China - „Tumult einer kleinen Handvoll Menschen mit Hintergedanken“

Vor 30 Jahren wurden in China die Demonstrationen für Demokratie und Freiheit auf dem Platz des Himmlischen Friedens niedergeschlagen. Die Folgen sind bis heute spürbar – nicht zuletzt in der westlichen Welt

Die Niederschlagung der Proteste vor 30 Jahren prägt China bis beute / Fotos: Stephen Shacer/UVP/Laif

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Schon seit langem blickte die chinesische Führung mit großer Sorge auf den 30. Jahrestag der gewaltsamen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989. Die drastische Zunahme der politischen Kontrolle und das konsequente Vorgehen gegen Kritiker und protestierende Studenten in den vergangenen Monaten haben zweifelsohne ihren Ursprung in Ängsten vor diesem Datum. Die berauschenden Monate des Frühlings 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens sowie das abrupte brutale Ende durch den Einsatz des chinesischen Militärs sind allen Versuchen der Zensur zum Trotz in der Erinnerung der Bevölkerung weiterhin präsent. Die Ereignisse von 1989 stellen tatsächlich einen tiefen Einschnitt dar, dessen Konsequenzen weitreichend und bis heute spürbar sind – in China selbst, aber auch darüber hinaus.

Die Demokratiebewegung von 1989 war die größte spontane Massenbewegung seit Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949. Die Studenten verlangten Freiheit und Demokratie, aber ihre Proteste waren auch eine direkte Reaktion auf aufkommende soziale Probleme und die wirtschaftliche Unsicherheit Ende der achtziger Jahre. Eine außer Kontrolle geratene Inflation hatte damals zum Rückgang der Kaufkraft geführt und vor allem bei Staatsbediensteten sowie bei Akademikern und Studenten Ängste vor einer Verschlechterung ihrer wirtschaftlichen Lage hervorgerufen; sie fühlten sich als die Verlierer der seit 1978 unternommenen Wirtschaftsreformen. Hinzu kamen zunehmend Berichte über Korruption, die großes öffentliches Missfallen erregten. Insgesamt war die Stimmung im Land Ende der achtziger Jahre aufgeheizt. Immer öfter meldeten sich bekannte Chinesen zu Wort, die demokratischere Verfahren im Sozialismus verlangten. Schriftsteller, Wissenschaftler und Intellektuelle argumentierten, nur durch Reformen und mehr Demokratie ließen sich der Machtmissbrauch und die Korruption eindämmen. Und sogar in der Partei selbst verbreitete sich die Ansicht, dass politische Reformen unausweichlich seien. Wobei die allgemeine Unzufriedenheit in dem Maß wuchs, in dem die Parteiführer einen Erneuerungsprozess verzögerten. Besonders die Studenten wurden immer rebellischer.

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Bernd Muhlack | Di, 4. Juni 2019 - 18:30

Ich kann mich sehr gut erinnern!
Davon ausgehend, dass man damals noch keine Fake-Infos in Perfektion erhielt, war das beeindruckend, shocking.
Da sitzt man in der "guten Stube" auf dem Sofa u sieht sich Peking an.
"Eine chinesische Regierung muss tun, was eine chinesische Regierung tun muss!"

5 Monate später auf demselben Sofa sitzend: die Berliner Mauer fällt! Oha, wann rollen die Panzer? Njet, die Sowjets blieben in ihren Kasernen!
Auch das war shocking, jedoch im Positiven!
Unvergesslich die Pressekonferenz mit Schalck-Golodkowski. Brille auf, lesen u dann: "Wenn ich das richtig sehe, gilt das ab sofort, also jetzt!"

Hätte es in Berlin geknallt, wäre Peking dagegen quasi ein gaulandscher historischer Vogelschiss gewesen.

China, Mitteldeutschland? Wie sagt man so trefflich. "dem Patienten geht es den Umständen entsprechend gut!"
1989 - 2019
Warum zur Hölle braucht unser Land einen "Ostbeauftragten", was treibt der den ganzen Tag?

"Ja also Hallo erst mal ...

Ernst-Günther Konrad | Do, 6. Juni 2019 - 05:38

und glauben deshalb, überall müsste Demokratie oder das, was wir glauben zu leben, genauso so sein. Um das klar festzustellen, Menschen mit Gewalt an Meinungsäußerungen zu hindern, gar zu töten, lehne ich ab. Nur, im Falle China, wie auch im Nahen Osten müssen unbedingt die kulturellen und historischen Hintergründe beachtet werden. Die Chinesen saugen das System mit der Muttermlich auf und haben sich in ihrer Lebenssituation letztlich zurecht zu finden und es gibt wohl auch Chniesen, die sich so wohl fühlen, wie sie leben. Sie kennen es nicht anders und machen da auch mit. Die spannende Frage wäre, was wenn plötzlich der überwiegende Teil der Chinesen es nicht mehr wollen und aufbegehren?
Das gleiche gilt für den Nahen Osten bzw. die islamisch geprägten Staaten. Wir maßen uns an, dort die Denker- und Bestimmerrolle einzunehmen. Alles braucht seine Zeit und das jeweilige Volk selbst muss es in die Hand nehmen, Veränderungen einzuleiten. Manchmal dauert es 1000 Jahre, manchmal 40 Jahre.

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