De facto Abtreibungsverbot in Polen - Abtreibung per Paketdienst

Seit vergangener Woche gibt es in Polen de facto ein Abtreibungsverbot. Es beruht auf einem Urteil des Verfassungsgerichts, das Frauen sowie Ärzte verunsichert und illegalen Abtreibungen neuen Schwung gibt.

de-facto-abtreibungsverbot-polen-paketdienst-pis
Polnische Demonstranten protestieren gegen de facto Abtreibungsverbot / dpa

Autoreninfo

Thomas Dudek kam 1975 im polnischen Zabrze zur Welt, wuchs jedoch in Duisburg auf. Seit seinem Studium der Geschichts­­wissen­schaft, Politik und Slawistik und einer kurzen Tätigkeit am Deutschen Polen-Institut arbei­tet er als Journalist.

So erreichen Sie Thomas Dudek:

Eigentlich hätte das umstrittene Abtreibungsurteil des polnischen Verfassungsgerichts vom 22. Oktober vergangenen Jahres, laut dem Schwangerschaftsabbrüche bei irreparablen Schäden des Embryos gegen die polnische Verfassung verstoßen, spätestens am 3. November im Gesetzesblatt veröffentlicht und somit Inkrafttreten müssen.

So sieht es jedenfalls die polnische Gesetzgebung vor, laut der Urteile des Verfassungsgerichts spätestens zwei Wochen nach ihrer Verkündung im Gesetzesblatt veröffentlicht werden müssen. Doch wohl auch wegen der landesweiten Proteste gegen das Urteil ließ man sich Zeit. Erst am Mittwoch vergangener Woche, mit einer Verspätung von drei Monaten, veröffentlichte das Verfassungsgericht seine Urteilsbegründung. Kurz darauf erschien diese auch im Gesetzesblatt.

Cicero Plus weiterlesen

  • i
    Alle Artikel und das E-Paper lesen
    • 4 Wochen gratis
    • danach 9,80 €
    • E-Paper, App
    • alle Plus-Inhalte
    • mtl. kündbar
Fritz Elvers | Fr, 5. Februar 2021 - 16:53

wo der Klerus herrscht, selbst indirekt, wird es unmenschlich. Diese totalitäre Ideologie greift tief in die menschliche Existenz ein. Wo bleibt die feministische Solidarität? Der Aufschrei der Grüninnen?

Armin Latell | Sa, 6. Februar 2021 - 08:28

In reply to by Fritz Elvers

was ist mit den Rechten der Ungeborenen?

Fritz Elvers | Sa, 6. Februar 2021 - 15:33

In reply to by Armin Latell

die Recht der Ungeborenen sind bei uns jedenfalls in §218 verbrieft. Nach endloser Diskussion wurde ein Ausweg aus diesem Dilemma gefunden.

Christliche Fundamentalisten haben jedenfalls keine besonderen Rechte, außer natürlich, den Staat als Inkassofirma zu benutzen und sich seine Führungskräfte von ihm bezahlen zu lassen.

Inka Hein | Sa, 6. Februar 2021 - 13:54

In reply to by Fritz Elvers

1980 in Polen war der Klerus, vornweg der Papst, eine große Unterstützung.
Also passt die Aussage nicht so ganz.
Und wenn Sie von Ideologie schreiben, dann sind Grüninnen genau die Richtigen. Mehr Ideologie und Intoleranz (ausser Toleranz für Intoleranten) findet sich nirgends.
Schönes Wochenende.

Marina | Fr, 5. Februar 2021 - 17:00

Leider ist die polnische Kirche das Vehikel zum nationalistischen Absolutismus.
Gewachsen aus der historischen Identitätssuche. Egal ob in Russland oder in anderen autoritären Staaten. Gemeinsam ist ihnen ihre totalitäre Weltanschauung.

