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Marine Le Pen / dpa

Parteitag der französischen Nationalisten - Marine Le Pen wird rechts überholt

Nach ihrem Debakel bei den französischen Regionalwahlen erwächst der Populistin Marine Le Pen Widerstand von rechts. Auf dem Parteitag des „Rassemblement National“ an diesem Wochenende könnten sich die Fronten verhärten. Muss Marine Le Pen um ihren Einfluss fürchten?

Stefan Brändle

Autoreninfo

Stefan Brändle ist Frankreich-Korrespondent mit Sitz in Paris. Er berichtet regelmäßig für Cicero.

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Es sollte ein triumphaler Parteitag werden, ein krönender Abschluss bei den Regionalwahlen, die Marine Le Pen den Weg in den Elysée-Palast hätten ebnen sollen. Hätten, sollen. In Wirklichkeit bestätigte das „Rassemblement National“ (RN) nicht den vorhergesagten Aufwärtstrend, sondern sackte von 27,7 (im Jahre 2015) auf 19,3 Prozent ab.
 
Der RN-Parteitag wird an diesem Wochenende in Perpignan nahe der Pyrenäen trotzdem abgehalten, auch wenn es nichts zu feiern gibt. Es herrscht Katerstimmung: Nach einer jahrelangen Erfolgsserie prallen die rechten Köpfe wieder einmal brutal an die „gläserne Decke“. Diese liegt für die Lepenisten etwa bei einem Drittel der Stimmen, wie es scheint. Abgesehen von lokalen Eigenheiten – wie etwa in Perpignan, wo der frühere Le Pen-Lebenspartner Louis Aliot Bürgermeister ist – kommen sie einfach nicht in die Nähe der 50-Prozent-Schwelle.

Mehr ist offenbar nicht drin

Auch unter Marine Le Pen nicht. Ihr Vater Jean-Marie Le Pen, der einst gerne den Bürgerschreck gespielt und rassistische Sprüche geklopft hatte, blieb mit dem damaligen „Front National“ (FN) sogar bei 20 Prozent stecken. Seine Tochter setzte alles daran, die Partei mit dem unverfänglichen Kürzel RN zu „normalisieren“, wie sie sagt. Damit kam sie bei den Präsidentschaftswahlen von 2017 gegen Emmanuel Macron auf 33,9 Prozent. 
 
Mehr ist offenbar nicht drin. Weniger schon – das zeigen die Regionalwahlen, obschon deren Aussagekraft wegen einer rekordtiefen Stimmbeteiligung (34 Prozent) beschränkt ist. Aliot, der sich von Le Pen 2019 getrennt hat, aber ihren Banalisierungskurs weiter deckt, erklärte selbstkritisch: „Wir müssen uns fragen, warum unsere Wähler nicht zur Urne gegangen sind. Wir waren offenbar nicht in der Lage, sie für unsere Anliegen zu interessieren.“

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Rob Schuberth | Fr, 2. Juli 2021 - 18:56

Als "von rechts überholt" würde ich das Wahlergebnis in France nicht bezeichnen, aber das macht halt mehr Klicks...sei's drum.

Wenn bei uns die Union (gerade die cDu) wieder wirklich den (alten) konservativen Kurs gehen würde, dann könnten m. E. recht viele Wähler dort wieder ihr Kreuz machen und das ginge primär zu Lasten der AfD, was ich gut fände.

Aber, da die Union 2 x ihre Wähler enttäuscht hat, und gegen deren Willen erst AKK und dann Laschet durchgedrückt hat, sehe ich dieses Zurückkommen noch nicht so deutlich.

Seit 15 Jahren verscheißert! Linker & Grüner wie die Linken oder Grünen inklusiv Klatschorgienen & Selbstbeweihräucherung selbst & tagtäglich der 1.April 😥. Oft ein schlimmerer Umgang & Ton mit den nicht gehorchenden Volk, die als rechte Nazis deklariert wurden. Selbst bei den ehemaligen SED-Genossen in der DDR wurde wenigstens nach Außen hin die Moraletikette eingehalten. Nein - Danke, nie wieder CDU.
Für mich persönlich eine Partei der "falsche Fünfziger", wo die letzten Jahre mit gezinkten Karten gespielt haben. Pfui Teufel, hebt euch hinweg.
Egal was ich persönlich auswähle - Lieber das Original & nicht ein teuren Abklatsch. Man ist nie Alternativlos!

