Waffenhändler in Deutschland - „In Bulgarien kriegst du eine Kalaschnikow für 150 Euro“

Pavel Sverdlov handelt mit Waffen, die frei verkäuflich sind. Nach jedem Terroranschlag merkt er, wie die Nachfrage nach Schreckschusspistolen, Messern oder Schlagstöcken steigt – auch nach Hanau. Seine Klientel ist heute aber eine andere als vor der Flüchtlingskrise. Ein Ortstermin.

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Das Geschäft mit der Angst boomt: Pavel Sverdlov / Antje Hildebrandt

Autoreninfo

Antje Hildebrandt hat Publizistik und Politikwissenschaften studiert. Sie ist Reporterin und Online-Redakteurin für CICERO.

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Antje Hildebrandt

Eine Walter P99. 15 schüssig, Kaliber 9 Millimeter. Das ist die Geheimwaffe im Kampf gegen die Angst. Eine Schreckschusspistole. Pavel Sverdlov nimmt sie aus einer gläsernen Vitrine. Er zieht das Magazin heraus, steckt Platzpatronen rein und schiebt es wieder zurück. Er sagt: „Jetzt ist die Pistole geladen.“ Verletzen, nein, verletzen könne man damit niemanden. „Aber sie knallt gut.“

Ein Waffenladen in Berlin-Friedrichshain. „Soldier of Fortune“ hat Sverdlov sein Geschäft genannt. In Berlin ist es eine beliebte Adresse für Menschen, die sich nicht mehr darauf verlassen, dass die Polizei kommt, wenn bei ihnen plötzlich ein Einbrecher im Wohnzimmer steht oder wenn sie auf der Straße körperlich bedroht werden. Der Name klingt martialisch. Man denkt an Söldner, die auf alles ballern, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Sverdlov lächelt gequält, wenn man ihn darauf anspricht. Er ist U-Boot-Ingenieur. Er stammt aus Russland. Er kam nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Deutschland. Er sagt, in seiner Heimat sei der Name positiver besetzt.

Terroranschläge beleben das Geschäft

Hierzulande klinge er auf viele eher abschreckend. Das deutsche Waffenrecht gilt als das strengste der Welt. Wer sich hier bewaffnet, der sucht nicht das Abenteuer, er hat Angst. Das merkt Sverdlov jedesmal, wenn wieder ein Terroranschlag die Republik erschüttert hat und Menschen in seinen Laden kommen, die er vorher noch nie gesehen hat. Jetzt ist es in Hanau passiert. Elf Menschen mussten sterben, weil sie ausländische Wurzeln hatten und ein Mann, der offenkundig wahnsinnig war, das so wollte.

Sverdlov sagt, er habe eine Gänsehaut bekommen, als er erfuhr, wem der Anschlag galt. Er ist Jude. Er sagt, mit Kippa würde er sich schon lange nicht mehr vor die Tür trauen. Berlin sei zwar nicht Sankt Petersburg, in Deutschland fühle er sich sicherer. Aber auch hier gebe es Plätze, die er nach Einbruch der Dunkelheit lieber meidet.

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dieter schimanek | Di, 25. Februar 2020 - 17:27

Tschechien oder Polen reicht. Weitere Tips möchte ich aber nicht geben. Wer sucht der findet.

weiß das "slam fire" ausreicht, nach technischen Studien aus Deutschland kann man damit mehr als 20 Schüsse pro Minute gezielt abgeben. Für nicht belastete Teile gibt es PLA-Druckmodelle im Netz, Bauanleitungen für die belasteten Teile sowieso. Sogar CNC-Daten sind verfügbar!
In Halle war es nur dem Täter zu verdanken das die Luty nicht funktioniert hat. Wie sehr die funktioniert zeigen Videos der australischen Polizei immer wieder...

Heidemarie Heim | Di, 25. Februar 2020 - 21:13

Diese Serie mit Gesprächspartnern aus dem wirklichen Leben gefallen mir außerordentlich verehrte Frau Hildebrandt! Oft genug treten in diesen Gesprächen Dinge und Aspekte zu Tage, wie sie bei einer Diskussion zu einem thematisch festgelegten Beitrag nicht zum tragen kommen.
Man lernt hier den Menschen Pavel Svertlov, seine Vita und sein sozusagen "tägliches Geschäft" kennen. Das schafft Nähe und man ist gewillt sich unaufgeregt auch mit der Problematik rund um Waffen, die Aufrüstung von Normalbürgern sowie einer bedenklicheren gruppenbezogenen Bewaffnung auseinander zu setzen. Herr Svertlov
mit seinen im Alltag und Berufsleben gewonnenen Einsichten hebt sich wohltuend ab von der oft interessengeleiteten und polarisierenden Hysterie, der wir inzwischen überall begegnen. Und von der sich nur nebenbei bemerkt Herr Svertlov, obschon jüdischer Mitbürger, scheinbar nicht vereinnahmen lässt. Ein sympathischer Zeitgenosse mit Menschennähe trotz ab und an problematischem Umfeld!FG

niemand "bewaffnet"ist der sich mit leistungsmäßig kastrierten Reizstoffsprühgeräten oder SRS-Spielzeug versieht. Diese Klarstellung ist durchaus erforderlich, auch wenn das dt. WaffG. dieses Spielzeug als "Waffe" einordnet. Was nicht viel gutes Über die Urheber der Norm aussagt, aber auch kein gutes Haar an den Naiven lässt die solchen Unfug kritiklos hinnehmen.

