Individuelles Lernen - Ein Kulturbruch zu Lasten der Schüler

Die Grünen favorisieren die Methode des individuellen Lernens. Was gut ist für die Kinder des Bildungsbürgertums, erweist sich für Kinder aus sozial benachteiligten Familien als schädlich.  

Eine FFP2-Maske liegt in einer ersten Klasse an einer Grundschule mit Wechselunterricht auf einem Tisch / dpa

Autoreninfo

Rainer Werner unterrichtete an einem Berliner Gymnasium Deutsch und Geschichte. Er verfasste das Buch „Fluch des Erfolgs. Wie das Gymnasium zur ,Gesamtschule light‘ mutiert“.

So erreichen Sie Rainer Werner:

Wer als Lehrer schon einmal in einer heterogen zusammengesetzten Klasse – etwa in einer Gesamtschule – unterrichtet hat, dem wird folgende Situation vertraut vorkommen: Die Lehrkraft erläutert im Geschichtsunterricht der 8. Klasse die Gewaltenteilung, die in der Französischen Revolution das absolute Herrschaftssystem der Könige zerbrochen hat. Schnell wird deutlich werden, dass die leistungsstarken Schüler das Prinzip der Trennung der staatlichen Gewalten im Nu verstehen, während es den leistungsschwachen Schülern schwerfällt, den Sinn dieser demokratischen Herrschaftsform zu begreifen.

Die Lehrkraft wird den Umweg über ein lebensnahes Beispiel – etwa aus dem schulischen Leben – nehmen müssen, um Gewaltenteilung auch für die Schüler mit geringem Abstraktionsvermögen sinnlich erfahrbar und dadurch begreiflich zu machen. Mit den guten Schülern hätte sie schon längst im Stoff voranschreiten und noch weit schwierigere Sachverhalte diskutieren können. Die meisten Lehrkräfte werden jedoch, dem sozialen Anspruch der Gesellschaft und ihrem pädagogischen Gewissen gehorchend, so lange auf die Verständnisprobleme der leistungsschwachen Schüler eingehen, bis sie das Gefühl haben, dass sie das Geforderte annähernd verstanden haben.

In der Regel bleiben während dieser „Förderphase“ die guten Schüler ohne Aufgabe, im besten Fall wird ihnen die Lehrkraft raten, im Geschichtsbuch schon einmal das nächste Kapitel zu lesen. Eine nachhaltige Förderung der leistungsstarken Schüler kann man das nicht nennen.

Ausweg individualisiertes Lernen

Die Grünen sind an elf Landesregierungen beteiligt, stellen aber in keinem der Länder den Kultusminister. Dennoch haben sie es geschafft, der Schulpolitik der Länder eine grüne Handschrift zu verpassen. Sie konnten ihre Lieblingsschulform, die Gemeinschaftsschule, in den jeweiligen Schulgesetzen verankern. In dieser Schule werden Schüler unterschiedlicher Begabung, sozialer und ethnischer Herkunft gemeinsam unterrichtet. Die Heterogenität im Klassenzimmer ist gewollt, weil sie nach Meinung der Grünen die gesellschaftliche Wirklichkeit ideal abbildet.

Um mit den großen Unterschieden bei Begabung, Vorwissen und Lernmotivation umgehen zu können, muss das Lernen individualisiert werden.  Jeder Schüler erhält einen auf ihn abgestimmten persönlichen Lernplan und das dazugehörige Unterrichtsmaterial, das er eigenständig abarbeitet. Die Kunst der Lehrkräfte besteht darin, die Lernpläne passgenau nach Intelligenz und Auffassungsgabe der Schüler zu erstellen.

Wie die praktischen Erfahrungen zeigen, geht die Lernentwicklung innerhalb einer Klasse schon nach wenigen Tagen stark auseinander. Die Begabungsvielfalt schlägt sich in unterschiedlichen Lerntempi nieder. Die Situation ist vergleichbar mit einem 5000-Meter-Lauf, bei dem professionelle Läufer gemeinsam mit Hobby-Läufern antreten. Schon nach wenigen Runden werden die ersten Amateure von den Profis überrundet.

