Deutsch-russische Beziehungen - Schluss mit Druschba*

Berlin beendet die Ära vertrauensvoller, langjähriger freundschaftlicher Beziehungen zu Moskau, die Gorbatschow eröffnet hat. Auch Moskau blättert die historische Seite um. Damit wird die Situation einfacher, aber gleichzeitig auch risikoreicher.

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Angela Merkel und Wladimir Puntin beim 100. Jahrestags zum Waffenstillstand Erster Weltkrieg in Paris 2018 / dpa

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Dmitri Trenin leitet das Carnegie Moscow Center und gehört zu Russlands führenden Experten für Außenpolitik.

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*Druschba, deutsch transkribiert, heißt auf Russisch Freundschaft

Der Fall der Vergiftung von Alexej Nawalny ist ein Wendepunkt in den deutsch-russischen Beziehungen. Die Einzelheiten des Falles, die noch weitgehend unklar sind, sind nicht mehr wichtig. Im September 2020 traf Berlin eine grundlegende Entscheidung der deutschen Außenpolitik: Deutschland wird gegenüber Russland keine Sonderpolitik mehr betreiben. Es wird nicht mehr versucht, die Motive der anderen Seite zu verstehen, gegenseitiges Verständnis und zumindest minimale Zusammenarbeit anzustreben. Weder wird Berlin als Dolmetscher aus dem Russischen in westliche politische Sprachen fungieren, noch wird es als Verantwortlicher für die Beziehungen zu Russland in Moskau die Positionen seiner Verbündeten erläutern.

Diese besondere Rolle, die die Bundesrepublik und ihre Kanzlerin in den letzten Jahren gespielt haben, gehört der Vergangenheit an. Jetzt steht Deutschland in derselben Beziehung zu Russland wie jeder andere in Westeuropa auch. Auf der Ebene der Rhetorik bedeutet dies eine grundsätzliche Ablehnung der Außen- und Innenpolitik des Kremls, harsche Kritik an konkreten Schritten Moskaus und große Solidarität mit den osteuropäischen Nachbarländern. Auf wirtschaftlicher Ebene erwarten viele, dass die Nord-Stream-2-Pipeline aufgegeben wird. Auf jeden Fall scheint die Ära der großen russisch-europäischen Energieprojekte vorbei zu sein. Auf diplomatischer Ebene wird es wahrscheinlich zu einer erheblichen Einschränkung der offiziellen Kontakte und möglicherweise zu einer Aussetzung des Dialogs auf höchster Ebene kommen.

Putin wird sich erinnern

Es ist unwahrscheinlich, dass der russische Präsident Wladimir Putin in dem Moment, als er die Notfallevakuierung Nawalnys von Omsk nach Berlin genehmigte, eine solche Wendung der Ereignisse vorausgesehen hat. Eher ist vom Gegenteil auszugehen: Er setzte auf das Zusammenspiel mit Angela Merkel, auf einen gemeinsamen Ausweg – mit Hilfe Deutschlands – aus einem unangenehmen Zwischenfall ohne neue Verluste für Russlands Ansehen.

Man kann versuchen, sich vorzustellen, wie Putin auf Merkels Aussage über die Vergiftung Nawalnys mit Nowitschok reagiert hat. Ein Schlag in den Rücken ist das Sanfteste, was einem in den Sinn kommt. Persönliche Beziehungen zu ausländischen Führern sind für Putins außenpolitischen Kurs von entscheidender Bedeutung. Auf der anderen Seite ist für einen rational denkenden russischen Präsidenten auch ein negatives Ergebnis eine Folge. Und er wird sich an dieses Ergebnis erinnern.

Freundschaft ist Vergangenheit

Damit beendet nicht nur Berlin eine Ära vertrauensvoller, langjähriger freundschaftlicher Beziehungen zu Moskau, die Gorbatschow eröffnet hat. Auch in Moskau wird diese Seite umgeblättert. Was vor 30 Jahren, zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung Deutschlands, nicht nur als historische Versöhnung, sondern auch als Garant für künftige freundschaftliche Beziehungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen beiden Völkern und Staaten gesehen wurde, gehört heute der Vergangenheit an.

