Schulische Bildung - Lob der Sekundärtugenden

Lernerfolge von Schülern verdanken sich nicht nur Intelligenz und Auffassungsgabe. Wichtig und stark unterschätzt sind die guten alten Sekundärtugenden. Als Lerneinstellungen erleben sie eine Renaissance.

Schülerin Münster
Eine Schülerin sitzt mit ihrer Maske an einem Tisch in der Klasse 5a einer Gesamtschule in Münster / dpa

Autoreninfo

Rainer Werner unterrichtete an einem Berliner Gymnasium Deutsch und Geschichte. Er verfasste das Buch „Fluch des Erfolgs. Wie das Gymnasium zur ,Gesamtschule light‘ mutiert“.

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Die Schüler hatten es während der Corona-Pandemie nicht leicht. Als im Frühjahr 2020 die erste Infektionswelle anrollte, wurden die Schulen abrupt geschlossen, um Ansteckungsketten zu unterbrechen. Auf das Homeschooling waren die wenigsten Schulen technisch und pädagogisch ausreichend vorbereitet. Es ruckelte nicht nur sprichwörtlich bei den täglichen Videokonferenzen, sondern auch bei den Lehr- und Lernstrategien. Als die Schüler im Herbst wieder in die Schulen zurückkehrten, stellten die Lehrer bei einem Drittel erhebliche Lernrückstände fest.

Lernforscher sehen die Ursachen für diese Defizite vor allem im sozialen Gefälle der Elternhäuser. Während die akademische Mutter, die sich selbst im Homeoffice befindet, nebenbei ihre beiden Kinder optimal unterstützen kann, ist das Kind einer Supermarktverkäuferin beim Fernunterricht auf sich allein gestellt. Abgehängt zu werden ist dann nicht selten die Folge. Ein Umstand wurde in der Öffentlichkeit bislang zu wenig beachtet, der aber einen großen Einfluss auf den Lernerfolg von Schülern hat: ihre Lerneinstellung, also das, was Psychologen die Sekundärtugenden nennen.

Charaktertest Homeschooling

Das Homeschooling war, wenn man es unter lernpsychologischen Gesichtspunkten betrachtet, auch ein Charaktertest. Es gab Schüler, die sich täglich aufs Neue disziplinierten und alle online gestellten Aufgaben pünktlich erledigten. Dann gab es aber auch Schüler, die den Verlockungen nachgaben, sich aus dem Lernzusammenhang auszuklinken, um am PC zu spielen oder einfach abzuhängen. Ein bekanntes Nachrichtenmagazin berichtete von einem 17-jährigen Berliner Gymnasiasten, der an seiner eigenen Laissez-faire-Haltung scheiterte und die Schule ein Jahr vor dem Abitur abbrach.

Sein Bericht ist beklemmend: „Ich konnte mich nicht konzentrieren. Ich habe das Gefühl gekriegt, dass ich nicht mehr mitkomme. Das hat mich ziemlich heruntergezogen. Also habe ich es gelassen. Ich habe bis zu den Sommerferien insgesamt vielleicht an drei Schultagen teilgenommen. Dann habe ich morgens den Computer nicht mehr angemacht.“ Der Schüler ist nicht an schlechter schulischer Betreuung (seine Schule lobt er als „meganett“) und auch nicht an mangelnder Unterstützung durch die Eltern (der Vater ist Akademiker) gescheitert, sondern daran, dass er es nicht gelernt hatte, sich auf eine Sache einzulassen, die beschwerlich ist und keinen unmittelbaren Erfolg verspricht. Ein solches Unvermögen wird auch Schülern beim Lernen im Präsenzunterricht häufig zum Verhängnis.

