Coronavirus-Krise - Die unsolidarische Forderung nach Schadensersatz

Die liberale Gesellschaft muss sich in der Corona-Krise bewähren. Wer jetzt die Ellenbogen ausfährt und Ansprüche anmeldet, verhält sich unsolidarisch. Alle müssen verzichten und Opfer bringen. Der Staat ist keine Vollkasko-Versicherung, die nun alle Ausfälle absichern kann.

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Erkrankte Wirtschaft: Menschenleere Straßen und geschlossene Geschäfte / picture alliance

Autoreninfo

Wolfgang Bok war Chefredakteur und Ressortleiter in Stuttgart und Heilbronn sowie Direktor bei der Berliner Agentur Scholz & Friends. Der promovierte Politologe lehrt an der Hochschule Heilbronn Strategische Kommunikation. Regelmäßig schreibt er für verschiedene Medien Kolumnen zu gesellschaftspolitischen Themen und ist Buchautor.

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Habe ich Anspruch auf Homeoffice? Bekomme ich meine ausgefallene Reise gutgeschrieben? Wer zahlt für die Ersatz-Kinderbetreuung? Und wer haftet, wenn ich meine Dauerkarte im Stadion nicht mehr nutzen kann, weil alle Spiele abgesagt sind? Derlei Fragen sind berechtigt - und doch ist dies nicht die Zeit, sie zu stellen. Deutschland, Europa und die Welt sind im Krisenmodus.

Es ist, als wäre dem Motor des Wirtschaftens plötzlich der Sprit ausgegangen. Ganze Länder stehen unter Quarantäne, Stillstand allenthalben. Wer jetzt klagt und Rechte einfordert, hat den Ernst der Lage nicht verstanden. Diese Krise kennt viele Verlierer – und nur wenige Gewinner. Es ist eine Naturkatastrophe, für die man – außer vielleicht die chinesische Führung – niemanden haftbar machen kann.

Eigeninteressen und Gemeinwohl brauchen Gleichgewicht

Weder Reisebüro noch Fluggesellschaft, weder Arbeitgeber noch Schulleitung, weder Konzert- noch Sportveranstalter: Kein Unternehmen und auch keine einzelne Personen sollte in dieser Situation den Schaden anderer ersetzen müssen. Auch wenn so manche „Verbraucherschützer“ bereits die Messer wetzen und sich Anwaltskanzleien insgeheim die hohen Honorare bei Sammelklagen kalkulieren: Gerichten sollte ermöglicht werden, derlei Anspruchsgebaren erst gar nicht zu behandeln.

Notfalls muss der Gesetzgeber die entsprechenden Voraussetzungen schaffen, um das Haftungsrecht auf ein verantwortliches Minimum einzugrenzen. Jetzt gilt es, Eigeninteressen und Gemeinwohl in eine Balance zu bringen. Konkret: Ein nicht genutztes Bahnticket ist keine unbillige Härte. Das muss jeder Bürger verkraften können. Deshalb sollte die Deutsche Bahn, die schon mit Zugausfällen genug gestraft ist, nicht auch noch Millionen an Retouren bewältigen müssen.

Das Geld ist weg

Dass sie es trotzdem tut, ist ein Akt der Großzügigkeit. Einklagen sollte man diese Kulanz jedoch nicht. Und wer sich schöne Tage in Marokko, Ägypten oder der Karibik leisten kann, darf getrost an den Flugkosten für die Luftbrücken beteiligt werden, die nun Außenminister Maas anschiebt. Dafür müssen die Daheimgebliebenen nicht auch noch aufkommen.

Jetzt muss die wohlstandsverwöhnte Gesellschaft lernen, was es bedeutet, wenn sich der Wunsch der Wachstumskritiker erfüllt und die Wirtschaft steil ins Minus dreht: Kein Umsatz bedeutet kein Lohn, keine Folgeaufträge, keine Steuern. Der Spruch, das Geld sei nicht weg, sondern nur in anderen Taschen, stimmt nicht mehr: Es ist weg.

