Serie: Im wirklichen Leben - „Ich bin zwar illegal, aber nicht kriminell“

Mit seiner Anekdote aus einer Warteschlange in einer Bäckerei hat FDP-Chef Christian Lindner eine Kontroverse über Alltagsrassismus losgetreten. Was denkt eigentlich jemand, der illegal in Deutschland lebt, darüber? Wir haben einen von ihnen befragt

Das Essen im Krankenhaus Havelhöhe wird zubereitet Foto: Annette Riedl/dpa
Schwarzarbeit in der Küche: Weil er kein Asyl bekam, schlägt sich der Koch Salman Boussoufa als Küchenhelfer durch / picture alliance

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie arbeitet als freie Reporterin und Autorin. 

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„Wie es im wirklichen Leben aussieht, davon habt Ihr doch keine Ahnung“ – diesen Vorwurf hören Politiker immer wieder, aber auch Journalisten. Gerade wenn sie – wie wir in der Cicero-Redaktion – in der Hauptstadt Berlin leben und arbeiten, wirkt das auf viele offenbar so, als seien wir auf einem fernen Planeten unterwegs. Und sie kritisieren, dass wir zwar gern über Menschen sprechen und schreiben, aber kaum mit ihnen reden. Der Vorwurf trifft uns hart, und wir nehmen ihn sehr ernst. Deswegen starten wir auf Cicero Online eine Serie, in der wir genau das tun: Mit Menschen sprechen, die nicht in der Öffentlichkeit stehen, aber mitten im Leben, und dort täglich mit den Folgen dessen zurechtkommen müssen, was in der fernen Politik entschieden wird. Den Auftakt macht ein Gespräch mit einem Mann, der illegal in Deutschland lebt. Muss man wirklich Angst vor ihm haben in der Schlange beim Bäcker, wie FDP-Chef Christian Lindner meint? Lesen Sie selbst

Herr Boussoufa*, sagt Ihnen der Name Christian Lindner etwas?
Ja, das ist ein deutscher Politiker – von der AfD, oder?

Nein, er ist Chef der FDP. Von ihm stammt das Zitat: „Man kann beim Bäcker in der Schlange nicht unterscheiden, wenn einer mit gebrochenem Deutsch ein Brötchen bestellt, ob das der hoch qualifizierte Entwickler künstlicher Intelligenz aus Indien ist oder eigentlich ein sich bei uns illegal aufhaltender, höchstens geduldeter Ausländer.“ Was denken Sie, wenn Sie diesen Satz hören?
Nett ist das nicht. Ich habe auch keine gültigen Papiere. Ich lebe illegal in Deutschland. Aber deswegen bin ich noch lange kein Krimineller. 

Haben Sie solche Bemerkungen schon häufiger gehört?
Na ja, wer spricht das schon laut aus? Ich habe ja auch keinen Stempel auf der Stirn: Illegaler. Es ist mir aber schon zweimal passiert, dass mich Männer gefragt haben, wo ich herkomme. Aus der Westsahara, habe ich gesagt. „Das ist ist kein Bürgerkriegsland“, haben sie gesagt. 

Womit sie Recht haben. 
Ja und nein. Die Westsahara ist eine ehemalige spanische Kolonie, die 1975 von Marokko besetzt wurde. Seit 1991 herrscht dort zwar Waffenstillstand. Aber was heißt das schon? Du findest dort keine Arbeit. Es gibt keine Universität. Die Krankenhäuser sind im katastrophalem Zustand. Du kannst nicht einfach verreisen. Es ist ein bisschen wie im Gaza-Streifen. Wir werden behandelt wie Menschen zweiter Klasse. 

Dann sind Sie aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland geflohen?
Kann man das eine vom anderen trennen? Was kaum jemand in Europa weiß, ist, dass der arabische Frühling  2010 mit einer großen Demo in meiner Heimatstadt El Aaiún begann. Ich habe mit 40. 000 Menschen gegen die Diskriminierung durch die Besatzer demonstriert. Dann kam die marokkanische Polizei und hat die Demo beendet. 30 Demonstranten wurden verhaftet, darunter auch zwei Nachbarn und ein Freund. Sie sitzen bis heute im Gefängnis.

