Helmut Schmidts 100. Geburtstag - Erfolgreicher Weltökonom?

Am 23.12. 2018 hätte der ehemalige SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt 100. Geburtstag gefeiert. Auch drei Jahre nach seinem Tod hält sich seine Popularität als Macher in Krisenzeiten. Dabei war der Hanseat längst nicht in allen Bereichen erfolgreich

Politische Kontrahänten: Franz Josef Strauß und Helmut Schmidt / picture alliance

Autoreninfo

Peter Hausmann ist Journalist und Mitglied der CSU. Zwischen 1994 bis 1998 war Sprecher der Bundesregierung und Chef des Bundespresseamtes. Von 2008 bis 2014 war er Chefredakteur des Bayernkurier. Hausmann publiziert regelmäßig auf seinem Blog Hausmannskost.

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An diesem Sonntag, einen Tag vor Weihnachten 2018, würde Helmut Schmidt seinen 100. Geburtstag feiern, wenn er nicht am 10. November 2015 gestorben wäre. Der fünfte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland galt als krisenerprobter Weltökonom und bekennender Pragmatiker mit einer ausgeprägten Abneigung gegen Visionäre – getreu seinem Satz, wer Visionen habe, solle gefälligst einen Arzt konsultieren.

Würde man versuchen, sich Helmut Schmidts Persönlichkeit und seinem Politikstil psychologisch anzunähern, böte das  Geburtsdatum, der 23. Dezember 1918, eine munter sprudelnde Quelle der Inspiration. Jedem, der an diesem Datum geboren wurde, dürfte der Pragmatismus sozusagen in die Wiege gelegt worden zu sein. Wer in den wirtschaftlich schwierigen Jahren dieser Kinderzeit am Geburtstag eine gestrickte Mütze und einen Tag später, zu Weihnachten, dazu die passenden Handschuhe geschenkt bekam, dürfte wohl zwangsläufig ein Leben lang zum Pragmatiker erzogen worden sein.

Ruf als Macher in Krisensituationen

Krisen haben Helmut Schmidt bekannt gemacht und sein Image als Macher begründet. Als eine gewaltige Sturmflut Hamburg und die Nordseeküste im Februar 1962 heimsuchte, koordinierte er als Innensenator Hamburgs den Einsatz aller Hilfs- und Rettungskräfte. Schmidt nutzte seinen guten Kontakt zu Bundeswehr und Nato, um den Flutopfern Hilfe mit dem Einsatz von Hubschraubern und Pioniergerät schneller und effektiver schicken zu können. Er bewegte sich damit in einer rechtlichen Grauzone. Kritische Anmerkungen wischte er mit dem Satz vom Tisch: „Ich habe das Grundgesetz in diesen Tagen nicht angeguckt.“

Zu handeln, ohne sich von Bedenken aufhalten zu lassen, begründete seinen Ruf als Macher, der ihm zeitlebens anhing. Der „große Kühle aus dem Norden“ war eine der Etikettierung, die Helmut Schmidt vor allem in der Zeit seiner achtjährigen Kanzlerschaft (1974 – 1982) erfuhr. Das Grundmotiv lieferten etliche Krisen, die er mit nüchterner Rationalität und im Wissen um seine analytischen Fähigkeiten zu meistern versuchte. Dass Helmut Schmidt auch eine empathische Seite zeigen konnte, wussten nur enge Freunde.

In der Öffentlichkeit trat er als eiserner Kanzler auf, wie im so genannten Deutschen Herbst. Der Terrorismus der Raf eskalierte im September und Oktober des Jahres 1977 mit der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer und der Entführung der mit Touristen voll besetzten Lufthansamaschine „Landshut“. Das Ziel der Terroristen und ihrer palästinensischen Helfer war die Freipressung der inhaftierten Mitglieder der Baader-Meinhof-Bande. Helmut Schmidt setzte im Krisenstab die Maxime „der Staat lässt sich nicht erpressen“ durch – im Wissen, dass dies den Tod Schleyers bedeuten würde. Weggefährten berichten, dass dies für den Kanzler die schwierigsten Entscheidung seines politischen Lebens war.

