Björn Höcke - Wehrdörfer für die Rückeroberung des Landes?

In einem Gesprächsband aus dem Jahr 2018 äußert sich Björn Höcke von der AfD klar rechtsradikal. Er spricht von „gallischen Dörfern“, die zu „Ausfallstellungen“ werden könnten. Nicht nur den Verfassungsschutz sollten solche Worte beunruhigen

Björn Höcke (AfD) sitzt vor der Sitzung des Thüringer Landtages im Plenarsaal.
Björn Höckes Worte sollten dem Verfassungsschutz und Gesetzgebern zu denken geben / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

So erreichen Sie Christoph Schwennicke:

Es scheint unglaublich, worauf unser Kollege Götz Aly von der Berliner Zeitung da gestoßen ist: In einem 2018 erschienen Gesprächsband äußert sich Björn Höcke von der AfD eindeutig rechtsradikal. In dem Band erzählt Höcke von seinen Ideen, sollten „neoliberalistische Multikultikräfte – die angeblichen Freunde des Volkstods gewinnen“. Eine Option sei die Errichtung „gallischer Dörfer“ des nationalen Widerstands. Das soll vorwiegend in Ostdeutschland stattfinden, weil bei den Menschen dort „noch großes Potential vorhanden“ sei, um „das inhumane Projekt einer Migrationsgesellschaft zu stoppen“.

Diese Dörfer könnten zur „Auffangstellung“, zur „neuen Keimzelle des Volkes werden“ – „und eines Tages kann diese Auffangstellung eine Ausfallstellung werden, von der eine Rückeroberung ihren Ausgang nimmt“. In dem Zusammenhang spricht Höcke von einem „großangelegtem Remigrationsprojekt“, „wohltemperierter Grausamkeit“, „menschliche Härte und unschöne Szenen werden sich nicht immer vermeiden lassen“, „existenzbedrohende Krisen erfordern außergewöhnliches Handeln“. Auch würden wir bei dieser Gelegenheit „leider ein paar (germanische) Volksteile verlieren, die zu schwach oder nicht willens sind, sich der fortschreitenden Afrikanisierung, Orientalisierung und Islamisierung zu widersetzen“. Besonders skandalös an dem Ganzen: Wie konnte das so lange unentdeckt bleiben?

 

Jakob Kost | So, 20. Januar 2019 - 13:05

muss sich erst als funktionstüchtig erweisen, bevor ich sie in den Himmel loben würde, Herr Schwennicke. Wenn Sie Deutschland verändern wollen, dann machen sie bitte konkrete, ausführliche und realistische Vorschläge zur multikulturellen Veränderung. Wie könnten Sie anders Herrn Höcke denn eines besseren belehren, wenn nicht mit einer fundierten, gründlichen und abgesicherten Beweisführung? Rühmt sich dessen nicht die demokratische Ordnung? Nehmen Sie doch den Höcke-Anhängern ganz einfach die Angst weg, dass eine Überfremdung stattfindet. Legen Sie dar, wie man das abwenden kann. Stellen sie nicht einfach nur ihre Prinzipien gegen die von Höcke, das wäre zu bilig und einfach, weil es dann nur auf die ausgeführte Propaganda ankäme, wer recht hat. Nehmen Sie doch den einfacheren Weg und sagen den Höckes stichhaltig, wie wir das ganze besser lösen können. Auch die Nicht-Höckes sind gespannt, so auch ich!

Und die von Ihnen angeführten Ängste relativieren, ja entschuldigen möglicherweise Hoeckes wirre Widerstandsszenarien, Gewaltphantasien eingeschlossen?

Mit anderen Worten: Nicht der potentielle Gewalttäter ist Schuld, sondern derjenige, der ihn angeblich dazu gebracht hat, gewalttätig zu werden oder mindestens zu denken?

Hat man ähnliche Thesen nicht bereits in Bezug auf einen Herrn Breivik ausgedrückt, damals formuliert von einem in der AfD beheimateten Richter namens Meier?

Weiter: Gelten solche Relativierungsversuche dann auch für linksextremistische Gewalttäter, denen man gleichfalls deren Ängste nehmen sollte, statt sie vorschnell zu verurteilen?

Petra Führmann | Mo, 21. Januar 2019 - 12:12

In reply to by Gerhard Lenz

"Mit anderen Worten: Nicht der potentielle Gewalttäter ist Schuld, sondern derjenige, der ihn angeblich dazu gebracht hat, gewalttätig zu werden oder mindestens zu denken?"

