Bundeswehr in Mali - Ohne Zukunft?

Ohne den Schutz der Franzosen, der einzig wirklich kampffähigen Truppe in Mali, kann die Bundeswehr nicht in Mali bleiben. Sicher nicht mit dem bisherigen Auftrag. Ein weiterer Beleg, wie notwendig eine bessere europäische Zusammenarbeit auch im Militärischen ist.

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Französische Soldaten beenden ihren viermonatigen Einsatz in der Sahelzone / dpa

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Kay Walter arbeitet als freier Journalist in Frankreich

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Kay Walter

Der zweite Putsch in neun Monaten stürzte Mali Ende Mai endgültig ins Chaos. Die Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat das Land umgehend suspendiert –  Frankreich setzte gemeinsame Militäraktionen mit der malischen Armee aus. Nun hat Präsident Macron auch das Ende der Anti-Terrormission Barkhane im ganzen Sahel angekündigt. Die erst kürzlich verlängerten und ausgeweiteten deutschen Missionen stehen damit ebenfalls zur Disposition.

Völlig unbestreitbar ist der Sahel-Gürtel politisch hochgradig instabil. In der riesigen Wüstenregion von Mauretanien über Mali, Algerien und Niger bis zum Tschad existieren weder erkennbare und damit kontrollierbare Grenzen noch irgendeine staatliche Macht, die das könnte. Es ist ein einziges Rückzugs- und Aufmarschgebiet für zahlreiche islamistische Terrorzellen, teilweise mit dem IS oder Al-Quaida assoziierte Milizen, für einheimische wie „zugewanderte“ Söldnertruppen. 

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Karl-Heinz Weiß | Fr, 11. Juni 2021 - 18:05

Nach 20 Jahren Afghanistan-Einsatz sollte doch klar sein, dass Deutschland weder am Hindukusch noch in Mali zu verteidigen ist. Die USA haben es nach Vietnam, Libyen und dem Irak zumindest vorübergehend akzeptiert: ohne die jeweiligen machtvolleren Akteure vor Ort laufen alle Aktionen ins Leere. Es tut weh: Auch in Mali sind deutsche Soldaten einer Illusion geopfert worden.
Und Präsident Macron geht es nicht um die Sahel-Zone, sondern um eine künftige Dominanz der französischen Rüstungsindustrie, die sich um deutsche Befindlichkeiten nicht schert.

Ein Krieg ist dort nicht zu gewinnen, ebenso wie er damals in Vietnam wegen des Urwalds nicht gewonnen werden konnte, auch in Afghanistan nicht wegen der Mondlandschaft des Landes. Bodenkämpfe sind in diesen Regionen sehr schwierig.

Gerade Ihrem letzten Satz stimme ich zu.

Das sieht man auch an der aktuellen Miesere im Fall des neuen Luftabwehrsystems, an dem France sich - auf unsere Kosten - gerne bereichern würde.

Die Bundeswehr sollte nicht an der französischen Rohstoffsicherheit und Versorgung für französische Atomkraftwerke beteiligt werden. Aber auch dann nicht, wenn mit Billigung der deutschen Parlamentsmehrheit und mithilfe der Bundeswehr in Afrika die Versorgung französischer Atomkraftwerke und die der Industrie der Bundesrepublik mit franz. Atomstrom gesichert wird.

Die irrationale Fortführung der Atomindustrie Frankreichs gefährdet nicht nur die friedliche afrikanische Entwicklung, sondern auch die Sicherheit Frankreichs und Deutschlands durch die kommenden nukleartechnischen Havarien.

Der Ausstieg Frankreichs aus der Atomenergie ist überfällig.