Vom Gehorsam zur Teamfähigkeit

Als Sekundärtugenden bezeichnet man Charaktereigenschaften, die zum reibungslosen Funktionieren einer Einrichtung und letztlich der ganzen Gesellschaft beitragen. Man nennt sie auch „bürgerliche Tugenden“, weil sie den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Aufstieg des Bürgertums befördert haben. Dazu zählen Fleiß, Disziplin, Pflichtbewusstsein, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit. Ihren Ursprung hatten diese Tugenden in Preußen. König Friedrich Wilhelm I., der Soldatenkönig, musste das von seinem verschwendungssüchtigen Vater Friedrich I. heruntergewirtschaftete Land runderneuern. Für Verwaltung und Militär übernahm er die Erziehungsgrundsätze des pietistischen Reformers August Hermann Francke: Wahrheitsliebe, Fleiß und Gehorsam. Die preußischen Tugenden waren geboren.

Nach der Reichsgründung 1871 wurden diese Leitsätze patriotisch „aufgeladen“, um das nationale Projekt mental zu befeuern. So kamen Treue, Ehre und Patriotismus hinzu. Einen grundlegenden Paradigmenwechsel bei den Sekundärtugenden bewirkte die Studentenbewegung von 1968, die auch eine Umwertung der Werte mit sich brachte. Jetzt traten Tugenden wie Kreativität, Selbstverwirklichung und Solidarität in den Vordergrund und verdrängten die Werte aus obrigkeitsstaatlicher Hinterlassenschaft. Unvergessen ist eine Kontroverse zwischen den beiden führenden Sozialdemokraten Helmut Schmidt und Oskar Lafontaine. Letzterer warf dem Kanzler, der sich für den Nato-Doppelbeschluss einsetzte, vor, im „Dritten Reich“ diskreditierte Tugenden zu vertreten: „Helmut Schmidt spricht weiter von Pflichtgefühl, Berechenbarkeit, Machbarkeit, Standhaftigkeit. [...] Das sind Sekundärtugenden. Ganz präzis gesagt: Damit kann man auch ein KZ betreiben.“ (Stern-Interview vom 15. Juli 1982)

Kopfnoten in den Zeugnissen

In der Schule schlugen sich die Sekundärtugenden in den sogenannten Kopfnoten der Zeugnisse nieder. Betrafen sie bis in die 1970er-Jahre hinein vor allem Charaktereigenschaften wie Fleiß, Ordnungsliebe und Pünktlichkeit, kennzeichnen sie heute wichtige Lerneinstellungen: Selbstständigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Kooperations- und Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit und Toleranz (so das Zeugnis in Brandenburg). Lange gab es Bestrebungen von Eltern, die Kopfnoten ganz abzuschaffen, weil sich darin die Voreingenommenheit einer Lehrkraft gegenüber einem wenig geschätzten Schüler ausdrücken könnte.

Es gab auch „fortschrittliche“ Lehrer, die die freie Entfaltung der Schülerpersönlichkeit durch die Sekundärtugenden behindert sahen. Ihnen war nicht bewusst, dass vor allem die Kinder aus bildungsfernen Schichten darauf angewiesen sind, dass sie neben dem Wissensstoff auch unverzichtbare Lernhaltungen lernen. Der französische Philosoph und Autor Didier Eribon beschreibt in seinem Bestseller „Rückkehr nach Reims“, wie er in der Schule als Kind aus der Unterschicht um ein Haar ein Opfer seiner chaotischen Lerneinstellung geworden wäre: „Mein Auftreten und meine Ausdrucksweise dürften eher die eines zwanghaften Querulanten gewesen sein als die eines aufstiegswilligen, fleißigen Kindes.“ Erst als er sich die Lerndisziplin seiner Kameraden aus dem Bildungsbürgertum aneignet hatte, schaffte er das Abitur und den Weg zu einer akademischen Laufbahn.

Rückschlüsse auf die Arbeitseinstellung

Gegen die Abschaffung der Kopfnoten sprachen die Erfahrungen aus dem Unterricht, wonach zum erfolgreichen Lernen nicht nur Intelligenz und Auffassungsgabe gehören, sondern auch Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen. Und dies sind eben Sekundärtugenden. Industrie- und Handwerksverbände sprachen sich ebenfalls vehement für die Beibehaltung der Kopfnoten aus. Personalchefs schauen nämlich nicht nur auf die Noten der beiden Hauptfächer Deutsch und Mathematik, sondern vor allem auf die Kopfnoten, weil sie daraus Rückschlüsse auf die Arbeitseinstellung der Bewerber ziehen können.

Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) machten für eine Studie folgendes Experiment. Von fiktiven Schülern fertigten sie Zeugnisse an, mit denen sie sich für Ausbildungsplätze bewarben. Die „Bewerber“ waren männlich und interessierten sich für die Berufe des Elektronikers und Mechatronikers. Das Ergebnis der Studie ist frappierend. Die meisten Zusagen erhielten Bewerber, die zwar einen mittelmäßigen Notendurchschnitt hatten, aber durch gute Verhaltensbewertungen glänzen konnten. Selbst Schüler mit schlechten Noten konnten solche mit guten Noten ausstechen, wenn sie über besonders gute Kopfnoten verfügten.

Charakterliche Mängel sind schwer behebbar

Das Kalkül der Firmen ist einleuchtend: Fachliche Defizite kann man ausgleichen. Der richtige Ort dafür ist die Berufsschule. Charakterliche Mängel hingegen sind nur schwer zu beheben. Sie können sich nachteilig auf ein Arbeitsverhältnis auswirken. In Kenntnis dieser Einstellungspraxis verzichtet das Land Berlin seit Jahren darauf, auf den Abschlusszeugnissen (MSA und Abitur) Fehlzeiten auszuweisen. Auf unentschuldigte Fehlzeiten hatten Firmen bei Einstellungsgesprächen nämlich besonders allergisch reagiert. Zielführender wäre es freilich, den Schülern das Schwänzen abzugewöhnen.

Einfluss auf die Karriere

Lernforscher der Universitäten Tübingen, Houston und Illinois haben 2018 in einer Studie herausgefunden, dass es zwischen Sekundärtugenden wie Fleiß, Verantwortungsgefühl, Durchhaltevermögen und schulischem Erfolg einen deutlichen Zusammenhang gibt. Solche Lerneinstellungen haben offenbar einen erheblichen Einfluss auf das spätere Leben, und zwar unabhängig von der Intelligenz der Schüler sowie von Bildung oder Einkommen ihrer Eltern. Es zeigte sich, dass verantwortungsvolle Schüler, die Interesse an der Schule zeigten und ihre Schul- und Hausaufgaben pünktlich erledigten, sowohl nach elf als auch nach 50 Jahren noch einen höheren Bildungsabschluss und einen angeseheneren Job hatten als die Vergleichsgruppe.

Außerdem war ihr Einkommen nach 50 Jahren höher als das Gleichaltriger, die kein großes Interesse an der Schule gezeigt hatten. „Das Beeindruckende an diesem Ergebnis ist, dass unser Verhalten einen Einfluss darauf hat, was aus uns wird, und nicht nur, wie wir von der Natur oder unseren Eltern ausgestattet wurden“, sagt Marion Spengler von der Universität Tübingen, die Erstautorin der Studie.

Videokonferenz, dann erst Videospiel

Der neuseeländische Lernforscher John Hattie hat in seiner Studie „Lernen sichtbar machen“ (2009) Lerneinstellungen auf ihre Wirksamkeit hin untersucht. Die wichtigsten nennt er „affektive Interventionen“, wie beispielsweise Motivation, Konzentration, Ausdauer und Anstrengungsbereitschaft. In Bezug auf erfolgreiches Lernen misst er diesen Eigenschaften eine hohe Wirksamkeit bei.

An einigen dieser Tugenden kann man direkt ablesen, dass sie im Homeschooling hilfreich gewesen wären. Die Beherrschung des Zeitmanagements hätte bewirkt, dass ein Schüler tägliche Lernzeiten und feste Hausaufgabenzeiten festlegt und penibel einhält. Von Selbstbelohnung könnte man sprechen, wenn ein Schüler angenehme Ereignisse auf die Zeit nach getaner Arbeit aufschiebt: zuerst die Videokonferenz mit der Klasse, dann das Videospiel.