Die Gegenwart nun erinnert an das, was lange vergessen schien. Auf dem Gebiet der Rhetorik, wo die russische Seite ihre Empörung nicht verbirgt, werden die deutschen Anklagen gegen Russland mit der Brandstiftung des Reichstags durch die Nazis verglichen: Damals gab Berlin die Schuld dafür der Komintern und Moskau. Im politischen Bereich wird der Kreml wahrscheinlich keine unmittelbaren drastischen Schritte unternehmen, aber von nun an wird er Deutschland als einen nicht eigenständigen, von den USA kontrollierten Staat betrachten. Wie die amerikanischen Partner werden von nun an auch die deutschen Partner nur noch „sogenannte Partner“ genannt.

Hybrider Nullsummenkrieg mit den USA

Diese Entwicklung wird Konsequenzen für die Situation im Donbass sowie für den Konflikt in Belarus haben, der in eine langwierige Phase eingetreten ist. Der Wert der Zusammenarbeit mit Berlin und Paris in diesen Fragen – im Normandie – wie im bilateralen Format – nimmt ab, während der Dialog mit Washington über die Ukraine und Weißrussland längst auf dem Niveau gegenseitiger scharfer Warnungen und harter Repliken angekommen ist.

Damit wird die Situation einfacher und gleichzeitig risikoreicher: Russland erwartet nichts mehr von Europa, und deshalb ist es nicht nötig, auf Europas Meinung oder Interessen zu achten. Mit den Amerikanern wird seit langem ein hybrider Nullsummenkrieg geführt. Und es gibt immer weniger hemmende Faktoren in diesem Kampf.

Endgültiges Urteil für Nord Stream 2

Der Zusammenbruch der russisch-deutschen Sonderbeziehungen ist der letzte und mächtigste in einer Reihe von Rückschlägen für Russlands Positionen in Europa. In den letzten Jahren kam es in einer Reihe von Ländern zu aufsehenerrgenden Korruptionsskandalen, die führende Politiker, die zur Zusammenarbeit mit Moskau neigten, aus dem Sattel hoben. In Frankreich waren es die Präsidentschaftskandidaten Dominique Strauss-Kahn und Francois Fillon, in Italien Vizepremier Matteo Salvini, in Österreich – Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

In anderen Ländern – Spanien, Griechenland, Bulgarien, Montenegro, Tschechien, der Slowakei und Norwegen – wurden russische Verschwörungen oder Spione aufgedeckt, was zu einer Abkühlung der Beziehungen zu Russland führte. Schließlich erhielt der Skandal der Vergiftung von Sergej Skripal und seiner Tochter im englischen Salisbury eine geradezu universellen Bedeutung.

Westliche „Kollegen“, wie es jetzt in Russland heißt, haben strategisch gearbeitet und ihre Hälfte des Feldes von feindlichem Einfluss gesäubert. Infolgedessen gibt es in Europa praktisch keine Staaten mehr, deren Regierungen Russland gegenüber eine neutrale bis positive Haltung einnehmen. Die Entscheidung von Merkel, die Frage nach dem Schicksal von Nord Stream 2 auf die Ebene der Europäischen Union zu verlagern, wirkt vor diesem Hintergrund wie ein endgültiges Urteil.

Spektakulär, aber langfristig wirkungslos

Spezialoperationen – unsere eigenen oder die von anderen – haben den Sinn, die Situation mit einem spektakulären Schlag zu eigenen Gunsten zu verändern. Strategisch gesehen ist der Erfolg von Spezialoperationen jedoch nicht immer langfristig. Häufig sind sie eher spektakulär als wirksam.