Armin Latell | So, 7. Februar 2021 - 08:49

In reply to by Marina

es gab sogar mal einen polnischen Papst, welch ein Unterschied zu dem heutigen.
Die Polen habe eine Identität und sie bestehen darauf. Damit haben Sie offensichtlich ein Problem. Im Gegensatz zu den Polen wird hier in dieser Gegend, die noch Deutschland genannt wird, die Identität gerade abgeschafft und durch Haltung und Meinung ersetzt. Totalitäre Weltanschauung erkenne ich allerdings exakt bei der Regierung der BRD und der Nichtregierung der EU. Denn von dort kommen die Versuche, andere nach eigenen Maßstäben erziehen zu wollen. Die polnische Kirche schickt keine Seawatch übers Mittelmeer, um Afrikaner ins Land zu holen. Die Polen haben sich, im Gegensatz zu Ihnen, ihre demokratischen Freiheiten hart erkämpfen müssen. Sie, Marina, glauben sie unwiderruflich geerbt zu haben. Da täuschen Sie sich gewaltig. sed quod est demonstrandum

Anna | Fr, 5. Februar 2021 - 19:03

Ist das Kind ein Mensch? Respektieren wir das Rechtssystem eines anderen Landes.

W. Herbst | Fr, 5. Februar 2021 - 21:44

Für Schwangere ist eine besorgniserregenden Diagnose über eine Behinderung des Ungeborenen eine riesige Herausforderung. Betroffene brauchen Hilfe und Unterstützung, auch durch Staat und Gesetzgeber. Leider wird allerdings das Lebensrecht der Ungeborenen nicht diskutiert. Es wird im Artikel und in den vorherigen Kommentaren nicht einmal mehr erwähnt. Ist ein solcher Gedanke absolutistisch, nationalistisch oder gar unmenschlich? Wer kümmert sich um die Ungeborenen? Wer gibt ihnen eine Stimme? Ist behindertes Leben lebensunwert?

Gerhard Lenz | Sa, 6. Februar 2021 - 08:46

In reply to by W. Herbst

In diesen Tagen liest man Erstaunliches.
Einerseits beobachtet man bei Gegnern der Corona-Pandemiebekämpfung die erstaunliche Tendenz, das Ableben von Hochbetagten durch eine Infektion zuweilen als unabänderlich zu akzeptieren. Es gäbe kein grundsätzliches Recht auf Schutz, das Leben wäre nun mal endlich, der Tod natürlich. Selbst ein Boris Palmer hat vermutlich missverständlich geäußert, man fahre die Gesellschaft herunter um das Leben derer zu retten, die sowieso demnächst sterben würden.

Völlig anders die Situation, wenn es um das ewige Streitthema Abtreibung geht. Hier würden radikale Gegner am liebsten jegliche Form verbieten, die Mütter entmündigen, einen Zwang zur Geburt durchsetzen. Gesundheit von Mutter oder Kind scheinen völlig uninteressant. Selbst im frühsten Stadium einer Schwangerschaft soll Abtreibung unterbleiben.
Polen zeigt mal wieder, was passiert, wenn religiöse Fundamentalisten - diesmal christlicher Prägung - die Macht ausüben

Ernst-Günther Konrad | Sa, 6. Februar 2021 - 09:53

Ich halte das Urteil des polnischen Verfassungsgerichtes für unmenschlich und realitätsfern. Dennoch muss ich sagen, müssen die Polen selbst sich zur Wehr setzen und eben eine Regierung wählen, die bei diesem Thema eine andere Sichtweise vertritt. So sehr ich dieses Urteil ablehne, so sehr sehe ich aber auch, dass es für eine solche Abtreibungspolitik eine Mehrheit im Volk zu geben scheint, sonst wäre die PIS ja nicht in der Regierung. Also Ihr Polen. Wehrt Euch und schafft legal neue Mehrheiten.
Und wieder kommentieren hier Leser, die nur einen Namen haben. Warum? Steht doch zu Eurer Meinung, die ich persönlich durchaus unterstütze mit Eurem vollen Namen.

Karla Vetter | Sa, 6. Februar 2021 - 19:48

für eine Abtreibung,sind für mich die von Ihnen Genannten: Missbrauch,medizinische Gründe der Mutter oder eine erfolgte Vergewaltigung.Sollte eine Selektion im Mutterleib und das Beseitigen lebensunwerten Lebens(darauf läuft es am Ende wohl hinaus) tatsächlich Normalität sein? Eine besondere Unterstützung dieser Familien die Kinder mit Behinderung bekommen haben, müsste unbedingt Teil der Gestzesänderung sein. Illusionen mache ich mir über das Verhalten der betroffenen Frauen nicht,man kann werdendes Leben nicht gegen die Mutter schützen.Diese Frauen brauchen viel Unterstützung.Ist die poln.Kirche dazu bereit?