Werbung für Alkohol - „Hopfen und Malz erleichtern die Balz“

Ist es rechtlich erlaubt, Alkoholgenuss mit Lebensgenuss gleichzusetzen? Nein, findet der Deutschen Werberat. Mit seiner Beschwerde an eine bayerische Brauerei hat er einen trotzigen Shitstorm hervorgerufen. Der Konflikt zwischen Progessiven und Traditionalisten treibt immer merkwürdigere (Schaum-)blüten

Dietrich Sailer (r), der Chef der Traditionsbrauerei "Hofbräuhaus Traunstein", sitzt am 20.4.1999 in Bernau am Chiemsee mit seinem Angestellten Josef Schumacher in einer mit Bier und Hopfen gefüllten Badewanne. Sailer will im Juni direkt am Ufer des Chiemsees, nur wenige hundert Meter von der Autobahn München-Salzburg entfernt, eine Erlebnis-Gaststätte eröffnen. Attraktion des drei Millionen Mark teuren "Badehauses" in Bernau-Felden soll eine von unten beleuchtete Bier-Badewanne mitten im Gastraum sein, in
Unbeschwert dank Weißbier: Brauer Dietrich Sailer (rechts) zeigt, was er von der Beschwerde des Werberats hält / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“. Im Oktober erscheint sein Essay „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer“ bei zu Klampen.

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Alexander Grau

Traunstein ist ein malerischer Flecken. Anmutig gelegen zwischen Chiemsee und Waginger See schaut man von dort in die östlichen Chiemgauer Alpen, hinter denen sich majestätisch die Watzmann-Gruppe erhebt. Joseph Ratzinger ist hier geboren, die Kirchen tragen Zwiebelhauben und ein g’scheites Bier braut man hier auch. Genau um dieses Bier, genauer: um die Werbung für dieses Bier ist in den vergangenen Wochen allerdings ein bizarrer Streit entbrannt, den man als Lokalposse abtun könnte, wenn er nicht so symptomatisch wäre für unsere Zeit.

Worum geht’s? Seit 14 Jahren macht das Hofbräuhaus Traunstein Werbung mit einem eher unspektakulären Foto. Es zeigt Brauhausbesitzer Maximilian Sailer, der seiner Frau Brigitte „a Busserl“ gibt, während sie ein Weißbierglas in ihrer Hand anhimmelt. Betitelt ist das Szenario mit dem Slogan „Hilft in Sekunden – wirkt für Stunden.“ Ursprünglich als Plakat verwendet, druckt die Brauerei das Motiv seit Jahren auf ihre Bierdeckel.

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Bernd Schiebener | Sa, 23. März 2019 - 10:44

Werbung verbieten !

Mir fällt zu diesem Land bald nix mehr ein. Mir ist jetzt klar geworden, ich bin ein ganz gefährlicher Bursche : Ich bin Nazi, Rassist, fremdenfeindlich, Klimawechselleugner, EU / Eurohasser, Pinkel im Stehen, halte Genderklos für überflüssig. Und das Schlimmste finde die Politik von Trump völlig in Ordnung. Dank meiner fleißigen Vorfahren( und meiner Person ) kann ich mich des öfteren im Ausland aufhalten - die reinste Erholung. Wenn man die Finger von PC, Phon und Internet läßt ! Da lacht die Sonne und über Deutschland die ganze Welt.

Jürgen Keil | Sa, 23. März 2019 - 14:36

Anonyme Beschwerde! FeiglingInnen hinterv…

Wolfgang Schneider | Sa, 23. März 2019 - 18:48

Diese Bierwerbung halte ich für ein ziemlich bedeutungsloses Schmankerl. Mich würde allerdings die Stellungnahme des hochmoralischen Werberates zur Fernsehwerbung eines deutschen Automobilherstellers interessieren. Man sieht ein Fahrzeug dieses Herstellers über eine holprige und mit Schlaglöchern übersäte Straße fahren. Im Text bedankt sich der Sprecher, dass es in Ungarn so schlechte Straßen gibt, dass man dort deswegen die Vorzüge der besonderen Ausstattung des Fahrzeuges demonstrieren kann.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 23. März 2019 - 18:50

aber wahr. Bier ist ein Grundnahrungsmittel und jeder mag selbst entscheiden, ob er nach dessen Genuß sich wohl fühlt, die Welt leichter sieht, müde wird, gut einschläft und ob er die Werbung dafür zur Kenntnis nimmt oder nicht. Die Antwort des Herrn Schumacher ist aus meiner Sicht noch sehr zurückhaltend. Man hätte den Werberat auch einfach mal fragen können, ob die noch richtig ticken. Hier wird aber eines deutlich, die Moralisten sind überall und breiten sich aus wie ein Hefepilz. Es scheint inzwischen jedermann zu glauben, alles und jeden mit eigenen moralischen Vorstellungen umerziehen zu können. Als ich Ihren Artikel gelesen habe Herr Grau, dachte ich zunächst an eine humoristische Einlage ihrerseits. Bedauerlicherweise ist dem scheinbar nicht so. Nehmt dem Deutschen das Bier, das Auto und den Fußball und wartet auf die eintretende Revolution. Vielleicht brauchts aber auch solchen Schwachsinn, damit der Wähler mal wach wird und die politischen Ursachen beginnt zu ergründen.

dieter schimanek | Mo, 25. März 2019 - 09:58

Werberat, Umwelthilfe, NGOs, Kulturschaffende und streikende Schüler bestimmen die Richtung. Die Spitzen der Politik applaudieren dazu, ebenso die Medien, wozu noch ein Parlament? Parteien sind dabei sich zu erneuern, das stimmt, sie werden zu Sekten. Mutti will die Welt retten, die Grünen das Klima, die Schüler die Zukunft, NGOs die Flüchtlinge oder Migranten.
Wer rettet uns vor solcher Sektiererei?