Und Sie?
Die Polizei hat mich mit Knüppeln verprügelt. Nach vier Tagen kam ich wieder frei. Halb tot. Fünf Jahre später kam wieder ein Brief. Ich sollte nochmal zur Polizei kommen. Seither bin ich auf der Flucht. Ich habe mir einen gefälschten belgischen Pass besorgt. 

Wie sind Sie dann nach Deutschland gekommen?
Durch einen Freund, der schon in Berlin war. Ich war zuerst in Paris, wo ein Onkel von mir lebt. Der hat gesagt, ich sollte meinen Asylantrag in Frankreich stellen. Dort ist die Erfolgschance höher als in Deutschland. Man weiß dort über die politischen Verhältnisse in der Westsahara besser Bescheid. Hätte ich bloß auf ihn gehört.

Warum?
In Berlin musste ich fast zwei Jahre lang warten, bis mich das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu einem Gespräch bestellt. Zwei ganze Jahre. Ich finde, das geht nicht. Wenn man die Leute nicht haben will, soll man sie gleich wieder nach Hause schicken. Aber man lässt sie nicht zwei Jahre lang schmoren. Du rennst von Behörde zu Behörde. Du kannst dich auf nichts richtig konzentrieren. 

Was haben Sie in der Zeit getan?
Ich habe einen Deutschkurs besucht und eine Ausbildung als Koch in einem Hotel begonnen. Es war hart, aber besser als im Flüchtlingsheim herumzusitzen. Ich hab mein eigenes Geld verdient. Die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Aber Anfang 2017 musste ich aufhören. 

Warum?
Ich hatte dieses Gespräch im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Wissen Sie, was mich der Sachbearbeiter zuerst gefragt hat?

Nein.
Wo  die Westsahara liegt. Er hatte noch nie was von dem Land gehört. Ich hab es ihm auf der Landkarte gezeigt. Ich musste ihm auch sonst alles erklären. Eine Stunde lang. 

Auf deutsch? 
Nein, ein Dolmetscher hat mich begleitet. Aber ich dachte trotzdem, ich bin im falschen Film. 

Wann hat sich das BAMF wieder bei Ihnen gemeldet?
Drei Monate später kam ein Brief: Mein Asylantrag sei abgelehnt worden. Warum, weiß ich nicht. Ich hab nicht alles verstanden. 

Viele abgelehnte Asylbewerber klagen gegen einen solchen Entscheid. Die Erfolgsquote lag 2017 bei 40 Prozent. Warum haben Sie es nicht versucht? 
Das frage ich mich heute auch. Damals hatte ich keine Kraft mehr. Ich war am Ende. 

Was haben Sie gemacht?
Ich bin nach Spanien geflohen, um dort als Koch zu arbeiten. Ich hab gehört, dass man es als Bürger der Westsahara dort leichter hat, einen spanischen Pass zu bekommen. Aber es hat nicht funktioniert. Nach einem halben Jahr bin ich zurückgekommen nach Berlin. Ich bin jetzt illegal hier. 

Was ist das für ein Gefühl? 
Ich bekomme kein Geld mehr vom Staat. Das waren am Anfang immerhin 400 Euro. Ich bin offiziell nicht mehr krankenversichert. Ich muss mich jetzt ganz allein durchschlagen. 

Wie schaffen Sie das? 
Das fragt mich meine Mutter auch immer. Es ist schwer. In Afrika habe ich Autos verkauft. Hier habe ich schon alle möglichen Jobs gemacht. Auf dem Bau, in der Küche, als Babysitter oder als Verkäufer auf dem Flohmarkt. 

Wie kommen Sie an solche Jobs heran?
Die findet man nicht in der Zeitung. Ich bin eben gut über Facebook vernetzt. Nach fast drei Jahren in Berlin kennst Du immer irgendjemanden, der jemanden kennt, der einen Job für Dich hat. 

