Das Brexit-Corona-Jahr geht zu Ende - Winter der Unzufriedenheit

Großbritannien hätte 2020 mit dem Brexit schon alle Hände voll zu tun gehabt. Doch dann kam auch noch Corona über die Insel. Unsere London-Korrespondentin Tessa Szyszkowitz blickt zurück auf ihr Jahr auf der Insel.

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Englands Premier Boris Johnson hat sich mit seinem Corona-Management nicht gerade mit Ruhm bekleckert / dpa

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Tessa Szyszkowitz ist Londoner Korrespondentin des österreichischen Wochenmagazins Profil. Im September 2018 erschien „Echte Engländer – Britannien und der Brexit“. Foto: Alex Schlacher

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Tessa Szyszkowitz

Das Jahr begann mit dem Brexit und nun endet es auch so. Gerade bevor wir die Sektkorken zu Weihnachten 2020 knallen lassen, kann Boris Johnson in Downing Street 10 den endgütigen Austritt aus der EU doch noch mit gütlichem Ausgang feiern: „Wir haben einen Deal!“, sagte der 56-jährige Premierminister. Damit kann das Vereinigte Königreich am 31. Dezember den EU-Binnenmarkt mit einem Handelsabkommen verlassen.

Der 2000 Seiten dicke Vertrag ist allerdings vom Inhalt her eher dünn: Er umfasst nur den Güterhandel und einige andere Themen. Wichtige Brocken wie den Zugang britischer Finanzdienstleistungen zum EU-Binnenmarkt werden erst in den kommenden Jahren ausgehandelt werden. „Wir werden ein unabhängiger Küstenstaat mit voller Kontrolle über unsere Fischbestände“, sagte Boris Johnson in London. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen ließ es sich in Brüssel nicht nehmen, in einem kleinen Seitenhieb darauf hinzuweisen, dass die Fischquoten in den britischen Gewässern erst nach einer Übergangsphase von 5,5 Jahre verändert werden.

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Bernd Muhlack | Do, 24. Dezember 2020 - 18:32

Merry Christmas Frau Szyszkowitz!

Ich lese ihre Artikel jeweils mit großem Interesse, poste sie an meine Tochter in London; man spricht darüber.

"Wichtige Brocken wie den Zugang britischer Finanzdienstleistungen zum EU-Binnenmarkt werden erst in den kommenden Jahren ausgehandelt werden."
Ich kenne das Abkommen natürlich noch nicht, jedoch kann man so etlichem vorbeugen, so man dazu die Kompetenz hat!

Meine Tochter ist bei einem britischen Finanzdienstleister tätig; dieser hat auch Niederlassungen in Paris und Berlin.
Man kann das derart gestalten, dass es keine Probleme, Kollisionen mit einem wie auch immer gearteten Handelsabkommen, Brexit gibt.
Ich zitiere ja sehr gerne den Kaleu aus dem Film DAS BOOT: "Gute Leute muss man haben, gute Leute!"

Ein schöner Jahresrückblick 2020, prima.

Sollten Sie ansonsten ebenfalls "brav" gewesen sein, wird es am boxing day sicherlich Belohnungen geben, isnt´it?
In diesem Sinne bereits jetzt: gutes neues Jahr für Sie!

Christoph Kuhlmann | Do, 24. Dezember 2020 - 19:09

haben, ist eine extreme Frechheit. Sie kritisieren eines der anspruchsvollsten politischen Konstrukte auf diesem Planeten aus der Position eines weitgehend desorganisierten Landes, dass weder konkrete Pläne für die Wirtschaft hat noch in der Lage ist ein Virus in den Griff zu bekommen. Die EU ist wahrlich nicht fehlerfrei und voller Konstruktionsmängel, die sich nur in der Krise notdürftig beheben lassen. Verglichen mit dem Bild, welches das UK (solange es noch eines ist) abgibt, ist sie jedoch ein Vorbild an Organisation, Weitsicht und Solidarität. Man fragt sich wirklich wo das enden wird. Schadenfreude ist vollkommen fehl am Platze, denn die Zeche zahlen alle.

Ernst-Günther Konrad | Fr, 25. Dezember 2020 - 07:32

Ob Boris Johnson Corona gut oder schlecht bewerkstelligt, mögen die Briten entscheiden. Da war er wohl nicht besser oder schlechter als alle anderen Staaten in der EU. Es macht keinen Sinn bei anderen ständig herum zu kritisieren, wenn man im eigenen Land nicht besser ist. Es hat niemand ein Patentrezept zur Virenbekämpfung entwickelt. Wie auch.
Offenkundig wurden Kompromisse gefunden, mit denen alle erst einmal in eine neue Zeit gehen können. Ob und wie sich der Brexit für GB und die EU auswirken werden in praktischer Hinsicht muss abgewartet werden. Ich beglückwünsche die Briten für ihren Schritt der Wiedererlangung ihrer Souveränität ohne EU-Bevormundung mit allen Vor- und Nachteilen. Das ausgerechnet in der kritischen Verhandlungsphase ein mutiertes Virus in GB nach einer Woche Impfung aufgetreten ist sollte uns alle sehr skeptisch und aufmerksam machen. Das kann Zufall sein oder?