Ja, das sehe ich so. Man hat niemanden soweit zu reizen oder zu ärgern, dass der sich nicht mehr angemessen zu wehren weiß; resp. es ist nicht jedem gegeben, sich intellektuell aus solch einer Lage zu befreien. Ein Wütender schlägt am Ende wild um sich, und ich bin durchaus der Meinung, dass derjenige, der etwas gegen den Willen eines anderen durchsetzen will, ohne dass es zur Eskalation kommt, das zu berücksichtigen und sich gleichfalls entsprechend und vorausschauend zu benehmen hat.

Gerhard Lenz | Mo, 21. Januar 2019 - 16:39

In reply to by Petra Führmann

Dann zücke ich mein Messer, stelle mich Ihnen in den Weg und bedrohe Sie...Und Schuld sind ganz alleine Sie, da Sie mich mit Ihrem Kommentar wütend gemacht haben.

Seltsames Rechtsverständnis. Täter sind also möglicherweise Opfer.

Noch mal: Gilt das auch für linke Gewalttäter, die sich dann ebenfalls darauf berufen, nur zu "reagieren"?

Ich will das mal ganz unpolitisch betrachten, nicht links oder rechts, sondern rein psychologisch. Daher mein Betreff "Abstrakt". Und es war auch einfach zu verstehen: Wenn A B ärgert, ist es durchaus einzubeziehen, dass der sich wehrt. Actio - Reactio. Wer hat angefangen? Wer ist Herr der Lage?

Dann werden wir doch mal konkret.

Wogegen wehrt sich Hoecke? Und wer gibt ihm das Recht, Gewalt als angemessenes Mittel zu propagieren?

Entscheidet also jeder selbst, wo seine Toleranzgrenze liegt, wann und wo er Gewalt befürwortet - und wer spricht ihn frei dafür?

Herr Kost ich stimme Ihnen zu. Der Artikel in der BZ übrigens tut genau das Falsche. Man muss die zitierten Stellen des Buches im Gesamtzusammenhang darstellen und nicht nur die grimmigen Passagen heraus picken, um beim Leser einen "zielorientierten" Eindruck zu erwecken. Ich habe das genannte Buch gelesen, weil ich immer bemüht bin, mich am Original zu informieren. Außerdem wollte ich die Person Höcke mal nicht aus der Sicht von Frau Amann (Spiegel) sehen. Der Artikel insinuiert, das Höcke schon in Kürze aus Wehrdörfern heraus "eine Nacht der langen Messer" inszenieren will. So ist das dort nicht beschrieben. Er spricht sinngemäß von Widerstand, wenn das multikulturelle Experiment gescheitert ist, der Nationalstaat sich auflöst und Chaos herrscht. Ich teile Höckes Vorstellungen zu dem dann Notwendigen nicht. Aber die BZ hat nicht korrekt berichtet. Mein etwas schärfer formulierter Kommentar von gestern wurde nicht veröffentlicht. Schade!

Auch ich habe das Buch gelesen und stimme Ihnen zu. Es scheint mittlerweile salonfähig zu sein, Passagen aus dem Gesamtzusammenhang herauszulösen und in diese Textpassagen etwas hineinzulesen (Eisegese):Auf diese Weise werden bestimmte Personen nicht mehr für das verurteilt, was sie gesagt/geschrieben haben, sondern für das, was andere herauslesen bzw. herauslesen wollen.
Der Autor – Götz Haydar – des besagten Artikels in der BZ mit dem Titel „AfD, Björn Höcke und die Gewalt“ ist laut Wikipedia deutscher Politikwissenschaftler, Historiker und Journalist mit den Themenschwerpunkten: nationalsozialistische Rassenhygiene, Holocaust und Wirtschaftspolitik der nationalsozialistischen Diktatur sowie Antisemitismus des 19.und 20. Jahrhunderts. Es ist auch nicht der erste Artikel zur AfD aus seiner Feder. Im Übrigen sind 2019 in Thüringen Landtagswahlen und mit Blick darauf, werden wohl noch einige "Enthüllungen" zu erwarten sein.

Gisela Fimiani | So, 20. Januar 2019 - 14:08

Die AfD sollte diesen Mann schnellstens aus der Partei entfernen. Nicht nur im Interesse der Partei, sondern im Intersse des gesamten Landes.

Markus Michaelis | So, 20. Januar 2019 - 17:10

"Wie konnte das so lange unentdeckt bleiben?"