Der Fall Skripal ereignete sich zu einer Zeit, als in einigen europäischen Ländern – vier Jahre nach der Ukraine-Krise! – der Wunsch bestand, die Sanktionspolitik auf den Prüfstand zu stellen. Das Ergebnis: Die Überprüfung wurde verschoben. Der Fall Nawalny ereignete sich, als der Wunsch aufkam, eine neue harte Teilung Europas zu vermeiden, nun als Folge der amerikanisch-chinesischen Konfrontation.

Emotionen zügeln

Das Pathos dieses Artikels liegt nicht darin, dass beide Vergiftungen Provokationen der ein oder anderen Seite sind. Es geht darum, dass ungeachtet der Skandale und anderer Hindernisse wichtige europäische Interessen, auch die Deutschlands und Russlands, Zusammenarbeit und Kooperation erfordern. Skandale können diese Interessen von Zeit zu Zeit dämpfen, aber nicht unterdrücken. Deshalb sollte man die Emotionen zügeln und die Dinge in einem breiteren Rahmen betrachten.

Jeder im euro-atlantischen Raum muss sich daran erinnern, dass die russisch-deutsche Aussöhnung ein ebenso wichtiger Pfeiler der europäischen Sicherheit ist wie die deutsch-französische Aussöhnung. Diese Aussöhnung ist angesichts des nicht heilenden Traumas der Hitler-Aggression, des enormen Ausmaßes der Zerstörung und der vielen Millionen Kriegsopfer ein wahres Wunder der modernen Geschichte.

Phase der Feindschaft darf nicht anbrechen

Es ist nicht nötig, sich selbst und andere mit den Gespenstern Molotows und Ribbentrops zu erschrecken – vor allem jetzt nicht, wo statt einer weiteren Teilung Osteuropas zwischen Moskau und Berlin darum gerungen wird, was für ein Nachbarland Russland an seiner westlichen Grenze bekommen wird. Man sollte sich nicht über das Wiederaufleben der deutsch-russischen Feindschaft freuen. Sie wird die Nato nicht stärken. Deutschland mag seiner Verpflichtung zur Erhöhung der Militärausgaben nun schneller nachkommen, aber diese Ausgaben werden die Sicherheit Europas nicht verbessern. Man sollte sich nicht auf Hilfe von außen oder auf die Verlässlichkeit der nuklearen Abschreckung verlassen. Letzteres garantiert nur Zerstörung, nicht Rettung.

Die russisch-deutschen Beziehungen haben sich seit fast einem Jahrzehnt verschlechtert. Es ist unrealistisch, sie in absehbarer Zeit wieder in die Zeit der Partnerschaft für eine Modernisierung Europas von Lissabon bis Wladiwostok zurückzuversetzen. Aber es ist immer noch möglich, den Übergang der russisch-deutschen Beziehungen in eine Phase der Feindschaft zu stoppen.

Der bisherige Ansatz wird nicht funktionieren

Dazu muss der Grad der Aggression in der öffentlichen Rhetorik reduziert werden, eine eigene, möglichst gründliche Untersuchung im Falle Nawalnys durchgeführt werden, und es muss eine detaillierte, begründete Position dazu entwickelt werden, bevor das Thema mit der Organisation für das Verbot chemischer Waffen erörtert wird.

Diese Position sollte in erster Linie die russische Gesellschaft überzeugen. Der Ansatz „wir wissen nicht, was passiert ist, aber wir haben zehn Versionen von dem, wie es hätte sein können“ hat weder im Fall Litwinenko funktioniert, noch bei der Zerstörung der Boeing MH17 über der Ukraine, noch im Falle Skripal. Auch im Fall Nawalny wird es nicht funktionieren.

Wer wird nun Russland-Experte in der EU?

