Brexit-Chaos - Absturz in die Ausweglosigkeit

Das Brexit-Chaos ist perfekt: Das britische Parlament lehnt den Austrittsdeal von Theresa May mit großer Mehrheit ab. Großbritannien schlittert noch tiefer in die politische Krise. Es gibt kaum noch Auswege aus dem No-Deal-Szenario – und auch nicht für Theresa May

Theresa May, die britische Premierministerin
Noch hat Theresa May Boden unter ihren Füßen / picture alliance

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Tessa Szyszkowitz ist Londoner Korrespondentin des österreichischen Wochenmagazins Profil. Im September 2018 erschien „Echte Engländer - Britannien und der Brexit.". Foto: Alex Schlacher

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Tessa Szyszkowitz

Fast jeder Londoner Taxifahrer drückt auf die Hupe, wenn er an Robert Wright vorbeifährt. „Hupt, wenn ihr für Brexit gestimmt habt!“ steht auf dem Pappkarton, den der 64-jährige Pensionist hochhält. Der ehemalige Steuerberater steht in Whitehall direkt vor dem schmiedeeisernen Tor von Downing Street. Als es sich öffnet und eine dunkle Limousine aus der kleinen Seitengasse herausgleitet tut Wright so, als werfe er sich fast vor das Auto. „Vielleicht ist es Theresa May“, ruft er über die Schulter. Sein Einsatz sei nur logisch: „Freiheit ist uns Engländern eben besonders wichtig.“

Robert Wright
Robert Wright will einfach raus /
Tessa Szyszkowitz

Wenige hundert Meter weiter vor dem Westminster-Palast tobt in diesen Tagen die Schlacht zwischen Brexitfans und Proeuropäern – verbal, wohlgemerkt. Sie hupen, schreien, musizieren gegen einander an. Noch, zumindest. Seit rechtsradikale Hooligans in gelben Westen vorige Woche proeuropäische Abgeordnete angepöbelt haben, fürchten die Sicherheitskräfte Handgreiflichkeiten. „Könnten Sie bitte hinter die Absperrung zurücktreten“, sagt ein Polizist höflich zu einem älteren Demonstranten, der vor dem Churchill-Denkmal auf dem Parlamentsplatz steht. Dieser trägt eine gelbe Weste und darüber eine weiße Fahne mit rotem Kreuz: „Ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen“, knurrt der englische, wütende Bürger und ruft: „Rettet den Brexit!“

Eine Entscheidung, die das Land prägen wird

Im Parlament geht es mindestens so heiß her wie auf der Straße davor. „Das ist eine historische Entscheidung, die unser Land für Generationen prägen wird“, rief Theresa May den Abgeordneten im Unterhaus vor der entscheidenden Abstimmung zu. Kurz darauf lehnte das Unterhaus am Dienstag abend den Austrittsvertrag, den Theresa May mit Brüssel ausgehandelt hat, mit großer Mehrheit ab. 432 Abgeordnenete stimmten gegen ihren Deal, nur 202 für ihn.

Die Rebellen kommen aus beiden Lagern. Boris Johnson, der die Brexit-Kampagne 2016 anführte, stimmt gegen den Deal seiner eigenen Premierministerin, weil „wir sonst zum Vasallenstaat verkommen“. Er hält kein Abkommen beim EU-Austritt für unproblematisch. Sein kleiner Bruder Jo Johnson hingegen, der bis November als Staatsekretär tätig war, will gar keinen Brexit, sondern eine zweite Volksabstimmung.