Christa Wallau | Fr, 2. Juli 2021 - 21:31

werden mit und ohne Marine Le Pen nicht gelöst werden. Den Bürgern in unserem Nachbarland fehlt es an Einheitswillen u. Opferbereitschaft, die nötig sind, um ein Überleben der Nation in Souveränität und wirtschaftlicher Kraft zu sichern.
Es ist die gleiche Situation wie in Deutschland:
Kleinlicher Egoismus bei den Linken wie bei den Rechten zerstört jede Entschiedenheit für Wege aus der Krise.
Und auch ein Vertreter des Finanzwesens wie Macron kann offensichtlich auf Dauer kein Feuer im Volk entzünden.
Die einstige "Grande Nation" ist nur noch ein Schatten ihrer selbst.

Was die Islamisierung anbetrifft, gehört Frankreich schon lange zu den Vorreiterstaaten in Europa. Allein auf Grund der höheren Geburtenraten nehmen die Muslime stetig mehr Raum im Lande ein.
Aber die Deutschen strengen sich sehr an, die Franzosen bald einzuholen, was den Niedergang anbetrifft. Die GRÜNEN werden schon dafür sorgen, daß unsere letzte Bastion, unsere starke Wirtschaft, auch noch geschleift wird.

Historisch gesehen ist es wenig ratsam, wenn Staats-/Regierungschefs "Feuer im Volk entzünden".
Historisch gesehen hat es politisch und ökonomisch verheerende Folgen, wenn man Rechte oder Linke damit beauftragt, das "Überleben der Nation" sicherzustellen - es sei denn, man hat ein Faible für totalitäre Diktaturen.
Macron als "Vertreter des Finanzwesens" zu bezeichnen, ist natürlich sehr durchschaubares Framing von Leuten, die gerne mal raunend auf den Einfluss der "amerikanischen Ostküste" anspielen, wenn es um komplexe wirtschafts- und finanzpolitische Zusammenhänge geht.
Alles wie gehabt bei Ihnen...

Joachim Kopic | Sa, 3. Juli 2021 - 09:19

... da wird sich hier einer fragen, ob das die AfD äh AfF ist ;)

Lieber Herr Kopic, Sie schreiben mich immer mit so viel "Herzblut" an, da muss ich mich doch mal revanchieren!

Noch weiter rääächts als Le Pen? Das kann ja nur die AfD sein! Was durchaus naheliegend ist: Im Vergleich mit der Vertretung der AfD in diesem Forum wirkt Frau Le Pen ja fast schon wie eine Linke!

Ist mir aber schnuppe. Sollen Le Pen und andere Außenbahnflitzer doch um die reine Lehre streiten: Wie werden Blut und Boden wieder bis ins letzte Atom französisch_Und zwar so französisch, wie im 18. Jahrhundert, ohne irgendwelche Einsprengsel von Völkern, die in einem Anfall von kolonialem Masochismus sich voller Begeisterung der weissen Rasse unterworfen haben.

Über die daraus resultierenden Folgen hat ja schon die Vorkommentatorin geklagt. So wie sie das jeden Tag macht.

Fehlen noch die großen Enthüller, die feststellen werden, dass die USA, Macron, die deutschen Grünen, Merkel, die SED, der MfS, die Heinzelmännchen oder der Mann im Mond die Rechten spalten möchten!

...und ja, derjenige hechelt jedem Stöckchen hinterher das wir ihm quassi wegwerfen. Hat ja alles mit der blauen Partei zu tun.
Aber ich persönlich lese diese immergleichen Aussagen erst gar nicht. Wie ein Ghostwriter der Alpenprawda.

Ernst-Günther Konrad | So, 4. Juli 2021 - 08:06

Kühne Behauptung. Bei 35% Wahlbeteiligung eine solche Analyse und Bewertung vorzunehmen ist schon mutig. In jeder Partei gibt es sog. Flügelkämpfe, alles nichts neues. Daraus gleich einen Absturz von Le Pen zu kreieren bei Kommunalwahlen, mag zwar ihre Gegner erfreuen, sagt aber über den tatsächlichen Wählerwillen nichts aus. Keiner Partei tut es gut, wenn sich innerhalb ihrer eigenen Reihen Streitigkeiten bis ins persönliche ergießen und zur Spaltung führen können. Das ist nicht nur ein Problem der Partei von Le Pen. Warten wir die ab, wie die Wahlen 2022 dort ausgehen, dann wissen wir mehr.