Das individuelle Lernen trägt den unterschiedlichen Lerntempi dadurch Rechnung, dass die Lernerfolgskontrollen zu unterschiedlichen Zeiten angesetzt werden. Die lernstarken Schüler schreiben sie zuerst, die langsameren Lerner folgen im zeitlichen Abstand zur Spitzengruppe. Die Lehrer fungieren beim individuellen Lernen als „Lernbegleiter“. Ihre Aufgabe ist es, die Schüler fachlich zu unterstützen und mental zu ermuntern. Dabei gilt die Prämisse, dass die Schüler die Lösung der im Lernmaterial gestellten Aufgaben zuerst selbst finden sollen, bevor sie die Hilfe des Lehrers in Anspruch nehmen.

Selektion durch die Hintertür?

Da diese Lernform recht jung ist, gibt es noch keine belastbaren wissenschaftlichen Studien über ihre Effektivität. Es gibt allerdings Erfahrungsberichte von Eltern. Darin wird vor allem die Besorgnis ausgedrückt, dass die langsamen Lerner sich gegenüber den schnellen zurückgesetzt fühlen. Von einem „Rattenrennen“ und einer neuen Form von Stigmatisierung ist die Rede, die die alte, durch „Selektion“ nach Begabungen erzeugte, abgelöst habe. 

Wissenschaftliche Kritiker bemängeln vor allem, dass die starke Spreizung der Begabungen und das unterschiedliche Lerntempo kein Unterrichtsgespräch mehr zulasse. Die Klasse kommt nämlich, wenn das „Rennen“ erst einmal begonnen hat, nie mehr an einen gemeinsamen Punkt, wo sich eine Zusammenfassung der Lernergebnisse oder eine Problematisierung der Gegenstände anbieten würde.

Die Befürworter des individuellen Lernens betonen, dass diese Lernform die einzige Methode sei, die ein gemeinsames Lernen von Kindern völlig unterschiedlicher Begabung zulasse. Sie sei der Differenzierung nach Fachleistungskursen, wie sie die Gesamtschule praktiziert, vorzuziehen, weil die individuellen Lernpläne noch zielgenauer als die Fachleistungskurse auf das Persönlichkeitsbild der Schüler abgestimmt werden könnten. 

Einzelkämpfer erwünscht

Dass die Schüler nach einer kurzen Einführung durch die Lehrkraft mit dem Lernstoff allein gelassen werden, wie es das Dogma vom individualisierten Lernen verlangt, ist die große Schwäche dieser Methode. Jeder, der anderen schon einmal etwas vermittelt hat – ob Kindern oder Erwachsenen –, weiß:  Auch das Denken will angeleitet sein. Das ist ja gerade der große Vorzug des vom Lehrer gelenkten Unterrichtsgesprächs, dass er in jeder Phase des gemeinsamen Lernprozesses die Impulse so setzen kann, dass die Schüler auf die richtige Fährte gelenkt werden.

Die schöne Metapher, dass „jemandem ein Licht aufgeht“, veranschaulicht diesen Erkenntnisprozess. Wie sollen solche Gedankenblitze entstehen, wenn ein Kind allein vor sich hinbrütet und immer gesagt bekommt, es dürfe die Lehrkraft nur zu Hilfe rufen, wenn es unbedingt nötig sei?  Eltern berichten, dass die Kinder den Lehrer in seiner traditionellen Rolle vermissen: als Erklärer, Ratgeber, Helfer, Inspirator, Vorbild.

Im herkömmlichen Unterricht haben diejenigen Lehrer den größten Erfolg, die für ihren Lernstoff „brennen“, die ihn mit Leidenschaft vermitteln und durch ihr „Feuer“ die Kinder dafür begeistern. Wie aber soll das Feuer zünden, wenn die Lehrkraft zum „Lernbegleiter“ degradiert wird, der nur noch für unvermeidbare Nachfragen der Schüler zur Verfügung steht?