Die Deutschen interessieren sich weder für Afghanistan noch für Mali. In A. waren sie wegen den Amerikanern und in M. wegen den Franzosen. So mein Eindruck, auch ohne Ehrgeiz irgend etwas zu bewirken. Was wohl auch nicht geschehen ist.
Warum die Franzosen in Mali sind ist etwas anderes. Ich denke schon das da eine Verbundenheit zu den dortigen französisch sprechenden Menschen vorhanden ist und ein Staatszerfall von Mali wäre auch nicht gut. Man erinnere sich, dass Mali 2012/13 ohne französische Truppen von Tuareg und Islamisten überrannt worden wäre, die sich nach dem Tod Gaddafis aus den libyschen Waffenbeständen bedient hatten. Damals hätte es sonst einen dritten Islamistenstaat gegeben. Das mit den Islamisten in Afrika ist nicht vorbei, auch nicht anderswo in Afrika (siehe Boko Haram), und genauso wenig in Afghanistan. Der russische Ansatz in Syrien scheint dagegen zu funktionieren, aber so "handelt" der Westen ja nicht mehr. Mit dem Ergebnis, dass man nichts erreicht.

Christoph Kuhlmann | Sa, 12. Juni 2021 - 07:33

warum solche Einsäte in Regionen mit demokratisch fragwürdigen Regierungen überhaupt stattfinden. Man findet doch nie Verbündete vor Ort, die sich für Menschenrechte und Demokratie einsetzen. Die Korruption zerstört jeden Ansatz von Rechtsstaatlichkeit und damit hat die Bundeswehr dort nichts verloren.

Ernst-Günther Konrad | Sa, 12. Juni 2021 - 10:02

Wie das Wort schon sagt, handelt es sich bei der Bundeswehr um Militär zur Landes- und Bündnisverteidigung unseres Territoriums und der EU. Nicht mehr und nicht weniger. Unsere BW könnte überhaupt nicht an Kampfhandlungen teilnehmen. Wir haben weder eine gescheite Logistik noch Ausrüstung oder politischen Rückhalt, um solche Einsätze zu ermöglichen. So traurig und schlimm es ist, wenn in diesem Land keine Stabilität herrscht, können auch ausländische Truppen dort nichts bewegen. Ja, ich weiß, jetzt könnte man mit den Schicksalen der Zivilbevölkerung argumentieren. Nur, die Klutur dort und deren Lebenseinstellung kann nicht durch Umerziehung westlichen Nationen erfolgen. Das sollten die Afrikaner selber machen, partiell vielleicht an der ein oder anderen Stelle unterstützt durch Ausbildung bei uns. Dann aber nur zum Zweck der Rückkehr zum Aufbau des eigenen Staates. Finanziell nur in dem Maß, als das wir mittels Logistik unterstützen und nicht wahllos Geld verteilen.

helmut armbruster | Sa, 12. Juni 2021 - 10:20

Ernstfall nicht verteidigt werden. Aber das ist ja eigentlich sowieso überflüssig, wenn man eine Kanzlerin hat, welche die Grenzen für Millionen öffnet, anstatt sie zu verteidigen.
Erst hieß es jahrelang deutsche Soldaten dürfen nur einen Verteidigungskrieg führen und sie dürfen nie wieder im Ausland eingesetzt werden.
Dann fiel unseren politischen Schlaubergern ein, dass Deutschland auch am Hindukusch verteidigt werden kann und auf einmal wurde die Bundeswehr dort eingesetzt. Mit immensen Kosten und null messbarem Erfolg für die Verteidigung Deutschlands.
Arme deutsche Soldaten, die unter dem Kommando solcher Politnullen ihre Pflicht erfüllen und ihren Kopf hinhalten müssen.

Rainer Slomma | Sa, 12. Juni 2021 - 13:15

Es ist eine unbequeme Wahrheit: Soldaten, die in Krisengebieten nicht kämpfen sollen, dürfen oder können, haben dort im Grunde nichts verloren. Ausbildungsaufträge oder Konfliktbewältigungsseminare sind allenfalls gut gemeint, nicht mehr. Unvergessen der arme, vor Angst schlotternde Kommandeur der UN - Blauhelme Karremans, der vom Kriegsverbrecher Ratko Mladic zu einem launigen Trinkspruch wohl gezwungen wurde, was man im TV weltweit übertrug. Auch hieraus hätte man lernen können: Militär, das nicht einsatzfähig ist oder - aus welchen Gründen auch immer - nicht sein soll, wird nicht ernst genommen.