Vorteile für Beamte

Billionen an (Buchwert-)Vermögen haben sich buchstäblich in Luft aufgelöst. Das trifft auch Reiche und Börsenspekulanten, sofern sie nicht auf einen Aktiensturz gewettet haben. Im Vorteil ist, wer auf der sicheren Gehaltsliste steht, also beim Staat. Das Personal öffentlicher Einrichtungen hat – bei all zu ertragender Unbill – immerhin keine finanziellen Nachteile. Wenn Schulen, Kitas, Bibliotheken oder Museen geschlossen werden, fließt das Gehalt trotzdem.

Also sollten sie für die Zeit der eingeschränkten Präsenzpflicht wenigstens einen Teil ihres Urlaubs opfern oder den Ausfall später ausgleichen. Kann Unterricht nicht in den großen Sommer- und Semesterferien nachgeholt werden? Soviel Flexibilität kann man jedenfalls von denen erwarten, die weder um Job noch Einkommen fürchten müssen.

„Unbürokratisch“ und unkontrolliert?

Wohlfeil ist die Forderung, dass „der Staat sofort unbürokratisch“ zu helfen habe. Auch muss nicht von heute auf morgen „geklotzt“ werden, wie Finanzminister Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Altmaier (CDU) nun zur Beruhigung ankündigen. Zunächst einmal sollte jedes Unternehmen in der (finanziellen) Lage sein, ein paar Wochen Leerlauf aus eigener Kraft zu überbrücken. Das gilt für Konzerne wie Kleingewerbetreibende. Dass nun selbst die FDP für Solo-Selbstständige Barauszahlungen der Finanzämter fordert und damit die Position des SPD-nahen DIW übernimmt, zeigt, wie leicht liberale Grundsätze ins Rutschen geraten.

Auch von Künstlern und sonstigen Alleinunternehmern kann man erwarten, dass sie erst einmal eigene Reserven aufbrauchen, bevor der Staat zur Hilfe eilt. Denn dieser Staat, nach dem nun allenthalben gerufen wird, sind wir Bürger -– und mit unserem Geld muss auch in Krisenzeiten sorgsam umgegangen werden. „Unbürokratisch“ kann nicht heißen, dass es keine Kontrollen und Sicherheiten gibt.

Kapitalistischer Darwinismus

Steuern können gestundet werden, aber Kredite müssen auch zurückgezahlt werden können. Das ist, wenn man so will, kapitalistischer Darwinismus: Auch Unternehmen brauchen eine Resilienz, also die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen. Sonst sind sie auf Dauer ohnehin nicht überlebensfähig. Das gilt allerdings genauso für Vermieter und Rechte-Vermarkter wie die Uefa: Auch ihnen sollte das Gebot der Solidarität nicht fremd sein, auch ihnen kann abverlangt werden, (Miet-)Forderungen zu stunden oder ganz darauf zu verzichten.

Wer auf die Eigenverantwortung der Kleinen zeigt, darf die Großen und Wohlhabenden erst recht nicht aus dem Blick verlieren. Konjunkturprogramme, nach denen nun gerufen wird, bringen wenig, wenn die Nachfrage oder Beschäftige fehlen, weil Menschen der soziale Kontakt untersagt ist. Oder wenn der Nachschub etwa an Baumaterial nicht sicher ist.

Die Abkühlung zur Normalität

Zudem: Wenn nicht einmal drastische Leitzinssenkungen die Stimmung drehen können oder wie in den USA oder Großbritannien die Panik eher verstärken, verpuffen auch in Deutschland und Europa eilig aufgelegte Milliarden-Programme. So gesehen ist es sogar von Vorteil, dass die EZB ihr Pulver bereits in guten Zeiten verschossen hat und nun mit leeren Händen dasteht.

