Sergej Skripal - Deutschland sollte Vermittler werden

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal weisen nun 15 EU-Staaten russische Diplomaten aus, darunter auch Deutschland. Statt den Konflikt weiter zu verschärfen, sollte Berlin seine Rolle als Vermittler wiederfinden

Der russische Präsident Wladimir Putin äußert sich am 25.10.2017 bei einer Pressekonferenz mit Bundespräsident Steinmeier nach ihrem Gespräch im Kreml in Moskau (Russland). Bundespräsident Steinmeier ist zu einem eintägigen Arbeitsbesuch in der Hauptstadt der Russischen Föderation.
Bislang ohne Beweise: Der Westen lastet Putins Regierung den Giftanschlag auf Sergej Skripal an / picture alliance

Autoreninfo

Christian Hacke ist Politikwissenschaftler und lehrte als Professor an der Universität der Bundeswehr Hamburg und an der Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

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Stimmt es nicht nachdenklich, dass der Westen bislang noch immer ohne stichhaltige Beweise das Gift-Attentat von Salisbury dem russischen Präsidenten Putin in die Schuhe schieben möchte? Inzwischen weist nicht nur Deutschland in Solidarität mit Großbritannien vier russische Diplomaten aus – insgesamt 15 EU-Staaten gehen nun den gleichen Schritt. Diese Maßnahmen sind der nächste Höhepunkt einer rapiden Verschlechterung des Verhältnisses zu Russland. Der britische Außenminister Boris Johnson vergriff sich sogar kürzlich derart im Ton, dass er es für nötig hielt, Putin in eine Reihe mit Hitler zu stellen, indem er die diesjährige russische Fußball-WM mit der Inszenierung der Nazis bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin verglich.

Die britische Premierministerin Theresa May interpretiert das Attentat als „einen bewaffneten Gewalteinsatz gegen Großbritannien durch den russischen Staat“. Johnson sieht darin „einen roten Faden, der die Giftanschläge in Salisbury mit der Annexion der Krim, den Cyberattacken in der Ukraine, den Hacker-Angriffen auf den Bundestag und der russischen Einmischung in europäische Wahlen verbindet. Für mich gibt es einen Zusammenhang zwischen Putins Nachsicht gegenüber Assads Gräueltaten in Syrien und der Bereitschaft des russischen Staats, eine chemische Waffe auf britischem Boden einzusetzen.“

Der Anschlag schadet Putin

Kann und soll man diesen Giftanschlag zum weltpolitischen Test zwischen Gut und Böse stilisieren? Zunächst fällt einem der Vergleich mit dem kaltblütigen Auftragsmord des Kreml an seinem Ex-Agenten Alexander Litwinenko 2006 ins Auge. Doch der 66-jährige Sergej Skripal war nicht wie Litwinenko auf der Flucht, sondern ein bereits von Moskau verurteilter Doppelagent, der nach milder Haft vor acht Jahren völlig unbehelligt von Russland nach England ausreisen durfte. Hätte der Kreml ihn ermorden wollen, dann doch gleich zu Hause. Oder er hätte mit dem Attentat bis nach Ende der Fußballweltmeisterschaft gewartet.

Warum sollte Putin zu diesem Zeitpunkt Russlands miserables Ansehen noch weiter ruinieren? Auch hätte ein so entsetzlicher Anschlag kurz vor den undemokratischen Wahlen Putin innenpolitisch geschadet. Zum autokratisch mobilisierten Urnengang wollte Putin aber alles andere als Furcht verbreiten. Vielmehr setzte er auf patriotische Begeisterung, auf „Heim ins Reich“ mit Blick auf die Krim; er protzte mit den außenpolitischen Erfolgen in Syrien und mit dem neuen Glanz militärischer Stärke.

Andere Spuren

Könnten auch andere Akteure ein Interesse daran haben, das Image Putins als internationalem Schurken und rücksichtslosen Autokraten zu bekräftigen? Schon aus den Romanen von Eric Ambler, Len Deighton und John LeCarre – der Autor gehört zur älteren Generation – wissen wir, dass das Agentenmilieu einem amoralischen Sumpf gleicht. Gerade Doppelagenten müssen – verständlicherweise – mit einer verkürzten Arbeitstätigkeit rechnen. In dieser Welt ist Schwarz-Weiß-Denken unangebracht. Zwielichtigkeit ist vielmehr das Kennzeichen. Könnten deshalb vielleicht Spuren zur Mafia führen?

Das Nervengift Novitschok wurde in Usbekistan entwickelt. Als das kommunistische Imperium zerfiel, hätten auch dort chemische und biologische Kampfstoffe illegal hergestellt und in kriminelle Hände geraten können. So vermutet etwa der ehemalige britische Botschafter in Usbekistan, Craig Murray, in Usbekistan geheimdienstliche Rivalitäten. Offene Rechnungen könnten also auch als Motiv für das Gift-Attentat in Salisbury in Frage kommen.

Auch könnten tschetschenische Fanatiker ein Interesse daran haben, dem Kreml diesen perfiden Anschlag in die Schuhe zu schieben. Ukrainischen Nationalisten käme eine Verschärfung des Ost-West-Gegensatzes ebenfalls gelegen, um Kiew noch stärker an den Westen zu binden.

Eine andere Spur könnte zu Donald Trumps „Russia-Gate“ führen. Der britische Geheimdienst MI6 war nicht ganz unbeteiligt an der Verbreitung eines perfiden Dossiers über Donald Trump. Grundsätzlich treten westliche, insbesondere amerikanische Geheimdienstler ja nicht gerade als Klosterschüler auf. So haben diese in Mittel- und Osteuropa seit 1990 recht robust, aber letztlich nur wenig erfolgreich versucht, russische Interessen zu durchkreuzen. Eine Diskreditierung des Putin-Regimes als perfider Giftmischer käme auch hier westlichen Interessen nicht ungelegen.

Der Syrienkonflikt

Erinnern wir uns weiter: Guantanamo ist heute noch Symbol für die dunkle Seite imperial-demokratischer Anmaßung. Und diente nicht die Lüge vom angeblichen Besitz von ABC-Waffen zur Rechtfertigung des Angriffskrieges auf das Regime von Saddam Hussein? Präsentierte nicht der amerikanische Außenminister Colin Powell vor der UNO eindrucksvoll hierzu die angeblichen Beweise? Sitzt der Westen also im Glashaus, wenn er jetzt mit Steinen wirft?

Auch zeigt der israelische Mossad beachtliche Raffinesse bei Attentaten auf fremdem Boden. Auch Israel könnte ein Interesse daran haben, Russlands Prestige anzuknabbern. Denn Tel Aviv ist derzeit besonders über Russlands Machtgewinne im Nahen Osten besorgt, weil Dank russisch-syrischer Erfolge im Krieg durch die Achse Moskau-Teheran-Damaskus israelische Sicherheitsinteressen tangiert werden. Angesichts massiver amerikanischer Machteinbußen in der Nahost-Region ist auch eine Zusammenarbeit zwischen Mossad und den amerikanischen Diensten in diesem Zusammenhang denkbar.

Dass etwa die Russen das brutale Assad-Regime stützen, aber die USA und der Westen nur demokratische Oppositionelle, wird der entsetzlichen und vielschichtigen Gemengelage in Syrien nicht gerecht. Auch die USA unterstützen islamistische Fanatiker, aus denen Al-Kaida und der IS hervorgegangen sind, tatkräftig – seit 1979, seit dem Kampf gegen die sowjetische Besetzung von Afghanistan.

So entsetzlich sich die Lage in Syrien darstellt, dort hat auch Russland den Nahen Osten vor einer weiteren Ausbreitung des IS und anderer Dschihadisten bewahrt. Während die Amerikaner und Europäer dort an ihrer Halbherzigkeit scheiterten, hat Russland den Krieg brutal genutzt, um sich als neue Vormacht in der Region zu positionieren.

Kalter Krieg 2.0?

Es gibt also auch hier vielerlei Gründe und Akteure, denen es nicht unangenehm wäre, wenn Putin als der Giftmörder von Salisbury international weiter diskreditiert würde. Weil der Westen hier mitspielt, verschärft er die ohnehin aufgewühlten Ost-West-Beziehungen weiter.

Im Kalten Krieg handelte der Westen noch aus der Position der Überlegenheit. Doch nach 1990 hat sich der Traum von der unipolaren Welt in Luft aufgelöst und der ersehnte weltweite Sieg der Demokratie ist im Zuge der gescheiterten humanitären Interventionen zum Albtraum geworden. Die Nato ist nur noch ein Schatten ihrer selbst und die EU kämpft gegen sich selbst – interne Krisen und wachsende zentrifugale Kräfte machen sie immer weniger handlungsfähig. Die USA haben ihre Rolle als zivilisatorisches Vorbild verloren, ziehen sich schmollend in die Isolation zurück und blasen zum Handelskrieg mit China.

Der Westen scheint frustriert über den selbst verschuldeten Niedergang. Ist es vielleicht dieser Frust, der gegenwärtig auch die anti-russischen Phobien befeuert? Sucht die angeschlagene Regierung May möglicherweise durch sicherheitspolitische Panikmache und anti-russisch aufgeputschten Patriotismus wieder Rückhalt in der Bevölkerung zu erlangen? Suchen die militanten anti-sowjetischen Kalten Krieger im Westen nach Bestätigung ihrer liebgewonnenen Stereotypen?  

Kein Öl ins Feuer gießen

Die russische DNA ist demnach eindeutig: Der Russe ist anti-westlich, aggressiv und autoritär, erklärt der ehemalige Geheimdienstchef Clapper freimütig. Auch liberale und kosmopolitische Menschenrechtler wollen vielleicht durch anti-russische Hysterie ihre Träume von der friedlichen Verbreitung von Demokratie vor allem in Russland wiederbeleben. Auch der militärisch-industrielle Komplex in den westlichen Gesellschaften, insbesondere in den USA, ist möglicherweise für das frisch aufgeblasene Feindbild dankbar; geschürte Angst könnte die Waffengeschäfte ankurbeln.

Das perfide Attentat von Salisbury könnte sich also als potente anti-russische Allzweckwaffe entpuppen, dem Westen eine erneuerte anti-russische Solidarität bescheren und von eigenen Fehlern, Misserfolgen und innerer Zerissenheit ablenken.

Selbst wenn Putin dieses Attentat angezettelt haben sollte, durch seine hysterische Reaktion gießt der Westen weiter Öl ins Feuer. Doch weniger Anklage und mehr Klugheit, sowie ein Gefühl für die dramatische weltpolitische Lage wären im Westen vonnöten. Doch hat er weit und breit derzeit keine Führungspersönlichkeit von Format vorzuweisen; es ist niemand in Sicht, der dem machiavellistischen Putin die Stirn bieten könnte. Dem Westen fehlen Anführer, die charismatisch und couragiert die westlichen Demokratien mitreißen und die zugleich klug und selbstbewusst den Ausgleich mit Russland wagen. Denn nur mit Russland kann in Europa wieder langfristig eine Friedensordnung entstehen, in der alle ihren gutnachbarschaftlichen Platz finden.

Für diese Herausforderung fehlen heute die politischen Leuchttürme wie die europäischen Gründungsväter oder die versierten Außenpolitiker im Weißen Haus oder deutsche Bundeskanzler, die die Tradition von Stärke und Verhandlungsbereitschaft klug zu verknüpfen wussten. Sie alle wussten, dass moralisierende Selbstgerechtigkeit kein Ersatz für realistische Interessenpolitik ist. Sie alle wussten auch um die prekäre russische Psyche, die es schon im Kalten Krieg zu pflegen galt.

Berlin als Brücke zwischen Ost und West

Doch heute ist die Situation viel schwerwiegender: Der Triumph des Westens scheint passé. Ohnmacht, Frustration und Zerrissenheit beherrschen das Bild, während russische Stärke zu erblühen scheint. Könnte diese Machtverschiebung in Europa die momentane Hysterie des Westens über das Attentat in Salisbury erklären?

Sollte sich der Westen weiterhin selbstgerecht auf die Brust klopfen, wie in dieser Agentenkrise? Droht nicht nur weitere Eskalation in den Ost-West Beziehungen? Russland könnte vielmehr aus der jetzigen Position der Stärke heraus dem geschwächten und frustrierten Westen das Leben noch schwerer machen als bisher. Denn im Unterschied zum Kalten Krieg scheint heute das robuste und autoritäre Russland auf weitere Konfrontation weitaus besser vorbereitet zu sein, als der selbstmitleidige, zerstrittene und post-heroische Westen. Die Zeiten westlicher Selbstgefälligkeit und Selbstgerechtigkeit sind nun endgültig vorbei. Dazu ist auch innerhalb des Westens zu viel schief gelaufen.

Deutschland hat eine besondere Verantwortung und Verpflichtung in seiner Rolle als Entspannungsvormacht im Kalten Krieg und als Brücke zwischen Ost und West. Berlin muss couragierter als bisher auf eine Politik der Wiederannäherung zwischen dem Westen und Russland hinwirken. Berlin sollte auch in dieser Agentenkrise eine vermittelnde und aufklärerische Position beziehen, statt fragwürdige Vorverurteilungen mitzutragen.

Im übrigen können nur mit Russland gemeinsam die brennenden Probleme in der Welt, im Nahen Osten und in Europa angepackt werden. Deshalb ist jetzt mäßigende Geheimdiplomatie und rückhaltlose Aufklärung gefragt – auch mit Blick auf Salisbury. Dann könnte das schreckliche Attentat vielleicht doch noch – politisch gesehen – einen Sinn bekommen: als Signal zur Umkehr auf beiden Seiten Europas, als Auftakt für einen konstruktiven Neubeginn.

Joachim Wittenbecher | Mo, 26. März 2018 - 17:49

Es darf bezweifelt werden, dass der Verursacher dieses Giftanschlages in absehbarer Zeit beweiskräftig ermittelt wird. Sanktionen des Westens und Gegenmaßnahmen Russlands bewegen sich absolut im Rahmen der diplomatischen Gepflogenheiten. Es ist deshalb unschwer voraus zu sehen, dass über den Konflikt bald Gras wachsen wird. Und dann.......geht es weiter wie üblich. Dann kann auch wieder über eine langfristige Einbindung Russlands in Europa nachgedacht werden. Dies ist zwingend erforderlich - geschieht es nicht, gerät Europa in den geostrategischen Würgegriff zweier Autokratien, nämlich Russlands und er Türkei; die Türkei kann man trotz gegenwärtiger Noch-Nato-Mitgliedschaft auf Dauer abschreiben, zu heillos sind und waren die Beleidigungen aus Ankara und die Versuche, subversive Strukturen in EU-Staaten (D/NL) mittels der türkischen Community aufzubauen. Also: langfristige Verständigung mit Russland und Trennung von der Türkei - strategische Interessen der USA hin oder her.

Volker Leyendecker | Mo, 26. März 2018 - 17:51

Die sofortige Schuldzuweisung ist nicht haltbar. Jeder bemerkt doch das die offensichtlichen Spuren nur Russland belasten sollen. Für wie Dumm wird der Russische Geheimdienst eigentlich gehalten ? Gift was zu Zeit der UDSSR gefertigt worden ist soll der Beweiß sein, Putin sei der Drahtzieher !! Es erinnert sehr an die Giftfässer im Iran. ( USA Fam. Busch ) Wer hat da Botschafter abgezogen ? Die Scheinheiligkeit des Westens ist mittlerweile Peinlich für uns Bürgern. Deutschland muss sich darauf besinnen wieder Mittler zwischen Ost und West zu sein.

Hermann J Stirken | Mo, 26. März 2018 - 18:33

Die Art und Weise wie Frau Merkel das Verhältnis zu Russland vernachlässigt, verwundert mich schon lange. Frau Merkel scheint aufgrund ihrer Biografie in einem Schwarz-Weiß Denken zu verharren. Ob der Irak Krieg Bushs oder die Nato Erweiterung gen Osten, Frau Merkel übernimmt dies unkritisch. Wenn Herr Putin agiert, bleibt die Kritik nicht aus. Vielleicht sollte die Physikerin Merkel Historiker zu Rate ziehen, um die besondere Lage Deutschlands zu begreifen. Ein gutes Verhältnis zu Russland ist für Deutschland ebenso wichtig wie ein gutes Verhältnis zu den USA. Aber Frau Merkel setzt falsche Schwerpunkte: Statt sich um den Verbleib von GB in der EU zu kümmern, hat sie ihre Kraft auf die Griechenlandkrise gekümmert. Wie gut, dass Merkel nicht 1989 BM war, sie wäre bestimmt nicht BM geworden, sondern Funktionärin in der DDR.

Juliana Keppelen | Mo, 26. März 2018 - 18:44

der sogenannten "Wertegemeinschaft" gegen Russland, habe ich den Eindruck, dass die Opfer nur Mittel zum Zweck waren um genau dieses "Schmierentheater" wie geplant in Szene zu setzen. Die WM und die Nordstream 2 liegt einigen schwer im Magen bin gespannt wann die Forderungen kommen beides zu sanktionieren (die USA schwimmen zur Zeit im Fracking-Gas). Bin überzeugt dass Russland mit diesem Mord-Versuch nichts zu tun hat und ganz nebenbei selbst die Sache mit Litwinenko ist laut dem Abschlussbericht nicht zweifelsfrei aufgeklärt.

Werner Peters | Mo, 26. März 2018 - 18:52

14 von 28 EU-Ländern haben hier mitgemacht, also gerade mal die Hälfte. Und Frau Merkel hofft für den nächsten EU-Gipfel in wenigen Wochen auf einen "neuen Aufbruch" und glaubt allen Ernstes, dass sich alle 28 einigen. Selten lag ein/e deutscher Kanzler/in so neben der Realität.

Stefan Schlegel | Mo, 26. März 2018 - 18:56

Ich habe Zweifel, dass hinter dem Attentat Putin steckt. So kurz vor seiner Wiederwahl und dann auch noch mit einem Gift das Russland zugeordnet werden kann. Alles komisch. Wo will Berlin eine "vermittelnde und aufklärerische Position" zwischen Ost und West beziehen? Eine Regierung bei der man den Eindruck hat, dass sie gegen das eigene Volk arbeitet.

Guido Schilling | Mo, 26. März 2018 - 19:32

Es zeigt sich immer mehr, dass in D nur noch die Dummheit regiert.
Falsche Energiepolitik, falsche Rentenpolitik, falsche Integrationspolitik. Jetzt noch falsche Solidarität mit GB (bis jetzt ist die russische Schuld nicht bewiesen)und als Sahnehäubchen setzen wir noch Carles Puidgemont fest, als gäbe es keine anderen Probleme in Buntistan.

Tobias Werner | Mo, 26. März 2018 - 19:50

Das ist ja wirklich mal ein umfassender, realistischer und ausgewogener Beitrag aus der Feder eines deutschen Politikwissenschaftlers: Danke!

Explizit herausstellen möchte ich hier nur mal den großen Argumentations-Widerspruch bei unseren Kalten Kriegern/Kriegerinnnen (N. Röttgen, Chr. Lindner, H. Maß u. A. Merkel u. Fr. v. der Leyen, etc.) sowie den Mainstream-Medien. Da heißt es immer wieder, dass die EU das wichtigste Friedensprojekt sei. Ja,das sehe ich auch so. Aber - mit dieser ist doch nur der potentiell"Teilkrieg" Deutschland-Frankreich (Österreich Italien) beigelegt, jetzt geht sogar GB raus - was ja die Kriegsgefahr erhöhen müsste
Der große Hauptkampf in den letzten 3. WK war aber der zwischen Deutschland(Kalter Krieg: dem Westen) u. Russland! Im Vordergrund all d. EU-Vergrößerungen hätte hier dann doch die Einbindung Russlands, des europäischen Teiles von Russland, stehen müssen! Aber genau hier, beim wichtigsten Nachbarn, ist man immer noch im Konfrontationsmodus!

Tobias Werner | Mo, 26. März 2018 - 20:11

Noch ein klein wenig besser wäre der Beitrag, wenn der Autor bei Guantanomo vielleicht mal drei od. vier Sätze noch zum Vergleich mit der Situation auf der Krim ausgeführt hätte. Weniger wegen dem dortigen Lager und Geschehen, sondern vor allem der Tatsache, dass die USA dort eine Stützpunkt in einem befeindeten(!) Land haben, der diesen gar nicht will und wollen kann! Auch gehörte Kuba (wohl) noch nie zu den USA. Auch hier liegt völkerrechtlich keine klare bzw. eine höchst zweifelhafte Situation vor: Welcher westliche Politiker krisiert das - oder fordert deswegen gar Sanktionen gegen die USA !?

Man sollte das immer mal wieder offen ansprechen, auch wenn es etwas kurios erscheint, dass man hierzulande zumindest nicht hört, dass sich Kuba darüber (noch) genauso aufregt wie die Ukraine bzgl. der Besetzung der Krim (dies etwa wegen Ermattung und Chancenlosigkeit?).

Klaus Funke | Mo, 26. März 2018 - 20:19

Es ist wohltuend in all der hysterischen Begleitmusik zu diesem britischen Agententhriller einen solchen Artikel wie den hier im CICERO zu lesen. Endlich wird Objektivität und gesunder Menschenverstand bemüht. Vielen Dank dafür. Wen man auch fragt, die große Mehrheit hält diesen Giftanschlag für künstlich herbeigeführt. Es ist leicht zu erkennen, dass Frau May einen Befreiungsschlag brauchte, um aus ihrer Brexit-Misere herauszukommen. Es ist unschwer zu erkennen, der Westen braucht einen Buh-Mann und einen Vorwand, um gegen Russland "mobil" zu machen. Schade, dass Deutschland hier mitspielt, anstatt sich seiner historischen Verantwortung gerecht zu werden und zu vermitteln. Außerdem wäre dies klug und vorausschauend. Dass unsere Regierung nun aber so wenig frei ist, etwas Kluges und Richtiges für Deutschland zu tun, beschämt und macht nachdenklich.

Detlev Bargatzky | Mo, 26. März 2018 - 20:30

"Deutschland sollte Vermittler werden"

Das kann nicht mehr funktionieren, denn unsere Mitläuferin im Kanzleramt hat sich bereits gegen Russland positioniert.

Christa Wallau | Mo, 26. März 2018 - 21:08

... wenn denn der politische WILLE dazu vorhanden wäre!
Bei einer deutschen Kanzlerin (mit Ministern) ohne erklärte u. dezidierte Pläne für eine eigenständige, deutsche Rußlandpolitik ist es hoffnungslos, von einer Brückenfunktion Deutschlands zwischen Ost und West zu träumen, so sinnvoll dies auch wäre.
Merkel richtet sich nach dem, was die meisten europäischen Staaten für richtig befinden,
im Zweifel i m m e r nach den Interessen der USA. Dafür ist sie bereit, einen hohen Preis zu zahlen, z. B. die Einbußen der deutschen Wirtschaft durch die Sanktionen gegen Rußland hinzunehmen, von denen die USA (die diese Sanktionen gefordert habe) kaum betroffen sind. Im Gegenteil: Der Handel zwischen den USA u. Rußland ist noch
gestiegen.
Diese, unsere famose Kanzlerin verschanzt sich
außenpolitisch hinter Vereinbarungen u. Verträgen und umgekehrt mißachtet sie in der Innenpolitik unter angeblich moralischen Zwängen (!) alle Rechtsgrundlagen. Interessenpolitik für D sieht
anders aus!

Hans Pauckert | Mo, 26. März 2018 - 21:29

dass Merkel als Vermittlerin auftritt. Diese Schuhe sind zu gross für eine Pfarrerstochter.
Besser sie kümmert sich um den Mist, den sie in Deutschland angerichtet hat.

Karin Zeitz | Di, 27. März 2018 - 13:18

In reply to by Hans Pauckert

spielt bekanntlich in der Außenpolitik den Starken. Der Giftgasmordanschlag war für May ein wahres Geschenk. Merkel zeigt sich natürlich solidarisch, egal welche schwerwiegenden Folgen das für Deutschland auch haben mag.

Mathias Trostdorf | Mo, 26. März 2018 - 23:03

Wie man es ja aktuell wieder sieht, gibt es offenbar genügend ungute Strippenzieher im Hintergrund, die Konflikte inszenieren, vom Zaun brechen und befeuern. Wie schon im Artikel angedacht: Es wird ja immer offensichtlicher, daß hier etwas anderes abläuft, und der relativ unbedeutende Anschlag auf einen Ex-Spion (und dann noch ohne konkrete Beweise) vorgeschoben ist.
Die "westlichen Demokraten" erreichen mit ihren hysterischen Reaktionen wieder genau das Gegenteil von dem, was beabsichtigt ist. Während solche Aktionen Putin stärken, bröckelt es hier glaubwürdigkeitstechnisch immer mehr, und Leute ergreifen statt dessen Partei für Putin. Nicht weil sie Putin so toll finden, sondern weil sie die selbsherrliche Art des westlichen Führungspersonals und seine Doppelzüngigkeit mehr und mehr durchschauen und verachten.
Hier läuft gewaltig was schief.
Hoffentlich gehts für alle gut aus.

Peter Wagner | Mo, 26. März 2018 - 23:20

Gilt dieser Grundsatz nicht für Putin! Bevor keine hundertprozentigen Beweise vorliegen, ist es in höchstem Maße verantwortungslos, einen kalten Krieg 2.0 vom Zaun zu brechen!

Peter Weber | Di, 27. März 2018 - 00:20

Ich denke, Deutschland sollte das zwar tun, aber die Chancen der Umsetzung stehen mehr als schlecht. Die Ursache dafür liegt in der US-Amerikanischen Außenpolitik. Es gibt verschiedene Äußerungen und Verhaltensweisen, die bis zur Reichsgründung durch Bismarck zurückreichen und die man wohl im Zitat des Britischen Lord Ismay über Sinn und Zweck der NATO zusammenfassen kann: „die Amerikaner drinnen (in Westeuropa), die Russen draußen und die Deutschen unten zu halten“ Auch hier kommt das Problem zum Tragen: „Wenn deutsches Kapital und deutsche Technologie mit russischer Arbeitskraft und russischen Ressourcen kooperiert, wäre das eine existentielle Bedrohung für die USA“ (George Friedman am 4.2.2015 auf einer Stratfor-Konferenz). Interessant auch die zeitliche Koinzendenz zur Flüchtlingskrise.

Reiner Gehret | Di, 27. März 2018 - 08:03

Zur Ausnüchterung nach der Lektüre dieses "Textes" empfehle ich den Wikipedia-Artikel über Sergei Wiktorowitsch Skripal.

Dieter Erkelenz | Di, 27. März 2018 - 08:12

Der Konjunktiv -so scheint's - feiert in diesem Artikel
fröhliche Urstände.
Unser lieber Putin ist beileibe nicht der Engel, den er vorgibt zu sein und für den hier eine Lanze gebrochen wird. Er ist aber auch nicht der Beelzebub den Briten (Insonderheit Politclown Johnson) sowie die US-Bagage unter Trump darzustellen versuchen. Für weiteren Schimpf muß
-natürlich !- wieder einmal Israel, das sogenannte
Assadregime und Iran - obwohl auch nicht ganz unschuldig - herhalten.
Ich hätte mir mehr Nüchternheit, Differenzierung und weniger journalistische 'Bashing' vorgestellt!

Thoralf Krüger | Di, 27. März 2018 - 08:44

Vielen Dank für den ausgewogenen Artikel. An diesem könnte sich ein Großteil unserer Medien ein Beispiel nehmen. Ich lege beim Lesen dieser Themen immer die 10 Prinzipien der Kriegspropaganda von Anne Morelli zugrunde. Wenn man die 10 Gebote im Hinterkopf hat, bekommen viele Artikel in der Russland-Berichterstattung eine ganz andere Dimension.
1 Wir wollen keinen Krieg!
2 Der Gegner ist allein für den Krieg verantwortlich!
3 Der Führer des feindlichen Lagers wird dämonisiert
4 Wir verteidigen ein edles Ziel und keine persönlichen Interessen!
5 Der Feind begeht wissentlich Grausamkeiten, wenn wir Fehler machen, geschieht dies unbeabsichtigt
6 Der Feind benutzt unerlaubte Waffen
7 Wir erleiden wenige Verluste, die Verluste des Feindes sind erheblich
8 Anerkannte Kulturträger und Wissenschaftler unterstützen unser Anliegen
9 Unser Anliegen hat etwas Heiliges
10 Wer unsere Propaganda in Zweifel zieht, arbeitet für den Feind und ist damit ein Verräter

Bernhard K. Kopp | Di, 27. März 2018 - 10:25

Deutschland könnte eine gute Vermittlerrolle schon seit 30 Jahre spielen. Kein Land Europas hat so viele Hochqualifizierte in vielen Lebensbereichen, die sich seit Jahrzehnten mit Russland beschäftigt haben, wie die Bundeskanzlerin die Sprache sprechen, und als Deutsche einen Sympathievorschuss bei den Russen geniessen. Aber, was man nicht wirklich will, und deshalb konsequent anstrebt, das kann man auch nicht erreichen.

lieber Herr Knopp, möchte ich d i c k unterstreichen!
Unserer Regierung fehlt jegliche Entschlossenheit zu vernünftigem, konsequentem Handeln, ob das nun eine bessere Beziehung zu Rußland betrifft oder die
Migrantenkatastrophe. Wie eine Katze um den zu heißen Brei schleicht Frau Merkel mit ihren Mannen und Frauleuten um alle Probleme herum. Statt sie einer Lösung näher zu bringen, schiebt sie die Probleme vor sich her und versucht, sie gesund zu beten. Dadurch wird alles täglich schlimmer.
Das kann nur ein ganz böses Ende nehmen für Deutschland.

Christian Döring | Di, 27. März 2018 - 12:45

Eine bemerkenswerte kühle und sachliche Analyse, Herr Hacke. Für mich ist es erstaunlich, dass solche Analysen nur von Personen kommen, die in geeigneter Position bereits nicht mehr aktiv sind (Teltschik; Pleitgen). Sie suchen nach Anführern im Westen, die charismatisch und couragiert die westlichen Demokratien mitreißen und die zugleich klug und selbstbewusst den Ausgleich mit Russland wagen. Eine vergebliche Suche. Die westliche Demokratie hat sich in ein elitäres Machtgefüge gewandelt. Eine solche Analyse hätten Sie an der Bundeswehrakademie nicht vornehmen können ohne Schaden zu nehmen. Einen charismatischen Anführer aus einer Pattsituation heraus haben bisher nur die Russen in Person von Gorbatschow hervorgebracht. Der Westen hatte nicht mal ebenbürtige Mitspieler zu bieten. Die Lebenslügen des Westens werden ihn selbst noch zu Fall bringen. Dank der Vernunft der Russen ist noch nichts angebrannt.
Sie (die Russen) müssen nur still halten. Der Rest erledigt sich von selbst.

wirklich nur abzuwarten. Der sogenannte Westen, gräbt selber seine Grube. So eine idiotische Politik, kenne ich nur aus Fanatikern. Und Fanatiker schalten das Gehirn immer ab. Russland hat charismatische Politiker. Sorgenkinder sind die arroganten Westler. Westen, vorsicht Grube. Aber "Blinde" sehen die Grube nicht.

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 27. März 2018 - 12:49

machen, der sich auch in EU-Fragen auskennt.
Schröder kommt nicht in Frage, da er Putin zu freundschaftlich verbunden ist.
Ausserdem dürfte Verheugen im Herzen noch ein bisschen FDP sein.
Das war damals ein schwerer Aderlass für die FDP, als einige zur SPD wechselten.

Jürgen Lehmann | Di, 27. März 2018 - 13:04

Europa mit der BRD ist schon lange nicht mehr ernst zu nehmen.
Vor den USA – die bekannterweise keine große Rolle mehr in der Weltpolitik spielen - kuschen wir und vertuschen gleichzeitig zuerst hoch angesetzte Spionageaffären im eigenen Lager.
Dafür spielen wir „Retter“ im islamistischen Areal.
Bessere Kontakte mit einem uns nahe liegenden Land wie Russland wieder neu zu beleben liegt nicht auf der Agenda.

Auch unsere Groko zeigt - wie vorausgesehen - kein Format und dümpelt mit Merkel vor sich hin.

Da klingt s schon zynisch, dass WIR Vermittler spielen sollen.

„HAUPTSACHE ES GEHT UNS GUT!!!

Tomas Poth | Di, 27. März 2018 - 13:25

Der Vorfall in Salisbury wird dazu dienen um russische Vermögen im Westen einzufrieren/zu blockieren, spätestens sobald als Ergebnis der "Untersuchungen" die Vorverurteilungen bestätigt werden. Der Vorfall wird dazu benutzt werden um Rumor/Spaltung in Russland zu triggern, möglicherweise gar um Putin zu Fall zubringen. Putin mit seinen "Erfolgen" auf der Krim, in der Ukraine und zuletzt in Syrien liegt den Nordatlantikern mehr als quer im Magen. Putins Russland hätte hier also ein mächtiges Eigentor geschossen?

Helmut Stadler | Di, 27. März 2018 - 13:58

Es zeigt sich wieder einmal eines überdeutlich: seit mehr als 100 Jahren lassen sich geistig beschränkte Deutsche Politiker vor den Karren der Briten spannen. Von dieser Krise profitieren nur die Briten und die Amis. Ich traue mir zu mutmaßen, dass hinter dem Anschlag eher die Briten als die Russen stecken. Dass die Merkel sich wieder von den Briten hereinlegen lässt ist bei ihrem Intellekt nicht weiter verwunderlich. Jetzt hat sie auch noch einen Außenminister mit demselben bescheidenen Durchblick. Armes Deutschland.

der Angelsachsen reinfällt, ist beschränkt. Merkel macht irrationale Politik. Die Briten lachen sich ins Fäustchen. Deutschland schadet sich selbst.
Ihr Kommentar bringt es kurz und knapp auf den Punkt.

Maria Chladek | Di, 27. März 2018 - 14:43

dass Österreich jetzt so einen jungen, diplomatischen BK Kurz hat, der sich nicht in das allgemeine Bashing gegen Russland reinziehen lässt. Endlich ein österr. BK, der eine eigene Meinung vertritt u. nicht wie ein Schoßhund Fr. Merkel nachläuft. Putin wird sich zu gegebener Zeit errinnern, wer gegen Russland agiert hat und wer nicht. Ihr lieben Nachbarn tut mir echt leid, eure Regierungspolitiker wirken wie adelige Relikte aus dem 19. JH u. verhalten sich auch so......
PS. Nicht Deutschland, sondern das kleine Österreich wird in Zukunft die Vermittlerrolle zwischen Ost u. West bekleiden.
LG aus Wien

Maria Chladek | Di, 27. März 2018 - 14:55

bewiesen, dass Russland/Putin hinter dem Giftgasanschlag steht. Putin wird kaum so dumm sein und sein eigenes Nervengift Novitschok zur Beseitigung eines an und für sich für niemand mehr interessanten Doppelagenten zu verwenden. So sehr ich das Attentat verurteile, so wenig spreche ich dem Westen das Recht zu, einseitige Vorverurteilungen auszusprechen u. sich sonst als Moralaposteln aufzuspielen. Mit solchen Aktionen wird der Auflösungsprozeß der EU noch schneller voranschreiten.

Günter Fischer | Di, 27. März 2018 - 15:00

ich bin ja ein Freund davon, dass jeder dafür geradesteht, was angerichtet wurde.
Und wenn viele Vermutungen zu Putin & Co. führen:
Solange kein Beweis angetreten ist, darf man auch nicht entsprechend reagieren.
In dieser Hinsicht passt es ganz wunderbar, dass der spanische Rebell jetzt in Deutschland aufgegriffen wurde. So stellt sich doch die Frage, warum noch keine spanischen Diplomaten ausgewiesen sind.
Offen gestanden wünsche ich mir, dass Putin & Co keinen Anteil haben und der Doppelspion (alle lieben Spionage, keiner liebt den Spion) noch andere Leute hat, die ihn nicht mögen. Wer weis, was er für die andere Seite spioniert hat - vielleicht haben ja die auch ein gewisses Interesse. CIA - Methoden im Westen sind so fremdartig auch nicht. Egal, wie der CI5 oder MI6 oder andere heissen.
Jedenfalls wäre es ein innerer Parteitag, wenn diesmal die Russen einen zweifelsfreien Beweis ihrer Unschuld erbringen könnten. Aber dagegen ist man gefeit durch Erschweren russischer Mitarbeit

Dorothee Sehrt-Irrek | Di, 27. März 2018 - 17:34

gesagt haben soll, wenn ich richtig gelesen habe, dass um Putin herum einige Leute korrupt sein sollen, nun, was könnte er uns damit sagen?
Vielleicht, dass man sich Leute aus Putins Umfeld einkaufen kann?
Es wäre ein Wunder, wenn Putin unumstritten die Macht innehätte.
Er hat jetzt aber die der Strasse.
Bei Merkel könnte es genau umgekehrt sein. Sie hat vor allem lautere Politiker um sich herum und die Strasse wartet auf ihren baldigen Abgang.
Nun sollte ohne Säuberung! möglich sein, zu schauen, wer da meint mit dem Schicksal des russischen Volkes mal eben so herumzuspielen.
Putin glaube ich eher nicht.
Dafür ist er zu sehr Politiker, kann seine Sache vertreten.
Die Tat sieht eher nach "hinterrücks" aus?
Wir können ja im Moment froh sein, dass keine Flugzeuge vom Himmel fallen und man vielleicht eher auf kleiner Flamme Attentate inszeniert?

Peter Ruppert | Di, 27. März 2018 - 19:07

Unsere unfähigen Politiker , die der USA und GB nachlaufen, darauf kann man Stolz sein. Mit voller Pulle zum III. Weltkrieg.
Der ist in Europa - nicht in den USA.

Robert Polis | Di, 27. März 2018 - 20:13

Den vielen klugen Fragezeichen des Herrn Hacke möchte ich ein weiteres hinzufügen:
Soeben, in der 20 Uhr Tagesschau, habe ich den Auftritt des neuen Wirtschaftsministers (!) zum Thema gesehen.
Frage: Was ist in unserer Bundesregierung los?

ali kahraman | Di, 27. März 2018 - 20:24

dank o herr, dass solche menschen in der heutigen zeit , noch nicht ausgestorben sind.ich hatte die hoffnung schon aufgegeben.

Rudolf Bosse | Di, 27. März 2018 - 20:30

"Denn nur mit Russland kann in Europa wieder langfristig eine Friedensordnung entstehen, in der alle ihren gutnachbarschaftlichen Platz finden."
Wie recht Sie haben, Herr Hacke mit Ihrer sehr realitätsnahen Analyse, aber genau das ist die Hauptangst der US-Regierung - nämlich die Zusammenarbeit D mit Ru. Käme die zustande wäre die Bedeutung der USA in der Weltpolitik am Schrumpfen. Daß es dazu nicht kommt, ist Frau Merkel ein verläßlicher Garant in vorauseilendem Gehorsam vor dem atlantischen Chef.

Bernd Rümker | Di, 27. März 2018 - 20:33

Ein sehr guter Artikel Herr Hacke. Danke!
Sie beklagen mit Recht das Fehlen politischer Leuchttürme. Ich denke, dass so ziemlich alle gewählten Führungskräfte von den Amerikanern gefügig gemacht wurden. Anfang 2018 verkündete die US-Administration ihre neue Doktrin: Weg vom Kampf gegen den internationalen Terrorismus, hin zum Kampf gegen Russland, hin zum Kampf gegen China. Sie haben gerade begonnen, das umzusetzen. Was machen die Europäer? Sie machen nicht nur mit sondern laufen im Gleichschritt mit den Kriegstreibern gegen Russland. Ich bin sprachlos, dass man nicht erkennt, wie gefährlich das ist. Wir lassen uns ja sogar einreden, dass es notwendig ist, dass wieder deutsche Soldaten unmittelbar an der russischen Grenze stehen.
Im Fall der jüngsten Giftgas- Attacke in GB gehören endlich Fakten auf den Tisch. Wer behauptet, es handelt sich um ein ganz spezifisches Gas, der braucht doch eine Vergleichsprobe oder eine Formel zu dessen Herstellung. Wer besitzt diese Probe oder Formel? Wo

Tobias Werner | Di, 27. März 2018 - 21:01

Ein wenig Kritik will ich hier dann doch noch anbringen. Zum einen habe ich Herrn Hacke als Co-Kommentator einiger früherer Phoenix-Sendungen zur Münchner Sicherheitskonferenz gesehen, wo er mir so ausgewogen nicht in Erinnerung geblieben ist.
Zum anderen ist dies ja nur eine Analyse des (wichtigen) Problems mit Russland. Die Politikwissenschaft müsste m.E. aber doch auch klare Lösungen, Lösungsvarianten uns aufzeigen, darunter gern auch mal unkonventionelle. Zum Beispiel haben wir diverse hochkomplexe Konflikte mit indirekter u. direkter Beteiligung diverser Supermächte. Es ist gut vorstellbar, dass eine gemeinsame Behandlung dieser diversen Krisen (Syrien, Palästina, Nordkorea, Krim, Kurdenproblem u.a.) nur dann möglich ist, wenn der eine in dem einem Konflikt nachgibt, andere in anderen. Das ginge dann also nur in einer großen globalen Friedenskonferenz. Jalta, Potsdam u. d. 2+4-Vertrag waren aber nur kleine Konferenzen! Der Kalte Krieg kann -m.E. nur so beendet werden.

Margrit Morf | Di, 27. März 2018 - 21:12

Könnte es etwa sein, dass man auch schon so weit ist, dass man von den Problemen im eigenen Land oder sogar der EU ablenken will und sich deshalb so aggressiv gegen Russland - Putin - gebärdet ?

Tobias Werner | Di, 27. März 2018 - 21:31

Wenn man annimmt, dass Russland bei diesem Agentenmord nicht aktiv dabei war -hier muss ich der deutschen Begründung zum Diplomatenverweis dann zustimmen - dann hätte ich als Putin doch sehr aktiv und sofort meine Mitarbeit angeboten, hätte hier auch Belege oder eine gute Gegenargumentationskette in der Öffentlichkeit sogleich vorgebracht. Denn natürlich ist es ein starkes Verdachtsmoment, dass dieses Mittel in sowjetischen Labors hergestellt worden ist. Die russische Verschlagenheit sah man ja auch bei den "Grünen Männchen" auf der Krim - auch wenn ich dafür Verständnis habe, nur wurde auch hier anfangs ja abgestritten, dass dies russische Kräfte waren. Also Russland ist keineswegs besser als die USA, man versucht halt in diesem System sich zu halten u. nach vorn zu kommen, weshalb hier eben letztlich die Systemfrage (andere internationale Sicherheitsarchitektur) gestellt werden muss.
Alle, auch(!) Deutschland, machen in diesem System aber -eigentlich unnötig(!)- den/die Dummen.

