Migrationsdebatte - Sarrazins unrettbare Neugier

Thilo Sarrazin will die Wahrheit über die „Wirkung von Einwanderung in Geschichte und Gegenwart“ gefunden haben. Lesen Sie dieses Buch – aber bitte mit Vorsicht.

Thilo Sarrazin bei der Buchpräsentation in Berlin / picture alliance

Autoreninfo

Moritz Gathmann leitet das Ressort Berliner Republik bei Cicero. Er studierte Russistik und Geschichte in Berlin und war viele Jahre Korrespondent in Russland.

So erreichen Sie Moritz Gathmann:

Klären wir zunächst eine grundsätzliche Frage: Muss man über das neue Buch von Thilo Sarrazin berichten? Meine Antwort erschließt sich aus der Tatsache, dass Sie diese Zeilen lesen. Dafür spricht: Für das nun erschienene Buch „Der Staat an seinen Grenzen“ hat der Verlag schon eine sechsstellige Zahl an Vorbestellungen bekommen. Der Bestseller-Autor Sarrazin schreibt zu einem Thema, über das unsere Gesellschaft sich seit Jahren entzweit (Untertitel: „Über Wirkung von Einwanderung in Geschichte und Gegenwart“). Und seine SPD, der er knapp fünf Jahrzehnte angehörte, hat ihn vor einem Monat endgültig aus der Partei geworfen. Nun denn.

Wo ist die Antifa?

Das Überraschendste an der Buchvorstellung des 75-Jährigen ist an diesem Tag, dass es keine pöbelnden Gegendemonstranten gibt – noch im Dezember etwa hatten Protestler einen Auftritt Sarrazins in Bremen verhindert. Hat die Antifa etwa entschieden, ihn durch demonstrative Nichtbeachtung zu bestrafen? Vielleicht keine schlechte Idee. Durch Nichtbeachtung strafen Sarrazin auch die meisten Medien, nur eine Horde alter weißer Männer sitzt da an diesem Montagvormittag in einem schmucklosen Raum der Bundespressekonferenz am Schiffbauerdamm: Die Nachrichten-Agenturen sind da, Bild, die Junge Freiheit und Tichys Einblick.

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Klaus Decker | Mo, 31. August 2020 - 18:32

Der Kommentar lässt den geneigten Leser aus einer höheren Warte gleich das Gewagte an Sarrazins Feststellungen erkennen. Warum nicht - aber haben Sie je derart kritische Fragen bei einer Pressekonferenz von Angela Merkel gehört (etwa von Cicero). Das heißt nun wirklich nicht, dass ich irgendetwas an diesen Fragen auszusetzen hätte,
es entsteht nur der Eindruck der absoluten Überlegenheit über den doch recht unbedarften Sarrazin. Eben echte Fachleute! Übrigens habe ich das Buch bereits vorbestellt. Es schadet doch nie, sich eine eigene Meinung zu bilden.

Christa Wallau | Mo, 31. August 2020 - 18:33

lieber Herr Gathmann.
Den wohlfeilen Rat, Sarrazins Thesen nicht ungeprüft zu übernehmen, können Sie CICERO-Lesern allen Ernstes nicht geben, ohne sie gleichzeitig zu beleidigen. Vielleicht denken Sie mal kurz darüber nach...
Aber: Geschenkt!

Wer sich mit Geschichte intensiv u. ohne Vorurteile beschäftigt, kann m. E. sehr wohl erkennen, daß der Zerfall großer Reiche und Kulturen (z. B. das Habsburgerreich des 19. Jhdts.) damit zu tun hat, daß eben in ihnen k e i n e Ethnogenese (Entstehen eines GEMEINSAMEN Volksempfindens u. Hochachtung für übergeordnete, gemeinsame Werte) stattgefunden hat, sondern daß dort die vielen Ethnien separat ihr Volkstum pflegten u. dies der Hauptgrund für den Zerfall des Reiches war.

Auch im "bunten" Deutschland wird es keine Ethnogenese geben; denn es ist jetzt bereits deutlich zu sehen, wie die Parallelgesellschaften der versch. Ethnien sich munter fortentwickeln.

