Ein ukrainischer Soldat steht neben dem Seitenleitwerk eines russischen Su-34-Bombers in Charkiw / dpa

Marina Henke über den Ukraine-Krieg - „Wir sind wahrscheinlich auf dem Weg in einen Guerillakrieg“

In der Ukraine ist derzeit kein Kriegsende in Sicht. Marina E. Henke, Professor of International Relations an der Hertie School und Direktorin des Centre for International Security, erklärt im Gespräch, warum sie nicht an eine zeitnahe Kompromisslösung glaubt, warum es gefährlich wäre, wenn die Nato direkt in den Konflikt eingreift, was Putin antreibt und es für Russland deshalb nur eine Richtung gibt: voraus.

Autoreninfo

Ben Krischke ist Redakteur bei Cicero und lebt in München.

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Marina E. Henke ist Professorin für Internationale Politik an der Hertie School in Berlin und Direktorin des Centre for International Security. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen militärische Interventionen, Friedenssicherung und europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik.

Frau Henke, seit zwei Wochen herrscht Krieg in der Ukraine. Eskalationsstufe folgt auf Eskalationsstufe, jüngst wurde sogar ein Kinderkrankenhaus von den Russen beschossen. Wo sehen Sie denn aktuell überhaupt noch Raum für einen Friedensvertrag zwischen Russland und der Ukraine?

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Jochen Rollwagen | So, 13. März 2022 - 16:26

Da ist voll zuzustimmen.

Da die Russen heute die (jetzt ehemalige) NATO Basis in Yavoriv im Oblast Lviv kaputt gebombt haben, in der sich wohl hauptsächlich ausländische Söldner aufgehalten haben werden die Kollegen dieser Leute das deutliche Signal Rußlands verstanden haben und sich aus der Ukraine wieder verabschieden. Die Grenze nach Polen (ist da quasi um die Ecke) ist offen, und Deutschland nimmt ja alles auf was aus der Ukraine kommt.

Das mit dem Guerillakrieg kommt also hin. Aber nicht in der Ukraine.

Joachim Kopic | So, 13. März 2022 - 18:33

In reply to by Jochen Rollwagen

... kann doch garnicht sein ... Putin hat sich da sicherlich wieder was zusammengereimt ...
Genauso, wie wir, wenn es um die ukrainischen StudentInnen geht ... warum sie weder Ukrainisch, Russisch noch richtig Englisch sprechen können, ist doch egal. Außerdem: Wir schaffen das! Diesmal sicherlich, das Personal ist ja ein ganz anderes ... und die Raute bzw. Drachenviereck? Egal ;)

Gerhard Lenz | So, 13. März 2022 - 19:43

In reply to by Jochen Rollwagen

Sind im Forum mal wieder fleissig bei der Sache. In der Ukraine gab es also eine NATO-Basis, auf der sich "hauptsächlich ausländische Söldner" aufhielten?

Die haben Sie wohl persönlich beobachtet. Oder haben Sie Ihre Erkenntnis direkt aus irgendwelchen Putin-treuen Kanälen der alternativen Hetz-Medien?

Schon erstaunlich, mit welcher Chuzpe hier Schreiber die Seite des russischen Vernichtungskriegers ganz offen ergreifen und fleissig entsprechende Fake-News vertreiben.

Ronald Lehmann | Mo, 14. März 2022 - 12:48

In reply to by Jochen Rollwagen

Ist ein Wirtschaftskrieg, wo man sein Gegenüber in Anhängigkeit, in moderner Versklavung bringt, auch ein Guerillakrieg der perfiden Art?

Christoph Kuhlmann | So, 13. März 2022 - 17:04

Sie hat kein Sex Appeal. Wer sich profilieren will verzichtet deshalb gern auf sie. Zudem ist die Vernunft an semantische Konstrukte gebunden und die sind kontingent. So halten sich oft beide Seiten für vernünftig und die Gegenseite nicht. Beide oft zurecht. Wer sich von Peacenicks regieren lässt sollte sich da nicht für überlegen halten. Interessant ist ja, das in früheren Umfragen 70% der Bundesbürger sich zugunsten der weitgehenden Demobilisierung der Bundeswehr äußerten und nun eben diese 70% für den sofortigen Importstopp von russischen Gas und Öl sind. Sie möchten also verarmt und ohne Waffen dem russischen Imperialismus begegnen. Es sind Mehrheiten, welche diese Meinungen haben und es gibt viele opportunistische Politiker, die sich gern nach ihnen richten. Also, wer behauptet ein Land sei vernünftig, dass 20 Jahre lang maßgeblich die Aufrüstung Russlands durch Energieimporte finanziert und gleichzeitig seine Bundeswehr ruiniert? Putin geht über Leichen aber dumm ist er nicht.

Interessante Zahlen! Vielleicht wäre es also nicht besser sich wehrlos zu zeigen und aus Solidarität frieren und hungern?
Warum kommen die Ukrainer nicht auf dieses Konzept, sie sind doch chancenlos gegen die Russen. Es ist ist doch nur eine Frage der Zeit, daß sie sich ergeben müssen.
Warum haben sie die Russen nicht mit Blumen und Umarmungen willkommen geheißen. Es würde kein Blut fließen und es gebe keine Zerstörungen!
Also statt eines Verteidigungsministeriums sollten wir ein alle Völker Willkommens- und Umarmungsministeriums einrichten.
Soldaten werden dann zu Dienern der Invasoren um deren Bedürfnissen gerecht zu werden.
Sollte man als Fragestellung zur Abstimmung vorlegen und schauen ob es dann bei 70% bleibt.

