Keira Bell
Keira Bell klagte erfolgreich gegen die Tavistock-Klinik, weil sie ihrem Wunsch nach Geschlechtsumwandlung fahrlässig gefolgt sei / dpa

Selbstbestimmungsgesetz und Geschlechtswechsel - „Ein die Kinder schützender Rahmen wird aufgegeben“

Die Ampel-Regierung möchte ein „Selbstbestimmungsgesetz“ verabschieden, dass das bisherige Transsexuellengesetz ersetzen soll. Es soll unter anderem ermöglichen, seine Geschlechtsangabe im Personalausweis zu ändern, ohne ein psychiatrisches Gutachten anzufordern. Und das soll bereits für 14-Jährige gelten. Der Psychoanalytiker Bernd Ahrbeck befürchtet, das könnte die Tür für chirurgische Geschlechtsumwandlungen bei Jugendlichen öffnen - ein Schritt, der von Betroffenen nicht selten später bereut wird.

Autoreninfo

Nathan Giwerzew studierte Literatur- und Politikwissenschaft in Berlin und absolvierte ein Redaktionspraktikum bei Cicero.

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Bernd Ahrbeck ist Erziehungswissenschaftler und Psychoanalytiker. Er lehrt und forscht an der Internationalen Psychoanalytischen Universität. Im Verlag „Zu Klampen“ ist am 28. Februar seine Monografie „Jahrmarkt der Befindlichkeiten“ erschienen. Der von ihm mit Marion Felder herausgegebene Band „Geboren im falschen Körper. Gender-Dysphorie bei Kindern und Jugendlichen“ ist zurzeit im Druck und erscheint im Kohlhammer-Verlag Stuttgart.

Herr Ahrbeck, was tut sich aktuell in der Bundestagsdebatte um das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz? 

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Maria Arenz | Fr., 4. März 2022 - 15:07

geht in den Köpfen der Befürworter dieses Gesetzes vor? Jeder, der sich an seine eigene Pubertät oder die seiner Kinder erinnert, weiß doch um die geistigen und psychischen Turbulenzen, die mit den in dieser Zeit stattfindenden "Umbauarbeiten" im menschlichen Gehirn. verbunden sind. Ich erinnere mich noch sehr gut an meine abartigen Berufswünsche, denen nachzugeben meine -zeitgemäß autoritären- Eltern Gott sei dank einen radikalen Riegel vorschoben. Die Berufung auf eben diese "Umbauarbeiten" im Gehirn, um allen Schwachfug zu erklären, der von Jugendlichen begangen wird, gehört inzwischen ja geradezu zum sozialen Besitzstand dieser Altersgruppen. Und ausgerechnet etwas so Fundamentales wie das nun einmal weder durch Medikamente noch durch Chirurgen-Geschnippel veränderbare, weil von der Zeugung an durch die Chromosomen bestimmte Geschlecht soll nun ohne Vetorecht der Eltern, ja sogar ohne Beratungs- oder Wartepflicht den Launen von Teenagern ausgeliefert werden?

Brigitte Miller | Fr., 4. März 2022 - 16:30

Sätze: "Sie bleiben auf eine sträfliche Weise sich selbst überlassen. Die Erwachsenengeneration entzieht sich ihrer Verantwortung. "
Das beginnt schon damit, dass Eltern ihren Kindern die Erziehung verweigern, weil sie glauben, ein Kind, selbst ein ganz kleines , dürfe und müsse frei in seinen Entscheidungen sein. Das grenzt an Kindsmisshandlung.

Fritz Elvers | Sa., 5. März 2022 - 01:45

Antwort auf von Brigitte Miller

mein Sohn hat jede Erziehung dankend abgelehnt. Was sollte ich machen?

Ernst-Günther Konrad | Fr., 4. März 2022 - 16:36

Ich muss es so krass ausdrücken. Was für ein perverser Gedanke. Kinder noch in elterlicher Obhut, in der Versorgungspflicht der Eltern sollen mitten in ihrer Findungsphase nach eigener Entscheidung ein Geschlecht wählen und durch Operationen, am Ende gerichtlich gegen die eigenen Eltern mit Zahlungspflicht durch körperliche Eingriffe abändern können? Ohne neutralen Rat von Ärzten, gerademal so, wie man es gerade empfindet? Dieser Gesellschaft traue ich inzwischen nichts mehr Gutes zu. Da werden die Naturgesetzte, namentlich die der Biologie geradezu ausgehebelt und umfunktioniert, so wie es politisch gewollt ist. Kein 14jähriges Kind kann diese Folgen ernsthaft überschauen, noch für sich selbst beurteilen. Und wenn die OP "geglückt" ist, wer heilt die Seelenwunden dieser Kinder, wenn sie es bereuen, eine "neue" Gefühlswelt in sich entdecken und sich erneut umentscheiden? Wenn Erwachsene das für sich selbst entscheiden, ist das ihre Sache. Aber Kinder? Eltern geht auf die Barrikaden.

Ihre Worte sind unbedingt zu unterstreichen. In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich, haben wir wirklich nicht Probleme genug? "Die Hoheit über die Kinderbetten, so sprach einst Herr Scholz, ist nichts anderes als die weitere Entmachtung der Eltern. Unter dem Deckmantel der Kinderrechte soll hier eine verquere unverantwortliche Ideologie durchgesetzt werden, die einem die Zornesröte in das Gesicht treibt, es sind eben doch übersättigte und dekadente Gesellschaften, die solch ein Denken hervorbringen. Es wird wirklich höchste Zeit, dass "Eltern auf die Barrikaden gehen".

Jörg Hinsenkamp | Sa., 5. März 2022 - 10:09

Ziel der Transformation laut Klaus Schwab ist die Auflösung des Menschlichen und die Vereinigung des Menschen mit KI. Da ist kein Raum mehr für das Wesen, den Geist des Menschen, dieser wird auf das Mechanistische reduziert. Auf dem Weg dorthin helfen alle Vorkonditionierungen der Entwurzelung. Die Verhinderung menschlicher Nähe, das gezielte Verlernen von Körpersprache, zweckdienlicher Wandel der Sprache, Förderungsverlust der Familie, Verirrung und Verwirrung des menschlichen Geschlechts, Verlust des Heimatgefühls, schlichtweg bis zum Verlust der eigenen Identität. Sind Teile der feuchten Träume des WEF Clubs schon Realität? Können wir das wollen?

Franz Jürgens | So., 6. März 2022 - 14:21

Wegen dieses Gesetzesvorhabens kam es für mich absolut nicht in Frage, bei der letzten Bundestagswahl die FDP zu wählen. Ich konnte es nicht fassen, dass diese Partei es WIRKLICH will.

Detlev Bargatzky | So., 6. März 2022 - 15:53

... "spätrömischen Dekadenz" in die Diskussion warf, habe ich diesen Term ausdrücklich abgelehnt.
Würde er ihn heute auf den hier beschriebenen Geschlechtswechsel beziehen, würde ich ihn umgehend bejahen.
Für mich ist diese Diskussion ein Witz, der in einem Monty Python Film mal kurz gespielt wurde. "Ich will auch Schwester sein" forderte einer der dargestellten männlichen Akteure.