Die Gedemütige will weitermachen

Wie aber soll es nun weitergehen? Das Parlament ist so gespalten wie das Land. Regierungschefin Theresa May ist gedemütigt, will aber weitermachen. Sie muss am Montag dem 21. Januar einen Plan B im Parlament vorstellen. Sie möchte vermutlich zurück nach Brüssel fahren und weiterverhandeln. Die EU hat aber deutlich gemacht, dass es über den Austrittsvertrag nicht weiter verhandeln wird. Die Britin könnte versuchen, direkt schon über die zukünftigen Beziehungen zu verhandeln und Richtung Norwegen-Modell zu gehen. Ein Verbleib im Binnenmarkt zusätzlich zu einer Zollunion könnte den „Backstop“ – die Sicherheitsklausel für Nordirland – obsolet machen und doch noch eine Mehrheit im Parlament bekommen.

Manche Abgeordnete und einige Minister wollen inzwischen allerdings lieber eine neue Volksabstimmung durchsetzen. Dazu gibt es im Parlament eine parteiübergreifende Initiative. Bisher haben allerdings beide entscheidenden Parteivorsitzenden ein zweites Plebiszit explizit ausgeschlossen. Tory-Chefin May will die Bevölkerung nicht noch einmal befragen. Labours Jeremy Corbyn glaubt ebenfalls nicht, dass ein Referendum seine in dieser Frage tief gespaltene Partei einen könnte – vom gesamten Königreich ganz zu schweigen.

Corbyn setzt auf ein Misstrauensvotum gegen die Regierung. Am Mittwochabend soll darüber abgestimmt werden. Auch das scheint nach derzeitigem Wissensstand eine äußerst unwahrscheinliche Option: Die Opposition hat im Unterhaus keine Mehrheit. Selbst Tories, die gegen Mays Deal gestimmt haben, wollen nicht gegen ihre Regierungschefin stimmen. Der Druck auf die Premierministerin aber dürfte nun so groß werden wie nie zuvor. Was sei im Amt hält, so scheint es, ist allgemeine, pure Ratlosigkeit.

Ausweg ist der Aufschub

Eher wahrscheinlicher wird daher ein Szenario, dass der strauchelnden Regierungschefin zumindest noch ein wenig Zeit bringen könnte: die Aussetzung des Artikel 50. Dieser Paragraph der EU-Verträge besagt, dass ein Land genau zwei Jahre nach der Auslösung des Artikel 50 die Europäische Union verlässt. Großbritannien hatte am 29. März 2017 den entsprechenden Brief in Brüssel abgegeben. Wenn Großbritannien um eine Aussetzung ansucht, so die allgemeine Meinung, wird Brüssel, also alle 27 verbleibenden Mitgliedstaaten einstimmig, dem zustimmen. Zumindest bis zu den EU-Wahlen im Mai könnte Theresa May einen Aufschub erhalten, um noch einen weiteren Versuch zu machen, einen geordneten Brexit auszuhandeln.

Trotz des lauten Theaterdonners klingen selbst ihre Gegner so, als hätten sie Kreide gefressen, wenn es um die Zukunft der angeschlagenen Regierungschefin geht. David Davis, der als Brexitminister im Juli zurückgetreten ist und der Mays Deal verteufelt, meint bei einer Pressekonferenz am Dienstag: „Nein, ich will nicht, dass sie zurücktritt.“ Der neben ihm sitzende Dominic Raab, ebenfalls ehemaliger Brexit-Minister und Hardliner, sekundiert: „Sie könnte bei den Verhandlungen in Brüssel stärker werden, gerade weil wir ihren Deal abgelehnt haben.“ Selbst Raab, der derzeit gute Karten hat, die eiernde Lady zu beerben, scheint nicht zu erwarten, dass er demnächst zum Zug kommt.

Vor lauter Kabale und Hass zwischen Brexitfans und Proeuropäern scheinen derzeit alle Möglichkeiten blockiert. Einigt sich das Parlament in den kommenden Wochen auf gar nichts, dann tritt Großbritannien am 29. März um 23 Uhr ohne Abkommen aus der EU aus. Denn das Austrittsdatum wurde im britischen Gesetz verankert und müsste mit einem Gesetzesakt erst wieder entfernt werden.

