Wachsende Spannungen im Mittelmeer - Projekt „Blaue Heimat“

Die Türkei tritt im östlichen Mittelmeerraum zunehmend aggressiv auf – es geht um Gasvorkommen, den Zypern-Konflikt und um geostrategische Ziele. Wegen der Pandemie hat sich die Situation weiter verschärft, die Gefahr einer Eskalation ist groß. Erdogan will sein Land als regionale Supermacht etablieren.

Blick auf die einst von Zyperngriechen bewohnte Küstensiedlung Varosha, heute eine Geisterstadt / dpa

Autoreninfo

Antonia Colibasanu ist Analystin bei Geopolitical Futures und Dozentin an der rumänischen National Defence University mit Sitz in Bukarest.

So erreichen Sie Antonia Colibasanu:

Da die Träume der Türkei von einem Beitritt zur Europäischen Union verblasst sind, hat Ankara seine Strategie gegenüber dem Westen verändert. Nirgendwo wird dies deutlicher als im östlichen Mittelmeerraum. Die jüngsten Schritte des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan – ein Besuch in der Türkischen Republik Nordzypern und die Ankündigung einer Wiederaufnahme der türkischen Rohstoffexploration in diesem Gebiet – sollen zeigen, dass er seine neo-osmanische „Mavi Vatan“-Doktrin (Blaue Heimat) weiterverfolgen wird. 

Es ist zwar fraglich, ob die Erschließung großer Vorkommen im östlichen Mittelmeer unter den gegenwärtigen Bedingungen rentabel wäre, aber die Türkei muss konventionelle Bedrohungen entlang ihrer Küste abwehren, und unter den gegebenen Umständen ist die Energieexploration vielleicht der beste Vorwand. Gleichzeitig könnte Erdogan das Potenzial für eine neue Krise im östlichen Mittelmeer nutzen, um die Türken von den wirtschaftlichen Problemen im eigenen Land abzulenken, die seine Herrschaft zu destabilisieren drohen. 

Auch wenn diese Strategie unter normalen Umständen funktionieren mag, hat die Pandemie eine komplexe Realität geschaffen, die das Potenzial für Spannungen im östlichen Mittelmeer erhöht.

Kein konstruktiver Dialog

Nachdem die Spannungen zwischen der Türkei und der Europäischen Union (insbesondere Griechenland) wegen der Öl- und Gasexploration vor der Küste Zyperns im vorigen Sommer ihren Höhepunkt erreicht hatten, scheinen sie nun wieder abgenommen zu haben. Es gibt jedoch immer noch keinen konstruktiven Dialog zwischen den beiden Parteien. Erst kürzlich, am 20. Juli, besuchte Erdogan Nordzypern und erklärte, die Bemühungen der Vereinten Nationen um eine Einigung der Insel, welche in einen griechisch-zypriotischen Süden und einen türkischen Norden geteilt ist, seien gescheitert. Diese Strategie sollte zugunsten einer Zwei-Staaten-Lösung aufgegeben werden, sagte er. Erdogan sprach sich auch für die Öffnung der Stadt Varosha aus, die einst der wichtigste Ferienort der Insel war, deren griechisch-zypriotische Bevölkerung jedoch während der türkischen Invasion im Jahr 1974 floh.

Erdogans Reise nach Nordzypern fand nur drei Tage nach einem Gespräch zwischen dem türkischen UN-Gesandten und dem UN-Generalsekretär über die „anhaltenden eklatanten Verstöße“ Griechenlands gegen das Völkerrecht in der Ägäis und im Mittelmeer statt. Unter Verstoß gegen den Vertrag von Lausanne aus dem Jahr 1923 habe Athen Inseln in der Nähe der Türkei militarisiert, die eigentlich frei von Streitkräften bleiben sollten, so der Gesandte. Letztendlich will die Türkei den Vertrag ändern oder aufheben, der Griechenland die Souveränität über die Inseln vor der türkischen Küste zusprach – einschließlich des Rechts, nach Bodenschätzen zu suchen und diese aus dem Meer zu gewinnen (wodurch der Türkei eine bedeutende Ausschließliche Wirtschaftszone, AWZ, verwehrt wurde).

