Humboldt-Universität zu Berlin - Zu weiß, zu männlich

Nach anhaltender Kritik will die Humboldt-Universität zu Berlin ihre Galerie von Nobelpreisträgern ab 2020 neu gestalten. Weil die Protagonisten allesamt männlich und weiß sind, sollen künftig Wechselausstellungen stattfinden. Die erste soll heißen: „Humboldtianer*innen mit Zivilcourage“

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Was wohl Humboldt dazu sagen würde? / picture alliance

Autoreninfo

Alexander Grau ist promovierter Philosoph und arbeitet als freier Kultur- und Wissenschaftsjournalist. Er veröffentlichte u.a. „Hypermoral. Die neue Lust an der Empörung“ und „Kulturpessimismus. Ein Plädoyer". Im September erscheint von ihm „Politischer Kitsch. Eine deutsche Spezialität“ bei Claudius.

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Alexander Grau

Das Wesen der Universität, schreibt Wilhelm von Humboldt, „besteht daher darin, innerlich die objektive Wissenschaft mit der subjektiven Bildung, äußerlich den vollendeten Schulunterricht mit dem beginnenden Studium unter eigener Leitung zu verknüpfen (…). Allein der Hauptgesichtspunkt bleibt die Wissenschaft.“

Man kann es auch moderner formulieren: Die Universitäten sollen persönliche Bildung mit objektiver Wissenschaft und die Schule mit dem Studium verbinden. Im Zentrum soll dabei jedoch die Wissenschaft und nichts anderes stehen.

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Maria Fischer | Sa, 2. November 2019 - 09:53

„Doch schon im Hochwasser-Bild von Monet kündigen sich erste Anzeichen eines Klimawandels an.“
Siehe Ankündigungstext und Ausstellung Kunstkammer Rau: Die vier Elemente / Arp Museum Bahnhof Rolandseck
Auch das ist kein Scherz, sondern unter dem Deckmantel der Wissenschaft subventionierte Moral. Wer dafür gebraucht/missbraucht wird, ist inzwischen egal.

Claude Monet
Hochwasser
Öl auf Leinwand
1881

Jürgen Keil | Sa, 2. November 2019 - 10:33

Ja, ja, ich weiß, man soll die DDR nicht mit der BRD vergleichen, weil es heute auch heißt, die BRD ist ein Rechtsstaat und die DDR sei ein Nichtrechtsstaat gewesen. Egal, aber an den Bildungseinrichtungen der DDR konnte der "richtige" Klassenstandpunkt durchaus ausschlaggebend für das eigene berufliche Weiterkommen sein. Entweder man hatte ihn oder man verbarg seine wahre politische Einstellung und sang das Lied der Machthaber im Chor mit. Ausnahmen bestätigen die Regel: also von einigen Spitzenkräften, die einen gewissen politischen Spieleraum hatten, wie zum Beispiel Manfred von Ardenne, mal abgesehen. Die Wissenschaft der DDR war durchdringend ideologisiert. Ansätze dafür meine ich, auch im heutigen Wissenschaftsbetrieb zu erkennen

Wilfried Düring | Mo, 4. November 2019 - 14:58

In reply to by Jürgen Keil

Als Greifswalder, kann ich Ihre Thesen nur bedingt bestätigen. Ich meine: Heute ist es MINDESTENS genauso schlimm. Kleiner Beleg: Zu DDR-Zeiten war der Name unserer alt-ehrwürdigen Universität (1456 gegründet !!!) 'Ernst-Moritz Arndt' nie ein Thema. Arndt war Patriot, Kämpfer gegen die Leibeigenschaft und für die (preußisch-)deutsch-russische Freundschaft - und gut. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hat unsere Universität - gegen den mehrheitlichen Willen der Vorpommern - ihren Namen 2018 abgelegt. Das 'verdanken' wir Professoren, Medien-Leuten und Studenten aus dem Westen! Natürlich kann man Kritik am Franzosenhaß Arndts und der Art seiner Agitation üben. Man sollte aber fragen, warum Arndt diesem Haß seine Stimme lieh. Antwort: Ursache waren die IMPERIALISTISCHEN EROBERUNGSKRIEGE des 'Kaisers' der Franzosen. In Rußland und Spanien fielen zwangsrekrutierte Bauernsöhne aus Bayern, Westfalen, Preußen, Sachsen etc. zu Zehn-Tausenden. Deshalb haßte man 'damals' Frankreich - zu Recht!

