Verbot von Negativzinsen - Sparer brauchen keine solche Show

Seit Jahren lässt die Politik – vor allem auch die deutsche – die EZB alleine in ihrem Kampf um den Euro. Statt an den Ursachen anzusetzen, wird Symbolpolitik betrieben. Neuestes Beispiel: die Idee des Verbots von Negativzinsen. Tut endlich wirklich was für die Sparer!

Senioren Renter Sparer
Weniger Sparbuch, mehr Lebensversicherung / picture alliance

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war er bei der Boston Consulting Group (BCG). Sein neues Buch heißt „Das Märchen vom reichen Land“.

So erreichen Sie Daniel Stelter:

Nachdem Finanzminister Olaf Scholz die Abschaffung des Solidaritätszuschlags auf Kapitalerträge verhindert hat und plant, den Kauf von Aktien mit der Finanztransaktionssteuer belegen, versucht er sich nun als Anwalt des kleinen Sparers. Banken soll es untersagt werden, bis zu einem bestimmten Betrag den Kunden Negativzinsen zu belasten. Was sind Negativzinsen? Es sind Zinsen, die Banken an die Europäische Zentralbank bezahlen müssen, dafür, dass sie ihr Geld dort anlegen. Bisher waren die meisten Banken davor zurückgeschreckt, diese Negativzinsen, an ihre kleineren Kunden weiterzugeben. Aber Großanleger, wie beispielsweise Pensionsfonds, müssen schon heute mit entsprechenden Strafzinsen rechnen.

Angesichts der bevorstehenden nächsten Welle billigen Geldes der EZB ist absehbar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis auch in Deutschland Banken dazu übergehen müssen, die Strafzinsen, die für das Halten von Liquidität bei der EZB anfallen, an ihre Kunden weiterzugeben. Dann genügt es nicht mehr, wie bisher die Gebühren für Kontoführung und andere Dienstleistungen zu erhöhen.

Populismus pur

Ein Verbot der Weitergabe der Negativzinsen der EZB an die Endkunden ist mit dem Berliner Mietendeckel vergleichbar. Will man im Beispiel des Wohnungsmarktes verhindern, dass gestiegene Grundstückspreise und Baukosten sich in den Mieten niederschlagen und senkt so die Rendite der Investoren, will man im Beispiel der Banken verhindern, dass die gestiegenen Kosten für die „Lagerung“ der Ersparnisse auf dem Bankkonto an den Kunden weitergegeben werden. Die Banken können diesen Eingriff nach der bis heute nicht verwundenen Finanz- und Eurokrise und der seit Jahren unzureichenden Ertragskraft allerdings deutlich weniger verkraften. Deutliches Warnsignal ist die Entwicklung der Aktienkurse, die laufend neue Tiefststände markieren.

Der Ruf nach einem gesetzlichen Verbot von Negativzinsen ist wie Mietendeckel und Mietpreisbremse eine populistische Maßnahme, die vom eigentlichen Versagen der Politik ablenken soll. Ist es im Bereich der Mieten der zu geringe Neubau, ist es im Bereich der Banken die unterlassene Sanierung des Bankensystems und der Eurozone in den letzten Jahren.

Hätten wir den Euro nicht

Ohne Mario Draghis Versprechen, „alles Erdenkliche zu tun“, der drastischen Zinssenkung und dem Aufkauf von Wertpapieren in gigantischem Umfang, wäre die Eurozone schon längst zerfallen. Die EZB hat den rapide um sich greifenden Vertrauensverlust in den Euro gestoppt, der kurz davor war, völlig außer Kontrolle zu geraten. Im Klartext: die EZB hat der Politik Zeit gekauft – die diese aber nicht genutzt hat.

Damit trägt gerade auch die deutsche Politik die Hauptverantwortung für die tiefen Zinsen. Denn hätten wir den Euro nicht – bekanntlich ein rein politisch motiviertes Projekt, dass gegen die Empfehlung fast aller Ökonomen durchgesetzt wurde – oder hätten wenigstens gehandelt, um die offensichtlichen Fehlentwicklungen durch den Euro zu bereinigen, müsste die EZB nicht das Geld immer billiger machen und Negativzinsen wären kein Thema. So gesehen ist der Ruf nach einem Verbot der Negativzinsen für Bankkunden ein besonders schönes Beispiel für billigen Populismus, der – leider wohl zurecht – darauf setzt, dass die Bürger das Spiel nicht durchschauen.