Der Streit um Varosha

Während die vorangetriebene Öffnung von Varosha und die Erklärungen über eine zypriotische Zweistaatenlösung für Schlagzeilen sorgten, ist es wichtig zu erwähnen, dass Erdogan im Vorfeld seines Besuchs auch erklärte, die Türkei werde die Energieexploration im östlichen Mittelmeer fortsetzen. Dieses Statement scheint frühere Erklärungen, wonach keine weiteren Provokationen erfolgen sollten, zu untergraben.

Es war die Entdeckung von Energieressourcen, die die langjährigen Streitigkeiten zwischen der Türkei und Griechenland wieder aufleben ließ. In den Jahren 2019 und 2020 kam es zu Spannungen zwischen Ankara und Athen, als die Türkei seismische Forschungsschiffe in die von Griechenland und der Republik Zypern umstrittenen Gewässer schickte, in den libyschen Bürgerkrieg eingriff und ein Abkommen über die Abgrenzung der Meeresgebiete mit Tripolis unterzeichnete. 

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts befindet sich die Region in einer völlig anderen Realität als noch vor einigen Jahrzehnten. Das Wiederauftauchen der russischen Bedrohung, ein zunehmend aggressiver Iran, die Schwächung der EU aufgrund ihrer sozioökonomischen Probleme und die wachsende antitürkische Koalition im Nahen Osten haben Ankara gezwungen, seine Position in der Region zu überdenken. Darüber hinaus hat die schlechte wirtschaftliche Situation des Landes, die schon vor der Pandemie bestand, aber seit Corona an Komplexität zugenommen hat, die Probleme der Regierung vergrößert. 

Ankaras neue Militärdoktrin

Ankara hatte bereits begonnen, eine selbstbewusstere und unabhängigere Militärdoktrin zu verfolgen, als es sich vom Westen entfernte – was begann, als klar wurde, dass die Türkei trotz ihrer Nato-Mitgliedschaft kein EU-Mitglied werden würde. Vor diesem Hintergrund sind der diplomatische Streit zwischen der Türkei und den Vereinten Nationen sowie die erneute Auseinandersetzung zwischen der Türkei und Griechenland als Teil einer möglichen Neuausrichtung der regionalen Mächte zu sehen, die sich auf umfassendere strategische Allianzen auswirken wird.

Die Genese der aktuellen türkisch-griechischen Streitigkeiten liegt lange zurück. Der am 24. Juli 1923 unterzeichnete Vertrag von Lausanne beendete die Feindseligkeiten zwischen der Türkei und Griechenland am Ende des Ersten Weltkriegs und insbesondere nach dem türkischen Unabhängigkeitskrieg, als die Truppen von Mustafa Kemal Atatürk die Griechen aus Anatolien vertrieben und die Griechen in der Folge den Großteil der ägäischen Inseln behielten. Zu dieser Zeit war Zypern eine britische Kolonie. Die Bedingungen des Vertrags führten in der Zwischenkriegszeit zu einer Versöhnung zwischen den beiden Ländern, die 1930 sogar einen Freundschaftsvertrag und 1934 den Balkanpakt unterzeichneten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg trugen jedoch mehrere Ereignisse zur Verschlechterung der bilateralen Beziehungen bei. Zunächst trat das besiegte Italien die Inselgruppe des Dodekanes in der südlichen Ägäis an Griechenland ab – sehr zum Ärger der Türkei, die erst im Februar 1945 in den Krieg gegen die Achsenmächte eintrat (und damit so spät, dass sie keinen Anteil an der Beute erhielt).