In den Beziehungen zu Berlin ist es besser, eine Pause einzulegen. Sollen die Deutschen selbst entscheiden, ob sie noch eine weitere Gasleitung aus Russland benötigen. Sollen sie selbst entscheiden, wer nach ihnen die Rolle des Russland-Experten in der EU einnehmen wird, ob nun Polen oder Litauen. Sollen sie selbst über die Nachfolge Merkels und generell über die Zukunft ihres parteipolitischen Systems entscheiden. Das geht uns nichts an.

Nach einer Weile muss man die Suche nach Verständigung mit Deutschland auf der Basis von Nachbarschaft, Berechenbarkeit und gegenseitigem Nutzen erneuern. Für Moskau besteht jetzt die wichtigste Aufgabe in Europa darin, in Weißrussland nicht zu versagen, wie man im Falle der Ukraine versagt hat. Man sollte nicht zulassen, dass Lukaschenko Putin täuscht, noch dass Putin sich im weißrussischen Volk täuscht. Und natürlich auch nicht im eigenen Volk.

Dieser Text erschien zuerst auf Russisch bei carnegie.ru

Jens Böhme | Mi, 16. September 2020 - 08:53

Die Annäherung Russlands an Europa wurde konsequent von Europa und der NATO-Osterweiterung erschwert. 2001 hat Russland das letzte Mal mit Putins Rede im Deutschen Bundestag erinnert, dass zu einer Beziehung immer mindestens zwei Seiten gehören. Russland wurde nach 1991 immer vor vollendeten Tatsachen gestellt. Ich kann es den Russen nicht verdenken, dass sie irgendwann umgestiegen sind, wie z.B. Nationalismus, Syrien-Politik, Krim, Ostukraine, Internet-Propaganda und Cyberkrieg. Schon den Tschetschenienkonflikt haben EU und NATO nicht begriffen (Kampf gegen die Expansion des Islamismus).

... wird in Deutschland überhaupt nicht begriffen!
Hier huldigt man ja der Auffassung, daß man den Islam irgendwie in
Europa integrieren könne, wofür es zwar keinen einzigen Beweis gibt, aber das
hindert die Gläubigen ja nicht, weiter davon zu träumen.
Die Russen haben jahrhundertelange E r f a h r u n g mit dem aggressiven Islam und wissen, daß ihm nur mit effektiver Gewalt beizukommen ist (Tschtschenien!).

Putin - ebenso wie Trump übrigens - sind wahrlich keine Vorzeige-Präsidenten, aber
im Vergleich mit Merkel u. Co. sind sie wenigstens R e a l i s t e n, denen es
um das Wohl i h r e s Staatsgebietes geht, keine Ideologen und Utopisten.
Im Endeffekt richten Letztere nämlich für die Bürger ihres Landes mehr Schaden an als jeder Trump oder Putin.

Nur: Leider kapiert das in Deutschland die Mehrheit der Bevölkerung nicht.
Wie denn auch, wenn die meisten Medienschaffenden es auch nicht kapieren (können o. wollen) und permanent das Gegenteil verkünden???

Die Russen als Opfer.

Denen die NATO auf den Pelz rückt.

Die wohl gezwungen waren, die Krim zu überfallen.

Und so weiter...

Erstaunlich, wie konsequent man den Ländern des ehemaligen Ostblocks das Recht abspricht, selbst über ihr Schicksal und ihre Zukunft zu entscheiden.

Was sie dann doch getan haben - und sich für die EU und NATO entschieden haben. Und nicht für die Anbiederung an ein Land, das von einem unberechenbaren, anti-demokratischen Autokraten regiert wird.

Was den Putin-Verehrern am rechten Rand ("Putin hilf uns") natürlich mißfällt.

