FDP - Lindner beim Bäcker

Die Reaktionen auf Christian Lindners Bäcker-Anekdote waren hysterisch. Doch die Kritik ist im Kern berechtigt. Bei zwei Formulierungen hat sich der FDP-Chef gehörig in der Wortwahl vergriffen

12.05.2018, Berlin: Christian Lindner, FDP-Vorsitzender, hält auf dem 69. Ordentlichen Bundesparteitag der FDP eine Rede.
Die Kritik an Christian Lindners Bäckerei-Anekdote ist im Kern berechtigt / picture alliance

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Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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In den vergangenen Tagen löste Christian Lindner eine hitzige Debatte mit seiner Bäckerei-Szene in seiner Parteitagsrede aus. Für eine faire und umfassende Analyse dieser Anekdote ist die erste Voraussetzung, sie in voller Länge zur Kenntnis zu nehmen. Sie lautet wie folgt: 

„Man kann beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestellt, ob das der hochqualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer. Damit die Gesellschaft befriedet ist, müssen die anderen, die in der Reihe stehen, damit sie nicht diesen einen schief anschauen und Angst vor ihm haben, sich alle sicher sein, dass jeder, der sich bei uns aufhält, sich auch legal bei uns aufhält. Die Menschen müssen sich sicher sein, auch wenn jemand anders aussieht und nur gebrochen Deutsch spricht, dass es keine Zweifel an seiner Rechtschaffenheit gibt. Das ist die Aufgabe einer fordernden, liberalen rechtsstaatlichen Einwanderungspolitik.“

Sind Illegale gleich kriminell?

So hysterisch die Reaktionen auf Lindners Worte im Netz auch sein mögen: Die Kritik ist im Kern berechtigt. Dem FDP-Chef ist sein Vertrauen auf seine Gabe der freien Rede hier zum Verhängnis geworden. Denn die Passage enthält zwei Formulierungen, die mindestens eine Geisteshaltung suggerieren, die nicht geht.

1. „...und Angst vor ihm haben“. Wieso bitte sollen Menschen in einer Bäckerei automatisch Angst vor einem Menschen haben, von dem sie argwöhnen, er könne sich unter Umständen illegal oder lediglich geduldet in Deutschland aufhalten? Diese Lindnerschen Individuen an der Ladentheke können möglicherweise in ihrem Rechtsempfinden gestört sein, wenn sie unterstellen müssen, dass die betreffende Person eigentlich gar keinen Anspruch darauf hat, hier zu sein. Aber Angst? Wieso Angst? Angst unterstellt den Zusammenhang: illegal ist gleich: kriminell, gewalttätig. Und das ist natürlich entweder großer Unfug. Oder stigmatisierend und latent fremdenfeindlich.  

2. „Die  Menschen müssen sicher sein, (....), dass es keine Zweifel an seiner Rechtschaffenheit gibt.“ Keine Zweifel an seiner Rechtschaffenheit, weil er gebrochen Deutsch redet und anders aussieht?  Das ist ebenfalls grober Unfug. Zweifel an der Rechtschaffenheit von Menschen, mit denen man sich in einem Raum befindet, sind grundsätzlich nie auszuschließen. Und zwar völlig unabhängig von Hautfarbe oder Zungenschlag. Es kann gut sein, dass ich heute morgen im Bäckerladen neben einem Mann stand, der blonde Haare hat und seine drei Rosinenbrötchen mit schwäbischem Zungenschlag bestellte und vorher seine Frau misshandelt hat. 

Lindner wollte, aber konnte nicht

Es gibt bei Christian Lindner grundsätzlich keinerlei Grund anzunehmen, er sei ein Fremdenfeind oder Rassist. Jeder, der ihn lange beobachtet und kennt, wird zu keinem anderen Urteil kommen. Aber diese aus diesem Stegreif formulierte Passage ist ihm gründlich misslungen. Wahrscheinlich weiß er das selbst und hat deshalb auch eine Videobotschaft im Netz hinterhergeschickt mit dem Hinweis, was er damit „sagen wollte.“

Ja, wollte. Aber nicht konnte.   

