Mietendeckel, Enteignungen und CO. - Illusion, Täuschung, Desinteresse

In Deutschland herrscht ein öffentliches Bild vom Zustand unserer Wirtschaft, das mit der Realität nichts zu tun hat. Deswegen werden jetzt wieder Phantomdebatten über Mietdeckel, Enteignungen und noch mehr Umverteilung geführt. Damit steht unser aller Wohlstand auf dem Spiel

Eine Hand schmeißt eine Münze in ein Haus.
Wird Deutschland immer ungerechter? Glaubt man der öffentlichen Meinung, dann ja / Illustration: Sebastian König

Autoreninfo

Daniel Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Diskussionsforums „Beyond the Obvious“. Zuvor war Stelter von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Heute berät Stelter internationale Unternehmen bei der Vorbereitung auf die Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Im September 2014 erschien seine Piketty-Kritik Die Schulden im 21. Jahrhundert. Sein neues Buch „Das Märchen vom reichen Land – Wie die Politik uns ruiniert“ ist ein Spiegel-Bestseller.

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Deutschland im Frühsommer 2019: so viele Erwerbstätige wie noch nie in der Geschichte, geringe Arbeitslosigkeit, volle Auftragsbücher – und eine Diskussion um Enteignung von Immobilien und die Kollektivierung von Unternehmen.

Blickt man auf die politische Diskussion, muss man feststellen, dass Illusionen, Täuschungen und Desinteresse den Diskurs zur ökonomischen Zukunft unseres Landes kennzeichnen. Wir Deutschen beheimaten zwar international höchst erfolgreiche Unternehmen, verstehen aber wenig von Wirtschaft. Das hat unter anderem mit der Kommunikation von Politik, Wissenschaft und Medien zu tun. Oft werden komplexe Zusammenhänge vereinfacht dargestellt, was dazu führt, dass die Bürger falsche Schlüsse ziehen und zweifelhaften Lösungsvorschlägen Glauben schenken. Höchste Zeit, dass ökonomisches Wissen und Denken bei uns eine wichtigere Rolle einnehmen.

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gabriele bondzio | Mi, 19. Juni 2019 - 10:26

Grob gesagt, Herr Stelter, die welche noch täglich arbeiten gehen, sind sprichwörtlich die "Dummen". Das Großkapital, wo noch richtig Geld verdient wird, entzieht sich seiner Pflicht durch Steuerschlupflöcher. Der Mittelstand und die Netto-Steuerzahler finanzieren die ganze Chose. Und immer noch ein bissel darauf, bis diese auch in die Knie gehen.
Ihr Artikel, beleuchtet genau die Schattenseiten des Denkens und natürlich auch die Mankos der Wirtschaft.
Die Deutschen sind die armen Würstchen, hinsichtlich Vermögen. Siehe
Research Institute Global Wealth Report 2018.
Der Staat greift ihnen mit wachsender Gier in die Tasche. Und ist längst nicht am Ende der Fahnenstange.

Horst Weber | Mi, 19. Juni 2019 - 12:28

Herrn Stelter scheinen im TV nur die Börsennachrichten zu interessieren. Gestern wurden wieder einmal die Machenschaften in den Finanzämtern und bei den Banken beleuchtet. 4 Finanzbeamte, die auf "heißen Spuren" großangelegter Steuerhinterziehung waren, wurden gemobbt, per gekauftem Psychiater für unzurechnungsfähig erklärt, mit 45 in vorzeitigen Ruhestand geschickt. Nach Prozessgewinn erhielten die so geschädigten Mitarbeiter insgesamt ca. 250000 € von dem verurteilten Psychiater zugesprochen. Die Verursacher dieser Verschleierung genießen Narrenfreiheit.
Mieten, die von 700€ plötzlich auf über 1300 € erhöht werden jucken Herrn Stelter nicht. Ebenso wenig die vielen - zur arbeitenden Bevölkerung gezählten Menschen, die von ihrer Arbeit nicht leben können. Die diesbezüglichen Recherchen eines volker Pispers kennt Herr Stelter sicher auch nicht.
Der spöttelnde Hinweis auf "noch mehr Umverteilung" ist angesichts der sich immer weiter öffnenden Schere arm/reich schon bösartig.-

