Postscriptum - Diesel

Der Dieselsgate trägt jetzt auch jene Endung, die eine Analogie zu Watergate ist. In Wahlkampfzeiten ist das damit ein Fall für die Politik. Aber darf man heute überhaupt noch sagen, dass man einen Diesel fährt?

Illustration von Alexander Marguier.
Illustration: Anja Stiehler

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Alexander Marguier ist Chefredakteur von Cicero.

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An dieser Stelle war schon einmal von unserem alten Golf die Rede, Baujahr 2000. Der konkrete Anlass ist mir entfallen. Aber erwähnte ich damals, dass es sich um einen Diesel handelt? Darf man das heute überhaupt noch laut sagen? Ich verstehe nicht viel von Antriebstechnik, kann allerdings guten Gewissens behaupten: Was die damals bei VW an Motoren eingebaut haben, funktioniert ziemlich zuverlässig. Weniger Verlass ist da offenbar auf die Schadstoffangaben. Das hat zwar bis vor kurzem niemanden so richtig interessiert, aber schlimm ist es natürlich schon. Und wo der Skandal groß ist, ist die Analogie zu Watergate nicht weit, gewissermaßen die Mutter aller Skandale: „Dieselgate“ also.

Jedes „-gate“ ist bekanntlich ein Fall für die Politik, in Wahlkampfzeiten zumal. Weshalb der sozialdemokratische Hoffnungsträger Martin Schulz jetzt eine verbindliche Quote für Elektroautos gefordert hat. Und zwar nicht für Würselen, sondern gleich für ganz Europa. Nur für den Fall, dass beispielsweise bulgarische Automobilisten einfach noch nicht genug Sensibilität in Sachen Feinstaubproblematik entwickelt haben: Die Quote dient einzig und allein eurer Gesundheit, liebe Bulgaren! Man könnte auch sagen: Deutsche Fehlleistungen machen die ganze Welt besser – nicht nur beim Diesel, auch in der Willkommenspolitik, die hinterher ebenfalls mit einer Europaquote gelöst werden sollte (da ging es um die Verteilung von Migranten auf Länder mit Diversitätsdefiziten). Aber statt dankbar zu sein, schalten die renitenten Nachbarn einfach auf stur. Ignoranten!

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