Bettina Diehl | Di, 15. Mai 2018 - 17:42

ich für meinen Teil möchte hingegen, dass, wenn ich mit dem Hund spazieren gehe und mir Männer begegnen, es sich nicht um solche handelt, die nach Messerangriffen u.ä. Gewalttaten von der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt wurden. Mit anderen Worten wünsche ich mir "Rechtsstaatlichkeit". Bei den meisten Bäckereien fürchte ich mich vielmehr vor den oft ungenießbaren "Brötchen", als vor Menschen, die gebrochenes Deutsch sprechen

Die, die gebrochenes Deutsch sprechen gehen eher seltener in unsere Bäckereien. Die Verspeisung von (meist) pappigen Brötchen zum Frühstück ist Teil unserer Kultur. In der arabischen und afrikanischen Welt ist das ganz und gar unüblich. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dort ganz unterschiedliche Kulturen begegnen, ist nicht so hoch. Deswegen finde ich das Beispiel Bäckerei nicht unbedingt passend. Aber wir wissen, was Herr Lindner sagen wollte.

Bettina Diehl | Mi, 16. Mai 2018 - 10:00

In reply to by Michaela Diederichs

auf die Rechtsbrüche und Rechtsbeugungen im Umgang mit den sog. Flüchtlingen hinweisen sollen. Lindner sollte in der Lage sein, die Schieflage in unserem System auszudrücken und nicht das Geschwurbel der Kanzlerin nachzuahmen. Klar trifft man beim Bäcker in der Regel keine Migranten

Also gerade in süddeutschen Bäckereien habe ich schon genug Menschen erlebt, die gebrochenes Deutsch sprechen:
"Wa wollet se? Homma idda."
"Mr hond des, was do isch. Machet sa halt ihre Auga auf".
"Zwoidreisg"
"Wa soll i etzt mitm zä Euro Schoi? Gots au kloiner? Haää.."
Und in der Schlange an der Theke die Mutter zu ihrer Sohn "Und wenn da it glei a Ruah isch, kriagsch oine hintr Löeffl. Verdammt noch mol, etzta halt mol dei Klappa und schdell die räd nah!"

Das beste Deutsch, rein grammatikalisch, höre ich übrigens bei der Bäckerei, die in der Nachbarschaft von einem Türken geführt wird. In der Regel auch deutlich freundlicher.

Helmut Bachmann | Mi, 16. Mai 2018 - 19:46

In reply to by Olli Land

noch ein bißchen rassistischer?

Joachim Wittenbecher | Di, 15. Mai 2018 - 17:53

Der FDP-Vorsitzende Lindner hat auf dem Parteitag dieses Gleichnis erzählt, ich habe es live auf Phönix miterlebt: der Vortrag war missglückt, vor allem in sprachlicher Hinsicht, aber inhaltlich nicht anstößig; allerdings war mir auch sofort klar, dass die Empörungsautomaten umgehend in Aktion treten - stört mich nicht mehr - macht doch, noch 100 000 mal. Wir sollten vielleicht ein "Deutsches Museum für Empörungskultur" aufbauen - das Kirchenschiff der Potsdamer Garnisonskirche könnte sich eignen.

Anne Müller | Mi, 16. Mai 2018 - 15:12

In reply to by Joachim Wittenbecher

Ausgezeichnete Idee. Als 1. Vorsitzende eignet sich m.E. am besten Frau Claudia Roth (Bündnis90/DIE GRÜNEN), noch amtierende Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages.

Ullrich Ramps | Di, 15. Mai 2018 - 18:09

Der Mensch erhebt sich - hoffentlich, aber leider nicht immer - über den Schimpansen, indem er eben NICHT die eigene eigene Gruppe mit kriegerischen Augen gegen die "feindliche" Nachbargruppe abgrenzt.
Denn die klaut die knappen Ressourcen und ist daher für den Schimpansen der "Feind". Soweit die gegebene Verhaltensbiologie unserer Wurzeln.

Natürlich aber kehren wir bei allem erlernten Humanismus reflexartig zu solchen Basisstrukturen zurück und müssen diese via Vernunft herunterschlucken.
Das können wir leicht, wenn Lindners These berücksichtigt wird - und schwer, wenn das Andersaussehen Fragen auffwirft.
So sehr ich Ihre Beiträge schätze, Herr Schwennicke, und der sonntägliche Presseclub Pflicht ist, wenn Sie dabei sind (und das bleibt so), hier liegen Sie falsch und Herr Lindner hat Recht.
Fairness und Rechtsstaatlichkeit gelingen leichter, wenn man eine angenehmere Basis für die Einschätzung des Gegenübers hat - so einfach ist das.
Meine 5 Cents dazu.