Hatten wir nicht bis vor wenigen Tagen über Überhitzungen, Blasenbildungen an den Börsen und bei Immobilien sowie über Fachkräftemangel geklagt? Jetzt kommt mit der Vollbremsung die Abkühlung zur Normalität. Auch das gehört zum ökonomischen Kreislauf. In der Automobilbranche war sie von Teilen der Gesellschaft sogar gewollt, indem der Verbrennungsmobilität verteufelt wird und ihr mit rigorosen Umweltauflagen der Garaus gemacht werden soll.

Jedem Tief folgt ein Hoch

Müssten Grüne, Deutsche Umwelthilfe und Fridays for Future jetzt nicht jubeln? Die Erfahrung lehrt: Jedem Tief folgt ein Hoch. Das ist die Kraft von Marktwirtschaft und Kapitalismus: Wo Gewinn lockt, wächst Kreativität. Not macht erfinderisch, weiß der Volksmund, der schon Kriege und wirklich schlimme Seuchen gesehen hat. Gemessen daran sind ein paar Wochen oder Monate des Innehaltens verkraftbar.

Da sich Deutschland ohnehin als Weltmacht der Humanität versteht und die höhere Moral für sich gepachtet hat, dürfte auch allen Bürgern einleuchten, dass nun das Eigeninteresse hinter dem Gemeinwohl zurückzutreten hat. Das heißt auch, dass nicht jeder Gewinneinbruch der Corona-Epidemie angelastet werden darf, um sich am Steuer- und Beitragszahler schadlos zu halten. Denen wird noch genug abverlangt werden.

Michael Andreas | Mi, 18. März 2020 - 17:48

Der Beitrag hätte interessant werden können, indem der Autor von seinen eigenen Opfern Verzichtsleisungen und widerspruchslos hingenommenen Einbußen schreibt. So bleibt der Eindruck, dass anderen Verzicht predigen leicht fällt, solange man selbst nicht betroffen ist. Immerhin deutet Herr Bok an, dass er einen Teil seines Urlaubs opfern oder den Ausfall später ausgleichen wird. Oder wie hält er es an seiner Hochschule?

Reinhold Schramm | Do, 19. März 2020 - 09:31

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Bei einer gemeinsamen Jahresdividende, nur vom BMW-Konzern, für die Geschwister Quandt, von mehr als 1 000 Millionen Euro, und einem Kapital und Privatvermögen nur von Susanne Klatten, geb. Quandt, von rund 32 Milliarden Euro, da dürfte es doch auch für diese Angehörigen der deutschen Finanz- und Monopolbourgeoisie kein psychisches und materielles Problem sein, ebenso wie für andere persönlich leistungslose Erbschafts-Multimillionäre und Dividenden-Milliardäre in Deutschland und Europa, auf einen großen Anteil ihres historisch und staatlich legalisierten Vermögens zum Wohle der sozialen und gesundheitlichen Opfer der Corona-Pandemie freiwillig zu verzichten?

Verehrter Herr Schramm, ich vermute, Sie keinen keinen einzigen „Vermögenden“ persönlich, sonst würden Sie nicht solchen Unsinn schreiben. Die Vermögenden müssen nicht „freiwillig verzichten“, sie werden schon ganz unfreiwillig an allen Ecken und Enden geschröpft. Und was Ihre „Monopolbourgeosie“ betrifft: Haben Sie bemerkt, daß das Fach „Staatsbürgerkunde“ seit 30 Jahren nicht mehr gelehrt wird?

Wolfgang Bok | Fr, 20. März 2020 - 10:20

In reply to by Gast

Als Dozent bekomme ich nur die tatsächlich geleistete Arbeit bezahlt. Kein Unterricht = kein Honorar! Und wenn ich dringend Geld bräuchte, wäre ich mir nicht zu schade, bei den Ernten zu helfen. Die Landwirtschaft ruft nach 300 000 Arbeitskräften. Und das auch noch an der frischen Luft.

