Alfred Biolek / picture alliance

Interview mit Alfred Biolek - "Ein wirklich radikaler Bruch"

Jahrzehntelang war er Chefentertainer und Talkkönig des deutschen Fernsehens, in seiner Kochshow brutzelte Alice Schwarzer Zitronenhuhn und Pavel Kohout Knoblauchsuppe. Ein Gespräch über seine Karriere.

Herr Biolek, wie nehmen Sie das politische Berlin wahr?

Im Vergleich zu Italien sind wir ein wunderbar stabiles Land. Es ist klar, dass die große Koalition Schwierigkeiten hat, weil es ja keine Liebesheirat war. Dennoch: Im Vergleich zu anderen Ländern schneiden wir doch ziemlich gut ab.

Sie haben immer wieder mit Politikgrößen zu tun gehabt. Wer hat sie am meisten beeindruckt?

Gleich zu Beginn: Ich habe kein Lieblingsgericht, keine Lieblingsstadt und auch keinen Lieblingstalkgast. Helmut Kohl hat mich, nachdem er bei mir in der Sendung war, nach Frankreich eingeladen, weil seine Frau dort einen Preis für ein Kochbuch bekommen hat. Das war ganz nett, aber daraus ist keine Freundschaft entstanden. Ich habe Gerhard Schröder einmal an einem Abend bei mir zu Besuch gehabt. Auch daraus hat sich nichts Weitergehendes entwickelt.

Man hat immer den Eindruck, dass sich die sogenannten Promis alle bestens kennen.

Kennen schon, aber das heißt ja nicht, dass man befreundet wäre. Sehen Sie, ich habe mit fast keiner Showgröße einen wirklich privaten Kontakt. Es gibt sogar Kollegen, die gar keine Freunde haben. Gelegentlich gibt es zwei aus dem Showbusiness, die enger befreundet sind, aber das ist nicht die Regel.

Mit Helmut Kohl verbindet Sie nicht nur die Leidenschaft fürs Essen, sondern einst auch die Partei. Sie waren ja mal CDU-Mitglied.

Als ganz junger Mann, beeinflusst von meinem Vater, der sehr lange im Stadtrat war und im Kreistag. Mein Vater war ein sehr konservativer Mann, allerdings ein liberaler Konservativer, der später auch sehr tolerant reagiert hat, als ich mich anders entwickelte. Konservativ sein war damals selbstverständlich.

Sie waren auch in einer Studentenverbindung?

Auch das war damals normal. Ich bin dann später wieder ausgetreten, muss aber sagen, dass mir das Verbindungsleben viel gegeben hat. Als ich beispielsweise im Studium nach Wien gegangen bin, kannte ich niemanden in der Stadt. Über die Verbindung habe ich schnell viele Leute vor Ort kennen gelernt. 

Die konservative Haltung haben Sie dann radikal abgelegt.

Das kann ich zeitlich genau fixieren: Als ich 1970 vom ZDF in Mainz nach München ging, habe ich alle meine Krawatten weggeschmissen, alle meine schicken Anzüge mit Weste. Dann habe ich mir Schlag- und Lederhosen gekauft, habe mir die Koteletten wachsen lassen und die erste Zeit sogar eine Pilotenbrille mit dunklen Gläsern getragen. Ein wirklich radikaler Bruch.

Haben Sie sich von der 68er-Bewegung anstecken lassen? 

Die 68er waren es nicht. Vielmehr hatte sich bei mir der konservative Druck meiner Erziehung aufgestaut. Ich wollte das los werden. Radikale Brüche haben oft eine Chance, wenn man den Ort wechselt. 1968 war ich stellvertretender Unterhaltungschef beim ZDF, war viel unterwegs und habe in einer anderen Welt gelebt als die revoltierenden Studenten. München war damals eine unglaublich spannende Stadt im Aufbruch. Es hatte fast nichts von dem, was es heute ausmacht, von diesem Schickimicki.

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