich selbst angeeignet. Egal ob auf Twitter, in der Universität oder, noch viel schlimmer, bereits im Bundestag.

Das Pathos des „Guten“ 

Die wichtige Unterscheidung zwischen Funktionären und Wählern der AfD wird selten gemacht. Meine Freunde hinterfragen kaum, weshalb die AfD bei einem nicht unwesentlichen Anteil der Bevölkerung populär ist. Eine kluge Gegenwartsanalyse als Anleitung im Kampf gegen rechts: Mangelware. Sie leiten ihr antifaschistisches Vorgehen vor allem aus den nicht zu Ende gedachten Überlegungen über die Machtergreifung in der Weimarer Republik ab.

Übertragen auf die heutige Zeit heißt dies, dass ganz nach dem Credo „Wehret den Anfängen“, jede Gegendemonstration zur ultimativen Rettung unserer Demokratie wird. Ein stilisiertes Pathos des Guten. Dabei ist eine kämpferische Rigorosität immer der erste Feind der feinen Grautöne. In der Konsequenz erleben wir einen vergifteten Diskurs von beiden politischen Polen. Die strategischen Köpfe der AfD lachen sich ins Fäustchen. Die politische Mitte wirkt leider wie ein Relikt vergangener Tage.

Die Stimme der Ungehörten

Die AfD ist ungebrochen Anlaufstelle für Bürger, die ihren Unmut artikulieren. Doch wie kann der Aufstieg der AfD und die Spaltung der Gesellschaft tatsächlich überwunden werden? Ausgangspunkt muss immer die Frage sein, warum sich viele Bürger nicht mehr von den politischen Parteien vertreten fühlen. Dabei sticht vor allem die Anziehungskraft der AfD bei vielen ehemaligen Wählern der SPD, der Linkspartei und den Nichtwählern ins Auge. Den Ungehörten, die den linken Politikern unserer Tage, den Rücken kehrten. In ganz Europa verwandelten sich einstmalige sozialdemokratische Hochburgen in rechte Hochburgen.

Statt rot, wählt man zumindest zu einem großen Anteil lieber blau. Doch, statt die AfD, mitsamt ihren Wählern, als den Inbegriff des Bösen zu dämonisieren, sollten linke Parteien vor allem wieder eine radikale Selbstkritik wagen. Vor der eigenen linken Haustür kehren. Dies ist der wirksamste Kampf gegen rechts! Denn die einseitige Ausgrenzung möglicher AfD-Sympathisanten führt zu einer noch engeren Bindung an ihre neue Parteiliebe. Je heftiger von außen eingedroschen wird, desto stärker die blaue Gemeinschaft im Inneren. Ein Opfermythos entsteht, der ganze Berge versetzen kann und in unserem Fall, ein ganzes Parteiensystem.  

Globalisierung versus Spießigkeit

Es geht zurzeit ein Riss durch unsere Gesellschaft zwischen jenen, die Globalisierung und kulturelle Öffnung unseres Landes als Bereicherung begreifen und jenen, die in ihr eine Bedrohung sehen. Verkürzt gesagt: Somewheres gegen Anywheres. Berlin-Kreuzberg gegen Bad Kreuznach. Meine Lebenserfahrung: Engagierte Sozialdemokraten sind heute überwiegend kulturbeflissene Akademiker. Kosmopoliten. Zwei Sonnensysteme prallen aufeinander. Globalisierung und kulturelle Entgrenzung galt als Wunderwaffe gegen Engstirnigkeit und Spießigkeit. Aus Linken wurden insgeheim Liberale.

Die meisten meiner Juso-Freunde sind Akademiker. Kampf gegen Sexismus liegt ihnen in ihrer liberalen Lebenswirklichkeit näher als der brutale Konkurrenzkampf auf dem Wohnungsmarkt. Die allermeisten haben perfekt verinnerlicht, wie die individualisierte Wissensgesellschaft tickt. Begünstigte unserer Zeit eben. Aus materiellem Überleben wird bei ihnen ästhetische Lebenskunst. Ein Habitus entsteht, der so kaum der Alltagswelt der „normalen Leute“ entspricht.