Kurz: Ein Multi-Ethno-Staat ist immer labil, vom Zerfall bedroht. Das ist ein Faktum.

dass man einfach irgendetwas behauptet. Schon gar nicht, wenn die Behauptung eine eindeutige politische Absicht verfolgt.
Und was den Untergang vergangener Reiche angeht - dies jetzt jeweils auf das Fehlen gemeinsamer Werte zurückzuführen, ist eine politisch sicher bequeme, aber völlig abenteuerliche Behauptung.
Gerade wir Deutschen haben einen "harmonisierten, gereinigten Blut- und Bodenstaat" erlebt - ein Beispiel, wie man es nicht machen sollte.

Wenn der Cicero jetzt Sarrazins Buch bespricht, wenn auch mit kritischen Tönen, frage ich mich natürlich, ob das wirklich notwendig ist. Es gibt sicher interessantere, informativere, klügere Werke.

Sarrazin ist mit der SPD durch, will aber trotzdem Mitglied bleiben? Ein entlarvender Satz!
Da schreibt ein starrsinniger Rechthaber zum wiederholten Mal über die angeblichen Gefahren von Einwanderung. Und kann sicher sein: Seine Anhänger werden brav seine Bücher kaufen, und sich seiner Argumentation bedienen.
Geschenkt.

Thilo Sarrazins Bücher haben politische, gesellschaftliche Wirkung; und der Wirkung wegen muss man sich mit ihnen beschäftigen - auch Cicero! Und auch eigentlich Herr Lenz, denn sonst kann Kritik nicht ernst genommen werden.

... liebe Frau Wallau. Meine Souveränität fordert mich geradezu auf, dies zu tun.
Ich schmuggelte mich zu Ihren Kommentar hindurch. Auch für Sie ist das Hinterfragen ein wichtiger Aspekt. Gerade dieser scheint Herrn Gathmann zu suspekt. Objektivität ist für ihn Subjektivität. Doch Voltaire könnte ihn aufklären.
Er sagt: "Das Schlimmste ist die Intoleranz der angeblichen Toleranten".
Dieses Denken sollte sich Herr Gathmann zu eigen machen. Nicht nur in
diesem Artikel. In Diskussionen wird mein Hinterfragen hinterfragt mit
"warum hinterfragst du"? Möglicherweise wird dieses ebenso von Herrn
Gathmann hinterfragt.

Multiethnizität schafft nichts Gemeinsames, sondern partikulären Zerfall des Staatskörpers. Nicht nur Antike Römer erlebten die, da sie uferlos wuchsen, und gegenläufige Ansichten u. Praktiken vereinen wollten. Danach das gleiche geschah mit Osmanischen Reich, ein unproduktive Staatsmasse, die nicht nach Einigkeit strebte, sondern mit der Klerikal-Ideologie brutal herrschte, indem sie ihre Bräuche u. Gesetzte, über die der eroberten u. versklavten Gebiete stellte. Kolonialismus vor dem Kolonialismus.
Ex Jugoslawien ist das letzte Beispiel in Europa.
Das gleiche lief nun im Libanon ab, einem Miniland, wo zwischen bigotten Fanatiker u. Freizügler der Selbstbestimmung, kein gemeinsames Halbkomma vorhanden ist.
Es ist unmöglich Elemente wie Feuer o. Wasser vereinen, erst dann, wenn sich um Phosphorkampfmittel handelt. Das geschieht aber nicht auf friedlicher Basis.

Holger Jürges | Mo, 31. August 2020 - 18:50

...oder ein realistischer Pessimist ? - Gelobt seien jene Schulklassen in den großen Metropolen, in welchen die Mehrheit der Schüler in der Lage ist deutsch zu sprechen. - Im Übrigen spiegelt - im Verhältnis zum Gesamten - die Geburtenrate von Muslimen die Zukunft Deutschlands wieder. -

Zitat von LAILA MIRZO (CICERO 2018):

„Islamisierung ist keine Frage des Ob, sondern eine Frage des Wann“

Mir wird grade ganz pessimistisch zumute...

