AfD und Deutscher Kulturrat - „Wo bleibt die Pluralität?“

Der Deutsche Kulturrat und die AfD sind sich spinnefeind. Dennoch streiten der Kulturrats-Geschäftsführer Olaf Zimmermann und der AfD-Bundestagsabgeordnete Marc Jongen offen über Politik und Kunst, Migration und Toleranz

Olaf Zimmermann und Marc Jongen
„Rüsten Sie und Ihre Parteifreunde endlich rhetorisch ab!“, fordert Olaf Zimmermann von Marc Jongen / Luca Abbiento

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Der aufgeklärte Gott. Wie die Religion zur Vernunft kam“ und „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“. Foto: Antje Berghäuser

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Alexander Kissler

Die Redebeiträge der AfD im Bundestag schwanken zwischen tiefem Ernst und großer Empörung. Gehen Sie, Herr Jongen, auch zum Lachen in den Keller?
Marc Jongen: Unser ernster, oft auch empörter Habitus passt zu den Verhältnissen, die wir im Bundestag und im politischen Deutschland vorfinden. Man schwankt da oft zwischen Lachen und Weinen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass ich des Lachens fähig bin.

Sie, Herr Zimmermann, sind der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrats, des Spitzenverbands der deutschen Kulturverbände. Diese Stellenbeschreibung verheißt wenig Freude.
Olaf Zimmermann: Der Kulturrat versucht aus 257 Bundeskulturverbänden eine gemeinsame Idee zu entwickeln, einen Kompromiss zu finden. Solche Arbeit im politischen Raum ist manchmal lustig und manchmal das Gegenteil, aber immer notwendig.

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Wolfgang Tröbner | Do, 29. November 2018 - 10:53

instrumentalisieren."

Und genau das ist der Punkt. Die Linken einschließlich der sogen. Kulturschaffenden gehen nicht auf die Straße, um der Opfer zu gedenken. Sie gehen nicht auf die Straße, um von der Politik zu fordern, Bedingungen zu schaffen, die solche Opfer zukünftig verhindern. Sie gehen nur auf die Straße, um gegen die vorzugehen, die genau das tun - von der Politik verlangen, die Bedingungen zu ändern, um weitere Opfer zu verhindern. Die Linken einschließlich der "Kulturschaffenden" wollen nur von den Problemen im Lande ablenken und diese vertuschen. Ich erspare mir, dieses Verhalten so zu charakterisieren, wie es eigentlich angemessen wäre. Es gibt jedenfalls keine moralische Rechtfertigung dafür.

Danke lieber Herr Tröbner! Für das Umschreiben einer Praxis, die mich schon vor Chemnitz jedes mal umtrieb. Ob der nach schneller Aufräumarbeit fortgeführte Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz oder wie hier geschehen ein Konzert gegen rechts. Da werden unschuldige Menschen aus dem Leben und dem ihrer Liebsten gerissen und man macht Party. Wie Sie auch, darf ich nicht offen sagen und schreiben wie ich das finde. Und wie mir die immer gleichen Relativierungssätze unserer Politiker, Bürgermeister und den linken Kulturschaffenden nach solch schlimmen Geschehnissen die Galle hochkommen lassen! In der Tat finde ich diese Art Moral schlichtweg zum Kot...!
Alles Gute für Sie! MfG

Dieter Hegger | Do, 29. November 2018 - 11:15

Nein , eher aufrüsten - sonst pennt der Bundestag wieder ein. Sie haben 13 Jahre im Tiefschlaf verbracht, dass reicht ! Ich wünsche mir täglich die hochroten Köpfe der Grünen und Linken zu sehen !

Dieter Hegger | Do, 29. November 2018 - 11:37

Mit der Spendenaffaire ist die AFD zur ganz normalen Partei mutiert, auf Augenhöhe mit CDUCSUSPDFDP....... Das war sozusagen der Ritterschlag !

Lena Martin | Fr, 30. November 2018 - 10:05

In reply to by Dieter Hegger

Eine Spende, die zurück gezahlt wurde, ist k e i n e Spende !!!
Der Versuch, hieraus eine Affäre zu konstruieren, stammt von den inzwischen
gleichgeschalteten Medien (Hofberichterstattung ist mittlerweile mein
Eindruck).

Elisabeth Ellermann | Do, 29. November 2018 - 13:43

Danke für ein solches Interview - und dass man es als Besonderheit empfindet, dass es überhaupt zustande kommt und veröffentlicht wird, ist wirklich beschämend. Aber sehr gerne weiter so!