Die Alternative ist der Alptraum der Politik

Wer eine andere Geldpolitik fordert, der muss die Alternative nennen und dies kann nur die Politik: Schuldenschnitte akzeptieren, Reformanstrengungen intensivieren und die europäische Integration vorantreiben – oder, falls diese nicht realistisch ist, die Zusammensetzung der Eurozone anpassen. Nicht allen Ländern passt das Korsett des Euros und das sollten wir endlich eingestehen.

Doch hier finden wir die perverse Situation vor, dass die EZB den politischen Druck in den Krisenländern durch ihre Maßnahmen mindert und es zugleich der deutschen Regierung ermöglicht, die Illusion einer erfolgreichen Eurorettungspolitik aufrecht zu erhalten, obwohl diese auf voller Linie gescheitert ist. Für die Politiker ist das Handeln der EZB ein Segen, weil sie sich vor höchst unpopulären Entscheidungen drücken können: drastische Reformen im Süden und Forderungsverzichte im Norden.

Für uns Bürger wird die Weigerung der Politik im Desaster enden. Auf Dauer wird es nämlich nicht genügen, nur Schmerzmittel zu verteilen. Die Schuldenlast der Länder wächst weiter an, die Realwirtschaft kommt nicht wieder auf Kurs, die erheblichen Unterschiede in der Wettbewerbsfähigkeit verfestigen sich.

Das Grauen für die Sparer beginnt erst

Dabei ist die Eurozone nicht die einzige Region der Welt, die unter den Folgen einer jahrzehntelangen Verschuldungspolitik leidet. Auch in Japan und den USA wird die Geldpolitik immer aktiver im Versuch, die Realwirtschaft zu beleben und zugleich die Schuldenlast tragbar zu halten. Nicht zufällig mehren sich die Vorschläge, die nach Wegen für eine noch aggressivere Geldpolitik suchen:

•    Kampf gegen das Bargeld: Schon seit Jahren läuft eine Kampagne gegen die Nutzung von Bargeld. Nun kam der IWF mit der Idee, Bargeld zu versteuern für den Fall, dass es auf dem Bankkonto Negativzinsen gibt. All dies passt zu dem Szenario einer geplanten Entwertung von Geld und damit von Forderungen und Schulden.

•    Kampf gegen das Gold: Passend dazu erklärt der IWF in einem weiteren Arbeitspapier, dass Gold ein destabilisierender Faktor für die Wirtschaft ist. Dies ist natürlich richtig, wenn man ein System unterstützt, in dem beliebig viel Liquidität geschaffen werden kann und soll, um die Wirtschaft zu beleben.

•    Kapitalverkehrsbeschränkungen: Passend dazu werden Beschränkungen des freien Kapitalverkehrs in Abhängigkeit vom Umfeld als geeignetes Instrument gesehen, um Krisen vorzubeugen und Finanzmärkte zu stabilisieren. Dabei sind sie unvermeidbar, wenn man die Flucht der Sparer verhindern will. Fallen Bargeld und Gold als Ausweichmöglichkeiten weg, muss nur noch die Flucht in ausländische Währungen abgewendet werden, um die Sparer unter Kontrolle zu bekommen.

•    Monetarisierung der Schulden: Sind Ausweichreaktionen unter Kontrolle gebracht, kann man sich auf die „Lösung“ des Schuldenproblems konzentrieren. Da ist zunächst die schon länger diskutierte „Monetarisierung“ der Schulden. Gemeint ist, dass die Notenbanken die aufgekauften Schulden von Staaten und Privaten einfach annullieren.