Wolfgang Tröbner | Mo, 31. August 2020 - 18:51

So stelle ich mir guten Journalismus vor. Ohne Schaum vorm Mund informiert Herr Gathmann über die Bundespressekonferenz, in der Herr Sarrazin sein Buch vorstellt. Den kleinen Seitenhieb gegen die "Horde alter weißer Männer", die sich dafür interessieren, verzeihe ich - schließlich bin auch ich ein alter weißer Mann und demzufolge interessiert mich das, was Sarrazin will, unendlich mehr als das, was wildgewordene junge POCs wollen. Im Falle der alten weißen Männer weiß ich, was sie für die Menschen und die Gesellschaft getan haben, bei den anderen ahne ich, dass es nicht ganz so viel ist. Danke Herr Gathmann für Ihre Leseempfehlung, der ich gern nachkommen werde, schon aus Solidarität mit Sarrazin und auch Broder!

Manfred Sonntag | Mo, 31. August 2020 - 19:08

Trauen Sie uns eine eigene Einschätzung nicht zu? Schon wieder betreutes Denken? Einige Bücher von Herrn Sarrazin habe ich gelesen. Dieses noch nicht. Man muss nicht immer seiner Meinung sein. Aber was Sie vergessen haben zu erwähnen, ist die mediale Bücherverbrennung seines ersten Buches vor 10 Jahren. Nur EIN Journalist (Herr Schirrmacher-FAZ) lud damals den Autor zu einem Streitgespräch ein und verurteilte die Kanzlerin für ihr Verhalten. Und heute? Egal ob Corona, Migration oder Klimawandel, der Großteil des Journalismus ist nichts weiter als eine Ausschmückung regierungsamtlicher Statements. Es erfolgt kein kritisches Hinterfragen der Maßnahmen der Regierung. Ich fühle mich jetzt oft an "Radio DDR", die "Aktuelle Kamera" oder das "Neue Deutschland" erinnert. Die Liberalen haben sich unter dem Druck von PC und Cancel Culture zurückgezogen. Und da wundert es Sie, Herr Gathmann, dass Bürger wie Herr Sarrazin solche Erfolge haben?

Gisela Fimiani | Mo, 31. August 2020 - 19:18

Eine Binsenweisheit: Kritisches Hinterfragen, sollte immer geboten sein, Herr Gathmann. Sie haben das Buch gewiß gelesen und urteilen nun. Das ist ihr gutes Recht. Ihr Urteil aber anzureichern mit der Information zu Broder und Tichy, sowie einer „Horde alter weißer Männer“ und einer Antifa, die mit „Nichtbeachtung“ das Richtige tut, entlarvt Ihren Beitrag als verschlagen und unaufrichtig. Bei mir hinterlässt er einen unangenehmen, schalen Nachgeschmack, der den Verriss zwar nicht rechtfertigen kann, ihn aber auf anderem Wege versucht.

Volle Zustimmung, eine mehr oder weniger geschickt getarnte Warnung vor dem Buch, so auch mein Eindruck.

Jürgen Keil | Mo, 31. August 2020 - 19:39

Herr Gathmann, vielen Dank für das Geländer, welches Sie uns mit Ihrer "Rezension" ganz uneigennützig an die Wand geschraubt haben. Ich kann mich nun beim Lesen dieses Buches daran festhalten und komme nicht in die Gefahr mich politisch unkorrekt zu verirren. Was Sie allerdings vergaßen mitzuteilen sind die Hinweise, dass man beim Lesen keinen Alkohol trinken, keinen Zucker essen, das man Schutzhelm und Schutzbrille, sowie Nasen- und Mundschutz tragen sollte. Erst das ist wahre Fürsorge. Diese weiß ich als alter, weißer DDR- Mann zu wahrlich schätzen.

Klaus Damert | Mo, 31. August 2020 - 19:44

"Aber das kritische Hinterfragen jeder einzelnen Sarrazin-Behauptung, gerade dort, wo sie zahlen- und faktengesättigt erscheinen mögen, ist geboten." - Zahlen scheinen dem Autor, auch wenn sie "faktengesättigt" sind, suspekt zu sein. Dann sollte man doch über diese Zahlen diskutieren. Aber erfahrungsgemäß wird es reichen, das Buch als "nicht hilfreich" abzutun.

