Streit um Kosten für Polizeieinsätze in Bundesliga - Fußball ist kein Menschenrecht

Jedes Jahr müssen die Bundesländer mehr als 90 Millionen Euro für Polizeieinsätze bei Spielen der Bundesliga bezahlen. Ist es fair, dass die Vereine die Gewinne der lukrativen Spiele einstreichen, die Sicherheitskosten aber der Allgemeinheit aufbürden?

Zu Rangeleien zwischen der Polizei und linken Gegendemonstranten kommt es am 25.10.2015 in Köln (Nordrhein-Westfalen). Die Gruppierung "Hooligans gegen Salafisten" ("Hogesa") demonstriert in Köln, während mehrere Gegendemos und Veranstaltungen angemeldet sind. Die Polizei rechnet mit bis zu 23.000 Teilnehmern insgesamt.
Weil sich Fußball-Fans nicht benehmen können, muss die Polizei ausrücken – auf Kosten der Steuerzahler / picture alliance

Autoreninfo

Christoph Schwennicke ist Chefredakteur des Magazins Cicero.

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Eines vorweg: Ich mache mir nichts aus Fußball. Ich finde diesen Sport unattraktiv und unterm Strich langweilig. Das ganze Jahr starren alle auf Tabellen, und am Ende ist Bayern München Meister. Oder mal Dortmund. Vertane Lebenszeit. Aber ich gönne allen ihre Freude an diesem Sport. Den Amateuren den Spielspaß auf dem Platz, den Profis das viele Geld auf dem Konto – und den Zuschauern ihr Erlebnis auf der Tribüne. Auch den Vereinen gönne ich jeden sportlichen und wirtschaftlichen Erfolg. Neulich saß ein kleiner Junge neben mir im Ski-Lift, der hatte „FC-Bayern“-Ski am Fuß. Habe ihn dazu beglückwünscht. Er ist fast auf dem Lift gefallen vor Stolz. Meinetwegen soll das Merchandising auch noch Kondome und Vibratoren umfassen. Wer's gerne in den Vereinsfarben rot-weiß hat: Bitte schön. 

Was mich aber schon lange ärgert: Dass diese großen Fußball-Wirtschaftsunternehmen, teilweise börsennotiert und milliardenschwer in den Jahresumsätzen und ertragreich in der Umsatzrendite, jeden Spieltag aufs Neue von der Allgemeinheit subventioniert werden. Material- und personal-intensive Polizeieinsätze sind erforderlich, um die teilweise gewaltanfälligen Spektakel in den Stadien zu sichern. Jedes Wochenende sind militärartig lange Polizeikonvois auf deutschen Autobahnen unterwegs, um in München oder Dortmund oder Hamburg zusätzliche Kräfte vor Ort zu haben. Doch sogar die reichen manchmal nicht aus, um Gewaltexzesse abzuwenden. 

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Bernd Schiebener | Mi, 27. März 2019 - 08:38

Die Fußball - Millionäre müssen halt mal alle zusammen Kohle in die Kollekte schmeißen und die Bullen ordern. Ich muss einen Bodyguard auch selbst bezahlen.

Jürgen Lehmann | Mi, 27. März 2019 - 08:53

Mein Urteil steht fest:
alle über dem „üblichen“ Rahmen stehenden Kosten haben die Vereine zu tragen.
Wobei die Frage besteht, ob auch der "Rahmen" von 200 bis 250 Beamte bei einem Bundesligaspiel erforderlich ist.

Es ist auch ein trauriges Zeichen, dass eine Entscheidung – wie im Spiel Bremen/Hamburg – VIER JAHRE benötigt bis zur Urteilsverkündung. Wer trägt diese Kosten?

das sehe ich wie Sie Herr Lehmann. Üblicher Rahmen ist Verkehrsregelung. Darüber hinaus wegen der Holligans, das muss gezahlt werden. Vielleicht greifen dann die Vereine bei den Berufsrandalierern mal durch. Ich schaue gern Fußball und hoffe das BVerwG urteilt entsprechend.