Das scheint mir auch die Frage. Entsprechende Zeitungen sind voll mit Horrormeldungen über die AFD. Vieles davon ist sicher nicht gut-bürgerlich, aber der ganz große Skandal ist es dann auch wieder nur beim politischen Gegner. Wirklich heftige Äußerungen, wie diese hier, wenn sie so stimmen, aber auch andere, die man hier und da mal liest, stehen eher in B-Blättern, auf Seite 3 oder verschwinden schnell wieder (gehören auf jeden Fall nicht zu den festen Zitaten gegen die AFD). Woher kommt das?

Man entdeckt aus Prinzip immer das was nützlich ist. Oder wie Klaus Kelle (denken erwünscht ) schreibt:
Aber ein G’schmäckle hat das ganze schon, wenn man vermeintliche Verfassungsfeinde damit aufdecken will, dass man bei anderen Verfassungsfeinden abschreibt."
Oder ein Spüchlein der Münchner- Grünen: ""Es geht nicht um Recht oder Unrecht in der Einwanderungsdebatte, uns geht es zuerst um die
Zurückdrängung des deutschen Bevölkerungsanteils in diesem Land."

Bernhard K. Kopp | So, 20. Januar 2019 - 17:51

Bei einer Rede in Schweden hat der Dalai Lama keinen Zweifel daran gelassen, dass die Europäer jedes Recht haben ihre kulturelle, europäische Identität zu erhalten. Er hat sinngemäss gesagt, dass wir den Flüchtlingen helfen, ihnen ein Stück Ausbildung geben, dass wir aber alle, die sich nicht assimilieren wollen, zum Aufbau ihrer Herkunftsländer zurückschicken sollen. Ist der Dalai Lama rechtsradikal, ein Nazi ' für den Verfassungsschutz ' ???

Interessanterweise vertritt dieser Mann die Theokratie als Staatsform, wird aber im Gegensatz zum Ayatollahregime mit Freude empfangen. Er ist ein Nationalist, mehr nicht, weniger aber auch nicht. Nazis sind Ultranationalisten.

gabriele bondzio | Mo, 21. Januar 2019 - 19:11

In reply to by Mohammed Bari

Der da sagt : "Wahrheit ist die einzig echte Grundlage für Demokratie und Freiheit."
Derzeit kehren viele Nationalisten in DE ein, die auf deutschen Straßen genau das für ihr Land fordern.

Dimtri Gales | So, 20. Januar 2019 - 19:57

in der (für den Bürger) schwer zu übersehenden Komplexität: Die Zeitenwende mit Phänomenen wie Globalisierung, ungehemmtem Kapitalismus und seinen destruktuierenden Auswirkungen, die Schwächen der Politkasten und der traditionelles Parteien....die Liste ist lang, führt Politiker und Stammtisch-Debattierer zu Vereinfachungen, um demagogisch Stimmen zu sammeln, zumal das einzige Geschäftskapital, das Politiker haben, Wählerstimmen sind.

stellt eine subkomplexe Platitüde dar.

Gerne angeführt von jenen, die alles dafür tun, um die Dinge komplexer zu machen. Und zwar, um dem Souverän, dem Bürger, eine demokratisch legitimierbare Antwort vorzuenthalten. "Legitimierbar" heißt auch, dass ein durchschnittlich (aus-) gebildeter Bürger sie verstehen und beurteilen kann.

Ein probates Mittel, Politiker(innen) auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen, ist direkte Demokratie, sind Volksabstimmungen. Sich einer Volksabstimmung stellen zu müssen, seine Entscheidung transparent begründen zu müssen, ist der einzige "Sachzwang", den ich gelten lasse. Alle anderen Sachzwänge sind Konstrukte, hinter denen die Verantwortlichen ihre wahre, antidemokratische Gesinnung verbergen.

Die Möglichkeit, mitzuentscheiden, steigert nebenbei das Interesse an elementaren Fragen unseres Gemeinwesen. Wer etwas zu entscheiden hat, informiert sich zuvor. Der Fachbegriff dafür lautet "Involvement". Genau davor fürchten sich die Mächtigen dieser Welt.

Carsten Bruckhaus | So, 20. Januar 2019 - 20:54

Sehr geehrter Herr Schwennicke,

vielen Dank zunächst für diesen wichtigen Beitrag. Ich dachte zwar, dieser Gesprächsband sei inhaltlich einigermaßen bekannt, offenbar ist dem aber nicht so. Auf Telepolis wurde immerhin schon im Oktober 2018 darüber berichtet: https://www.heise.de/amp/tp/features/Bjoern-Hoecke-droht-mit-Dunkeldeut…

Dass so viele Menschen AfD wählen, obwohl selbst Spitzenpolitiker dieser Partei ungeniert derartig menschenverachtende Aussagen zu Protokoll geben, finde ich extrem besorgniserregend. Bemerken AfD-Wähler wirklich nicht, welchen Demagogen sie da zur Macht verhelfen? Interessiert es sie einfach nicht? Oder teilen sie solches Gedankengut am Ende gar?

