Türkei unter Erdogan - Abschied von Europa

Die Türkei driftet immer mehr ab in Richtung Nationalismus und Diktatur. Der Präsident betreibt eine aggressive Außenpolitik, im Inneren unterstützt er religiöse Hardliner. Ausgerechnet die Umwidmung der Hagia Sophia in eine Moschee zeigt jedoch: In Wahrheit ist die autoritäre Herrschaft Erdogans fragil.

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Jetzt wieder für das muslimische Gebet geöffnet: Hagia Sophia / dpa

Autoreninfo

Günter Seufert ist freier Journalist, Soziologe und hat mehrere Bücher zur Türkei veröffentlicht. Außerdem ist er bei der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin tätig.

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Deutschland und Europa blicken heute mit ganz anderen Augen auf die Türkei als noch vor wenigen Jahren. Früher stand Ankaras Innenpolitik im Zentrum der Aufmerksamkeit. War die Türkei doch scheinbar auf dem Weg in die Europäische Union, und Brüssel konnte auf Rechtsstaatlichkeit und Demokratie drängen. Die EU hat damals wichtige Reformen angestoßen und hatte Einfluss auf die Entscheidungen in Ankara.

Davon ist heute nichts mehr übrig. Im Gegenteil, die Türkei provoziert Europa außenpolitisch. Manche Mitgliedstaaten der EU fordert sie offen heraus, und auch in der Nato macht sie Schwierigkeiten. So verletzt sie im Mittelmeer die exklusiven Wirtschaftszonen der Republik Zypern und kündigt an, auch gegen Griechenland ähnlich vorzugehen. Die türkische Marine hat im östlichen Mittelmeer bereits italienische und israelische Forschungsschiffe vertrieben und griechischen und französischen Kriegsschiffen damit gedroht, das Feuer auf sie zu eröffnen.

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Christoph Kuhlmann | So, 30. August 2020 - 04:57

Demokratie gut. (Wie lange regiert die CDU jetzt in Deitschland?) Allerdings frage ich mich, wie ein heterogenes Bündnis aus Laizisten, konservativ-religiösen Kräften, Nationalisten und Vertretern der kurdischen Unabhängigkeit eine stabile Regierung bilden soll? Jedenfalls sind ihre Ziele dermaßen unterschiedlich, dass Hoffnung besteht, dass man die demokratischen Grundrechte und Unabhängigkeit der Justiz anerkennt, um überhaupt eine gemeinsame Plattform bilden zu können.

Romuald Veselic | So, 30. August 2020 - 10:13

Träne nach.
Einer verzählte mir, dass er sein Haustier, Erdogan nennt. Der andere empfahl ihm, davon abzulassen, denn damit wäre der Tatbestand der Beleidigung für das Haustier erfüllt. Was besonders die Tierschützer erbosen dürfte.

Ernst-Günther Konrad | So, 30. August 2020 - 12:51

wenn die Türkei nicht ein zweites Standbein inzwischen bei uns in DE hätte und sich so langsam eine Enklave schafft, wäre es mir egal. Mit einem solchen Mann hat Merkel den Flüchtlingsdeal gemacht und zahlt mit unseren Steuergeldern die Kriege von Erdogan. Glaubt denn wirklich einer, die Flüchtlingshilfe würde bei den richtigen angekommen?
Damit finanziert er sich die Stabilität im Lande und fängt die desolate Wirtschaftsschwäche noch etwas auf. Wenn ich lese, dass letztlich in jeder Partei die Religion irgendwie mitmischt, sehe ich für die Türkei schwarz. Wenn die nicht wieder zum System Atatürk zurück kehren, wird Erdogan über kurz oder lang scheitern. So einen wollten sie in die EU aufnehmen und haben ihn in die Nato geholt. Bin mal gespannt, wann es zwischen Türken und Griechen knallt. Erdogan versucht alles, zu provozieren und sich zu bereichern. Und die EU? Hat wie immer keine geschlossene Meinung, Naja, solange Merkel alles zahlt, geht es Erdogan noch gut.

Es ist sehr unwahrscheinlich dass die USA, und die Mehrheit der Nato-Mitglieder, die Türkei zu einem Ausscheiden aus der Nato drängen würden. Eine Kündigung ist vertraglich nicht vorgesehen. Die weltfremde, und politisch-kulturell geradezu bösartige Idee, die Türkei zu einem EU-Mitglied zu machen, ist ein ganz anderes Thema.

Christa Wallau | So, 30. August 2020 - 13:44

und einfache Menschen von ihrer angeblichen Überlegenheit und Größe zu überzeugen, das ist Erdogans Erfolgsrezept.
Es könnte ihm allerdings aus der Hand geschlagen werden, wenn die wirtschaftliche Lage in der Türkei sich dramatisch verschlechtert.
Dann werden die Karten neu gemischt.

Allerdings sollte man sich nicht einbilden, n a c h
Erdogan gäbe es keine türkischen und kurdischen Nationalisten und Islamisten mehr. Auf der Klaviatur starker Gefühle bzw. Glaubensüberzeugungen können auch andere spielen!