Dorothee Sehrt-Irrek | Do, 28. März 2019 - 10:10

In reply to by Ernst-Günther Konrad

besonderen Schutz gibt und von wem das bezahlt wird?
Ich wäre schon auch für eine breite Diskussion um Verhältnismäßigkeit.
Wie ist das bei Festivals?
Gipfeln...?
Der Fussball in Deutschland wird von Millionen Menschen getragen, die auch Steuerzahler sind.
Wenn gegen Auflagen verstossen wird, scheint mir jedoch Haftung unausweichlich.
Ausserhalb der Grundstücke der Vereine selbst, befassen wir uns aber mit gesellschaftlichen Problemen?
Spielt das eigentlich auch eine Rolle bei den Schülerdemonstrationen, dass sie in der Schulzeit vonstatten gehen MÜSSEN, da die Schüler sonst nicht versichert sind?
Schule wird auch aus Mitteln der Allgemeinheit finanziert.
Wie gesagt, demonstrierende Schüler sind okay, aber gezielte politische Einflussnahme durch Minderjährige sprengt evtl. den schulischen Rahmen und sollte staffelmäßig an die Politik weitergegeben werden.
Das ist das Prinzip unserer parlamentarischen Demokratie, dass Politik nicht mit Massen verhandeln muss, aber mit Greta

Ja, Frau Sehr-Irrek, das weis ich. Ob Semperoper, Presseball, Ball des Sports, überall wird polizeilich hochgefahren. Nicht wegen der bösen Menschen im Publikum, sondern weil sog. Promis Schutz brauchen und weil latent immer die Gefahr herbeigeredet wird, es könnte ja was passieren. Überall wird wegen der Promis und Politiker die an solchen Events teilnehmen fast schon der Ausanhmezustand erklärt, nicht immer aber bekommt es der normale Bürger mit. Wenn es keine Zwischenfälle gibt, berichtet darüber niemand. Und wer zahlt? Wir alle.

gabriele bondzio | Mi, 27. März 2019 - 09:17

ist ja nicht nur im Fußball zu Hause. Was für den braven Bürger gilt, wer eine Party veranstaltet, muss sie auch bezahlen.
Gilt bisher auch nicht bei Fußball-Wirtschaftsunternehmen.
Ich teile ihre Ansicht, Herr Schwennicke, dass hier eine Änderung notwendig ist. Schließlich trifft es keine Armen.
Ansonsten stört es mich überhaupt nicht, was sie einnehmen und in Spieler investieren. Ob es dann noch was mit Sport zu tun hat, oder eher eine große Show genannt werden müsste, ist eine andere Frage.

Tonicek Schwamberger | Mi, 27. März 2019 - 09:51

... Herr Schwennicke, Sie sprechen mir aus dem Herzen. - Leider ist die Seite hinter den roten lettern " nichts aus Fußball " nicht abrufbar. - Ansonsten bin ich absolut Ihrer Meinung und kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich sehe, was da jedes Wochenende passiert. Und ja, ich mache mir auch nichts aus Fu0ball . . .

Online-Redaktion | Mi, 27. März 2019 - 14:48

In reply to by Tonicek Schwamberger

Sehr geehrter Herr Schwamberger, 

danke für den Hinweis! Wir haben den Link erneuert. 

 

Mit freundlichen Grüßen 

Antje Hildebrandt 

Hans Jürgen Wienroth | Mi, 27. März 2019 - 10:38

Ich kann Ihre Forderung nach Kostenübernahme der Polizeieinsätze durch die Vereine oder besser die Fußballligen nur unterstützen. Ich bin allerdings kein Befürworter privater „Ordnungsdienste“ bei den Fussballspielen. Diese können die Polizeibeamten nur bedingt ersetzen, weil sie keine entsprechenden Rechte besitzen. Die entsprechenden Stellen wurden trotzdem bei der Polizei abgebaut. Kommt es z. B. zu Schlägereien muss wieder die Polizei eingreifen, ohne entsprechende Kapazitäten zu haben. Damit verteilen sich auch die Überstunden für Sondereinsätze auf immer weniger Beamte. Mit dem eingenommenen Geld könnten die Länder neue Stellen finanzieren. Das gilt im Übrigen nicht nur für den Fußball sondern auch für andere Veranstaltungen wie Großdemos, Flashmobs etc.
Wir sollten uns andererseits alle die Frage stellen, warum es in unserem „Gesellschaftsmodell“ zu einer Zunahme exzessiver Gewalt und Verrohung kommt.

Jürgen Scheit | Mi, 27. März 2019 - 16:13

In reply to by Hans Jürgen Wienroth

Voll einverstanden mit Herrn Schwennicke und Ihrem Kommentar. Ergänzend dazu wäre es absolut notwedig, das Verursacher-Prinzip auch auf jedwede mit Gewalt begleitete Protestaktionen wie z.B. bei G20 in Hamburg oder Atommülltransporten (Anketten an Gleise,etc.) konsequent anzuwenden, indem die betreffenden Veranstalter und alle im Verlauf der Gewaltaktion polizeilich Festgenommenen für den aussergewöhnlichen Polizeiaufwand in finanzielle Haftung - ersatzweise Gefängnisstrafe - genommen werden. Bei ausnahmsloser Anwendung dieses Prinzips dürfte den allermeisten dieser Chaoten der Spass an solchen Gewalt-Happenings vergehen. Zum Vergleich: Jeder geblitzte Autofahrer wird ja auch gnadenlos zur Kasse gezwungen, selbst wenn absolut keinerlei Gefährdung anderer vorliegt. Aber: die politischen Ausreden und angeblich nicht vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten zur Umsetzung dieses Verursacher-Prinzips kann ich mir schon jetzt bestens vorstellen: Wo kein echter Wille - da nur faule Ausreden...