Vielleicht trägt ihr Beitrag hier auf Cicero ja dazu bei, dass sich die AfD endlich von ihren Rechtsextremen trennt. Dann teile ich ihre Positionen zwar noch immer nicht, aber wenigstens verliert sie damit ihre Bedrohlichkeit.

Hoffen wir das Beste!

"Dass so viele Menschen AfD wählen, obwohl selbst Spitzenpolitiker dieser Partei ungeniert derartig menschenverachtende Aussagen zu Protokoll geben"

Das mag daran liegen, dass die Merkelunion ansonsten das "Rechteste" wäre, was das System heute so hergibt. Was früher CDU-Programmatik war ist heute AfD minus Sektierertum a la Höcke. Die FDP ist ja doch leider ein Totalausfall. Herr Lindner hätte bei Frau Rosenfeld bleiben und sich weiter auf die Politik konzentrieren sollen. Oder wenigstens einen vernünftigen zweiten Mann abseits des Talk-Show-Clowns Kubicki zulassen müssen.

Per L. Johansson | So, 20. Januar 2019 - 21:18

Daß es besser wäre, wenn Höcke und seine Jünger die AfD verließen, ist richtig. Er sagt ja selbst immer, daß er eigentlich eine „Bewegung“ will. Gut, dann soll er das doch endlich wahrmachen und die Partei, z.B. Richtung PEGIDA, verlassen.
Und was den Verfassungsschutz angeht, möchte ich noch einmal daran erinnern, daß der Bundesmitgliederparteitag Höcke noch nie zu irgendetwas gewählt hat!

Unabhängig davon bleibt, wie immer, auch viel Spielraum in seinen Aussagen.
Was soll z.B. „wohltemperierte Grausamkeit“ bedeuten?
Waterboarding, Daumenschrauben?
Oder meint er Dinge, wie sie viele europäische Länder eingeführt haben? Man denke nur an die dänische Regelung, Immigranten an der Grenze Geld und Schmuck abzunehmen, zur Refinanzierung ihrer Versorgung.
Das ist ja auch keine flächendeckende Maßnahme, die tatsächlich geeignet wäre, die Staatsfinanzen zu entlasten. Das ist schlicht eine kalkulierte „Grausamkeit“, um die Menschen gezielt abzuschrecken, damit sie woanders hingehen.

in bezug auf Herrn Höcke.
Ich fühle mich politisch bedroht durch "aggressiven Humanismus", "politische Verachtung" und ganz sicher durch "wohltemperierte Grausamkeit".
Um Himmels Willen, es gibt das "Wohltemperierte Klavier" von Johann Sebastian Bach.
Ich kann Ihnen nicht zustimmen. Das ist einfach zuviel und meine Duldsamkeit gegenüber der AfD wäre nicht so weit gegangen, wenn ich so etwas hätte lesen können.
"Relativiert" wird das nur dadurch, dass ich die politische Situation in Deutschland mit Ausnahme von SPD und FDP, die evtl. bald gemeinsam Minderheitenstatus haben dürften, ausgesprochen unerfreulich finde.
Ich könnte mir aber denken, dass ein Rückzug Merkels zumindest auf der rechten Seite die Situation wieder entspannt.
Wenn Andrea Nahles nicht polarisiert und Medien nicht nur die Grünen hypen, sondern ausgewogen berichten über sozialdemokratische Ansätze, dann würde ich mir eine ebenfalls, sagen wir in dem Fall Versachlichung auf der linken Seite durch die SPD wünschen.

Gottfried Meier | So, 20. Januar 2019 - 23:10

Der Höcke und seine Gesinnungsbrüder sind eine große Bürde für die AfD. Erst ohne solche Spinner wären sie eine echte Alternative!

