Der Nietzsche Forscher Helmut Heit auf dem Campus der Tongji-Universität.
Helmut Heit sieht Nietzsche als radikalen Denker der Unterschiede und des Unterscheidens / Fotos: Chi Yin Sim

Nietzsche in China - Denn ein Übermensch kennt keine Trauer

Friedrich Nietzsche ist in China der Philosoph der Stunde, für liberale Freibeuter wie für orthodoxe Sachstandswahrer. Das Riesenreich sucht mit ihm Orientierung. Eindrücke einer Reise nach Schanghai

Alexander Kissler

Autoreninfo

Alexander Kissler ist Redakteur im Berliner Büro der NZZ. Zuvor war er Ressortleiter Salon beim Magazin Cicero. Er verfasste zahlreiche Sachbücher, u.a. „Dummgeglotzt. Wie das Fernsehen uns verblödet“, „Keine Toleranz den Intoleranten. Warum der Westen seine Werte verteidigen muss“ und „Widerworte. Warum mit Phrasen Schluss sein muss“.

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China ist ein Baukran. Sind Häuser, 30 Stockwerke und höher, die es vor einem Jahr nicht gab, sind Autobahnen, die Viertel zerteilen, die es vor fünf Jahren nicht gab, sind Menschen, Menschen, Menschen. China, das ist auch das brummende, feixende, kollernde Lachen des Herrn Sun und das fragende Lächeln von Frau Zhou. Und Konfuzius, Laotse und Nietzsche, Apple und Benetton und C&A, auch sie sind China, auch über ihnen schwebt Klebreis in süßen Lüften. Zukunft wird gedacht, gemacht, gemocht. Vor den Taten kommen die Gedanken, vielleicht nirgends ist dieser Zusammenhang fester gefügt. Was also denkt China? Ich machte mich auf nach Schanghai – auf den Spuren jenes Einzelgängers, in dessen Denken das kleine, schwierige Wörtchen „ich“ so oft wie bei keinem Philosophen sonst erscheint. Mit Nietzsche lässt sich nichts kollektivieren.

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