Heidemarie Heim | Mi, 27. März 2019 - 11:08

Aus eigener Steuerzahlersicht und ebenfalls sehr mäßig an dieser Sportart interessiert stimme ich den Ausführungen von Herr Schwennicke zu. Zumal bei Topereignissen mit ebenfalls Tausenden Zuschauern bei Basketball, Handball, Eishockey 1-2 einsame Einsatzwagen mit Besatzung vor der großen Halle steht, um den öffentlichen Bereich zu schützen. Was genau die "Ausrede" der Profivereine ist. Sie berufen sich auf ihre angeblich hohen Steuerzahlungen und die von ihnen finanzierten eigenen Ordnern innerhalb der Stadien. Werden die Zustände aber z.B. durch pyrotechnisch affine Fans unbeherrschbar, muss auch da der öffentliche "Geleitschutz" von der Bahn bis ins Stadion durch Bundes/Landespolizei eingreifen. Abgesehen von den Kosten für Wochenendeinsätze und die damit verbundene Zahl der ohnehin an der Überstunden-Kapazitätsgrenze arbeitenden Beamten findet man wenig Aussagen der jeweiligen Ministerien, von Politik und sogar die P- Gewerkschaften sind uneinig. Doch irgendwie ein Politikum?

Hans Krüger | Mi, 27. März 2019 - 11:08

Bundesliga Fußball ist für viele Fans ein Ventil Dampf vom frustrierenden Arbeitsalltag abzulassen.Im Fanblock gemeinsam stehen ,miteinander Singen schon bei der Anreise Alkohol trinken und in der Gruppe fühlt man sich besonders strak. Zwischen den Fans der Vereine gibt es Revalitäten die gepflegt werden müssen und schon gibt es Rangeleien die die Sicherheitsorgane auf den Plan rufen. Für mich sollen die Vereine für den Polizeieinsatz bezahlen in angemessener Weise ,da bin ganz beim Verfasser des Artikels! Der Fußball ist immer mit Emotionen verbunden!Ich mag St.Pauli ,andere Bayern München die lösen bei mir Brechreiz aus.
Auf das Urteil in dem Verfahren bin mal gespannt und auf Uli Hoeness seinen Kommentar dazu.

Zustimmung. Herr Schwennicke argumentiert folgerichtig und rechtsstaatskonform. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage: Warum wird eine solche Regelung erst jetzt, 2018/2019, angestrebt? Warum nicht schon vor zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren? Per Zufall konnte ich mir im vergangenen Jahr auf einem Abstellbahnhof nahe Dortmund einen Nahverkehrszug anschauen, der zuvor "Fußball-Zuschauerinnen und Fußball-Zuschauer" transportiert hatte. Ein Bild des Grauens! Schon damals tragte ich mich: Muß das so sein? Darf Vandalismus dieser Art überhaupt geduldet werden? Warum gab es damals keine Ordner, die derartige Exzesse verhindern? Warum sind die Fußballvereine, die im Geld geradezu schwimmen, nicht in eigener Regie bereit, mäßigend einzugreifen? Fragen über Frage. Hoffentlich kommt es möglichst bald zu einem Gerichtsentscheid, der Klarheit schafft und die Vereine ("Fußball-Konzerne") in die Pflicht nimmt.

Heiner Hannappel | Mi, 27. März 2019 - 16:12

Bei der sowieso schon prekären Personallage der Polizei ist es nicht einzusehen, dass jedes mal, wenn ein Ligaspiel ansteht andernorts die Polizeipräsenz ausgedünnt wird, was mit Sicherheit von jenen genau beobachtet wird,die es mit den Gesetzen und Gewalttaten nicht so genau nehmen.Von geplantem Terror wage ich schon gar nicht zu reden, der in diesen Spielzeiten leichter stattfinden kann. Also bitte liebe Fußballclubs, ziert euch nicht so und zahlt für die Sicherheit eurer Spiele und überlasst das bitte nicht der Allgemeinheit, denn Ihr verdient genug, reichlich!