Lars Freudenberg | Mo, 21. Januar 2019 - 01:27

Björn Höcke, eine problematische Personalie, niemand würde was anderes behauten, „der Ihm genau zuhört“. Hoffe das die Deutschen Nie zu dem Schluss kommen ein Extrem Mit einem Anderen Zu Bekämpfen. Und das sage ich als Konservativer, und Meine auch Nicht die AFD! „im Allgemeinen“. Aber nur die Linke und sogenannten Mitte, die ihre Mitte wohl etwas verloren hat kann das beenden. Und zwar in dem sie wieder einen Konsens mit dem Teil des Deutschen Volks ( Und ja das Wort Volk ist Absicht) beginnt Die Man aus dem Dialog zu vertreiben versucht. Wen wie das nicht schaffen dann kann es Passiren das am Ende nur noch extreme Bleiben. Bestes Beispiel jüngst, ist der streit Zwischen Werner Patzelt und der TU Dresden, Man wird mit solchen Aktionen nichts erreichen , sondern am Ende Die Gräben nur noch Vertiefen.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 21. Januar 2019 - 06:50

Mir ist Herr Höcke - den ich nur aus Veröffentlichungen in Bild und Ton kenne -nicht symphatisch und manche seiner Äußerungen sind nicht akzeptabel ohne Frage. Nur was machen sie denn da gerade? Sie nehmen Halbsätze aus einem Gesamtzusammenhang gerissen, einzelnen Begriffe aus einer angeblich gehaltenen Rede und werfen das dem Leser zum Fraß vor. Das Herr Höcke gerne provoziert und seine Sprechweise durchaus "braungefärbt" daher kommt, dass dürfte dem ein oder anderen sicher bekannt sein. Nur, um auf eine mögliche abzulehnende "braune" Gesinnung dieses Mannes schließen zu können, hätte ich schon erwartet, das seine Rede komplett oder wenigestens nachvollziehbar in größeren Teilen dargestellt wird. Das kann man tun, ohne für ihn zu werben. Sie berichten von einem Themenabend? Wann und wo, in welchem Zusammenhang und vor welchem Publikum wurden denn die Äußerungen gemacht? Öffentlich? Ich bin kein AFD - Mitglied und betrachte das Ganze von außen. Neutraler Journalismus geht anders.

bei allem Respekt Ihnen gegenüber, ich werte solche Teilaussagen als Tabubruch.
So darf man, so wollen wir in der Bundesrepublik nicht sprechen, zumal sich der Eindruck aufdrängt, es könnte sich um kalkulierte Provokation handeln.
Das macht Merkels "und folgt denen da nicht" für mich keinen Deut besser, als ich es zuvor empfand, nämlich unwürdig einer Bundeskanzlerin.
Bedauerlicher Weise hält doch aber Herr Gauland große Stücke auf Herrn Höcke?
Es tut mir leid um die vielen Wähler, die evtl. durch Merkel keine Heimat mehr in der CDU haben und ich gehe jetzt ganz sicher davon aus, dass Merkels Rückzug die AfD minimieren wird.
Ich hoffe, dass die SPD sich von Ausgrenzungen weitestgehend freihält, so weit wie möglich.
Ein fürchterliches Gefühl, dass ausgegrenzt wird in der Bundesrepublik, wie es "jedem" so passt.
Um politische Seriosität und Kontinuität zu signalisieren, brauchen wir wohl doch auch die Alten, Schäuble und Schröder.
AKK oder Nahles traue ich es aber auch zu.

@Ernst - Günther Konrad
Mich machten die Worte von Herrn Schwennicke neugierig, und ich suchte im Netz nach diesem Gesprächsband. Tatsächlich gab es dazu eine Veranstaltung, in der Herr Höcke ausführlich zu Wort kam.
Wenn der Cicero den folgenden Link nicht löscht, können die Leser H. Höcke selbst reden hören.
https://www.tagesstimme.com/2018/10/25/ein-intellektueller-patriot-bjoe…

Lieber Herr Moitje,

danke für den Link. Man kann nur jedem Foristen empfehlen, den Mann selbst anzuhören. Aus dem Zusammenhang gerissene Versatzstücke, noch dazu aus zweiter Hand, reichen nicht für ein abgewogenes Urteil. Die Formulierungen H.'s sind zwar Geschmackssache (und m. E. unnötige Steilvorlagen), aber für die Interpretation hätte ich schon eigenes Pro und Contra erwartet und nicht nur die Übernahme vom Mainstream-Jounalisten. Das war keine Glanzleistung, Herr Schwennicke!

Laurenz Manfred | Mo, 21. Januar 2019 - 08:08

Gedankenspiele wirken zwar abstrus, aber sie beunruhigen mich nicht!

ingrid Dietz | Mo, 21. Januar 2019 - 08:12

gab und gibt es schon immer auf diese Welt !

Man sollte einzelne "Spinner" einfach ignorieren und diesen keine "große Bühne" bzw. Beachtung schenken !

Solange "Spinner" mich nicht persönlich angehen, sollen diese ruhig weiter"-spinnen" !

Merke: auch "Spinner" haben ein Grundrecht auf Rede- und Meinungsfreiheit !