Jacqueline Gafner | Di, 15. Januar 2019 - 23:58

waren zwei Parteien beteiligt, die Niederlage von Theresa May im britischen Parlament ist für Brüssel eine gleichermassen klatschende wie für die britische Premierministerin. Die für morgen angekündigte Vertrauensabstimmung dürfte sie mit hoher Wahrscheinlichkeit gewinnen, womit sich die Träume von Labour von einem baldigen Regierungswechsel vorderhand in Luft auflösen dürften. Darüber hinaus ist alles offen, wie die schon den ganzen Abend über laufende BBC-Sondersendung unmissverständlich deutlich macht. Premier May hat zwar noch im Parlament klargemacht, wie sie sich das weitere Vorgehen vorstellt, davon abgesehen ist man über das gesamte Parteienspektrum hinweg mit einem Wunschkonzert konfrontiert, das weit von einer mehrheitsfähigen Lösung entfernt ist. Ich denke, dass es auf einen "wilden" Brexit hinausläuft, der reihum für gehöriges Kopfweh sorgen wird, aber den Rosenkrieg der letzten zweieinhalb Jahre beendet. Womöglich nicht die schlechteste Lösung, namentlich für die Briten.

Mathias Trostdorf | Mi, 16. Januar 2019 - 00:01

Mal ein recht sachlicher Artikel zur Lage.
Es wird noch eine Weile stürmisch bleiben im UK, aber irgendwie finden sich ja immer Mittel und Wege. Daß eine Lösung aus einem Verbund, dem GB so lange angehörte, aufgrund insbesondere der wirtschaftlichen Verzahnungen nicht leicht werden würde, war klar, Aber aus Krisen enstehen ja auch immer Chancen. Und so lebendige Diskussionen wie im britischen Parlament würde ich mir nach der Merkelschen bleiernen Zeit (in Tradition of the DDR-Volkskammerpolitbüro) auch im deutschen Bundestag mal wieder wünschen.

nur es wird niemals solche Debatten (ohne Fraktionszwang!) geben. Ich erinnere an die "Fragestunde" im Bundestag. A. Merkel ist nicht in der Lage, direkt auf direkte Beiträge (oder Fragen) zu antworten. Mir ist das während der Live-Übertragung aus dem Unterhaus auf phoenix auch aufgefallen. Unvorstellbar, solch ein Parlament bei uns.

Mathias Trostdorf | Mi, 16. Januar 2019 - 00:05

Gesünder und bequemer wären natürlich Sana Orthopädie-Mokkasins, auch wenn man bzw. Frau damit läuft wie Pittiplatsch.

dieter schimanek | Mi, 16. Januar 2019 - 01:51

Man lößt so lange abstimmen bis es passt. Es wird aber nicht passen. Bei no Brexit macht die andere Hälfte der Bevölkerung ihrem Ärger Luft. Raus aus der EU und die Konsequenzen tragen, so ist das Wahlergebnis. Bei dieser ganzen Panikmache denke ich an den Hamburger Hafen. Millionen Tonnen Fracht aus aller Welt unterliegen dem Zoll und werden problemlos abgefertigt, alles eine Frage der Logistik. Von England und Irland aus fahren auch nach einem Brexit weiterhin Schiffe, fliegen Flugzeuge und rollen LKWs. Ich halte das Horrorzenario der EU für Schmierenteather um andere Länder abzuschrecken.

Michael Sander | Mi, 16. Januar 2019 - 13:06

In reply to by dieter schimanek

Natürlich ist es das. Dennoch hätte auch dieser Schritt vorbereitet werden müssen, was die Regierung May jedoch fahrlässig unterlassen hat.

