- Schichten der Erinnerung
Ostberliner Kindheit, Flucht in den Westen, mit 13 Jahren allein in Berlin: Julia Franck hat ein Buch über ihr Leben geschrieben, das gleichzeitig autobiografisch und Fiktion ist.
Erinnerung ist subjektiv. Psychologen gehen davon aus, dass schon eine Sekunde nach dem Ereignis unser Gehirn eine Erinnerung verfälscht. Und wenn Julia Franck über Erinnerungen spricht, dann weiß sie um deren Unzuverlässigkeit. Sie sagt: „Schon eine Voicemail kann sich nach Stunden völlig anders anhören, als man sie das erste Mal abgespeichert hat.“
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Nachdem ich ein Interview von Denis Scheck mit Julia Franck gesehen hatte, las ich ihr Buch "Die Mittagsfrau". Abgesehen von ihrer beeindruckenden Art Dinge und Menschen zu beschreiben, bleibt bei diesem Buch ein ganz unangenehmes Gefühl zurück. Für empfindsame Seelen in der Vorweihnachtszeit sicher nichts, was die Seele und den Geist erheitert.
Nach dem Interview seinerzeit und dem, was ich bisher über Frau Franck gelesen habe, scheint es in ihren Werken um die Aufarbeitung ihrer eigenen Lebensgeschichte zu gehen. Auch wenn diese angeblich fiktional verändert wurde, was sicher mit Rücksicht auf Familienangehörige geschah, bleibt der Eindruck, dass vor allem die Kindheit von großer Kälte und Einsamkeit geprägt war. So stark, dass sie es bis heute nicht verarbeiten konnte, oder zumindest nicht mit guten und schönen Lebenserfahrungen "überschreiben" konnte. Ich wünsche ihr, dass sie das Glück oder das, was man dafür hält, noch findet. In jedem Fall eine beeindruckende Schriftstellerin.