Es gibt einen eigenen Markt für Schwarzarbeit?
Ja, den Eindruck habe ich. Auf den Baustellen, auf denen ich gearbeitet habe, habe ich nur Leute getroffen, die auch illegal hier waren. Die kamen aus der Türkei, aus Libyen, aus Algerien oder aus der Ukraine. Ich habe echt gestaunt. 

Warum?
Das waren alles professionelle Handwerker. Männer, die hierher kommen, um ihre Familie zu ernähren. Das sind nicht solche Jungs wie die, die im Görlitzer Park rumhängen und andere Leute mit ihren Drogen kaputtmachen. Ich würde sagen, der Anteil der Kriminellen unter den Illegalen liegt vielleicht bei fünf Prozent. 

Wäre es nicht verlockend, mit krummen Geschäften viel Geld zu verdienen, wenn man sowieso kaum noch etwas zu verlieren hat? 
Ich bin ja nicht wegen des Geldes hier. sondern weil ich geflüchtet bin. Ich komme auf 700 Euro im Monat. Das reicht zum Leben. 

Auch bei den steigenden Mieten in Berlin? 
Ein WG-Zimmer kann ich mir davon nicht leisten. Ich teil mir ein Zimmer mit drei Spaniern. Das kostet 200 Euro im Monat. 

Was machen Sie, wenn Sie mal krank werden? 
Ich hab Glück gehabt. Als ich die Ausbildung im Hotel begann, bekam ich eine Krankenversichertenkarte. Die ist noch bis Ende dieses Jahres gültig. 

Was machen ihre illegalen Freunde, wenn sie krank sind aber nicht so eine Karte haben?
Ich kenne keinen, der dann zum Arzt geht. Neulich hat ein Bekannter von mir so hohes Fieber gehabt, dass seine Mitbewohner Angst hatten, dass er stirbt. Aber er ist nicht ins Krankenhaus gegangen. Er hatte Angst, dass er verpfiffen und abgeschoben wird. 

Das kann Ihnen auch passieren, wenn die Polizei Sie anhält und Sie nach Ihren Papieren fragt. Haben Sie davor keine Angst?
Doch, es ist gefährlich. Aber ich versuche, nicht daran zu denken. Das macht dich nur krank. 

Aber wie kann man auf Dauer so leben?
Ich bleibe noch bis Ende dieses Jahres in Deutschland. Dann geh ich nach Spanien. Ich versuche, dort einen Pass zu bekommen. Hier verschwende ich bloß meine Zeit. 

Wenn das Leben so hart ist in Berlin, warum sind Sie dann überhaupt wieder her gekommen?  
Ich mag die Stadt. Die ist offen. Ich habe hier tolle Menschen aus der ganzen Welt kennengelernt. Es mag komisch klingen, aber ich fühle mich hier frei. 

Bereuen Sie Ihre Flucht nach Deutschland? 
Wenn ich vorher gewusst hätte, wie schwer es wird, wäre ich nicht gekommen. Ohne Pass kannst du dein Leben nicht weiterleben. Du musst die Jobs machen, die sonst kein anderer machen will. Es ist traurig. 


*Salman Boussoufa, 35, ist 2015 aus der Westsahara nach Berlin geflüchtet. Sein Asylgesuch wurde vor einem Jahr abgelehnt. Seither lebt er illegal hier. 

*Name von der Redaktion geändert 

Karl Kuhn | Fr, 18. Mai 2018 - 16:17

Schade, dass diese Menschen zu Hause so wenig Perspektiven sehen und sich ein gutes Leben nur hier vorstellen können. Wer mal in diesen Ländern war, kann ihnen durchaus recht geben.

Michaela Diederichs | Fr, 18. Mai 2018 - 20:00

In reply to by Karl Kuhn

Schade, dass wir eine völlige irre Migrationsdebatte führen - seit Jahren. Gleich eingangs sagt der Mann, dass doch bitte gleich abgeschoben bzw. gar nicht erst eingelassen werden soll. Das lange Spiel mit der Hoffnung der Menschen ist entwürdigend. Wir können nicht alle Menschen ungezügelt aufnehmen. Das muss doch auch der Politik klar sein. Abgeschoben wird auch nicht. Und so kommen dann diese Schicksale zustande. Nein, nicht die Migranten machen die Menschen wütend. Es sind die völlig planlosen und überforderten Politiker*INNEN, die die Menschen wütend machen.