Folkher Braun | Mi, 16. Januar 2019 - 02:01

Die Briten haben zuerst verstanden, dass dieses EU-Konstrukt nichts mit Demokratie zu tun hat. Es ist vielmehr eine Elitenherrschaft, bei der das Parlament nicht zu melden hat, weder Gesetzesinitiative noch Haushaltsrecht.
Jahrzehntelang haben die Parteien ihre besonders kleinen Geister in das Parlament geschickt, siehe Elmar Brok, Silvana Koch-Mehrin und Martin Schulz.
Dafür wurde Europa mit Legionen vor- und nachrangiger Rechtsakten überflutet, welche die Lobbyorganisationen höchstselbst schrieben, die aber kein Mensch braucht. Denn wenn Industrie und Handel selber sich Qualitätsmaßstäbe setzen, braucht man kein Parlament zur Absegnung und kein Bundesamt zur Überprüfung. Das kann man so durchreichen.
Der gestrige Tag bedeutet einen Sieg der Demokratie. Und das Theater mit dem Lkw-Stau vor Dover ist einfach affig. Die Zollpapiere laufen elektronisch durch und kein Zöllner muss die Ladung prüfen. Das war das einzige wichtige Projekt der EU.

Arnold Heisterbach | Mi, 16. Januar 2019 - 03:56

Aus dem Untertanenstaat Deutschland kann ich nicht ohne einen gewissen Neid ins grosse Britannien blicken.

Joachim Wittenbecher | Mi, 16. Januar 2019 - 07:41

…..vor unseren Augen. Deutschlands Lebensversicherung, die Verankerung in Nato, EU und in einem partnerschaftlichen Verhältnis zu Russland sind zutiefst fragwürdig geworden. Wir tragen selbst mit die Schuld daran: Verbalmoralismus und spektakuläre Alleingänge lassen Partner an unserer Berechenbarkeit und Vertrauenswürdigkeit zweifeln. Im Ernstfall stehen wir alleine da. Ein Land mit unserer geographischen Lage kann sich so etwas nicht leisten. Was hilft uns eine europäische Verteidigung, an der GB nicht beteiligt und Russland ein Feind wäre.

nicht wir tragen die Schuld am Zerbrechen der Partnerschaften Deutschlands. Weder Sie noch ich hetzen gegen gegen die Politik von Polen, Ungarn, Russland, Großbritannien und anderer Staaten. Auch versuchen wir Beide nicht, von anderen Ländern die Aufnahme von Migranten zu erzwingen und üben uns nicht in Häme über die derzeitige verzwickte Situation wegen des Brexits in Großbritannien. Das Alles verdanken wir unserer glorreichen Regierung, die sich nach den letzten Wahlen zu einer Koalition zusammengeschlossen hat, die mit Sicherheit von den wenigsten Wählern gewollt worden ist und die sich auch in der vorherigen Legislaturperiode nicht anders verhalten hatte. Wie sagte doch Kurt Tucholsky so zutreffend zu unserer Art der Parteiendemokratie: "Wenn Wahlen etwas ändern könnten hätte man sie längst verboten".

Renate Brunner | Mi, 16. Januar 2019 - 07:42

Das britische Parlament hat gestern genaugenommen, nicht nur für Großbritannien abgestimmt, sondern indirekt für die EU-Mitglieder insgesamt (was die Auswirkungen betrifft), für manche Mitglieder zB Deutschland mehr, für andere weniger. Hoffentlich kommen wir mit einem blauen Auge davon.

Gerdi Franke | Mi, 16. Januar 2019 - 08:47

Es wird für jeden Austritt gelten, dass wohl niemand seinen Anteil der Schulden übernehmen will, den die EU auch in seinem Namen angesammelt hat! Und der letzte verbleibende EU-ler hafte dann für alles!