Stille trainieren

Schüler lernen besser, wenn sie in ein geordnetes schulisches Leben und eine ruhige Unterrichtsatmosphäre eingebettet sind. Eine ruhige Lernatmosphäre ist deshalb eine wichtige Produktivkraft im Unterricht. Bis in die 1960er-Jahre gelang es Lehrkräften mühelos, im Unterricht für Ruhe zu sorgen. Ihnen standen eine unhinterfragte Amtsautorität und ein rigides Strafregiment zur Verfügung. Heute muss eine Lehrkraft mit ihrer natürlichen Autorität und mit kommunikativem Geschick für Ruhe sorgen. Sie muss die Schüler so erziehen, dass sie im Unterricht ihre Affekte kontrollieren und ihr Mitteilungsbedürfnis zügeln lernen.

Mein Vorbild für Ruhe während des Unterrichts ist der Konzertsaal. Ich bin immer wieder aufs Neue beeindruckt, wenn ich erlebe, wie 3.000 Menschen in absolute Stille versinken, wenn das Saallicht erlischt und das Bühnenlicht aufflammt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Schüler, denen man in mühsamer Erziehungsarbeit eine solche Stille beigebracht hat, sie nicht mehr missen wollen, weil der Unterricht dadurch für sie eine bislang ungeahnte Qualität gewonnen hat.

Fürsorgliche Belagerung

In meiner aktiven Schulzeit konnte ich mich nur schwer damit abfinden, dass Schüler sehenden Auges ihre Schulkarriere in den Sand setzten. In einer 9. Klasse ärgerte ich mich über einen begabten türkischen Jungen, der wegen seines nachlässigen Lernverhaltens Gefahr lief, den Mittleren Schulabschluss nicht zu schaffen. Fußball war ihm wichtiger als Mathematik. Beim Breakdance zeigte er die Ausdauer, die er beim Lernen von Englisch-Vokabeln vermissen ließ. Ich wollte nicht einsehen, dass er nicht an mangelnder Intelligenz scheitert, sondern an seiner Bequemlichkeit.

Ungefragt drängte ich mich ihm als Lern-Pate auf, fragte ihn ständig nach den Fortschritten in seinen Problemfächern, besorgte mir den Plan der Klassenarbeiten und gewann hilfsbereite Mitschüler zum gemeinsamen Lernen. Um sein starkes Ego zu befriedigen, gab ich ihm den Job des Beleuchters bei den schulischen Theateraufführungen. So vom pädagogischen Eifer des Lehrers bedrängt, schaffte er den MSA und absolvierte erfolgreich eine Lehre bei einer Firma für Theaterbeleuchtung. Jahre später dankte er mir beim Schulfest dafür, dass ich ihm damals, „als er noch dumm war“, wie er sagte, auf die Füße getreten sei.

Ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration

Was Laissez-faire-Pädagogen für eine Form von Zudringlichkeit halten mögen, empfand der haltlose Schüler als erwünschte Zuwendung – mit gutem Ausgang. Im Grund habe ich das nachgeholt, was die Eltern an ihrem Sohn versäumt haben. Ich habe ihm die wichtige Sekundärtugend der Anstrengungsbereitschaft beigebracht. Vom Erfinder der elektrischen Glühbirne Thomas Edison kennen wir das Bonmot, Genie sei ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration. Wenn in unseren Schulen der Faktor Transpiration wieder mehr geschätzt würde, hätten unsere Schüler sicher bessere Lernerfolge.

Rob Schuberth | Fr, 20. August 2021 - 12:09

Wow, endlich mal wieder eines der innerdeutschen Themen um die sich Politiker meist nur in ihren Sonntagsreden kümmern.

Und dann auch noch so ehrlich u. den Finger in viele Wunden legend...Respekt vor diesem Autor, der ja aus der gelebten Praxis kommt.

M. E. wird ein "Heilen" der vielen Missstände in unserem Bildungssystem mind. 20 Jahre, wenn nicht mehr brauchen.
Maßgeblich abhängig übrigens v. d. Anzahl weiterer Zuwanderung meist ungebildeter Goldstücke.