Bernd Wollmann | Sa, 19. Mai 2018 - 17:34

In reply to by Karl Kuhn

Das heißt also, daß alle die sich ein gutes Leben nur in Deutschland vorstellen können auch kommen sollen. In Afrika warten ca. 70 Millionen Menschen (lt. „Welt“) auf die Ausreise nach Amerika und Europa. Die Bevölkerung Afrikas wird sich bis 2050 verdoppelt haben. Im Gegensatz zu Asien wird sich die Lage in Afrika weiter verschlechtern. Woran liegt das wohl? Die Gutmenschen bei uns nehmen gerne jährlich einige Millionen auf..

Sven Bergmann | Fr, 18. Mai 2018 - 16:28

...sind bei aufenthaltsrechtlichen Entscheidungen kaum ein Faktor.
Schade eigentlich.

Das System bevorzugt die daran. Angepassten.

Es wäre leicht, da andere Signale zu setzen. Aber das ist nicht gewollt.

Siehe verbalreuige Gefährder.

Ich empfinde nur Wut. Die Politik befördert Hoffnungen, die sie nicht erfüllen kann. Sich ehrlich machen - wir können wahrhaftig nicht die ganze und auch nicht die halbe Welt bei uns aufnehmen - das können diese sogenannten Christen nicht. Nach dem Motto: die Wege des Herrn sind unergründlich, lassen sie die Dinge einfach laufen und schaffen zuhauf solche Existenzen. Die schon-länger-hier-lebenden fühlen sich überrannt und die Migranten fühlen sich im Stich gelassen. Am Ende wird sich das Recht des Stärkeren und des Verzweifelten durchsetzen. Das werden nicht wir Verwöhnten sein. Spaltung soweit das Auge reicht durch eine völlig verfehlte Politik. Damit ist wirklich keinem Menschen auf dieser Welt geholfen. Nein, Nächstenliebe ist das nicht. Es ist ein Trauerspiel, Ende unbekannt, aber erwartbar tragisch.

Mathias Trostdorf | Fr, 18. Mai 2018 - 18:06

Ganz sicher möchte niemand tauschen mit Leuten, die das Pech hatten, in wirtschaftliche und gesellschaftliche Verhältnisse reingeboren zu sein, die keine und nur vergleichsweise schlechte Lebensperspektiven bieten.
Auch die Situation, illegal in einem fremden Land zu sein, die Sprache kaum zu können, keine Krankenversicherung zu haben und dafür die ständige Angst, aufzufliegen, stelle ich mir schlimm vor.
Als "Inländer" habe ich jedoch das Interesse, daß sich auch in dem Land, in dem ich lebe, die gesellschaftlichen Strukturen nicht noch mehr auflösen. So ist ja beispielweise durch die illegalen Jobs eine immense Schattenwirtschaft entstanden, in der keine oder kaum Steuern gezahlt werden. Ausserdem bekommen reguläre Firmen keine Aufträge mehr, weil die Schwarz-Firmen billiger sind- wodurch auch legale Jobs verloren gehn. Aber wie auch immer, nicht nur Schwarzarbeit, auch illegale Einreise und illegaler Aufenthalt sind bereits Straftatbestände.

Christa Wallau | Fr, 18. Mai 2018 - 18:18

... erzählt seine Geschichte.
Sie hinterläßt gewiß bei jedem mitfühlenden Leser den Eindruck, daß der Mann - falls das wahr ist, was er berichtet - kein leichtes Leben hat. Instinktiv möchte man ihm helfen, auch wenn er nicht an Leib und Leben bedroht ist.
Aber: Was, bitte, sollen solche willkürlich (evtl. auch gezielt) herausgegriffenen Einzelschicksale zur Diskussion um die illegale Immigration beitragen? Welche Objektivität soll damit hergestellt werden? Welche Schlüsse sollen daraus gezogen werden?
Ein Großteil der in D Eingedrungenen (die allermeisten aus wirtschaftlichen Gründen)belügt uns, was das Zeug hält bzw. was unsere Naivität ihnen abkauft u. nimmt sich Rechte heraus, die
Millionen anderen Armen auf d. Welt verwehrt bleiben.
"Der Anteil d. Kriminellen unter den Illegalen liegt vielleicht bei 5 Prozent" behauptet Herr Boussoufa. Wie will er das wissen?
Jedenfalls möchte ich möglichst k e i n e Illegalen in D haben, sondern nur überprüfte, legale Einwanderer.