•    Helikopter-Geld: Das Entsorgen der Altschulden über die Bilanzen der Notenbanken dürfte zur Lösung der Probleme nicht genügen. Die Antwort darauf liegt in staatlichen Konjunkturprogrammen, direkt von den Notenbanken finanziert. In Anlehnung an Milton Friedman spricht man von „Helikopter-Geld“. Mittlerweile hat sich sogar der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock in den Kreis jener eingereiht, die hierin die Lösung aller Probleme sehen.

•    Modern Monetary Theory (MMT): Wäre es nicht ohnehin besser, wenn man den Staat dauerhaft und großzügig direkt von der Notenbank finanzierte, anstatt wie heute den Umweg über die Geschäftsbanken zu gehen? Vorreiter dieser Überlegungen, bezeichnen es als „Modern Monetary Theory“. Als Skeptiker müsste man anführen, dass es so „modern“ nicht ist, wurde es doch schon in der Weimarer Republik ausprobiert. Die Befürworter sehen das natürlich ganz anders.

Wie man es dreht und wendet. Die Umverteilung von Gläubiger/Sparer zu Schuldner läuft auf vollen Touren und nimmt weiter Fahrt auf.

Tut was für die Sparer!

Wenn sich nun gerade der Bundesfinanzminister, der alleine in den letzten 10 Jahren Zinsersparnisse von rund 140 Milliarden einkassiert hat, hinstellt und als Retter der Sparer positioniert, ist das eine Beleidigung für alle Bürger dieses Landes. Denn schon heute zahlt jeder Inhaber von Lebensversicherungen oder Pensionsansprüchen für das Versagen der Politik. Wollte Herr Scholz wirklich etwas für die hiesigen Sparer tun, gäbe es einige Möglichkeiten:

•    Mehr Aufklärung über vernünftige Geldanlage: mehr Aktien, Immobilien, weniger Sparbuch und Lebensversicherung.

•    Steuerliche Förderung dieser Art von Vermögensbildung: keine Aktiensteuer, geringere Grunderwerbssteuer.

•    Mehr Investitionen im Inland und Abkehr von der „schwarzen Null“. Dann haben wir bessere Infrastruktur und bei steigender Verschuldung dürfte man auch mehr Zinsen bekommen. Im Nebeneffekt würde auch weniger Geld ins Ausland fließen.

•    Umsetzung der schon lange vorliegenden Idee eines Staatsfonds nach dem Vorbild Norwegens. Damit ließe sich auch die Rendite der Ersparnisse der normalen Bürger mit geringem Risiko steigern.

•    Echtes Angehen der Probleme des Euro: untragbare Verschuldung in einigen Ländern, Sanierung des angeschlagenen Bankensystems, Neuordnung der Mitglieder, sprich: geordnete Austritte von Ländern wie Italien, die im Euro nicht wettbewerbsfähig werden.

Das wäre doch mal ein Programm für einen Finanzminister! Allerdings müsste man da auch arbeiten, statt mit populistischen und letztlich untauglichen Maßnahmen an den Symptomen zu doktern.

Carola Schommer | Fr, 23. August 2019 - 08:13

ihr Geschäft noch leisten? Interessante Vorträge von Markus Krall kann ich dazu empfehlen (wenn es erlaubt ist). Findet man bei YT.

Norbert Heyer | Fr, 23. August 2019 - 08:37

Die Null- Zins-Zeit für den treudoofen Sparer reicht nicht mehr aus. Jetzt wird die nächste Stufe des Grauens gezündet: Auf Sparguthaben werden nicht nur keine Zinsen gezahlt, sondern es sollen Strafzinsen erhoben werden. Mit der jährlichen Inflation und den Negativzinsen schmelzen
Sparguthaben noch schneller. Dabei wird es nicht bleiben: Währungsschnitt, Zwangseintragungen auf Hausbesitzer und dann, ganz am Ende der Fahnenstange, der Tod des ungeliebten Euro. Es ist einfach unmöglich, unterschiedlich starken Volkswirtschaften eine gemeinsame Währung zu verpassen. Das führt dazu, das Deutschland fast eine Billion!!! Außenstände bei EU-Staaten hat. Wir haben somit unseren Aufschwung mit eigenem Geld vorfinanziert. Italien hat mit 475 Milliarden Euro den Spitzenplatz und kann ganz entspannt die weitere Entwicklung abwarten. Diese Kredite sind nämlich in keinster Weise abgesichert. Wenn der Euro wirklich abschmiert, sind wir Deutsche wieder einmal in der „ersten Reihe“ der Leidtragenden.