Gerhard Schwedes | Mo, 31. August 2020 - 20:13

Gestern Herr Schwennicke über die Ungeheuerlichkeit der mutwillig beförderten Massenmigration, heute der Contrapunkt mit Ihrem Artikel. Damit scheint die Gesinnungswaage des "Cicero" insgesamt mal wieder ausgeglichen zu sein. Man signalisiert damit: Wir sind ein neutrales, vielfältiges Blatt. Zur Qualität Ihres Artikels: Er scheint mir aus einer ziemlich flapsigen Laune heraus geschrieben worden zu sein. Eine Mischung aus oberflächlicher Analyse und ein bisschen Glossenklamauk. Sehr wenig Ernst und noch weniger Wahrhaftigkeit. Wenn schon nicht Sarrazin, dann empfehle ich Ihnen, sich doch einmal ein Video von Professor Raffelhüschen über die finanziellen Realitäten der Einwanderung auf youtube anzuhören! Dann wird Ihnen schnell die flapsige Laune vergehen.

Irgendwie scheint vieles an Ihnen vorbeizurauschen, oder? Sonst hätten Sie vielleicht mitbekommen, dass die USA beispielsweise in Wissenschaft und Technologie weit vorne stehen. Ganz weit vorn. Und dass Deutschland kaum noch Schritt halten kann. Vielleicht hilft das Sarrazin-Buch Ihnen zu verstehen, warum das so ist

Nun Herr Töpner ich gehe davon aus das war Ironie.
Nun zu den Einwanderungen der USA. Es gab keine Integration die einheimische Bevölkerung, also die Indianer, wurden einfach brutal niedergemetzelt. Seit der Zeit wird tatsächlich die USA von mehr oder weniger alten weißen Männern, von Obama mal abgesehen, regiert. Wenn nun verschiedene Ethnien zusammenleben klappt das eher in einem riesengroßen Land wo man sich aus dem Weg gehen kann und seine mitgebrachte Kultur ausleben kann. Erfolgreich war und sind in den USA vorwiegend die europäischen Einwanderer (Milliardäre, Präsidenten, Nobelpreisträger, Künstler usw.). Allerdings zu Lasten der einheimischen und den anderen Bevölkerungsanteilen.

Wenn sie die Lebenserwartung ansehen, dann sind die USA nicht fortschrittlich. Bestenfalls ein Schwellenland. Die Gesundheit kostet, per capita, doppelt so viel wie bei uns, bei dürftigem Ergebnis für die Bevölkerungsmehrheit - trotz einer überragenden Spitze für die, die es sich leisten können. Fortschritt ist nicht nur wissenschaftlich-technologisch, Fortschritt sollte auch für die große Mehrheit der ca. 330 Mio. sein - für ca. 100 Mio. ist aber kein Fortschritt, es sei denn man ist gesund und kommt aus El Salvador. Wenn man einige sinnvolle quantitative und qualitative Kriterien anwendet, dann sind die USA nicht sehr fortschrittlich. Wieder trotz der eindruckvollen Spitzenleistungen.

Charlotte Basler | Mo, 31. August 2020 - 22:28

Wie man ja an vielen Schlagzeilen gut erkennen kann. Aber Hand aufs Herz, verehrter Herr Gathmann, wo ist denn unsere Schmerzgrenze bei der Migration? Wie viele Kulturfremde, wie viele Ungebildete, wie viele Arbeitslose und wie viele Kriminelle wollen und können wir uns leisten? Das es natürlich auch viele bereichernde Zuwanderer gibt ist völlig unbestritten. Jeder kennt einige solcher Beispiele und freut sich über diese Menschen. Die Chefin unseres Chinarestaurants (selbst Chinesin) sagte kürzlich über NRW "da wollte ich nicht lebe, zu viele Ausländee". Dann musste sie selbst lachen. Nun gibt es aber leider auch die o.g. Negativbeispiele - und seit 2015 eher mehr.
Ist es legitim und moralisch vertretbar, dass Staaten die Zuwanderung auf ihr Territorium begrenzen und strenge Kriterien an Zuwanderer stellen? Falls ja, warum machen wir es dann nicht?

Helmut Bachmann | Mo, 31. August 2020 - 23:47

Was hat denn die Einwanderung Positives gebracht? Ok, ein paar kulinarische Neuheiten. Das Scheitern der multiethnischen Staaten war übrigens komplett, auch wenn man kein homogenes Staatsvolk haben wollte, auch hier ja eine Parallele zur heutigen Zeit.
Soviel Vorsicht muss man auch gar nicht walten lassen. Er hat wieder einmal einfach Recht. Massierte Einwanderung war und ist schlecht für die Ureinwohner.