Wachstum und Stabilität als Staatsräson

Schmidts Kanzlerschaft fiel in die wirtschaftlich schwierige Phase der internationalen Stagflation und der so genannten Eurosklerose. Krisen begleiteten seinen politischen Weg. Für ihn war das ein Spielfeld, dass seinen wirtschaftlichen Sachverstand und seine Macher-Qualitäten herausforderte. Er glänzte, weil er im Vergleich zu seinen „Kollegen“ der wirtschaftlich versierteste war. Für ihn gehörte die Bewahrung von Wachstum und Stabilität zur Staatsräson. Er begriff seinen Anstoß, Weltwirtschaftsgipfel zu etablieren, bei denen die wichtigsten Wirtschaftsnationen über drängende Themen beraten, auch als Lehre aus dem Scheitern der Weimarer Republik. Sie war nach Helmut Schmidts Meinung, an falschen wirtschafts- und finanzpolitischen Entscheidungen gescheitert.

Seine Kritiker bescheinigten ihm wegen seines stets zur Schau gestellten Selbstbewusstseins ein großes Stück Arroganz. Die scharfe Rhetorik, mit der er Kritikern und Gegner üblicher Weise belegte, förderte diese Sicht. Eines seiner Lieblingsopfer war Franz Josef Strauß, den er einmal wegen eines Auftritts beim politischen Aschermittwoch in Passau schon mal „Schweinehirt“ nannte oder im Bundestagwahlkampf 1980 mit einem Satz bedachte, der heute einen Sturm der Entrüstung auslösen würde und der so gar nicht zum kühlen Hanseatenimage passen will.  Zitat: „Franz Josef Strauß redet wie der Bulle pisst.“ Diese Worte lösten ein breites Echo aus, aber keineswegs einen Shitstorm heutiger Zeit. So untersuchten die Tagesthemen Schmidts Aussage empirisch, wie es der Bulle mit der Urinabfuhr hielt. Das war mehr Gaudium über „Schmidt-Schnauze“ als Kritik.

Kohl hatte den Erfolg, den Schmidt wollte

Zusammen mit dem damaligen Staatspräsidenten Frankreichs Giscard d‘Estaing versuchte Schmidt die Lähmung der europäischen Gemeinschaft zu überwinden. Die Achse Paris-Bonn funktionierte, aber sie hatte nicht genügend Schwung, um Egoismen einzelner EU-Mitgliedstaaten effektiv entgegen zu treten und damit die Eurosklerose zu lösen. Sein Politikstil auch gegenüber dem Freund Frankreich brachte ihm dort unter Anspielung auf seinen militärischen Rang im Zweiten Weltkrieg den wenig schmeichelhaften Spitznamen „le Feldwebel“ ein. Eine seiner größten Kränkungen dürfte es jedoch gewesen, dass es seinem Nachfolger Helmut Kohl vergönnt war, die Eurosklerose zu durchbrechen.  

Die Dauerkrisen der europäischen Währungen beantworten Schmidt und d‘ Estaing mit der Schaffung des EWS, eines Währungssystems mit festen Wechselkursen. Allerdings beflügelte dieses System die Phantasien der Spekulanten. Sie initiierten regelrechte Angriffswellen gegen einzelne europäische Landeswährungen und zwangen damit die europäischen Notenbanken zu milliardenschweren Stützungskäufen. So entstanden bei den Spekulanten Riesenvermögen, wie das von George Soros. Erst mit der Einführung der ECU, der Verrechnungseinheit europäischer Währungen und 1999 mit den Maastrichter Verträgen über die Einführung der Gemeinschaftswährung Euro gelang eine relative Beruhigung der Spekulation. Helmut Schmidt erkannte seinerzeit nicht, dass nur Solidität und eine engere Zusammenarbeit und Abstimmung der nationalen Wirtschafts- und Finanzpolitiken zum gewünschten Erfolg führen können.

Einstieg in eine wuchernde Staatsverschuldung

Bei allem wirtschaftlichen Sachverstand war Helmut Schmidt nicht gegen Fehleinschätzungen und Fehler gefeit. Vor allem sein Glaube an die Lehren von John Maynard Keynes führten zu fatalen Fehleinschätzungen, die die Bilanz seiner Kanzlerschaft ins Negative drehen. Schmidts Vorstellung, Konjunkturschwächen mit schuldenfinanzierten staatlichen Investitionsprogrammen bekämpfen zu können, lösten lediglich Strohfeuer aus, die von Mitnahmeeffekten geschürt wurden. Für Deutschland bedeutete die Politik des „deficit spending“, den Einstieg in eine wuchernde Staatsverschuldung. Die jährliche Nettokreditaufnahme des Bundeshauhalts erhöhte sich von 9,5 Milliarden D-Mark bei Schmidts Amtsantritt auf mehr als 40 Milliarden D-Mark am Ende 1982. Nichts entlarvt Helmut Schmidts ökonomische Fehler so, wie sein einfältiger Satz: „5 Prozent Inflation sind mir lieber als 5 Prozent Arbeitslosigkeit.“ Am Ende seiner Amtszeit betrug die Inflationsrate 5,2 Prozent und die Arbeitslosenquote 7,5 Prozent.