Juliana Keppelen | Mi, 16. September 2020 - 16:14

In reply to by Gerhard Lenz

Ich finde sie machen es sich zu leicht Anderen die aus eigenen Beobachtungen heraus diese Entwicklung haben kommen sehen und vorausgeahnt haben als "Putin-Versteher" zu diskriminieren. Dieser Keil zwischen Russland und der EU wurde aus Natokreisen und aus dem Pentagon geplant und bewusst vorangetrieben. Um das zu sehen muss man nicht "rechts" oder AfDler oder Russlandeutscher dazu genügt genau zu beobachten und sich selber Gedanken zu machen und nicht nur das zu konsumieren was einem willig vorgesetzt wird. Noch eins die Russen waren Opfer unseres Größenwahns und die Nato rückt den Russen auf den Pelz beides ist Fakt.

Die deutsche Russlandpolitik ist seit dem Mauerfall ein einzige Katastrophe, strategisch blind und moralisch verlogen. Unsere Politiker wissen es nicht - zu jung -, haben es vergessen - ignorant - oder blenden bewußt aus, dass die Wiedervereinigung ohne Gorbatschow unmöglich gewesen wäre. Abgesehen davon gehört Russland geografisch, kulturell und wirtschaftlich zu Europa, hat Bodenschätze (u.a. Erdgas!) ohne Ende und 150 Mio. Konsumenten, die alle auf deutsche Qualitätsprodukte warten. Hinzu kommt die enorme strategische und wirtschaftliche Bedeutung der zukünftig ganzjährig eisfreien Nord-Ost-Passage, die Europa an Russland und Asien noch weiter heranführt. Stattdessen brüskieren unsere Politiker Russland und Putin in Person immer wieder mit Ignoranz und Beleidigungen. Da müssen wir uns nicht wundern, wenn sich Russland nun mehr dem eurasischen Raum und China öffnet. Auf der Strecke bleibt die EU und die USA haben genug Probleme mit sich und der Welt. Da spielt Europa keine Rolle.

Die NATO braucht ein "Feindbild", um insbesondere die US-Rüstung einigermaßen glaubhaft zu begründen.
Deshalb haben die USA alles unternommen, um eine "Strategische Partnerschaft" mit der Russischen Föderation zu verhindern.
Also mußte sich Russland militärpolitisch anders orientieren.
Das Ergebnis kennen wir inzwischen.
Die USA benötigen einen "militärischen Gegner", da ansonsten die US-Rüstungswirtschaft (Militärisch-industrieller Komplex) zusammenbrechen würde. Also heißt es in Washington: Weiteres Aufrüsten auf Teufel komm rauss!

gabriele bondzio | Mi, 16. September 2020 - 08:57

Wird hier auf eine Stufe gehoben, die verschiedenen Herrschaften im BT sehr gelegen kommt. Brauch man doch immer einen Aufhänger um seine Aversionen politisch auszuleben. Es war ja immer den Amerikanern ein Dorn im Auge. Das DE und Russland, aus der geschichtlichen Konstellation heraus, ein gutes Verhältnis pflegen könnten.
Freundschaft ist Vergangenheit,...also ehrlich Herr Trenin, die letzten Jahre habe ich nur Vorwürfe gehört. Manchen fehlte von vorn herein die Substanz. Das hätte ein Blinder mit Krückstock bemerkt. Zumal „Wenn zwei das Gleiche tun, so ist das nicht dasselbe.“ (Terenz), störte mich immer die politische Unausgewogenheit. Denn bei Vorwürfen die man ANDEREN macht, sollte man zuerst vor der eigenen Haustür kehren...

Mit einem Diktator auf Lebenszeit kann man als Demokrat keine guten Beziehungen haben. Die Sonderbeziehung mit Russland war übrigens der DDR geschuldet, die es nicht mehr gibt, weshalb sich das mit Russland erledigt hat. Übrigens, mit dem Ende der Sowjetunion hat sich auch die Nato erledigt. Trump ist da nur konsequent. Das Problem ist, daß Deutschland keine Strategie hat, nirgendwo. Letztlich ist bei uns alles vom Wunsch der Politiker zur Wiederwahl bestimmt.