Günter Johannsen | Mo, 21. Januar 2019 - 12:27

In reply to by ingrid Dietz

Und: was ist dann mit den gewalttätigen linksfaschistischen "Spinnern", von denen kein Politiker oder Mainstream-Journalist (Linkspopulisten?)redet, geschweige denn sich kritisch äußert? Ich denke, wenn man genauer hinschaut, wird man sehen: die eigentliche Gefahr für unsere Demokratie kommt von dieser organisieren linksextremen Seite! Wer organisiert, wer finanziert die Aufmärsche dieser prügelnden Anitfa in unserem Land? Wer fragt überhaupt danach? Ein Verfassungsschutz? Ein polizeilicher Staatsschutz? Wer macht die Antifa zum Prüf-Fall?

Gerhard Lenz | Mo, 21. Januar 2019 - 09:17

Hoecke glaubte sich lange unangreifbar, vermutlich tut er das noch immer. Kein Wunder: Verteidigt doch Partei-Chef Gauland Hoeckes zuweilen wirres und höchst fragwürdiges öffentliches Auftreten als das eines "Nationalromatikers", und ein Meuthen reist brav jedes Jahr zum Kyffhäuser-Treffen der rechten Hardliner. Der Gipfel der Absurdität war bei der Wahl der Sprecher zu beobachten: Kandidaten wurden darauf geprüft, wie sie zum laufenden Parteiausschlussverfahren standen - ein Befürworter hätte gar nicht erst zur Wahl antreten brauchen. Wie ein germanischer Phoenix aus der Asche stieg die bis dahin weitgehend unbekannte Sayn-Wittgenstein, die die Partei jetzt gerne loswerden möchte, als Kandidatin des Hoecke-Flügels beinahe bis in die Parteispitze auf. Kurz: Die AfD wird Hoecke nicht wieder los - aber das kann und will sie auch gar nicht, denn sie ist längst, zum Großteil, schlicht DIE Hoecke-Partei.

Mohammed Bari | Mo, 21. Januar 2019 - 11:25

Höcke machte nie ein Hehl aus seiner politischen Gesinnung. Er ist seit seinem öffentlichen Auftreten ein völkischer Nationalist gewesen und sprach in öffentlich zugänglichen Texten und Aufnahmen stets seine Ideologie frei aus. Wer das nicht sehen wollte, der sah darüber hinweg. Geistige Gewaltfreunde waren übrigens auch Publizisten, beispielsweise Peter Sloterdijk, der die gesellschaftspolitische Wirkung seines Feuilletons-Stils stets nicht wahrnehmen wollte. Die dumpfe Floskel von "wohltemperierte Grausamkeit" wand er einmal auf das australische Grenzregime an. Höcke zieht die Grenze aber nicht entlang der Staatsgrenze, sondern entlang der Ethnie. Er nutzt die vorgefundene verbale Agressivität sehr gut aus.
Letztlich setzt Höcke die Liberalen stark unter Druck. Er kann warten.

Nur Hamanda | Mo, 21. Januar 2019 - 11:41

Keine Ahnung,wer die AfD berät in Sachen Publicity. Jedenfalls muss dieses Team oder Person noch weniger Bescheid wissen als die Berater der SPD. Selten erlebt, dass jemand eine solche Chance, wie sie sich politisch in Deutschland bietet, so vergeigt. Besser so - anscheinend wäre nichts Gutes zu erwarten von solchen Banausen. Schade für die Wähler, die leider keine brauchbaren Alternative geboten bekommen. Und schade für die AfD-Mitlgieder, die wirklich eine sachliche Politik auf den Weg bringen wollen.
Aber mit Selbstdarstellern wie Herr Höcke, die locker jedes Fettnäpfchen bespringen, wird das nichts. Die Altparteien lachen sich einen.

Birgit Fischer | Mo, 21. Januar 2019 - 14:50

Habe längst aufgehört, die BRD zu bedauern. Wer so wählt, bekommt, was er verdient. Und damit ist sicher nicht Höcke gemeint.

Beate Maier | Mo, 21. Januar 2019 - 15:57

muss man in unmittelbarem Zusammenhang sehen mit der herrschenden Multikulti-Ideologie. Dass der REchtsstaat bisher nicht in der Lage bzw. auch nicht willens war, bspw. arabische Großclans, nicht integrationswillige Flüchtlinge oder auch DITIB zu bekämpfen - das ist quasi der gesellschaftliche Sumpf, auf dem dann eben auch radikale Auswüchse in der Gegenrichtung wachsen. Ich würde mir wünschen, dass der Aufschrei der Medien auch mal entsprechend laut wäre nicht nur bei Höcke bzw. der AfD, sondern eben auf der Gegenseite!