Schwere Konflikte zwischen Griechen und Türken

Zweitens führte die Entkolonialisierung Zyperns zu schweren Konflikten zwischen den Griechen und den auf der Insel lebenden Türken, und zwar in einer Zeit, in der der zypriotische Staatsbildungsprozess stattfinden sollte. 1974 wurde das fragile Gleichgewicht schließlich durchbrochen, als eine griechische Junta das Regime von Erzbischof Makarios III. stürzte, der die Unabhängigkeit der Insel befürwortete und sich gegen die griechische Einmischung in die zypriotischen Angelegenheiten aussprach – was eine türkische Militärintervention im Norden der Insel zur Folge hatte. 

Trotz der diplomatischen Bemühungen der internationalen Gemeinschaft führte dies zur Teilung der Insel und zur Gründung der selbsternannten Türkischen Republik Nordzypern im Jahr 1983, die nur von der Türkei anerkannt wird.

Drittens verursachte die Entwicklung des UN-Seerechtsübereinkommens in den 1950er Jahren einen dauerhaften Streit zwischen Athen und Ankara, da die Türkei sich weigerte, die wichtigsten Punkte des Übereinkommens zu unterzeichnen, die nach Ansicht der Türkei Griechenland die vollständige Souveränität in der Ägäis zusicherten. Stattdessen stellte die Türkei ihre eigenen Forderungen, die Griechenland akzeptierte. Insbesondere erklärte die Türkei, wenn Griechenland seine Hoheitsgewässer in der Ägäis auf zwölf Seemeilen ausdehnen würde, würde die Türkei dies als casus belli betrachten. Bei zwei Gelegenheiten, 1987 und 1996, wären die Streitigkeiten zwischen den beiden Staaten beinahe in einen Krieg ausgeartet. Doch nachdem die Türkei 1999 den Beitritt zur Europäischen Union beantragt hatte, gab es bis vor kurzem keine derartigen Spannungen mehr.

EU-Beitritt bleibt illusorisch

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern haben sich langsam verschlechtert, seit die Türkei erkannt hat, dass ein EU-Beitritt nicht mehr machbar ist. Ein geteiltes Zypern trat der EU 2004 bei, während die Türkei nur eines von 35 Verhandlungskapiteln abschließen konnte. Die Türkei hat ihren Wunsch, der Union beizutreten, zwar nicht offiziell aufgegeben, aber ihre Bemühungen haben sich auf die Aktualisierung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei sowie auf Visa-Erleichterungen verlagert. 

Die sozioökonomische Krise in Europa in Verbindung mit der Flüchtlingskrise veranlasste Ankara, seine Beziehungen zu Brüssel zu ändern. Da eine der wichtigsten Migrationsrouten aus dem Nahen Osten durch die Ägäis führt, mussten die Türkei und die Europäische Union (und insbesondere Griechenland als erstes Aufnahmeland) bei der Bewältigung der Migrantenströme zusammenarbeiten. Wenn die Türkei die Militarisierung der Inseln durch Griechenland hervorhebt, so hat dies zu einem großen Teil mit dem Einsatz von Sicherheitskräften zu tun, die gewährleisten sollen, dass die Migrantenströme gut gesteuert werden und die Einheimischen nur minimalen Risiken ausgesetzt sind.

Gleichzeitig hat die Türkei versucht, sich durch ihre Beteiligung an den Tanap- und TurkStream-Pipelines, über die Gas aus dem Kaukasus bzw. aus Russland transportiert wird, als wichtiges Transitland im südlichen Gasversorgungskorridor Europas zu etablieren. Als im östlichen Mittelmeer Energiefunde gemacht wurden, nahmen die türkischen Bestrebungen, ein regionaler Energieknotenpunkt zu werden, weiter zu – selbst, als die Hoffnungen auf bessere Beziehungen zwischen der Türkei, Zypern und Griechenland schwanden. 

Ankaras Kanonenboot-Politik

Nach dem Scheitern der letzten Verhandlungsrunde über das Schicksal Zyperns im Jahr 2017 kündigte die Republik Zypern die Ausbeutung ihrer Vorkommen an. Die Türkei verurteilte die Entscheidung als Verletzung der Rechte der türkischen Zyprioten und startete ihre „Kanonenbootpolitik“, indem sie Kriegsschiffe entsandte, um diese Initiative zu verhindern und ihre eigenen Explorationen in den umstrittenen Gebieten durchzuführen.

