Ifo-Chef Clemens Fuest über Corona-Lockerungen - „Richtig, dass Laschet diese Debatte früh aufgenommen hat“

Warum Deutschland wegen der Coronakrise ein dauerhaft niedriges Wirtschaftswachstum droht, darüber spricht Ifo-Chef Clemens Fuest im „Cicero“-Interview. Der renommierte Ökonom verteidigt dabei die Krisenpolitik Armin Laschets in NRW. Nachlegen aber müsse Gesundheitsminister Jens Spahn.

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Ifo-Chef Clemens Fuest / dpa

Autoreninfo

Bastian Brauns leitet das Wirtschaftsressort „Kapital“ bei Cicero. Zuvor war er Wirtschaftsredakteur bei Zeit Online und bei der Stiftung Warentest. Seine journalistische Ausbildung absolvierte er an der Henri-Nannen-Schule.

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Bastian Brauns

Clemens Fuest ist seit 2016 Präsident des ifo Instituts in München. Von 2007 bis 2010 war er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesministerium der Finanzen und von 2013 bis 2016 Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim.

Herr Fuest, müssen wir Wirtschaft in Zeiten von Corona fundamental neu denken?
Wir müssen nicht alles neu denken. Aber so eine Krise hat es in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben. In einem Umfeld extrem hoher Unsicherheiten haben wir dringenden Diskussionsbedarf. Welche Veränderungen in der Krise sind temporärer Art, welche sind permanenter Art? Wie wirkt das mit dem Strukturwandel zusammen? Wie verändert sich die Nachfrage, wie die Technologien? Und natürlich bleibt die Frage nach dem Klimawandel. Der ist so fundamental, dass es unglaublich wichtig ist, falsche Entscheidungen zu vermeiden.

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gabriele bondzio | Mi, 15. Juli 2020 - 08:35

Gut es auch mal von Herrn Fuest zu hören.Strukturwandel mit weniger arbeiten oder weniger konsumieren, wird natürlich bei Steuern zu Buche schlagen. Dazu kommt noch hohe Arbeitslosigkeit und hohe Firmenpleiten. Nicht nur die Rentner müssen den Gürtel enger schnallen, auch der Staat (siehe viele Abgeordnete im BT)und man sollte über die bisherige Asylpolitik nachdenken.
Bezüglich der Schulden gebe ich Fuest recht. Die Annahme in einem Schlaraffenland zu leben (siehe Modern Monetary Theory ) würde auch voraussetzen, dass keine Steuerzahler benötigt werden. Der Staat könnte ja hier auch die Druckerpresse anwerfen.

Immerhin scheint Herr Fuest kein hemmungsloser Befürworter von Lockerungen zu sein, wie man sie andernorts schon mal unter Wirtschaftsvertretern findet.
Richtig ist nun mal, dass Corona die Gesundheit (hauptsächlich der Älteren) gefährdet, gleichzeitig aber auch den Wohlstand der Jüngeren.
Ein "entweder..oder.." funktioniert nicht. Entweder leidet die Wirtschaft erheblich, oder die Opferzahlen erreichen inakzeptable Höhen.

Gleichwohl habe ich den Eindruck, dass Herr Fuest - wie viele andere Zeitgenossen - davon ausgeht, dass wir irgendwann wieder zur Normalität von gestern zurückkehren. Das kann keiner garantieren.

Egal welche Massnahmen man auch trifft, es bleibt eine Unbekannte - das Virus. Auch in Zukunft wird Politik daher viel öfter Reaktion als Aktion sein.

Was Herrn Laschet angeht: Der reiste durch die Talkshows und präsentierte sich als mutigen "Öffner". Das war alles andere als wohlüberlegt - zu offensichtlich, dass er sich als zukünftigen Kanzler empfehlen wollte.

"Modern Monetary Theory" ist nicht zu verwechseln mit "Schlaraffenland" und obwohl ich es nicht gelesen habe, empfehle ich jetzt das Buch von einem m.E. seriösen Wissenschaftler Prof.Dr. Wolfgang Krumbein, "Staatsfinanzierung durch Notenbanken!" und empfehle die Folge 466? von Jung & Naiv mit Thilo Jung und dem Gast Norbert Walter-Borjans, EINE STERNSTUNDE!
Und weil das so lang war, konnte ich nichts mehr unter den Artikel von Herrn Nothe schreiben.
NoWaBo hat Ahnung von Finanzen und Wirtschaft, hat er nun Ökonometrie studiert?
Ich kannte ihn leider! gar nicht, weil ich 1974 von NRW wegging und wenn ich weggehe, bin ich weg.
Fur Herrn Fuest muss ich nicht werben und ich halte mich lieber zurück, sofern fair diskutiert wird.
Okay, manchmal diskutiere auch ich nicht fair oder ich schweige, obwohl es nicht fair zugeht.
Freundlichst

Heidemarie Heim | Mi, 15. Juli 2020 - 10:01

Wenn ich Herr Prof. Fuest richtig verstanden habe, wäre also eine Art Triage unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten notwendig?
Egal wie groß oder wirkmächtig ein Wirtschaftsunternehmen samt politisch einflussreicher Lobbyisten national bis global bisher auftrat bzw. geführt wurde? Mit anderen Worten unsere bisherige Schlüsselindustrie auf links drehen und hoffen, das damit auch dem Staat hinsichtlich des bis jetzt unüberschaubaren Schadens nicht in Bälde die Luft ausgeht? Und er, also wir alle zu einer Art Lock down unserer Sozialversicherungen greifen müssen? Oder essen wir frei nach der kopflosen Marie eben Kuchen wenn das Brot alle ist?;)
Die Antwort auf diese Frage konnte ich leider auch dem ansonsten interessanten Interview nicht entnehmen. Oder dramatischer, blicken wir noch gebannt in den Abgrund oder hängen wir schon als free-climber in der Steilwand? Sie wissen schon, ohne jegliche Hilfsmittel;)? MfG

Tomas Poth | Mi, 15. Juli 2020 - 12:39

Viel einerseits und andererseits, aber immerhin ein ausdrücklicher Hinweis auf die hohen Sozialkosten.
Wenn die Corona-Hilfen in der EU nicht auf Kreditbasis gewährt werden, wo werden sie am Ende landen bei den Sozialkosten oder auf dem Konto der Reichen?
Das Ifo Institut ist ein eingetragener Verein und finanziert sich zu 2/3 aus öffentlichen Mitteln!
Da muß man sich dann wohl sehr vorsichtig äußern.

Michaela 29 Diederichs | Mi, 15. Juli 2020 - 13:04

Gutes Interview. Danke Herr Brauns. Thema E-Mobilität: Die EU scheint nicht überzeugt zu sein von dieser Technologie. Ein E-Auto macht aus meiner Sicht nur dann Sinn, wenn ich es überall in der EU mit nur einer Karte betanken kann, die Reichweite der Autos mindestens 500 km beträgt und das Aufladen einigermaßen schnell geht (max. 2 Stunden). Wäre das eine Idee für ein EU-weites Konjunkturpaket in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltfreundlichkeit? E-Mobilität überzeugt mich bisher nicht. Nun ist Sache der EU mich umzustimmen.