Martin Böhm | Di, 15. Mai 2018 - 21:18

Wäre Lindner kein so eloquenter, ja charismatischer Politiker, seine Karriere wäre wohl wegen ein, zwei nicht perfekt formulierten Sätzen beendet. Als Beispiel einer seiner Vorgänger Brüderle, bei Lindner wäre man wohl nicht so hart ins Gericht gegangen. Was resultiert daraus? Es wagt sich keine(r) mehr aus der Deckung, alle unterliegen dem Mainstream um ja nichts falsches zu sagen.
Nur die Bürger merken das schon und wählen dann eben extreme Ränder, die sich nicht scheuen Wahrheiten auszusprechen aber auch Grenzen zu überschreiten. Man merkt es selbst am Arbeitsplatz, es werden keine politischen Diskussionen mehr geführt, bestenfalls noch im engeren privaten Bereich, da nur noch polarisiert wird und eingeteilt zwischen Gut und Böse.

... "die sich nicht scheuen Wahrheiten auszusprechen aber auch Grenzen zu überschreiten. Man merkt es selbst am Arbeitsplatz, es werden keine politischen ... ...
.... "es werden keine politischen Diskussionen mehr geführt, bestenfalls noch im engeren privaten Bereich, da nur noch polarisiert wird und eingeteilt zwischen Gut und Böse." ...

Erweiterung: Noch nicht einmal im "engeren privaten Bereich": Dieser bis in die Familie hineinreichende Bereich wird durch die Auseinandersetzung mit der neuen Realität - in erster Linie in Form der AfD, aber auch der FDP - bereits direkt konfrontiert, so dass sich hier Familien zu zerstreiten drohen - wenn das Thema kluger Weise nicht vorsorglich tabuisiert wird.

Laurenz Manfred | Di, 15. Mai 2018 - 21:34

sehr geehrter Herr Schwennicke, ist doch wohl mehr als Metapher zu verstehen. Die Ängste vieler Menschen treten weniger in Bäckereien zu Tage, als wie z.B in der U-Bahn oder anderen multi-kulturell geprägten Begegnungsstätten. Wie sagte doch unlängst Herbert Reul: "Bürgerinnen und Bürger werden einfach sensibler sein müssen. Man muß nicht unbedingt Menschen nah an sich ranlassen". Sind wir schon so weit, dass ein Generalverdacht gegenüber jedermann besteht. Und genau aus diesem Grunde taugt Lindners Bäckergeschichte zwar nicht als Beispiel, sollte aber auch nicht zum Anlass genommen werden, eine "latente Fremdenfeindlichkeit" zu erkennen. Die Unsicherheit gegenüber Fremden im öffentlichen Raum kommt ja wohl nicht von ungefähr und dürfte in nächster Zeit weiter zunehmen. Hier hätte ich mir eigentlich gewünscht, dass seitens der Cicero-Redaktion ein klares Statement gegen diesen unerträglichen "Empörungsmainstream" zu lesen wäre.

Helmut Bachmann | Di, 15. Mai 2018 - 22:09

Auch ihre Kritik überzieht genau so wie die hysterische. Jeder versteht, was gemeint ist. Jeder möchte wissen, wer hier ins Land kommt und keiner mag blöde Fantasien. Doch die werden kommen.

Sepp Kneip | Di, 15. Mai 2018 - 22:37

Das was Lindner ausdrückte, ist doch kaum missverständlich. Unter uns in Deutschland befinden sich hundert Tausende Immigranten, die keinerlei Identfikation haben. Als illegal Eingereiste sind sie allemal kriminell. Sie halten sich gesetzeswidrig in Deutschland auf. Es ist nun mal so, dass man es den Leuten nicht an der Nase ansieht, was sie in Schilde führen. Ob sie illegal im Lande sind oder legal. Es ist doch kein Wunder, dass die vielen Straftaten durch Migranten die Leute mißtrauisch werden lassen.

Meiner Ansicht nach hat Lindner die Befindlichkeit der Menschen recht gut wiedergegeben. Beckmesserei im Hinblick auf die Wortwahl Lindners bringt in der Sache nicht weiter. "Die Menschen müssen sich sicher sein, auch wenn jemand anders aussieht und nur gebrochen Deutsch spricht, dass es keine Zweifel an seiner Rechtschaffenheit gibt. Das ist die Aufgabe einer fordernden, liberalen rechtsstaatlichen Einwanderungspolitik.“ Gegen dieses Fazit Lindners ist doch wohl nichts einzuwenden.

