Interview zur Lage in den Intensivstationen - „Wir werden immer eine Notreserve haben“

Die Situation auf deutschen Intensivstationen wird jeden Tag kritischer. Der Intensivmediziner Prof. Gernot Marx erklärt im Interview, wie die Zahl der noch freien Intensivbetten zu interpretieren ist und welchen Einfluss ein zukünftiger Impfstoff haben könnte.

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Schwer kranke Covid-19 Patienten sind besonders aufwändig zu behandeln / dpa

Autoreninfo

Jakob Arnold hospitiert bei Cicero. Er studiert an der Universität Erfurt Internationale Beziehungen und Wirtschaftswissenschaften.

So erreichen Sie Jakob Arnold:

Prof. Dr. Gernot Marx ist Direktor der Klinik für operative Intensivmedizin und Intermediate Care an der Uniklinik RWTH-Aachen. Er ist Sprecher des wissenschaftlichen Arbeitskreises Intensivmedizin der deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) und Präsident Elect der DIVI (Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin). 

Herr Marx, wie sieht gerade Ihr Alltag aus? Wie ist die Situation auf den Intensivstationen?
Wir versorgen jedes Jahr auf deutschen Intensivstationen zwei Millionen Patienten. Wir sind es also gewohnt, viele kritisch kranke Patienten zu behandeln, und weit über 90 Prozent können wir auch erfolgreich zurück ins Leben bringen. Allerdings haben wir momentan neben den Patienten, die regulär auf die Intensivstationen kommen, die Corona-positiven Patienten. Wir haben also normale Notfälle und dann noch die große Gruppe an Covid-19 Notfallpatienten. Wir behandeln gerade 4.000 Coronapatienten; die machen also einen großen Anteil aus.

Wie pflegeintensiv sind diese Patienten? 
Zudem sind diese Patienten sehr aufwendig zu behandeln aufgrund der Schutzmaßnahmen. Wir sind momentan im zweiten Marathon nach dem ersten im März. Danach gab es zwischenzeitlich fast keine Covid-Patienten. Damals haben wir viele Operationen aus dem Frühjahr nachgeholt. Und jetzt ab Oktober ging es mit der zweiten Welle so richtig los. Aktuell sind wir wie ein Auto, das immer im hochtourigen Bereich fährt.

Heißt das, dass es jetzt Engpässe auf den Stationen gibt?
Nein, es gibt keine Engpässe, aber das Personal ist derzeit sehr gefordert. Sie müssen auch wissen, dass auch in normalen Zeiten in diesen Monaten immer die meisten Erkrankungen auftreten, also zum Beispiel die Grippe. Dazu kommt, dass manche Pfleger und Ärzte K1-Kontakte (Anmerkung: K1-Kontakte sind Personen, die mindestens 15 Minuten nahen Kontakt zu Corona-positiv Getesteten hatten) sind und sich plötzlich selbst in Quarantäne befinden. 

Das kommt dann meistens aus dem privaten Bereich, da sind wir alle nicht vor gefeit; auch wenn man sich an die Regeln strikt hält. Insgesamt muss man sagen, dass die Situation besonders fordernd ist, und die Leute sind einfach ausgepowert. 

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Manfred Westphal | Do, 3. Dezember 2020 - 17:37

wie sie sein soll. Damit kann man etwas anfangen und für sich selber sachlich überlegen. Keine Panik- und Angstmache.

Was aber momentan mit uns allen passiert, soll das zukünftig so weiter gehen. Die einen am Limit der Arbeit, wo das "Hamsterrad der Arbeit" noch fast ein Vergnügen ist.
Oder die, wo ihr Herzblut trotz Willens & harter Arbeit im zweiten Lockdown am Ende sind. Gerade ein ergreifende Video gesehen, wo ein FB sehr angenehm Klartext spricht (Youtube - Fitnessbetreiber redet Klartext - zweite....)
Ja, solange man sich in Sicherheit wägt, ist alles paletti.
Aber die armen.... Ich werde ein Gebet für diese....
Mein Vorschlag:
Im Lockdown werden ab Lohn-Summe X Netto (richtig niedrig!!!) alle Lohngelder der Politiker & der oberen Führungsebene für ein Fonds zur Rettung der am härtesten Betroffenen als Solidaritätszuschlag zur Verfügung gestellt (Rückwirkend).
Mal sehen 🧐