Urban Will | So, 13. März 2022 - 19:17

hier dargestellten Szenarien in den von ihr als „wahrscheinlich“ vorhergesagten Guerilla – Krieg münden soll.
Und ich hoffe auch sehr, dass sie sich irrt.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass dies eintritt. Russland wird, wenn der Widerstand nicht abnimmt, wohl seine Feuerkraft ausweiten und auf ein „Ende mit Schrecken“ hinwirken. Das ist leider die traurige Wahrheit und auch eine Folge des – zwar sehr nachvollziehbaren aber eben auch fatalen – vom Westen stark beförderten heroischen Widerstandes der Ukrainer.
Man berichtet mit „Entsetzen“ über russische Angriffe, Bombardements. etc. Was erwartet man denn? Dass die Russen in die Luft schießen?
Wer eine Fortsetzung des Krieges – jetzt mal völlig unabhängig von d Frage, wer ihn begonnen hat – befördert, darf dem Agressor nicht „vorwerfen“, ebenfalls mit aller Härte zuzuschlagen.
Daher muss endlich Vernunft her, Realpolitik, eine für alle gesichtswahrende Lösung. Und – so blöd das auch klingt – der Ball liegt bei Selenskyj.

Dr.Andreas Oltmann | So, 13. März 2022 - 23:47

Ein dürftiger Beitrag einer vermutlich gut dotierten Professorin, der inhaltlich nichts Neues bringt, was nicht schon gesagt wurde. Und von der Art der Formulierung und der Wortwahl ziemlich flach, ein bisschen Ponyhof-Disput. So jedenfalls mein Eindruck. Überflüssig. Wenn das dem Niveau der Hertie-School entspricht, dann spricht es für sich.
Mehr Inhalt, gedanklich, grammatikalisch und vom intellektuellen Niveau haben da die Artikel von Herrn Grau, wie heute wieder gelesen. Oder Claus von Dohnany in der Illner-Talkshow. Mit 93 Jahren absolut souverän!
Danach fragt sich tatsächlich, ob Scholz und Baerbock in der Lage sind, das Staatsschiff im Sturm auf Kurs zu halten. Oder ob es nur für ein Paddelboot auf der Binnenalster reicht (Tichys Einblick heute).
Ziemlich sicher reichst nur für das Paddelboot.

Brigitte Simon | Mo, 14. März 2022 - 14:07

In reply to by Dr.Andreas Oltmann

Ich frage mich nicht, lieber Herr Ottmann, mit welchem Schiff unser erfolgreiches
Paar dem Sturm trotzen werden oder sogar können. Unsere Gorch Fock wurde für
läppische 135 Millionen Euro - open end - runderneuert. Geplant waren 10 Millionen Euro. Eine Sanierung innerhalb sechs Jahren erfüllte von der Leyens Prestigegier.
Sie ist nicht nur sturmerprobt - also nicht Frau von der Leyen - weiße Segel, Sonne pur laden zum Bräunen ein. Ein ideologisches Braun für unseren Foristen.

Sabine Lobenstein | Mo, 14. März 2022 - 00:07

Ich habe mir beim lesen gedacht, man könnte es auch so schreiben: Wir haben immer wieder Eliten in der Weltgeschichte gesehen, die festgestellt haben, dass sie Schwierigkeiten haben zuhause, dass ihre Legitimität unter Druck steht. Eine Weise, Legitimität wieder aufzubauen, ist, ein Feindbild zu kreieren. Dadurch kann man alles, was im eigenen Land schlecht läuft, auf andere schieben, zum Beispiel auf den Russland. Dann ist Russland nicht nur an der (eigentlich selbst verschuldeten) Energiekrise schuld, sondern auch an den irrwitzigen Investitionen in die Waffenindustrie und die Erhöhung der Natozahlung auf 2% p.a.. Nach dem Leeren der Staatskassen aufgrund von Umverteilung an die Eliten mit der Begründung Coronamassnahmen und dem Feindbild "Ungeimpfte" lässt sich dann die Inflation (Enteignung des Volkes) auch dem Russen in die Schuhe schieben. Und am Ende wird Putin von seinen unzufriedenen Oligarchen entfernt und durch einen Elitenfreundlicheren Kopf ersetzt.

Ernst-Günther Konrad | Mo, 14. März 2022 - 10:11

Ein gutes Interview Herr Krischke. Keine mit Emotionen geschwängerte Fragen und eine sehr sachlich argumentierende Prof. Henke, die für mich, die einzigen realistischen Optionen darstellt. Ich halte es derzeit auch noch für am wahrscheinlichsten, dass es zu einem Guerillakrieg kommen könnte. Sollte Selenskij auf die Russen zugehen und Putin dies akzeptieren, muss man sich schon fragen, warum das alles nicht schon vor dem Einmarsch möglich war. Und ja, so schätze ich es auch ein. Würde Putin einen Rückzug, ohne etwas erreicht zu haben einleiten, könnte er das innenpolitisch schon gar nicht überleben. Jedenfalls hilft die Kriegsrethorik und das emotionale Schüren von Ängsten derzeit niemand. Und welche Bilder und Berichte aus dem Kriegsgebiet tatsächlich stimmen, da habe ich erhebliche Zweifel. So sollen einige Bilder gar nicht aus dem Ukrainekrieg stammen, sondern aus vorherigen Gebieten, etwas retuschiert als Fake Bilder verwendet worden sein. Man kann derzeit niemand etwas glauben.

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