Als Hesse habe ich das unmittelbar verfolgen können. Es ging ja noch weiter. Die angeblich "psychisch" kranken Finanzbeamten wurde aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Sie klagten dagegen bei den Verwaltungsgerichten. Sie bekamen zwar in der Sache grundsätzlich recht. Das Gericht konnte das Land Hessen aber nicht dazu verurteilen, die Finanzbeamten wieder einzustellen. Da hat der hessische Gesetzgeber im Beamtenrecht und der Doszilpinargesetzgebung bereits vorgebaut. Ganz davon abgesehen, welches persönliche Leid diesen treuen Beamten zugefügt wurde durch Stigmatisierung und gesellschaftliche Ächtung.
Übrigens: Der Fall an dem die Beamten waren wurde natürlich nicht wieder aufgerollt.
Wenn wundert es also, wenn das Vertrauen in die Poltik schwindet und leider alle Unternehmer und Vorstandsvorsitzenden unter Generalverdacht geraten. Der Staat will nicht gegen die schwarzen Schafe vorgehen. Warum wohl?
Das mag jeder für sich beantworten.

Gisela Fimiani | Mi, 19. Juni 2019 - 17:49

Das beste Mittel, die Marktwirtschaft und damit eine der Vorbedingungen der offenen Gesellschaft zu zerstören, ist der Begriff der sozialen Marktwirtschaft im Sinne des Egalitarismus. Die liberale Idee der Gleichheit vor dem Recht, die aus ihr abgeleitete Maxime der fairen, gleichen Wettbewerbsbedingungen wird totalisiert: zur Gleichheit der Resultate des Wettbewerbs, zur Gleichheit der Lebensbedingungen......letztlich zur möglichsten Gleichheit der Schicksale. Diese Ideologie basiert auf einem anderen Menschenbild, als dem des klassischen Liberalismus. Hier wird der Totalstaat angestrebt........und mit angeblicher Gerechtigkeit ummantelt. Leider werden die Konsequenzen der angepriesenen staatlichen Maßnahmen nie zu Ende gedacht.......von wem auch? Unsere unfehlbaren Propheten werden es wissen.

Norbert Heyer | Do, 20. Juni 2019 - 09:04

Wortgewaltige Gesetze bewirken meistens nichts Gutes, sondern erhöhen in der Regel bestehende Probleme. Jetzt müssen Vermieter eigentlich sofort die Mieten bis zum Anschlag ausreizen, da sie ja für mehrere Jahre keine Erhöhungen vornehmen können. Modernisierungen bleiben aus, private Investoren werden weniger in Beton investieren. Jetzt noch Enteignung großer Vermieter, Rückkauf zum 5-fachen des Verkaufs vor vielen Jahren von staatseigenen Wohnungen an eben die jetzigen Besitzer. Wenn es denn so kommt, werden dann die jetzigen Mieter gegen neue ausgetauscht? Wäre dadurch auch nur ein einziges Problem der Wohnungsnot behoben? Und warum benennt man nicht die wahren Gründe: Unkontrollierte Masseneinwanderung und akzeptieren von überhöhten Mietpreisen durch die Gemeinden. Jetzt die Schuld bei denen zu suchen, die streng marktwirtschaftlich eine günstige Gelegenheit ausnutzen, ist einfach nur billig und soll von den wahren Verursachern dieses Chaos ablenken, klappt aber nicht so richtig.

Dabei, Herr Heyer, ist der Mietendeckel doch die Generallösung unserer vielen Probleme!
Kostenexplosion - Kostendeckel
Klimawandel - Klimadeckel
Vulkanausbrüche - Vulkandeckel
Steuern u. Gebühren - Abgabendeckel
Mehr Bundestagsabgeordnete - BT- Deckel
Polit.-Phrasendrusch - Phrasendeckel
usw. usf., ect., etc.
Bitte weiter ergänzen
MfG

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