Natürlich lieber Herr Müller sprechen wir hier von mehr oder weniger Placebos für die, die auch mangels Kenntnissen in der Handhabung und Wirkung ihre Ängste und Unsicherheit vermeinen bekämpfen zu können. Was nützt mir Hundeabwehrspray im Sprühdöschen mit geringer Reichweite und Zielungenauigkeit, sollte mein Angreifer die kurze Distanz nutzen und mir mit einem schnöden Küchenmesser mit legalem Klingenmaß und Geschick Stichverletzungen beizufügen. Er braucht auch keinen dem Waffengesetz unterliegenden Totschläger. Ein Baseballschläger und Stahlkappen im Schuhwerk tun`s auch. Umso kurioser auch manches Urteil durch die Justiz, sollte der Angreifer durch den illegalen Gebrauch von Hundesprayabwehr Schaden nehmen. Ich erinnere mich noch daran, wie sich eine Kampfsportlerin gegen 4 Angreifer auf einem S-Bahnsteig verteidigend, sie wischte den Boden mit ihnen auf gefragt wurde bei Anzeigenaufnahme, ob sie denn nicht weniger Gewalt hätte ausüben können!
So kann`s auch ausgehen. MfG

Ulf Müller | Di, 25. Februar 2020 - 21:19

Der Verweis auf das Ausverkauftsein von Pfefferspray im Zusammenhang mit dem Eintreffen der ersten schutzsuchenden Menschen scheint mir fast diskriminierend gegenüber den Schutzsuchenden.
Dass die Nazis jetzt schon Hausärzte, Rettungssanitäter und Feuerwehrleute angreifen finde ich ungeheuerlich.
Da ist wirklich der Rechtsstaat gefragt. Da ist mir eine Beobachtung durch den Verfassungsschutz zu wenig. In der DDR war sicher nicht alles gut. Aber bezüglich Antifaschismus waren wir auf dem Posten. Nicht umsonst haben wir unsere Grenze zur kapitalistischen Welt als antifaschistisch Schutzwall bezeichnet. Umso erschreckender ist es, dass einige Jahre des Konsums der kapitalistischen Medien der Bundesrepublik solche Wahlergebnisse in Ostdeutschland ermöglicht haben.

Mit sozialistischem Gruss Ulf Müller

Ernst-Günther Konrad | Mi, 26. Februar 2020 - 12:05

In reply to by Gast

Welchen Artikel haben Sie denn gelesen? An keiner Stelle hat Frau Hildebrandt behauptet, dass die Bedrohungen von "Nazi's" ausgehen. Das die so etwas auch tun bestreite ich nicht. Nur ging es wohl in dem Artikel daraum, die allgemeine Verunsicherung in der Bevölkerung einerseits durch verschiedene Vorkommnisse zu verknüpfen und so verstehe ich den Artikel, die Hilflosigkeit der Bevölkerung und bestimmter Berufsgruppen gegenüber zu stellen und zu benennen. Eine Angst der der Staat keine Abhilfe schafft derzeit. Im übrigen sind die genannten Berufsgruppen weniger durch "Nazi's" gefährdet, auch wenn die das auch machen, sondern in der Hauptsache durch Clan-Kriminelle und bestimme Migrationsgruppen.
Egal aus welchem Motiv letztendlich jemand handelt. Es gibt keine Rechtfertigung für Straftaten gegenüber politisch oder religiös Andersdenkender und schon gar nicht gegen Vertreter des Staates oder Hilfsorganisationen. Weder rechts gegen links noch umgekehrt haben ein Recht auf Gewalt.

Ulf Müller | Mi, 26. Februar 2020 - 13:14

In reply to by Gast

Lieber Herr Konrad, ich bin völlig bei Ihnen und weiß genau wer diese Angriffe ausführt. Im Zusammenhang mit Frau Hildebrandts Artikel konnte ich mir diesen kleinen Spaß jedoch nicht verkneifen. Dieser Artikel war eigentlich recht ehrlich und gut und hat tatsächlich mal Probleme benannt. Aber da es bei Frau Hildebrandt mehr oder weniger immer gegen die AFD geht wollte ich das einfach mal etwas übertreiben. Ich möchte auch auf gar keinen Fall wieder DDR (sozialistische) Verhältnisse, leider sind da unsere Medien ganz offensichtlich anderer Meinung und ein großer Teil unserer Bevölkerung ist Ihnen schon auf den Leim gegangen.
Mit freundlichen Grüßen Ulf Müller

Tomas Poth | Mi, 26. Februar 2020 - 13:15

In reply to by Gast

Danke für den karnevalistischen Beitrag.

Gerhard Lenz | Mi, 26. Februar 2020 - 17:18

In reply to by Gast

Wo war noch mal eben die Stelle zum Lachen?

Ulf Müller | Mi, 26. Februar 2020 - 23:23

In reply to by Gast

Lieber Herr Lenz, jetzt seien Sie doch nicht so. Früher in der Parteiversammlung haben wir doch auch manchmal einen Witz über den Genossen Honecker gemacht. Davon geht doch die Welt nicht unter. Wichtig ist doch nur die unverbrüchliche Freundschaft zur Sowjetunion und die internationale Solidarität. Ausserdem wird der Sozialismus in seinem Lauf weder von Ochs noch Esel aufgehalten, so dass dieses kleine Störfeuer die proletarische Weltrevolution nicht verhindern wird. Mit freundlichen Grüßen Ulf Müller