Günter Johannsen | Mi, 18. März 2020 - 17:55

Es kommt immer darauf an, aus welcher Perspektive man solche moralischen Ansagen vorhält! Wenn ich, lieber Herr Wolfgang Bok, Chefredakteur und Ressortleiter in Stuttgart und Heilbronn sowie Direktor bei der Berliner Agentur Scholz & Friends war, kann ich mal so eben auf
10 000 € verzichten. Unsere großen Vorbilder - die Bestverdiener - sollten damit beginnen. Aber oft hat man den Eindruck, dass sich gerade die Volkspädagogen und Parlamentarier (da sind die Grün-Linken keine Ausnahme!) gern ihre "Diäten" erhöhen, die ohnehin nicht knapp ausfallen.
"Da sich Deutschland ohnehin als Weltmacht der Humanität versteht und die höhere Moral für sich gepachtet hat..." Wer ist Deutschland? Ich glaube nicht, dass der Souverän die höhere Moral für sich gepachtet hat. Es sind die selbsternannten Eliten: bestimmte links-grüne Politiker, die willfährigen Hofberichterstatter der Öffentlich Rechtlichen und manche linke Journalisten, die sich als Erfüllungsgehilfen einen schlanken Fuß machen!

Markus Michaelis | Mi, 18. März 2020 - 18:33

Menschen werden sehr unterschiedlich schwer von so einer Krise getroffen - das sollte der Staat (also wir alle) etwas abfedern. Natürlich nicht irgendwelche großen Profite, da schadet eine Normalisierung der überhitzten Gewinnerwartungen sogar nicht.

Ansonsten ist an dem Artikel viel Wahres dran. Das wird in der Praxis aber schwer. Zum Einen fällt es dem Menschen ohnehin nur dann leicht zu verzichten, wenn keine vergleichbare Person weniger verzichten muss - das dürfte so kaum einzuhalten sein. Zum Anderen habe wir alle, gesellschaftlich gewollt, das Anspruchsdenken eher immer weiter vorangetrieben, dass dem Einzelnen kein Schaden entstehen soll. Von dem Maßstab und Anspruch wird man sich nicht leicht abwenden können.

Ingbert Jüdt | Mi, 18. März 2020 - 18:41

Des Herrn Boks »Strategische Kommunikation« könnte man auch »das Wort im Munde rumdrehen« nennen. Ich greife mal nur den abenteuerlichen Schlüsselsatz raus:

»Jetzt muss die wohlstandsverwöhnte Gesellschaft lernen, was es bedeutet, wenn sich der Wunsch der Wachstumskritiker erfüllt und die Wirtschaft steil ins Minus dreht«

Der springende Punkt an dieser »Wachstumskritik« ist doch gerade, auf die Anfälligkeit eines Systems hinzuweisen, dass sich selbst nur durch unbegrenztes Wachstum um jeden Preis am Leben halten kann und die wirtschaftliche Existenz der Bürger davon abhängig macht. Es geht für viele kleine Gewerbetreibende um eben diese Existenz, nicht um irgendwelche Ticket-Rückerstattungen! Aber Herr Bok möchte uns unterjubeln, dass wir uns mit dem, was er völlig zutreffend »kapitalistischen Darwinismus« nennt, gefälligst abzufinden hätten.

Es ist nicht der »Wunsch« der Kritiker, dass das geschieht, sondern der berechtigte Hinweis *auf die Gefahr*, dass es geschieht.

Ich stelle fest, daß auch in dieser Krise immer wieder dieselben auf den „Kapitalismus“ wettern. Und es sind dieselben, die sich mal wieder aus den Taschen anderer Leute bedienen wollen. Denn „der Staat“ sind die Steuern derjenigen, die arbeiten und erfolgreich sind. Eine Linke (ich glaube Frau Kipping) hat gerade gefordert, staatlich Alimentierte sollten einen „Corona-Zuschlag“ erhalten. Perverser gehts nimmer. In meiner beruflichen und privaten Umgebung hat fast jeder Einkommen und Vermögen verloren. Einige kämpfen um ihre Existenz: Freiberufler, Selbständige („Kapitalisten“), Angestellte...Von denjenigen Arbeitsfähigen, die vom Staat leben, hat keiner auch nur einen Cent verloren.