Schöne neue Welt  

Auch ich, Akademikerkind, nehme mich in dieser Selbstkritik nicht aus. Ich durfte das Leben immer von der Sonnenseite aus betrachten. Gebürtig aus dem Karlsruher Speckgürtel. Dem wirtschaftsstarken Süden. Arbeitslosigkeit gab es in meiner Vorstellungswelt nur in Reportagen über Mecklenburg-Vorpommern. Globalisierung bedeutete für mich Erasmus-Studium in Paris und die Interrail-Tour in Südeuropa. Eben schöne neue Welt. Doch was, wenn nicht jeder in dieser Gesellschaft an der angeblich schönen neuen Welt teilhaben darf? Unmut ist unvermeidlich.

Die SPD „muss wieder dorthin zurückgehen, wo es brodelt, riecht und stinkt“, sagte Sigmar Gabriel 2009 auf dem SPD-Parteitag in einer glänzenden Rede. Das gilt für linke Parteien allgemein. Die SPD muss wieder beginnen, auf der Seite derer zu stehen, die sich in der Parteienlandschaft nicht mehr repräsentiert sehen. Ein Anwalt derer werden, die nicht von den gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüchen der letzten Jahrzehnte profitiert haben. Linkssein muss heißen: Sicherheiten im Wandel garantieren.

Auf der Schattenseite des Lebens 

Der Apparat der linken Parteien muss wieder geöffnet werden für Menschen, die auch die Schattenseite des Lebens kennen. Die die Sprache und den Habitus der Straße verstehen. Die Realismus und Linkssein nicht als Widerspruch verstehen, sondern als sich gegenseitig bereichernde Grundlagen einer ungeschönten Sicht auf die Welt.

Man stelle sich nur mal eine Parteispitze der SPD vor, die aus einem Gelsenkirchener und einer Brandenburgerin besteht. Ein Sprachrohr des Durchschnittbürgers mit seinen Alltagsproblemen eben. Eben wieder das sein, was Sozialdemokratie ursprünglich bedeutete. Eine Sozialdemokratie, die keine Alternative von rechts als notwendig erscheinen lässt.  



 

Manfred Bühring | Fr, 25. Oktober 2019 - 11:46

Ausgezeichnete Analyse eines jungen Sozialdemokraten, dem wenig hinzuzufügen ist. Nur zwei Bemerkungen:
1. Sigmar Gabriel hätte als SPD-Vorsitzender die Chance gehabt, das "Pack", wie er es bezeichnete, wieder an die SPD zu binden und tatsächlich dahin zu gehen, wo Menschen vor lauter Schwerstarbeit stinken und schwitzen. Doch statt dessen folgt die SPD vor lauter PC in blinder Verklärtheit der Gretaisierung unserer Gesellschaft. Chance vertan.
2. Vielleicht sollte sich die SPD an der dänischen Sozialdemokratie ein Beispiel nehmen, die sehr wohl die Signale des Volkes gehört hat und einen Schwenk in der Flüchtlingspolitik vollzogen hat.

Stefan Forbrig | Fr, 25. Oktober 2019 - 12:20

Gut gebrüllt, Löwe!
Und nun Herr Traub, setzen Sie das, was Sie richtigerweise analysiert haben, mal in Ihrer SPD in die Tat um. Bei Figuren wie Lauterbach, Schavan, Scholz und Stegner. Da lache ich mich doch tot.
In Ihrer Analyse stößt mir Ihr "hätte, könnte, wollte, müsste" gerade bitter auf.
MACHEN, Herr Traub, MACHEN. Und nicht erst jetzt, sondern vor 2 Jahren, als die SPD noch hätte gerettet werden können. Nicht mal jetzt, wo die SPD von Dänemark hätte lernen können, wie man die Kurve kriegt, ist auch nur ansatzweise ein Lerneffekt sichtbar.
Jetzt geht nur noch "Lernen durch Schmerz". Und dieser Schmerz wird höllisch werden, das kann ich Ihnen garantieren.

Hans Page | Fr, 25. Oktober 2019 - 12:38

Gute Politik muss sich in konkreten Aktionen für die Bürger bewähren. Daran fehlt es bei der Groko und bei der SPD. Wenn man erlebte Probleme ausklammert weil sie „rechts“ sind, ein großer Teil der Bevölkerung diese Probleme aber als real erlebt, dann wenden sich die Bürger/Wähler dorthin wo man ihnen zuhört.