Christoph Rist | Fr, 18. Mai 2018 - 18:22

Doch, genau das ist er. Einerseits gibt er freimütig zu, dass er "illegal" in Deutschland ist, verweigert sich dann allerdings der tieferen Selbsterkenntnis, dass er dadurch selbstverständlich auch ein "Krimineller" ist, weil er de facto gegen geltendes Recht - in diesem Falle gegen das Aufenthaltsgesetz - verstößt. Nun mag das Wort "Krimineller" dem ein oder anderen zarten Seelchen als "zu hart" vorkommen. Dann nennen wir ihn meinetwegen eben in euphemistischem Neusprech "Rechtsbrüchigen" oder gar einen "Gesetzesübertreter". Schön. Es ändert sich am Sachverhalt jedoch nichts. Der feine Herr muss wieder gehen - ob er will oder nicht! Sein individuelles Einzelschicksal und seine Beweggründe für den illegalen Aufenthalt in Deutschland interessieren mich nicht. Müssen sie auch nicht. Insofern Frage ich mich was dieser Cicero-Artikel hier überhaupt erreichen will... Verständnis wecken für uneinsichtige Kriminelle oder fehlendes Unrechtsbewusstein von Illegalen als totales Novum darstellen?

Sepp Kneip | Fr, 18. Mai 2018 - 18:35

Mir kamen beim Lesen nicht die Tränen. Warum haben wir Gesetze und Vorschriften? Damit sie eingehalten werden. Natürlich kann die Schilderung eines solchen Einzelfalles auf die Tränendrüsen drücken. Wenn sich jemand illegal in einem Land aufhält, ist er kriminell, auch wenn er keine silbernen Löffel geklaut hat.

Mir ist es in Thailand, für das ich ein dreimonatiges Touristen-Visum hatte, passiert, dass ich nach einer kurzfristigen Ausreise nach Nepal bei der Wiedereinreise einen Stempel in den Pass bekam, der das dreimonatige Visum gegenstandslos machte und eine kürzere Aufenthaltszeit vorgab. Gott sei Dank habe ich zwei Tage vor meiner Heimreise die Reiseleiterin in den Pass schauen lassen. Sie stellte fest, dass ich seit 5 Tagen illegal in Theiland wäre. Was sich dann abgespielt hat, will ich erst gar nicht alles berichten. Nur soviel: Ich kam letztlich vor Gericht und wurde zu einer Geldstrafe von fünfhunder Bath verdonnert, obwohl mein Ausreisetermin bereits feststand.

Norbert Bohuschke | Fr, 18. Mai 2018 - 19:54

Leider wieder nur ein kleiner Ausschnitt aus dem „wirklichen Leben in Deutschland“ und dann wieder über einen guten, aber illegalen, Migranten. Ich komme mir verschaukelt vor, daß der große Elefant im Raum immer noch ignoriert wird, eben auch von einem bedeutenden Teil der Journallie.

Renate Aldag | Fr, 18. Mai 2018 - 20:12

Der Mann ist also über Frankreich (sicherer Drittstaat) illegal nach Deutschland eingewandert. Das ist schon kriminell. Dokumente fehlen auch, aber die würden sich wohl beschaffen lassen. Er hat hier bei uns Asyl beantragt und dieser wurde negativ beschieden, d.h. wie er selber einräumt: er ist ein Wirtschaftsflüchtling. Ergo hat er den deutschen Staat mit seinem Asylantrag belogen und getäuscht und unser Asylrecht missbraucht. Derartige Menschen brauchen wir hier nicht! Sie sollten schon an unserer Grenze zurückgeschickt werden, dann wären sie auch nicht so sehr enttäuscht von D (kommen aber trotzdem immer wieder?!). Was mich auch immer verwundert ist, dass die meisten Medien - jetzt auch cicero - diesen Männern eine grosse Plattform geben. Ich würde es ausgewogen finden, wenn Sie Deutsche aus dem Volk mal interviewen würden, wie sie sich fühlen nach 2015 im eigenen Land.

