Die Krise der FDP - Die Liberalen sind nostalgisch, nicht innovativ

In keiner anderen Partei entfaltet sich die Sehnsucht nach der alten Bonner Republik so sehr wie in der FDP. Gegen diese Nostalgie wäre nichts zu sagen, wenn die Liberalen nicht zugleich digitale Innovation und Fortschrittsglauben vortäuschen würden.

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Früher war alles besser: Cindy und Bert 1975 am Flughafen Tegel, im Hintergrund ein FDP-gelber VW Bulli / dpa

Autoreninfo

Marko Northe leitet die Onlineredaktion von cicero.de. Zuvor war er Teamleiter Online im ARD-Hauptstadtstudio und Redakteur bei der "Welt". Studium in Bonn, Genf und Berlin sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 

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Marko Northe

Als der neue Flughafenkomplex in Berlin-Tegel 1974 eröffnet wurde, galt der Airport als einer der modernsten der Welt. Vom Taxi bis zum Check-In in 20 Metern, ein Traum für Vielflieger, wie Architekt Meinhard von Gerkan selbst schwärmte. Das geniale Sechseck stand für den technischen Vorsprung der Bundesrepublik an der innerdeutschen Grenze, ohne dabei protzig zu wirken, sondern dezent und freundlich. 

1974 ist lange her. Helmut Schmidt war gerade Bundeskanzler geworden und führte eine sozialliberale Koalition an. Inzwischen steht der Flughafen Tegel vor der Schließung, Helmut Schmidt ist gestorben, die SPD kurz vorm Kollaps, der nur dadurch aufgehalten wird, dass sie Teil der Bundesregierung ist, und die FDP verschwindet in der politischen Bedeutungslosigkeit. 

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Tomas Poth | Mi, 8. Juli 2020 - 15:20

FDP oder freiheitlich liberale Partei. Wo ist da das Freiheitsprofil zu erkennen??
Die FDP schlingert im RotGrünen Mainstream mit, das ist alles, von wegen zu weit rechts!
Die Absage an der Beteiligung einer Merkelregierung war konsequent, der Weg hätte weitergegangen werden müssen, Paukenschlag um Paukenschlag für die Werte der Freiheit.
Das hätte aber auch bedeutet gegen den medialen Mainstream standhalten.
Die Kraft fehlt der FDP, also ab in die Versenkung, wer nicht die Fahne der Freiheit hoch halten kann.

Stimme Ihnen komplett zu Herr Poth. Was haben wir hier im Forum aus unterschiedlichsten Blickwinkeln zum Thema FDP kommentiert. Ähnlich, wie bei der SPD auch. Die leiden Borderline und sind auf dem Weg der Selbstzerstörung.
Ein Lindner macht noch keinen Sommer. Die Einmann-Show mag zu Beginn gezogen haben, das war es dann aber. Stattdessen wird einer hinausgeworfen, weil er andere Meinungen in seiner Partei vertritt. Also auch da nichts anderes, wie bei allen anderen auch.
Die personelle Schwäche sich gegen die Medien zu einer klaren liberalen Meinung durchzuringen und diese zu vertreten erkennt ein blinder mit Krückstock. Die ehemaliger Genscher Partei gibt es nicht mehr.
Braucht man die noch? Ne, kann weg.

Klaus Peitzmeier | Mi, 8. Juli 2020 - 16:22

Nachdem ich Ihren Beitrag laß, habe ich nochmal auf`s Datum gesehen. Der CICERO streut ja manchmal alte Beiträge aus Vorjahren ein.
Ihre Vorhaltungen mit der Mövenpick-Steuer (aus 2009), Teppichgeschenke (2012) u Kai Diekmann Umarmung (2013) sind so alte Hüte, die sind ja schon wieder modern. Siehe Mehrwertsteuer Reduzierung für Hotelübernachtungen (Mövenpick-Steuer).
Und nicht in eine Frustrationskoalition mit den Grünen zu gehen, war doch absolut richtig. Die FDP muß viel entschiedener für Bürgerrechte eintreten u gegen diesen Grünen Kinderkram u überzogene Klimahysterie. Gegen die fatale EU Schuldenvergesellschaftung, gegen kriminelle Clans u kriminelle Islamisten u Migranten.
Wenn sich die FDP deutlich gegen die SPD u GRÜNEN positioniert, muß sie sich wg der 5 % Hürde keine Gedanken machen. Aber konsequent muß es sein u nicht lauwarm. Gegen Lindner habe ich gar nichts. Und das mit den Brioni Anzügen waren Schröder u Fischer. Nicht Lindner.