Carsten Fischer | Fr, 23. August 2019 - 09:32

Leider existiert kein „Grundrecht“ auf Sparzinsen. Ist die Kreditnachfrage durch fehlende Investitionen der Wirtschaft gering und viel Kapital in Form von Sparguthaben vorhanden, so können die Zinsen nicht steigen. Um eine Rendite zu erwirtschaften muss folglich in Anlageformen ausgewichen werden, die ein höheres Risiko aufweisen. Auch wenn die niedrigen Zinsen ein Ärgernis sind, so sehe ich die Hauptursache für den Wertverfall der Sparguthaben nicht hier, sondern bei dem Anlageverhalten. Leider werden wertsteigernde Anlageformen wie Aktien und Aktienfonds, anders wie im Ausland, in Deutschland immer noch gemieden und nicht als chancenreich angesehen. Aufklärung und eine wirtschaftsorientiertere Bildungspolitik könnten vielleicht die Bereitschaft für eine langfristig sinnvolle Geldanlage wecken. Deshalb finde ich die Idee von Hr. Merz für eine aktiengebundene Altersabsicherung ebenso sinnvoll wie die Gründung eines deutschen Bürgerfonds, welche vom Ifo-Institut vorgeschlagen wurde.

Die finanzpolitischen Ratschläge des Herrn Fischer können nur eines: in die Hose gehen. Wer Aktienerwerb als Anlageform für uns Kleinsparerinnen und Kleinsparer propagiert, sollte auch hinzufügen, daß die Spargroschen oder Spar-EUROS mit einem Schlag im Nirwana verschwinden können, etwa wenn die sich ankündigende Börsenkrise wie ein Vulkanausbruch die Finanzmärkte aufwirbelt.
Einen Anlagenschutz wie für Sparkonten gibt es bei Aktienanlagen bekanntlich nicht. Was also soll auch der Verweis auf Friedrich (Fritz) Merz, der selbst "Aktienverkäufer" (Investmentunternehmen Blackrock) ist und aufgrund seines Millionenvermögens getrost auch Kursverluste verkraften kann - Kleinsparerinnen und Kleinsparer jedoch nicht.

Träumen Sie bitte weiter, was den Anlagenschutz der Sparkonten angeht. Der funktioniert doch nur, wenn ein kleines Kreditinstitut in Schwierigkeiten gerät. Wenn mehrere kleine oder eine große Bank scheitern, sind die großen Summen gar nicht vorhanden.

Mit ein wenig Anlagesachverstand aufgebaut, ist ein auf Länder und Branchen diversifiziertes Fond-Portfolio mit einem langen Anlagehorizont von mehr wie 15 Jahren auch bei Börsenschwankungen eine sehr gute Wahl. Hr. Merz ist kein Aktienverkäufer, sondern vertritt ein großes amerikanisches Investmenthaus als Cheflobbyist. Ich bin mir sicher, dass er keinem Kleinsparer irgendwelche Aktien unterjubeln wollte. Ich denke er meinte eher ETF Produkte als Alterssicherung, die für jeden leicht zu erwerben und kostengünstig die Möglichkeit eröffnen, breit aufgestellt, in verschieden Märkte auf der Welt zu investieren. Über einen Sparplan ist die Möglichkeit auch in schwächeren Börsenzeiten nachzukaufen (Cost-Average-Effekt). Ausschüttungen der Fonds lege ich sofort wieder an. Ich bin mir sicher, die einzigen Spargroschen die ins "Nirwana" verschieden sind die, die sie in der Zukunft unverzinst auf ihrem Sparbuch, Extrakonto oder Girokonto liegen lassen. Hier liegt das neue Risiko!

wenn spätestens seit der - bis heute nicht annähernd überwundenen - Finanzkrise 2008 alles getan wird, um die Gesetze des Marktes eben gerade nicht spielen zu lassen, ist schon ziemlich dreist, Herr Fischer, und unterschätzt das Denkvermögen des allgemeinen Publikums. Das hat mehrheitlich nämlich längst (intuitiv) verstanden, dass das Grundübel im systematischen "Leben auf Pump" besteht, gerade auch von Staaten, soweit es um Konsum und nicht um Investitionen geht.