Das individualisierte Lernen beschädigt eine wichtige Kulturform: das Gespräch. Erfahrene Lehrer wissen, dass die effektivste Sozialform des Unterrichts – aller moderner Unterrichtsmethoden zum Trotz – immer noch das Gespräch darstellt. Es ist nicht nur eine ideale Methode, individuelle Einsichten, die jeder einzelne Schüler auf seine spezielle Art gewonnen hat, mit anderen Schülern auszutauschen. Es hat auch eine erzieherische Funktion, weil es eine wichtige Grundlage unserer Demokratie stärkt: den vernunftgeleiteten Diskurs.

Eltern an die Front

Umfragen unter Eltern haben ergeben, dass die Kinder an Gemeinschaftsschulen sehr stark auf die Hilfestellung ihrer Eltern angewiesen sind. Sie müssen zu Hause das erklären, was die Lehrkraft im Unterricht nicht geleistet hat. Die Eltern fühlen sich in eine Rolle gedrängt, die nicht die ihre ist. Schlechtes Gewissen bei Misserfolgen des Kindes in der Schule und Konflikte zwischen Eltern und Kind sind die unvermeidliche Folge.

Es entbehrt nicht der Ironie, dass eine Bildungspolitik, die den Lernerfolg der Kinder „vom Geldbeutel der Eltern“ entkoppeln will, durch eine problematische Lernmethode genau diese Abhängigkeit wieder verfestigt. Den Kindern aus dem Bildungsbürgertum wird nämlich zu Hause die Hilfe zuteilwerden, auf die viele Kinder aus der Unterschicht oder aus dem Migrantenmilieu verzichten müssen. 

Das Homeschooling während der Corona-Lockdowns war ein Großversuch in individualisiertem Lernen. Er hat gezeigt, dass Kinder aus bildungsaffinen Elternhäusern gut damit zurechtkommen, während viele Kinder aus sozial unterprivilegierten Milieus abgehängt werden. Schuld daran ist weniger das unterschiedliche digitale Equipment als der Grad an Unterstützung durch die Eltern. 

Lernmethode für die guten Schüler 

Ein Aspekt wird von den Befürwortern des individualisierten Lernens gerne übersehen. Von dieser Lernform profitieren in erster Linie die leistungsstarken Schüler, weil sie sich selbst gut organisieren und disziplinieren können. Der Nestor der (west-)deutschen Didaktik Hermann Giesecke warnte schon vor Jahren vor der Illusion, lernschwache Kinder könnten von heterogenen Lerngruppen profitieren, wenn man nur das Lernen differenzierte: „Nahezu alles, was die moderne Schulpädagogik für fortschrittlich hält, benachteiligt die Kinder aus bildungsfernem Milieu. Gerade das sozial benachteiligte Kind bedarf, um sich aus diesem Status zu befreien, eines geradezu altmodischen, direkt angeleiteten, aber auch geduldigen und ermutigenden Unterrichts.“

Und dieser „direkt angeleitete“ Unterricht, das vom Lehrer gelenkte Gespräch, ist nur in relativ homogenen Lerngruppen zu leisten. Wer das eine – „gemeinsames  Lernen“ – will, muss das andere – das gegliederte Schulsystem mit seinen homogenen Klassen – verteidigen.

Die Klasse als Heimat

Das individualisierte Lernen macht Kinder zu Einzelkämpfern. Es geht vor allem das verloren, was ein Klassenverband für die Schüler immer auch bedeutet: Ort der Gemeinschaft, des Schutzes und der Kameradschaft zu sein.

Bis heute hat die Klasse die Funktion, dass sich die Kinder aneinander messen können, dass sie sich gegenseitig anspornen, einander aber auch solidarisch helfen, wenn es nötig ist. Warum eine Politik, die Bildung gerne durch die „soziale Brille“ betrachtet, ausgerechnet die soziale Funktion einer Schulklasse geringachtet, gehört zu den vielen Ungereimtheiten, mit denen diese Lernmethode behaftet ist.

Das individualisierte Lernen erweist sich letztlich als isoliertes, im Wortsinn unsoziales Lernen: „Irgendwie paradox: Auf Unterrichtsebene wird Vereinzelung propagiert, während man auf Schulstrukturebene ,länger gemeinsam lernen‘ skandiert“, so der Lehrer und Autor Michael Felten. 