gabriele bondzio | Mi, 16. September 2020 - 18:12

In reply to by Robert Müller

war nicht der Inhalt meines Kommentars. Sondern das Gesäussle um einen russischen Kritiker. Erinners Sie sich doch bitte, Herr Müller, wie das Ganze bei der Ermordung des saudischen Regimekritikers Dschemal Kaschoggi –am 2.Oktober 2018. "Saudi-Arabien ist nach den Vereinigten Arabischen Emiraten Deutschlands zweitwichtigster arabischer Handelspartner, Deutschland seinerseits Saudi-Arabiens viertgrößter Lieferant. Saudi-Arabien führt deutsche Produkte und Dienstleistungen in erheblichem Umfang ein."...schrieb man 19.08.2019 (Auswärtiges Amt)
"Ein Jahr nach Khashoggi wieder business as usual?"https://www.zdf.de/nachrichten/heute/bundesregierung-will-wieder-mit-sa… das meine ich, werter Herr Müller...

Heidemarie Heim | Mi, 16. September 2020 - 10:14

Ich glaube und fürchte so lange bis Putin den Stab weiterreicht. Denn wenn er eines ist, dann nachtragend! Und er kann und wird dafür sorgen, dass sich der Großteil der Russen hinter ihm schart, um die von ihm so bezeichneten Vasallenstaaten der USA abzuwehren. Wie im Fall Erdogan unterschätzt man z.B. u.a. auch seinen Einfluss auf die bei uns lebenden Auswanderer der ehemaligen Sowjetrepubliken. Aufgrund so einiger sehr "lebhafter" politischen Diskurse mit unseren engsten Freunde aus diesem Kreis, konnte ich inzwischen einen kleinen Einblick in die oft klischeehaft dargestellte russische Seele nehmen.
Dabei erfuhr ich wie wichtig Respekt und wie empfindlich Stolz und noch verankertes Zugehörigkeitsgefühl zur alten Heimat ist bzw. wirkt bei derartigen Vorkommnissen. Sowie primär die Erfahrung, das "Druschba" einen viel höheren aber auch ernsteren Stellenwert hat als bei uns. Auch deshalb habe ich die Sorge, dass da mehr als das gute Porzellan zerschlagen wurde! MfG

Christoph Kuhlmann | Mi, 16. September 2020 - 10:16

der ehemaligen Sowjetrepubliken in Europa konfrontiert. Er kann sich an den Fingern einer Hand abzählen wann das Problem auch in Russland virulent wird wenn Lukaschenko fällt. Das Problem ist, man weiß in solchen Krisen nie, wann der Diktator fällt. Das kann sehr schnell gehen oder Jahrzehnte dauern. Was North-Stream II angeht, es ist einfach zu viel Geld investiert worden. Da sind dänische oder österreichische Firmen genau so beteiligt wie deutsche. Die Nord Stream 2 AG hat mit ENGIE, OMV, Shell, Uniper und Wintershall Dea Finanzierungsvereinbarungen. Falls sich Trump nicht von selbst erledigt und kein Deal im Hintergrund möglich ist, müsste man sich mal das Netzwerk amerikanischer Firmen hinter den abstrusen aber auch kostspieligen Boykottmaßnahmen ansehen und es mit gleicher Münze heimzahlen zumal Frankreich ebenfalls verärgert ist. Europa kann es sich einfach nicht leisten wenn die Souveränität seiner Mitgliedsstaaten systematisch verletzt wird.

Juliana Keppelen | Mi, 16. September 2020 - 10:17

als auch Navalny für die Russlandgegner ein voller Erfolg. Ich halte beide für Falseflag Aktionen dafür spricht, dass Skripal kurz vor der WM in Russland stattfand, da wollte man Russland demütigen und die WM boykotieren und Navalny kurz vor Fertigstellung der NS2 wenn das kein Zufall ist? Und das Merkel seit 2003 ein Liebling des Pentagon war ist auch kein Geheimnis weit gedacht könnte man auf die Idee kommen sie war das erwünschte Werkzeug um in Sachen Russland dahin zu kommen wo wir heute sind. Dazu spielen wie weiland die "Leitmedien" ihre Rolle. Also wieder "Vorwärts Kameraden wir marschieren zurück".

