Armut im Ruhrgebiet - Schief im Westen

Die Armut wohnt am häufigsten im Ruhrgebiet. Es gilt als Schmuddelkind der alten Bundesländer. Manche nennen es gar den neuen Osten. Besteht Hoffnung für den schwächelnden Riesen? Mitten im Strukturwandel ver­sucht sich der einstige „Kohlenpott“ zu erneuern

Steinkohlebergwerk Prosper V
Das letzte Steinkohlebergwerk Prosper V ist nun geschlossen / Heinrich Holtgreve

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Christoph Wöhrle ist freier Journalist und lebt in Hamburg.

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Ein dumpfes Geräusch tönt über den Platz, als der Spieler den Ball mit dem Kopf touchiert. Knapp über die Torlatte. Im Publikum raunen die Kippe rauchenden Ultras aufgeregt. Hinter den Zuschauern steht eine alte Bergbaulore. Heute ist Derby. Der SV Fortuna Bottrop spielt gegen den VfB Bottrop. Bezirksliga. Mitten unter den Zuschauern stehen Bernd Haack und sein Freund Detlef Meyer mit ihren Frauen. Für die Ex-Bergmänner gehört Fußball zur Ruhrpott-DNA, egal wie warm oder kalt es draußen sein mag. „Derby is doch imma wat Besonderes. Genauso wie gegen Schalke“, sagt Detlef Meyer, der BVB-Fan ist und 30 Jahre unter Tage gearbeitet hat.

In einem Fußballspiel sind es oft die kleinen Details, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Ob der Kopfball sich noch ein bisschen senkt und unter der Latte eintaucht. Ob man den Elfer reinschießt oder knapp vorbei. Das Ruhrgebiet ist, um es fußballerisch zu sagen, ein schwächelnder Top-Klub. Riesengeschichte. Riesenpotenzial. Aber momentan läuft es nicht. Um ehrlich zu sein: seit über drei Jahrzehnten schon nicht. Die Region zwischen Rhein und Ruhr in Nordrhein-Westfalen ist heute das Schmuddelkind der alten Bundesländer mit hoher Arbeitslosigkeit und wenig Perspektive. Das Wort Strukturwandel ist fast zu einem Schimpfwort geworden.

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Hans Jürgen Wienroth | Mi, 3. April 2019 - 10:47

„Strukturwandel“ ist das Zauberwort der Politik in unserem Land. Mit ihm werden Industriezweige aufgegeben, die Waren können (staatlich finanziert oder durch Niedriglöhne) aus anderen Regionen der Welt billiger eingekauft werden. Die Arbeitskräfte werden in den (staatlich unterstützten) „Vorruhestand“ geschickt. Von neuen Industriezweigen schwärmen unsere Regierungen, leider fehlen die (steuerlichen) Voraussetzungen für die Investitionen in neue (gut bezahlte?) Arbeitsplätze im weltweiten, freien Wettbewerb der Märkte. Start-Ups sind keine Großindustrien, schaffen nur wenig Arbeitsplätze und von Kunst & Kultur alleine kann keine Region leben.
Die Menschen im Osten stehen aus diesem Grunde dem Kohleausstieg skeptisch gegenüber. Die Wende hat ihnen den ersten „Strukturwandel“ mit hoher Arbeitslosigkeit gebracht. Die Jungen sind zu den Arbeitsplätzen gezogen, zurück blieben die Älteren und das was man langläufig als „Abgehängte“ bezeichnet.

Jürgen Keil | Mi, 3. April 2019 - 11:08

Wenn man sieht, wie der Kohleausstieg im Ruhrgebiet "gelungen" ist, kann einem für die Lausitzer Kohleregion nur Angst werden. Der eben erst beschlossene Kohleausstiegsplan erzeugt bei mir keinen Optimismus. Wie unsere Regierenden Probleme lösen, sieht man am Euro, dem Migrationsproblem, dem Pflegenotstand, der "Energiewende",der Rentenpraxis u.v.a.m.. Die Lausitz der Osten im Osten. Hoffentlich nicht!

Yvonne Pfeiffer | Mi, 3. April 2019 - 11:17

Wir hatten vor kurzem alte Freunde in Gelsenkirchen besucht. Man glaubt nicht das diese Stadt in Deutschland liegt. Deutsch spricht dort keiner mehr. Wir hatten uns verfahren und kamen durch Vororte wie DDR kurz vor der Wende oder nach dem WKII . Ein Fall für die Abrissbirne !

Norbert Heyer | Mi, 3. April 2019 - 12:29

Bin ein Kind des Ruhrgebiets, aus Duisburg-Hamborn, jetzt in Oberhausen. Ging es im Sommer ins Freibad, müssten wir durch zentimeterhohen Feinstaub laufen. Erst Willy Brandt versprach den „blauen Himmel“, was dann auch tatsächlich eintrat. Aber die gutbezahlten Arbeitsplätze im Bergbau und in der Stahlproduktion gingen nach und nach verloren, Ersatzarbeitsplätze konnten nicht im benötigten Umfang geschaffen werden. Außerdem herrscht unter den Städten ein stark verbreitetes „Kirchturmdenken“. Es wäre besser, das Ruhrgebiet würde als Einheit auftreten, damit könnte man wohl erfolgreicher strukturelle Verbesserungen erreichen. Allein das es so viele eigene Verkehrsbetriebe gibt - Straßenbahnen die teilweise an den Stadtgrenzen enden - ist ein Zeichen mangelnder Zusammenarbeit. Auch die finanziellen Belastungen wie Grund- und Gewerbesteuer sind höher als in den meisten anderen Ballungsräumen in Deutschland. Aber mit unserer kulturellen Vielfalt können wir gut punkten, da sind wir Spitze.

Ingolf Hertel | So, 7. April 2019 - 15:57

Ein interessanter Artikel ... aber wenn Ihre Autoren solche Superstatements abgeben wie zum Technopark Dortmund als "der größte Technologiepark Europas", sollte die Redaktion doch noch einmal kritisch prüfen, was da gedruckt wird: Die Zahlen für den TZDO liegen weit unter denen des Technologieparks Berlin-Adlershof -- was Arbeitsplätze, beteiligte Firmen und Institute, Gesamtfläche usw betrifft. Zum Nachlesen https://www.adlershof.de/ gleich auf der ersten Seite. Und wer mehr über die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft erfahren will, sei auf http://igafa.de/ verwiesen ...

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