Überwachung - Das Smartphone, unsere elektronische Fußfessel

Smartphone-Apps, die unsere Standortdaten verfolgen, werden immer präziser. Die Unternehmen dahinter verkaufen diese lukrativ. Wie sehr wir von sekundengenauer Überwachung betroffen sind, zeigt eine Recherche der „New York Times“

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Standortdienste verfolgen uns auf Schritt und Tritt / picture alliance

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Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero und die Onlineredaktion von cicero.de. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Wohl die meisten von uns Konsumenten wissen, dass viele Apps auf unseren Smartphones in der Lage sind, unsere Bewegungen nachzuverfolgen. Aber weil wir von Smartphones inzwischen fast ständig umgeben sind und die Technologie dazu immer präziser wird, drohen Gefahren, die vielen noch nicht allzu bewusst sein könnten. Wie die New York Times in einer aufwendigen Recherche anschaulich darstellt, verbreitet sich eine ganze „Branche des Schnüffelns“. Die Beteiligten zeichnen dabei nicht nur unsere täglichen Gewohnheiten auf, sondern beeinflussen sie immer stärker und immer aufdringlicher.

Unter dem Titel „Ihre Apps wissen, wo Sie gestern Nacht waren, und sie halten es nicht geheim“ beschreiben die Autorinnen und Autoren Jennifer Valentino-deVries, Natasha Singer, Michael H. Keller und Aaron Krolik, was geschieht. Präzise merken sich Apps etwa, wie lange wir uns bei einem Arzt oder Psychologen aufgehalten haben müssen, wie oft wir ins Fitnessstudio oder zum Mc Donalds gehen. In dem Fall einer Frau, die die Times-Autoren begleiteten wird deutlich: In rund vier Monaten wurde ihr Standort mehr als 8.600 Mal aufgezeichnet – im Durchschnitt einmal alle 21 Minuten.

Was die App-Unternehmen mit diesen Daten machen? Sie verkaufen, verwenden oder analysieren die Daten, um diese an Werbetreibende, Einzelhandelsgeschäfte und sogar an Hedge-Fonds zu verkaufen, die sich für unser Verbraucherverhalten interessieren. Der Umsatz mit standortbezogener Werbung soll laut Times in diesem Jahr geschätzte 21 Milliarden US-Dollar erreicht haben. Und immer mehr Investoren stecken ihr Geld in solche Standortdatendienste.

Derart mit der Realität ihres ansonsten eher unbemerkten Trackings konfrontiert, reduzierten die Personen, die von den Times-Autoren begleitet wurden nach der Recherche umgehend den Zugriff von Apps auf ihren Standort. Einige Apps wie etwa Fitness-Apps dürfte das allerdings dann nutzlos machen. In einem weiteren Artikel gibt die Times Tipps, wie man auf Android- und iOS-Geräten Apps daran hindert, Bewegungsdaten aufzunehmen.

Wie sehr Datenschutz das Thema der kommenden Jahrzehnte sein dürfte, machte kürzlich auch eine viel beachtete Rede des FDP-Abgeordneten Jimmy Schulz deutlich, in der er unter anderem ein Grundrecht auf Verschlüsselung forderte.

Brigitte Orlowsky | Di, 11. Dezember 2018 - 19:46

wieso eigentlich immer das ding mitschleppen?zu hause in der schublade lassen -wer mich erreichen will, kann das in einer bestimmten zeit tun...am
besten mit festnetz...man glaubt es nicht : aber leben ohne handy mitführen ist möglich!!!!sogar im urlaub...;-)))befreiung pur...

"wieso eigentlich immer das ding mitschleppen? zu hause in der schublade lassen"

Genau. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb die Amis dazu "MOBILE phone" (bzw. kurz nur "mobile") sagen. Um es in der Schublade zu lassen. Denn dafür ist ein Handy da. Um es in der Schublade zu lassen.

Bernd Lehmann | Di, 11. Dezember 2018 - 20:50

Irgendwann spricht dich die Werbung im Bahnhof persönlich an.
Erich Mielke hätte an solchen Sachen seine helle Freude.

Eberhard Thamm | Mi, 12. Dezember 2018 - 05:31

WLAN, GPS u. Internet ausschalten, dann ist es ein normales Handy-nur-Telefon und Wozu GPS daheim? Zum fahrt/wandern zwischen Küche und Bad? Aber daheim mit WLAN u/o Internet kann man dann deine Nutzung ausspähen!!! Der Nutzer hat es in der Hand. Ausschalten wenn man es nicht benötigt.

Robert Müller | Mi, 12. Dezember 2018 - 09:29

Die deutsche Wirtschaft würde sich einen Arm abhacken, wenn sie solche Daten hätte. Das ist vergleichbar mit der Geschichte über das Abhören des Telefons von Frau Merkel: Weil wir nicht selber genug Daten haben, sind die hiesigen Geheimdienste vom NSA abhängig und müssen machen was die Amis wollen. Der hiesigen Wirtschaft geht es in Bezug auf Daten sehr ähnlich. Übrigens, kürzlich konnten wir lesen, dass Elektroautos in China ständig den Aufenthaltsort an den ch. Staat senden müssen. Auch deutsche Autos machen das in China. Das heißt Autos sind die neuen Smartphones und wer Daten dort abgreifen kann, wird wahrscheinlich steinreich. Da einen vernünftigen Kompromiss zu finden, wäre eigentlich Aufgabe des Staates, aber natürlich ist das für den DE-Staat alles Neuland und nichts passiert. Gibt ja auch viiel wichtigeres zu machen.

Fritz Gessler | Mi, 12. Dezember 2018 - 12:51

scheint die 'fussfessel' aber nicht zu klappen. und im falle tausender ähnlicher gefährder auch nicht. haben die alle kein handy? oder sind sie klug genug, es zuhaus zu lassen. im gegensatz zum unbescholtenen bürger, der es immer mitschleppt?

Rene Goeckel | Mi, 12. Dezember 2018 - 13:33

Google ist nun mal keine non-profit Organisation. Ich nutze Google in jeder Form, auch als Navi. Sollen sie doch meinen Standort haben. Ja und? Wo sind denn konkret die Gefahren? Mehr Werbung. Gähn!

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