Ralph Lewenhardt | Fr, 18. Mai 2018 - 20:52

Illegal heißt, sich im Verstoß gegen Recht und Ordnung des Staates und gegen seinen Willen dort aufzuhalten. Ungeahndete Duldung von Illegalität ist verfassungswidrige Legalisierung des Rechtsbruchs und hat sukzessive Strahlkraft für die gesamte innere Sicherheit.

Detlev Dinter | Fr, 18. Mai 2018 - 21:39

Nun das hat was: Illegal - und trotzdem über die Runden kommen können inkl. Krankenkassenkarte.
Ich nenne das "Pullfaktor", wie es in kaum einem anderen westlichen Land so gibt.
Ob er dauerhaft ein Gewinn für das Land ist, wie es jedes klassische Einwanderungsland fordert, soll jeder für sich beantworten ...

Dieter Freundlieb | Fr, 18. Mai 2018 - 21:51

Eine Autorin, die eine neue ZON-Online-Serie u.a. mit dem Satz einleitet "Muss man wirklich Angst vor ihm haben in der Schlange beim Bäcker, wie FDP-Chef Christian Lindner meint?" hat sich meiner Auffassung nach damit bereits disqualifiziert. Denn sie unterstellt Lindner eine Aussage, die nachweislich falsch ist. Lindner hat nichts dergleichen gesagt.

Im übrigen scheint das ganze Interview darauf angelegt zu sein, beim Leser Sympathie für den illegal eingereisten Wirtschaftsflüchtling zu bewirken. Selbst wenn man davon ausgeht, dass dieser Flüchtling lobenswerte Charakterzüge mitbringt, was seine Integrations- und Arbeitswiligkeit angeht, muss man doch darauf hinweisen, dass das nicht bedeutet, dass so etwas allein jedermann das Recht gibt, in jedes Land seiner Wahl einwandern zu dürfen. Appelliert wird hier stillschweigend an eine reine Gesinnungsethik, die bewusst alle Verantwortung für die Folgen solch einer Ethik ausblendet.

Mathias Anderer | Fr, 18. Mai 2018 - 22:18

...leider nicht das einzige typisch deutsche Problem. Deutschland wird, wenn es so weitergeht, mittelfristig untergehen. Zumindest was den internationalen Wettbewerb angeht. Und zwar in jederlei Hinsicht. Der Grund dafür: hoffnungslose Überlastung der Behörden durch Erbsenzählerei an den falschen Stellen. Alles dauert eine Ewigkeit. Haben Sie schon mal eine Firma gegründet? Es kann schon mal drei Monate dauern, bis man eine Steuernummer erhält. Haben Sie schon mal ein Patent angemeldet? Eine Patentanmeldung dauert im Durchschnitt (es kann natürlich auch schneller gehen) knappe fünf (!) Jahre. Wenn ich freitags in den USA online eine Limited (das Pendant zur deutschen GmbH) anmelde, kann ich bereits am folgenden Dienstag oder Mittwoch loslegen. Wenn ich mein projekt durchgeführt habe, melde ich sie wieder ab. Fast unbürokratisch. Man sieht: der Rest der Welt kann einfach so an Deutschland vorbeiziehen. Die kommende Generation wird die Folgen erleben. Armes Deutschland...

Winfried Dewenter | Sa, 19. Mai 2018 - 05:52

Herr Schwennike, herzlichen Glückwunsch zu diesem Artikel. Eine Überschrift durch ein Paradoxon herzuleiten hat schon was.

Ursula Jauch | Sa, 19. Mai 2018 - 06:02

Ist der illegale Aufenthalt nicht bereits kriminell.