Holger Jürges | Mi, 16. September 2020 - 10:35

Können sich deutsche Politiker nicht mal aus Dingen heraushalten, die zwangsläufig zu negativen Verhältnissen führen ? Nicht nur desaströse Alleingänge bei Fragen hinsichtlich der Migration von Glücksrittern töten die Vernunft, nein die moralschwingende Keule wird auch außenpolitisch geschwungen - nämlich immer dann wenn´s uns zum Nachteil gereicht. -

Duckmäusertum schwelt in den die politischen Reihen, wenn´s um das Gebaren der Saudis geht usw. usw. - jedoch opfert man dumpfbackig ein funktionierendes Verhältnis zu Russland. - All das sind gravierende Anzeichen der gewollten Selbstzerstörung einer wirklichkeitsentrückten Volksseele, die krank dahinsiecht im Innern: Die Völker der Welt mögen´s kaum glauben, schütteln befremdet den Kopf und schauen zu...

Marianne Bernstein | Mi, 16. September 2020 - 11:52

Es ist einfach heuchlerisch zu glauben, dass es zum einen die Phase der Feinschaft nicht schon gäbe und zum anderen zu glauben, dass Deutschland, die EU oder auch die USA ein Interesse an guten Beziehungen zu Rußland hätten. Man will den Systemwechsel in Rußland und setzt dafür alles aufs Spiel. Die Rechnung wird nur nicht aufgehen, auch wenn es im Krieg keine Gewinner gibt.

Ernst-Günther Konrad | Mi, 16. September 2020 - 12:57

Ja, die Moralkeule wird weiter geschwungen und die Merkelaristrokratie glaubt fest daran, wenn die Keule nur lang genug geschwungen wird, dass sie schon Wirkung zeigt. Ein großer Irrtum.
Mal ehrlich, mit wem hat sich Merkel denn in den letzten 15 Jahren nicht überworfen?
Russland belogen mit Erweiterung der EU und Einflussnahme mittels Geldgeschenken auf "willige" Oststaaten eingewirkt, um eine Verbindungen zu Russland zu stören oder gar zu kappen.
Die mächtigste Frau der Welt titelten viele internationale Presseorgane., so lange Geld floß. Mit Putin wird jetzt gebrochen, mit den USA nicht gesprochen, mit den Visegrad-Staaten, insbesondere Polen und Ungarn im Streit wegen angeblich "fehlenden" demokratischen Werte. Von der gesamten EU wegen des erneuten Rückfalls in die Migrationspolitik von 2015 isoliert. Das muss man ihr lassen. Sie hinterlässt außenpolitisch verbrannte Erde.
Merkel ist auf ganzer Linie gescheitert. Putin wird sein Ding weiter machen und sich nicht verbiegen .

Jost Bender | Mi, 16. September 2020 - 15:42

Ohne "Prawda" [Wahrheit] ist jede "Druschba" [Freundschaft] nur schwer aufrechtzuerhalten. Wenn Merkels Forderung nach Aufklärung hier als "Schlag in den Rücken" Putins (oder Schlimmeres) interpretiert wird, werden wieder einmal Ursache und Wirkung verwechselt.
Wenn unsere Katze uns tote Mäuse vor die Tür legt, lieben wir sie trotzdem - (aber Putin ist nicht unsere Katze & Changoschwili + Nawalny keine Mäuse). Wenn Putin in Europas Hauptstädten - auch in sensiblen politischen Phasen - wiederholt & demonstrativ Dissidenten ermordet, KANN unser politischer Betrieb da nicht auf Dauer drüber hinwegsehen, da die Rechtsstaatlichkeit eine mindestens so wichtige Grundlage unserer Gesellschaft(en) ist, wie die Demokratie. Es sind die - für alle offensichtl. - Lügen z. MH17-Abschuss durch e. russ. BUK-Einheit, z.d. Mordanschl. auf Litwinenko & Skripal - u.d. Exekution von Changoschwili in Berlin, die eine unübersehbare Störung dieser Beziehung verursachen. Nawalny war ein Fall zu viel.

