Plagiatsverfahren rechtswidrig - „Giffey hätte der Doktortitel entzogen werden müssen“

Ein vernichtendes Gutachten im Auftrag der Berliner CDU stellt fest: Die Freie Universität Berlin hätte in der Causa Giffey keine Rüge aussprechen dürfen, das Vorgehen des Prüfgremiums war rechtswidrig. Der Anwärterin auf das Amt des Berliner SPD-Vorsitzes droht ein neues Verfahren.

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Wird ihre Plagiatsaffäre so schnell nicht ad acta legen können: Bundesfamilienministerin Franziska Giffey / dpa

Autoreninfo

Johanna Jürgens hospitiert bei Cicero. Sie studiert Publizistik und Literaturwissenschaft an der Freien Universität Berlin. Zuvor arbeitete sie als Redaktionsassistenz beim Inforadio des RBB.

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Das Plagiatsverfahren gegen Franziska Giffey war rechtswidrig. Die Freie Universität Berlin, an der die Bundesfamilienministerin promovierte, hätte Giffey keine Rüge erteilen dürfen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Juristen Prof. Klaus Gärditz, Professor für Öffentliches Recht der Universität Bonn, für die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, das Cicero vorliegt. 

Im vergangenen Jahr hatte der Präsident der Freien Universität Berlin Franziska Giffey eine Rüge erteilt. Die Begründung: Die festgestellten Mängel würden keine Entziehung des Doktortitels rechtfertigten. Bereits damals sorgte die Entscheidung der Berliner Hochschule für Kritik von Plagiatsexperten. 

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Michael Seidel | Mi, 28. Oktober 2020 - 16:25

Wenn die Uni zu einer solchen Einschätzung im Fall Giffey kam, wirft das m.E. grundsätzlich die Frage auf, welche Promotionsmaßstäbe generell vn der FU praktiziert werden.

Robert Müller | Do, 29. Oktober 2020 - 09:41

In reply to by Michael Seidel

Ich denke einen Doktortitel braucht es außerhalb der Forschung nicht. Wenn dorthin trotzdem diese Titel vergeben werden, dann aus politischen Gründen. Soll heißen, solche Doktorarbeiten sollten gar nicht erst begonnen werden. Die andere Frage ist warum Sozialdemokraten einen Titel wollen? Als Vertreter der Arbeiter, meine ich. Das ist doch eher ein Beleg dafür, dass man es aus dem Arbeiterstand heraus geschafft hat und nun ein Geistesarbeiter ist. Wobei ich Politiker dazu eigentlich nicht zählen würde. Politik ist für mich eher ein Handwerk, da man mit von anderen vorgefertigten Produkten arbeitet: Politiker sind in der Regel nicht innovativ.

Holger Jürges | Mi, 28. Oktober 2020 - 16:58

Aus allen vorliegenden Tatsachen lässt sich nur eine Schlussfolgerung ziehen: Doktortitel weg und folgerichtig Giffey weg von allen politischen Ämtern.

Absolut richtig. Giffey hat nichts in öffentlichen Ämtern zu suchen.
Lügen und betrügen - ein feines Bild, was diese Frau und ihr ebenfalls in gleicher Hinsicht schon negativ aufgefallener Ehemann (Spesenbetrug), hier als angebliche 'Vorbilder' abgeben, obwohl man fast beginnt zu glauben, das betrügen zum politischen Handwerk gehört...

helmut armbruster | Mi, 28. Oktober 2020 - 17:22

der Schulabschluss und das Abitur haben nicht mehr denselben Stellenwert wie einst.
Und einige akademische Titel auch nicht.
Jemanden mit Doktortitel als Herr / Frau Doktor anzureden - wie es der gute Ton verlangt - kann man sich in Zukunft wohl schenken.

Bernd Muhlack | Mi, 28. Oktober 2020 - 17:29

Nun ja, die Franziska ist wohl die letzte Hoffnung der SPD, also lasst ihr doch diesen Titel.
Wer "gute-Kita-" und "starke-Familien-Gesetze" vom Stapel lässt, der ist doch auf Abkupfern gar nicht angewiesen.
Darauf kann nur eine Frau Dr. Giffey selbst kommen.
Dann auch noch der Zores mit den falschen Abrechnungen ihres Ehemannes; Beamtenstatus und Pensionsansprüche wohl ade.
Dumm gelaufen, gell?

Soll sie wieder nach Berlin zurück gehen, dort kann selbst sie nichts mehr kaputt machen.
Statt dessen wollen ja die kongenialen Berliner Genossen Müller, Kühnert sowie Frau Chebli in den Bundestag.
Leute dieses Kalibers fehlen dort - nicht wahr?

Eine rechtswidrige, im Verfahren nicht vorgesehene Rüge?
Leute, Peanuts, Petitessen!

Unsere Kanzlerin rief aus Afrika "Ungeheuerlich, rückgängig machen!" und Prof. Dr. Lauterbach, der Herr der Fliegen, will jetzt Privatwohnungen überprüfen lassen!
Soviel zum Vorwurf "Staatsfeinde, Demokratiezersetzer".