Sein Image als Weltökonom bekam trotzdem keine Kratzer. Nach seiner aktiven Zeit begann er eine bemerkenswerte Karriere als Elder-Statesman, Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit und Publizist. Helmut Schmidt war ein gern gesehener Gast bei Talkshows und anderen öffentlichen Auftritten. Er sparte dabei nicht mit seinen viel beachteten Beiträgen zu aktuellen politischen Diskussionen. Hinter dem Glanz dieser späten Jahre verblassten die Fehler seiner Kanzlerschaft immer mehr.

Karla Vetter | So, 23. Dezember 2018 - 18:17

hat auch Fehler gemacht.Ich habe ihn persönlich gehört, als er in einem Vortrag in den schönsten Farben den Euro als gemeinsame Währung empfahl. Was heute daraus geworden ist würde ihn entsetzen.Aber er ist ,abgesehen von Willy Brandt,für mich ein Grund -noch-in der SPD zu bleiben

Horst Weber | So, 23. Dezember 2018 - 18:18

Zu Helmut Schmidt fallen mir NATO-Doppelbeschluss, Stationierung von Pershing II Raketen, die Pseudo-Ölkrise, der Rücktritt vom Amt aus "gesundheitlichen Gründen" (siehe gesamte Lebenszeit !)
und viel viel dummes Geschwätz ein, welches wohl die meisten Mitbürger/innen für hochintelligente Beiträge und für Schlagfertigkeit hielten.
Ich besitze die CD "Franz Josef Strauß", von Jürgen Roth- ein Zusammenschnitt mehr oder weniger lustiger verbaler Ausbrüche und Entgleisungen von Strauß und Schmidt..
Schmidt konnte Strauß kabarettistisch nicht das Wasser reichen. Die intensivste Hohlsprech-Schwätzerei lieferten sich in einer sogenannten "Diskussion" Von Weizsäcker und Helmut Schmidt.- Ein Freund von mir war Schmidt-Fan und fuhr überal hin wo dieser seine Menthol-Zigaretten auf einer Bühne oder einem Podium quarzte. Unverständlich.-

Konrad Schiemert | So, 23. Dezember 2018 - 19:23

Das konnte man auch am seiner Gewohnheit beobachten, überall zu rauchen, egal ob das erlaubt war oder nicht, egal ob er jemanden das gestört hat oder nicht, also was (mindestens) das Rauchen betrifft, war er vollkommen rücksichtslos.

Renate Aldag | So, 23. Dezember 2018 - 19:34

Helmut Schmidt war ein ganz hervorragender, aussergewöhnlicher Politiker, der schon seit der Flutkatastrophe 1962 mit unkonventionellen Mitteln "seinen Hamburgern" jede mögliche Hilfe entgegen brachte. Für Ordnung, Klarheit und Sicherheit der Bundes-Bürger hat er - seinem Sternzeichen gemäss - gesorgt. Einen so guten Politiker gibt es weder in unserer deutschen Politikerriege (evtl. Söder?), noch im Ausland. Was wir haben sind Krebse: Merkel, Seehofer und Trump: ein Schritt vor, 2 zurück, 3 zur Seite und jede Menge Wendungen. Ordnung, Sicherheit, Freiheit und Demokratie sind hin. Sie haben unser Land heruntergewirtschaftet!

Trump hat die Sonne in Zwillinge, nicht in Krebs und ist sehr Wassermann-betont. Sonne/Uranus im 10.Haus, Wassermann 7.Haus, AC Löwe, Mars am AC, Venus + Merkur + Saturn im 11. Haus im Krebs.
Wollt's nur erwähnt haben. Das Tierkreiszeichen allein ist es beileibe nicht, was einen Menschen ausmacht.