Leon Reimann | Di, 15. Mai 2018 - 23:39

Mit Ihrer Einschätzung liegen Sie diesmal daneben. Im Kern dient die Anekdote der Verdeutlichung von schwindender Rechtsstaatlichkeit. Das Vertrauen in den Staat ist in großen Teilen der Bevölkerung beeinträchtigt. Eine kontrollierte Zuwanderung von qualifizierten Arbeitskräften aus allen Teilen der Welt wäre kein großes Thema und wünschenswert. Der Zustand seit 2015 hingegen hat das notwendige Vertrauen weitestgehend zerstört. Solange illegale Migration in Duldung mündet, solange bleibt das Misstrauen.

ingrid Dietz | Mi, 16. Mai 2018 - 12:17

In reply to by Leon Reimann

hat mittlerweile sehr sehr gelitten !

Tagtäglich wird uns eine Sicherheit und Kontrolle vorgegaukelt, die es doch schon lange nicht mehr gibt !

Gleiches gilt für "Gleiches Recht für Alle" ist auch zu einer Leerformel verkommen !

Jens Winkelmann | Mi, 16. Mai 2018 - 00:42

Wenn ich durch die Straßen gehe, dann sehe ich häufig Gruppen von jungen Männern mit dunkler Hautfarbe, fremder Sprache, modischer Frisur und Kleidung sowie mit Smartphone samt Kopfhörer.
Das Gute in mir sagt sich, dass mögen friedliche freundliche Leute sein, die ihr Glück in der Fremde suchen. Und warum sollen die am Abend nicht mal eine Kiste Bier trinken.
Der Skeptiker in mir fragt sich, sind das wirklich die bedürftigsten Menschen die unsere Hilfe brauchen, oder findet man diese zur Zeit etwa im Kongo.
Sind das die Menschen, die unsere Wirtschaft sucht und braucht, oder sind das Kandidaten
für Billigjobs, Hartz 4 oder im schlimmsten Fall für die Polizei.
Meine teilweise negative Einstellung teile ich vermutlich mit vielen anderen Mitbürgern. Für die Integration ist dieses schädlich. Wäre das vorherrschende Gefühl, dass es richtig, korrekt und gut sei, das der Fremde auf der Straße hier im Land ist, so wäre dieses für das Integrationsklima erheblich besser.

Heinrich Jäger | Mi, 16. Mai 2018 - 06:33

ich sage ja Herr Schwennicke. Wenn man ohne Papiere einwandert wissentlich seine wahre Identität und Herkunft verschleiert und falsche Altersangaben macht ist dies für mich kriminell.Das unser Staat das auf Grund einer nicht legitimierten Entscheidung der Kanzlerin ,bis heute duldet und verharmlost macht es auch nicht weniger kriminell.

Romuald Veselic | Mi, 16. Mai 2018 - 07:22

präventiv. Sich mit Lebensmittel bevorraten ist auch eine Angststufe und entstand durch Evolution, um nicht dem Hunger später ausgesetzt zu werden.
Deshalb: Vorurteile sind aus psychologischer Sicht unbedingt notwendig, um im Alltag bestehen zu können. Wir begegnen so viele Menschen, dass es ein Zeichen von Intelligenz ist, wenn wir sie blitzschnell nach ihren äußeren Kennzeichen einordnen.
Da hat die Toleranz ganz schlechte Karten.

Schabert Albert | Mi, 16. Mai 2018 - 07:38

Die Integration ist gescheitert,das kann man von vielen Seiten hören und lesen.Es betrifft nur eine Gruppe,die Muslime.Herr Lindner stellt sich mit seiner Äußerung auf die Seite von Frau Merkel unsere Bundeskanzlerin,gegen die die AfD Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht hat.
Flüchtlingspolitik ist kein gutes Thema für die FDP,Herr Lindner.

Udo Dreisörner | Mi, 16. Mai 2018 - 07:47

zu 1.) Illegal = gegen das Gesetz verstoßen = gegen das Gesetz verstoßen = kriminell. Was gibt es da falsch zu verstehen?

zu2.) ja, der Blonde mit den Rosinenbrötchen könnte seine Frau geschlagen haben. Das ist grauenhaft wenn so etwas passiert. Unsere eigenen Kriminellen haben wir aber nicht importiert und können sie auch nicht ausweisen. Diese Menschen sind unser eigenes Problem.