Christa Wallau | Sa, 2. November 2019 - 12:35

Was wir erleben, ist der ungeheuerliche Anspruch
selbsternannter Moralwächter, alles nach ihren Maßstäben zu beurteilen bzw. sogar zu verurteilen.
Dabei schrecken sie vor Gewalt nicht zurück.
Vor einigen Tagen konnten wir das bei Luckes Vorlesungsboykott genau beobachten!

Im Bereich der Kunst haben wir gerade erlebt, daß ein großartiges gestalterisches Werk deshalb plötzlich als "unwert" erachtet wird, weil der Maler mit der NSdAP sympathisierte. Ein Ergebnis unter anderem: Frau Merkel hängt Emil Noldes Bild ab!

In der Wissenschaft soll also jetzt auch nicht mehr die Qualität (= die objektive Richtigkeit der Erkenntnisse und Lehrinhalte) das entscheidende Kriterium sein sondern die "richtige Haltung" des Wissenschaftlers.

Oh, mein Gott, rette uns vor diesen arroganten Pharisäern einer links-grün-feministischen Weltanschauung, die Geist und Freiheit töten und die Menschen im Namen ihres total unrealistischen Menschenbildes und ihrer kruden Moralvostellungen unterjochen wollen!

Dr. Roland Mock | Sa, 2. November 2019 - 16:08

Was ist aus meiner Alma Mater geworden? Nie und nimmer hätte ich mir vorstellen können, daß da nach dem Mauerfall erneut verblendete Ideologen das Sagen haben. Was kommt als Nächstes? Direkt vor dem Uni-Gebäude fanden vor 80 Jahren öffentliche Bücherverbrennungen statt.....

Romuald Veselic | Sa, 2. November 2019 - 16:18

des Wissens der Nobelpreisträger niemals verändern. Sie sind alle weiß, nicht bunt. Man kann das Kabinett der Nichtnobelpreisträger auch auf ein prähistorisches Panoptikum verändern/reduzieren, die Nobelpreisträger bleiben faktisch/praktisch unverändert. Hilft keine Quotenregelung der Besserwisser.
Auch Greta T. ist weiß. Sie sucht augenblicklich nach Mitsegelgelegenheit. Was man als couragiert bezeichnen kann.
Ebenso wie alle US-Astronauten oder russische Kosmonauten, die nun mal weiß sind. Man muss sie nicht abbilden, sie bleiben dennoch Raumfahrer. Und weiß.
Zivilcourage kann politisch missbraucht werden und verschieden ausgelegt. Die Gravitation nicht.

Brigitte Simon | Sa, 2. November 2019 - 20:54

"Die Universitäten sollen persönliche Bildung mit objektiver Wissenschaft und die Schule verbinden",
schreibt Herr Grau. Ja, das ist die richtige Ideo-logie. Jedoch in vielen deutschen Universitäten nicht mehr aufzufinden.
In seinem Buch "Der zweite Schlaf" schreibt Robert Harris von einem Dekadenz-Phänomen einer Art tödlicher Überkomplexität. So erlebe ich die deka-dente, im kulturellen Niedergang, die zum Verfall der Kultur führt, begriffene Postmoderne der
GRÜN/LINKEN-Bewegung. Sie verfangen sich in falschen Mythen, die die Menschen immer schwächer und primitiver machen. Auch Robert Harris räumt ein, daß wir "gerade ein Wiederauf-blühen des Fanatischen, der Irrationalität erleben. Die moralmonopolistische GRÜNEN-Ideologie in Verbindung mit dem noch kommunistischen Ge-dankengut der LINKEN sind für mich Schritte ge-gen die Entwicklung der freien Wissenschaft.
Daß diese verwirrten, gefährlichen Geister das Porträt des, aus dieser Universität

Brigitte Simon | Sa, 2. November 2019 - 21:12

Daß diese verwirrten und gefährlichen Geister das Porträt des, aus dieser Universität hervorgegange-nen Nobelpreisträgers, Adolf Butenandt, entfernten ist bedrohlich. Dieses Denken beherrscht längstens
die oberen Ebenen.