Klaus Peitzmeier | Fr, 25. Oktober 2019 - 13:01

Linke u Grüne sollten sich auferlegen, Bewertungen wie Nazis, Faschisten u analoge Begriffe eine Zeitlang zu verkneifen. Ich möchte behaupten, daß es richtige Faschisten u Neonazis in Deutschland fast nicht gibt.
Ein Beispiel: Vor der letzten Bundestagswahl kam Gauland in unsere Kleinstadt mit ca. 12.000 Einwohnern u kaum AfD Mitgliedern. Ein echtes Ereignis. Etwa 150 - 200 Bürger wollten sich Gauland anhören. Die mußten durch ein von GRÜNEN u SPDlern organisiertes Spalier in die Veranstaltungshalle laufen u wurden dabei wüst als Nazis u Faschisten beschimpft. In diesem Moment waren 200 neue Nazis u Faschisten kreiert. Und irgendwann stumpft die das ab. Dann sagt man sich, wenn das Faschisten sind, dann ist Faschismus ja gar nicht so schlimm. Denn da werden oft interessierte Menschen beschimpft, die bisher einen tadellosen Leumund hatten. Da werden unbescholtene Bürger stigmatisiert u der AfD zugetrieben. Das ist dumm.

Ihr Kommentar hat mich sehr berührt. Sehr anschaulich zeigen Sie, wie totalitär und selbstgerecht die Altparteien geworden sind (nebenbei bemerkt: Ich finde den Begriff "Altparteien" - auch wenn mal wieder gesagt werden könnte, er stamme von der AfD und sei bereits von den Nazis verwendet worden, völlig ins Schwarze treffend. Von der linken Sprachpolizei lasse ich mir mein Vokabular ohnehin nicht verbieten). Gerade Ihr Beispiel zeigt wieder einmal, wie ranzig und abgestanden die CDU und SPD inzwischen geworden sind. Wichtig ist, sich seine eigene Meinung von niemanden und nichts rauben zu lassen. Es ist immer noch wichtiger, guten Gewissens in den Spiegel schauen zu können, als ein tagtägliches Bad im Mainstream zu nehmen. Nein, es ist nicht bloß Merkel, bei der alles, was sie anfasst, daneben gerät, es sind auch ihre Partei und ihre Lakeien, die ihr wie die Lemminge folgen. Die SPD ist sowieso keinen Deut besser. Und bei der Erwähnung derGrünen werde ich inzwischen grün im Gesicht.

Helmut Bachmann | Fr, 25. Oktober 2019 - 13:15

Diese gewollte Unschärfe des Begriffs "rechts" ist nervend. Leider versteht der Autor Politik wohl vor allem als Volkserziehung. Wenn nur alle an der schönen "akademischen" globalisierten Welt teilhaben können, dann wählen sie auch wieder brav die SPD? Ist das nur Naivität, oder schon Arroganz? Auf jeden Fall zeugt der Beitrag leider von völligem Missverstehen des Klientels der SPD. Die Schwarz-weiß Sicht auf Globalisierung und das "Alte" ist sicher der Jugend geschuldet, was es inhaltlich aber nicht besser macht.

Herr Bachmann, da ist Ihnen aber , glaube ich, was in den falschen Hals geraten. Der Autor schreibt: "Die SPD muss wieder beginnen, auf der Seite derer zu stehen, die sich in der Parteienlandschaft nicht mehr repräsentiert sehen. Ein Anwalt derer werden, die nicht von den gewaltigen gesellschaftlichen Umbrüchen der letzten Jahrzehnte profitiert haben. Linkssein muss heißen: Sicherheiten im Wandel garantieren".
Dieses Ziel kann doch nur TATKRÄFTIG erreicht werden. Da hätte ich mir allerdings konkrete Beispiele gewünscht. Es geht dem Autoren mitnichten um "Erziehung", was gemeinhin schon Domäne der Linken ist. Ich empfinde den Artikel gerade deswegen so gut, weil er dazu aufruft, die Realitäten zu sehen und nicht die Ideologie.