Die Türkei, Zypern und Griechenland sind nicht die Einzigen, die in dem neuen Energie-Poker im östlichen Mittelmeerraum eine Rolle spielen. Der erste Nutznießer von Gas aus der Region war Israel, das seit der Entdeckung entsprechender Vorkommen im Jahr 2010 zu einem Gasexporteur geworden ist. Ägypten trat 2011 dem Club bei. Die beiden Länder haben komplexe Beziehungen zur Türkei, was die türkische Position in der Region weiter erschwert, zumal sich Griechenland, Zypern und Israel nach den ersten Gasfunden einander angenähert haben.

Die Länder richteten daraufhin exklusive Wirtschaftszonen über den Gebieten ein, in denen Energievorkommen entdeckt wurde. Dies führte zur Aneignung bestimmter Gebiete und vermittelte der Türkei das Gefühl, erneut eingekesselt zu werden – kein erfreuliches Ergebnis für eine aufstrebende Regionalmacht. Ankara entwickelte daher seine Strategie der „Blauen Heimat“, mit der die Türkei ihre Marine ausbauen und ihre Fähigkeit zum Schutz türkischer Interessen im Ausland stärken wollte. Unter Erdogan ist der Begriff inzwischen zum Synonym für die Ausweisung von Seegebieten geworden, die der Türkei im nahen Ausland angeblich zu Unrecht vorenthalten werden. 

Die Strategie „Blaue Heimat“

Die „Blaue Heimat“ war beispielsweise die Rechtfertigung für die Intervention der Türkei in Libyen, die 2019 zur Unterzeichnung eines bilateralen Abkommens führte, das eine Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) mit Libyen im östlichen Mittelmeer abgrenzte. Erdogan hofft, einen Korridor zwischen den griechischen Positionen in der Ägäis und den Gasfeldern im östlichen Mittelmeer zu eröffnen und den Raum zu kontrollieren, der von einer potenziellen Unterwasser-Gaspipeline durchquert wird, welche von einem griechisch-zypriotisch-israelischen Konsortium gebaut und bedient würde.

Das Ziel der Strategie der „Blauen Heimat“ ist nicht nur die Ausweitung des türkischen Einflusses im Ausland, sondern auch die Verfolgung zahlreicher innenpolitischer und finanzieller Interessen der Türkei. Dem Konzept liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Türkei den Mittelmeerraum beherrschen und die Handels- und Seemacht zurückgewinnen sollte, die einst die Osmanen innehatten. Es wird argumentiert, dass die geografische Lage der Türkei ein Vorteil und keine Schwachstelle ist. Eine starke Marinepräsenz im Mittelmeer, insbesondere im östlichen Mittelmeer, würde es der Türkei ermöglichen, Ansprüche auf die Öl- und Gasvorkommen in den umstrittenen Gewässern dort geltend zu machen. Dies wiederum würde Ankara helfen, sich zu einem wichtigen Energieversorger zu entwickeln und Energieunabhängigkeit zu erlangen. Die Regierungspartei will die gewonnene Vormachtstellung nutzen, um die Wähler von der Misere der türkischen Wirtschaft abzulenken.

Ankara hält sich alle Optionen offen

Wenn man bedenkt, wie stark sich die Pandemie auf die Energiemärkte ausgewirkt hat, ist es schwer vorstellbar, dass in nächster Zeit eine Unterwasser-Gaspipeline im Mittelmeer gebaut wird. Auch wenn die aktuellen Bedingungen Ankara zum Handeln zwingen, muss es vorsichtig agieren. Während der aufstrebende wirtschaftliche Status der Türkei zu ihrer Aggressivität beigetragen hat, schwächte die Pandemie die türkische Wirtschaft und damit auch die sozio-politische Stabilität des Landes. Aus diesem Grund kann es sich die Türkei nicht leisten, im östlichen Mittelmeerraum zu aggressiv aufzutreten. Indem Ankara der Diplomatie den Vorzug gibt, hält es sich alle Optionen offen.