Wolf-Dieter Hohe | Fr, 23. August 2019 - 10:12

Allerdings müsste man da auch arbeiten... statt zum Beispiel als OB Hamburg die HSH Bankbilanz mit krummen bzw. betrügerischen Touren zu manipulieren. Statt stündlich in Sachen SPD Vorsitz vor Mikros und Kameras herum zu feixen.
Ihrem Beitrag, Herr Stelter, ist inhaltlich nichts Ergänzendes hinzuzufügen.

helmut armbruster | Fr, 23. August 2019 - 10:36

kann mir jemand den Zeitpunkt nennen, wann das sein soll? Und bitteschön auch ein paar konkrete Details wie dieses Desaster sich auf uns und jeden Einzelnen auswirken wird.
Dr. Stelter und andere seines Kalibers mögen ja Recht haben mit ihren Situationsbeschreibungen und den daraus folgenden Schuldzuweisungen an Politik und gierige Finanzwelt.
Aber das geht jetzt seit 10 Jahren so und obwohl sich die Situation angeblich laufend verschärft ist bisher die Katastrophe nicht eingetreten
Dieses ständige Darauf-Hinweisen, dass wir uns auf dem falschen Weg befinden und dass das in einem Desaster enden wird, genügt mir nicht mehr, so berechtigt die Hinweise auch sein mögen.
Wer weiterhin Kassandra spielen möchte, sollte endlich konkreter werden oder es sein lassen.

gabriele bondzio | Fr, 23. August 2019 - 10:44

Im Grunde hat ja Draghi alles Erdenkliche getan um die Folgen einer Fehlspekulation mit dem Euro und weitere-schief gelaufene finanziellen Experimente in Europa, wie immer üblich von Oben nach unten zu verteilen. Und wie es Herr Stelter darstellt, ist das Ende vom Lied noch nicht gesungen.
Und unser Finanzminister hat ja wenig Zeit zum Denken. Er bereitet sich auf sein Debüt zum SPD-Vorsitz vor. Eine Tanzpartnerin hat er ja nun gefunden. Aber es ist noch viel in der Staffage zu klären.
Eigentlich müsste es für DE und EU, für praktizierte Politik auch eine Reset-Taste geben. Weil das System derartig fehlerhaft ist, dass nur ein Neustart noch Sinn-und Zweck ergeben würde.

Heidemarie Heim | Fr, 23. August 2019 - 12:23

wäre es in der Tat, sollte die Mehrheit unserer Bürger einmal aus ihrer politisch wohldosierten Narkose aufwachen und feststellen, das nicht nur der Chef-Operateur ein Dilettant ist, sondern das ganze OP-Team mitmacht um einen für den Patienten fatalen Kunstfehler nach dem anderen zu decken. Doch wie "Gutachter Stelter" ebenfalls feststellt, braucht man sich bei den Deutschen keine Gedanken zu machen, das sie zu frühzeitig aus der Sedierung aufwachen, geschweige, sich hinterher über das OP-Ergebnis beschweren bei der nächsten Chefarzt-Visite beim Herrn Professor Dr.Dr...Bezüglich eines Staatsfonds a la Norwegen, noch dazu einer mit strikten "Ethik-Richtlinien" bzw Vorgaben, so würde ich das a) keiner deutschen Regierung der letzten 20 Jahre zugetraut haben, geschweige aktuell zutrauen, und b)lieber mein sauer Erspartes gleich einem Trickbetrüger anvertrauen als in einen German Staatsfond zu zahlen, auf den sich solche Populisten irgendwie "alternativlos" Zugriff verschaffen könnten! FG