Dimtri Gales | So, 23. Dezember 2018 - 20:19

sehr, ich habe manche seiner Reden, wie beispielsweise Dankesreden, noch gut in Erinnerung. Er ist der einzige Bundeskanzler, für den ich Sympathie empfinde.
Er war ausgesprochen luzid, brachte komplexe Konstellationen zu einer treffenden Synthese, bewies Weitsichtigkeit und sagte Dinge voraus, die dann auch eintrafen und eintreffen, war vielseitig gebildet, seine Vorliebe für die Musik JS Bachs war mir sehr sympathisch. Aber er war noch von "alter Schule", was die Ökonomie angeht. In das sich ankündigende Zeitalter es Ultraliberalismus, der Diktatur des Kapitals, der Fremdbestimmtheit politischer Entscheidungsprozesse konnte er sich nicht ganz einbetten.
Nur eines konnte ich nur schwer ertragen: Seine ewige und ausgiebige Qualmerei.

Harald Pflüger | So, 23. Dezember 2018 - 21:33

Von welchem Staatsmann könnte man sagen, dass er "in allen Bereichen erfolgreich" gewesen wäre, gar ein "Weltökonom"? Bitte an den Autor: Mal welche nennen! Und heute sorgt für bedenkliche Spekulationwunder ein gewisser Herr Draghi, so lange, bis es knallt. Weltökonom? Das Etikett haben ihm eher in abfälliger Manier seine Gegner aufgeklebt, wohl wissen, dass er sich nie soweit aus dem Fenster gelehnt hätte. Zu kritisieren wäre m.E. seine näselnde, etwas piefig wirkende leicht bis mäßig belehrende, pragmatisch unterfütterte Arrroganz. Hamburger eben. Übrigens: Feldwebel als "Mutter der Kompanie", da war er schon als Oberleutnant in WK II höher im Rang.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 24. Dezember 2018 - 07:24

Ich habe diese Zeit bewusst als Erwachsener erlebt. Strauß, Brandt, Wehner, Schmidt, Dregger und viele andere waren noch gestandene Politiker. Da gab es, wenn auch manchmal rupige, aber inhaltliche Auseinandersetzungen im Bundestag. Da wurden öffentlich viele Themen streitbar debatiert, da konnten Bürger klare politische Aussagen erhalten und wie auch immer wählen. Da gab es auch noch eine weitgehend "freie" Presse, sicher auch mal offen tendenziös, aber nicht unterschwellig meinungsbildend. Vor allem aber gab es eines, es gab Werte im Umgang miteinander, keine ernsthaften persönlichen Angriffe. Das saßen Abgeordnete aus den verschiedensten Berufsgruppen, Menschen mit Lebens- und Berufserfahrung, die mit Sinn und Verstand versucht haben, praktisch Lösungen für Probleme anzubieten. Sicher nicht immer gelungen. Es war aber der Wille zur Problemlösung da und das machte die Persönlichkeit von Schmidt aus. Es waren viele Politiker mit einer Haltung da,
keine schlechten Unterhalter.

Helmut Bachmann | Mo, 24. Dezember 2018 - 11:22

Schmidt wurde nicht wegen seiner "Fehlerlosigkeit" zum Idol oder gar Mythos. Sondern weil er etwas zur Reife brachte, das den meisten (Neidern) abgeht. Kühle Sachlichkeit gepaart mit Witz und rethorischem Geschick. Keine platte "Haltung", sondern fundierte, geistreiche Meinung. Diese wurde nicht eingenommen, um Wahlen zu gewinnen, oder die Journalisten zu beeindrucken. Leute dieses Schlages wären eher zurückgetreten, als mit Grünen zu koalieren. Sein Pflichtgefühl der Allgemeinheit gegenüber war echt. Auch darin unterschied er sich als Elderstatesmen deutlich von aktiven, aber auch anderen pensionierten Politikern. Wo gibt es heute geistreiche, ernstzunehmende Politiker? Es gibt vor allem windelweichgespülte, karrierefixierte und-gebückte Leute, die ihre Feigheit allerdings auch dringend benötigen. Denn außer Politik können sie nichts.

Gerold Kober | Di, 25. Dezember 2018 - 18:54

In reply to by Helmut Bachmann

Ich war in den 70iger Jahren eher Strauß als Schmidt Fan. Doch auch Schmidt bringe ich große Achtung entgegen. Besonders wegen seiner klaren Haltung zur Nachrüstung. Was mir aber sehr missfällt, sind die vielen dummen Einschätzungen mancher Kommentatoren hier im Chat. Viele Besserwisser geben ihre z. T. unqualifizierten Meinungen ab. Nicht alles war früher besser. Auch heute gibt es viele kluge Politiker. Für mich sind Leute arrogant, die meinen, sie könnten alles besser. Die Politiker sind immer ein Abild unserer Gesellschaft. Diesen Kritikern fehlt selbst Sozialkompetenz und Empathie. Waren diese Pessimisten selbst schon mal ehrenamtlich tätig? Nur wer für unser Gemeinwohl etwas geleistet hat, hat das Recht zu kritisieren. Ich bin froh, in einem freien Land und einem Rechtssaat zu leben. Schauen wir auf unsere Geschichte, dann können wir sehen, dass gerade unsere Generation Dankbarkeit und etwas mehr Demut zeigen sollte.