Michaela Diederichs | Do, 29. November 2018 - 14:07

Pluralität ist in Zeiten der Agenda 2030 eigentlich nicht möglich. Sie durchdringt alles Lebensbereiche. Das macht es den Parteien so schwer, sich voneinander abzugrenzen. Wer sich nicht an die Agenda, die sehr grün geprägt ist, halten will, muss draussen bleiben. Das ist zwangsläufig die AfD. Die Volksparteien werden sich daran zerreiben. Für die einen ist das die neue Bibel, für die anderen Gängelei. Welten trennen sie voneinander.
Interessantes Interview.

Horst Weber | Do, 29. November 2018 - 14:41

Die Deutungshoheit für "Kultur" nimmt der Kulturrat für sich in Anspruch. Ebenso die Deutungshoheiten für Toleranz und für die Inhalte des Migrationspaktes.
Eigentlich müsste dann auch die Clan-Aggressivität z.B. libanesischer Clans in Deutschland zur typischen "kulturellen Bereicherung" Deutschlands gezählt werden.
Die jeweils in den Medien behandelten Inhalte des Migrationspaktes starten mit dem Hinweis:
"...unter anderem geht es darin um...." Damit wird
der Blick auf die unverfänglichen oder nichtssagenden Teile dieses Konstrukts gelenkt.
Nicht behandelt werden z.B. die Punkte 5, 6, 7, 15,16,22 - in welchen die Ansprüche von Migranten
an unser Sozialsystem, unseren Arbeitsmarkt, an den uns auferlegten Zwang zur Integration beschrieben werden.
Übrigens ist in keinem der 23 Punkte von "Flüchtlingen", oder Asylanten die Rede, sondern nur von
"Migranten". Jeder mag sich den Grund für diese verbale Monokultur ausmalen.-

Joachim Wittenbecher | Do, 29. November 2018 - 14:50

Herr Zimmermann verwendet den Begriff "rechts" ohne ausreichende Differenzierung nach "demokratisch rechts" und "rechtsextremistisch". Das grenzt an Demagogie. In jedem Volk gibt es Rechte und Linke - und das ist auch gut so. Nur muss die Auseinandersetzung demokratisch sein. Legitime rechtsdemokratische Einstellungen kann sich Herr Zimmermann offensichtlich nicht vorstellen; dabei muss man nur an Konrad Adenauer und Charles de Gaulle denken. Nebenbei frage ich mich, welchen Sinn es haben soll, für 257 Kulturverbände (vom Kammerorchester bis zum Computerclub) einen Dachverband zu haben, der politische Leitlinien vorgeben will. Gleichförmigkeit schadet dem Pluralismus. Davon müssen wir wegkommen.

Christa Wallau | Do, 29. November 2018 - 14:50

Ein Kulturrat, der die AfD als Mitglied ausschließt,
disqualifiziert sich selbst.
Im Programm der AfD finden
sich genügend Hinweise auf die
Bedeutung von Kultur in Deutschland und deren Erhalt und Pflege.
Die Ablehnung ist ausschließlich ideologisch begründet.

Bettina Jung | Do, 29. November 2018 - 14:56

Froren an der ungarischen Grenze? Anfang September? Und seitdem konnte die Grenze nicht mehr geschlossen werden.... denk ich an Deutschland in der Nacht...

Ines Schulteh | Do, 29. November 2018 - 18:31

der es möglich machte, zwei so unterschiedliche Pole zum Gespräch zusammenzubringen. Trotz der teis spitzen gegenseitigen Anwürfe fand ich es wichtig, vernünftig, demokratisch und tolerant, jeden Part ausreichend zu Wort kommen zu lassen. Bitte mehr davon!

Tomas Poth | Do, 29. November 2018 - 18:56

die im Kopf verrammelte SPD bestens dargestellt.

Tomas Poth | Do, 29. November 2018 - 19:11

kommt in dem Beitrag in einigen seiner Formulierungen positiv rüber. Er sollte sich mehr trauen ganz offen mit Merkel und ihrer Politik zu brechen. Dass wird vermutlich nicht für dieses mal helfen, aber das nächste mal sicher, er wäre dann unverbraucht und stringent. Dieser Zeitpunkt ist nicht all zu weit entfernt. Der brachiale Umbruch bleibt der CDU nicht erspart und wird alles wegspülen was sich derzeit noch zu halten versucht. Die SPD ist schon davon erfasst.