Dominik Roth | So, 3. November 2019 - 08:55

Mit der im Widerspruch zum akademischen Diskurs stehenden Moralisierung/Ideologisierung an den Universitäten sind wir in Deutschland nicht allein.

In diesem Zusammenhang empfehle ich den interessanten Fall der Rechtsprofessorin Amy Wax von der University of Pennsylvania zu recherchieren.

Da gilt selbst im großen Land der Freiheit diese nur noch wenn sie sich im allgemein akzeptierten Rahmen bewegt.

Ernst-Günther Konrad | So, 3. November 2019 - 12:05

Sie haben völlig recht Herr Grau. Ich setze ncoh eines drauf. Wird die UNI demnächst umbenannt, weil die Namensgeber offenbar "Frauenfeinde" waren. Muss nicht alles abgeschafft werden, bracht die Wissenschaft doch auch eben einen Herr Buntenandt ehrte und in der Gallerie führt. Überhaupt, sollten nicht alle "weg", die vor hunderten von Jahren das heutige Diversitätsdenken nicht hatten, ja scheinbar zu dumm waren, es damals schon zu erkennen, zu denken und sich dafür einzusetzen. Ideologien 2019 schaffen Geschichte in Teilen ab, wollen sie neu erzählen, gendergerecht und divers. Wir sind doch schon stramm auf dem Weg der politischen Wissenschaft, sieht man zur UNI HH und Lucke oder auf die bezahlten Klimaforscher und Gutachter, die wie bestellt und bezahlt, kritiklos das behauoten, was gerade politisch opportun ist. Wissenschaft heute heisst politisch angepasst, links-grün ideologisiert und denen dienend, die sie bezahlt. Wo hat das hingeführt? Lucke darf nicht lehren, nur mit Schutz.

Wolfgang Tröbner | Mo, 4. November 2019 - 08:15

Um Wissenschaftler, die nachgewiesenermaßen herausragende wissenschaftliche Leistungen vollbracht haben, an einer der (bislang) renommiertesten deutschen Universitäten zu ehren? Und nur weil sie weiß und männlich sind, dürfen ihre Portraits an dieser Uni nicht mehr gezeigt werden? Mir scheint, der rot-grüne Genderirrsinn macht vor nichts mehr Halt. Wer, bitteschön, hat denn die Wissenschaft und damit den Fortschritt des letzten halben Jahrtausends entscheidend geprägt, wenn nicht die alten weißen Männer? Wem, bitteschön, haben wir denn die bahnbrechenden wissenschaftlichen Leistungen zu verdanken, die seit etwa 100 Jahren mit dem Nobelpreis gewürdigt werden? Frauen und nichtweiße Männer haben es doch seit Jahrzehnten selbst in der Hand, mit wissenschaftlichen Höchstleistungen zu glänzen. Wer hindert sie daran? Dann müssen sie sich eben mit wirklich relevanten Problemen der Menschheit befassen und nicht mit den Themen, denen sich z.B. Frau Dr. Giffey in ihrer Dissertation widmete.