Ingbert Jüdt | Sa, 21. März 2020 - 11:59

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Herr Mock, ich bin selber selbständig, und was Herr Bok uns hier ansinnen möchte, betrifft auch alle Selbständigen: wir sollen einfach alle mal ein halbes Jahr lang die Luft anhalten, weil die Luft dann wieder keimfrei ist. Und wenn dafür das Lungenvolumen nicht ausreicht, tja, dann sind wir halt dem »kapitalistischen Darwinismus« zum Opfer gefallen, den er offenbar zu den »liberale Grundsätzen« rechnet, die ins Rutschen geraten könnten. System gerettet, Patienten tot, es lebe die reine marktradikale Lehre! Wer die Darwinismusvokabel bemüht, sollte sich tunlichst daran erinnern, dass uns auch noch ganz andere Darwinismen blühen können, wenn die Verhältnisse mal »ins Rutschen« geraten.

Ingbert Jüdt | Mi, 18. März 2020 - 18:41

»Gemessen daran sind ein paar Wochen oder Monate des Innehaltens verkraftbar«, doziert Herr Bok. Bloß weiß er nicht, was für den *einzelnen* Gewerbetreibenden verkraftbar ist. Das weiß nur dieser selbst, wenn er seine Kalkulation für diese »paar Wochen oder Monate« fertigstellt hat.

Unsere Gesellschaft macht gerade die Erfahrung, wie es sich anfühlt, wenn nach vierzig Jahren Turbokapitalismus das Hamsterrad plötzlich einmal stillsteht. Und weil das für einen Ideologen dieses Systems existenzbedrohend ist, fährt Herr Bok schwere moralische Geschütze auf: »unsolidarisch«, »Ellenbogen ausfahren«, »wohlstandsverwöhnt«, »höhere Moral gepachtet«, »sich am Steuer- und Beitragszahler schadlos halten«. Er ahnt wohl, dass der Bürger den Zumutungen eines auf ewiges Hamsterrad *angewiesenen* Systems vielleicht doch die Gefolgschaft kündigen könnte.

Verständlich, dass er sich auf Dreistigkeit verlegt, denn wenn das Schule macht, ist sein »kapitalistischer Darwinismus« Geschichte!

gerhard hellriegel | Mi, 18. März 2020 - 20:29

Ach ja, das alte lied: verluste werden vergemeinschaftet, gewinne privatisiert.
Herrlich, wenn die priester des eigennutzes an den gemeinsinn appellieren. Und ganz nebenbei das eingeständnis, dass die spielregeln in krisenzeiten nicht funktionieren: ich dachte, das richtet der markt? Was interessiert uns der verlust von billionen von buchwertvermögen? Wie wäre es, wenn man endlich einmal in der realität ankäme? Statt alternativlos in der finanzweltblase? Wie wäre es, wenn man endlich einmal einsehen könnte, dass das auftürmen von risiken auf risiken nicht nachhaltig sein kann?

Ms Frei | Mi, 18. März 2020 - 21:38

Wir wurden in den letzten Jahren konsequent zu Anspruchstellern statt Leistungswilligen erzogen.
Wenn jemand über eine Stufe stolpert, so muss ja irgend jemand daran schuld sein -bloß nicht eigene Tolpatschigkeit oder Dummheit.

Der Staat wird nicht alle Ausfölle bezahlen können und dürfen. Hoffen kann man nur, dass er sich der unangenehmen und teils unanständigen Anwälte und "Schutzorganisationen" und sonstigen nervigen NGOs erwehren kann.

Der Staat: Das sind wir.
Die nicht pauschal urlauben, wenig zahlen wollen und erwarten, dass alle Unbillen dafür von irgend jemandem bezahlt werden.