Nehmen wir die jüngste Auseinandersetzung wegen Varosha. Erdogan behauptete, die Vereinten Nationen hätten es versäumt, die Situation zu lösen, und sprach sich für die Öffnung der Stadt für Siedlungszwecke aus. Alle ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats haben ihn aufgefordert, dies nicht zu tun. Auf subtile Weise erinnerte Erdogan sie daran, dass er immer noch da ist und den östlichen Mittelmeerraum destabilisieren kann – wenn er es denn will.

Griechenland hingegen setzt auf die EU und die Nato, um die Ambitionen der Türkei einzudämmen. Das Problem der EU besteht darin, dass ihre Mitgliedstaaten uneins darüber sind, wie eine mögliche Krise im östlichen Mittelmeerraum zu lösen ist. Frankreich hat sich für die Unterstützung Griechenlands entschieden, während Deutschland eine direkte Beteiligung an der Angelegenheit vermeidet. In der Erwartung, dass auf die Unruhen eine weitere Migrationswelle folgen würde, lässt die EU in ihren Beziehungen zur Türkei Vorsicht walten.

Machtfaktor USA

Innerhalb der Nato, der sowohl Griechenland als auch die Türkei angehören, sind die Dinge noch komplexer. Erstens ist da das Verhältnis zwischen der Türkei und den USA. Auch wenn die Beziehungen angespannt sind, sind sie zu wichtig, um darauf zu verzichten. Die Vereinigten Staaten mögen ihre militärische Präsenz im Nahen Osten verringert haben, aber sie werden niemals akzeptieren, dass die schnellste Seeverbindung zwischen dem Atlantik und dem Indischen Ozean gefährdet wird. 

Darüber hinaus hängt die US-Strategie gegenüber Russland von der Eindämmung und den Präventivmaßnahmen der Nato ab. Je mehr die Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei zunehmen, desto mehr spaltet dies die Nato, was Washington nicht will. In Anbetracht der wachsenden antitürkischen Stimmung im Nahen Osten und des Wiedererstarkens Russlands und des Irans muss die Türkei auch ihre Beziehungen zu den USA aufrechterhalten.

Während die Gewässer des Mittelmeers aus der Ferne ruhig erscheinen, herrscht im Osten reges Treiben: Kampfschiffe und Flugzeugbesatzungen, die zwischen einer Funktion als Marinepolizei, militärischen Kernaufgaben, Souveränitätsaktionen und dem Schutz schiffbrüchiger Migranten hin und her wechseln, bilden die Grundlage für eine komplexe Realität, in der täglich zwischen verschiedenen Legitimationsrahmen gewechselt wird. Die Region ist einfach zu wichtig, als dass interessierte Parteien sie ignorieren könnten. 

Die zunehmenden diplomatischen Spannungen zwischen der Türkei und Griechenland in Verbindung mit der Präsenz immer ausgefeilterer Verteidigungssysteme auf Schiffen oder an Land erhöhen das Risiko von Missverständnissen bei Manövern – und damit das Potenzial für Konflikte.

In Kooperation mit

GPF

Andre Möller | Di, 27. Juli 2021 - 19:07

Wieder so ein Nach-WK 1-Konstrukt, dass auch nach 100 Jahren absurde Schmerzen bereitet - wie alle Schand-"Verträge" von damals. Nur dass das in Brüssel und Berlin so nicht auf der Rechnung steht. Man lebt in völlig unterschiedlichen Galaxien. M.E. ist die türkische Position in Hinsicht auf die Wirtschaftszone absolut berechtigt. Der jetzige reale Zustand ist nicht hinnehmbar. Insgesamt lässt sich sagen, dass die Türkei nicht erfolglos eine Schaukelpolitik betreibt, die strikt an den eigenen Interessen ausgerichtet ist. Der Text ist nicht schlecht, wenn die reflexhaften Beschuldigungen gegen Rußland und den Iran abgerechnet werden und die Korrelationen zur türkischen Innenpolitik doch sehr spekulativ bleiben. Auch bin ich der Meinung, dass nur Anrainer des Mittelmeeres die Angelegenheiten dort regeln sollten, die USA sind kein Mittelmeer-Anrainer, ebensowenig wie GB oder Holland Anrainer des Schwarzen Meeres sind. Auch wenn es Phantomschmerzen bereitet, das einzusehen.