Das die die hier schon länger leben Angst haben ist seit 2015 durch das illegale Handeln von A.M. in Form von Grenzöffnung geschehen. Und Lindner hat mit seiner Aussage vollkommen Recht, hat sich aber möglicherweise blöd ausgedrückt. Mittlerweile müssen ja tausende selbsternannte Moralwächter nur darauf warten jemandem das Wort im Munde umzudrehen. Was ist das für ein bescheuertes Land geworden. Und das ist das Werk der Regierenden, denen anscheinend alles daran liegt unser Land kaputt zu machen.

Dietmar Deibele | Mi, 16. Mai 2018 - 07:57

Ich muss Ihnen diesmal leider widersprechen Herr Schwennicke und eine Lanze für den Vielgescholtenen brechen. Nach dem Motto, (dt. Sprichwort) "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht" kann man sehr wohl assozieren, dass jemand, der sich durch illegalen Aufenthalt strafbar macht, auch leichter andere Delikte zu begehen bereit ist, auch wenn es nur latent vorhanden ist. Ein Rechtschaffener, Ehrlicher hält sich nicht illegal irgendwo auf, es sei denn er fühlt sich durch AM dazu animiert. Daher kann ich die künstliche Aufregung um die Aussage Lindners nicht verstehen. Sicher, der Satz ist sehr komplex gestaltet, aber ich kann darin nichts Verwerfliches erkennen!

Armin Latell | Mi, 16. Mai 2018 - 09:20

Herr Schwennicke, kann ich Ihnen überhaupt nicht zustimmen. Ich unterstelle Ihnen einfach, dass Sie darüber informiert sind, was aktuell in De geschieht. Ich bin auf gar keinen Fall ein Lindner Fan, aber das Beispiel ist nicht wirklich hypothetisch, sondern direkt aus Fakten entstanden, und jeder, auch Sie, weiß das. Ein Beispiel, am besten noch zugespitzt, soll auch immer etwas verdeutlichen, damit jeder einer Argumentation folgen kann. Stört es Sie in Wirklichkeit nur, dass Lindner gegen die political correctness verstoßen hat? Diese unsägliche Ideologie gehört tatsächlich abgeschafft, dient sie doch nur dem vernebeln von unliebsamen Tatsachen und Missständen.

Manfred Goblirsch | Mi, 16. Mai 2018 - 09:56

Für mich ist es nicht der Schwerpunkt seinen Beitrag zu zerpflücken, um versteckte kohlensäurehaltige Argumente zu finden, die einen aufstoßen lassen.

Die Krux in der Sache liegt viel früher. Beim Einstieg in seine Rhetorik. Es sind nicht seine eigenen Worte. Er sind die Worte eines ungenannten Freundes, die er zu seiner Anekdote ausbaut. Dadurch bleiben die störenden Elemente des Gesagten für ihn völlig ohne Bezug und er kann sich innerlich freihalten.
Es ist für mich eine Mischung aus bundestäglichem Kantinentratsch und verunglückter Satirenpointe mit Böhmermanncharakter.
Keine gute Melange und das lässt mich aufstoßen.

Gregor P. Pawlak | Mi, 16. Mai 2018 - 10:17

= krimiell, oder etwa nicht? Der Duden meint z.B.
"(..) gegen das Gesetz verstoßend, gesetzwidrig, illegal, irregulär, missbräuchlich"

Günter Johannsen | Mi, 16. Mai 2018 - 12:22

In reply to by Gregor P. Pawlak

Leider verstehen viele Menschen (besonders die Genossen der linken Einheitsfront) mit Fleiß kein Deutsch mehr, wenn es gegen ihre ideologische Linie steht. Recht ist bei denen das, was allein sie für Recht halten, weil sie vermeintlich mit ihrer Moralauffassung über dem Gesetz stehen, wie auch Kanzlerin Merkel. Die hat das allerdings gelernt in ihrer DDR-Zeit als FDJ-Sekretärin. Was ich überhaupt nicht verstehe: wie kann eine Partei CDU der deutschen Bevölkerung eine solche linksgestickte Frau mit einem Demokratieverständnis aus DDR-Zeiten als Kanzlerin zumuten!
Geltendes Recht ist z.B.: Wer seine Identität absichtlich (durch Wegwerfen seiner Papiere!) verschweigt und sich trotzdem Zutritt in unser Land verschafft, ist Illegal - und damit kriminell. Geltendes Recht ist kein Wunschkonzert, auch wenn es die linke Einheitsfront gern so hätte!