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 18. März 2020 - 21:53

Ich kann dieser Analyse und diesen Aussagen nur voll zustimmen. Ich fürchte allerdings, dass vor der Besinnung unserer Regierenden noch sehr viel Steuergeld verpulvert wird.

Klaus Peitzmeier | Mi, 18. März 2020 - 22:09

"Zunächst einmal sollte jedes Unternehmen in der (finanziellen) Lage sein, ein paar Wochen Leerlauf aus eigener Kraft zu überbrücken" schreiben Sie. Wie kann ein Hochschullehrer wie Sie einen solchen Mist schreiben. Wissen Sie was z.B. ein zugesperrtes Möbelhaus monatlich kostet? Das kann in die Hunderttausende gehen. Was ist denn gerecht daran, daß Möbelhäuser geschlossen u Baumärkte u Gartencenter geöffnet bleiben dürfen? Ist der Virus ein Holzwurm? Viele Maßnahmen werden gerechtfertigt sein. Aber einige sind unausgewogen u werden eine z.T. vermeidbare Pleite- u Konzentrationswelle nach sich ziehen. 4-6 Wochen Leerlauf können viele Geschäftsinhaber nicht finanzieren. Das sollte ein Hochschullehrer, der vergaß über seinen eigenen Solidarbeitrag zu berichten, eigentlich wissen. In Ihrer Umgebung, Herr Bok, werden Erntehelfer gesucht. Das wäre ein Solidarbeitrag der mir Respekt abnötigte.

Yvonne Walden | Do, 19. März 2020 - 09:57

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Die Aussage, daß der Staat keine Vollkaskoversicherung sei, die alle Schäden und Verluste ausgleicht, kann nur unterstrichen werden.
Auch ist unser Staat, unser Gemeinwesen, nicht zuständig für Auslandsreisende, die in aller Welt verstreut sind und nun auf Staatskosten heimgeholt werden möchten.
Auch hier gilt das eigene Engagement. Und natürlich müssen auch "zwangsweise" Heimflüge auf eigene Kosten erfolgen und nicht auf Kosten der Allgemeinheit.

Manfred Bühring | Mi, 18. März 2020 - 22:30

Villeicht hat es der Autor Dr. Bok ja nicht mitbekommen, aber die Folgen der Corona-Infektionen sind keine Naturkatastrophe, sondern wurden durch hysterische Entscheidungen der Politik herbeigeführt. Und da hat "der Staat" dann auch eine Entscheidungs-Folgen-Verpflichtung. Was Dr. Bok predigt, ist liberal-kapitalistischer Darwinismus der zynischsten Art, das Schlimmste, was ich hier im Cicero je gelesen habe.

Ernst-Günther Konrad | Do, 19. März 2020 - 08:21

Ja Herr Bok, Großunternehmen müssten genug in Rücklagen haben, dass sie mehrere Monate solche Einbrüche überstehen und nicht der Staat (das sind wir steuerzahlenden Bürger/Rentner/Pensionäre)zur Kasse gebeten werden. Ja, das ist nicht Aufgabe des Staates die Sofortrückversicherung für unverantwortliche Konzernpolitik zu sein.
Gutverdiener sollten ebenso Rücklagen haben, sich zwei-drei Monate mit dem nötigsten versorgen zu können. Nur das Gros der Menschen, die 18 Millionen "normalen" Steuerzahler, sie haben kaum überschüssiges Geld um für ihre Altersversorgung anzusparen und müssen sogar doppelte und dreifache Krankenkassenbeiträge zahlen, bekommen unter 50 % Rente und leben nicht selten von einem Monat zu anderen von ihrem kärglichen Einkommen. Nein Herr Bok, dem Ottonormalverbraucher dem bereits vorher das Wasser jeden Monat bis zum Hals stand aufgrund hoher Lebenshaltungskosten mit der Arroganz des Moralapostels zu kommen, da widerspreche ich Ihnen. Hilfe mit Augenmaß ist gefordert

wenn ich auf mein Erspartes zurückgreifen könnte.