Rob Schuberth | Di, 27. Juli 2021 - 19:13

...aber am Ende wird es um unser Trinkwasser gehen.

Dass sich die geostrategische Position der Türkei verändert ist wohl unbestritten.

Es fragt sich nur in welche Richtung.
Zu mehr Stabilität sicher nicht.

Was, wenn bald Mio. Afghanen an seiner Grenze stehen? Zahlt die EU (also wir alle) dann wieder Mrd. oder schafft die EU es endlich mal ihre Grenzen - wirklich - zu sichern.

Mir fehlt dazu leider der Glaube, denn noch ist sie da...unsere Merkel.

.... Merkel wird die Millionen Afghanen von ganz anderer Stelle aus nach Deutschland dirigieren, da können Sie sich sicher sein... Denn Österreich wird dieses Mal keine nehmen, laut den Aussagen von Kurz, also alle nach D. Die Zerstörung Deutschlands ist noch nicht vollständig.

Gerhard Lenz | Mi, 28. Juli 2021 - 10:41

In reply to by Yvonne Stange

Russland nimmt sicher jeden Putin-Verehrer mit offenen Armen auf. Da frage ich mich, Frau Stange, was Sie überhaupt noch in diesem dekadenten, heruntergewirtschafteten, multikulturell-linksgrün-versifften Merkel-Deutschland hält. Das gleiche gilt natürlich für jene, die schon vor Monaten verkündeten, ins Putin'sche Paradies auszuwandern. Aber vielleicht kann man bei Putin nicht so unbeschwert gegen "DIE DA OBEN" meckern.

Zum Thema: Die Türkei ist ein exquisites Beispiel dafür, dass Religion und Nationalismus ein höchst explosives Gemisch bilden. Der "Donald Trump" der islamischen Welt dient sich überall als Vorkämpfer islamischer Interessen an - vermutlich gewährte er selbst IS-Kämpfern einen gewissen Schutz. Andererseits steht er für einen aggressiven Nationalismus, den er ohne jede Rücksicht betreibt. Wer sollte ihn bremsen? Die NATO kuscht dank der geopolitischen Situation. Nur das türkische Volk, bislang geblendet durch nationalistischen Größenwahn, kann ihn loswerden.

Christoph Kuhlmann | Di, 27. Juli 2021 - 20:58

zum Ägäis Konflikt. Ich habe selten so einen lehrreichen Artikel gelesen. Die Interessenlage ist so verwickelt, dass ich eine friedliche Lösung für wahrscheinlich halte. Denn ein Krieg würde den Wirtschaftsinteressen der Türkei extrem schaden. Ein privilegiert Zugang zum EU Markt ist einiges Wert und der Gewinn durch die gewaltsame Eroberung von Gasvorkommen fraglich, zumal mit militärischen Gegenschlägen zu rechnen ist.

Auch in der Türkei wächst die Bevölkerung rasant. Von 1980 (45 Mio bis 2025 (89 Mio) wird sich die Zahl fast verdoppeln. (statista).
Falls die wirtschaftliche Entwicklung da nicht mitkommen, wird es auch in der Türkei zu Verteilungskämpfen kommen. Deshalb muss sich die Regierung etwas einfallen lassen.