Joachim Wittenbecher | Mo, 21. Januar 2019 - 16:40

Herr Höcke unterliegt einem Irrtum, wenn er glaubt, jeder MENSCH, der hier als Ausländer eingewandert sei, bleibe immer Ausländer und addiere sich mit anderen Ausländern zu einer "fremden Masse", die sich immer weiter ausdehnt und uns bedroht. So ist es nicht: Ein Großteil der hier Eingewanderten hat zum Ziel, sich zu integrieren, ja zu assimilieren. Ich habe dies selbst am Arbeitsplatz miterlebt - Menschen kommen neu ins Land, bekommen den ersten Arbeitsplatz und es fällt schwer, die einführende Belehrung in Unfallverhütung verständlich zu vermitteln. Jahr um Jahr wird uns dieser Mensch ähnlicher, irgendwann kann man mit ihm im landesüblichen (deutschen) Dialekt über Politik diskutieren. Neulich traf ich seinen Sohn im REWE-Supermarkt, er trug ein Schild, darauf stand "Filialleiter". Dies alles ist möglich, wenn Einwanderung in geordneten Bahnen verläuft. Merkels Politik gefährdet das allgemeine Interesse. Höcke hingegen ist indiskutabel.

Hans-Juergen Schulze | Mo, 21. Januar 2019 - 17:32

Vor mehr als 18 Monate hatte ich in einem Kommentar gepostet,
Herr Höcke und Gleichgesinnte müssen aus der AFD austreten.
Ausgetreten werden ist nicht so einfach,aber machbar. Die heutige AFD Spitze hat erkannt, mit diesem "Personal" können wir nicht mehr weiter punkten. Schon damals war meine Meinung, weg mit dieser "rechten Spezies" Es war noch vor der Wahl 2017,würden
zwar eventuell 8% weniger stimmen aus diesen Kreisen bedeuten, aber ein Zugewinn von eventuell 15% von bisherigen Skeptikern.
Das Wahlergebnis wäre für die AFD 20+X % gelaufen. Wissend von diesen Prognosen ist der Grund und Schlüssel vor vorgezogenen Neu- Wahlen. Die innerpolitischen Säuberung der AFD bewirkt eine durchaus realistische Perspektive. Mit der erneuerten Partei wird es sich auch im Bundestag besser arbeiten lassen, so meine Einschätzung. Wenn dann immer noch nicht, liegt es nicht mehr an der AFD sondern an den "Undemokraten" des Bundestages.

Bernhard Jasper | Mo, 21. Januar 2019 - 19:07

Mit einer „erinnerungspolitischen Wende um 180 Grad“ (Höcke), versucht man erneut Geschichte umzudefinieren, der Versuch einer autoritären Restrukturierung. Die neue Rechte eine Art autoritäre Revolte. Konservative Revolution und revolutionärer Nationalismus, sind historisch vorgeprägte Sehweisen, Einstellungen und Identifikationssehnsüchte, die jedoch in Deutschland historisch bereits 1918 am Ende war.

Dieser autoritäre Charakter widersetzt sich der reflektierenden Aufklärung der Moderne. Sie wollen auch zurück zum preußischen Klassenwahlrecht. Es sind ständestaatliche Vorstellungen (Stammesgesellschaften). Die Radikalisierung findet in den Filterblasen statt.

Wehret den Anfängen!

Roland Völkel | Mo, 21. Januar 2019 - 19:55

wem denn noch Herr Schwennicke ?
Ihr Artikel kommt doch recht aufreißerisch daher. Bin ich eigentlich nicht von Ihnen gewohnt!
Knapp und zackig wie es sonst eher der Bild-Zeitung entspricht.
Über Herrn Höcke und seinen Ansichten kann man sicher geteilter Meinung sein-ich teile sie auch nicht im Großen & Ganzen!
Ich hätte aber in dem Zusamenhang auch gerne ihre Meinung gehört zur Aussage von R. Stegner:
"Die Rechtspopulisten von der AFD kommen endlich in den Fokus des Verfassungsschutzes. Dazu musste der unselige Herr Maaßen gehen, damit das passieren kann, was längst überfällig war."
Oder auch von R. Harbeck: „Wir versuchen, alles zu machen, damit Thüringen ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird, ein ökologisches Land.“
Sind solche Aussagen nicht auch bedenklich ?-gut, sind nicht auf dem Niveau von B. Höcke.
Zu diesen Themen war im Cicero nichts erschienen
-hätte sicher viel hergegeben?-auch im Forum: Kommentare!
Schade drum.