gabriele bondzio | Mi, 16. Januar 2019 - 08:52

eben besonders wichtig.“...sollte auf alle Nationen zutreffen. Daraus regt auch viel Widerstand in der EU. Die Engländer haben aber im Gegensatz zu anderen Nationen die Möglichkeit, der Bürgerbeteiligung in solchen Fragen. Sonst wäre die EU, in ihrer derzeit prekären Lage, schon lange zerbröselt. In Frankreich wird ja derzeit das Thema auch kontrovers zur Regierung auf die Straße getragen. Wenn schleichend die Demokratie ausgehebelt wird, ist Gegenwehr angesagt. Erstaunlich finde ich eher, wie willig die Deutschen sich dem unterwerfen.
Die EU hat aber deutlich gemacht, dass über den Austrittsvertrag nicht weiter verhandeln wird. Sie schalten gewissermaßen auch auf stur. Wohl wissend, dass ein zweiter Volksentscheid keine Änderung bringen würde. Man will es den Briten so schwer als möglich machen. Damit kein anders EU-Land nachzieht. Weil es aber so ist wie es ist, dass unausgegorenen Visionen(siehe Marcon/ Schulz SPD) nicht einhellig beim Bürger ankommen,

Ernst-Günther Konrad | Mi, 16. Januar 2019 - 09:41

Ein Volk ist in einem wesentlichen Punkt uneinig. Eine schwache Mehrheit, aber eben eine Mehrheit ,will aus dem "Verein" EU austreten. Sie wollen nicht ein bischen heraus, sondern ganz und gar. Es gibt sicher für beiden Seiten gewichtige Argumente. Nur sieht man es nüchtern und pragmatisch geht ein bischen austreten nicht. Die Engländer haben eine Urüberzeugung in Sachen Demokratie und beweisen uns das gerade. Die EU hat Angst, dass der "harte" Brexit ein Beispiel dafür sein könnte, dass auch andere Staaten auf den Gedanken kommen könnten, austreten zu wollen. Würde es England schaffen, mit allen Vor- und Nachteilen dies zu überstehen, hätten sie Vorbildfunktion für andere EU-Zweifler. Das die Briten eigenständig ihre Politik bestimmen und eben nicht von einer EU gegängelt werden wollen kann jeder nachvollziehen. Das Angebot der EU sich reformieren zu wollen ist ein Scheinangebot. Sie hatten Jahre Zeit dafür und taten es nicht. Ganz oder gar nicht, ein bisschen schwanger geht
nicht.

Markus Trullus | Mi, 16. Januar 2019 - 10:54

Ich denke ich bin da nicht alleine: Lass die Briten endgültig austreten- Harter Brexit. Ohne wenn und aber. Die Welt geht deshalb nicht unter, und die permanenten Bremser der europäischen Einigung werden im EUP weniger. Über eine kräftige Reform der EU muss fest nachgedacht werden. Denn wir brauchen die EU mehr als wir denken- sehen wir uns die globale Entwicklung an. Gemeinsame Sicherheit- und Aussenpolitik wäre sinnvoll, aber auch mehr Subsidiarität. Ob es einen direkt gewählten Komm. Präsidenten geben soll- da haben sich die Briten ja auch immer dagegen gewehrt. Ja und die Einstimmigkeit im Hohen Rat kann durchaus bleiben (für einmaliges Veto!), nur- die Grundentscheidungen sollten nur im EUP und Kommission gestellt werden. usw..
Das Alles ist verhandelbar! Und sollte dringend angegangen werden.

Ralph Lewenhardt | Mi, 16. Januar 2019 - 11:00

Der Ausweg wäre, jetzt schnellstens eine wirklich grundlegende EU-Demokratie- und Euroreform der auch ohne GB zerrütteten, hyperverschuldeten EU einzuleiten, anstatt die Flucht der "Festgefahrenen Führungsprotagonisten"nach vorn in den Aristrokatenzentralismus weiter zu dulden. Nur auf dieser Basis könnten die Verhandlungen mit GB bei Null beginnen und würde die Gemeinschaft souveräner Staaten, wieder gefestigt. Das aber verlangt, durch die EU-Wahlen das Ausbremsen der smarten Merkels und Macrons , die ihre Parteienmehrheiten bereits in ihren Ländern verzockten, weil ihr selbstherrliches Machtverständnis wahre Demokratiekultur und eherne Ökonomiegesetze, ständig in die Nische tritt.