Dr Manfred Uhlitz | Mo, 4. November 2019 - 09:09

Man sollte in Erinnerung behalten, dass die Studenten und Professoren der Berliner Universität aufgrund des kommunistischen Drucks in die Westsektoren auswichen, so dass die Freie Universität die Nachfolgerin der Friedrich-Wilhelms-Universität ist. Die Humboldt Universität muss sich deshalb überhaupt nicht mit den 29 Berliner Nobelpreisträgern beschäftigen!

gabriele bondzio | Mo, 4. November 2019 - 09:59

Der unabhängige Geist der Wissenschaft ist seit Jahren auf dem Rückzug. Sehr gut zu sehen im Bereich der Sozialwissenschaften (siehe Gender Mainstreaming).Erkenntnisgewinn steht nicht mehr an erster Stelle. Gleichheitsideologien werden über Maß gefordert. Überall bemüht man sich im hohen Maß, „latenten Rassismus“ zu entdecken. Verbunden mit einem stetig-wachsenden Bildungsniedergang in DE, der das Konzept des Hinterfragens ausschalten soll. Stigmatisierung von Andersdenkenden über vorgebliche "Rechtslastigkeit" ist sehr beliebt (siehe Lucke) an an den Unis und Hochschulen. Diejenigen, die Haltung (statt Wissenschaft) abliefern, werden bevorzugt gefördert. Ein Teufelskreis im wahrsten Sinn, hinsichtlich der Besetzung wichtiger Positionen und der Fortführung unabhängiger-wissenschaftl. Entwicklung des Landes.

Sonja Schweinitz | Mo, 4. November 2019 - 11:32

Anlässlich dieser (Fehl-)Entwicklungen an der Humboldt-Universität wie auch des skandalösen Umstands, dass Prof. Bernd Lucke nur unter
massivem Polizeischutz seine Vorlesungen an der Uni Hamburg halten kann, frage ich mich, ob es in unserem Staate bald wieder soweit ist, dass Studienplätze und Professuren v.a. nach dem Grad der politischen Systemtreue und des Opportunismus vergeben werden statt nach wissenschaftlicher und intellektueller Eignung und Leistung, nach Parteibuch statt Zeugnis. Wenn einseitige Politik, "Moral" und eine vorgeschriebene Gesinnung bald wieder alle Lebensbereiche durchdringen und mit Gewalt(androhung) durchgesetzt werden, bis ins Bildungswesen und die angeblich "freie" Wissenschaft, sind dies die Anfänge eines totalitären Systems der Unfreiheit und des intellektuellen, demokratischen und letztlich auch wirtschaftlichen Niedergangs. Die DDR lässt grüssen.

Ich muss zugeben liebe Frau Schweinitz, Ihr Kommentar hat mich am meisten angesprochen! Aber auch nach eigenen Überlegungen dazu am meisten beunruhigt.
Aufgrund durchgehend westlich geprägten Erfahrungsschatzes in meiner Jugend, der Hochzeit des RAF-Terrors und den Auswirkungen auf die Gesellschaft, sehe ich unangenehme Parallelitäten. Auch die Entstehung und Entwicklung dieser linken Terrororganisation,die sich wie im Nachhinein bekannt wurde der tatkräftigen Unterstützung der SED und ihrer Dienste erfreuen konnte,begann bzw. wurde damals angesehen als ein sogenanntes "Elitenproblem",was seine Wurzeln in der Studentenschaft, linken Kommunen usw.hätte. Damals gab es aber Politiker und auch eine viel breitere sowie konservativere Leistungsgesellschaft,die sich dagegen verwahrten mit dieser Art Gewalt das bestehende System stürzen zu lassen.
Man sollte Gewaltanwendungen nicht vergleichen,aber Ähnlichkeiten nicht außer acht lassen nach dem Motto: Das waren doch ganz andere Zeiten !"

Carsten Wolff | Mo, 4. November 2019 - 15:37

"Weil die Protagonisten allesamt männlich und weiß sind, sollen künftig Wechselausstellungen stattfinden. Die erste soll heißen: 'Humboldtianer*innen mit Zivilcourage'"

Man könnte meinen, dass es sich um eine Realsatire handeln würde. So in etwa wie beim Gedicht der "Alice Salomon Hochschule", welches übermalt wurde und da lautete: "Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer"

Die Argumentation zur Entfernung des Gedichtes, dürfte sich nicht großartig von der Kritik "alter, weißer Männer" unterscheiden. Sie lautet: „eine erinnerung daran, dass objektivierende und potenziell übergriffige und sexualisierende blicke überall sein können“

Ist das noch normal?