In dem Segment sehe ich Hopfen u. Malz als verloren an.

Die Rahmenbedingungen (= gemeinsame Werte der Deutschen), unter denen sich die genannten Sekundärtugenden nur neu entwickeln könnten, bestehen nicht mehr; denn sie wurden kontinuierlich u. systematisch zerstört.
Die zersplitterte Gesellschaft im heutigen D wird in den nächsten Jahren absehbar noch mehr an Zusammenhalt verlieren, da uns weitere Zuwanderer mit überwiegend muslimischen "Wert-Vorstellungen" ins Haus stehen.

Wenn überhaupt, dann wird es also am ehesten der Islam sein, der in D die entscheidenden Vorgaben für eine Renaissance von Tugenden u. Sekundärtugenden liefert. Es muß ja nicht gleich zugehen wie bei den Taliban. Die Idealvorstellungen des türkischen Präsidenten Erdogan von einem geordneten Staat mit wohlerzogenen Bürgern reichen aus. Heute schon wird dieser Mann von vielen seiner Herkunftsverwandten in D frenetisch bejubelt.
Es ist also nicht unwahrscheinlich, daß im D des Jahres 2040 Erdogans "Tugenden"
herrschen werden - in den Schulen u. ganz allgemein.

sind wir wieder mitten im AfD-Wahlkampf, abseits jeglicher Wertediskussion, um die es doch eigentlich geht. Also um die Frage ob alte, konservative Werte gefördert werden sollten, oder schlicht überflüssig geworden sind.

Und natürlich sind heute andere Werte gefordert als gestern!

Schon gar nicht brauchen wir eine Rückkehr zu preußischem Alltags-Militarismus. Einer Einstellung, die die Deutschen zum Fußvolk des Monarchen gemacht hat - dass dann frohen Mutes und besoffen von der angeblichen eigenen Überlegenheit in ihren eigenen Untergang im 1. WK zog. Oder dass man demokratische Werte verteufelt hat - Hitler hat das Ergebnis mit Dank für seinen Wahnsinn genutzt.

Selbstverständlich muss weniger Gehorsam, mehr Fähigkeit zur eigenen Urteilsbildung gelehrt werden, ergänzt durch eine aufmerksame Begleitung einer engagierten Lehrerschaft.

Aber nein: Sie reden lieber über die drohende Umvolkung, der Islam steht vor der Tür!

Klar, AfD-pur, rechter Flügel. Wie gewohnt.

Tomas Poth | Fr, 20. August 2021 - 12:23

Erst die Arbeit dann das Vergnügen gehört auch dazu.
Es ist seit den Siebzigern vieles verkehrt gemacht worden, nicht nur in der Schule.

helmut armbruster | Fr, 20. August 2021 - 14:05

sein, dass nichts mehr den Lernerfolg fördert als eine gekonnte Motivation, welche beim Schüler das Interesse für die Sache weckt.
Statt sich darauf zu konzentrieren, hat man den Focus auf das soziale Umfeld des Schülers konzentriert, und sich auf anpassungswillige Streber konzentriert, weil diese dem Lehrer keine Probleme machen. Ganz anders als etwa intelligente, aber rebellische Schüler.
Und dazu kommt, dass unser unseliger Föderalismus - Bildung ist Ländersache - es jedem Bildungsminister ermöglicht hat sich auf Kosten der Schüler zu profilieren indem bewährte Methoden abgeschafft und neue, unerprobte eingeführt wurden.

Pädagoge.... es heißt doch jetzt "Lernbegleiter" und das kann jeder Quereinsteiger machen. Es kommt nicht mehr darauf an, die Kinder schlau zu machen, sie sollen ideologisch auf Linie sein. Ein dummes Volk regiert sich besser. Und darauf kommt es an. Gibt es denn noch Industrie und Arbeitsplätze hier? Wird doch immer weniger. Wir sinken...