"KANN unser politischer Betrieb da nicht auf Dauer drüber hinwegsehen"?-
"Die ganze Öffentlichkeit geht ins Theater und entscheidet über die Stücke, ehe noch die Aufgeklärten ihr Wort gesprochen haben. Eine schlechte Gattung kann dort also nicht durchdringen, ohne dem Guten fühlbaren Schaden zuzufügen und den Geschmack zugrunde zu richten; denn sie gewöhnt das Publikum daran, zu dulden und schließlich zu bewundern, was den Beifall eines aufgeklärten und gebildeten Volkes nicht verdient..." so
Friedrich Melchior Grimm, (1723 - 1807).
"Es sind die - für alle offensichtl. - Lügen..."
Oder:- Was für eine schlechte Inszenierung?

Tomas Poth | Mi, 16. September 2020 - 17:02

Erklärt man Freunde zu Feinden, so wie Merkel es als Kanzlerin, war es 2017 oder 2018, einst postulierte?
Es gibt nur Interessen zwischen Staaten, keine Freundschaften.
Die Interessenlagen verschieben sich, je nach geopolitischer Lage und wirtschaftlichen Möglichkeiten.
Die mediale Show die aufgeführt wird dient nur der jeweiligen Lenkung und Selbstvergewisserung im eigenen Lager.

Kai-Oliver Hügle | Mi, 16. September 2020 - 18:47

Es gäbe viel zu sagen zu Ihrer Analyse. Ich möchte es bei zwei Feststellungen belassen:

1) Politiker vom Schlage Fillon, Salvini und Strache - allesamt wegen diverser Delikte entweder bereits verurteilt oder angeklagt - mögen den Vorstellungen der russischen Führung entsprechen, sind in westeuropäischen Staaten aber nicht vermittelbar, zumindest nicht dauerhaft.
2) Tja, irgendwie "unglücklich" gelaufen das mit Nawalny und den vielen anderen Anschlagsopfern; dazu die Schauprozesse gegen Aktionskünstler und Oppositionelle, die Annektion der Krim, die "grünen Männchen" in der Ost-Ukraine sowie den russischen Kriegsverbrechen in Syrien.

https://www.handelsblatt.com/politik/international/kriegsverbrechen-amn…

Unter diesen Umständen haben Sie sicher Verständnis, dass Deutschland etwas auf Distanz geht. Gospodin Putin wird voraussichtlich erst in 10-15 Jahren abdanken. Vielleicht dann nochmal Annäherung?

Fritz Elvers | Mi, 16. September 2020 - 19:38

ob es ein von Putin befohlener Staats-Mordversuch war oder nicht. Ja oder nein. Vieles spricht dafür und vieles dagegen. Wenn ja, war es dumm, und für Dummheit ist Putin nicht gerade bekannt, im Gegensatz zu einigen westlichen Kollegen. Wie auch immer, NS2 ist ein wichtiges strategisches Projekt, weit über die Putin-Herrschaft hinaus, insbesondere für die Energiewende. Wenn dieses Projekt gestoppt werden würde, könnte Rußland auch weitere Lieferungen reduzieren oder unterbrechen. Der Verzicht auf NS2 pp. zeugt jedenfalls von vollkommen fehlendem Sachverstand. Freuen würde sich allerdings Koch Inc. Die BR hat ja schon zusätzlich 1 Milliarde für LNG-Terminals zugesagt, wenn die USA NS2 erlauben! (Zeit-Online). Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen.