USA nach der Wahl - Kein Tauwetter in Sicht

Deutschland und die Europäer stellen sich auf Joe Biden als neuen amerikanischen Präsidenten ein. Doch die Hoffnungen, die mit dem Abgang Donald Trumps verbunden sind, dürften sich als trügerisch erweisen. Die großen Konflikte haben erst begonnen.

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Bessere Witterung in Sicht? Fahne der Demokraten und die US-Flagge / dpa

Autoreninfo

Dr. Josef Braml ist USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) und Autor des Buches „Trumps Amerika – Auf Kosten der Freiheit“. Aktuelle Analysen veröffentlicht er auch über seinen Blog „usaexperte.com“.

So erreichen Sie Josef Braml:

Das Warten Amerikas und der restlichen Welt auf die endgültige Entscheidung der US-Wahlen hat ein Ende. Zwei Ergebnisse stehen fest: Joe Biden ist neuer Präsident der USA. Und die Vereinigten Staaten von Amerika sind noch uneiniger geworden – selbst im Hinblick auf demokratische Grundwerte und Gepflogenheiten. Doch bereits vor der Amtsübernahme Donald Trumps war die US-Gesellschaft gespalten. Auch das politische System der USA ist seit Längerem schon polarisiert und blockiert und nicht mehr in der Lage, gravierende Probleme des Landes zu lösen.

Vor allem auch wegen der daraus resultierenden Unzufriedenheit und Verdrossenheit vieler Amerikanerinnen und Amerikaner mit der etablierten Politik konnte ein Außenseiter wie Trump überhaupt erst ins Weiße Haus gelangen und wäre bei diesem denkbar knappen Wahlausgang um ein Haar sogar wiedergewählt worden. Trump ist also nur ein Symptom tieferliegender struktureller Probleme, die von ihm seit seiner Amtsübernahme noch verschärft wurden und das Regieren seines Nachfolgers Joe Biden massiv beeinträchtigen werden.

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Ernst-Günther Konrad | So, 8. November 2020 - 09:40

Na jetzt aber. Da hat Trump also gar nicht die Probleme geschaffen, sie waren schon unter Obama da? Uih, in den deutschen Medien ist und war doch Trump der Problembär. Ach was. Unter Biden wird es kaum besser, vielleicht spricht er nicht so deutlich klar die Probleme an, er wird sie aber auch nicht aussparen. Hat man nicht auch gelesen, dass gerade die Trump-Hasser, die angeblichen Afro-Amerikaner und Latinos ihn dennoch wählten? Diejenigen, die jetzt so leiden müssen? Die Zeichen reichen nicht, um die Widersprüche in Ihrem Artikel aufzuzeigen. Nur eins steht für mich fest, wird Biden vereidigt, ist für die Welt, die EU und insbesondere DE nicht ein einziges Problem gelöst. Die mögen zwar öffentlich nicht mehr ganz so "böse" miteinander reden. Nur wird Biden (Harris) auch nicht schaffen, das Land zu einen, auch wenn er/sie es angekündigt haben. Die Spaltung der USA, da gebe ich Ihnen recht, hat schon viel früher begonnen. Mal sehen, wann das erste kräftige Biden-Bashing anfängt?

Problem 1: USA aus Klimaschutzabkommen ausgetreten: Wird geheilt werden, ist schon angekündigt.

Problem 2: Die Zerstörung von bestehenden Naturschutzgebieten: Wird höchstwahrscheinlich unter Biden nicht weitergwfühet werden.

Problem 3: Tone at the Top als Vorbildfunktion: Wird sich massiv ändern. No more grab them by the pussy. Keine good guys auf der extrem rechten Gewaltseite, keine Beleidigungen mehr. M
Mehr miteinander und Kooperation international.

Problem 3: Fehlende Wertschätzung und Akzeptanz von demakratischen Prozessen: wird wieder eingeführt.
Problem 4: Unberechenbare schwerwiegende Aktionen über Nacht: wird wohl verschwinden.

Und ja, der hlwranteil bei jungen Wählern, bei nicht weissen Wählern des Wirtschaftsestablishment, bei Frauen, ist immer noch deutlich höher als 60%.

Das ist schon eine ganze Menge. Politik ist nicht nur reine Wirtschaft!

Ich empfehle jedem, sich einmal das Interview des Guardian mit B. Sanders im Oktober geführt anzuschauen.

Brigitte Miller | Mo, 9. November 2020 - 08:35

In reply to by Olli Land

ist eine Vergeudung von Zeit und Geld.
"Das Pariser Abkommen, das der Welt als ultimative Lösung für die Klimaprobleme verkauft wurde, ist meiner Meinung nach ein „Papiertiger“: Seine einzige Legitimation besteht darin, dass alle Länder Zusagen gemacht haben – doch diese Versprechen müssen nicht eingehalten werden.

Tatsächlich macht Trumps Handeln deutlich, was wir bereits seit geraumer Zeit wissen: Das Pariser Abkommen ist nicht geeignet, das Problem der globalen Erwärmung zu lösen.

Diese Klimapolitik ist die Fortsetzung eines verfehlten Ansatzes, mit dem bereits Jahrzehnte vergeudet wurden: Seit 1998 wird das Kyoto-Protokoll als Lösung für den Klimawandel verkauft, obwohl viele ehrliche Analysen gezeigt haben, dass es nur geringe Wirkung hatte. Dennoch konzentrieren sich Regierungen, Non-Profit-Organisationen und Interessengruppen darauf, das Protokoll umzusetzen anstatt nach effektiven Lösungen für den Klimawandel zu suchen." Won Björn Lomborg

Lag Trump evt. auch sonst richtig?

hat begonnen mit dem Sezessionskrieg oder Amerikanische Bürgerkrieg ( 1861 bis 1865). Der ist vor allem in der weißen Bevölkerung immer noch in den Köpfen.
Ausdruck davon ist z.B. die Südstaaten-Flagge, die in Texas, Virginia und anderen Staaten der ehem. Konföderation allgegenwärtig ist.
Dieses Trauma ist bis heute nicht überwunden.
Aber eines hat doch der Berserker Trump in D. erreicht: das sogar die Grünen, Linken u.ä. weichgespült worden sind und auf einmal von Verantwortung faseln, die D. & Europa jetzt zeigen müssen.
In Peking scheinen die Sektkorken nur so zu fliegen. Ziel erreicht. Wirtschaftlich noch dominanter und der "Störenfried" Trump entsorgt.
Hoffe nur das J. Biden jetzt nicht einknickt sondern den Chinesen die Sporen zeigt!
Salute

gabriele bondzio | So, 8. November 2020 - 10:10

eine angemessene Überschrift Ich finde auch, dass sich Menschen, die jetzt große Hoffnungen auf Biden setzen, nach und nach merken, dass diese Hoffnung trügerisch ist.
Erstens wird er spätestens und schätzungsweise nicht sehr lange Präsident sein. Dann wird Kamala Harris die Geschäfte übernehmen, denn sie ist der Gegenentwurf zu Trump, nicht Biden. Der ja schon während der Wahl öfters „schlapp machte“. Und da gibt es ja den 25zigsten Zusatzartikel zur Verfassung, der 1967 angehängt wurde.
Zweitens sollten sich die Birden-Jubler sehr genau die Sätze von Cahaly (Gründer des Meinungsforschungsunternehmens Trafalgar Group) durchdenken. „ Trump verzeichnete bei Senioren und höher gebildeten Weißen Verluste. „Es muss jemand diese Lücke gefüllt haben. Und das waren Latinos und schwarze Wähler. Wie in aller Welt könnte es sonst sein, dass dies das engste Rennen in der amerikanischen Geschichte ist?“

Yvonne Stange | So, 8. November 2020 - 11:38

War der ach so tolle Obama doch nicht der Bringer und hat das Land gespalten? War man doch nicht so zufrieden mit dem Drohnenkönig.... Bezeichnend, wenn viele Schwarze und Latinos Trump gewählt haben. Parallelen dazu auch in Deutschland, viele hier lebende Migranten sehen die unveränderte Zuwanderung, verursacht durch unsere Regierung, auch kritisch. Allerdings können die wieder gehen.... wir nicht. Es war unsere Heimat.

Dr. Hermann-Josef Stirken | So, 8. November 2020 - 11:52

Die Wahl war gegen die Person Trump gerichtet, der durch sein Auftreten ein leichtes Ziel geboten hat. Man denke nur an den NATO Gipfel, bei dem er den MP von Montenegro beiseite drängelte. Die Wahl war aber keine Wahl der Person Biddens und dessen Politik. Dies könnte dann zu Überraschungen führen, wenn die Partner in der Welt feststellen, dass es nicht das Amerika First Trumps war , dass Konflikte bereitete , sondern dass Bidden in guter Tradition zuerst Amerikaner ist und dann Partner der freien Welt. Diesen Patriotismus ist von den Europäischen Partner nicht hinreichend berücksichtigt worden.