Michael Sander | Mi, 16. Januar 2019 - 11:53

Das man May bei den Tories immer noch stützt, ist wohl nur dem Umstand geschuldet, dass niemand nun die Verantwortung in der durch May verschuldeten ausweglosen Situation übernehmen will. In der britischen Presse geht man mit der MP allerdings sehr hart ins Gericht.
May hat sich mehr als einen kapitalen Fehler geleistet. Der Schlimmste dabei war, dass sie es versäumt hat, das Land auf ein mögliches Scheitern der Verhandlungen vorzubereiten. Wie ein britischer Kommentator richtig feststellt, hat May "alle Boote verbrannt, die am Strand lagen", in der Hoffnung, dadurch mehr Druck aufbauen zu können, um "ihren" Deal durchs Parlament zu bekommen. Sie hat, mit anderen Worten, alles auf eine Karte gesetzt und - verloren. Man muss sich bei ihr nun fragen, ob das alles wirklich "nur" Unfähigkeit war, oder ob sie bewusst auf ein Scheitern hingearbeitet hat. Jedenfalls hat sie durch ihr Nicht-Handeln nun eine Situatiuon geschaffen, in der die Remainers wieder Morgenluft schnuppern können.

Christa Wallau | Mi, 16. Januar 2019 - 11:58

In Großbritannien - hauptsächlich in England - tobt ein erbitterter Kampf der unterschiedlichen Gefühle, genauer: Befürchtungen.
Die eine Seite sieht im Verbleib in der EU den Verlust der Eigenständigkeit (Autonomie) und die andere im Brexit den Verlust wirtschaftlicher Vorteile.
Beide Befürchtungen haben ihre Berechtigung.

England war immer ein Land mit großem Kampfeswillen für Autonomie u. Freiheit. Der Stolz auf die eigene Geschichte ist dort - im Gegensatz zu D - ungebrochen. Daher wiegen wirtschaftliche Erwägungen, die naturgemäß zeitlich begrenzt sind, für sehr viele Engländer geringer als die Bedrohung, unabänderlich fremdbestimmt zu werden.
Die Deutschen hatten vor dem Auftreten der AfD
keine einzige Partei, die der real existierenden EU mit ihren vielen Mißständen kritisch
gegenüberstand. J e t z t wird sich zeigen, daß es auch unter den Deutschen noch Menschen gibt, die ihre Selbstbestimmung für wertvoller erachten als kurzfristige wirtschaftliche Vorteile.

sie haben in allem Recht. In Deutschland wurde viel zu lange kritiklos, allenfalls nur aus parteipolitischem Kalkül heraus an der EU kritisiert. Es wird Zeit das subatnzielle Kritik und Auseinandersetzung mit dem Alleinherrschaftswillen Brüsseler Bürokraten
auch in Deutschland seinen Platz bekommt. Das heisst nicht raus aus der EU, sondern reformieren und Beachtung nationalstaatlicher Interessen.

Maya Fink | Mi, 16. Januar 2019 - 12:00

May ist "gedemütigt"?
Das Herumgehacke auf May verstehe ich nicht.
Eine schamlose Lügenkampagne der Rechten und die arrogante Unantastbarkeitsillusion der zentralistischen Linken spaltet das Land in zwei Lager, und es wählt Brexit.
In der Folge lässt ein feiger Leave-Propagandist nach dem anderen die heiße Kartoffel fallen, die Politik zerrt in alle Richtungen, nur niemals an einem Strang, stellt absurde Forderungen, denen die EU natürlich nicht nachkommt. Kein Mensch hat eine Lösung.
Gedemütigt sollte sich vermutlich jeder mehr fühlen als May, die immerhin im Einklang mit der (noch so irrsinnigen) Entscheidung des Volkes aktiv eine Auflösung des für alle schädlichen Limbo-Zustandes herbeizuführen versucht.
Es wäre doch verwunderlich wenn es eine einzelne Person bewerkstelligen könnte eine Nation dazu zu bewegen, das kollektive verblendete Selbstbild der Kolonialmacht abzulegen und sich in das Gefüge der modernen Welt einzufinden.