Die Schwächung, ja Auflösung des Klassenverbandes kommt einem sozialen Kulturbruch gleich. Die Schulromane „Das fliegende Klassenzimmer“ von Erich Kästner, „Die Feuerzangenbowle“ von Heinrich Spoerl und die Schulgeschichten aus den „Buddenbrooks“ von Thomas Mann wären ohne die Schulklasse als Organisationsform nicht geschrieben worden.

Die Klasse ist für die Schüler nicht nur Lernort, sie ist auch Ort der sozialen Auseinandersetzung, der Selbstbehauptung und Rollenerprobung. Und sie ist Schutzraum vor den Zumutungen rabiater Lehrer, schulischer Dramen oder persönlicher Krisen. Welchem Erwachsenen hat sich „seine“ Schulklasse nicht ins Gedächtnis eingegraben?  Wem ist „seine“ Klasse nicht als der Ort vor Augen, in dem man Jahre seines jungen Lebens an der Seite von Freunden und Kameraden zugebracht hat?

Diesen Ort preiszugeben, ist eine pädagogische Ursünde, weil sie den Kindern einen wichtigen Schonraum raubt und sie als Einzelwesen auf sich selbst zurückwirft.

Ermutigung

Allen Lehrern dieser Republik lege ich die „gedruckte Erlaubnis“ des Pädagogen Jochen Grell ans Herz: „Du darfst direkt unterrichten, auch die ganze Klasse auf einmal. Du brauchst dich nicht dafür zu schämen, dass du Schüler belehren willst. Die Schule ist ja erfunden worden, damit man nicht jedes Kind einzeln unterrichten muss.

Tomas Poth | Mo, 3. Mai 2021 - 18:07

Die Schule als Versuchslabor. Mit RotGrüner Ideologie werden seit 40 Jahren nur Probleme geschaffen! Kräfte, auch und gerade bei Lehrern, werden verschwendet, statt Schülern Inhalte zu vermitteln und Leistung zu fordern (fördern & fordern). Das Lernniveau wird nach unten gezogen, was dann regelmäßig durch Pisa seine Bestätigung findet.

Maria Arenz | Mo, 3. Mai 2021 - 18:56

Danke für die erfreulich klare Darstellung der Widersprüchlichkeit dieses Konzepts: damit Kinder "länger zusammen lernen können",werden sie - in einem nur noch scheinbaren Klassenverbund - möglichst bald vereinzelt wie die Radieschen im Frühbeet. Niemand soll mir erzählen, daß das vorhersehbare udn vorhergesehe Ergebnis - noch sicherer Vorteil für die Kinder derjenigen, die im grünen Bildungsbürgertum tonangebend sind- nicht genau so gewollt ist. Die Kinder in Baden- Württemberg werden bereits seit 2011 von "Lenbegleitern "beglückt". Bereits innerhalb der ersten 5 Jahre erfolgte ein Absturz unserer Kinder vom oberen Pisa-Drittel in's untere- kurz vor Bremen. Und es waren vor allem die dramatischen Verschlechterungen der Kinder aus schwierigen Verhältnissen - insbesondere die von Immigranten- die am tiefsten fielen. Aber das war natürlich nicht die Schuld des doch so gut gemeinten gemeinten neuen Bildungskonzeptes sondern von..? Richtig, strukturellem Rassismus .