Udo Dreisörner | Sa, 19. Mai 2018 - 06:13

Da kann die Gutmenschfraktion sich auf den Kopf stellen und wieder zurück. Illegal = gegen das Gesetz verstoßen = gegen das Gesetz verstoßen = kriminell. Es macht es nicht besser sich das immer wieder schön zu lügen.

André Oldenburg | Sa, 19. Mai 2018 - 06:33

Es ist ja wirklich nett geschrieben, aber was hat der Mann erwartet? Du musst die Jobs machen, die sonst kein anderer machen will. Es ist traurig. Auf die entscheidende Frage: Dann sind Sie aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland geflohen? weicht er aus:
Kann man das eine vom anderen trennen?, denn man kann es trennen, hier hätte Antje Hildebrandt, wie an vielen anderen Stellen auch, nachhaken müssen.
Hier wird ein Rührstück aufgeführt, aber nichts wirklich belastbares geliefert. Er will nach Spanien um Papiere zu bekommen, obwohl er es schon einmal nicht geschafft hat, legale Papiere oder solche wie sein Status in Deutschland: Illegal?

Laurenz Manfred | Sa, 19. Mai 2018 - 08:10

die der Herr aus der Westsahara bei der Kriminalitätsrate unter Illegalen aufbaut, wird schon beim Lesen gerissen. Selbst die offiziellen Statistiken sagen etwas ganz anderes aus. Das hätte die Interview-Führung richtig stellen müssen. So hat man beim Lesen des Beitrags den Eindruck, dass hier der illegale Aufenthalt relativiert und beschönigt werden soll.

Birgit Jacob | Sa, 19. Mai 2018 - 08:19

Ich habe einmal einen pakistanischen Taxifahrer, welcher seit Jahrzehnten in Deutschland lebt gefragt, ob er noch einmal flüchten würde. Die Antwort war ein klares nein. Er meinte, dass er mit dem Energieeinsatz auch in Pakistan gut hätte leben können.
Viele Migranten unterschätzen die hohen Anforderungen, Verdienstmöglichkeiten und Lebenshaltungskosten in Deutschland. Gerade diejenigen, welche sich ernsthaft um Arbeit bemühen und sich nicht mit vielen Kindern in Hartz IV einrichten wollen, erleben hier eine schnelle Ernüchterung.
Unser heutiges System ist von Vorteil für Kriminelle und „Sozialtouristen“ mit nicht nachweisbarer Identität. Der Wille zu arbeiten und sich zu integrieren, spielt bei Bleiberechtsentscheidungen keine Rolle. Hier muss man anfangen. Genauso wie man endlich an einer Beschleunigung der Verfahren unter Einsatz aller IT technischen Hilfsmittel arbeiten muss, denn wer schon sehr lange hier lebt, der kann nur schwer wieder zurück.

Nils Wagner | Sa, 19. Mai 2018 - 08:35

Lindner hat in seiner Anekdote keinerlei Verbindung von illegal zu kriminell hergestellt. Wer das anders sehen will, hat den Kontext nicht verstanden. Der Artikel versucht unterschwellig etwas zu konstruieren, was nicht Thema Linders war.
Ansonsten sind Berichte von Einzelschicksalen wenig geeignet, über Grundprobleme illegaler Massenmigration zu informieren.

Anton Wehner | Sa, 19. Mai 2018 - 09:38

Vielleicht habe ich als Nicht-Jurist einfach falsche Vorstellungen, aber wie kann ein Ausreisepflichtiger legal, angemeldet und sozialversichert arbeiten? Bzw. ist Schwarzarbeit nicht kriminell?
Warum wird nicht klargestellt, dass seine drei Mitbewohner als EU-Bürger aus Spanien einen anderen legalen Aufenthaltsstatus haben.
Ist die Nutzung der Krankenversicherungskarte nicht missbräuchlich?
Ist der Herr gemäß Meldegesetz am Wohnsitz gemeldet?
Wird von der Wohngemeinschaft der Rundfunkbeitrag entrichtet?