Heinrich Kehmeier | Mi, 16. Mai 2018 - 10:51

Man ist versucht ihre Analyse als linguistische Spitzfindigkeit eines sprachanalytischen Seminars zu lesen, in dem dann aber doch auch nach der Intention dieser Redepassage gefragt würde und diese ist eindeutig. Lindner verdeutlicht, die Folgen von Rechtsunsicherheit einer Regierungsentscheidung von 2015, die an Parlament und GG vorbei getroffen wurde. Die daraus entstandene Diskussion verschiebt den Fokus auf einen angeblichen Rassismus. Bei literarischen Texten sind mir textimmanente wichtig; politische Texte aber Leben von der Intention über die sollte man diskutiere.

Bernhard Marquardt | Mi, 16. Mai 2018 - 12:29

Die Problematik im Gefolge einer unkontrollierten und eben auch zu einem nicht geringen Teil betrügerischen Zuwanderung trifft auf ein Gemeinwesen, dessen Rechtsordnung (Art.16a GG, BGB, Verwaltungs- und Strafrecht) darauf nicht gefasst war. Und deren zuständige Verwaltungsstrukturen offensichtlich völlig überfordert sind. Infolge dessen kämpft der Rechtsstaat gegen Auswüchse und Missbrauch mit ungeeigneten Mitteln nicht nur gegen die illegale Einwanderung selbst sondern etwa gegen Rückweisungs- bzw. Abschiebungs-Verhinderungs-Organisationen. Heerscharen von Anwälten werden auf Staatskosten alimentiert und nebenher die Verwaltungsgerichtsbarkeit auf Jahre hinaus für die Lösung anderer Probleme blockiert. Alles auf dem Boden des geltenden Rechts natürlich. Also wird der Gesetzgeber nicht umhin kommen, diese Rechtsgrundlagen den neuerlichen Gegebenheiten anzupassen. Einfach mal registrieren, wie andere, durchaus freiheitliche Länder mit dem Problem umgehen und mit welchem Erfolg.

Sven Stemmer | Mi, 16. Mai 2018 - 12:42

Ob die Anekdote gelungen war oder nicht steht kaum zur Debatte. Die Frage ist völlig unangemessen. Die Aussage Lindners ist klar. Dass sie nicht rassistisch ist, ist auch klar. Nächstens wird er es vielleicht brillianter zum Ausdruck bringen. Viel wichtiger erscheint mir dieser theatralische Austritt aus der FDP und die (vorgetäuscht) empörten Reaktionen, die nichts anderes sind als verbale und symbolische Gewaltakte zum Erhalt der Deutungshoheit. Der Schaden, der dabei angerichtet wird, ist gewollt, weil er fürs "gute" Ziel gebraucht wird. Da hilft leider auch keine Diskussion. Daher: Bei jedem Versuch der Rufschädigung, bei jeder Beleidigung sofort mit allen juristischen Möglichkeiten den Urheber einebnen. So, nicht anders, lernen sie es, dass die Freiheit der Meinung bei Lüge, Schmähung und Verleumdung endet.

Carolina Schwarz | Mi, 16. Mai 2018 - 14:44

Wenn ich auf den Straßen hier im Süden Bayerns unterwegs bin und in Läden, Lokalen oder irgenwo sonst, treffe ich immer öfter auf Menschen, die sich in allen möglichen Sprachen unterhalten, nur nicht deutsch. Und dabei handelt es sich nicht um Touristen! Auch legal sich hier aufhaltende Asylanten machen sich oft nicht die Mühe, die Landessprache zu lernen, sie sind ja schließlich genug Leute um sich in ihrer Gruppe in ihrer Sprache wohlzufühlen. Das ist die wirkliche crux! Ich freue mich über jeden, der deutsch spricht gebrochen oder flüssig. Der/diejenige bemüht sich wenigstens und soll bleiben dürfen.
Im übrigen werde ich nicht vestehen, warum immer wieder die Forderung erhoben wird "qualifizierte Fachleuten einwandern zu lassen". Hierzulande gibt es Millionen Arbeitslose - sin d die zu dumm um ausgebildet zu werden????

Bernhard Toern | Mi, 16. Mai 2018 - 17:16

Jede Rede von DIE GRÜNEN ist deutschfeindlicher, als Linder hier fremdenfeindlich ist.