Sie sprechen das aus, was viele unabhängig denkende Menschen denken und sich fragen: "Dass ausgerechnet in der kritischen Verhandlungsphase ein mutiertes Virus in GB nach einer Woche Impfung aufgetreten ist sollte uns alle sehr skeptisch und aufmerksam machen. Das kann Zufall sein oder?"
Ob Zufall oder nicht - Fakt ist: Wer andere Länder dirigieren und bevormunden will, tickt wohl wenig anders als das Sozialistische Regime in der untergegangenen DDR?!

Natürlich ist das kein Zufall! Geschickterweise hat die EU diese Mutation auch in Japan, Südafrika, Deutschland, Frankreich, Spanien und den Niederlanden eingeschleust, damit es nicht so auffällt. Aber Sie lassen sich natürlich nicht so leicht austricksen, nicht wahr, Herr Konrad?

Zur Sache: Economist, Financial Times, Independent und Guardian sind sich weitgehend einig - nur kein Deal wäre schlimmer gewesen als dieser Deal. Mal sehen, wie lange es dauert, bis die Vernunft den Stolz besiegt und die Briten wieder Einlass begehren. Eine Generation bestimmt, so wie letztes Mal...

Hans Jürgen Wienroth | Fr, 25. Dezember 2020 - 08:52

Viel Kritik von Frau Szyszkowitz, aber was war schlechter als bei uns? Der Lockdown kam kaum früher, Schutzkleidung fehlte, nachdem sie kurz zuvor verschenkt wurde und es gab auch bei uns viele Tote. Nachdem noch am 1. April (-Scherz?) Masken als gefährlich eingestuft wurden (weil es sie nicht gab) kam wenige Tage später die Aufforderung, selbst welche zu nähen.
Auch heute sind wirksame FFP2-Masken in Pflegeheimen und Krankenhäusern bei uns anscheinend Mangelware. Warum sonst sterben dort so viele Menschen? Mit den dauerhaften Lockdown-Beschränkungen machen wir unsere Wirtschaft kaputt und verschulden unsere Kinder auf Generationen. Ja, das britische Gesundheitssystem arbeitet an der Grenze der Belastung, aber sieht es bei uns besser aus?
Johnson hat sich mit dem Deal vom EuGH befreit und ist Herr seiner Zuwanderung. Das genau war das Ziel des Brexit.

Reinhard Oldemeier | Fr, 25. Dezember 2020 - 09:12

... sagte so oder auch etwas anders, Helmut Schmidt.
Er hatte Recht. Denn der Brexit war eine solche Vision. In einer komplexen Welt hängt alles irgendwie zusammen. Ob Pandemien oder wirtschaftliche Zusammenhänge, aus dieser Welt kann sich niemand davon stehlen und sich sein eignes Weltbild zimmern.
Die Politik kann nicht mehr viel bewegen, wenn man nicht zusammen arbeitet.
Das gilt auch für China, Russland oder die Despoten dieser Erde. Irgendwann kommt der sogenannte Bumerang zurück. Boris Johnsen ist seine Großmäuligkeit auch um die Ohren geflogen. Nun gehört er aber auch zu den Menschen, die eine gewisse Lernfähigkeiten besitzen und aus Fehlern lernen können. Somit hat er noch schnell eine Einigung mit der EU erzielt, somit noch größeren Schaden Großbritannien abwenden können. Eins kann er aber nicht mehr, die Spielregeln bestimmen, darüber sollte er Ehrlich Nachdenken.

Günter Johannsen | Fr, 25. Dezember 2020 - 12:17

wenn man sich nicht zu nahe kommt!
Fragt sich nur, wer zufrieden und wer unzufrieden ist! Ich glaube, die Briten können zufrieden sein, denn sie haben das, was sie wollten. Die EU gibt - wie so oft - ihre Niederlage als Sieg aus.
Die Briten wollten Unabhängigkeit von dieser bevormundenden EU-Kommission … und machen ihre Gesetze für ihr Land wieder selbst. Also noch einmal: wer ist nun der Gewinner?!
Im Zusammenspiel der gleichberechtigten Partner gilt nach wie vor - auch wenn das ewig gestrige Linke nicht wahrhaben wollen - : "Wer sich näher kommen will, darf sich nicht zu nahe kommen!"

Fritz Elvers | Fr, 25. Dezember 2020 - 18:23

ein Ende dieses Scheingefechtes bewirkt haben?
The White cliffs of Dover in Form von LKWs? Oder die Rechnung, wer wohl der größere Verlierer ist?
Es ist sicherlich richtig, dass die EU seit ihrer Osterweiterung zutiefs reformbedürftig ist. Faule Kompromisse, die Ungarn und Polen die Corona-Milliarden sichern, werden als Erfolg verbucht. Nach wie vor ist die EU vordemokratisch organisiert, Macron findet in Deutschland keinen
ernstzunehmenden Gesprächpartner mehr, alles nur noch Show. Viele Mitglieder sind pleiter als pleite.

Wenn sich das nicht grundlegend ändert, zerfällt diese großartige Idee. Sie scheitert an sich selbst, da braucht es keine reaktionären und nationalistischen Kräfte mehr. Die kommen dann sowieso.