Die FDP soll entschieden für Bürgerrechte aber gegen Migranten eintreten, was ist das denn für ein Schwurbel? Welche Bürgerrechte sind denn konkret gemeint - Vergesellschaftung von Umwelt- und Gesundheitsschäden durch Fleischfressen, Autofahren, Fliegen und das Herabstufen von Migranten zu Menschen 2. Klasse zählt nicht zum klassischen Kanon.

Sehr geehrter Herr Andreas, lassen Sie uns beide den Kommentar nochmals lesen. "Gegen Migranten" kann ich da nicht erkennen. Bewusster oder unbewusster Lesefehler? Im Übrigen zeugen solche stark abwertenden (und sich selbst damit aufwertenden) Begriffe wie "Fleischfressen" von einem gewissen Hang zu ideologiegeleiteter Unsachlichkeit.

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 8. Juli 2020 - 16:30

Warum kann „konservativ“ nicht „innovativ“ sein? Schließlich ist unser Land mit den konservativen Werten Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Qualität zu dem geworden, was es war. Das Handwerk und der Mittelstand haben großen Anteil daran. Die „Innovation“ der 68er hat diese Werte über Bord geworfen und hat die „Beliebigkeit“ zur neuen Tugend erhoben.
Inzwischen ist auch die CDU so „modern“ geworden, dass sie problemlos als neue sozialistische Partei durchgehen könnte. Eine FDP, die dieses Spiel nicht mitmacht, wird von den öffentlichen Medien als „rechts“ und „altbacken“ bezeichnet. Nicht alles, was Medien veröffentlichen, muss richtig sein. Handwerk und Industrie richten sich an den Wünschen der Kunden aus, wollen sie verkaufen. Das muss staatliche Regulierung nicht, wie man am Absatz der „innovativen E-Autos“ erkennen kann und mit denen allein kein Autobauer überlebt, selbst Tesla nicht.

Joachim Brunner | Mi, 8. Juli 2020 - 20:27

Für die FDP ist heute leider keiner den Fortschritt bejahender Partner mehr verfügbar:
In den oben beschriebenen 70ern war eben die SPD nicht rein an Funktionärsinteressen sondern ganz klar an den Interessen der "Normalos" orientiert. Und dazu gehört der Einsatz das diesen der Zugang zu den Errungenschaften der industriellen Zeit ermöglicht wurde. Einen politschen Einsatz dafür brauchen wir heute dringender als je zuvor! Natürlich muss das unter den heutigen Möglichkeiten geschehen. Was bitte soll daran "nostalgisch" sein?
Der ideologisierten Abschafferei der wichtigsten technologischen Errungenschaften durch die omnipräsente Weltuntergangspropaganda muss doch ein seriöser Vertreter etwas entgegensetzen.
Die SPD begreift's offensichtlich nicht, also weshalb nicht die FDP!
Die Verweigerung der Koalition mit den Grünen muss man Herrn Lindner hoch anrechnen. Da gab es eben doch eine inhaltliche Verlässlichkeit statt strategischer Beliebigkeit!

STEFAN KREPPEL | Mi, 8. Juli 2020 - 23:28

Nun ja, Tegel fuhr, zumindest vor Krise, Gewinne ein, BER wird auf absehbare Zeit Geld kosten. Wer in der Region München wohnt, schätzt zwar den wohl weltweit schönsten Flughafen, doch die Aussenlage, ähnlich BER, macht die Erreichbarkeit auch nach über 20 Jahren mühselig. Außerdem, wenn doch wegen des Klimawandels Flüge verboten werden sollen, wofür benötigen wir dann noch neue Grossflughäfen. Tatsächlich war BER von Beginn an ein unsinniges Projekt. Die Drehkreuze bleiben München und Frankfurt. Tegel hätte modernisiert werden können. Wesentlich günstiger als der katastrophale Neubau. Für Berlin hätte er weiterhin gereicht. In Wahrheit muss Tegel geschlossen werden, da BER ansonsten keine Bedeutung bekämen. Fluggäste und Fluggesellschaften würden nicht wechseln. Man muss sie zwingen. Darf man das diskutieren ohne gleich wieder diffamiert zu werden? Ach doch, es handelt sich ja um die FDP. Da muss man ja draufhauen. Das ist journalistische Pflicht

Fritz Elvers | Do, 9. Juli 2020 - 14:38

Mittlerweile scheint der Rausschmiß von Dissidenten ja in Mode gekommen zu sein, insbesondere, wenn sie erfolgreich sind und die Macht der Führung gefährden. Eine gefährliche Entwicklung innerhalb der demokratischen Parteien.

Der Twitter-Film ist zum Wegschreien, gut kommentiert.