Karl Schneider | Mi, 16. Mai 2018 - 18:03

Ich frage mich immer wieder, ob heutzutage nichts gesagt werden darf, in das dann Jedermann fröhlich das hineininterpretiert, was ihm gerade zu der Person (weniger zu dem Gesagten) in den Sinn kommt. Wenn denn mal Ehrlichkeit und Offenheit vorausgesetzt würde, könnte auch gelassener diskutiert werden. Schade, dass auch Herr Schwennike dieser Modeerscheinung aufsitzt.

Monika Templin | Mi, 16. Mai 2018 - 18:23

Ich verstehe nicht wieso man so hysterisch reagiert .Ich habe sehr wohl verstanden was Herr Lindner damit sagen wollte! Die dass anders sehen erinnere ich an das alte Sprichwort "was ich selber denk und tu ....

Manfred Gimmler | Mi, 16. Mai 2018 - 18:23

Zu 1
Weder unterstellt Angst mit Notwendigkeit Ihre Gleichung („illegal ist gleich: kriminell, gewalttätig“) noch läßt sich diese Unterstellung im Eintrittsfalle verallgemeinernd als großen Unfug, Stigmatisierung oder latente Fremdenfeindlichkeit bezeichnen.

Zu 2
Der individuelle Zweifel an der Rechtschaffenheit anderer Menschen unterliegt aller menschlichen Erfahrung nach keiner Gleichverteilung. Wo also bitteschön ist „grober Unfug“ auszumachen?

Verehrter Herr Schwennicke, das Thema ist so unwichtig wie Ihre Schlußfolgerungen ausgesprochen fehlerhaft sind – ja geradezu grob.

Renate Genth | Mi, 16. Mai 2018 - 18:47

Das ist eine Beckmesserei, wie mit Lindners Worten umgegangen wird. Er hat doch nur damit sagen wollen, daß man in ganz alltäglichen Situationen vor Messerstechereien heute Angst hat. Er hat es in einem Alltagsbild mitgeteilt. Offenbar muß man heute alles möglichst platt äußern, damit es verstanden wird. Oder lauern viele nur darauf jemanden bei Äußerungen zu ertappen, die auf den verheerend entstellten Alltag hinweisen!? Die Öffentlichkeit scheint wirklich tendenziell totalitäre Züge anzunehmen!

Joachim Fehr | Mi, 16. Mai 2018 - 19:08

Herr Schwennicke,
wie eine große Mehrheit der Kommentare zeigt ist Ihr Kommentar doch etwas überzogen und nicht auf Ihrem sonst üblichen Niveau. Schade. Aber kein Beinbruch. Lindner hat, und das ist lobenswert, versucht die aktuelle Gefühlslage eines Großteils der Bevölkerung mit seiner kleinen Story zu beschreiben.
Mir ist diese freie Rede lieber und im Vergleich zur "Ihr kriegt in die Fresse" -Formulierung von Frau Nahles, die miesepetrigen Formulierungen von Herrn Stegner, Seehofers Kraftmeierei in Worten oder das unverbindliche Formulierungsvokabular der Kanzlerin eine Wohltat.
Selbstverständlich ist eine freie Rede ein gewisses Risiko, aber allemal besser als die emotionslose Rede des Finanzminister mit der treffenden Zusatzbezeichnung "Scholz-o-Mat".

Joachim Fehr

Wolfgang Kahnt | Mi, 16. Mai 2018 - 19:11

Leider gibt es weltweit immer weniger Politiker, die vor dem Verkünden ihrer Statements Hirn einschalten. Herr Lindner gehört nicht dazu.

Gerhard Böttger | Mi, 16. Mai 2018 - 21:18

"Die Reaktionen auf Christian Lindners Bäcker-Anekdote waren hysterisch. Doch die Kritik ist im Kern berechtigt." ...

Diese Analyse ist im Kern gleichfalls zutreffend. Man könnte hier m. E. lediglich noch etwas differenzieren bzw. andere Akzente setzen, wie primär auf die korrekte und bedeutsame Botschaft abheben und erst sekundär sich mit deren Verpackung bzw. Lindners Wortwahl beschäftigen. Denn die Diagnose "Hysterie" ist schliesslich zutreffend. Damit wird von Anbeginn eine sachliche Diskussion verunmöglicht - wie man z. B. auch in den Bundestagsdebatten verfolgen kann.