Diverenzieren geht halt nicht: es muss alles gleich gemacht werden. Haben wir gerade bei Corona wieder gesehen. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass in einer Klasse, wo 90% der Schüler aus Migrantenkindern bestehen, der Lehrstil daraufhin angepasst sein müsste.
Übrigens: Im Artikel wird davon gesprochen, dass Schüler etwas verstehen sollen. Nun, ich habe es oft erlebt, dass das bei mathematischen Aufgaben ein Hindernis ist. Auch beim Auswendiglernen ist kein Verständnis erforderlich.
Es scheint mir deshalb so zu sein, dass ein Lehrer verschiedene Werkzeuge kennen sollte und selbst entscheidet - oder wenigstens die Schule - wie etwas gehandhabt wird. Aber vielleicht geht das nicht, weil es die Lehrer überfordert? Wäre dem so, würde das die Öffentlichkeit natürlich nicht erfahren. So weiß ja auch keiner warum Merkel kürzlich das Corona-Gesetz durch den Bundestag gedrückt hat. Und selbst wenn es ein Begründung gibt, muss das noch lange nicht der echte Grund sein.

dieses Konzepts...Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert. (Bernard Shaw) kam mir in den Sinn, als ich den Artikel las.
Alles was derzeit aus der grünen Ecke kommt, ist hochgradige Ideologie. Barbock eine naive Ideologin, mit einer großen Portion Infantilismus.
Die grüne Geschichte von der Zwangsbeglückung des Menschen, kann der Bürger doch recht eindeutig ihrem Programm entnehmen.

Bernd Muhlack | Mo, 3. Mai 2021 - 19:22

Guter Artikel!

Jedoch ist das wahrhaftig die Inkarnation des Rufers in der Wüste, nicht wahr?
Sie hatten Vergleichbares bereits geschrieben.
Na klar, Cato der Ältere!
- et ceterum censeo -

https://www.cicero.de/innenpolitik/gruene-grundsatzprogramm-bildungspol…

Wissen Sie, in meinem Freundes-/Bekanntenkreis sind etliche Lehrer/innen - alle verbeamtet.
(BEAMT-me up Scotty!)
Ca veut dire: Geld ist kein Thema, man hat es eben!
Es sei ihnen gegönnt - nicht allen!

Ein "altruistischer" Freiberufler muss im Alter sehen wo er bleibt, gell! - ✌
Von gesetzlicher RV für den Plebs ganz zu schweigen!
Lassen wir das.

Wiederholend!
Bildung ist unser einziger "Rohstoff"!
Die "Herkunft" der Schüler/innen ist egal!
Wenn man dies vergendert, für eine nicht erforderliche WELTRETTUNG dann war es das!

Um es frei nach dem Foristen Elvers zu sagen:
"Du, ich hab bei Aysche die Thermodynamik abgeschrieben!"

Abi 81 - wie war das noch mit Schrödinger & Heisenberg?
WISSEN ist MACHT!

Ernst-Günther Konrad | Di, 4. Mai 2021 - 09:54

In reply to by Bernd Muhlack

Ich kann nicht anders Herr Muhlack, aber ich muss diesen, Ihren richtigen letzten Satz mit einer links-grünen Aussage ergänzen: " Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts."
Genau dorthin steuern wir inzwischen hin. Ein Volk das gleichgeschaltet auf einem Niveau der "Nichtwissenden" gleich ist. Ein Teil grüner Politiker sind Vorbild.

Geld ist kein Thema.
Die Beamten sind die Gewinnler der 68er-Blase. Höhere Ruhegelder bei kürzerer Anwartschaft als vergleichbare Arbeitnehmer (Qualifikations- und Tätigkeitsniveau) in der freien Wirtschaft mit längerem Versicherungsverlauf.
Und das Ganze unkündbar! Da kenne ich mehrere Beispiele aus meinem Umfeld, sei es Lehrer oder Verwaltungsbeamte.

Bitte kein Neid auf die Beamten! Jeder Schüler von der Realschule aufwärts hat die Möglichkeit,eine Beamtenlaufbahn einzuschlagen (auf jeden Fall in Bayern). Freie Entscheidung! Ich habe mir in meiner Beamtenzeit genug abfällige Bemerkungen, auch im Bekanntenkreis, anhören müssen. Das war vorbei,wie auch meine Generation um Arbeitsplätze fürchten musste.
Aber das eigentliche Thema ist hier das verkorkste Schulsystem. Lehrer müssen unsinnigste Vorgaben "von oben" erfüllen. Gehorsamspflicht des Beamten! Selbst die einstige Kultusministerin Monika Hohlmeier, Tochter von Franz Josef Strauß, traute wohl ihren eigenen Entscheidungen nicht über den Weg und schickte ihre Kinder in eine Privatschule.
Der häufig verpönte,"altmodische" Frontalunterricht ist meiner Erfahrung nach der beste Weg, Kindern die Lerninhalte gleichzeitig und mit mehr Ruhe nahezubringen.Nur die Lehrkraft hat den Wissensvorsprung und kann den Lernstoff didaktisch aufbereitet vermitteln. Offiziell nicht mehr gefragt.