Manfred Greifenegger | Mi, 16. Januar 2019 - 12:40

die Briten haben für den Brexit abgestimmt. Wenn die jetzt den harten Ausstieg haben wollen. Gut, sollenSie Ihren Willen haben. Die meisten werden spästestens 1 bis 2 Jahre schlauer sein. Hab mal eine Doku über das Thema gesehen. Da wurde auch ein Fischer intervievt ( Kanalküste ). Der verkauft einen Großteil seiner Fische nach Frankreich. Ob das dann auch noch so reibungslos verläuft. Fraglich.Übrigens, der Fischer war für den Brexit. Und, sollte es wirklich schlimm kommen für GB, immer daran denken wer den ganzen Mist mit falschen Versprechungen durchgepeitscht hat. Aber das kennt ma ja auch bei uns. War hinterher niemand.
Aber, und das ist auch etwas wert, GB steht nicht mehr unter der Fuchtel von Brüssel mit Ihren " Verordungen" die dann in nat. Recht umgesetzt werden müssen. Wenn schon Mist beschlossen wird, dann wenigsten vom eigenen Parlament und nicht aus Brüssel.
Obwohl in punkto Mist topt Berlin noch Brüssel.

Fritz Gessler | Mi, 16. Januar 2019 - 12:44

... und grossbritannien als vorbild gepriesen werden. auch bi CICERO, fürchte ich.
GB wird bei einem harten BREXIT weder ins chaos noch in die grosse pleite stürzen. ganz im gegenteil: das land wird - allerdings als strikter vasall der USA - aufblühen. schon allein, weril es seine EU-schulden nicht mehr zu zahlen hat, right?

Tomas Poth | Mi, 16. Januar 2019 - 12:52

Eiert sie wirklich? Hier wird bis aufs Letzte gepokert in UK und in der EU. Das ist das Spiel.
Die Option ohne deal wird auch funktionieren weil letztlich auf allen Seiten ein Interesse besteht auch ohne Vertrag möglichst ungeschoren davon zu kommen. Dann werden eben halt Punkt für Punkt die relevanten Bereiche nach dem Austritt abgehandelt.

Dieter Hegger | Mi, 16. Januar 2019 - 13:25

Jeder der diese EU verlässt, macht das Richtige. Wie ist wurscht, zahlen werden die Deutschen.

Peter Bisa | Mi, 16. Januar 2019 - 14:51

Die Engländer haben wohl als erste Nation in Europa erkannt, daß Brüssel und die von dort initiierte Politik nicht den einzelnen Ländern der EU dient, sondern immer mehr die Phantasie einiger ideologisch getriggerten Politiker folgt. Die beiden Väter der heutigen EU, Adenauer und de Gaulle waren sich darüber im Klaren, dass eine Zusammenarbeit in Europa dringend notwendig war, um die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Aber in Brüssel gilt jetzt der Ausspruch von Mark Twain: "Als wir nicht mehr weiter wußten, haben wir unsere Anstrengungen einfach verdoppelt". Eine kritische Reflexion über die wachsenden Widerstände fehlt vollkommen, sowohl in Brüssel, erst recht in Berlin.