Helmut Bachmann | Fr, 25. Oktober 2019 - 17:30

In reply to by Gast

ich habe zwischen den Zeilen gelesen. Das Unkonkrete ist mir dabei aufgefallen. Bloß niemandem weh tun. Ich hoffe aber, ich habe falsch interpretiert.

helmut armbruster | Fr, 25. Oktober 2019 - 13:53

unterstellen sie wie selbstverständlich, dass das heutige "rechts" identisch mit den Nazis sei und so eine Art Wiederbelebung der Nazi-Ideologie.
Das ist weit über das Ziel hinaus geschossen.
Und es ist in etwa so, wie wenn die heutigen "Rechten" die heutigen Linken gleichsetzen würden mit einem Kommunismus stalinistischer Prägung.
Das wäre ebenfalls weit über das Ziel hinaus geschossen.
Seltsamerweise sind es nur die Linken, die ggü den Rechten eine solche Gleichsetzung vornehmen. Die Rechten tun das nicht, obwohl diese Keule zum Zurückschlagen fertig bereit liegt.
Die Linken werden jetzt sagen, die Keule ist gar nicht benutzbar, denn wir sind längst keine Stalinisten mehr. Wenn sie jedoch wollen, dass dieses Argument gehört wird, dann müssen die Linken den Rechten dasselbe zugestehen, nämlich, dass die Rechten auch keine Nazis mehr sind.
Mit ein bisschen mehr Sachlichkeit und weniger Klischeedenken müsste es doch möglich sein, dass die Linken dies den Rechten zugestehen.

gabriele bondzio | Fr, 25. Oktober 2019 - 14:11

Wenn man Gegenwartsanalysen in DE, seitens links-grüner Nazi-Rufer, fertigbrächte. Sähe die Zukunft garantiert nicht mehr so schön bunt aus. Und so legt man halt jegliche Problematik, die momentan kaum zu übersehen ist, zu den Akten. Die dauerhaften Dämonisierungen stoßen jedoch an Grenzen. Viele Bürger im Osten haben zudem schon einmal erlebt, wie das Dach ihrer bisherige Lebensleistung von heute auf morgen, zusammengebrochen ist. Ich glaube, das im Regen zu sitzen, war für viele ostdeutsche Bürger eine sehr einschneidende Erfahrung. Und wenn man dazu überlegt, dass die AfD ja nicht allein regieren würde. Ist das Credo „Wehret den Anfängen“, gegen die Sorgen und Ängste der Menschen, eine inhaltsleere Plattitüde. Für die SPD sehe ich kaum noch Chancen.

Stefan Jurisch | Fr, 25. Oktober 2019 - 14:12

2009 gehalten hat, dann würde ich sagen, hat der mit seinem Satz (s. oben) wohl das Gegenteil erreicht. Die SPD ist der Wirklichkeit noch mehr entrückt als sie 2009 schon war. Kein Wunder, dass sie immer weiter gen Einstelligkeit schrumpfen (was sie ja in Thüringen laut Umfragen schon geschafft haben). Ja, die Basis kümmert sich schon manchmal noch um den normalen Arbeiter, aber das Gesicht der Partei (hat sie noch eins?), sprich die Funktionärsriege und die Bundestagsabgeordneten, die haben mit der Realität doch wirklich kaum noch etwas zu schaffen.

Hans Schäfer | Fr, 25. Oktober 2019 - 14:34

Rechts wird zur Machterhaltung von den sogen. Altparteien mit Hilfe der Mainstream-Medien instrumentalisiert!
Herrn Traub bereitet der Rechtsruck „der letzten Jahre“ große Sorge.
Wie definiert er Rechtsruck. Findet ein Rechtsruck bereits statt, wenn man verlangt, dass bestehende Gesetze eingehalten werden müssen- nichts anderes verlangt die AfD. Ist dies nicht selbstverständlich. Wozu gibt man sich Gesetze, um sie zu brechen?
Seine akademischen Juso-Freunde hinterfragen nicht, weshalb die AfD bei einem nicht unwesentlichen Teil der Bevölkerung populär ist. Vielleicht wirkt bei ihnen die ständige negative Berichterstattung –steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn diese, kommende akademische Juso-Elite schon nicht hinterfragt, wie kann man es von OTTO verlangen.
Öffnung unseres Landes „darf nur“ unter Anwendung der bestehenden Gesetze als Bereicherung angesehen werden. Alles andere wäre Rechtsbeugung. Wenn man dies will, muss man die bestehenden nach demokr. Regeln ändern.

Katrin Oppermann | Fr, 25. Oktober 2019 - 14:38

Lieber Herr Traub, wunderbarer Artikel. Chapeau. Solange es solche Nachwuchspolitiker wie Sie bei der SPD gibt, habe ich noch ein wenig Hoffnung, dass sich bei den SPD Alt-Vorderen die verbretterten Denkkästchen doch noch ein wenig öffnen könnten.