Christa Wallau | Mo, 3. Mai 2021 - 20:16

Mit meiner eigenen Erfahrung als Lehrerin (40 Jahre lang) deckt sich das, was Herr Werner hier schreibt.
Besonders der Aspekt, daß durch individualisiertes Lernen die Unterschiede zwischen den Schülern aus bildungsaffinen u. denen aus bildungsfernen Elternhäusern erheblich v e r s t ä r k t und nicht etwa ausgeglichen werden(!), sollte jedem Vertreter des selbstverantwortlichen, individuellen Lernens sehr zu denken geben.

Die allermeisten Schüler brauchen vor allem eines:
gut ausgebildete, begeisternde Lehrer, die Kinder mögen, sie in ihrer Indiviualität annehmen u. fördern.

Eine Klassengemeinschaft ist ebenfalls eine prima Sache: Bei einem Klassenlehrer, der allerdings ein guter Pädagoge sein muß, lernen die Schüler Rücksichtnahme und Empathie füreinander.
Es entsteht eine fast familiäre Atmosphäre, die
ein Gefühl der Zugehörigkeit im Schulalltag vermittelt. Bei Kindern, die zu Hause von ihren berufstätigen Eltern oft nur noch wenig
Geborgenheit erfahren, ist dies Gold wert.

Rob Schuberth | Mo, 3. Mai 2021 - 20:28

Die Methode sich am jeweils Schwächsten zu orientieren ist m. E. suboptimal und eher zum Scheitern verurteilt.

Unser - aktuell Überhand nehmender - Hang es allen recht machen zu wollen, gerade auch allen Minderheiten, lähmt unsere Entwicklung.

Die Grünen werden (hoffentlich) auch noch merken, dass Theorie und Praxis zwei Welten sind.

Angeblich soll Annalena B. ja eine steile Lernkurve haben....na dann.

Fritz Elvers | Mo, 3. Mai 2021 - 22:28

Der Mensch wird als Genie geboren und stirbt als Idiot. Die Schule tut alles.

Yvonne Stange | Mo, 3. Mai 2021 - 23:25

... gehen auf Privatschulen. Zum Beispiel Herrn Habecks 4 auch, nach Dänemark. Sie fühlen sich mehr als Dänen, denn als Deutsche - sagte er im Interview. Nun denn, viel Spaß für die Kinder des Pöbels auf Brennpunktschulen. Ein dummes Volk regiert sich besser.

auf - öffentliche - Schulen der dänischen Minderheit. Beneidenswert! Diese GEMEINSCHAFTSSCHULEN haben nämlich einen exzellenten Ruf.

Und nebenbei noch ein kleiner perfider Seitenhieb: Habecks Kinder fühlen sich also nicht deutsch genug....erbärmlich.

Stattdessen schickt die esoterische Fraktion der Querdenker ihren Nachwuchs gerne auf PRIVATE Waldorfschulen, wo die teilweise kruden Lehren eines Rudolf Steiners noch immer lebendig sind!

Zum Thema: Die Kritik des Herrn Werner geht am eigentlichen Problem vorbei: Es mangelt an zusätzlichem pädagogischen Personal.
Im Normalfall sollte dort kein Schüler allein gelassen werden. Im Gegenteil ist gerade diese Schulform dem Konzept der individuellen Förderung verpflichtet.
Und: Kinder müssen lernen, wie man lernt!
Direkt angeleiteter Unterricht wird Nachzügler nicht mitnehmen. Auch da muss Nachhilfe ausgleichen.