Axel Geertz | Di, 1. September 2020 - 06:54

Man muss immer über ein Buch berichten und es lesen und dazu Stellung nehmen, wenn ein Buch eine solche Resonanz hat, wie fast alle Bücher von Thilo Sarrazin. Und die Stellungnahmen werden unterschiedlich ausfallen und damit die Diskussion des Themas beleben. So ist Demokratie.

Wer jemanden „durch demonstrative Nichtbeachtung“ bestrafen will, der eine solche Resonanz bewirkt wie Thilo Sarrazin, hat im öffentlichen Diskurs nichts zu suchen. Aber die bisherige bekannte Form der politischen Auseinandersetzung der sogenannten Antifa soll doch wirklich nicht aufgerufen werden. Auf die Antifa kann mit Begeisterung verzichten werden! „Pöbelnde Gegendemonstranten“ sind genau so wenig gefragt wie ein Kommentar „nicht hilfreich“, wenn man das Buch nicht gelesen hat.

Also werde ich selbstverständlich auch dieses Buch lesen.

gabriele bondzio | Di, 1. September 2020 - 08:03

Nun , Herr Gathmann, wenn ich etwas lese klappe ich nicht gleich das Visier herunter. Ich bilde mir vorher auch keine Meinung, sondern erst danach.
Das ich ihren Artikel lese hat eher etwas mit Neugier und der Tatsache, dass sie ja recht gute Artikel schreiben, zu tun.
Habe ehrlich gesagt noch kein Buch von Sarrazin gelesen, lediglich ein paar Aufsätze Mein letztes politisch-angehauchtes Buch war von Jean Raspail/Das Heerlager der Heiligen. Es wirkt noch sehr stark in mir. Schon aus der Tatsache, dass es zu einem Zeitpunkt geschrieben wurde, als noch kaum einer über das Thema nachgedacht hat.
Was die Antifa und ihren, meist überzogenen Protest betrifft. Täuschen sie sich da mal nicht, dass diese nun handzahm geworden sind. Was die Neugier von Sarrazin betrifft, kann ich diese nachvollziehen und wenn man Buchvorstellungen „ohne Schaum vor Munde“ schafft, um so besser.

helmut armbruster | Di, 1. September 2020 - 09:19

aber es gibt genügend andere Faktoren, die ebenso alles verändern können (Krieg, Krankheit,Epidemie, technischer Fortschritt, Geburtenrückgang usw...).
Deshalb sollte man akzeptieren, dass sich Alles andauert verändert. Dann kommt man leichter damit zurecht.
Mein Stadtviertel z.B. ist schon lange nicht mehr dasselbe wie noch vor 30, 20 oder 10 Jahren. Menschen aus aller Welt sind gekommen und leben dort, auf ihre Art und Weise. Niemand hat mich gefragt, ob ich damit einverstanden sei.
Und ich habe längst begriffen, dass es nicht auf mich ankommt, dass es niemand interessiert, ob ich damit einverstanden bin oder nicht.
Ich habe auch begriffen, dass das nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.
Aus Klugheit und um des lieben Friedens willen habe ich die Situation akzeptiert und das ist auch das Einzige, was uns zu tun bleibt.
Schön ist das alles nicht. Aber wer sich nicht an veränderte Lebensumstände anpassen kann oder will, dessen Leben wird auch nicht schöner sein.

wie machen Sie das, Dinge hinzunehmen, die nicht zu ändern sind... wer kennt den Spruch nicht. Mir will es nicht gelingen, es bäumt sich alles auf in mir, es hieße für mich, einen Freifahrtschein auszustellen. Ich klammere mich an die dumme Hoffnung, dass diese Leute eines Tages doch lieber wieder in ihre Heimat wollen oder dass der Staat wieder zu Recht und Gesetz zurückkehrt und alle die, die nicht hierher gehören... Ich weiß, es ist dumm, aber anders komme ich nicht klar damit - und leide, wie Sie richtig bemerken. Sollte ich es mal hinnehmen, wäre es auch nicht aus Weisheit, sondern aus Resignation.