Bernhard K. Kopp | So, 8. November 2020 - 19:11

In reply to by Dr. Hermann-Jo…

Bei den Wahlen haben, aus vielfältigen Gründen, und auch mit zugehaltener Nase, mehr als erwartet Trump gewählt, und, die Republikaner haben für alle Positionen auf dem Wahlzettel relativ gut abgeschnitten. Das Vertrauen in die Demokraten und Biden war längst nicht so stark wie erhofft, woran nur die Demokraten selbst verantwortlich sind. Aber, die Ablehnung der Person Trump, ja sein Auftreten, aber ganz besonders seine rücksichtslose Selbstbezogenheit und grenzenlose Bösartigkeit gegen alles und jeden, der nicht seinem Interesse dient, haben ihm die Wahl gekostet.

Gisela Fimiani | So, 8. November 2020 - 12:03

Die Europäische Union ist insofern „anfällig“ für „Teile und beherrsche Strategien“, als sie sich diese selbst zueigen macht und innerhalb der EU „brachial“ und erfolgreich anwendet. Fehlende Selbstkritik, überhebliche Machtanmaßung, die Trump (wenn auch berechtigt) vorgeworfen werden erscheinen mir wie der Splitter, den wir im Auge des Anderen sehen, während der Balken im eigene Auge nicht wahrgenommen wird. Schauen wir über den Tellerrand, lenken wir aber mit diesem Blick nicht ab vom Balken im eigenen Auge.

Simone Buechl | So, 8. November 2020 - 13:47

Herr Biden ist nun doch nicht der Heilsbringer.

"Während viele Amerikaner, vor allem Afroamerikaner und Latinos, ums wirtschaftliche Überleben kämpfen, feiern die Anleger an den US-Aktienmärkten hingegen weiterhin Höchststände und bleiben bislang von den düsteren Wirtschaftsnachrichten mehr oder weniger unbehelligt."

Wenn wir das geklärt haben, wäre nun eine Betrachtung Europas und Deutschland interessant.
Eine geteilte Gesellschaft haben wir auch. Die soziale Ungleichheit wächst nicht nur in den USA.
Im Jahr 2021 wählen wir.
Eine Berichterstattung in diese Richtung würde ich befürworten.

Tork Poettschke | So, 8. November 2020 - 13:57

Es ist endlich, endlich wahr. //
Biden gewann in Amerika. //
Trump-Donald ward abgewählt. //
Jede Stimme ward gezählt. //
Es ist der amerikanische Traum. //
Dass jeder Präsi werden kann. //
Man wagte es zu hoffen kaum. //
Und hernach kam Biden dran. //
Es ist der Traum der Demokratie, //
dass irgendwann und irgendwie //
auch mal bessere Zeiten kommen. //
(Wie gewonnen, so zerronnen.) //

Die Wahl zwischen Pest & Cholera: //
Erst war Trump, jetzt Biden da. //
...

Christoph Kuhlmann | So, 8. November 2020 - 14:31

Das Handelsbilanzdefizit, dass die USA seit Jahrzehnten mit sich herumschleppen wird im wesentlichen durch den Dollar als Leitwährung finanziert. Billige Kredite aus der ganzen Welt ermöglichen den Verkauf von Unmengen an Staatsanleihen. Notfalls kann man ja ein bisschen abwerten. Trump hat zumindest das Problem thematisiert, war aber nicht in der Lage die Ursachen auch nur ansatzweise anzugehen, deren Beseitigung Jahrzehnte dauern wird. Rechnet man die Umsätze von Apple, Alphabet und Facebook mit ein, so ist der Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Europa und den USA sogar ziemlich ausgeglichen. Das Problem ist nur, dass das kaum gutbezahlte Jobs im weitgehend deindustrialisierten Amerika schafft. Es ist im Interesse des gesamten Westens, dort mehr zu investieren und das militärische Ungleichgewicht innerhalb der Nato zu verringern. Dazu braucht es allerdings langfristig verlässliche Rahmenbedingungen und keine erratisch errichteten Zollschranken.