Günter Johannsen | So, 30. August 2020 - 14:09

Diese Erdogan-Türkei bricht das Völkerrecht und führt einen illegalen Vernichtungskrieg gegen das kurdische Volk. Deutschland unter Merkel lieferte (und liefert noch?) Waffen dazu. Jetzt schickt sich dieser Tyrannenstaat an, Griechenland um sein Recht und Eigentum zu betrügen … und mit Gewalt und kriegerischer Auseinandersetzung zu drohen! Es könnte auch dahinter eine Bestrebung nach einem erneuten Groß-Osmanisches Reiches und der Okkupation Griechenlands vermutet werden. Will Europa das auch noch hinnehmen und nur mit dem Finger tun?
Moralisch sauber und not-wendig ist jetzt:
1. Ausschluss der Erdogan-Türkei aus der Nato und Ächtung!
2.Sofortige Einstellung aller Beitrittsgespräche zur EU!
3.Beenden sämtlicher Zahlungen an die Türkei!
4.Sofortiges Beenden aller Geschäfte mit dieser Erdogan-Türkei!
6.Rücknahme der Doppelten Staatsbürgerschaft!

Nur diese Sprache versteht der islamistische Diktator Erdogan!

helmut armbruster | Mo, 31. August 2020 - 07:49

Die USA haben sich teilweise zurück gezogen und das Feld Russland überlassen, siehe Syrien.
An wen wird sich Erdogan wenden, wenn er einen starken Partner oder Hilfe braucht?
Die USA können oder wollen nicht mehr und stellen außerdem die Nato in Frage. Ihr Hauptinteresse scheint jetzt zu sein zu verhindern, dass China immer mächtiger wird.
Die EU kann man vergessen, denn sie ist außenpolitisch nicht handlungsfähig. Und sie ist für Erdogan nur noch insoweit wichtig als sie noch beträchtliche Geldsummen in die Türkei überweist.
Bleibt dieses Geld aus, braucht die Türkei die EU nicht mehr. Auf die lästigen Ermahnungen sie solle die Menschenrechte einhalten, kann sie gern verzichten, wenn das alles ist, was die EU ihr gibt.
Erdogan wird sich also kaum darauf verlassen, dass USA und EU seine treuen Partner sind.
Mangels anderer Alternativen bietet sich Russland als Vormacht in dieser Region an. Die Türkei wäre der gegebene Juniorpartner.
Wir dürfen gespannt sein wie es weiter gehen wird.

gabriele bondzio | Mo, 31. August 2020 - 08:04

liegt nicht nur allein in der Türkei. Türken-Konflikte werden auch in DE zunehmen. Im Jahr 2019 lebten rund 1,5 Millionen Türken in Deutschland. 18% der Türken fühlen sich häufig wegen ihrer Herkunft benachteiligt. Erdogan treibt sein perfides Spiel nicht nur in der Türkei, er agitiert auch in Deutschland gezielt gegen Kurden, Aleviten und andere System-Gegner. Wie wir aus vielen Berichten und Aktionen wissen. Von der deutschen Regierung kommt Zurückhaltung, da ihr die Hände mit dem Flüchtlingsabkommen gefesselt sind.
Statt sich um sein Land und seine Menschen zu kümmern, mischt sich Erdogan fast überall im nahen Osten ein, um seine religiöse Ideologie der Konfrontation und den Traum von einem neuen Reich der Osmanen umzusetzen. Der Satz: „Wir müssen da hingehen, wo unsere Vorfahren waren“...sagt doch alles über die Absichten dieses Mannes.

Dorothee Sehrt-Irrek | Mo, 31. August 2020 - 10:16

eine steile These von mir angesichts eines wie ich meine Herrn Erdogan.
Nun ja, vor ein paar Jahrzehnten, wäre Erdogan schon lange weggesputscht worden.
Gut, dass es heute anders geht.
Herr Erdogan wird auch wieder "kleinlauter" werden.
Ich meine irgendwo gelesen zu haben, dass Frau Merkel in etwa ihm sonst nicht mehr zur Seite stehen könnte?
Da können zwei miteinander?
So vieles mehr wird doch so evtl. sichtbar, das man sonst evtl. nur schwarz an die Wand malen könnte?
Ich bin gegen Gewalt und für An- und Einsicht und bei manchen vielleicht Umdenken...
Die Worldtour der Männer 2020 ohne die Türkei-Radrundfahrt, fand die überhaupt statt?
Jedenfalls gehört sie wieder dorthinein, denn so kann man wunderbar sehen, dass Häuser in der Türkei "keine Schleier tragen".
Moderne steht der Türkei...

Manfred Schmidt | Mo, 31. August 2020 - 14:30

Man muss es leider sagen, auch in Demokratien verfestigen sich Strukturen als Resultat einer über Jahrzehnte dauernder Regentschaft von Regierungen bzw.
Regierungskoalitionen. Auch hier werden Schaltstellen in der Gesellschaft und der Justiz, als oberstem Wächter legitimen Handelns, mit eigenen Parteigängern besetzt.
Die Art und Weise, mit der führende Politiker nahtlos Bundesrichter werden, versetzt einen in Staunen und wirft die Frage inwieweit das Prinzip der Gewaltenteilung noch gilt. Desweiteren wäre zu hinterfragen wo, zumal in einer parlamentarischen Demokratie, die Richtlinienkompetenz des Regierungschefs endet. Bei einem ideologisch nicht heterogenen und pragmatisch differenzierten Parlament, mag dies noch weitgehend folgenlos sein, nicht in einem Parlament, in dem fast alle Parteien austauschbar und mit einander koalitionsfähig sind. Das Argument, die Demokratie sein die beste aller schlechten Staatsformen gilt nach wie vor uneingeschränkt. Ihr Vorsprung schmilzt.