Ernst-Günther Konrad | Fr, 23. August 2019 - 12:38

Die Einführung des Euro, zuerst durchaus vernünftig gedacht, hätte man die Beitrittsländer entsprechend begrenzt, wurde von Anfang an nur als Werkzeug dazu genutzt, die anderen Staaten abhängig zu machen. Die amroden und verschuldeten anderen Staaten, sie nahmen das Blendangebot gerne an. Nach GR-Krise kam dann heraus, wie einige Staaten, vor allem GR über die tatsächlichen wirtschaftlichen Verhältnisse hinweg getäuscht haben. Nur, die anderen wussten es, schauten weg, wollten die GR-Abhängigkeit unbedingt bewahren. So wie sie jetzt auch einen Nettoeinzahler GB mit allen Mitteln halten wollen, als den Ausstieg zur Neuprdnung und Neuausrichtung zu nutzen.
Ich würde als Staat auch viele Schulden machen und in den Tag hinein leben wollen, wenn die reiche Tante aus D mit vielen zahlungskräftigen Steuerzahlern mir das Leben versüßt und zudem auch noch bürgt.
Verlierer sind wir alle. Wir zahlen den Machterhalt einer maroden EU. Die Rechnung folgt noch. Nur, da wird Merkel abgetaucht sein.

Gisela Fimiani | Fr, 23. August 2019 - 13:43

Sie erwarten zuviel, Herr Stelter. Unsere paternalistischen Politik Akteure sind ausschließlich Gesellschaftstechniker. Als solche „schrauben“ sie an Systemen herum. Für den Blick auf Ursachen kranker Systeme bedarf es der Kompetenz, sowie des aufrichtigen Willens zur rationalen Problemanalyse, die zur Problemlösung führen kann. Despotistische Politoligarchen haben NIE ein Interesse an der Analyse, würde diese doch Selbstkritik erfordern und dem Bürger Wahrheiten enthüllen, die ihm unbedingt vorenthalten werden müssen. Das grundsätzliche Problem wird leider immer wieder ignoriert. Wir wollen offenbar nicht sehen, dass der despotistische Paternalismus einer neuen Klasse aus Polittechnokraten die Bürger entmündigt und verachtet, denn er behandelt sie wie eine verfügbare Masse. Wenn wir es nicht schaffen, die Probleme des politischen Versagens sachlich (kompetent) und die Öffentlichkeit aufklärend zu diskutieren, wird auch unsere Rest-Demokratie bald verschwunden sein.

Jürgen Scheit | Fr, 23. August 2019 - 14:16

Es zeugt schon von einer perfiden Verdummungspolitik wenn der Finanzminister vor wenigen Tagen eine 30-jährige Bundesanleihe mit Negativzins von 0,11% ausgibt (wird ja von verzweifelten Kleinanlegern gekauft) und jetzt praktisch dieselben Sparer per 'Orde de Mufti' vor eben diesen Negativzinsen schützen will.
Überall da, wo der Staat ganz easy & gnadenlos konsequent Geld abgreifen kann (Sondersteuern, Abgaben, Verwarn-/Bußgelder, Umlagen, teure Vorschriften etc.) funktioniert er bestens, aber wo komplex und kostenträchtig ist, das ineffiziente System und die marode Infrastruktur zu verbessern oder zu erneuern, versagt er kläglich und betreibt eklatante Mißwirtschaft: z.B. innere & äußere Sicherheit, Migration, Justiz, Bildungseinrichtungen, Verkehrs-/Kommunikations-/Energie-Infrastruktur, Wohnungsbau).
Da Parteipolitiker aller Couleur immer nur die nächste Wahl und ihre Pension im Kopf haben, wird die populistische Symptomdokterei nicht aufhören. D taumelt Richtung Weimar 2.0

..müssten Sie eigentlich heißen.
Jedenfalls sind Ihre wenigen Sätze substanzieller als eine ganze "Nachrichtensendung", erst recht, wenn darin auch noch "Politiker" zum Thema Geld zu Wort kommen.