Ernst-Günther Konrad | Di, 1. September 2020 - 10:42

Ich gehe davon aus, dass der Mann vom Cicero, Sie selbst waren. Sarrazin hat in seinen Büchern durchaus schwere, manchmal nicht auf den ersten Blick verständliche Textpassagen. Es zwingt zum nochmal lesen, tiefen nachdenken, nachschlagen spezieller Fremdwörter, ein Buch, das sich Leser teilweise selbst erarbeiten müssen. Dass die Msm die Buchvorstellung meiden war doch klar. Offener Diskurs ist auch deren Metier schon lange nicht mehr. So macht man das mit Andersdenkenden eben. So tun, als ob sie nicht da sind, heimlich im Buch nach Worten und Textpassagen suchen, die man ihm irgendwie als rassistisch, islamophob oder was auch immer umdeuten/auslegen kann. Nie mit ihm selbst gesprochen, aber wissend was er meinte. Sie haben natürlich recht. Ein hinterfragender, selbst denkender und diskussionswilliger Leser wird die Aussagen in diesem Buch selbstverständlich kritisch für sich bewerten. Nur weil Sarrazin etwas schreibt, muss es nicht in allem der Objektivität entsprechen. Warum auch?

Brigitte Miller | Di, 1. September 2020 - 11:06

„Die Rettung und Heilung Afrikas kann nur aus der inneren Entwicklung seiner Länder kommen“. „Wir müssen den Zustand ändern, dass jemand der an die Grenze kommt und ‚Asyl‘ sagt zu einem deutschen Rechtssubjekt wird.“

„Die Rettung und Heilung Afrikas kann nur aus der inneren Entwicklung seiner Länder kommen“. „Wir müssen den Zustand ändern, dass jemand der an die Grenze kommt und ‚Asyl‘ sagt zu einem deutschen Rechtssubjekt wird.“„Wird die Schengen-Problematik nicht gelöst, wird Europa in dieser Form nicht überleben“ und: „Viele sehen heute den Klimawandel als das zentrale Problem der Menschheit an. Das zentrale Problem dieser Erde ist jedoch das ungezügelte Bevölkerungswachstum.“
Darum geht es, und ist das, was niemand hören/lesen will.

bei unserer Kanzlerin Flucht und Klima, sondern das Bevölkerungswachstum?
Wenn es zu Menetekeln der Geschichte gemacht wird, taugt evtl. das eine so wenig wie das andere.
Las über evtl. über Pocket, dass die Bevölkerungen weltweit sinken könnten, irrwitzigerweise evtl. nicht in Afrika.
Nun, ich glaube auch an Bevölkerungsrückgang und zwar WELTWEIT.
Das ist schwierig zu untermauern.
Nur eine Überlegung, dass Bevölkerungswachstum verknüpft mit Hysterie und Apokalypse insgesamt auf etwas zurückgeführt werden könnte, etwas das sich in seiner Zuspitzung evtl. wieder verlieren kann.
Auf vermehrte Zuneigung führe ich es jedenfalls nicht sofort zurück.
Ich bleibe einstweilen grob beim Magnetfeld der Erde und erhoffe mir insgesamt eine Abkühlung.
Ich weiss, sehr laienhaft, aber was erwartet man von einfachen Menschen wie mir, wenn Wissenschaft noch abstruser und beliebiger auf mich wirkt.
Immer jedoch ist jede umweltschonende Massnahme mindestens bedenkenswert.
Leben steht NICHT zur Debatte!

"Das zentrale Problem dieser Erde ist jedoch das ungezügelte Bevölkerungswachstum." Das ist ein Schlüsselsatz in diesem Beitrag.
Die Menschen selbst sind das größte Übel auf dieser Erde.
Dies ist meine Meinung schon lange und sie werden immer noch mehr.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 1. September 2020 - 11:46