Robert Müller | Di, 25. Dezember 2018 - 12:10

Es gibt Ähnlichkeiten zwischen Schmidt und Merkel. Beide sind freihändig an Recht und Gesetz vorbei gefahren und sind damit durchgekommen. Beide haben den Eindruck erweckt es besser zu können - Wirtschaftspolitik bei Schmidt und Europa- und Einwanderungspolitik bei Merkel. Im nachhinein lagen beide falsch. Gegen Ende ihrer Karriere konnten beide die eigene Partei nicht mehr zusammenhalten und so entstanden damals die Grünen, heute die AfD. Da Merkel eine fanbase wie Schmidt hat, könnte sie noch eine Karriere als elder stateswomen starten. Das wäre dann eine weitere Ähnlichkeit.

Folkher Braun | Di, 25. Dezember 2018 - 23:39

Er war der letzte Kanzler, der eine gewisse Unabhängigkeit gegenüber unserer Elite hatte. Mit Kohl kam dann der Höchst-Chemie-Lehrling, frei nach der Devise: "Wissen ist Macht, Nicht-Wissen macht nichts." Und: "Wer nichts macht, macht nichts verkehrt."
Das Prinzip wurde ja von seiner Nachfolgerin optimiert. Unter Schmidt wäre ein vom Atlantic Council gepamperter Heiko Maas niemals Außenminister geworden, der olivgrüne Fischer auch nicht. Und eine UvdL nicht Verteidigungsministerin. Dass ihm die vereinigte Finanzwelt die bundesdeutsche Wirtschaft kleinfaltete, um den Neocon-Systemwechsel einzuleiten, das konnte er nicht einschätzen. Leider konnte er das Werk von Stephan Schulmeister: Der Weg zur Prosperität (Salzburg 2018) nicht mehr lesen. Er hätte da erfahren, wer ihn hereingelegt hat.

dieter schimanek | Mi, 26. Dezember 2018 - 18:13

Schmidt und Schröder waren die besten CDU Kanzler, die die SPD je hatte. Schmidt war Rüstungsfanatiker, hunderttausende gingen wegen seiner Politik auf die Straße. Erschwerend kamen seine Notstandsgesetze hinzu. Was kaum jemand bekannt ist, auf streikende und demonstrierende Arbeiter darf seither im Bedarfsfall geschossen werden. Kanzel Schröder machte das etwas subtiler. Bei ihm darf das arbeitscheue Gesindel ausgehungert werden, ist nicht gleich so endgültig wie erschießen. Nach solchen SPD Kanzlern sehnt sich die Republik. Wie man sieht, ist deren Rat immer noch erste Sahne.

Ronald Lehmann | Fr, 28. Dezember 2018 - 01:30

Aus der Sicht eines Ossi, der das Lied des Sozialismus nicht mir sang, waren die meisten Entscheidungen von Helmut Schmidt & Helmut Kohl absolut richtig. Für mich Staatsmänner, die auch das vertreten haben, was sie gesagt haben und ihr Land wirklich geliebt haben. Und auch für ihre Meinung gekämpft haben, wobei Sie auf den Mund des Volkes geschaut haben.Beide hatten Charakter! Deshalb kamen die RAF-Anhänger bis heute mit beiden nicht zurecht. Auch wurde unter diesen Staatsmännern Recht gesprochen & Demokratie gelebt, was ich bei den anderen verneine.
Charakterlich & geistig wurde es in der Politriege immer schlimmer, egal welche Partei am Ruder war.
In diesem Staat wird doch der Bock zum Gärtner gemacht.
Es fehlt wieder einmal ein Dachdecker, der alles zu deckt ;-) Vorwärts immer - Rückwärts nimmer
Euch allen in diesem Zirkus Deutschland
- jetzt erst recht -
einen lachenden & fröhlichen Rutsch ins neue Jahr 2019 mit viel, viel Gesundheit & Lebensfreude euch allen. MLG