Klaus Peitzmeier | Fr, 23. August 2019 - 14:57

Ich verstehe das so: im EURO-Raum finanzieren einige Länder mit ihren Überschüssen andere Länder, die hohe Schulden anhäufen. Die Schuldenländer können bei steigenden Zinsen weder die Zinsen noch die Schulden zurückzahlen u wären pleite. Da unsere Politiker sich aber nicht trauen uns mitzuteilen, daß wir viele 100 Mrd. Euro verlieren werden, solange die Schuldenländer im EURO bleiben, bleibt alles beim Alten. Nämlich bei Null- o Minus- Zinsen u ständig steigendem Schadenspotential. Es hilft nur eins: die hochverschuldeten u nicht wettbewerbsfähigen Länder müssen raus aus dem EURO. Je schneller desto geringer der Schaden. "Keine Aktiensteuer, geringere Grunderwerbsteuer, Abkehr von der schwarzen Null" ist doch nur lächerliche Kosmetik. Der Super-GAU wäre die europ. Integration mit den Schuldenländern. Dann hängen wir im ewigen Schuldenübernahme-Fliegenfänger. Und schon sind wir wieder bei den Forderungen der GRÜNEN u sonstigen Gleichmachern. ROT/ROT/GRÜN macht uns kaputt!

Henning Magirius | Fr, 23. August 2019 - 15:35

seit gut 2 Jahren verfolge ich hier auf Cicero und auch teilweise in anderen Medien sehr interessiert Ihre Veröffentlichungen. Als Finanzlaie bin ich immer wieder begeistert, wie Sie ein abstraktes Thema wie die volkswirtschaftliche Finanzpolitik (bundes-, EU- und weltweit) verständlich darstellen. Damit dürfen Sie es sich auch selbstverständlich erlauben, Finanzminister Scholz aufzufordern endlich mal zu arbeiten - Klasse! Ich könnte mir allerdings auch sehr gut vorstellen, dass Sie seinen Job in einer neuen Regierung der Nach-Merkel-Zeit selbst übernehmen - was halten Sie davon?

Christa Wallau | Fr, 23. August 2019 - 18:22

Wenn in einer Gesellschaft das Prinzip gilt, daß der Sparer bestraft und der Schuldner belohnt wird, läuft etwas total schief.
Aber genau dieses Prinzip ist in unserem Staat sowie (vor allem !) in der EU zur herrschenden Maxime erhoben worden: Leben auf Kosten der
Anderen und der Zukünftigen!
Es ist Ausplünderung derer, die nicht finanzkräftig und raffiniert genug sind, sich in diesem System zu
bedienen und ihre Interessen möglichst radikal zu
vertreten.
Wehren könnten sich die auf solide Haushaltsführung bedachten Bürger nur auf nationaler Ebene - wenn überhaupt. Deshalb stellt das Konstrukt EU, so wie sie jetzt besteht, eine komplette Entmündigung der Bürger dar, jedenfalls hinsichtlich ihrer finanziellen Selbstbestimmung.
Aber anscheinend wollen die meisten Deutschen dies alles so, sonst würden sie nicht immer wieder diejenigen wählen, die es ihnen eingebrockt haben.

so wie sie die EZB betreibt, hat alleine das Ziel, der Wirtschaft billiges Geld zu beschaffen. Dass der Sparer dadurch leidet, weil er keine Zinsen mehr für sein Gespartes bekommt, ist offensichtlich. Aber vielleicht würde er noch mehr darunter leiden, wenn er wegen schwacher Konjunktur seinen Job verlieren würde. Und alle Indikatoren weisen daraufhin, dass auch Deutschland letztendlich von der EZB-Geldpolitik profitiert - wenn auch nicht direkt der Sparer. In den USA fordert jetzt auch Trump erhebliche Zinssenkungen, der durchschnittliche US-Amerikaner würde also ähnliche Erfahrungen wie der deutsche Sparer machen, wäre er nicht anderen Anlageformen gegenüber aufgeschlossener. Breitseiten gegen die EU zu schiessen ist dagegen die wenig hilfreiche, typische und unterkomplexe Reaktion, wie man sie von den potentiellen EU-Zerstörern in der AfD kennt. Dabei wäre eine deutsche Hochzinsinsel - gäbe es keinen Euro - in einem Niedrigzinsumfeld für die deutsche Wirtschaft fatal.

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