Wolfgang Werner | Do, 29. November 2018 - 20:28

Nach der Talksendung „Maischberger“ am 06.06.2018 forderte Herr Zimmermann, dass die Talkshows im Ersten und im ZDF sich eine einjährige Auszeit nehmen und ihre Konzeptionen überarbeiten sollten. Zimmermann bezweifelte den Nutzen von Talkrunden für den politischen Diskurs. Zitat: „Vielleicht wird die talkshowfreie Zeit der Integration in unserem Land nützlich sein?“ Hier handelt es sich um einen klaren Disziplinierungsversuch.
Ich möchte Herrn Zimmermann an seine eigentlichen Aufgaben erinnern: Ziel des Deutschen Kulturrates ist es, kulturpolitische Diskussion auf allen politischen Ebenen anzuregen und für Kunst-, Publikations- und Informationsfreiheit einzutreten.
Herr Zimmermann nimmt sich heraus, in seinem Sinne kulturelle und gesellschaftliche Bereiche zu kontrollieren, zu überwachen und zu maßregeln

Hubert B. Vogel | Fr, 30. November 2018 - 11:05

Wir können nur von Glück sagen, dass die AfD
in allen Parlamenten dieses Landes präsent ist.
Für die Konsensparteien mag das ein Supergau
sein, für die Menschen in diesem Land gibt es
Hoffnung auf Veränderung.
Die politische Kultur in Deutschland , die mittlerweile für jeden erkennbar, auf dem 68-er
Mehltau schimmelt, ist ein Drama für dieses
ehemals wirtschaftlich, gesellschaftlich, kulturell erfolgreiche und international geachtete Land.

Tomas Poth | Fr, 30. November 2018 - 12:42

Zeigt das "Gefangensein" der SPD und mit ihr auch die anderen Parteien gegenüber dem neuen politischen Gegner. Eine Partei die provokant und tabubrechend auftritt, wir werden sie jagen, damit die anderen in eine Burgmentalität treibt, alle gegen den einen.
So gestern auch bei der Debatte zum Migrationspakt, alle gegen die AfD. Das Abstimmungsergebnis konterkariert aber die Debatte. Eine knappe Mehrheit (372 Stimmen), unterhalb der Regierungsmehrheit (399), stimmte zu, für Enthaltung oder gar nicht (184 Stimmen), der Rest (153 Stimmen) dagegen, also (59 Stimmen) mehr als die AfD Fraktion hat. Das bedeutet doch dass die Zustimmung zu der AfD-Position doch größer ist als sie offen debattiert wird oder.

Maria Fischer | So, 2. Dezember 2018 - 10:19

Die Linke, häufig maskierte Neid- und Missgunst Gruppierungen, haben durch Frau Merkel und ihre Mitläufer, einen staatlich geförderten ideologischen Rahmen gefunden.
Der Angriff zielt auf die bürgerliche Mitte. Also, auf all diejenigen, die bis dato Kultur gefördert haben.
Da ich mich dazu zähle, habe ich seit zwei Jahren eine Vielzahl von Spenden eingestellt.
Genau die Institution die mich andauernd reglementieren wollen, unterstütze ich nicht mehr.
Ein Kulturbetrieb, welches u.a. Safranski und Sloterdijk denunziert, deklassiert sich selbst.
Nein, es gibt keine Pluralität mehr im deutschen Kulturbetrieb.
Viele, deren Jobs dranhängen, schweigen, die anderen ziehen sich zurück oder gehen ins Ausland.
Inzwischen kaufe ich Bilder in ausländischen Galerien und spende punktgenau für Theater, Opernhäuser und Museen, die mich nicht mit ihrem Halbwissen langweilen oder belehren.
Ebenso bestellte ich meine Bücher online.

Maria Fischer | So, 2. Dezember 2018 - 10:22

Fast jeder ist käuflich!! Vor allem der Kunst/Kulturbetrieb, Herr Zimmermann!!!
Das wissen Sie doch!
Baudelaire: „Was ist Kunst? Prostitution.“ Sie kennen doch H.Haacke oder A.Fraser?
Nein, ich bin kein AfD Sympathisant, obwohl Herr Jongen richtig argumentiert.
Ich würde gerne Karl Lagerfeld wählen, wenn ich könnte!!!

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