Nun scheint auch die Cicero-Redaktion diese Parallelgesellschaft so zu akzeptieren wie sie ist, ansonsten wäre nicht diese romantisch verklärte und nicht nachprüfbare Geschichte vom fleißigen und, nur in der eigenen Bewertung, gesetzestreuen Migranten erschienen.
So trägt der Mann mit dem geänderten Namen jedenfalls nicht zur Sicherung der Sozialsysteme bei.

ingrid Dietz | Sa, 19. Mai 2018 - 09:45

Illegal ist und bleibt illegal und nicht "scheißegal" !

Hans Herzberger | Sa, 19. Mai 2018 - 10:16

Es ist durchaus zu verstehen, dass jeder Mensch in seinem Leben versucht das Beste daraus zu machen. Wer in dieses Land kommt, sich an Recht und Gesetz hält und auch nicht straffällig wird, dem sollte wenn möglich eine Perspektive geboten werden. Doch dazu benötigt Deutschland ein Einwanderungsgesetz, welches schon seit Jahrzehnten überfällig ist. Was nicht sein darf ist, dass der Steuerzahler als das Sozialamt der halben Welt mißbraucht wird. Zur Zeit verhält sich dieser noch spendabel, aber was ist, wenn wir die nächste Wirtschaftskrise und einen Niedergang des sozialen Abstieges erfahren ? Wird dann noch Ruhe im Lande sein ??

wolfgang spremberg | Sa, 19. Mai 2018 - 11:12

das sie nicht wissen wie es im richtigen Leben zugeht trifft sie hart ? Darum beginnen sie eine Serie um das Gegenteil zu beweisen ? Und diese Serie beginnen sie mit einem Interview mit einem sich illegal hier aufhaltenden Nordafrikaner ?
Interessanter Ansatz....

Fritz Gessler | Sa, 19. Mai 2018 - 13:00

drei monate nach einführung des mindestlohnes: grenzen auf, alle rein!
...
wobei man sich wirklich fragt: warum nicht nach tunesien damals? algerien hat die polisario und die saharouischenflüchtlinge in lagern in der wüste jahrzehntelang betreut/interniert/versorgt. spanien hat sie als bürger ehemaliger kolonie bevorzugt aufgenommen - auf den kanaren z.b. : ein paradies für einen gelernten koch! warum zum teufel: deutschland? und ich hätte gerne SOLCHE migranten hier: ein saharaouisches restaurant wär nicht schlecht. wer arbeiten will und kann, sei uns willkommen. nur, die meisten illegalen sind ja nicht so arbeitsam wie herr bousouffa, fürchte ich.

Walter Meiering | Sa, 19. Mai 2018 - 16:09

Wir sollten uns nicht übernehmen. Wir sind nicht für alle Probleme dieser Welt zuständig.

Per L. Johansson | So, 20. Mai 2018 - 02:23

"Ich lebe illegal in Deutschland. Aber deswegen bin ich noch lange kein Krimineller."

Auch wenn das jetzt kaltherzig wirkt. An dieser Stelle muß man darauf hinweisen, daß der illegale Aufenthalt im Land an sich bereits ein Straftatbestand ist, für Schwarzarbeit gilt das ebenso.
Es ehrt ihn, wenn er trotz finanzieller Not versucht, seinen Lebensunterhalt zu erarbeiten. Dennoch ist er sehr wohl "kriminell".
Daß er die von ihm begangenen Gesetzesverstöße nicht als solche wertet, ändert nichts daran, daß diese Gesetze aus gutem Grund existieren.
Ebensowenig ändern das Mitleid und Verständnis, das man ihm als Einzelperson entgegenbringt, etwas daran.

Wäre es sinnvoll, ihm einen Aufenthaltsstatus zu schenken, ähnlichen Fällen aber nicht? Nein, Ungleichbehandlung darf nicht sein.
Also alle derartigen Fälle bei uns einbürgern? Nein, denn dann hätte Rechtsbruch zum Erfolg geführt, während freiwillige Rückkehrer die Dummen wären.
Folglich alle ins Land holen? Alle glücklich machen?