My home is my castle!
Art 13 I GG

Ernst-Günther Konrad | Mi, 28. Oktober 2020 - 17:46

ist doch inzwischen weit verbreitet in der Politik und natürlich auch in den parteipolitisch gesteuerten Gremien. Dass die Rüge formal zu beanstanden war, hat auch jeder Laie schon damals erkannt. Dass die Rüge dazu diente, eine "chancenreiche und einflussreiche" Politikerin zu schützen hat auch der Dümmste gemerkt.
Betrug bleibt Betrug. Ob wegen 5 € oder 1 Million. Plagiate bleiben Plagiate. Ein- oder zweimal eine Quelle vergessen, kann überlesen und übersehen werden. Aber eine solche Anzahl als Bagatellfall einzustufen ist eine Schande. Neben der Aberkennung gehört da ein Betrugsstrafverfahren eingeleitet. Aha. Da war also ein Gremium tätig, in dessen Zuständigkeit die Beurteilung gar nicht gehört. Deutlicher kann nicht festgestellt werden, das hier gemauschelt wurde. Ihr Mann ein Betrüger und die Frau zugleich. Die Kinder können einem Leid tun, denn die werden sich ggfls. einiges in der Schule anhören müssen. Tolle Vorbilder die Giffeys.
Jetzt muss endlich eine neue Prüfung her.

gabriele bondzio | Mi, 28. Oktober 2020 - 18:22

Bei den Rechtsverstößen die in DE unsanktioniert bleiben, ist Giffey sicher nur ein kleinerer Fall. Es wäre aber allen anderen Personen, die den Doktorgrad abgeben mussten, ungerecht gegenüber. Ich las jedoch beim Tagesspiegel, von einer klaren Situation, bei dem das FU-Präsidium eigentlich den Doktorgrad hätte entziehen müssen. Wenn es juristisch klar ist, hätte in diesem Fall, die TU auch einen Ruf zu verlieren. Berlin macht vieles möglich und sich dabei unmöglich. Giffey ist auch keine x-beliebige Person und greift nach dem Bürgermeisteramt von Berlin.
Jedoch fragt man sich, warum solche Sachen immer wider aufgewärmt auf den Tisch kommen.
Ist es zu viel verlangt, gleich Klarheit in die Sache zu bringen?

„Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.“ ( Antoine de Saint-Exupéry )

Romuald Veselic | Mi, 28. Oktober 2020 - 18:40

Andreas Scheuer mit LKW-Maut vs. Franziska Giffey und ihr Doktortitel. Damit schließt sich der Kreis. Und es bleibt alles beim Alten. Zugegeben; augenblicklich gibt's andere "Sorgen".
Aktuell aus Vorgestern, als die Russen Terroristen in Idlib bombardierten, wurden fast 80 Schergen getötet. Da sie von TR alimentiert werden, war dies ein Ausgleich auf den Umwegen, zum TR-Angriff einige Tage davor, als TR-Drohnen für Aserbeidschan, die armenischen Stellungen angegriffen hatten, mit ebenso vielen Toten. Eine nonverbale Sprache, die man in allen Kulturen, ohne Übersetzer klar versteht.
Deshalb: Grinsen und Tee trinken.
PS Wie gut, dass Karl-Theodor zu Guttenberg, inzwischen den Plagiat freien Doktortitel in der Tasche hat. Eine sehr elegante Lösung. Kann man immer nachholen. Ich versuche auch einen Doktortitel zu ergattern auf dem Ebene Doctor humoristicae humanun - Dr. hum. hum. Wo kriegt man sowas?

Wolfgang Tröbner | Mi, 28. Oktober 2020 - 18:42

Schon seit langem war ja bekannt, dass die Dissertation von Giffey von Plagiaten nur so strotzt (und zwar weit mehr als im Falle von Herrn zu Guttenberg) und dass die Arbeit unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten Müll ist. Dass die Freie Universität Berlin selbst dann noch Giffey den Rücken stärkte und ihr den Titel nicht entzog, sondern nur eine Rüge aussprach (was eigentlich an einer normalen Uni überhaupt nicht vorgesehen ist), ist ein Skandal sondergleichen. Und ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die jahrelang für diesen Titel gearbeitet haben. Werden verdiente Genossinnen eigentlich anders behandelt und beurteilt als Otto Normalverbraucher? Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Jeder möge sich seinen eigenen Reim darauf machen. Giffey sollte soviel Mumm haben, den Titel von sich aus abzugeben. Sie hat ihn einfach nicht verdient.

Lieber Herr Tröbner, auch wenn ich nur in einem gewissen Maß gläubig bin. Sage ich jetzt mal spontan:"Gott erhalte ihnen ihren Glauben in das Gute im Menschen".

Christoph Kuhlmann | Do, 29. Oktober 2020 - 10:20

erheblich. Wer entscheidet denn über den Aus- oder Abbau einer Fakultät. Wer über die Vergabe von Forschungsgeldern. Machen wir uns doch nichts vor, sowohl bei den Inhalten als auch bei der Vergabe von Titeln gab und gibt es politische Kriterien. Das es überhaupt zu diesen Skandalen kommt spricht für eine funktionierende Selbstreinigung des Systems unter formalen Gesichtspunkten.

Ingo Kampf | Do, 29. Oktober 2020 - 22:12

Frau Giffey hat den idealen Zeitpunkt zur Rückgabe ihres Titels verpasst. Vielleicht auch, weil dann die Doktormutter und mit ihr die FU beschädigt worden wäre. Frau Giffey möchte „Regierende“ von Berlin werden. Meines Erachtens kann sie sich das abschminken. Sie würde das Amt nur belasten. Frau Merkel wird bis zum Ende der Legislatur nichts machen. Frau Giffey darf wieder dem Kabinett angehören und das war es dann für sie. Die SPD wird in Berlin und im Bund so marginalisiert werden, daß Ersatzpöstchen für Frau Giffey Mangelware sind. Und ganz berlinerisch: Das ist auch gut so!