Die Kanzlerin Merkel hat mit dem damaligen Finanzminister Steinbrück am 5.10.2008 uns allen im TV versprochen dass den Sparern nichts genommen wird.

Schenkungen von Eigentum müssen bis auf 10 Jahre zurück angerechnet und aufgebraucht werden falls ein Pflegefall eintritt.

Wo bleibt die Solidarität der Politiker? Zahlt endlich auch in die Kassen ein und lässt euch monatlich auch die Hälfte steuerlich von euern Einnahmen abziehen und sorgt euch nicht um die ganze Welt denn wir haben genug Baustellen die ihr hinterlassen habt.

So könnte ich gerade weitermachen was uns treuen- und bravzahlenden Bürgern alles aufgebürgert wurde.

Ich sagte immer zur meiner Frau dass die Welt total aus den Fugen geraten ist und sich irgendetwas noch ändern muss damit alle mal wieder von dem hohen Ross herunterkommen.

Nun bin ich gespannt wer alles auf den ,,Solidaritätszug aufspringt ,Wort hält und mitfährt.

Marianne Bernstein | Do, 19. März 2020 - 09:04

Der Artikel würde sehr gewinnen, wenn er berechtigte und berichtigte Ansprüche trennen würde. Es ist eben ein Unterschied ob man gut bezahlt mal einen Flug für 400 Euro verliert oder ob man zusätzliche Kosten einer Rückholung von 2000 Euro und mehr für eine Familie hat.
Die überwältigende Mehrzahl der Arbeitnehmer arbeitet nicht in Konzernen sondern in mittelständischen Unternehmen, die eine gewisse Zeit durchhalten können, wenn es Kurzarbeitergeld und andere Hilfen gibt, aber auch hier fällt das Geld nicht vom Himmel! Die ersten Opfer sind Kleinunternehmen, Solo-Selbständige, die modernen Tagelöhner. Noch sind es wenige, die eine betriebsbedingte Kündigung bekommen, das kann sich aber ganz schnell ändern, weil der Staat eben gerade nicht Kleinst- und Kleinbetriebe unterstützt sondern nur in großen Kategorien denkt.
Außerdem sind das alles Kredite, die befürwortet werden müssen, was dauert!! und die zurück zu zahlen sind.

Gisela Fimiani | Do, 19. März 2020 - 12:03

Diese Krise kann eine neue Chance bieten, wenn wir „zurücktreten“. Hysterie, Schuldzuweisungen, vor allem aber Besserwisserei und moralische Aburteilungen lösen kein einziges Problem und dienen nur der eigenen eitlen Rechthaberei. Der Gemeinsinn setzt grundlegende Gedanken darüber voraus, welche Prinzipien für die Gestaltung eines Gemeinwesens gelten sollen. Humboldt entwickelte Kants Idee der Ablehnung der „despotistischen paternalistischen Staatsidee“ in seinem Buch: „Ideen, die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ weiter. Eigenverantwortung im Sinne von: Wir wollen der Souverän sein. Wir wollen keinen autoritären, bürokratischen Staat, der letztlich nur den Staatsversorgten dient. Wir sind Erwachsene, die in der Krise lernen können, dass wir zwar einen Staat, aber keinen „Vater Staat“ wollen. Demokraten müssen den Staat in die eigenen Hände nehmen. Mut zu Selbstständigkeit und Freisinn schafft Gemeinsinn. Ideologien und Rechtgläubigkeit den Müll. Nutzen wir die Chance.

Hendrik Tongers | Do, 19. März 2020 - 12:48

„Der niederträchtigste aller Schurken ist der Heuchler, der dafür sorgt, dass er in dem Augenblick, wo er sich am fiesesten benimmt, am tugendhaftesten auftritt.“
―Marcus Tullius Cicero

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