Ich habe den Eindruck, dass Herr Gathmann die richtigen Fragen stellte zu etwas, das man nicht verstehen kann.
Meinen höchsten Respekt für Herrn Henryk M. Broder, der es hoffentlich erträgt, dass ich mindestens an die Integration turk/arabischer Einflüsse nach Europa glaube, wie es mit dem Judentum möglich war und mit vielen anderen "Völkergruppen".
Israel wurde vor Jahrtausenden zerstört, der ehemaligen Israeliten waren es eigentlich nur wenige, so dass Migrationspolitik mit auch nur ein bisschen Sinn und Verstand in den nächsten Jahrhunderten sehr wohl in Europa GUT möglich sein kann.
Vielleicht sagt schon Herr Sarrazins Nachname, dass sein kritisches Augenmerk auf den "Sarrazenen" ruht?
Dreh- und Angelpunkt von Migration ist die Einsicht, dass Europa IST und keine Leerfläche.
Dass es lebt und nicht für andere soll.
Dass es nicht regiert werden muss, sondern, dass Regierungen gewählt werden.
Europas Kultur ist so hoch und so breit, wie alle Welten und alle Himmel.
EIN JUWEL

Jens Böhme | Di, 1. September 2020 - 12:24

Bücher kaufen und lesen: es wird zur Vorsicht gemahnt. Wie verquer unsere Gesellschaft geworden ist, zeigt sich an diesem Cicero-Artikel. Vielleicht liegt es ganz woanders. Parallelgesellschaften, Zappelstrom, Klimahysterie, Entindividualisierung sind ungewisse Zukunft. Angstmacherei mit Klimawandel, Weltuntergang, Dekarbonisierung, Virenalarm schaffen kein Vertrauen sondern Unsicherheit.

Fritz Elvers | Di, 1. September 2020 - 16:09

In reply to by Jens Böhme

da tut doch ein Laieneugeniker mal wirklich gut. Man hat es ja immer schon gewußt, aber dank Sarrazin endlich die Bestätigung gefunden.

Da machen erfundene Weltuntergänge (Weigel) und Virenalarme nur Angst.

Peter Gegesy | Di, 1. September 2020 - 15:57

Bei amazon.de sind inzwischen 7 Rezensionen (Teils eher bloße Leserurteile) zum Buch erschienen. Davon 4 inhaltsbezogene, die ihm 5 Sterne geben, sowie 3 der mittlerweile schon üblichen „Gesinnungsurteile“ (denn von Rezension kann man hier eigentlich gar nicht reden), die ohne einen konkreten Inhaltsbezug sich im gewohnten Empörungsgeschwafel ergehen und dabei kräftig die Rassismuskeule schwingen. Letzteres ist sowas wie die obligatorische Gegendemo, beim Erscheinen jedes unliebsamen Buches. Ohne das Buch überhaupt angelesen geschweige denn ganz gelesen zu haben, verspritz man sein Gift gegen den Verfasser unter Verwendung der üblichen Gemeinplätze und drückt mit der Vergabe von einem einzigen Stern die Gesamtbewertung. Sowas dürfte eigentlich gar nicht freigegeben werden. Es ist aber wohl ein Synthom der inzwischen in so gut wie allen Bereichen akzeptierten Niveaulosigkeit.

Juliana Keppelen | Di, 1. September 2020 - 17:55

"Ein Multi-Ethno-Staat ist immer labil, vom Zerfall bedroht. Das ist ein Faktum".
Es sei denn der Staat wird mit eiserner Hand zusammen gehalten.
Das beste Beispiel ist Jugoslawien. Und da haben wir kräftig dabei geholfen jedem Nationalist sein eigenes Fleckchen herbeizubomben, auch wenn keines der Fleckchen für sich überlebensfähig ist und am EU-Tropf hängt .

Dr. Hermann-Josef Stirken | Mi, 2. September 2020 - 07:20

Nur ein einfach strukturierter Mensch erlaubt sich ein Urteil über eine Meinung ohne sich mit ihr auseinander gesetzt zu haben. Der Ratschlag kritisch zu sein , ist deshalb so , als jemanden zu empfehlen, im Straßenverkehr vorsichtig zu sein Einige einfache Seelen tun den Autor des Buches als starrsinnig ab, immer noch nicht auf Linie, ich werde das Buch lesen und mir wie immer die Frage stellen, ist der Standpunkt überzeugend Fakten kann man im Web heute überprüfen An Frau. Wallau : Ja, wir haben mittlerweile parallele Kulturen Der Traum der großen bunten Gemeinschaft ist zerplatzt wie ein Luftballon.