Tobias Werner | Di, 27. März 2018 - 21:46

So schön und richtig der letzte Abschnitt des Beitrages von Herrn Prof. Hacke insgesamt auch ist, in diesem Punkt würde ich dann auch widersprechen. Warum sollen die Bürger dieser Welt sich hier von diesen diversen Geheimdiplomaten irgendwie weiterhin veralbern und gefährden lassen!?
Alles was alle betrifft sollte (möglichst) offen sein - warum sollte dem hier nicht so sein!?
Weltpolizeilich gesehen (also in einem Weltstaat), kann hier nur der verdeckte (weltoffiziell ermächtigte) Ermittler zulässig sein. Gut, soweit sind wir noch nicht, aber wir werden wohl dahin kommen müssen.
Geheimdienste sollten abe auch heute nur spionieren, also ermitteln, nicht aber geheim kriminelle Akte vollziehen können. Das so zu fordern ist richtig, man muss dies dann halt auch bei allen anderen ebenso kritisieren, z.B. auch bei den USA (ich denke hier an die Geheimgefängnisse in Polen und Rumänien, zahlreiche CIA-Mordversuche an F. Castro). Diese Einseitigkeit Deutschlands ist es ja, die aufregt.

Wolfgang Thielke | Di, 27. März 2018 - 21:47

Es gibt keinen ausreichenden Beweis für die Herkunft des Gifts. Die öffentliche Diskussion weist nach Russland. Nur ein paar Kilometer weit, genau 9701 Meter vom Fundort Sergejs und seiner Tochter liegt eine der bestgeschützten und produktivsten Giftlabors der Welt. Hier erfanden die britischen Miltärs Gifte für den Weltkrieg und den Kalten Krieg, vergifteten damit ihre eigenen Soldaten um die Wirkung zu testen. Die Labors der Giftmischer in Porton Down sind durch Todesstreifen gesichert, es gibt Erdbunker. Das alles kann man in Goggle Earth sehen, lesen kann man darüber in Wikipedia und einen Film der BBC (mit Ubersetzung des ZDF) gibt es auch. Der Weg von diesen Todeszonen nach Salisbury ist einfacher, vor allem kürzer als der von Russland. Sind denn meine Journalistenkollegen so blind, dass sie das naheliegendste übersehen? Oder glauben sie unkritisch, was die britische Regierung glaubt. Aber glauben heißt: nicht wissen. Die Ausweisung der Diplomaten ist falsch.

Tobias Werner | Di, 27. März 2018 - 22:08

Um das hier so mal auf den Punkt zu bringen. Und gewichtige Vorstellungen dazu sollten von der Politikwissenschaft kommen. Also keiner ist besser oder schlechter, was unklug und überholt ist, ist das System der internationalen Sicherheitsarchitektur, da es mit seinen riesigen Ausgaben für Massenvernichtungswaffen, die eigentlich auch noch verboten sind, immer noch, die Gefahr des apokalyptischen Weltuntergangs ermöglicht - was man eigentlich ja schon längst hatte beseitigen wollen und was ja der Ausdruck des vorstellbar Negativsten ist.

So wie bei der Gründung des deutschen Reiches die diversen Armeen der Kleinstaaten beseitigt worden sind, ist in einem Weltstaat das Gewaltmonopol (für moderne interkontinentale Waffensysteme) auf diesen zu übertragen, sodass Armeen um ganze Völker umzubringen, dadurch überflüssig werden würden (und damit eben auch die Nationalstaatsarmee). Es gäbe dann nur noch diverse Untereinheiten (z.B. regionale, kontinentale) der einen Weltstaats-Polizei...

Fritz - Ulrich Hein | Di, 27. März 2018 - 23:31

Wer sich heute die TV-Nachrichten reingezogen hat, konnte eine gewisse Hetze und Genugtuung seitens Herrn Tusk, NATO-Stoltenberg, dem Deutschen Heiko Maas nicht unverborgen bleiben. Hält wirklich jemand die russische Regierung für so blöd, einen Agenten ermorden zu wollen, den sie schon in Haft hatten? Sicher hatte die Sowjet-Union 1970 das Nervengift hergestellt, die Bestände aber unter Aufsicht der UN 1991 vernichtet. Wer sagt denn, dass nicht Kiew oder NSA / CIA ihre Finger im Spiel haben, um so Trump das Handeln gegen Russland aufzuzwingen? Kiew wegen der Krim und der Ost-Ukraine, die US-Dienste wegen Aversionen gegen Trump. Alle wollen Antworten des Kreml, liefern aber, außer unbewiesenen Anschuldigungen, keinerlei Fakten, auf die Herr Putin antworten könnte. Für mich sind da zuviel "könnte, möglicherweise und dgl." im Spiel. Und wenn man jetzt die bevorstehende Preiserhöhung für 1 Barrel Erdöl in Betracht zieht, scheint es mir, dass man Russland die Gewinne nicht gönnt.

Wolfgang Schuckmann | Mi, 28. März 2018 - 00:44

Vielen , herzlichen Dank für diesen Beitrag. Mehr braucht es nicht um die Realität zu beschreiben. Die einzige Frage die mich in diesem ZUsammenhang noch bewegt ist: Warum kommt denn solch ein Artikel erst jetzt? Aber egal, ich würde jeden Satz und jedes Wort dieses Beitrages zum besseren Verständnis der westlichen Agenda unterschreiben. Sie lassen mich sprachlos zurück!

Gerd Kistner | Mi, 28. März 2018 - 08:47

Die Schlafwandler sind wieder da. Jedes Einlenken Putins in diesem Konflikt würde im Westen als Schuldeingeständnis gewertet werden. Die Spirale wird sich weiter drehen, ein Abbruch der diplomatischen Beziehungen Russlands zu den EU-Staaten erscheint heute als aberwitzig, morgen kann es die Konsequenz der alle Rechtsstaatlichkeit (Unschuldsvermutung bei unzureichender Beweislage) vermissenden Politik von Merkel, Juncker und Co. sein. Wann wird der neue kalte Krieg in einen heißen münden? Cui bono?