Manfred Sonntag | Fr, 20. August 2021 - 15:15

Ein hervorragender Artikel! Kurz zusammengefasst kann man es auch mit dem alten Sprichwort "Ohne Fleiß kein Preis!" zusammenfassen. Das Thema Patenschaft bzw. Lernpatenschaft kenne ich noch aus meiner DDR Zeit. Es hat vielen Kindern geholfen. Und der Erfolg vieler Ostdeutscher ist nicht zu übersehen. Nur in den Spitzenpositionen hapert es, aber da sind Sekundärtugenden oder Wissen nicht mehr ausschlaggebend. Da zählt nur noch die Ideologie, die Identitätspolitik, Gender, PC, CC u.s.w. Und von diesen Themen haben viele Menschen "die Nase voll". 40 Jahre betreutes Denken reichen. Kümmert Euch endlich ordentlich um die Schüler, so wie Herr Werner es vorschlägt, damit alle die besten Lebenschancen erhalten, egal woher sie oder ihre Eltern kommen, egal aus welchem Milieu sie stammen. Sie haben es alle verdient. Es eilt! Die Ost-Asiaten sind uns schon enteilt. Oder wurde Gender erfunden um Kinder mit Lern- und Sprachschwächen zusätzlich zu deprimieren und um sie auszusortieren?

Gisela Fimiani | Fr, 20. August 2021 - 15:38

Erinnert sich jemand an den Ausspruch eines Politikers der sagte, dass sich mit Sekundärtugenden ein KZ leiten ließe? Das hatte Folgen…….

Die Aussage: "Mit Sekundärtugenden kann man auch ein kz führen" ist natürlich
total daneben!
Denn es desavouiert nicht die Tugenden, sondern den, der so etwas von sich gibt.

Selbstverständlich können Fleiß, Ordnung, Pflichtbewußtsein,Ausdauer usw. auch für falsche Ziele eingesetzt werden, aber das macht sie deshalb nicht weniger wichtig und nützlich.

Bernd Muhlack | Fr, 20. August 2021 - 16:34

Unsere Tochter hat ein Top-Masterstudium, ist multilingual, lebt, arbeitet seit 2010 in UK.
Studium in Edinburgh, inzw. ein Super-Job in London.
Das liegt nicht daran dass ihre Eltern beide Akademiker sind, sondern daran, dass sie sehr früh wusste, was sie erreichen wollte u was man dazu braucht.
Wir hätten auch Kfz-Meister oder Pflegefachkraft sein können - jeder kann seine Kinder motivieren, sie positiv unterstützen - na ja, fast jeder.
Man sollte streng zwischen Helikopter-Eltern u "Normal-Positiven Eltern" unterscheiden, gell?
Manche Kinder können "alles", andere sind schnell überfordert - so ist das eben.

Ich denke, dass heut zu Tage die Medien einen großen Einfluss auf das Lernverhalten haben.
Man ist erfolgreicher YT oder hält sich für GNTM.
(Mailänder Schuhe, jedoch Odenwälder Füße!).
Die Realität ist anders - hart, rücksichtslos.

Das immense schulische Migrationsproblem wird leider kaum erwähnt, schade.
Ich könnte jetzt ewig schreiben; als Elternteil 2.
Akademiker - na und?

Michael Bahr | Fr, 20. August 2021 - 23:13

Schön, dass der Autor den Wert der Stille im Unterricht anspricht. Ich selbst legte schon als Referendar großen Wert darauf, dass in meinem Unterricht eine ruhige und konzentrierte Arbeitsatmosphäre vorherrschend ist. Zu oft wird in den modischen pädagogischen Strömungen ein solches Bemühen um Ruhe verbal diskreditiert. Da wird dann von Grabesstille, Totenstille oder von Friedhofsruhe gefaselt, um Lehrer, die versuchen, den im Artikel erwähnten Sekundärtugenden zur Beachtung zu verhelfen, als rückständig dastehen zu lassen. Auch der Begriff "Frontalunterricht" ist ein solcher diskreditierender Kampfbegriff.
Es erschüttert mich manchmal, wenn ich während einer Freistunde im Schulgebäude unterwegs bin und vom Gang aus mitbekomme, welches Lärmchaos im Unterricht mancher Kolleginnen oder Kollegen herrscht. Und diese Kollegen schwärmen immer vom kreativen Chaos - das ist ein völlig fehlgeleitetes Verständnis dessen, was den Schülern guttut.