Romuald Veselic | Di, 27. Juli 2021 - 21:12

fremdes Gebiet (Staatsgebiet von Zypern u. damit Staatsgebiet von EU) m. militärischer Gewalt aneignet/okkupiert, hat nicht nur in der EU/NATO nichts zu suchen, sondern mit mindestens so vielen UNO Resolutionen sanktioniert werden sollte, wie Israel s. 1967. Die Türkische Republik Nordzypern ist ein Hohn inmitten der Weltgemeinschaft. Eine Karikatur des Disneyland.

Christa Wallau | Mi, 28. Juli 2021 - 09:04

daß eine Annalena Baerbock sich angesichts der
komplizierten politischen Problemfelder a l l e i n im Umfeld des Mittelmeeres ernsthaft zutraut, deutsche Bundeskanzlerin zu werden in diesem Bemühen viele Anhänger findet, dann wird mir schummrig vor Augen.

Erdogan hat schon Merkel oder von der Leyen nicht für voll genommen.
Wie würden er und viele andere Staatschefs wohl mit einer Frau umgehen, die keinen blassen Schimmer von Geschichte und Außenpolitik hat und erwiesenermaßen vor Naivität nur so strotzt???

Aber:
Deutschland wollte ja schon immer etwas BESONDERES sein!
Warum es also jetzt nicht mal mit dem Erreichen des Titels "Weltmeister in Dummheit und Stolz" versuchen?
("Wir schaffen das!")

Um zu beurteilen, wer "keinen blassen Schimmer von Geschichte und Außenpolitik hat und erwiesenermaßen vor Naivität nur so strotzt", sollte man über ein Mindestmaß an Qualifikation verfügen. Sie haben gestern erneut unter Beweis gestellt, dass Sie nicht einmal in der Lage sind, einfachste Bezüge (zwischen "links" und "Sozialismus") herzustellen. Insofern wäre es vielleicht ratsam, sich mit solchen Bewertungen zurückzuhalten.
Die Grünen liegen aktuellen Umfrage zufolge bei unter 20%. Ein Szenario mit Baerbock als Kanzlerin ist demnach fast so unwahrscheinlich wie der Meistertitel für Schalke (sorry, Herr Mühlack;-) Von daher weiß ich nicht, warum Sie sich veranlasst sehen, sie in einem Artikel über geopolitische Ambitionen des Erdogan-Regimes einzubauen. Thema verfehlt - mal wieder!
Ob das reicht, um Deutschland zum "Weltmeister in Dummheit und Stolz" zu machen, weiß ich nicht. Auf jeden Fall erkenne ich Ihr aufrichtiges Bemühen, nach Kräften dazu beizutragen.

Armin Latell | Do, 29. Juli 2021 - 06:12

In reply to by Kai Hügle

Herr Hügle, kommentieren Sie dann nicht die Haltungskommentare Ihres Gesinnungsgenossen hier im Forum? Klar, eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Dass Buntland einen aus Dummheit geborenen Sonderweg geht, mal wieder, der Welt seine Ansichten als vorbildhaft glaubt präsentieren zu müssen, wissen die Nachbarn und der Rest der Welt gut auszunutzen. Den Titel "gefühlgeleiteter Hippiestaat" hat dieses in Dekadenz hinabgleitende Konstrukt schon. Die geopolitischen Ansichten eines Erdogan sollten trotzdem auch hier interessieren, denn die haben unmittelbar Einfluss, und zwar höchst negativen, auf das Geschehen hier. Buntland hat schon heute keine eigenen (machtpolitischen) Interessen mehr. Insofern kann man Frau Wallau noch ergänzen um cdu, csu, linke, fdp. Diese Konstellation hieß vor 1989 übrigens sed.

W.Wild | Mi, 28. Juli 2021 - 15:52

Bezüglich der Kommentar-Veröffentlichung Ihrerseits erinnere ich Sie an Ihren Grundsatz, dass ad-hominen-Kommentare gelöscht werden, die lediglich zum Ziel haben, andere Floristen zu diskreditieren.
Oder dienen aggressive persönliche Anfeindungen der angestrebten Ausgewogenheit der Veröffentlichungen?