Peter Kreutzfeldt | Mi, 16. Januar 2019 - 15:32

Warum verschiebt man die Austrittsformalien nicht auf Mitte 2019 nach den EU-Wahlen? Das zur Zeit tagende Parlament ist zu sehr befangen mit der Idee des "harten BREXIT", um andere Zweifler an der EU vom Austritt abzuschrecken. Beide Seiten sollten die EU-Tür nicht mutwillig zuschlagen sondern für beide vertägliche Übergangslösungen anstreben. Ich bin überzeugt, daß dieses auch von den Bevölkerungen (nicht Politikern)der Teilnehmerstaaten verlangt wird.

Cornelius Angermann | Mi, 16. Januar 2019 - 16:29

Ich halte das alles für Alarmismus. Die EU kann und darf nicht zulassen, dass der Brexit für die Briten ein Erfolg wird. Denn dann ist der Ofen für die Typen in Brüssel, die außer Schwätzen und Salbadern nix gelernt haben, bald aus.
Bei denen geht es ums Überleben an den fetten Fleischtöpfen. Deshalb kann es nur einen harten Brexit geben, einen anderen bekommen die Briten von der EU ums Verrecken nicht.

Mays Plan B muss so aussehen: möglichst die Exporte in die Commonwealth-Staaten intensivieren, separate Handelsabkommen mit Japan, China, den USA und Südkorea und gut isses. Sollen doch die Kontinentaleuropäer sich gehackt legen. Aber vielleicht kommt dann das eine oder andere EU-Mitglied doch auf die Idee, ein separates Handelsabkommen mit UK abzuschließen. Warum sollen die Franzosen und Italiener keinen Wein mehr nach UK verkaufen? Warum sollen wir keinen Whisky mehr aus Schottland beziehen?

Das ist doch alles Kappes...!

Heinrich Niklaus | Do, 17. Januar 2019 - 11:18

Das Gekreische im Deutschen Blätterwalt und beim Staatsfernsehen über den „demokratischen Brexit-Prozess“ in GB ist nur mit Abscheu zu betrachten.

Da hat Brüssel einen Deal ausgehandelt mit dem perfiden Ziel: Ein Exempel zu statuieren, das so abschreckend wirkt, dass kein EU-Mitglied es zukünftig wagt, aus der EU auszutreten.
Daraus ist für die Briten fast ein „Versailler Vertrag 2.0“ geworden. Es droht die Spaltung des Königreichs und eine Zwangsmitgliedschaft ohne Stimmrecht.

Deshalb mein Appell an die Briten: Harter Brexit! Lasst es ordentlich krachen und entlarvt diese EU-Oligarchen als antidemokratische Zentralisierer. Ihr seid weltweit vernetzt. Eure Wirtschaft wird neue Wege jenseits der EU-Zwänge finden. Eurer Rechtssystem wird von dem der EU abgekoppelt, was sich sehr positiv auswirken dürfte.

Who dares wins!

Wolf-Dieter Hohe | Do, 17. Januar 2019 - 12:49

@ Frau Bondzio
...weil es uns >>> an der Oberfläche <<<
schlicht noch zu gut geht.
Gemäß dem Sprichwort:
"Wenn es dem Esel zu gut geht läuft er über Eis"
Schon der Blick auf ins Gigantische wachsende Budgets der Werbe-, Unterhaltungs- sprich Ablenkungsindustrie zeigt auf welches Fundament das Wohlstandsgefühl gebaut ist.
Über am Ende unausweichliche zig Billionen Staatsverschuldungen Deutschlands und Europas denkt öffentlich niemand nach solange man trotz dieser Schulden "Schwarze Zahlen" vorweist. ´Schwarze` Zahlen gewinnt man u.a. indem man eigentlich uneinbringliche Kredite als Forderungen bilanziert.
Wobei die Besicherungen dieser Kredite aus exakt nach dem selben System vorangegangener Kreditvergaben bestehen.
Hatte sich nicht schon Münchhausen an den eigenen Haaren aus dem Sumpf gezogen.
Warum sollte das jetzt nicht... ?????
Beweis Gutachten... :-):-):-)
Ironisch sarkastische Grüße aus Bayern
W.D. Hohe