Bernd Muhlack | Sa, 21. August 2021 - 16:24

In reply to by Michael Bahr

Hallo Herr Bahr!

Pantha rei - alles fließt, entwickelt sich weiter.

Jedoch ist nicht jede Entwicklung ein positiver Fortschritt, ein Benefit für jeden, die Gesellschaft als solche. Es ist alles eine Frage des Gewünschten, Gewollten.
Jedoch, wer bestimmt was gewünscht, gewollt ist?
Am Schul-/Lehrsystem toben sich seit Jahrzehnten selbst ernannte Weltverbesserer aus, etwa solche Exemplare wie diese Frau Giffey; no comment.

Die Betroffenen - also die Schüler - sind die Leidtragenden, Opfer dieses ständigen pädagogischen Wandels.
Ganz wichtig sind Schilder wie "Rassismusfreie Schule" neben dem Eingangsportal.
"Klimaneutral" wird auch gerne genommen - gar beides?

"Integrieren und Differenzieren" - Mathe oder Gemeinschaftskunde?
Eher Mathe, denn Differenzieren ist wegen GLEICHHEIT megaout.

Es geht nicht um "preußischen Gehorsam" wie Forist Lenz schreibt, sondern um Wissensvermittlung - dazu bedarf es auch der ruhigen Konzentration, oder?

Lehrer?
Niemals!

Alles Gute Herr Bahr!

Fritz Elvers | Sa, 21. August 2021 - 03:04

und stirbt als Idiot (Charles Bukowski seltenen Momenten).
Die meisten Eltern sitzen spätestens ab 20:00 Uhr vor der Glotze, Hauptsache die Kinder bringen Leistung und machen keine Probleme. So sieht es doch aus.
Ich kann vielen Eltern nur raten, bei sich selbst mit der Erziehung zu beginnen, dann den Hund und mit den Kindern sehr vorsichtig zu sein.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 21. August 2021 - 09:12

sagt der Volksmund. Die Sekundärtugenden müssen von Eltern vorgelebt werden, da gebe ich Herrn Elvers völlig recht. Leider wurden sie abgeschafft und mit zum Teil inhaltlosen Plattitüten ersetzt, die alles wollen und nichts fordern. Im Laufbahnrecht der Beamten steht noch heute, dass Leistung, Eignung und Befähigung Grundlage zum beruflichen Fortkommen sein sollen. Inzwischen gilt das alles nicht mehr. Wer am lautesten schreit und am besten "stolz" seine mangelnde Lebens- Bildungs- und Berufserfahrung präsentiert, hält sich für berufen, in der Politik die Lebensinhalte des Souverän neu zu definieren. Gefakte Doktortitel, Giffey soll ja jetzt auch beim Masterabschluss betrogen haben, geschönte und erdachte Lebensläufe, Lug und Trug bei der Eigenversorgung und das Schmücken mit fremden Federn sind an die Stelle von Ordnung, Fleiß, Betragen und Aufmerksamkeit (Kopfnoten damals ins Hessen) getreten. Und für die, die es nicht wollen/können hat der Staat die Rund um Versorgung parat.

da haben Sie mich mißverstanden. Die sog. Sekundärtugenden sind in der Tat sekundär und trivial, bestenfalls nützlich. Deshalb konzentrieren sich auch die meisten darauf.

Gefakte Doktortitel in Laberfächern sind eigentlich auch irrelevant. Sie zeigen eigentlich nur, dass der Doktorand selbst zum Zitieren zu blöde war.

Wenn der Herr sich lediglich nur um saubere Fingernägel kümmern kann, wird auch das Gescherr nichts lernen , sondern am Smartphon verblöden.

Kinder sind auch eine intellektuelle Anstrengung, man kann nicht alles den Lehrern überlassen, sozusagen als Dienstleister, wie Pizzaboten.