Alice Friedrich | Fr, 25. Oktober 2019 - 14:56

was Sie beschreiben ist eine in der Psychologie altbekannte Tatsache: Ist bei einem Paar der eine leichtsinnig mit dem Geld, der andere sparsam, so wird der eine oft im Laufe der Zeit immer sparsamer, evtl sogar geizig, der andere haut das Geld..jetzt erst recht…voll zum Fenster raus .Aus einem normalen Problem der Alltagsbewältigung wird jetzt ein Machtkampf, der mit moralischen Argumenten und Schuldzuweisungen geführt wird, die Realität tritt in den Hintergrund.
Genauso sehe ich den „Kampf“ gegen rechts; das „Wehret den Anfängen“ ist die gleiche Kampfrhetorik.
Aber es geht nicht um moralisch überhöhte Ideologie. Es geht um die Realität, schlicht und einfach.
Ist es so schwer zu erkennen, dass die Globalisierung auch eine soziale Seite hat? Dass international aufgestellte Unternehmen ihre Arbeitnehmer und auch die Nationalstaaten gegeneinander ausspielen? Dass die Gewinne der Unternehmen steigen, während gleichzeitig immer weniger Arbeitnehmer sichere Arbeitsplätze haben?

Manfred Sonntag | Fr, 25. Oktober 2019 - 15:23

Prima Artikel. Aber Änderungen sind nicht mehr zu erwarten. Im Beitrag ist ja schon das Dilemma beschrieben. In den Hierarchien der Parteien und Medien sitzen doch die notorischen Besserwisser. Diese Herrschaften werden doch die Macht niemals freiwillig abgeben. Jeder sollte bei diesen Themen das Buch von Douglas Murray "Wahnsinn der Massen" lesen. Da ist ein Abgrund beschrieben, der sich mit meinen Erfahrungen deckt.

Andreas Zimmermann | Fr, 25. Oktober 2019 - 15:41

Schöne Analyse! Ich kann das als ehemaliger Linker bestätigen voll stätigen. Links wählen? Damit habe ich schon nach dem Militäreinsatz auf dem Balkan aufgehört. Ich war Nichtwähler bis zur Kommunalwahl in Berlin 2016. Seit habe ich wieder an allen Wahlen teilgenommen und nur noch die AFD gewählt. Das werde ich auch weiter tun egal wie die da oben darüber wüten! Ich weiß gar nicht wie viel Scheiße die AFD bauen muss um in dieser Frage das Niveau der Altparteien zu erreichen und die anderen erhöhen ja noch ständig die Obergrenze durch ihre "Regierungstätigkeit" und ihr mediales Dauerfeuer. Ja, in dieser Frage bin ich inzwischen richtig bockig. Denn ich sehe in Berlin schon genug Verstrahlte regieren und auch rumrennen - Berlin die Modellstadt für den Rest des Landes. Oder um es mit einem Zitat des berühmten Berliner Malers Max Liebermann zu sagen: „Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.“

Brigitte Miller | Fr, 25. Oktober 2019 - 16:15

dass "Slogans wie „FCKAfD“, „Nazis raus“ oder „Kein Bock auf Nazis“ inhaltsleere Plattitüden sind, ihre Wirkung jedoch ist verheerend und hächst ungesund.
Wer von "Spaltung" spricht, sollte sich bewusst sein, dass er so genau diese Spaltung fördert: sich überlegen und als nur "gut" fühlend und darstellend , Andersdenkende/fühlende als schlecht und Nazi bezeichnend.
Mit welchem Recht?
So geht das nicht.

Bernhard K. Kopp | Fr, 25. Oktober 2019 - 18:14

In reply to by Gast

Sie, und alle anderen haben natürlich recht. Aber im täglichen Hamsterrad um medialer und innerparteilicher Aufmerksamkeit dient der " Kampf gegen Rechts " usw. als einfaches Mittel um die richtige Gesinnung und Haltung zu demonstrieren. Ein sehr großer Teil der innerparteilichen Konkurrenzkampfes wird über diese Schiene ausgetragen. Die Spaltung der Gesellschaft, die Vergiftung des diskursiven Klimas, der Verlust von eigenen Mitgliedern und Wählern, wird billigend in Kauf genommen solange es darum geht eigene Pfründeposten ohne Leistungserfordernis zu behalten.