Bernhard Jasper | Mo, 21. Januar 2019 - 21:27

Ob sie dabei rechts-nationale „kulturelle“ Wertvorstellungen bedienen oder die „ökonomische“ Situation nutzen, ist dabei bedeutungslos. Diese politischen Hasardeure instrumentalisieren bestimmte sozial-strukturelle Gruppen, nämlich mittel- und tiefer Qualifizierte, in der unteren Mittelschicht. Besonders im Osten der Bundesrepublik Deutschland erhofft man sich die Mitläufer (sozio-kulturell).

P.S.: Liebenswerte „Ossis“, diese Typen werden Euch bitter enttäuschen. Ihr werdet von diesen Populisten erneut „verraten und verkauft“ werden. Damals, im Auerbachs Keller in Leipzig waren wir doch alle noch so zukunftsoptimistisch. Endlich gehören wir wieder zusammen. Mit meiner westlichen Sozialisierung sind bestimmte Ereignisse im Osten nicht mehr vereinbar. Wir müssen wieder im Auerbachs Keller sprechen.

Wolfgang Raub | Mo, 21. Januar 2019 - 22:07

Hr.Schwennike, ich finde es sehr gut, daß sie diesen Redebeitrag ausgegraben und hier veröffentlicht haben: Diese Gesinnung ist abstoßend und durch nichts zu entschuldigen. Ich selbst finde die AFD vom Prinzip her gut, diese Dinge und Personen jedoch nicht akzeptabel. Aber offensichtlich jucken solche Phantasien heutzutage keinen mehr. Denn lt. Beitrag des H. Schuster in der Welt vom 9.1. 2019 hat Hr. Menasse In seinem Essay „Der europäische Landbote“, der 2012 erschien, schreibt Menasse folgendes ausgeführt: "Um den Nationalstaat zu überwinden, muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, die Demokratie erst einmal zu vergessen, ihre Institutionen abzuschaffen, soweit sie nationale Institutionen sind, und dieses Modell einer Demokratie, das uns so heilig und wertvoll erscheint, weil es uns vertraut ist, dem Untergang zu weihen. Wir müssen stoßen, was ohnehin fallen wird, ....." . Dieser Mann erhielt, wie man weiß, von der lieben Frau Dreyer eine Ehrung, einen Preis. Fürchterlich.

Georg Reinter | Di, 22. Januar 2019 - 00:49

"Schon damals war meine Meinung, weg mit dieser "rechten Spezies" Es war noch vor der Wahl 2017,würden
zwar eventuell 8% weniger stimmen aus diesen Kreisen bedeuten, aber ein Zugewinn von eventuell 15% von bisherigen Skeptikern.
Das Wahlergebnis wäre für die AFD 20+X % gelaufen. Wissend von diesen Prognosen ist der Grund und Schlüssel vor vorgezogenen Neu- Wahlen"

20%+X hat die AfD nur in Thüringen , und in anderen Bundesländern, in denen die AfD-Verbände von Höcke-Leuten kontrolliert werden.

Es mag Leute geben, die die AfD aufgebracht von der permanenten Medienkampagnen die AfD trotz Höcke wählen.
Aber es gibt auch viele Leute, die die AfD gerade wegen Höcke wählen.

Wolfgang Schuckmann | Di, 22. Januar 2019 - 11:10

Solche Einlassungen sind wohl einer gewissen paranoiden Geisteshaltung entsprungen, da es ja nicht eine Einzelverfehlung dieses Herrn ist.
Aber, ist es wirklich die Aufregung wert, die darum inszeniert wird? Ich denke nicht.
Wer solche Sachen ständig thematisiert, gibt diesem Gedankenwirrwar viel zu viel Aufmerksamkeit. Wir haben eine klare Gesetzeslage, die beschreibt, was geht und was eben nicht. Die Überbetroffenen mögen eben durch Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein rechtsstaatliches Verfahren anstrengen und zusehen wie die Sachlage von der Jurisprudenz bewertet wird.
In diesem Zusammenhang glaube ich nicht, dass man durch Erhöhung der Schlagzahlen vor den Wahlen eine Ergebniskorrektur schon vor Abgabe des Votums erreichen kann.
Viel eher glaube ich, dass es nötig ist, dass die Politik generell überprüfen muss, was an ihrer Agenda den Menschen des eigenen Landes nicht gefällt, und dies dann auch gegebenfalls ändert.
Der Wähler geht dahin wo er sich aufgehoben fühlt.