Es lohnt ein Blick auf die Bildungsausgaben - Deutschland steht im Vergleich miserabel da – Stichwort: schlanker Staat

... ob sich angesichts der neuen Pläne der dänischen Regierung (was Migration und Asyl angeht!) Herr Habeck immer noch froh darüber ist, daß seine Kinder sich mehr als Dänen fühlen, das bleibt wohl ungeklärt. xD Im Übrigen haben Sie nicht Recht was Schulen angeht. Aber egal. :-)

Nicht das Geld ist das ausschlaggebende für Erfolg wie auch nicht das GBytedenken als Bildung, wo man einen Titel bekommt & wie Caesar mit Lorbeerkranz gehuldigt wird.

Das Licht des Erfolges kann man am kreativen denken & analysieren erkennen, wo Fortschritt & Erkenntnisse (wo der Beweis erbracht wurde) ans Licht der Weißheit gebracht wurde.
Die Großen & Macher dieser Welt waren selten Professoren mit viel Bla-Bla, sondern MACHER.
Also solche, die im kleinen wie im großen wissenschaftliche & techn. Errungenschaften, Wahrheiten & Fortschritt für uns Menschheit brachten.
Und Sie waren auch keine Erbsenzähler, egal ob Newton, E.v.Däniken oder die abertausende Unbekannte aller Generationen oder Vergessene, die ERKENNTNIS für uns Menschheit brachten. Und dann oft noch OHNE GIER.
Zumal, was bringt es uns Menschen, wenn derjenige der lehrt, ein Ar... mit Ohren (Sorry) ist. Nein, es berühren & aktivieren uns all die Menschen im Leben, die so was wie eine Goldene Seele hatten & haben.

die Waldorfschule ist als Grundschule um Längen besser, als die allg. Grundschule, auch verächtlich "Staatsschule" genannt. Sie treffen dort zwar auch Eltern, die ein wiedergeborener Stein waren, aber eher selten. Mit Glück und Empfehlung kann man es dann doch noch auf ein Gymnasium schaffen, aber selbstbewußter als ein Grundschüler, es kommt auf den Lehrer (und die Eltern) an. Sie können es dann sogar schaffen Physik (Schroedinger, Heisenberg & Co.) zu studieren, anstatt irgendwas mit Medien.

Bei aller berechtigter Klarstellung, so darf man doch nicht so tun als ob R. Habeck nicht gesagt hätte, dass er mit diesem Land (D) nicht viel anfangen könne.

Wer so nahe an DK dran lebt den kann ich übrigens gut verstehen DK mehr zu mögen als z. B. den muffigen Behördenapparat in D.

Nur sollte man dann die Politik meiden, oder so etwas nicht öffentlich äußern.

Achim Koester | Di, 4. Mai 2021 - 10:01

sagte der Kardinal zum Kaiser. Die Grünen vereinen beide Ziele in perfekter Weise miteinander.

Ernst-Günther Konrad | Di, 4. Mai 2021 - 10:03

So recht Sie mit diesem Artikel aus meiner Sicht haben Herr Werner, so wenig habe ich Hoffnung, dass sich das ändern wird. Die meisten Lehrer sind doch grün eingelullt und deren Eltern wählen doch die Bildungsvernichter. Also, wer soll es ändern?
Wo sind die von Ihnen zitierten Eltern denn zu hören und zu sehen? Wo sind die Demonstrationen, das tägliche Aufbegehren gegenüber der Politik durch Eltern und Schüler? Lieber geht man freitags auf die Straße, um das ganz Große zu retten. Die Kanzlerin fand das ja auch ganz in Ordnung, dass dafür Schule ausfällt. Wo sind die Eltern jetzt gerade, wo durch Corona das ohnehin schon desolate Bildungswesen, komplett herunter gefahren ist? Wie es schon mehrfach andere Foristen zu dem Thema schrieben. Die Kinder vieler Grünwähler sind finanziell saturiert, dass sie ihre eigenen Kinder in Privatschulen schicken. Und was Sie gar nicht erwähnen, sind die immensen Sprachschwierigkeiten bei Eltern und Kinder, die das ganze Problem noch verschärfen.