Heidemarie Heim | Fr, 25. Oktober 2019 - 18:12

Gut analysiert lieber Herr Traub! Nur sind Ihre Erkenntnisse scheinbar leider nicht in Deckungsgleichheit mit der Masse an Parteifunktionären zu bringen, die sich lieber seit langer Zeit mit sich selbst beschäftigen. Währenddessen man den Bau einer immer massiver werdenden Wagenburg aus blauer Konkurrenz und den nicht mehr Beachteten und Ungehörten noch unterstützt mit diesen Streufeuer- Kampfkampagnen gegen rechts.
Dasselbe trifft jedoch auf alle anderen Parteien zu,
die aber bisher weit weniger Schwund zu verzeichnen haben. MfG

Ernst-Günther Konrad | Fr, 25. Oktober 2019 - 18:17

gut analysiert, doch zu spät Herr Traub. Wie viele hier zurecht schreiben, hat die SPD ihre Zeit gehabt und nicht genutzt. Gorbi wird immer immer wieder nachgesagt er soll mal von sich gegeben haben:
" Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."
Nun der Wähler straft gerade die SPD ständig ab und ist noch nicht fertig. Thüringen steht an. Den Rest des politischen Suizids erledigt die SPD mit Bravour selbst. Traurig, aber eben auch notwendig.

Stefan Forbrig | Fr, 25. Oktober 2019 - 18:28

… ein kluger Satz ein, den ich mal von einem klugen Menschen gehört habe:

"Rechts wird man nicht dadurch, daß man Rechten zuhört. Rechts wird man, indem man Linken zuhört".

Der Satz ist nicht nur gut, sondern auch wahr.

Regina Müller | Fr, 25. Oktober 2019 - 20:05

Ich, bereits 68, erinnere mich an meine Kindheit. Da war eine Familie mit 10 Kindern, sozial natürlich schwach, Kinder trugen die Sachen der Älteren, das sah man. Also wir "Privilegierten". Nein ja nicht mit denen spielen. Wir spielen nicht mit Schmuddelkindern. (Links gegen AFD).
Nach 40 Jahren sah ich meine Schulkollegin wieder. Aus einer schmuddeligen "ich spiel nicht mit dir" wurde ein Schwan. Selbstständig - gut situiert. Ich schäme mich bis heute für mein Verhalten. Und ich habe es ihr gesagt, dass ich mich schäme bis heute.
Bindet doch die AfD in die Diskussionen ein. Redet mit ihr. Entweder ist sie gar nicht so gaga, wie sie dargestellt wird, oder sie erledigt sich bald von selbst. Lasst doch die Wähler entscheiden !!!

Don Johnson | Fr, 25. Oktober 2019 - 21:41

2009 auf dem SPD-Parteitag in einer glänzenden Rede
2009?
da hat wohl keiner zugehört, oder doch, alle fanden das gut, hat aber keiner gemacht
hahaha die S-Party war also schon 2009 ein Witz

Barbara Ebert | Sa, 26. Oktober 2019 - 04:58

der Artikel zeugt von geistiger Selbstüberschätzung

Tomas Poth | Sa, 26. Oktober 2019 - 19:11

Verzeihung, aber dieser Beitrag spiegelt eigentlich nur die Einseitigkeit unserer politischen Landschaft wider, alles was nicht Mitte-Links ist wird Rechtsaußen einsortiert.
Konservatismus und Patriotismus finden nur Ablehnung, Ausgrenzung und Verurteilung.
Wahlbürger, die eine klare Abgrenzung bezüglich Migration und Asyl wollen, die mehr Demokratie mit Volksentscheid befürworten, einen EU-Bundesstaat ablehnen, die Euro-Konstruktion für falsch halten und vieles mehr, diese holt man nicht in die Altparteien zurück. Der Zug ist abgefahren, es sei denn die Altparteien greifen die aufgelisteten Punkte auf, aber sie scheuen diese wie der Teufel das Weihwasser.

Juliana Keppelen | So, 27. Oktober 2019 - 10:19

zunächst an Herrn Traub für die gute und richtige Analyse und Danke an die vielen guten Kommentare und Danke an Cicero der alle zu Wort kommen läßt.