Heidemarie Heim | Do, 3. Dezember 2020 - 19:08

Wie es in Ihrem gut geführten Interview von Prof. Dr. Marx auch anklang, sind die zu anderen Ländern vergleichsweise hohen Bereitstellungszahlen an Intensivbetten und Beatmungskapazitäten nicht das Problem, sondern der sich von Jahr zu Jahr verschärfende Mangel an Fachpersonal im gesamten Pflegebereich. Was nützen Ihnen 20 freie Betten wenn Sie 0 oder ein dafür völlig unterbesetztes Personaltableau haben? Vor Corona, mit OP-Planung usw. konnte man an dem ein oder anderen Personalschlüssel zur Not etwas feilen. Nun ist das wenige Personal im Schutzanzug nach 2 Betten mit 4 Mann/Frau gemeinsamer ständiger Umlagerungen der Beatmungspatienten samt Schläuchen und Anschlüssen durchgeweicht vom eigenen Schweiß fix und alle! Und nachdem sie nach der Schicht auf dem Zahnfleisch nach Hause kommen, kann es sein, dass sich der Nachwuchs ohne Wissen das Virus im Schulbus eingefangen hat und zur Begrüßung an Papa/ Mama verteilt. So siehts aus in der Realität. Wer soll das noch nachverfolgen? MfG

Annette Seliger | Do, 3. Dezember 2020 - 19:23

...aber es ist nicht mehr rational was in diesem Land abläuft. Ich habe mir wieder die Sterbestatistik von Baden Württemberg angeschaut. Das durchschnittliche Todesalter der an/mit Corona verstorbenen liegt bei über 81 Jahren. In der Altersgruppe 0-19 gibt es KEINE Corona Tote seit Beginn der Pandemie.In der Gruppe 20-29 sind es 3 Tote, in der 30-39 sind es 9, in der 40-49 sind es 25, in der 50-59 sind es 73, in der 60-69 sind es 238, in der 70-79 sind es 588.

Täglich sterben ca. 305 Menschen in BW. Es ist höchst unwahrscheinlich dass ein normal konditionierter Mensch bis 75 an/mit Corona stirbt.

Über 66% = 1935 Tote in der Gruppe 80-90+.

Es ist ein Unsinn auf Inzidenzzahlen nur wegen einer Nachverfolgung zu schauen. Ebenso ist die Zahl der Intensivbetten menschengemacht.

Es geht ausschließlich darum die älteren, vorerkrankten Menschen ab 75 zu schützen.

Ansonsten ist Corona nicht gefährlicher als eine mittel/schwere Grippe.

Ich sehe weiterhin ein Versagen der 4. Gewalt.

Meine Tochter(24) arbeitet seit fast einem ¾ Jahr als KSchwester auf einer normalen Coronastation. 1/3 der so schon knappen Belegschaft ständig krank oder am Ende. Arbeiten über dem Limit, Tag für Tag. Überstunden ohne Ende. Immer wieder Tote. Schutz an, Schutz aus, 7-9 Std. FFP2 Maske, uneinsichtige rabiate Patienten und Besucher, ständige Diskussionen, keine Freizeitplanung möglich, ständiges Einspringen, Kollegen auch Wochen wegen Spätfolgen nach Infektion nicht arbeitsfähig. Privatleben? Sozialkontakte? Fehlanzeige! Infektionsgefahr. Wenn sie mich besucht, dann auf der Terrasse mit 5 m Abstand. Freunde besuchen? Komm lieber, wenn Corona weg ist! Und wieder 2 Wo Karantäne. Trotzdem arbeiten. Vom Parkplatz durch die Stadt zur KHaus. Aber nicht mit dem Hund übers Feld spazieren dürfen. Was für ein geiles freies Leben! Und dass, weil die 10-20 % der freiheitskämpfenden Verharmloser nicht bereit sind, läppische Sicherheitsmaßnahmen zu berücksichtigen. Danke an alle dies

Da gibt es in irgendeiner Altersgruppe in Baden-Württemberg nur 3 Tote, und der Herr Professor Dingsda hat doch Kritik an der Regierungspolitik geübt, und schon wissen wir:
Es gibt gar keine Pandemie, Corona ist nicht mehr als eine Grippe. Die Menschheit ist - tja tatsächlich - weltweit einem Fake, oder mindestens einem Hype zum Opfer gefallen, sie ist auf eine große Panikmache reingefallen.
Das können wir so oder ähnlich auf jedem Querdenker-Schildchen lesen. Geschenkt.

Witzlos, die Millionen von Infizierten und Verstorbenen ständig zu erwähnen - das ist, als wenn man einen Sancho-Pansa davon abbringen möchte, seinem Herrn im Kampf gegen die Windmühlen zu folgen.

Frankreich zählt 50.000 Menschen, die an oder mit Corona verstorben sind. Die Zahl der täglichen Todesopfer in der BRD liegt zwischen 450 und 500. Gestern bei Lanz: Ein Endzwanziger, sportlich, ohne Vorerkrankungen, der schwer an Corona erkrankt war. Ach nee, kann ja gar nicht sein...nur 3 Tote in BW im Alter..